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4.6 Warenentnahmen und Eigenverbrauch in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 171 - 173

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_171

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
4.6 Warenentnahmen und Eigenverbrauch 151 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 151 Status: Imprimatur 4.6 Warenentnahmen und Eigenverbrauch Warenentnahmen für private Zwecke sind dem Privatkonto zu belasten und dem Wareneinkaufskonto gutzuschreiben (vgl. Teil A, Abschn. 4.2, S. 122). Einkommensteuerlich haben die Entnahmen grundsätzlich zum Teilwert zu erfolgen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 EStG). Der Teilwert ist der Betrag, den ein Erwerber des ganzen Betriebes im Rahmen des Gesamtkaufpreises für das einzelne Wirtschaftsgut ansetzen würde, wenn von einer Fortführung des Betriebes ausgegangen wird (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 3 EStG). Demgemäß orientiert sich die Wertobergrenze für Entnahmen erworbener Waren an deren Anschaffungskosten (Wiederbeschaffungskosten), bei selbst erstellten Erzeugnissen an deren Herstellungskosten einschließlich anteiliger Verwaltungskosten. Als untere Wertgrenze des Teilwerts kommt der bei Einzelveräußerung des Wirtschaftsguts erzielbare Verkaufspreis in Frage. Die Teilwertbewertung bei Entnahmen gilt ertragsteuerlich für alle Gewinneinkünfte (Land- und Forstwirtschaft, Gewerbebetrieb, selbständige Tätigkeit) ohne Rücksicht auf die angewandte Gewinnermittlungsart (Reinvermögensvergleich oder Einnahmen-Überschussrechnung). Einer Entnahme gleichgestellt ist der Ausschluss oder die Beschränkung des deutschen Besteuerungsrechts hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung oder Nutzung eines Wirtschaftsgutes (Steuerentstrickung; § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG). In diesem Fall ist der gemeine Wert (§ 9 BewG; Fremdvergleichspreis) anzusetzen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 2. Halbsatz EStG sowie R 4.3, 6.12 Abs. 2 EStR). Da der Teilwert nicht mit den Anschaffungskosten der entnommenen Waren übereinzustimmen braucht, können Wertdifferenzen auftreten, die auf ein gesondertes Wertdifferenzenkonto zu buchen sind, wenn der Wareneinsatz auf dem Wareneinkaufskonto korrekt ausgewiesen werden soll. Auf den Reingewinn bleibt die gesonderte Verbuchung einer derartigen Wertdifferenz ohne Einfluss, da sie beim Abschluss den Warenrohgewinn in der GuV-Rechnung entsprechend korrigiert (vorbereitende Abschlussbuchung). Im Gegensatz zur einkommensteuerlichen Behandlung von Entnahmen wird die Bemessungsgrundlage für den umsatzsteuerlichen Eigenverbrauch nach Umsetzung der 6. EG-Richtlinie zur Harmonisierung der Umsatzsteuer durch den Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten bzw. mangels eines Einkaufspreises durch die Selbstkosten oder die Aufwendungen determiniert (§ 10 Abs. 4 Nr. 1 UStG). Dies gilt für Entnahmen des Unternehmers (Entnahme-Eigenverbrauch) sowie sonstige Leistungen an den Unternehmer (Leistungs-Eigenverbrauch). Besonderheiten ergeben sich in diesem Zusammenhang bei der teilweise privaten Nutzung von betrieblichen Pkw (sog. gemischtes Fahrzeug). Solche Fahrzeuge werden dem Unternehmen zugordnet, wenn sie zu mindestens 10 % für das Unternehmen genutzt werden (§ 15 Abs. 1 Satz 2 UStG). Maßgeblich für diese Zuordnung ist das Verhältnis der gefahrenen Kilometer im Rahmen unternehmerischer Tätigkeiten zur gesamten Jahreskilometerleistung (zur Zuordnungsproblematik siehe auch BMF-Schreiben v. 30. 