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7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit in:

Ralf Kesten, Arno Müller, Hinrich Schröder

IT-Controlling, page 166 - 183

IT-Strategie, Multiprojektmanagement, Projektcontrolling und Performancekontrolle

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4534-3, ISBN online: 978-3-8006-4348-6, https://doi.org/10.15358/9783800643486_166

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7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 157 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit Alle bislang gemachten Dateneingaben werden als „realistisches oder wahrscheinlichstes Szenario“ interpretiert. Aufgrund der üblichen Arbeitsteilung bei der Investitionsplanung sind ohnehin zumeist mehrere Personen bzw. Bereiche an der Generierung von Daten beteiligt, so dass man gezwungen ist, sich gemeinsam auf eine „Basisversion“ zu einigen. Gleichwohl ist zu berücksichtigen, dass die Kennzahlen weitgehend auf Schätzungen beruhen und daher hinsichtlich ihrer tatsächlichen Realisierbarkeit mit Unsicherheiten behaftet sind. Dieser Aspekt ist abschließend in die Betrachtungen mit einzubeziehen. 7.3.1 Problemstellung: Praxisrelevante Ansatzpunkte zur Abbildung von Datenunsicherheiten Die Ex-ante-Nutzenermittlung einer IT-Investition ist mit einer Reihe von Unsicherheiten behaftet, die die ermittelten Ergebnisse und Kennzahlen in Frage stellen können. Letztlich stellt der Tatbestand einer unvollkommenen Informationslage die Ursache für unsichere Nutzenermittlungen dar. Diese Unvollkommenheit lässt sich u. a. daran erkennen, dass den Entscheidungsträgern zukünftige Umweltzustände bzw. alternative Zukunftslagen unbekannt sind bzw. von ihnen übersehen werden, 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit -600 -400 -200 0 200 400 600 800 1.000 1.200 1.400 1 2 3 4 5 6 TE U R kumulierte Betrachtung über die Jahre Realistisches Szenario Projektkosten Laufende Kosten Nutzen Liquidationserlös in t=T Barwert kumuliert per t Abb. 7‑24: Grafische Auswertung wichtiger Kennzahlen der IT‑Investition für das realistische Szenario Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 157 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten158 Angaben zu den Eintrittswahrscheinlichkeiten von möglichen zukünftigen Umweltzuständen fehlen oder deren Festlegung problematisch erscheint, begründete und letztlich eindeutige Aussagen zu Höhe und Zeitpunkt der mit einem bestimmten Umweltzustand verknüpften Auswirkungen bzw. finanziellen Konsequenzen besonders schwerfallen. Ein weiterer Risikofaktor liegt in der Eigenschaft der Irreversibilität von IT-Investitionen begründet. Hierunter versteht man die nicht experimentell beliebige Wiederholbarkeit von Investitionshandlungen in der Unternehmenspraxis, d. h. es besteht in der Regel keine Möglichkeit, eine laborähnliche Situation (ähnlich einem naturwissenschaftlichen Experiment) herzustellen, in der die Auswirkungen der Investition vor ihrer eigentlichen Realisation zunächst hinreichend auf Erfolg getestet werden können. Entscheidet man sich für die Investitionsrealisierung, sind die damit verbundenen Investitionsauszahlungen sowie die dadurch ausgelösten Betriebskosten stets „sunk cost“ und eine nachträgliche Stornierung ist nur unter Inkaufnahme weiterer Folgekosten möglich bzw. nicht immer sinnvoll.30 Daher ist es wichtig, potenzielle alternative Handlungsoptionen sowie Vorsorgemaßnahmen möglichst im Vorfeld zu lokalisieren und bereits im Rahmen der Entscheidungsfindung einfließen