Content

8.3 Erlösrechnung in:

Wolfgang Eisele, Alois Paul Knobloch

Technik des betrieblichen Rechnungswesens, page 1002 - 1004

Buchführung und Bilanzierung, Kosten- und Leistungsrechnung, Sonderbilanzen

8. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3784-3, ISBN online: 978-3-8006-4350-9, https://doi.org/10.15358/9783800643509_1002

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
8.3 Erlösrechnung 983 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 983 Status: Imprimatur 8.3 Erlösrechnung Die Erlösrechnung als wichtigster Teilbereich der Leistungsrechnung betrachtet die monetäre Realisation betrieblicher Leistungen am Markt. Es werden also nur diejenigen Leistungen in die Berechnung mit einbezogen, denen mit Absatzpreisen bewertete Güter zu Grunde liegen. Die erzielten Umsatzerlöse sind das Produkt aus Absatzmenge und Absatzpreis der verschiedenen Produktarten. Analog zur Kostenrechnung lässt sich die Erlösrechnung in eine Erlösarten-, Erlösstellen- und Erlösträgerrechnung gliedern, die alle das Ziel verfolgen, die Erlöse zu erfassen, die Erlösentstehung nach Absatzmärkten zu gliedern sowie die Erlöse ihren einzelnen Erlösträgern zuzuordnen. Aufgabe der Erlösartenrechnung ist es, die Erlösarten, klassifiziert nach unterschiedlichen Absatzpreiskonditionen (z. B. Rabatte, Skonti) der abgesetzten Produkte, zu erfassen. Der schließlich realisierte Gesamterlös eines Gutes bzw. einer Leistung setzt sich dann regelmäßig aus mehreren Erlösarten zusammen. Die Zuordnung der einzelnen Erlösarten kann, ausgehend vom Basiserlös als dem Grund- bzw. Listenpreis, nach den folgenden drei Erlöskategorien erfolgen: Erlösmehrungen, Erlösminderungen sowie Erlösberichtigungen (Schildbach/ Homburg, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 174): Erlösmehrungen sind beispielsweise Aufpreise auf den Listenpreis für Sonderanfertigungen oder sonstige, über die Grundleistung hinausgehende, erbrachte Leistungen. Erlösminderungen umfassen in erster Linie gewährte Preisnachlässe, Erlösberichtigungen dagegen alle risikobedingten Korrekturen auf die ursprüngliche Erlössumme. Erst durch die Berücksichtigung aller einfließenden Erlösarten kann der Nettoerlös als aussagefähige Größe für die Erlösrechnung gewonnen werden (Ewert/ Wagenhofer, Interne Unternehmensrechnung, S. 674 f.): Basiserlös + Erlösmehrungen ./. Erlösminderungen ./. Erlösberichtigungen = Nettoerlös Erlösarten Erlösmehrungen Erlösminderungen Erlösberichtigungen Aufpreise auf den Listenpreis Rabatte Boni Skonti Korrekturen bei Mängeln, Fehllieferungen etc. 8 Leistungsrechnung984 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 984 Status: Imprimatur Noch stärker als bei der Kostenrechnung macht sich in der Erlösrechnung die Problematik der Zurechenbarkeit derjenigen Erlösarten, die als Gemeinerlöse anfallen, auf die jeweiligen Erlösträger bemerkbar (Ossadnik, Kosten- und Leistungsrechnung, S. 122 ff.). So ist es beispielsweise nur unter erheblichen Zugeständnissen an eine realitätsgetreue Abbildung der betrieblichen Vorgänge möglich, anfallende Gemeinerlöse (Erlösarten) auf ihre Entstehungsorte (Erlösträger) zurückzuführen. Insbesondere bei Erlösminderungen fällt es schwer, eine verursachergerechte Aufteilung und somit korrekt gewichtete Verteilung eines anfallenden Gemeinerlöses zu finden. Je nach angewandtem Zuordnungskriterium werden differierende Ergebnisse ermittelt, wie folgendes Beispiel zeigt: Von 2 Produkten A und B werden jeweils 50 Stück abgesetzt. Produkt A erzielt einen Marktpreis von 100 €, wohingegen Produkt B nur 50 € einbringt. Auf die gesamte Lieferung wird dem Kunden ein Rabatt von 200 € gewährt. Im folgenden Schaubild sind zwei Möglichkeiten der Zurechnung einer solchen Erlösminderung aufgezeigt. Kriterium: Anzahl der Erlösträger Kriterium: Grundpreis der Produkte Anzahl der Produkte 100 100 davon Grundpreis 100 € (Produkt A) 50 50 50 € (Produkt B) 50 50 Rabattsumme in € 200 200 Erlösminderung in € Produkt A 2,00 2,67 Produkt B 2,00 1,33 Aufteilung einer Erlösminderung (hier Rabatt) nach unterschiedlichen Kriterien