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9.3 Harmonisierung von interner und externer Erfolgsrechnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 1023 - 1026

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_1023

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
9 Kurzfristige Erfolgsrechnung1004 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1004 Status: Imprimatur beim Gesamtkostenverfahren diese Aufwandsarten nicht beinhaltet (Eisele/ Kratz, Rechnungswesen). Da das Umsatzkostenverfahren die umsatzbezogenen Aufwendungen nach Funktionsbereichen (Herstellung, Vertrieb, Verwaltung) des Unternehmens zuteilt, sind für externe Bilanzadressaten Erfolgsquellenanalysen nur bedingt möglich. Um diesen Nachteil wenigstens partiell auszugleichen, verlangt § 285 Nr. 8 HGB, dass die Material- und Personalaufwendungen im Anhang gesondert angegeben werden. Darüber hinaus können die Abschreibungen der Bilanz oder dem Anhang entnommen werden (§ 268 Abs. 2 Satz 3 HGB). Ob allerdings der Aussagewert der in der Bilanz ausgewiesenen Abschreibungen dem der beim Gesamtkostenverfahren in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen entspricht, hängt letztlich von der Interpretation des § 268 Abs. 2 Satz 3 HGB ab: Sind nur jene Abschreibungen herauszustellen, die zugleich Bestandteil der kumulierten Abschreibungen des Anlagespiegels sind, fehlen die Absetzungen der Vermögensgegenstände, die das Unternehmen am Ende der Periode verlassen haben und deshalb in der Spalte Abgänge erfasst wurden. Das Gleiche gilt für geringwertige Wirtschaftsgüter, die nach dem Zugang sofort wieder als Abgang gebucht werden. Sind dagegen alle in der Periode vorgenommenen Abschreibungen im Anlagespiegel auszuweisen, so bestehen keine Aussagewertunterschiede gegenüber dem nach dem Gesamtkostenverfahren getätigten Ansatz in der GuV-Rechnung. 9.3 Harmonisierung von interner und externer Erfolgsrechnung Das Rechnungswesen in Deutschland ist traditionell durch unterschiedliche Rechnungssysteme mit jeweils spezifischer Zielsetzung gekennzeichnet. Deshalb findet sich in der Regel auch eine konsequente Trennung zwischen Finanz-(Geschäfts-)Buchführung – externes Rechnungswesen – einerseits und Kosten- und Leistungsrechnung – internes Rechnungswesen – andererseits (vgl. Einleitungsteil, S. 8 ff.). Die Folge dieser Trennung ist, dass entsprechend der beiden Rechnungszweige ebenso zwei unterschiedliche Unternehmenserfolge ermittelt werden. Die Gründe für diese Differenzierung sind zum einen historischer Natur, zum anderen aber durch die unterschiedlichen Rechnungszwecke und Rechnungsziele begründet, wie sie in den andersartigen Interpretationsinhalten der Rechengrößen Kosten und Aufwand bzw. Leistung und Ertrag zum Ausdruck kommen. Bereits seit den neunziger Jahren vollziehen sich allerdings vor allem durch von der Praxis (vgl. dazu S. 1005 f.) angestoßene Entwicklungen, die tendenziell auf eine Annäherung, partiell sogar auf eine Harmonisierung der Ergebnisrechnungen hinwirken. Die Gründe für diese Angleichungstendenzen zwischen externem und internem Rechnungswesen beruhen vor allem auf den folgenden Tatbeständen: Zunehmende Globalisierung und weltweite Verzahnung von Produkt- und Kapitalmärkten führen zu einer verstärkten Internationalisierung der Unternehmen. 