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6.3 Der Umkehrwechsel (Scheck-Wechsel-Verfahren) in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 216 - 220

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_216

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
6 Wechselgeschäfte196 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 196 Status: Imprimatur Bank Diskontaufwand Mehrwertsteuer Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 21.730 200 20 50 an Besitzwechsel 22.000 Belastet A die ihm aus der Diskontierung entstandenen Kosten an den Bezogenen B weiter, so bucht A: Sonstige Forderungen 275 an Diskontertrag Mehrwertsteuer Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 200 25 50 In der Praxis verzichtet man häufig auf die umsatzsteuerliche Entgeltkorrektur und rechnet nur den weiterberechneten Nebenkosten des Zahlungsverkehrs Umsatzsteuer zu, da sich Entgeltminderung und -erhöhung beim Diskontbetrag ausgleichen. Dann hat A wie folgt zu buchen: Bank Diskontaufwand Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 21.730 220 50 an Besitzwechsel 22.000 Bei Weiterbelastung bucht A: Sonstige Forderungen 275 an Diskontertrag Mehrwertsteuer Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 220 5 50 Bei anderer Vertragsgestaltung besteht jedoch auch die Möglichkeit, sogleich bei Begründung der Wechselforderung neben den Wechselspesen von B auch Wechselzins für die gesamte Laufzeit des Wechsels zu fordern. Der Wechselzins würde in diesem Fall bei A als Diskontertrag, bei B als Diskontaufwand verbucht. Der bei Weitergabe des Wechsels durch A vom Erwerber berechnete Wechselzins müsste dann bei A als Diskontaufwand verbucht werden und würde den ursprünglich erzielten Diskontertrag schmälern bzw. aufzehren. Gewährt der Unternehmer im Zusammenhang mit einer Lieferung oder sonstigen Leistung allerdings einen Kredit, der als gesonderte Leistung anzusehen ist (vgl. Abschn. 29a Abs. 1 und 2 UStR), und hat er über die zu leistenden Zahlungen Wechsel ausgestellt, die vom Leistungsempfänger akzeptiert werden, so mindert der bei der Weitergabe der Wechsel berechnete Wechseldiskont nicht das Entgelt für die Lieferung oder sonstige Leistung (Abschn. 151 Abs. 5 UStR). Die weiterberechneten Wechselkosten sind dann Teil des Entgelts für die nach § 4 Nr. 8 UStG steuerfreie Leistung, weshalb auch insoweit keine Umsatzsteuer anfällt (Optionsmöglichkeit; vgl. diesbezüglich Heyd/Rick, Buchen, W 52). 6.3 Der Umkehrwechsel (Scheck-Wechsel-Verfahren) Der Umkehrwechsel hat seinen Ursprung im Außenhandel und wird vor allem in Deutschland verwendet. Dieser Wechsel unterscheidet sich äußerlich kaum von einem normalen Handelswechsel. Auf der Vorderseite sind u. a. der Lieferant als Aussteller sowie der Kunde als Bezogener und Akzeptant aufgeführt; 6.3 Der Umkehrwechsel (Scheck-Wechsel-Verfahren) 197 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 197 Status: Imprimatur die Angabe des Zahlungsortes bezieht sich auf die Hausbank des Kunden (s. Abschn. 6.1, S. 189). Auf der Rückseite befindet sich ein Blankoindossament des Lieferanten (s. Abb. unten). Im Unterschied zum Ablauf bei einem „normalen“ Handelswechsel bezahlt ein Kunde seine Verbindlichkeit aus dem Warengeschäft per Banküberweisung oder Scheck (ggf. unter Abzug von Skonto) vor, mit oder kurze Zeit nach Erstellung bzw. Diskontierung des Umkehrwechsels. Bezahlt der Kunde per Scheck, spricht man vom Scheck-Wechsel-(Tausch)-Verfahren; oft wird dabei gleichzeitig mit dem unterschriebenen Scheck auch der Wechsel vom Bezogenen ausgefüllt und beides an den Aussteller gesandt, der den Wechsel blankoindossiert zurücksendet. Der Lieferant erhält also durch den Scheck unverzüglich den geforderten Kaufpreis und das Schuldverhältnis aus dem Warengeschäft erlischt. Der Kunde erhält den Umkehrwechsel, den er akzeptiert und zur Diskontierung bei seiner Hausbank verwenden kann. Der Vorteil des Umkehrwechsels liegt in der größeren Verkehrsfähigkeit des Wechsels, da bei Weitergabe des Wechsels der Lieferant zusätzlich zum Kunden für die Erfüllung der Wechselschuld haftet. Neben