Das Ergebnis verdeutlicht, dass die in der Erlösartenrechnung ermittelten Werte stets vor dem Hintergrund der jeweils angewandten Methode zur Aufteilung der Gemeinerlöse beurteilt werden müssen, um eine realitätsgetreue Abbildung der betrieblichen Vorgänge zu gewährleisten. Erlösarten werden vielfach durch unterschiedliche Absatzmarktbedingungen (z. B. kundenspezifische Absatzmengen, Zahlungsbedingungen) beeinflusst, weshalb in der Erlösstellenrechnung die Orte der Erlösentstehung erfasst werden. Neben dieser Erlösermittlungsfunktion dient die Erlösstellenrechnung insbesondere der Kontrolle der erzielten Erlöse. Eine Erlösstelle sollte daher Teilmärkte zusammenfassen, auf denen möglichst homogene Absatzbedingungen herrschen und für die eine eindeutige Vertriebsverantwortung gilt (Engelhardt, Erlösplanung, S. 665). Die Auswahl der geeigneten Untergliederung in Erlösstellen muss den spezifischen Bedingungen der Unternehmensumwelt angepasst sein und lässt sich mithin nur schwer in allgemeingültiger Form wiedergeben. Möglich sind beispielsweise Untergliederungen nach Absatzwegen, Kunden- oder Produktgruppen (Ossadnik, Kostenund Leistungsrechnung, S. 171 ff.). 8.3 Erlösrechnung 985 Vahlens Handbücher – Eisele/Knobloch – Technik des betrieblichen Rechnungswesens (8. Aufl.) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 05.07.2011 Seite 985 Status: Imprimatur Die Erlösträgerstückrechnung versucht indes, die Erlöse den einzelnen Erlösträgern zuzuordnen. Erlösträger können entweder einzelne Produkte oder aber auch Produktarten oder Dienstleistungen sein. Somit schließt die Erlösträgerstückrechnung auch unmittelbar an die Erlösartenrechnung an, da die Erlösarten der verschiedenen abgesetzten Güter dort erfasst und den Erlösträgern dann auch direkt zugeordnet werden können. Obwohl die Erlösrechnung ein wichtiges Werkzeug für die Erlösplanung und -kontrolle im Betrieb darstellt, wurde und wird sie gegenüber der Kostenrechnung deutlich vernachlässigt. Dies ist insbesondere auf ihre umstrittene praktische Handhabbarkeit sowie die begrenzte Aussagekraft der durch sie erzielbaren Werte zurückzuführen. So sind geschlossene Systeme der Erlösrechnung bis heute kaum erkennbar, was vor allem wohl auf die schwierige Planbarkeit der erlösbeeinflussenden Größen zurückzuführen ist: Während die Wirkungen von Kosteneinflussgrößen in der Produktion (z. B. Preissteigerung von Rohstoffen) auf Grund der regelmäßig bestehenden technischen Zusammenhänge relativ einfach zu ermitteln sind, können die Wirkungen der Erlöseinflussgrößen (z. B. verändertes Wettbewerber-/Konsumentenverhalten) auf die erzielbaren Erlöse nur schwer prognostiziert werden. Übungsbeispiel: Die Handel AG beliefert Großabnehmer mit dem Produkt „Feelgood“ zum Listenpreis von € 59 je Stück. Bei Abnahme einer kompletten Palette (150 Stck.) wird in Preis von € 6.000 angesetzt. Der Versand der Produkte wird pauschal mit € 3 je Stück abgerechnet; bei Abnahme einer Palette werden € 200 Versandpauschale angesetzt. Für den Kunden A liegen die folgenden Prognosen für das kommende Geschäftsjahr vor: Voraussichtlich wird A monatlich zwei komplette Paletten ordern. Zudem ist die Abnahme von 120 Stck. pro Monat in verschiedenen Bestellmengen zu erwarten. Die Handel AG gewährt A als Mengenrabatt eine Gratispalette, wenn der kumulierte Absatz am Jahresende über € 200.000 liegt. Erfahrungsgemäß bezahlt A unter Abzug des eingeräumten Skontos von 3 % unmittelbar nach Erhalt der Rechnung. Zu ermitteln sind die zu erwartenden Erlöse pro Monat für den Kunden A. Lösung: Berechnung der Bruttoerlöse: 2 Paletten (Listenpreis und Versand): BE1 = 2 · € 6.000 + 2 · € 200 = € 12.400 120 Stück (Listenpreis und Versand): BE2 = 120 · € 59 + 120 · € 3 = € 7.440 Berechnung der Erlösschmälerungen: 1 Gratispalette entspricht einem Mengenrabatt von € 500 pro Monat. (Der erwartete Jahresumsatz ist größer als die vorgegebene Zielgröße von € 200.000.) Skonto: S = (€ 12.400 + € 7.440) · 0,03 = € 595,20 Es ergeben sich als monatliche Planerlöse des Kunden A: PEm = € 19.840 – € 500 – € 595,20 = € 18.744,80

