Content

Übungsbeispiel in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 223 - 226

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_223

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
6.6 Wechselbilanzierung und Wechselobligo 203 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 203 Status: Imprimatur und übertragene Wechsel verbleibt jedoch eine Eventualverbindlichkeit aus Inanspruchnahme bei Regress (Wechselobligo), die unter der Bilanz gemäß § 251 HGB (s. auch die Erläuterungspflichten für Kapitalgesellschaften nach § 268 Abs. 7 HGB) gesondert zu vermerken ist. Sobald jedoch eine Inanspruchnahme aus dieser Eventualverbindlichkeit droht, muss dies durch einen Passivposten buch- und bilanzmäßig zum Ausdruck gebracht werden; es ist dann eine Rückstellung für Wechselobligo zu bilden, deren wirtschaftlicher Gehalt hinsichtlich Bildung und Auflösung dem des Delkredere entspricht. Bei Gewissheit über die Inanspruchnahme ist eine Sonstige Verbindlichkeit auszuweisen. Ein Regressanspruch ist am Bilanzstichtag zu aktivieren. Die Höhe des Rückstellungsbetrages richtet sich nach der mutmaßlichen Abdeckung des Ausfallwagnisses; hierbei spielen auf der bisherigen Zahlungsfähigkeit und Zahlungswilligkeit (Bonität) von Akzeptanten beruhende Erfahrungssätze eine besondere Rolle. Aber auch künftige Bearbeitungs-, Prolongations- und Protestauslagen sowie Zinsen können infolge nicht beabsichtigter oder nicht möglicher Weiterberechnung bei der Rückstellungsbildung zum Ansatz kommen. Analoges gilt auch für übernommene Wechselbürgschaften. Bei Kreditinstituten sind hereingenommene Wechsel mit den Anschaffungskosten (§§ 253 Abs. 1, 255 HGB) zu bilanzieren. Eine zeitanteilige Realisierung des Diskontertrages bis zum Ende des Bilanzierungszeitraumes ist nach dem Diskonturteil des BFH v. 26. 4. 1995 (DB 1995, S. 1541) steuerlich nicht möglich. Der gesamte Diskontertrag wird erst bei Wechselfälligkeit erfolgswirksam (Plewka/ Krumbholz, Wechseldiskonturteil, S. 342). Die Rechtsprechung wird in diesem Punkt als problematisch angesehen, da bei anderen Finanzierungsgeschäften mit Diskontelement, wie bspw. Zerobonds, eine zeitanteilige Verbuchung des Diskont(Zins-)ertrages erfolgt (vgl. Teil A, Abschn. 7.2.2, S. 234 f., und Hoffmann, Wechseldiskonturteil, S. 420). Übungsbeispiel: Die folgenden Geschäftsvorfälle einer Bauzubehör- und Baustoffgroßhandlung sind unter Angabe der Kontennummern des Kontenrahmens für den Groß- und Außenhandel zu kontieren (vgl. hierzu Anhang A.2, S. 1308–1311): 1) Lieferung einer Förderanlage an ein Bauunternehmen: Warenwert 15.000 + 10 % USt. Der Kunde akzeptiert kurze Zeit später einen Wechsel über 16.500. 2) Anlieferung von 5 Zementmischern durch die Herstellerfirma: Nettorechnungsbetrag 8.000 + 10 % USt. Der Lieferant hat einen Wechsel beigefügt, der „quergeschrieben“ zurückgesandt wird (Wechselsumme 8.800). 3) An eine Hochbaufirma wurden 20 Tischkreissägen zum empfohlenen Verkaufspreis von je 180 (netto) abzüglich 331⁄3 % Funktionsrabatt verkauft. Die Rechnung wird unter Abzug von 2 % Skonto durch Banküberweisung von 787,20, der Rest (1.800) durch Akzept beglichen. 