Content

5.1 Kommissionsgeschäfte in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 184 - 193

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_184

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 164 Status: Imprimatur 5 Sonderfälle des Warenverkehrs Im Zentrum der handelsbetrieblichen Buchführung steht die Erfassung des Warenverkehrs. Dieser weist in der Praxis über die bisher behandelten „Normalfälle“ des Ein- und Verkaufs von Waren hinaus eine ganze Reihe von Besonderheiten auf, deren buchmäßiger Niederschlag teilweise eine Sonderbehandlung verlangt. Zu diesen als Sonderfälle des Warenverkehrs bezeichneten Erscheinungsformen werden das Kommissions-, das Partizipations-, das Abzahlungs- und das Nachnahmegeschäft gerechnet. Dabei sind es insbesondere die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung, die neben der rechtlichen Konstruktion die Kriterien für deren Buchung und Bilanzierung abgeben. Vor allem die Kommissionsgeschäfte nehmen in der Praxis des Warenein- und -verkaufs eine bedeutende Stellung ein. 5.1 Kommissionsgeschäfte Kommissionsgeschäfte (rechtliche Einzelheiten §§ 383–406 HGB) sind dadurch gekennzeichnet, dass ein Beauftragter (Kommissionär) gegenüber Dritten im eigenen Namen, jedoch im Auftrag und für Rechnung eines anderen (Kommittenten), gewerbsmäßig Waren (auch Wertpapiere) ein- oder verkauft (Einkaufsbzw. Verkaufskommission). Der Kommissionär ist Beauftragter oder Vermittler eines oder mehrerer Auftraggeber; er tritt jedoch im Außenverhältnis selbst als Lieferant oder Abnehmer in Erscheinung. Regelmäßig wird seine Tätigkeit auf Provisionsbasis honoriert: Er erhält von der Auftragssumme eine mit dem Auftraggeber vereinbarte Vergütung (Provision) sowie Ersatz für angefallene Aufwendungen. Die zusätzliche Beteiligung an Mehrerlösen aus günstigem, das Preislimit bei Verkäufen über-, bei Einkäufen unterschreitendem Vertragsabschluss kann als besonderer Anreiz zu Provision und Aufwandsersatz hinzukommen. Für die Inkassohaftung des Kommissionärs als besondere Leistung ist regelmäßig eine Delkredereprovision vereinbart. Umsatzsteuerlich wird der Kommissionär wie ein Eigenhändler behandelt: Die Entgelte der Lieferungen zwischen Kommittent und Kommissionär unterliegen folglich der Umsatzbesteuerung und Kommissionsrechnungen gelten als Rechnungen i. S. v. § 14 Abs. 1 UStG, soweit die dort angeführten Voraussetzungen zutreffen. Damit sind vom Liefernden erhaltene bzw. an den Abnehmer getätigte Lieferungen zu versteuern, was den jeweiligen Abnehmer gegebenenfalls zum Vorsteuerabzug berechtigt. Bei der Verkaufskommission gilt der Kommissionär, bei der Einkaufskommission der Kommittent als Abnehmer (§ 3 Abs. 3 UStG). Die Lieferung des Kommittenten an den Kommissionär führt erst im Zeitpunkt der Lieferung des Kommissionsgutes an den Abnehmer zur Umsatzsteuer- 5.1 Kommissionsgeschäfte 165 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 165 Status: Imprimatur pflicht (Abschn. 24 Abs. 2 UStR sowie BFH v. 25. 11. 1986, BStBl. II 1987, S. 278). Allerdings kann bereits dann eine umsatzsteuerliche Lieferung angenommen werden, wenn das Kommissionsgut dem Kommissionär zur Verfügung gestellt wird und dabei von einem EU-Mitgliedstaat in einen anderen verbracht wird (Abschn. 15 b Abs. 7, Abschn. 24 Abs. 2 UStR). Die Kommissionswaren werden beim Kommissionär im Allgemeinen auf besonderen Konten erfasst, um die Trennung der eigenen und fremden Lagerhaltung zu gewährleisten und wertmäßig jederzeit bestimmbar zu halten. 