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Ein wahrer Klassiker zum betrieblichen Rechnungswesen.

"Der 'Eisele/Knobloch' gehört mit Sicherheit zum besten, was es auf dem Lehrbuchmarkt zu diesem Thema gibt."

in: Studium 90/2012

Die »Technik des betrieblichen Rechnungswesen« war und ist ein Gesamtwerk:

Es umfasst das betriebliche Rechnungswesen in der Breite ausgehend vom handels- und steuerrechtlichen Einzelabschluss und den dafür einschlägigen internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen (IFRS), über die Grundlagen der Kosten- und Leistungsrechnung bis hin zu den Sonderfällen der Bilanzierung und in der Tiefe von der Auslegung der abstrakten Bilanzierungsnormen durch Rechtsprechung, Verwaltung und Schrifttum bis hin zum grundlegenden Buchungssatz.

"Das Werk vermittelt umfassendes anwendungsbezogenes Grundlagenwissen und fordert die Fähigkeit zur selbstständigen Problemlösung."

in: Controller Magazin 1/2012

"Das knapp 1.500 Seiten dicke Lehrbuch ist auch in der 8. Auflage ein Gesamtwerk: Es deckt konsequent alles ab, was man als Student wissen muss, wenn man sich auf das betriebliche Rechnungswesen spezialisiert. [...] Am bewährten didaktischen Konzept hat sich auch bei der Neuauflage nichts geändert: Durch die anwendungs- sowie praxisbezogene Wissensvermittlung wird der Leser schnell zum Profi auf dem Gebiet des betrieblichen Rechnungswesens."

in: Studium 90/2012

Beste Autoren-Kompetenz

Prof. Dr. Wolfgang Eisele war Inhaber des Lehrstuhls für Rechnungswesen und Finanzierung an der Universität Hohenheim. Prof. Dr. Alois Paul Knobloch ist Inhaber des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Rechnungswesen und Finanzwirtschaft, an der Universität des Saarlandes.