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Ergänzende Literatur in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 29 - 34

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_29

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 8 Status: Imprimatur 2 Aufbau, Gliederung und Aufgaben des betrieblichen Rechnungswesens Eine Vielzahl interner und externer Anlässe erzwingt die rechnerische Erfassung des Unternehmensprozesses. Unabhängig davon, ob damit den Anforderungen an die gesetzlichen Rechnungslegungspflichten – und damit den Ansprüchen bestimmter Rechnungslegungsadressaten – oder aber dem Eigeninteresse der Unternehmensführung zur Erfüllung von Planungs-, Kontroll- und Steuerungsaufgaben entsprochen werden soll, bleibt der grundsätzliche Aufbau des Rechnungswesens mit den aufgezeigten fünf Verrechnungsbereichen des Unternehmensprozesses stets gleich. Allerdings nimmt, wie die folgende Abbildung eröffnet, das betriebliche Umsystem erheblichen Einfluss auf den Abrechnungsverlauf. Dies wird besonders deutlich, wenn zur übersichtlicheren Darstellung die Verrechnungsstellen der Zahlungsmittel und des Kapitals doppelt aufgeführt werden: Die Abbildung zeigt, dass offenbar nur ein Teil der betrieblichen Verrechnungsstellen in unmittelbarem Kontakt mit den Märkten (betriebliches Umsystem) steht, auf denen das Unternehmen agiert. Diese Verrechnungsstellen gehören somit zum Außenbereich des Abrechnungssystems, das mit der Bereitstellung von Informationen für unternehmensexterne Adressaten zur Erfüllung von Aufgaben der externen Unternehmensrechnung beiträgt. Die keine oder keine direkte Marktverbindung aufweisenden, da die betriebsinternen Abläufe abbildenden Verrechnungsstellen bzw. Verrechnungsstellenseiten machen den Innenbereich des Abrechnungssystems aus; sie haben demgemäß die der internen Unternehmensrechnung zugewiesenen Aufgaben einer Informationsbereitstellung für unternehmensinterne Adressaten zu erfüllen. Kapitalmärkte Kapitalmärkte Beschaffungsmärkte Absatzmärkte Finanzeinzahlung Finanzierung von außen Kapital Beschaffung Zahlungsmittel Erfolgsausgabe Investition Aufwand/Kosten Kostengütereinsatz Ertrag/Leistung Ertragsgütererstellung Erfolgseinnahme Desinvestition Absatz Kapital Zahlungsmittel Finanzauszahlung Rückzahlung (außen) Ausschüttung (innen) Transformation Innenbereich AußenbereichAußenbereich Finanzierung von innen Abrechnungs- und Umsystem der Unternehmung Einleitung 9 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 9 Status: Imprimatur Beide Teilsysteme sind in enger Abhängigkeit zu sehen: So wirken sich Störungen im Bereich der betrieblichen Außenbeziehungen etwa dergestalt auf den Innenbereich aus, dass auftretende Liquiditätsengpässe an sich erforderliche Investitionen verhindern können und somit der Transformationsprozess beschnitten oder gar lahm gelegt wird; umgekehrt sind Unwirtschaftlichkeiten des Innenbereichs als Ursache einer unrentablen Gütervermarktung denkbar, die alsbald Zahlungsschwierigkeiten und schließlich Kapitalschnitte (Verluste an Eigenkapital) zur Folge haben kann. Da gestörte Beziehungen zu den Beschaffungs- und Absatzmärkten – zumindest mittelfristig – regelmäßig auch Divergenzen im Bereich der Geld- und Kapitalmarktbeziehungen nach sich ziehen, wird sich das Unternehmen immer dann notwendiger Eingriffe im Zahlungsund Kapitalbereich nicht entziehen können, wenn das Überleben von Anpassungsmaßnahmen an geänderte Marktgegebenheiten abhängig ist. Dem wird durch Umwandlungen, Fusionen, Sanierungen oder aber, wenn das Weiterbestehen des Unternehmens wirtschaftlich nicht mehr vertretbar erscheint, durch freiwillige oder zwangsweise (Insolvenz) Liquidation Rechnung getragen. Die Rechnungslegung des Außenbereichs ist daher zur Erfassung dieser Sonderfälle der Finanzierung um spezifische, außerordentliche Rechnungslegungsinstrumente, die Sonderbilanzen, zu ergänzen. Diese stellen dann häufig den Ausgangspunkt für ein neugeordnetes Rechnungssystem des Unternehmens dar. Aus der Sicht dieser Aufgabenverteilung bietet sich eine an der Ziel- bzw. Zwecksetzung der Rechnungszweige orientierte Gliederung des