dem eigentlichen Warengeschäft erfolgt eine Kreditleihe des Lieferanten gegenüber dem Kunden. Der Umkehrwechsel dient also zur Refinanzierung des Kunden und nicht wie normale Handelswechsel zur Refinanzierung des Lieferanten. Bei Fälligkeit muss der Umkehrwechsel vom Kunden eingelöst werden. Einen Überblick über die Grundsachverhalte des Scheck-Wechsel-Verfahrens gibt die Abbildung auf S. 198. Aus dem Umkehrwechsel ergeben sich Vorteile für den Kunden, wenn die ihm von seiner Hausbank berechneten Diskontzinsen unter den üblichen Kontokorrentzinsen bzw. den Diskontzinsen, die der Lieferer berechnen würde, liegen. Außerdem besteht die Möglichkeit, eine Skontogewährung durch den Lieferanten in Anspruch zu nehmen. Demgegenüber ergeben sich aus diesem Verfahren Risiken für den Lieferer: Im Falle der Nichteinlösung des Wechsels haftet er als Aussteller dem Wechselinhaber. Da die Kaufpreisforderung mit der Bezahlung durch den Kunden erlischt, ist eine spezielle Eigentumsvorbehaltsklausel nö- Blankoindossamente (Kurzindossamente) Beispiel für eine Indossamentenkette auf der Rückseite des Umkehrwechsels 6 Wechselgeschäfte198 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 198 Status: Imprimatur tig. Warenkreditversicherungen bzw. Debitorenausfallversicherungen ersetzen i. d. R. nur Insolvenzverluste aus dem Handelsgeschäft. Beim Scheck-Wechsel- Verfahren trägt der Lieferer noch das Scheckeinlösungsrisiko. Wenn der Kunde zur Begleichung einer Zahlungsverpflichtung einen Scheck ausstellt, so kann er die Verbindlichkeit entweder im Zeitpunkt der Belastung seines Kontos oder sofort nach Versendung des Schecks ausbuchen. Bei der ersten Möglichkeit wird der Scheckausgang nicht verbucht und bis zum Geldabgang auf dem Bankkonto die ursprüngliche Verbindlichkeit ausgewiesen. Vor allem bei größeren Unternehmen ist es jedoch üblich, bei Hingabe eines Schecks die Verbindlichkeit zu Lasten eines Scheckübergangskontos bzw. Bankunterkontos (z. B. Scheckausgang) auszubuchen. Mangels eines Schuldpostens „Scheckverbindlichkeiten“ wird dieses Konto bei der Bilanzerstellung mit den Bankguthaben bzw. Bankverbindlichkeiten verrechnet, zumal das Unternehmen die Einreichung der Schecks bei den Kreditinstituten nicht verhindern kann. Erhält ein Lieferant zum Ausgleich seiner Forderung von einem Kunden einen Scheck, so besteht auch hier die Möglichkeit, die Forderung erst bei Gutschrift des Geldbetrages auf dem Bankkonto auszubuchen. Häufiger erfolgt jedoch bei Scheckeingang eine Umbuchung zugunsten eines aktivischen Scheckkontos (z. B. Besitzschecks oder Scheckeingang). Während am Bilanzstichtag noch nicht zur Gutschrift weitergegebene Schecks in der Bilanzposition „Flüssige Mittel“ auszuweisen sind, können weitergegebene, aber noch nicht vorbehaltlos gutgeschriebene Schecks alternativ als Bankguthaben ausgewiesen werden, sofern es sich um kleinere Beträge handelt. Wenn ein Scheckeinlösungsrisiko besteht, ist dies bei der Bewertung zu berücksichtigen. Schuldner Lieferer Wechselnehmer (Remittent) Bezogener (Trassat) Aussteller (Trassant) Dritter (i.d.R. Hausbank des Schuldners) Scheckeinlösung Gutschrift des Wechsels Diskontierung des Akzepts Warenerlös Bezahlung des Wechselbetrages Ware Scheck Tratte oder Akzept ohne Unterschrift des Ausstellers Tratte oder Akzept mit Blankodindossament Präsentation des Wechsels bei Fälligkeit Grundsachverhalte des Umkehrwechsels 6.3 Der Umkehrwechsel (Scheck-Wechsel-Verfahren) 199 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 199 Status: Imprimatur Beispiel: Wie im Beispiel in Abschn. 