5.1.1 Die Einkaufskommission Einkaufskommissionen bieten sich immer dann an, wenn beim Warenbezug spezielle Kenntnisse notwendig bzw. von Vorteil sind oder der Einkauf nur an speziellen Markt- oder Börsenplätzen (z. B. Übersee) möglich ist. Der Einkaufskommissionär übernimmt dann den Einkauf der Kommissionsgüter für Rechnung des Auftraggebers. Da er nach außen im eigenen Namen kauft, wird der Kommissionär beim Erwerb der Ware zunächst juristischer Eigentümer. Durch die Verpflichtung, das Eigentum an den Auftraggeber weiterzugeben, entfällt für ihn jedoch die wirtschaftliche Zugehörigkeit der Kommissionsware: Sie gehört nicht zu den verwertbaren Vorräten des Einkaufskommissionärs und ist ab dem Zeitpunkt des Kaufs (Erwerb bzw. Warenzugang) durch den Kommissionär dem wirtschaftlichen Eigentum des Kommittenten zuzurechnen (Erhalt der Verfügungsgewalt) und folglich bei diesem zu bilanzieren. Für den Fall, dass die Ware zudem direkt vom Lieferanten an den Kommittenten und folglich nicht über das Lager des Kommissionärs geliefert wird (Streckengeschäft), entfällt die Einrichtung eines besonderen Kommissionswarenkontos sowohl beim Kommissionär als auch beim Kommittenten. An dessen Stelle tritt das Kontokorrentkonto, das die Geschäftsbeziehungen der Kommissionspartner aufnimmt und mit dem Provisionsanspruch und der Umsatzsteuer aus der Lieferung Kommissionär-Kommittent belastet wird. Findet die Ware zunächst im Lager des Kommissionärs Aufnahme, dann ist das Kommissionswarenkonto mit dem Nettoeinkaufspreis zu belasten und die Vorsteuer auf das Vorsteuerkonto zu buchen. Bei Lieferung der Ware an den Kommittenten wird das Kommissionswarenkonto entlastet und der Warenwert einschließlich (zu berechnender) Mehrwertsteuer, Provision und Auslagenersatz auf das Kontokorrentkonto gebucht. Ist der Kommissionär für verschiedene Auftraggeber tätig, so muss er jeweils gesonderte Kommissionswaren- und Kontokorrentkonten führen. Beispiel: Der Großhändler G ist Einkaufskommissionär für den Kommittenten K. G hat den Auftrag, Waren gegen eine Grundprovision von 6 % des Warenwertes, mindestens aber 1.980, preisgünstig für K einzukaufen. Bei einem Einkaufspreis unter 33.000 (netto) erhöht sich die Provision des G um 14 % auf die Differenz. Geschäftsvorfälle: 1) K überweist einen Vorschuss in Höhe von 10.000 5 Sonderfälle des Warenverkehrs166 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 166 Status: Imprimatur 2) G kauft Kommissionsware auf Ziel für 30.000 + 10 % USt 3) G zahlt Frachtgebühren in Höhe von 500 + 10 % USt mit Scheck 4) G sendet die Ware an den Kommittenten K und berechnet: Warenwert Frachtgebühren Provision 30.000 500 2.400 Netto-Rechnungsbetrag 10 % Umsatzsteuer 32.900 3.290 Brutto-Rechnungsbetrag 36.190 Der Provisionsbetrag setzt sich zusammen aus 1.980 (Grundprovision) und 420 (Zusatzprovision durch günstigen Einkauf) 5) K bezahlt den Restbetrag durch Banküberweisung 6) G überweist an seinen Lieferanten 33.000 A) Buchungen beim Kommissionär mit Kommissionswarenkonto: 1) Bank 10.000 an Kommittent K 10.000 2) Kommissionsware K Vorsteuer 30.000 3.000 an Lieferantenverbindlichk. 