4) Der aus Vorgang 1) hereingenommene Wechsel wird an die Hausbank verkauft. Diese erstellt folgende Abrechnung: Wechselbetrag 16.500,00 ./. 6 % Diskont für 90 Tage 247,50 ./. Wechselprovisionen und -spesen 152,50 Gutschrift auf Bankkonto 16.100,00 6 Wechselgeschäfte204 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 204 Status: Imprimatur 5) Eine Lieferantenverbindlichkeit in Höhe von 2.600 wird in eine Wechselverpflichtung umgewandelt. 6) Der aus Vorgang 3) hereingenommene Wechsel in Höhe von 1.800 wird zur Begleichung einer bereits verbuchten Rechnung einer Lieferfirma über 2.500 weitergegeben. Über den Restbetrag von 700 wird ein Wechsel akzeptiert. 7) Der auf einen Kunden ausgestellte Wechsel über 880 kann von diesem am Verfalltag nicht eingelöst werden. Auf dessen Bitte wird ihm der Betrag durch Banküberweisung zur Verfügung gestellt und gleichzeitig auf ihn ein neuer Wechsel über 902 (880 + 6 % Diskont für 90 Tage + Telefon- und Portoauslagen 6,80 + Umsatzsteuer 2) gezogen. 8) Dem Kunden aus Vorgang 1) und 4) werden Auslagen in Höhe von 377,50 und Telefonkosten von 22,50 jeweils + 10 % USt in Rechnung gestellt. 9) Ein Lieferant teilt mit, dass er einen von uns akzeptierten Wechsel über 400 zum Diskont gegeben und ihm die Bank dafür 5,50 Diskont berechnet hat. Wegen der Geringfügigkeit verzichtet der Lieferant auf eine Begleichung dieses Betrags. 10) Für Vorgang 2) berechnet die Herstellerfirma für den Wechsel: Diskont 132, Wechselspesen 68 und Umsatzsteuer 20. Bezahlung über Postbankguthaben. 11) Ein Kunde begleicht die Schuld aus einem auf ihn gezogenen Wechsel über 825, der bei uns im Portefeuille lag. 12) Der aus Vorgang 2) stammende Wechsel wird am Verfalltag durch Banküberweisung bezahlt. 13) Der Wechsel aus Vorgang 7) wird zur Abdeckung einer Warenverbindlichkeit an einen Lieferanten weitergegeben (Rechnung über 1.300 + 10 % USt). Der Differenzbetrag wird durch Banküberweisung bezahlt. 14) Kurze Zeit später wird der Wechsel zur Zahlung fällig, vom Kunden – Vorgang 7) – aber nicht eingelöst. Der Wechsel geht zu Protest. Der Lieferant – Vorgang 13) – nimmt Regress und schickt folgende Rechnung: Wechselbetrag 902 Protestkosten 18 Auslagen und Provision 10 Zinsen 7 Gesamtbelastung 937 15) Wir belasten mit denselben Beträgen den Kunden. Dieser überweist nach einigen Tagen den Betrag von 937 auf das Postbankkonto. Kurz darauf wird auch der Regressnehmer von uns durch Banküberweisung befriedigt. 16) Ein Besitzwechsel über 2.500 kann von einem Kunden am Verfalltag nicht eingelöst werden. Der Notar stellt in Rechnung (es erfolgt Postbanküberweisung): Protestgebühr 7,50 Wegegeld 2,50 10 % Umsatzsteuer 1,00 11,00 17) An den Kunden wird folgende Regressrechnung verschickt: Wechselbetrag 2.500,00 Protestkosten 10,00 1/3 % Provision 8,33 Zinsen 6,67 Regressbetrag 2.525,00 18) Der Kunde überweist den Betrag von 2.525 auf das Bankkonto. 