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1 Systematik der Sonderbilanzen in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 1028 - 1032

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_1028

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1009 Status: Imprimatur Teil C Sonderbilanzen Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1011 Status: Imprimatur 1 Systematik der Sonderbilanzen Die im Rahmen der Geschäftsbuchführung aufzustellenden Bilanzen dienen in erster Linie der regelmäßigen Ermittlung des Periodenerfolges (Zahlungsbe messung) und der finanziellen Rechnungslegung (Dokumentation und Infor mation). Neben den laufenden Geschäftsvorfällen können im Lebenszyklus er werbswirtschaftlich geführter Unternehmen jedoch auch Ereignisse auftreten, die außerordentlichen Charakter tragen und deshalb einer rechnungsmäßigen Sonderbehandlung mit Abschluss in einer einmaligen oder unregelmäßig wie derkehrenden Sonderbilanz bedürfen. Diese Ereignisse betreffen primär Anpassungsmaßnahmen des Unternehmens an geänderte Umweltsituationen durch Neuordnung des Zahlungs und Kapi talbereichs (vgl. Einleitung, Kap. 2, S. 8 f.). Deshalb wird dieser Problembereich nicht nur als „Son derbi lanzen“ (Kosiol, Pagatorische Bilanz, S. 996 ff.), sondern auch als „Sonderfälle der Finanzierung“ (Vormbaum, Finanzierung, S. 471 ff.) bezeichnet. Die Sonderbilanzierung ist demgemäß als eine finanzielle Rechnungslegung für außerordentliche (Sonder-)Anlässe zu verstehen. Dies wird aus der diesem Buch zugrunde liegenden Rechnungs wesensystematik besonders deutlich (vgl. Einleitung, Kap. 2, S. 10), denn ein Teil der materiellen Aufgaben stellungen des Finanzbuchführungsbereichs ist auch im Rahmen der Sonder bilanzierung zu erfüllen. Inwieweit eine Sonderbilanz in die Finanzbuchführung integrierbar ist, hängt nicht zuletzt von den vorgesehenen Anpassungsmaßnahmen, also dem Bilanzierungsanlass, ab. Der Bilanzierungsanlass bzw. der Bilanzierungszweck bestimmt, ob das Unternehmen fortgeführt oder aufgelöst werden soll, ob die Sonderbilanz damit also primär der Erfassung eines mit bestimmten Finanzie rungsvorgängen verknüpften Erfolges oder eher der (Rein )Vermögensermitt lung zu dienen hat und ob die Sonderbilanz entsprechend dem Bilanzzusam menhang bei Unternehmensfortführung als systematischer Abschluss aus der Buchführung hervorgeht oder aber gänzlich davon losgelöst als Status aus den Inventurdaten herzuleiten ist. Mit Hilfe dieser Unterscheidungskriterien lassen sich Sonderbilanzen – wenn auch nicht völlig überschneidungsfrei – gemäß der Übersicht auf S. 1013 systematisieren (in Anlehnung an Eisele/Kühn, Sonder bilanzen, S. 270). Die Systematik ist am Merkmal des spezifischen Finanzierungsvorgangs aus gerichtet; sie erfasst allerdings nicht alle Arten von Sonderbilanzen (z. B. Liqui ditätsbilanzen oder Kreditbilanzen). Der Vorteil des Systematisierungsansatzes liegt in seiner Homogenität begründet: Alle herausgestellten Sonderfälle der Finanzierung können i. W. unbelastet von der zugrunde liegenden Bilanzleh re unter dem Oberbegriff „Sonderbilanzen“ zusammengefasst werden. Dabei kann hinsichtlich der Darstellung der Vermögenslage – diese schließt begrifflich die Schuldenlage mit ein – nach dem Bilanzierungskontext differenziert werden 1 Systematik der Sonderbilanzen1012 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1012 Status: Imprimatur in außerordentliche Erfolgs- und außerordentliche Vermögens-(Status-)Bilanzen. Bei außerordentlichen Erfolgsbilanzen wird der Vergleichbarkeitsaspekt mit vorausgehenden Darstellungen der Vermögenslage betont. Sie leiten sich deshalb aus dem gegebenen Bilanzierungszusammenhang ab. Demgegenüber stellen außerordentliche Vermögens (Status )Bilanzen auf eine dem Bilanzie rungszweck angepasste Darstellung der Vermögenslage ab, welche nicht zwin gend an den gegebenen Bilanzierungszusammenhang anknüpft. Während sich außerordentliche Erfolgsbilanzen unter bilanzielle Ordnungskriterien subsu mieren lassen, muss der Status materiell einer eigenen Kategorie von Rech nungsausweisen zugeordnet werden (vgl. Hintner, Bilanz, S. 524). Die aufgeführten Sonderbilanzen sind auch insofern homogen, als sie überwie gend den buchhalterischen Ausgangspunkt für eine neue Abrechnungsperiode bilden: Bei der Gründungsbilanz ist dies sofort einsichtig, weil sie die Grundlage für die künftigen Jahresabschlüsse darstellt; aber auch eine Insolvenzbilanz leitet einen neuen Rechenabschnitt ein, da über die Abwicklung des Insolvenz verfahrens ebenfalls laufend Rechenschaft abzulegen ist. Während außeror dentliche Erfolgsbilanzen die formelle Bilanzkontinuität durch Umbuchungen innerhalb des Buchführungssystems bewahren, ist das Prinzip der formellen Vergleichbarkeit bei dem lediglich auf Bestandsrechnungen basierenden Status nur ausnahmsweise zu verwirklichen. Die hier nicht berücksichtigten Bilanzen aus Anlass besonderer Finanzierungsvorgänge (s. o.) wie etwa auch der Über schuldungsstatus können weder materiell noch formell Ausgangspunkt für eine zukünftige Rechnungslegungsperiode sein. Die Aussagefähigkeit einer (Sonder )Bilanz hängt entscheidend von ihrer zweckkonformen formellen und materiellen Ausgestaltung ab. Dementspre chend sind die Bilanzierungskriterien (Bilanzmerkmale) Ansatz, Bewertung und Gliederung bzw. Ausweis den jeweils verfolgten Bilanzzielen anzupassen. Die im Folgenden vorzunehmende einzelfallbezogene Untersuchung dieser Kri terien hat zugleich zielkonforme buchungstechnische Auswirkungen zur Folge. 