betrieblichen Rechnungswesens an (s. Abb. S. 10). Die Außenbeziehungen des Unternehmens werden durch die Sonderbilanzen und die Finanz-(Geschäfts-)Buchführung erfasst. Dienen die Sonderfälle der Finanzierung dem Unternehmenserhalt, so mündet die Neuordnung des Kapital- und Zahlungsmittelbereichs unmittelbar in die Finanzbuchführung, wobei dann lediglich die Vermögens- und Kapitalkonten tangiert und die Neuordnungsergebnisse in einer (Sonder-)Bilanz zusammengefasst werden. Führen die Finanzierungssonderfälle dagegen zu einer Unternehmensauflösung, so kommt der Unternehmensprozess zum Erliegen: Vermögen und Kapital werden nur noch durch eine Nachweis-(Befund-)Rechnung, den Status, ausgewiesen, um eine geregelte Unternehmensauflösung und Vermögensverteilung zu gewährleisten (im Einzelnen siehe Teil C des Buches). Dagegen wird der laufende, ordentliche Unternehmensprozess, die Regelbeziehung des Unternehmens zu seiner Umwelt, auf den Kapital-, Vermögens-, Aufwands- und Ertragskonten erfasst und über einen regelmäßigen jährlichen Abschluss zur Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung verdichtet. Bilanz und Gewinn- und Verlustrechnung bilden den Jahresabschluss. Darüber hinaus zählt bei Kapitalgesellschaften ein die Ansätze in Bilanz und GuV erläuternder Anhang zum Jahresabschluss. Diese drei Bestandteile dienen einschließlich eines den Geschäftsverlauf und die Lage der Kapitalgesellschaft darstellenden Lageberichts als Instrumente externer, finanzieller Rechnungslegung der Erfüllung der mit der Übernahme von Vermögensverwaltungsaufgaben durch die Unternehmensleitung begründeten Rechenschaftspflicht gegenüber außenstehenden Adressaten der Rechnungslegung und als Grundlage für deren Ent- 2 A u fb au , G lied eru n g u n d A u fg ab en 10 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 10 Statu s: Im prim atu r Betriebliches Rechnungswesen Finanz- (Geschäfts-) Buchführung Finanzielle Rechnungslegung Dokumentation Unternehmenserfolg Steuerbemessung Vermögens-, Ertrags-, Finanzlage Bilanzpolitik Ausschüttungs-Erhaltungsrechnung Rentabilitäts-Liquiditätsrechnung Statistik pagatorischer Größen Plan-Ist-Abweichungsanalyse Plan-Bilanz und Plan-Gewinnund Verlustrechnung Finanz- und Liquiditätsplanung Steuerplanung Preisunter-(ober-)grenzenbestimmung Bewertungsunterlagen Betriebserfolg Kostenverantwortung, Kostenkontrolle Kosten-Leistungsvergleich Wirtschaftlichkeitsrechnung Statistik kalkulatorischer Größen Plan-Ist-Abweichungsanalyse Plan-Kosten- und Plan-Leistungsrechnung Budgetierung Zielgerichtete Nachweisrechnung Dokumentation Abfindungs-, Auseinandersetzungs-, externe Liquidationsrechnung Insolvenzplan mit Plan-Bilanzen ergänzt um Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen sowie Finanz- und Liquiditätsplanung Planungsrechnungen vor Umwandlungen interne Liquidationsrechnung Steuerplanung Betriebsbuchführung (Kosten- und Leistungsrechnung) (Arten- und Stellenrechnung) Sonderfälle der Finanzierung (Sonderbilanzierung) Bestandsrechnung (Sonderbilanz, Status) Vermögen Auswertungsfunktion Planungsfunktion Ermittlungsfunktion Erfassungsfunktion Kapital Bestandsrechnung (Bilanz) Vermögen Kapital Erfolgsrechnung (Gewinn- und Verlustrechnung) Aufwand Ertrag Erfolgsrechnung, Kalkulation (Kosten-/Erlösträgerrechnung) Kosten Leistung Systematik des betrieblichen Rechnungswesens Einleitung 11 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 11 Status: Imprimatur scheidungen. An das Informationspotential des Jahresabschlusses ist deshalb auch grundsätzlich die Forderung nach einer vom Ermessen des zur Rechnungslegung Verpflichteten weitestgehend unabhängigen Rechnung zu stellen. Obwohl die den Außenbereich betreffenden Geschäftsvorfälle im Wesentlichen auf marktmäßig objektivierten Zahlungsvorgängen (pagatorische, finanzielle Rechnung) beruhen, verbleiben bilanzpolitische Aktionsspielräume zwangsläufig immer dann, wenn Transformationsprozess und Abrechnungszeitraum divergieren: Noch nicht verkauften Halb- und Fertigfabrikaten fehlt bislang die marktseitige Objektivierung; das verbliebene Nutzungspotential langfristiger Gebrauchsgüter bedarf der