6.6 Wechselbilanzierung und Wechselobligo 205 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 205 Status: Imprimatur Lösung: Buchungssätze 1) 101 Kundenforderungen 16.500,00 an 811 181 Warenverkauf Mehrwertsteuer 15.000,00 1.500,00 1530 Besitzwechsel 16.500,00 an 101 Kundenforderungen 16.500,00 2) 311 141 Wareneingang Vorsteuer 8.000,00 800,00 an 176 Wechselverbindlichkeiten (Schuldwechsel) 8.800,00 3) 101 Kundenforderungen 2.640,00 an 811 181 Warenverkauf Mehrwertsteuer 2.400,00 240,00 131 1530 818 181 Guthaben bei Kreditinstituten Besitzwechsel Skontoaufwand Mehrwertsteuer 787,20 1.800,00 48,00 4,80 an 101 Kundenforderungen 2.640,00 4) 131 213 181 486 Bank Diskontaufwendungen Mehrwertsteuer Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 16.100,00 225,00 22,50 152,50 an 1530 Besitzwechsel 16.500,00 5) 17 Verbindlichkeiten 2.600,00 an 176 Wechselverbindlichkeiten (Schuldwechsel) 2.600,00 6) 17 Verbindlichkeiten 2.500,00 an 1530 176 Besitzwechsel Wechselverbindlichkeiten (Schuldwechsel) 1.800,00 700,00 7) 1530 Besitzwechsel 902,00 an 131 263 486 181 Bank Diskonterträge Nebenkosten des Zahlungsverkehrs (auch auf besond. Konto: Erträge für Wechselauslagen) Mehrwertsteuer 880,00 13,20 6,80 2,00 8) 113 Sonst. Forderungen 440,00 an 263 486 181 Diskonterträge Nebenkosten des Zahlungsverkehrs Mehrwertsteuer 225,00 175,00 40,00 9) 213 Diskontaufwendungen –,50 an 141 Vorsteuer –,50 10) 213 486 141 Diskontaufwendungen Nebenkosten des Zahlungsverkehrs Vorsteuer 132,00 68,00 20,00 an 132 Postbankguthaben 220,00 11) 151 Kasse 825,00 an 1530 Besitzwechsel 825,00 12) 176 Wechselverbindlichkeiten (Schuldwechsel) 8.800,00 an 131 Bank 8.800,00 13) 17 Verbindlichkeiten 1.430,00 an 1530 131 Besitzwechsel Bank 902,00 528,00 6 Wechselgeschäfte206 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 206 Status: Imprimatur 14) 1531 2131 486 Protestwechsel Zinsaufwand für Protestwechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 902,00 7,00 28,00 an 194 Sonstige Verbindlichkeiten 937,00 15) 113 Sonst. Forderungen 937,00 an 1531 2631 486 Protestwechsel Zinserträge für Protestwechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 902,00 7,00 28,00 132 Postbankguthaben 937,00 an 113 Sonst. Forderungen 937,00 194 Sonstige Verbindlichkeiten 937,00 an 131 Bank 937,00 16) 1531 Protestwechsel 2.500,00 an 1530 Besitzwechsel 2.500,00 486 141 Nebenkosten des Zahlungsverkehrs Vorsteuer 10,00 1,00 an 132 Postbankguthaben 11,00 17) 113 Sonst. Forderungen 2.525,00 an 1531 2631 486 Protestwechsel Zinserträge für Protestwechsel Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 2.500,00 6,67 18,33 18) 131 Bank 2.525,00 an 113 Sonst. Forderungen 2.525,00 Ergänzende Literatur zu: 6 Wechselgeschäfte Deppe/Freikamp/Herlemann/Schönwald/Walkenhorst, Buchführung, S. 929–932 Däumler, Finanzwirtschaft, S. 223–229 Engelhardt/Raffée/Wischermann, Buchhaltung, S. 112–131 Falterbaum/Bolk/Reiß/Kirchner, Buchführung, S. 356–365 Hübner, Wechsel, Sp. 1809–1815 Klimmer, Buchführung, S. 191–206 Kresse, Schule des Bilanzbuchhalters II, S. 1–15 Splitter/Kropp, Buchführung, 2. Teil, S. 28–38

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.