33.000 3) Frachtgebühren K Vorsteuer 500 50 an Bank 550 4) Kommittent K 36.190 an Kommissionsware K Frachtgebühren K Provision Mehrwertsteuer 30.000 500 2.400 3.290 5) Bank 26.190 an Kommittent K 26.190 6) Lieferantenverbindlichkeiten 33.000 an Bank 33.000 Kommittent K Lieferantenverbindlichkeiten (4) 36.190 10.000 (1) 26.190 (5) (6) 33.000 33.000 (2) Kommissionsware K Bank (2) 30.000 30.000 (4) (1) (5) 10.000 26.190 550 (3) 33.000 (6) Frachtgebühren K Provision (3) 500 500 (4) 2.400 (4) Vorsteuer Mehrwertsteuer (2) (3) 3.000 50 3.290 (4) 5.1 Kommissionsgeschäfte 167 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 167 Status: Imprimatur B) Buchungen beim Kommittenten: Beim Kommittenten werden nur durch die Geschäftsvorfälle (1), (4) und (5) Buchungsvorgänge ausgelöst: (1) Kommissionär G 10.000 an Bank 10.000 (4) Wareneinkauf Vorsteuer 32.900 3.290 an Kommissionär G 36.190 (5) Kommissionär G 26.190 an Bank 26.190 Kommissionär G Bank (1) (5) 10.000 26.190 36.190 (4) 10.000 (1) 26.190 (5) Wareneinkauf Vorsteuer (4) 32.900 (4) 3.290 Die Frachtgebühren und Einkaufsprovisionen werden als Bestandteile der Anschaffungskosten (Anschaffungsnebenkosten) auf das Wareneinkaufskonto gebucht; sie können jedoch auch zunächst auf besonderen Aufwandskonten erfasst und dann über das Wareneinkaufskonto abgeschlossen werden. 5.1.2 Die Verkaufskommission Der Verkaufskommissionär übernimmt im eigenen Namen und für Rechnung des Kommittenten den Verkauf von Waren (auch Wertpapieren) an einen Dritten. Auch hier besteht die Möglichkeit des Streckengeschäfts, indem die Ware ohne Zwischenschaltung des Vermittlerlagers direkt vom Kommittenten an den Käufer geliefert wird. Im Gegensatz zur Einkaufskommission erwirbt der Verkaufskommissionär jedoch auch dann kein Eigentum an der Ware, wenn diese bereits vor Verkauf in seinen Einflussbereich gelangt ist; diese bleibt vielmehr bis zum Verkauf im juristischen und wirtschaftlichen Eigentum des Auftraggebers. In Kommission gegebene Waren sind folglich beim Kommittenten unter Waren und nicht als Debitoren auszuweisen. Entsprechend sind in Kommission genommene Waren, da sie dem Kommissionär wirtschaftlich nicht zuzurechnen sind, bei ihm nicht aktivierbar. Um den Lagerbestand an Kommissionsware jederzeit zweifelsfrei feststellen zu können, hat der Verkaufskommissionär jedoch den Warendurchlauf entweder auf einem Kommissionswarenkonto oder in einem Nebenbuch zu erfassen (auch zusätzliche Kartei oder besondere Kennzeichnung der Lagerbuchführung). Wird ein eigenes Kommissionswarenkonto geführt, dann wird dieses bei Erhalt der zu verkaufenden Ware mit dem aus der Pro-forma-Rechnung des Kommittenten ersichtlichen Betrag belastet. Das Kontokorrentkonto Kommittent wird entsprechend erkannt und im Soll durch beanspruchte Provisionen und Auslagen sowie sonstige Korrekturen belastet. Als Saldo weist das Kontokorrentkonto die Schuld des Kommissionärs gegenüber dem Kommittenten aus. 5 Sonderfälle des Warenverkehrs168 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 168 Status: Imprimatur In der Buchführung des Kommittenten ist die an den Vermittler gelieferte Ware vom Warenkonto auf ein Konsignations- oder Kommissionswarenkonto umzubuchen. Da noch nicht realisierte Gewinne nicht ausgewiesen werden dürfen, hat diese Umbuchung zu Einstands- bzw. Herstellungswerten zu erfolgen. Entstehen beim Verkauf der Ware Gewinne, kommen diese auf dem mit dem Verkaufswert erkannten Konsignationswarenkonto zum Ausweis. Als Gegenkonto wird das Kontokorrentkonto Kommissionär belastet, das damit die Forderung einschließlich Umsatzsteuer gegenüber dem Kommissionär zum Ausdruck bringt. Mit dieser Forderung werden Provisionen, verauslagte Spesen sowie Geldeingänge von Seiten des Kommissionärs durch Buchung auf der Habenseite des