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9.2 Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren nach Handelsrecht in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 1021 - 1023

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_1021

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
9 Kurzfristige Erfolgsrechnung1002 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1002 Status: Imprimatur (Werte in €) Stielpfannen WassertöpfeØ 18 cm Wassertöpfe Ø 34 cm Dampfkochtöpfe ∑ Fertigungslöhne – Lackieren/Brennen abgesetzte Menge ./. hergestellte Menge 66301,374 62809,374 101369,2915 101445,2915 64879,6105 62985,6105 48783,946 50559,946 = Differenzmenge × Fertigungsgemeinkosten pro Stück 3492,374 2,506 – 76,2915 3,–566 1894,6105 3,5005 – 1776,946 5,–46 = Über-/Unterdeckung 8730,–66 – 228,–566 6629,–005 – 8880,–46 6251,–6 Gesamte Über-/Unterdeckung 24860,426 – 10675,7666 29103,1805 13409,896 56697,73 9.2 Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren nach Handelsrecht Das deutsche Bilanzrecht war bis zur Umsetzung der 4. EG-Bilanzrichtlinie in nationales Handelsrecht (Bilanzrichtlinien-Gesetz vom 19. 12. 1985) ausschließlich an Erfolgsrechnungen nach dem Gesamtkostenverfahren orientiert. Dabei sprach für das Gesamtkostenverfahren besonders, dass es für die Durchführung des gesamten Rechnungswesens im Einkreissystem prädestiniert war. Mit der Einführung des nach dem Zweikreissystem aufgebauten Industrie-Kontenrahmens (vgl. Teil A, Abschn. 15.6.3.3, S. 728 f.) gewann allerdings für innerbetriebliche Lenkungs- und Kontrollfunktionen das Umsatzkostenverfahren an Bedeutung. Die Dominanz dieses Verfahrens auch bei der externen Rechnungslegung im angelsächsischen Bereich führte schließlich im Zuge der Harmonisierung des Gesellschaftsrechts zur Übernahme des Umsatzkostenverfahrens in das deutsche Handelsrecht. Dabei ist über die rechtliche Ausgestaltung des Umsatzkostenverfahrens die Gleichwertigkeit mit dem Gesamtkostenverfahren gewährleistet. Für deutsche Unternehmen eröffnete sich somit erstmals die Möglichkeit, sich international vergleichbar darzustellen. Die von § 275 Abs. 2 und 3 HGB vorgesehenen Gliederungen der Gewinn- und Verlustrechnung (vgl. Teil A, Abschn. 3.4.1, S. 85 ff.) sind ab den Positionen 9 im Gesamtkostenverfahren bzw. 8 im Umsatzkostenverfahren identisch; die Unterschiede in den Verfahren sind demnach in den Positionen 1 bis 8 bzw. 1 bis 7 begründet, also insbesondere auf die unterschiedliche Behandlung von Mengendifferenzen bei asynchronem Verlauf von Produktion und Absatz zurückzuführen. Ausgangsgrößen des Gesamtkostenverfahrens sind die auf die gesamte Produktion der Periode bezogenen Aufwendungen, die den Umsatzerlösen und den sonstigen betrieblichen Erträgen gegenübergestellt werden. Insofern wird das Gesamtkostenverfahren häufig auch als (Brutto-)Produktionsrechnung bezeichnet. Die Mengendifferenzen werden dabei in der Erfolgsrechnung unter den Positionen 2 und 3 als Erhöhung oder Verminderung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen und als andere aktivierte Eigenleistungen erfasst. Das Betriebsergebnis ergibt sich somit aus: 9.2 Gesamtkosten- und Umsatzkostenverfahren nach Handelsrecht 1003 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1003 Status: Imprimatur Umsatzerlöse + ./. Lagerbestandsveränderungen + andere aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge ./. gesamter betrieblicher Aufwand = Betriebsergebnis Das Gesamtkostenverfahren führt Mengendifferenzkorrekturen also bei den Erträgen bzw. Erlösen durch. Das Umsatzkostenverfahren dagegen geht von den Umsatzerlösen der Periode aus und korrigiert die Aufwandssumme entsprechend den Mengendifferenzen. Das Betriebsergebnis stellt sich somit wie folgt dar: Umsatzerlöse ./. zurechenbarer Aufwand der abgesetzten Leistungen = Betriebsergebnis Die Verbuchung der Ertragskorrekturen beim Gesamtkostenverfahren erfolgt über das entsprechende Bestandskonto der Bilanz: fertige bzw. unfertige Erzeugnisse an Erhöhung des Bestandes an fertigen und unfertigen Erzeugnissen Die Aufwandskorrekturen beim Umsatzkostenverfahren erfolgen ebenfalls über die Bestandskonten der Bilanz: fertige bzw. unfertige Erzeugnisse an diverse Aufwandskonten Damit wird deutlich, dass beide Verfahren grundsätzlich nicht ohne eine funktionsfähige Kostenrechnung auskommen. Sowohl die Bewertung von Lagerbeständen als auch die Verteilung der Aufwendungen für die abgesetzte Leistung erfordert eine Kostenträgerrechnung, die den spezifischen Bewertungsgrundsätzen des Handels- und Steuerrechts entspricht (vgl. Teil A, Abschn. 