6.2 (s. S. 193) hat Lieferant A dem Kunden B Waren im Wert von 20.000 + 10 % USt geliefert. Die finanzielle Abwicklung soll jedoch durch Scheck-Wechsel-Verfahren, unter Abzug von 2 % Skonto, erfolgen. Kunde B schickt den Wechsel zusammen mit dem Scheck an A. Nach Rücksendung durch A diskontiert B den Umkehrwechsel. Die Bank schreibt B den Wechselbetrag abzüglich 6 % Diskontsatz für 88 Tage und 50 Spesen gut. Am Verfalltag löst B den Wechsel ein. A bucht: – Entstehung der Warenforderung Kundenforderungen 22.000 an Warenverkauf Mehrwertsteuer 20.000 2.000 – Erhalt des Schecks Scheckeingang Skontoaufwand Mehrwertsteuer 21.560 400 40 an Kundenforderung 22.000 – Unterschrift und Rücksendung des Wechsels I. d. R. keine Buchung, aber Aufzeichnung im Wechselkopierbuch für den Obligonachweis. Z. T. wird hier eine „Eventualforderung aus Scheck-Wechsel“ an den Kunden gebucht und das Wechselobligo gegengebucht. Die Eventualforderung und das Wechselobligo werden nach dem Zeitpunkt der Wechselfälligkeit zuzüglich der Protestbenachrichtigungsfrist ausgebucht. – Gutschrift des Schecks Bank 21.560 an Scheckeingang 21.560 B bucht: – Entstehung der Warenverbindlichkeit Wareneinkauf Vorsteuer 20.000 2.000 an Verbindlichkeiten 22.000 – Ausstellung und Versendung des Schecks Verbindlichkeiten 22.000 an Scheckausgang Skontoertrag Vorsteuer 21.560 400 40 – Ausstellung, Versendung und Annahme des Wechsels I. d. R. keine Buchung. Z. T. wird hier eine „Eventualverbindlichkeit aus Scheck- Wechsel“ gegenüber dem Lieferer gebucht, wobei die Gegenbuchung auf einem Verrechnungskonto erfolgt. Bei Einlösung des Wechsels wird dies wieder ausgebucht. – Gutschrift des Schecks Scheckausgang 21.560,00 an Bank 21.560 – Diskontierung des Wechsels Bank Diskontaufwand Nebenkosten des Zahlungsverkehrs 21.193,79 316,21 50,00 an Schuldwechsel 21.560 – Einlösung des Schuldwechsels Schuldwechsel 21.560,00 an Bank 21.560 6 Wechselgeschäfte200 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 200 Status: Imprimatur 6.4 Die Wechselprolongation Kann ein Wechsel bei Fälligkeit vom Bezogenen nicht eingelöst werden, dann ist zur Verhinderung des Wechselprotests eine Verlängerung der Wechsellaufzeit durch Vermerk auf dem ursprünglichen Wechsel bzw. eine Zurverfügungstellung des fälligen Wechselbetrags mit Ausstellung eines neuen Wechsels (Prolongationswechsel) vonnöten. Zur Finanzierung längerfristiger Forderungen können Wechselprolongationen auch zur Geschäftsgrundlage gehören. Der Prolongationswechsel eines normalen Handelswechsels kann durch den Aussteller entsprechend den Möglichkeiten der Wechselverwertung weiterverwendet werden. Fallen für den Prolongationswechsel Wechselkosten an, dann werden diese vom Bezogenen entweder sofort entrichtet oder sie gehen in die (neue) Wechselsumme ein. Die Kosten der Wechselprolongation werden umsatzsteuerlich wie die Kosten eines üblichen Warenwechsels behandelt (Abschn. 151 Abs. 5 UStR). Ein Austausch des fälligen Wechsels gegen den Prolongationswechsel kann erfolgen, sofern beim normalen Handelswechsel der Aussteller das Akzept noch nicht weitergegeben hat. Werden die Wechselkosten vom Bezogenen unmittelbar erstattet, wird das Besitzwechselkonto bei dem Wechseltausch grundsätzlich nicht berührt. Beispiel: A stimmt der Prolongation des auf B gezogenen, fälligen Wechsels zu und berechnet für entstehende Wechselkosten 280 (Zinsen 240, Spesen 40) zuzüglich 10 % Umsatzsteuer; A bucht dann bei sofortiger Barerstattung durch B: Kasse 308 an Diskontertrag Nebenkosten des Zahlungsverkehrs Mehrwertsteuer 240 40 28 Zweckmäßig erscheint allerdings die Kenntlichmachung der prolongierten Wechsel aus Kontrollgründen und dementsprechend ihre Umbuchung auf ein besonderes Prolongationswechselkonto. Die Buchung der Wechselkosten beim Bezogenen erfolgt entsprechend seitenverkehrt. Der Austausch des fälligen gegen den prolongierten Wechsel kann dann nicht erfolgen, wenn der ursprüngliche Wechsel entweder vom Aussteller oder dem Bezogenen bereits weitergegeben wurde. Es ist dann häufig unklar, wer am Fälligkeitstag den Wechsel zur Einlösung präsentiert. In diesem Falle stellt der Aussteller zur Verhinderung des Wechselprotests den zur Einlösung erforderlichen Betrag gegen Ausstellung eines neuen Wechsels zur Verfügung. Die obige Wechselkostenbuchung ist dann bei A wegen der neu entstehenden Wechselforderung zu ergänzen um: Prolongationswechsel an Kasse und bei B um die Verbuchung der neuen Wechselverbindlichkeit gegen Geldeingang: Kasse an Schuldwechsel; der Geldbetrag wird zur Begleichung der ursprünglichen Wechselverpflichtung herangezogen.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.