Kontokorrentkontos aufgerechnet. Beispiel: Der Großhändler G ist Verkaufskommissionär für den Kommittenten K. G verkauft Waren vom Konsignationslager, das K regelmäßig beliefert, und erhält dafür eine Provision in Höhe von 7 % des von K festgelegten Verkaufspreises. Geschäftsvorfälle: 1) K liefert Kommissionsware an seinen Vermittler G. Die Pro-forma-Rechnung (Kommissionsrechnung) lautet: Warenpreis 7 % Provision 50.000 3.500 Netto-Rechnungsbetrag 10 % USt 46.500 4.650 Brutto-Rechnungsbetrag 51.150 Der Einstandspreis des Kommittenten K beträgt 30.000 2) K zahlt Frachtgebühren in Höhe von 1.000 + 10 % USt durch Banküberweisung 3) Der Kommissionär G verkauft den ganzen Posten auf Ziel: Warenwert 10 % USt 50.000 5.000 Rechnungsbetrag 55.000 4) Der Kunde überweist an den Kommissionär G 55.000 5) G überweist an den Kommittenten K 51.150 A) Buchungen beim Kommissionär mit Kommissionswarenkonto: 1) Kommissionsware K 50.000 an Kommittent K 50.000 2) Keine Buchung 3) a) Kundenforderungen Kommissionsware (KW) 55.000 an Kommissionsware K Mehrwertsteuert 50.000 5.000 3) b) Vorsteuer 4.650 an Provision Kommittent K 3.500 1.150 Die umsatzsteuerliche Erfassung der Provisionsansprüche wird entsprechend der Pro-forma-Rechnung durch Kürzung der Vorsteuer berücksichtigt. 5.1 Kommissionsgeschäfte 169 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 169 Status: Imprimatur 4) Bank 55.000 an Kundenforderungen (KW) 55.000 5) Kommittent K 51.150 an Bank 51.150 Kommissionsware K Kommittent K (1) 50.000 50.000 (3a) (5) 51.150 50.000 (1) 1.150 (3b) Kundenforderungen KW Provision (3a) 55.000 55.000 (4) 3.500 (3b) Bank Mehrwertsteuer (4) 55.000 51.150 (5) 5.000 (3a) Vorsteuer (3b) 4.650 B) Buchungen beim Kommittenten: 1) Konsignationsware bei G 30.000 an Warenkonto 30.000 Die Umbuchung des Warenwertes erfolgt zu Einstandspreisen. Die Provision wird noch nicht gebucht, da noch kein Provisionsanspruch des G besteht. 2) Frachtkosten Vorsteuer 1.000 100 an Bank 1.100 3) Kommissionär G Erlösminderung- Provision 51.150 3.500 an Konsignationsware bei G Mehrwertsteuer 50.000 4.650 4) Keine Buchung 5) Bank 51.150 an Kommissionär G 51.150 Warenkonto Konsignationsware bei G AB 100.000 30.000 (1) (1) 30.000 50.000 (3) Bank Kommissionär G (5) 51.150 1.100 (2) (3) 51.150 51.150 (5) Frachtkosten Mehrwertsteuer (2) 1.000 4.650 (3) Vorsteuer Erlösminderung – Provision (2) 100 (3) 3.500 Würde der Kommissionär auf ein besonderes Kommissionswarenkonto verzichten, dann kämen auf dem Kontokorrentkonto des vorstehenden Beispiels (Kommittent K) die Kommissionswaren erst nach Verkauf zum Ausweis. Deshalb müssen die vom Kommittenten gelieferten und vom Kommissionär auf La- 5 Sonderfälle des Warenverkehrs170 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 170 Status: Imprimatur ger gehaltenen Kommissionswaren in einem Nebenbuch (Nebenbuchhaltung) verzeichnet werden, um deren inventurmäßige Überprüfung zu gewährleisten. Der Inhalt des Konsignationswarenkontos beim Kommittenten entspricht dem des gemischten Warenkontos: Es enthält vor allem bei zu Limitpreisen belieferten Kommissionären Preisdifferenzen zwischen Wareneingang und Warenausgang. Aus Gründen der Übersichtlichkeit kann es deshalb zweckmäßig sein, Bestands- und Erfolgskomponenten entsprechend der Führung getrennter Warenkonten in ein Konsignations- bzw. Kommissionswareneingangs- und -verkaufskonto zu trennen. Diese Form der buchmäßigen Aufzeichnung zeigt das nachstehende Beispiel, das darüber hinaus