11.2.1, S. 400 ff.): Diese muss nach Einzelkosten, variablen und fixen Gemeinkosten separieren können. Die Anwendung der relativen Einzelkostenrechnung scheidet somit handels- und steuerrechtlich ebenso aus wie die Verfahren der Bezugsgrößen- oder Verrechnungssatzkalkulation. Unbefriedigend beim Vergleich der Gliederungen des Gesamt- und Umsatzkostenverfahrens ist, dass gleich lautende Positionen nicht zwingend auch den gleichen Inhalt repräsentieren. Dies gilt zum einen für die sonstigen betrieblichen Aufwendungen, die beim Umsatzkostenverfahren auch die nicht auf den Umsatz verteilbaren Reste der Aufwendungen (z. B. Personalkosten der Forschungs- und Entwicklungsabteilung) aufnehmen müssen, zum anderen für die vereinfachten Gliederungen der kleinen Kapitalgesellschaften. Nach § 276 HGB dürfen diese Unternehmen bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens die Positionen 1 bis 5 und bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens die Positionen 1 bis 3 und 6 unter der Bezeichnung Rohergebnis zusammenfassen. Das Rohergebnis nach dem Umsatzkostenverfahren enthält damit anteilige Personalkosten und anteilige Abschreibungen, während die gleiche Position 9 Kurzfristige Erfolgsrechnung1004 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 1004 Status: Imprimatur beim Gesamtkostenverfahren diese Aufwandsarten nicht beinhaltet (Eisele/ Kratz, Rechnungswesen). Da das Umsatzkostenverfahren die umsatzbezogenen Aufwendungen nach Funktionsbereichen (Herstellung, Vertrieb, Verwaltung) des Unternehmens zuteilt, sind für externe Bilanzadressaten Erfolgsquellenanalysen nur bedingt möglich. Um diesen Nachteil wenigstens partiell auszugleichen, verlangt § 285 Nr. 8 HGB, dass die Material- und Personalaufwendungen im Anhang gesondert angegeben werden. Darüber hinaus können die Abschreibungen der Bilanz oder dem Anhang entnommen werden (§ 268 Abs. 2 Satz 3 HGB). Ob allerdings der Aussagewert der in der Bilanz ausgewiesenen Abschreibungen dem der beim Gesamtkostenverfahren in der Gewinn- und Verlustrechnung ausgewiesenen entspricht, hängt letztlich von der Interpretation des § 268 Abs. 2 Satz 3 HGB ab: Sind nur jene Abschreibungen herauszustellen, die zugleich Bestandteil der kumulierten Abschreibungen des Anlagespiegels sind, fehlen die Absetzungen der Vermögensgegenstände, die das Unternehmen am Ende der Periode verlassen haben und deshalb in der Spalte Abgänge erfasst wurden. Das Gleiche gilt für geringwertige Wirtschaftsgüter, die nach dem Zugang sofort wieder als Abgang gebucht werden. Sind dagegen alle in der Periode vorgenommenen Abschreibungen im Anlagespiegel auszuweisen, so bestehen keine Aussagewertunterschiede gegenüber dem nach dem Gesamtkostenverfahren getätigten Ansatz in der GuV-Rechnung. 9.3 Harmonisierung von interner und externer Erfolgsrechnung Das Rechnungswesen in Deutschland ist traditionell durch unterschiedliche Rechnungssysteme mit jeweils spezifischer Zielsetzung gekennzeichnet. Deshalb findet sich in der Regel auch eine konsequente Trennung zwischen Finanz-(Geschäfts-)Buchführung – externes Rechnungswesen – einerseits und Kosten- und Leistungsrechnung – internes Rechnungswesen – andererseits (vgl. Einleitungsteil, S. 8 ff.). Die Folge dieser Trennung ist, dass entsprechend der beiden Rechnungszweige ebenso zwei unterschiedliche Unternehmenserfolge ermittelt werden. Die Gründe für diese Differenzierung sind zum einen historischer Natur, zum anderen aber durch die unterschiedlichen Rechnungszwecke und Rechnungsziele begründet, wie sie in den andersartigen Interpretationsinhalten der Rechengrößen Kosten und Aufwand bzw. Leistung und Ertrag zum Ausdruck kommen. Bereits seit den neunziger Jahren vollziehen sich allerdings vor allem durch von der Praxis (vgl. dazu S. 1005 f.) angestoßene Entwicklungen, die tendenziell auf eine Annäherung, partiell sogar auf eine Harmonisierung der Ergebnisrechnungen hinwirken. Die Gründe für diese Angleichungstendenzen zwischen externem und internem Rechnungswesen beruhen vor allem auf den folgenden Tatbeständen: Zunehmende Globalisierung und weltweite Verzahnung von Produkt- und Kapitalmärkten führen zu einer verstärkten Internationalisierung der Unternehmen.

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References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.