9.3 Harmonisierung von interner und externer Erfolgsrechnung 1005 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1005 Status: Imprimatur Die steigende Anzahl ausländischer Niederlassungen und internationaler Beteiligungen (Komplexität) spiegelt diesen Trend wider. Abbildung und Steuerung international diversifizierter und sich stetig verändernder Strukturen (Dynamik) stellen hierbei hohe Anforderungen an das betriebliche Rechnungswesen: Die von den Geschäfteinheiten bzw. Tochtergesellschaften gelieferten Daten müssen möglichst vereinheitlicht und entsprechend einheitlich verarbeitet werden. Hierfür sind geeignete Voraussetzungen zu schaffen, die vor allem einem harmonisierten Rechnungswesen primäre Bedeutung zumessen. Dabei kommt der international ausschließlich üblichen Orientierung am System der externen Rechnungslegung die zentrale Perspektive zu, mit der Konsequenz, dass die in Deutschland praktizierte international ungewohnte Systemzweiteilung mit der ihr eigenen begrifflichen Differenzierung auf Unverständnis stößt. Das führt dann aus Sicht deutscher Mutterunternehmen häufig zu oft schwerwiegenden und zumeist kostspieligen Verständnis- sowie Akzeptanzproblemen gegenüber den Belegschaften ausländischer Tochterunternehmen. Diesbezüglich kommunikative Abhilfe schaffen internationale Rechnungslegungsgrundsätze, die in der Ausformung als Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS) zugleich den Konvergenzprozess zwischen externem und internem Rechnungswesen erkennbar befördern (vgl. Eisele/Kratz, Rechnungswesen). Auch für die Kapitalbeschaffung der Unternehmen gewinnt die externe Rechnungslegung als Folge der gestiegenen Bedeutung internationaler Kapitalmärkte zunehmend an Gewicht. Mit den Kapitalmarktanforderungen nach Vergleichbarkeit und Transparenz der Unternehmensdaten korrespondiert die Betonung der Wertorientierung durch die Unternehmensführung mit dem Ziel der Unternehmenswertsteigerung. Das erfordert betriebliche Steuerungskonzepte, die primär an marktrelevanten Ergebnisgrößen ausgerichtet und folglich für die Zwecke der konkreten betrieblichen Umsetzung ebenso nach innen zu kommunizieren sind. Für den Ansatz manipulationsanfälliger kalkulatorischer Kosten bleibt hier kein Raum: Diesen stehen die deutlich zuverlässigeren, weil durch pagatorische Größen unterlegten, normierten und zudem oft zusätzlich durch externe Instanzen geprüften Daten des externen Rechnungswesen gegen- über (vgl. auch: Schweitzer/Küpper, Kosten- und Erlösrechnung, S. 756). Zu erwarten ist deshalb wohl eine weiter zunehmende Angleichung der Ergebnisrechnungen, beschleunigt im Bereich der sog. kapitalmarktorientierten Unternehmen durch die diesbezüglich drängenden internationalen Rechnungslegungsstandards, erkennbar befördert aber auch durch die deutlich reduzierten Wahlrechtsspielräume des aktuell reformierten Handelsrechts (BilMoG). Vor diesem Hintergrund liegt eine Umfunktionierung der externen Gewinn- und Verlustrechnung in eine auch auf kurze Fristen transponierbare interne Betriebsergebnisrechnung nahe. Einen gänzlichen Verzicht auf jegliche eigenständige interne Unternehmensrechnung wird diese Perspektive gleichwohl nicht zur Folge haben: Eine entscheidungstheoretisch fundierte Kosten- und Leistungsrechnung bleibt auf Produkt- und Prozessebene unabdingbar. Das erste deutsche Unternehmen, das eine Angleichung der internen an die externe Ergebnisermittlung vornahm, war der Siemens-Konzern. Bereits in den 9 K u rzfristig e Erfo lg srech n u n g 1006 V ah len s H and bücher – E isele/K nobloch – Tech n ik des betrieblichen R ech nu ngsw esen s (8. A u fl.) – H ersteller: Frau D eu ringer Stand: 05.07.2011 Seite 1006 Statu s: Im prim atu r Auflösung der GuV nach Geschäftseinheiten bei Siemens ± Veränd. Vorsorgen/ sonst. Posten ± Finanzergebnis HB-Erg. v. Steuern – Ertragsteuern HB-Erg. n. Steuern Umsatz ./. Umsatzkosten GuV- Geschäftsbereich 1 2 3 2 3 PG 2 PG 3 GuV- Geschäftsgebiet 1 GuV- Produktgruppe 1 GuV-Unternehmen Ist Abw.Plan Bruttoerg. v. Ums. (in % v. Umsatz) ./. FuE-Kosten (in % v. Umsatz) ./. Vertriebskosten (in % v. Umsatz) ./. Allg. Verwalt.kost. (in % v. Umsatz) ± Sonst betr. Aufw./ Erträge Operatives Ergebnis (in % v. Umsatz) ± Veränd. Vorsorgen/ sonst. Posten ± Finanzergebnis HB-Erg. v. Steuern Umsatz ./. Umsatzkosten Ist Abw.Plan Bruttoerg. v. Ums. (in % v. Umsatz) ./. FuE-Kosten (in % v. Umsatz) ./. Vertriebskosten (in % v. Umsatz) ./. Allg. Verwalt.kost. (in % v. Umsatz) ± Sonst betr. Aufw./ Erträge Operatives Ergebnis (in % v. Umsatz) Umsatz ./. Umsatzkosten Ist Abw.Plan Bruttoerg. v. Ums. (in % v. Umsatz) ./. FuE-Kosten (in % v. Umsatz) ./. Vertriebskosten (in % v. Umsatz) ./. Allg. Verwalt.kost. (in % v. Umsatz) ± Sonst betr. Aufw./ Erträge Operatives Ergebnis (in % v. Umsatz) Umsatz ./. Umsatzkosten Ist Abw.Plan Bruttoerg. v. Ums. (in % v. Umsatz) 9.3 Harmonisierung von interner und externer Erfolgsrechnung 1007 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1007 Status: Imprimatur Jahren 1992/1993 verzichtete Siemens auf eine separate Ergebnisrechnung und machte die nur geringfügig modifizierte GuV nach dem handelsrechtlichen Umsatzkostenverfahren (vgl. Abbildung auf S. 1006) zum zentralen Steuerungsinstrument (vgl. hierzu Ziegler, Neuorientierung, S. 177 ff.). Die Tendenz zur Vereinheitlichung der Ergebnisrechnung bestätigte dann auch eine bereits in den Jahren 1996/97 durchgeführte Befragung der 200 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands, die zeigt, dass die klassische Trennung von internem und externem Rechnungswesen in der Unternehmenspraxis zunehmend zurückgeht: 30 % der befragten Unternehmen gaben darüber hinaus an, bereits Projekte zur Vereinheitlichung des Rechnungswesens gestartet zu haben, 22 % hatten die Vereinheitlichung bereits abgeschlossen. Die größte Chance auf dem Weg zu einer fortschreitenden Harmonisierung der Rechnungssysteme wurde zu dieser Zeit der Nutzung einheitlicher Kennzahlen für die Unternehmenssteuerung zugeschrieben (Horváth/Arnaout, Internationale Rechnungslegung, S. 254 ff.). Diesen Trend zur Integration von externem und internem Rechnungswesen bestätigt schließlich eine 2009 publizierte Befragung deutscher Großunternehmen aus dem Jahr 2005, welche die entsprechenden Integrationsanstrengungen mit einer Quote von 37,8 % als „voll zutreffend“ identifiziert (vgl. dazu: Friedl/ Frömberg/Hammer/Küpper/Pedell, Stand und Perspektiven, S. 114). Ergänzende Literatur zu: 9 Kurzfristige Erfolgsrechnung Eisele/Kratz, Rechnungswesen Erichsen, Zusammenführung, S. 55–59 Hoffmann/Lüdenbach, Kommentar Bilanzierung, S. 1065–1112 Kilger, Kurzfristige Erfolgsrechnung, S. 29–92 Scherrer, Kostenrechnung, S. 539–548 Schildbach/Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 182–188 Schweitzer/Küpper, Kosten- und Erfolgsrechnung, S. 192–204 und 739–759 Wöhe/Döring, Einführung, S. 980–991 Wörner, Handels- und Steuerbilanz, S. 197–213 Symbolverzeichnis Teil B äi Äquivalenzziffer Produkt i bi Bezugsgröße des Produktes i be Bezugsgröße des Einheitsproduktes e BE Bruttoerlös BI Istbeschäftigung Bp Planbeschäftigung D Degressionsbetrag d(i) stückbezogener Deckungsbeitrag (des Produktes i) E Erfolg, Nettoerfolg GE Geldeinheit(en) kh(i) Stückherstellkosten (des Produktes i) khH Stückherstellkosten der Halbfabrikate khF Stückherstellkosten der Fertigerzeugnisse

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.