1 System atik d er So n d erb ilan zen 1013 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 1013 Statu s: Im prim atu r Sonderbilanzen Unternehmensfortführung (going concern) Unternehmensauflösung Gründungsbilanz Umwandlungs bilanz1 Sanierungsbilanz Auseinandersetzungsbilanz Überschuldungsstatus, Vermögensübersicht bei Insolvenz2 Liquidations-/Insolvenzbilanz2 Übertragungsbilanz Übernahmebilanz Interne Liquidations bilanz Externe Liquidations-/ Insolvenzbilanz Bestehender Buchführungs-(Bilanz-)Zusam menhang (in Buchführungssystematik integriert) Kein Buchführungs-(Bilanz-)Zusammenhang (unabhängig von der Buchführungssystematik) Bestehender Buchführungs-(Bilanz-) Zusam menhang (in Buchführungssystematik integriert) Außerordentliche Erfolgsbilanzen Außer ordentliche Vermögens-(Status-) Bilanzen Außerordentliche Erfolgsbilanzen/ außer ordentliche Vermögens- (Status-)Bilanzen3 1 Beim Formwechsel ändert der zugrunde liegende Rechtsträger lediglich sein Rechtskleid. Da keine Vermögensübertragung auf einen anderen Rechtsträger stattfindet, entfällt die Aufstellung sowohl einer Übertragungsbilanz als auch einer Übernahmebilanz. 2 Gegebenenfalls (auch) Wertangabe unter Fortführungsprämisse. 3 Bei der Liquidations- bzw. der Insolvenzeröffnungsbilanz sowie bei den folgenden Jahresbilanzen handelt es sich dem Charakter nach um außerordentliche Erfolgsbilanzen (Insolvenzbilanz mit Ansatz von Fortführungswerten), bei der Liquidations- bzw. der Insolvenzschlussbilanz überwiegt dagegen der Charakter einer außerordentlichen Vermögensbilanz. Die Gründungsbilanz kann auch als Vermögensbilanz aufgefasst werden, weil sich die Anschaffungskosten der auszuweisenden Vermögensgegenstände und Schulden grundsätzlich aus den Verkehrs- oder Zeitwerten und grundsätzlich nicht aus den Buchwerten einer vorausgehenden Bilanz bestimmen. Sofern die Übernehmerin im Rahmen einer Verschmelzung oder Spaltung das in § 24 UmwG kodifizierte Bewertungswahlrecht dahingehend ausübt, dass sie als Anschaffungskosten der im Wege der Gesamtrechtsnachfolge übernommenen Vermögensgegenstände und Schulden die Zeitwerte und nicht die Buchwerte aus der Schlussbilanz der Überträgerin ansetzt, ist die Wertverknüpfung zwischen Übertragungsbilanz und Übernahmebilanz gelöst. In diesem Falle ließe sich die Übernahmebilanz auch als Vermögensbilanz klassifizieren. Bei Buchwertfortführung besteht hingegen ein Zusammenhang mit der Übertragungsbilanz. Systematik der Sonderbilanzen Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1014 Status: Imprimatur 2 Sonderbilanzen zur Unternehmensfortführung 2.1 Gründungsbilanzen 2.1.1 Arten der Gründung Die Gründung einer Unternehmung umfasst die Gesamtheit der Entscheidun gen und Handlungen, die die konstitutionellen Voraussetzungen für das Ent stehen der Unternehmung schaffen (Eisele, Gründung, Sp. 550). Dabei gehört die Wahl der Rechtsform zu den herausragenden Entscheidungen der Gründungs phase, da sich die Unternehmung damit bestimmten rechtsformspezifischen Merkmalen wie Haftungsmodalitäten, Leitungsbefugnissen, Ergebnisvertei lung, Publizitätszwang und Besteuerung unterwirft, die das zukünftige unter nehmerische Entscheidungsfeld nachhaltig beeinflussen. Die Gründung kann damit als der juristisch-finanzielle Aufbau einer Unterneh mung bezeichnet werden, der technisch-organisatorische Aufbau des Betriebes wird dagegen Errichtung genannt (allerdings wird in einschlägigen Gesetzes vorschriften der Begriff Errichtung auch mit dem Abschluss des Gesellschafts vertrags und ggf. der Übernahme der Anteile gleichgesetzt, vgl. Abbildung S. 1022 und § 29 AktG, §§ 5 Abs. 2 und 7 Abs. 2 GmbHG). Neben den juristischen und ökonomischen Fragestellungen sind im Rahmen der Gründung auch sozi ale und technologische Problemstrukturen zu lösen. Es können folgende Gründungsarten (Formen der Gründung) unterschieden werden: Umgründung Gründung Einbringung einzelner Vermögenswerte Einbringung von Betrieben Ausgründung Neugründung Bargründung Sachgründung Mischgründung Nachgründung Systematik der Gründungsarten

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.