Schätzung. Der Vermögens- und Ertragsausweis kann daher häufig erst nach Rückgriff auf die Bewertungsunterlagen des Innenbereichs konkretisiert werden. Es sind die Normen des Handels- und Steuerrechts, ggf. auch der internationalen Rechnungslegungsgrundsätze, die dafür den Rahmen der zulässigen Bilanzierungs- und Bewertungsspielräume vorgeben (im Einzelnen siehe Teil A des Buches). Im Gegensatz dazu kann das Abrechnungssystem des Innenbereichs, die Kosten- und Leistungsrechnung (Betriebsbuchführung), weitgehend ohne gesetzliche Reglementierung nach betriebsindividuellen, zweckorientierten Erwägungen ausgestaltet werden. Die Aufzeichnung der Realgüterströme erfolgt dabei losgelöst von Zahlungsvorgängen. Kostengütereinsatz und Ertragsgütererstellung erfahren eine wert- und teilweise auch mengenmäßige, jedoch keine pagatorische Erfassung. Es entsteht eine kalkulatorische Rechnung, deren Ergebnisrechnung den Betriebserfolg ermittelt. Die numerische Abbildung des Leistungserstellungsprozesses knüpft daher an den wertmäßig registrierten Verbrauch der Produktionsfaktoren (Kostenartenrechnung) an, der dann den Entstehungsorten (Kostenstellen) weiterbelastet und schließlich den produzierten Gütern oder Leistungen (Kostenträger) verursachungsgerecht zugeordnet wird. Unter Einbeziehung der Leistungsseite stellt die Betriebsbuchführung das Ergebnis des Produktionsprozesses der Höhe nach fest und differenziert es nach Erfolgsquellen. Während im Rahmen der Ermittlungsfunktion des Rechnungswesens lediglich retrospektive, faktische Daten über Situationszustände und prozessuale Ereignisse dokumentiert werden, benötigt die Unternehmensleitung zur effizienten Ausfüllung ihrer Steuerungs- und Kontrollfunktion auch prospektive Informationen, die mit Hilfe von Planungsrechnungen ermittelt werden. Planungsrechnungen werden sowohl für die Entscheidungsfindung als auch für den Entscheidungsvollzug eingesetzt, indem sie die voraussichtlichen Zielwirkungen möglicher Alternativen prognostizieren, über eine Alternativenbewertung analysieren und den Zielerreichungsgrad anhand von Zielvorgaben überwachen. Die geplanten Außenbeziehungen des Unternehmens finden ihre Entsprechung in Plan-Bilanzen und Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen, die geplanten internen Vorgänge werden in Plan-Kosten- und Plan-Leistungsrechnungen berücksichtigt. Es ist der Zukunftsbezug, der die zentrale Bedeutung dieser Instrumente für das entscheidungsorientierte Rechnungswesen begründet. Die dem Planungsinstrumentarium zu entnehmenden Informationen stehen dabei ganz überwiegend nur den unternehmensinternen Bedarfsträgern (Adressaten) 2 Aufbau, Gliederung und Aufgaben12 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 12 Status: Imprimatur zur Verfügung (im Einzelnen siehe Teil B des Buches). Planungsrechnungen sind ebenfalls im Zusammenhang mit Sonderfällen der Bilanzierung bedeutsam. Im Insolvenzplan ist darzulegen, welche Maßnahmen, insbesondere bezüglich des Kapitalbereiches, die notleidende Unternehmung aus ihrer Krise führen können und wie sich hiernach die Unternehmung darstellt. Plan-Bilanzen und Plan-Gewinn- und Verlustrechnungen können neben ihrer Bedeutung im Insolvenzplan auch vor Umwandlungen besonders nützliche Instrumente darstellen, um sich das zukünftige Erscheinungsbild der entstehenden Unternehmensstruktur bzw. Alternativen hierfür zu veranschaulichen und dergestalt eine Entscheidungsfindung, insbesondere auch unter steuerlichen Gesichtspunkten, zu unterstützen. Ergänzende Literatur zu: Grundsachverhalte des betrieblichen Rechnungswesens Chmielewicz, Rechnungswesen 1, S. 13–16 Eisele/Kratz, Rechnungswesen Engelhardt/Raffée/Wischermann, Buchhaltung, S. 1–5 Kosiol, Pagatorische Bilanz, S. 33–65 Menrad, Rechnungswesen, S. 19–53 Ruchti, Abschreibung, S. 24–28 Schildbach/Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 1–13 Weber/Rogler, Rechnungswesen 1, S. 1–24 Wöhe/Kußmaul, Buchführung, S. 1–20 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 13 Status: Imprimatur Teil A Finanz (Geschäfts )Buchführung und Abschluss

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.