auf eine zweite Möglichkeit der umsatzsteuerlichen und buchungstechnischen Behandlung der Verkaufsprovision des Kommissionärs hinweisen soll. So besteht bei Ausstellung der Pro-forma-Rechnung über gelieferte Kommissionsware auch die Möglichkeit, die Provision bei der Umsatzsteuerbemessung nicht als wertmindernd zu berücksichtigen, sondern vielmehr die dem Verkaufswert entsprechende Umsatzsteuer in Ansatz zu bringen. Das hat zur Folge, dass der Kommissionär beim Kommissionswarenverkauf der von ihm verrechneten Provision Umsatzsteuer hinzurechnen muss, wodurch der erhöhten Vorsteuer die auf die Provision bezogene Umsatzsteuer gegenübersteht. Damit bleibt die Zahllast an das Finanzamt gegenüber der oben beschriebenen Vorgehensweise sowohl beim Kommittenten als auch beim Kommissionär unverändert. Beispiel: Verkaufskommission mit getrennten Konsignationswarenkonten und umsatzbesteuertem Provisionsanspruch (WE = Wareneinkauf; WV = Warenverkauf; KW = Kommissionsware) Geschäftsvorfälle: 1) Kommittent K sendet Kommissionsware im Wert von 20.000 + 10 % USt an seinen Kommissionär G. Der Einstandspreis des Kommittenten K beträgt 15.000 2) Kommissionär G zahlt Frachtkosten in Höhe von 200 + 10 % USt bar an den Spediteur, die weiterberechnet werden 3) Kommissionär G verkauft die Kommissionsware auf Ziel zu 22.000 + 10 % USt 4) Kommissionär G zahlt Versandspesen bar: 300 + 10 % USt, die ebenfalls weiterberechnet werden 5) Die Forderung aus dem Kommissionsgeschäft wird mit Bankscheck beglichen 6) Kommissionär G berechnet die Verkaufsprovision in Höhe von 5 % und rechnet mit dem Kommittenten ab A) Buchungen beim Kommissionär: 1) Kommissions-WE 20.000 an Kommittent K 20.000 2) Kommissions-WV Vorsteuer 200 20 an Kasse 220 Kommittent K 20 an Mehrwertsteuer 20 5.1 Kommissionsgeschäfte 171 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 171 Status: Imprimatur 3) Kundenforderungen-KW 24.200 an Kommissions-WV Mehrwertsteuer 22.000 2.200 Vorsteuer 2.200 an Kommittent K 2.200 4) Kommissions-WV Vorsteuer 300 30 an Kasse 330 Kommittent K 30 an Mehrwertsteuer 30 5) Bank 24.200 an Kundenforderungen-KW 24.200 6) – Provision: a) Kommissions-WV b) Kommittent K 1.000 110 an an Provisionen Mehrwertsteuer 1.100 110 – Abschluss der Kommissionswarenkonten: c) Kommissions-WV 20.000 an Kommissions-WE 20.000 d) Kommissions-WV 400 an Kommittent K 400 – Bezahlung der Kommissionsware: e) Kommittent K 22.440 an Bank 22.440 Kommissions-WE Kommissions-WV (1) 20.000 20.000 (6 c) (2) 200 22.000 (3) 20.000 20.000 (6 c) (4) 300 (6 a) 1.100 (6 c) 20.000 (6 d) 400 22.000 22.000 (3) Kundenforderungen KW Kommittent K (3) 24.200 24.200 (5) (2) 20 20.000 (1) 24.200 24.200 (5) (4) 30 2.200 (3) (6 b) 110 400 (6 d) (6 e) 22.440 22.600 22.600 (3) Vorsteuer Mehrwertsteuer (2) 20 20 (2) (3) 2.200 2.200 (3) (4) 30 30 (4) 110 (6 b) Bank Provisionen (5) 24.200 22.440 (6 e) 1.100 (6 a) Kasse 220 (2) 330 (4) 5 Sonderfälle des Warenverkehrs172 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 172 Status: Imprimatur B) Buchungen beim Kommittenten: 1) Konsignations-WE 15.000 an Wareneinkauf 15.000 2) Konsignations-WV Vorsteuer 200 20 an Kommissionär G 220 3) Kommissionär G 24.200 an Konsignations-WV Mehrwertsteuer 22.000 2.200 4) Konsignations-WV Vorsteuer 300 30 an Kommissionär G 330 5) Keine Buchung 6) – Provision: a) Konsignations-WV Vorsteuer 1.100 110 an Kommissionär G 1.210 – Abschluss der Konsignationswarenkonten: b) Konsignations-WV 15.000 an Konsignations-WE 