3. 2004, BStBl. I 2004, S. 451). Im Falle einer zulässigen Zuordnung zum Unternehmen können die auf die Anschaffungskosten entfallenden Vorsteuerbeträge vollständig abgezogen 4 Warenverkehr152 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 152 Status: Imprimatur werden (§ 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 UStG). Die nicht-unternehmerische (private) Nutzung unterliegt unter den Voraussetzungen des § 3 Abs. 9a Satz 1 Nr. 1 UStG als unentgeltliche Wertabgabe der Besteuerung (Korrektur der Vorsteuer). Vorsteuerbeträge für Leistungen, die der Unternehmer im Zusammenhang mit dem Betrieb des Fahrzeugs bezieht (z. B. Benzin- und Wartungskosten), können im Verhältnis der unternehmerischen zur nicht-unternehmerischen Nutzung abgezogen werden, da diese nicht von der Zuordnungsbeschränkung des § 15 Abs. 1 Satz 2 UStG erfasst werden. Die Veräußerung eines dem Unternehmen zugeordneten Pkw unterliegt insgesamt der Umsatzsteuer. Wird ein solches Fahrzeug (privat) entnommen, unterliegt diese Entnahme unter der Voraussetzung des § 3 Abs. 1b Satz 2 UStG der Besteuerung (BMF-Schreiben v. 27. 8. 2004, BStBl. I 2004, S. 864). Je nach Anschaffungszeitpunkt des Pkw ergeben sich durch wechselnde Gesetzesvorschriften und Rechtsprechung Unterschiede hinsichtlich des Vorsteuerabzuges und der Nutzungsversteuerung. Für Fahrzeuge, die vor dem 1. 4. 1999 angeschafft wurden (sog. Altfahrzeuge), gelten bezüglich Vorsteuerabzug und Vorsteuerkorrektur bei privater Nutzung die oben genannten aktuellen Regelungen (voller Vorsteuerabzug bei nachträglicher Vorsteuerkorrektur im Falle nicht-unternehmerischer Nutzung, vgl. BMF v. 8. 6. 1999, BStBl. I 1999, S. 582). Der im Zuge des Steuerentlastungsgesetzes 1999/2000/2002 eingeführte § 15 Abs. 1b UStG a. F. beinhaltete die Beschränkung des Vorsteuerabzugs für entsprechende Anschaffungen auf 50 %. Im Gegenzug entfiel die Besteuerung der Privatnutzung als unentgeltliche Wertabgabe nach § 3 Abs. 9a Satz 2 UStG a. F. Da diese Beschränkung von der 6. EG-Richtlinie 77/188/EWG abwich, stellte die Bundesregierung nach Inkrafttreten des Gesetzes beim Rat der Europäischen Union einen auf Artikel 27 der 6. EG-Richtlinie gestützten Ausnahmeantrag, den der Rat mit Entscheidung vom 28. 2. 2000 (Beschluss 2000/186/EG, ABl. EG/EU 2000, Nr. L 59/12) rückwirkend zum 1. 4. 1999 genehmigte und der am 4. 3. 2000 im Amtsblatt verkündet wurde. Diese Ermächtigung war jedoch bis zum 31. 12. 2002 befristet. Mit Urteil vom 29. 4. 2004 erklärte der Europäische Gerichtshof die rückwirkende Anwendung zum 1. 4. 1999 als Verstoß gegen das rechtsstaatliche Gebot des Vertrauensschutzes und damit für gemeinschaftsrechtswidrig (EuGH v. 29. 4. 2004, DStR 2004, S. 860). Dadurch besitzt die in § 15 Abs. 1b UStG a. F. enthaltene Abzugsbeschränkung lediglich Gültigkeit für Fahrzeuge, die im Zeitraum vom 5. 3. 2000 bis zum 31. 12. 2002 angeschafft wurden. Im Zuge des Steueränderungsgesetzes 2003 wurden die §§ 3 Abs. 9a Satz 2, 15 Abs. 1b UStG a. F. mit Wirkung zum 1. 1. 2004 abgeschafft und damit die aktuell geltende Rechtslage hergestellt (StÄndG 2003, BGBl. 2003, S. 2654/2659). Für die innerhalb der Zeiträume vom 1. 4. 1999 bis 4. 3. 2000 sowie vom 1. 1. 2003 bis zum 31. 12. 