15.000 c) Konsignations-WV 5.400 an GuV 5.400 – Bezahlung der Kommissionsware durch den Kommissionär: d) Bank 22.440 an Kommissionär G 22.440 Konsignations-WE Konsignations-WV (1) 15.000 15.000 (6 b) (2) 200 22.000 (3) 15.000 15.000 (6 c) (4) 300 (6 a) 1.100 (6 b) 15.000 (6 c) 5.400 22.000 22.000 (3) Kommissionär G Wareneinkauf (3) 24.200 220 (2) 15.000 (1) 330 (4) 1.210 (6 a) 22.440 (6 d) 24.200 24.200 ( Vorsteuer Mehrwertsteuer (2) 20 2.200 (3) (4) 30 (6 a) 110 Bank GuV (6 d) 22.440 5.400 (6 c) (Vgl. hierzu die Anlage zu Teil A: Übungsaufgabe 1). 5.2 Partizipationsgeschäfte 173 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 173 Status: Imprimatur 5.2 Partizipationsgeschäfte Verbinden sich rechtlich und wirtschaftlich selbständige Unternehmen zur zeitlich begrenzten Erfüllung und Bewältigung von Teilaufgaben größerer, den Rahmen eines der beteiligten Unternehmen übersteigender Geschäfte, so kann dies in der Form der Partizipations- oder Gelegenheitsgesellschaft erfolgen. Der Hauptzweck derartiger Partizipationen oder Konsortien ist, neben der dadurch erst möglichen Geschäfts- und Arbeitsteilung, vor allem in der Risikostreuung und der Erweiterung der Kapitalbasis zu sehen; sie sind damit weder auf spezifische Aufgaben noch auf bestimmte Wirtschaftszweige beschränkt und können in allen Branchen, wie Handel, Industrie, Banken und Versicherungen, auftreten. Dennoch bilden häufig Warengeschäfte den Anlass zur Begründung solcher Zusammenschlüsse. Aufgrund der zeitlichen Begrenztheit und der Anforderungen an Vereinbarungsflexibilität sowie Anpassungsfähigkeit solcher Unternehmensverbindungen wird selten die Rechtsform einer Personenhandels- oder Kapitalgesellschaft, sondern vielmehr die der Gesellschaft bürgerlichen Rechts gewählt (§§ 705–740 BGB). 5.2.1 Das Metageschäft Eine spezielle Form der Partizipation stellt die Metaverbindung dar, bei der sich wenigstens zwei beteiligte Unternehmen, die Metisten, zur gemeinsamen Abwicklung einer unbestimmten Anzahl gleichartiger Geschäfte auf gemeinsame Rechnung zusammenfinden. Jeder Metist schließt nach außen Verträge im eigenen Namen ab und erwirbt selbst das Eigentum an den gekauften Waren, so dass kein Gesellschaftsvermögen entsteht. Da die Gesellschaft zudem ohne Betrieb, Firma und eigene Rechtsfähigkeit auskommt, erscheint sie als reine Innengesellschaft mit der Folge, dass die zwischen den Metisten getätigten Umsätze ebenso wie deren Außenumsätze steuerbar sind. Die sich aus den gemeinsam vereinbarten Geschäften ergebenden Aufwendungen und Erträge werden untereinander aufgeteilt, wobei prinzipiell jede beispielsweise an Kapital- und Risikoanteilen orientierte Zurechnung denkbar und möglich ist. Die Verbuchung der aus dem Metageschäft resultierenden Geschäftsvorfälle übernimmt normalerweise der federführende Metist (Metaführer). Wareneinkäufe und Bezugsaufwendungen aus dem Metageschäft werden dann auf einem Metawareneinkaufskonto, Warenverkäufe auf einem Metawarenverkaufskonto erfasst. Ein besonderes Metaabrechnungskonto dient sowohl der Verbuchung der durch das Metageschäft verursachten Aufwendungen als auch der Aufnahme des Warenrohgewinns nach Abschluss der Geschäfte. Über dieses Konto erfolgt auch die endgültige Abrechnung der Metisten. Zur Kontrolle der gegenseitigen Schuldverhältnisse unterhält jeder Metist ein Metisten-(Kontokorrent-) Konto, das entweder als Forderungs- oder als Schuldkonto erscheint.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.