2003 angeschafften Fahrzeuge kann aufgrund der Rechtwidrigkeit des § 15 Absatz 1b UStG a. F. zwischen einem vollständigem Vorsteuerabzug mit entsprechender Nutzungsversteuerung des Privatanteils und einer fünfzigprozentigen Vorsteuerabzugsbeschränkung ohne nachträgliche Vorsteuerkorrektur für nicht-unternehmerische Nutzung gewählt werden. Bei der Bestimmung der Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer sind im Falle der privaten Verwendung eines betrieblichen Gegenstandes nur die Kosten 4.7 Unfreiwillige Dezimierung von Warenvorräten 153 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 153 Status: Imprimatur heranzuziehen, die zum vollen oder teilweisen Vorsteuerabzug berechtigt haben (Abschn. 155 Abs. 2 UStR). Im Unterschied zum Entnahme- und Leistungs-Eigenverbrauch ist der so genannte Aufwendungs-Eigenverbrauch grundsätzlich nicht der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Dieser entsteht aus der Inanspruchnahme bestimmter, vom Unternehmen bereitgestellter Güter, für deren zugehörige Aufwendungen einkommensteuerlich ein Abzugsverbot besteht (bspw. Aufwendungen für Segeljachten o. Ä. oder bestimmte Bewirtungsaufwendungen), und umfasst darüber hinaus gewisse Reise- und Umzugskosten. Für diese Aufwendungen ist entsprechend auch kein Vorsteuerabzug möglich (§ 15 Abs. 1a UStG). Die Herausnahme des Aufwendungs-Eigenverbrauchs aus der Umsatzbesteuerung sowie weitere Änderungen der Eigenverbrauchsbesteuerung wurden durch das Steuerentlastungsgesetz 1999/2000/2002 vom 24. 3. 1999 (BGBl. I 1999, S. 486 ff.) neu eingeführt. Die Wertermittlung des Eigenverbrauchs hat sich auf die Wirtschaftsstufe des entnehmenden Unternehmers zu beziehen und schließt die Umsatzsteuer bei Regelbesteuerung (nichtabziehbare Vorsteuern gehören dagegen zu den Selbstkosten bzw. dem Einkaufspreis) aus der Bemessungsgrundlage aus. Um die vorgeschriebene buchmäßige Trennung von den übrigen Umsätzen zu erreichen, und zum Nachweis der Bemessungsgrundlage des Eigenverbrauchs (§ 22 Abs. 2 Nr. 3 UStG) werden umsatzsteuerlich Warenentnahmen für private Zwecke in der Regel auf einem besonderen Warenentnahmekonto (bei Anwendung unterschiedlicher Steuersätze auch auf mehreren Warenentnahmekonten) gebucht. Das Konto erhält somit den Charakter eines Erlöskontos für Umsätze mit dem Unternehmer selbst; es soll die Belastung der unternehmerischen Privatsphäre durch die Umsatzsteuer gewährleisten. Die auf den Eigenverbrauch entfallende, nach § 12 Nr. 3 EStG nicht abzugsfähige Umsatzsteuer ist unabhängig von ihrer Zahlung spätestens zum Ende des Voranmeldungszeitraumes dem Privatkonto zu belasten und dem Mehrwertsteuerkonto gutzuschreiben. Der Abschluss des Warenentnahmekontos kann über das Wareneinkaufs- oder das GuV-Konto erfolgen. Buchungssatz: Privatkonto an Warenentnahmen Mehrwertsteuer 4.7 Unfreiwillige Dezimierung von Warenvorräten Ein unfreiwilliger, nicht durch Verkauf begründeter Abbau des Vorratslagers liegt z. B. bei Schwund, Verderb oder Diebstahl von Waren vor. Um den korrekten Ausweis des Wareneinsatzes und damit des Warenrohgewinns zu gewährleisten, muss diese Minderung der Vorratshaltung im Wareneinkaufskonto berücksichtigt und ausgebucht werden. Dies geschieht über die Konten sonstiger betrieblicher Aufwand und Wareneinkauf, kann aber auch indirekt durch die Zwischenschaltung eines Unterkontos zum Wareneinkaufskonto erfolgen.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.