zu lassen (Antizipation künftiger Handlungsalternativen bzw. von Anpassungsmaßnahmen im Falle des späteren Eintretens unerwünschter Konsequenzen). Zur Berücksichtigung von Unsicherheiten lassen sich verschiedene Methoden einsetzen, die das Verständnis von sowie den Umgang mit Unsicherheitsfaktoren verbessern helfen und teilweise auch Vorbeugecharakter haben. In Abb. 7-25 sind die wichtigsten Therapieansätze aufgeführt. Hinter diesen Ansätzen stehen spezielle Methoden bzw. Techniken, die in Abb. 7-26 wiedergegeben sind. Wie Abb. 7-26 zeigt, sind nach Auswertungen der relevanten Literatur und praktischen Erfahrungen der Verfasser insbesondere die Sensitivitäts- sowie die Szenarioanalyse zwei praxisrelevante Instrumente der Unsicherheitsabbildung. Zudem wird, unter Bezugnahme auf die finanzielle Zielgröße „Kapitalwert“, die Risikoeinstellung des Entscheidungsgremiums vornehmlich über einen Risikozuschlag beim zu definierenden Kalkulationszinssatz erfasst (sog. Risikozuschlagsmethode). Alle drei genannten Verfahren zählen aus investitionstheoretischer Sicht zu den Basisverfahren im Rahmen von Unsicherheitsbetrachtungen. 30 Nach eigenen Erfahrungen der Verfasser ist es in der Praxis nicht unüblich, den Tatbestand der „sunk cost“ für investive Nachbewilligungsmaßnahmen zu missbrauchen: Wenn eine Investitionsmaßnahme nach ihrer Genehmigung die budgetierten Investitionsmittel zu überschreiten droht, wird meistens ein sog. Nachbewilligungsantrag gestellt, der nur noch die künftig zusätzlichen Investitionsbeträge zur endgültigen Realisierung in der Investitionsrechnung berücksichtigt, während die künftigen Nutzenbeträge komplett übernommen werden. Begründet wird dieses Vorgehen damit, dass erst die Beseitigung des „investiven Engpasses“ das spätere Erzielen der Nutzenwirkungen ermöglicht. Dies hat zur Folge, dass Nachbewilligungen besonders lohnend erscheinen, was handlungslogisch auch nicht zu kritisieren ist. Allerdings sollten die bislang investierten Budgetbeträge ergänzend mit aufgeführt werden, um den tatsächlichen Investitionserfolg überhaupt noch erkennen zu können. Vgl. hierzu näher die Ausführungen in Kapitel 8. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 158 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 159 Eine eher geringe Akzeptanz oder Notwendigkeit besteht aus Sicht der Unternehmenspraxis für die Verfahren „Risikoanalyse“, „Entscheidungsbaumverfahren“ sowie „Realoptionsmodelle“. Mögliche Gründe für diese Sichtweise könnten sein: Der überwiegende Anteil an IT-Investitionen umfasst eher standardisierte Vorgänge, die den künftigen Unternehmenserfolg nicht nachhaltig prägen Problem ignorieren Risikoeinstellung berücksichtigen Wahrscheinlichkeiten definieren Szenarien entwickeln Handlungsoptionen integrieren Irreversibilität: IT-Investitionen sind nicht experimentell wiederholbar bzw. einfach rückgängig zu machen Flankierend: Vorsorgemaßnahmen einplanen & mitlaufende Kontrollen Unvollkommene Information: Man kennt heute nicht genau die künftigen Umweltzustände und die damit verbundenen Ergebnisse Transparenz schaffen Abb. 7‑25 : Risikoursachen und Therapieansätze Problem ignorieren Transparenz schaffen Szenarien entwickeln Wahrscheinlichkeiten/ Glaubwürdigkeiten definieren Risikoeinstellung berücksichtigen Handlungsoptionen bedenken Methodenkomplexität Realoptionsmodelle Sensitivitätsanalysen (begründete) Risikozuschläge zum Basiszinssatz Szenario-Rechnung (Best, Most likely, Worst) Risikoanalyse Entscheidungsbaumverfahren relativ geringe Praxisakzeptanzrelativ hohe Praxisakzeptanz relativ geringe Praxisakzeptanzrelativ hohe Praxisakzeptanz Methode Abb. 7‑26 : Einordnung der Methoden zur Berücksichtigung der Unsicherheit Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 159 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten160 („Normalinvestitionen“ wie bspw. Ersatz- oder einfache Rationalisierungsmaßnahmen). Einige IT-Investitionen haben „Muss-Charakter“, die sich insofern einer vollständigen Performancemessung entziehen (bspw. Jahrtausendfähigkeit von ERP-Systemen beim Jahreswechsel 1999 auf 2000).31 Im Unternehmen findet ein standardisierter Bewertungsprozess Anwendung, der keinen Raum für andere Methoden lässt bzw. eine „problemspezifische Unsicherheitskultur“ unterdrückt. Mangel an Methodenkenntnis, insbesondere fehlendes Bewusstsein für zu erfüllende Anwendungsvoraussetzungen sowie für die Grenzen der Aussagefähigkeit einzelner Methoden. Erhebliche Probleme im Rahmen der Datenbeschaffung bzw. -festlegung sowie der situationsgerechten Modellformulierung. Nach eigenen Erfahrungen der Verfasser werden diese Verfahren vorzugsweise in börsennotierten Unternehmen fallweise bei vornehmlich strategischen Investitionen herangezogen, die für die Überlebensfähigkeit des Unternehmens eine exponierte Stellung einnehmen. Für strategische Investitionen gilt tendenziell, dass32 sie sich hinsichtlich ihrer monetären und nichtmonetären Ziele auf das gesamte Unternehmen beziehen und sequentiell realisiert werden, sie langfristige Wirkungen auch auf Unternehmensbereiche außerhalb des relevanten Investitionsbereichs entfalten, sie oftmals aufgrund veränderter Markt- bzw. Umweltentwicklungen initiiert werden, sie einen hohen (u. a. finanziellen) Ressourceneinsatz erfordern, die Zeitdifferenz von Auszahlungen und (ersten) realisierten Rückflüssen bzw. Einsparungen relativ groß ist und damit eine relativ lange Amortisationsdauer innerhalb eines relativ langen Nutzungszeitraumes vorliegt, sie mit erhöhter Datenunsicherheit behaftet sind, die Investitionsentscheidung schwer revidierbar ist, ein schlecht-strukturiertes Planungsproblem vorliegt mit relativ langer Vorbereitungs- bzw. Planungsphase, fehlerhafte Planüberlegungen nachhaltig die künftige Finanz- und Gewinnsituation beeinträchtigen, sie vielfach eine unternehmensindividuelle Problemlösung darstellen und selten wiederholt werden, die Investitionsentscheidung der obersten Unternehmensführung (bspw. Vorstand und Aufsichtsrat) obliegt. Die aufgeführten Merkmale werden im Rahmen der Nutzenbewertung von IT-Investitionen eher seltener erfüllt sein. Sofern IT-Projekte als strategisch klassifiziert werden, sind sie zumeist integraler Bestandteil einer Geschäftsbe- 31 Bei Muss-Investitionen werden allenfalls das Investitionsbudget sowie der Fertigstellungstermin kontrolliert. Vgl. hierzu auch Kapitel 6. 32 Vgl. Blohm, H./Lüder, K./Schäfer, C. (Investition 2006), S. 211 und S. 216; Lücke, W. (Investitionslexikon 1991), S. 120 ff.; Götze, U. (Investitionsrechnung 2008), S. 13. In der Praxis spricht man auch von Großprojekten. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 160 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 161 reichsstrategie, deren Wirtschaftlichkeit und Unsicherheit insgesamt zu würdigen wäre. Damit stellen die Geschäftsbereichs- oder sogar die Holdingebene die relevanten Managementebenen dar. Entsprechend wird im weiteren Verlauf auf eine Darstellung dieser komplexeren Methoden verzichtet und auf die Literatur verwiesen.33 In den folgenden Abschnitten wird auf das Fallbeispiel aus Abschnitt 7.2.3 zurückgegriffen und um eine praxisgerechte Unsicherheitsbetrachtung erweitert, die im Rahmen eines Forschungsprojektes unter Beteiligung von Fach- und Führungskräften aus der IT-Praxis zur Diskussion gestellt und positiv beurteilt wurde.34 7.3.2 Berücksichtigung der Datenunsicherheit im realistischen Szenario 7.3.2.1 Ableitung eines risikoadjustierten Diskontierungszinssatzes Im Rahmen der Ex-ante-Nutzenschätzung wurde als finanzielle Zielgröße der Kapitalwert herangezogen. Hierzu wurden die geplanten und damit unsicheren Netto-Cashflows mit einem Kalkulationszinssatz diskontiert. Betrachtet man den theoretischen Hintergrund eines Kapitalwertes, so muss dieser stets einen sicheren bzw. eindeutigen Entscheidungs-wert darstellen, da jede mögliche Investitionsalternative letztlich auf eine „Ja-Oder-Nein-Entscheidung“ zu reduzieren ist.35 Um einen sicheren Entscheidungswert zu generieren, ist die Risikoeinstellung des Entscheidungsgremiums zu diesen unsicheren Daten vorab festzulegen. In unserem Kulturkreis stellt die sog. Risikoaversion bzw. -abscheu eine allgemein akzeptierte Annahme dar, auf der die folgenden Ausführungen basieren. Um vor diesem Hintergrund einen sicheren Kapitalwert zu generieren, gibt es zwei Ansatzpunkte, die aus theoretischer Sicht streng voneinander zu trennen sind. Beide Wege setzen voraus, dass die im realistischen Szenario prognostizierten künftigen Netto-Cashflows als Erwartungswerte36 interpretiert werden dürfen:37 33 Zu allen drei Instrumenten vgl. die anschaulichen Ausführungen von Götze, U. (Investitionsrechnung 2008), S. 376 ff. Zum Realoptionsansatz vgl. zudem Hommel, U./ Scholisch, M./Vollrath, R. (Realoptionen 2001); besonders kritisch vgl. Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2009), S. 393 ff., der den Realoptionsansatz als Irrweg bezeichnet. Zur Risikoanalyse vgl. ergänzend Blohm, H./Lüder, K./Schäfer, C. (Investition 2006), S. 238 ff.; kritisch dazu vgl. Schmidt, R.H./Terberger, E. (Grundzüge 1997) S. 302 ff. 34 Vgl. Kesten, R./Schröder, H./Wozniak, A. (Ergebnisse 2006); Schröder, H./Kesten, R. (Vorgehensmodell 2006), S. 63 ff.; Kesten, R./Schröder, H. (Toolgestützte Wirtschaftlichkeitsanalyse 2007), S. 13 ff. 35 Vgl. Schmidt, R.H./Terberger, E. (Grundzüge 1997), S. 303. 36 Der Erwartungswert stellt einen gewogenen Mittelwert dar, der sich aus der (sicheren) Zuordnung von finanziellen Konsequenzen zu den für möglich gehaltenen künftigen Umweltzuständen einer betrachteten Periode ergibt, wobei den Umweltzuständen Eintrittswahrscheinlichkeiten bzw. „subjektive Überzeugungsgrade“ zugewiesen sind oder diesbezüglich die Annahme der Gleichwahrscheinlichkeit gesetzt wird. 37 Entsprechend sollte bei der Datenermittlung darauf geachtet werden, dass einige Datenkategorien nicht bereits um „mitarbeiterbezogene Risikozuschläge“ mehr oder weniger willkürlich modifiziert wurden, was in einem arbeitsteilig organisierten Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 161 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten162 Von den erwarteten unsicheren (positiven) Netto-Cashflows wird in jeder Periode ein Risikoabschlagsbetrag subtrahiert und dadurch ein sog. Sicherheitsäquivalent erzeugt. Die Sicherheitsäquivalente sind dann mit einem risikofreien bzw. sicheren Basiszinssatz zu diskontieren (Sicherheitsäquivalentmethode). Die erwarteten unsicheren (positiven) Netto-Cashflows werden mit einem risikoadjustierten Kalkulationszinssatz diskontiert, der sich dann aus einem risikofreien Basiszinssatz sowie einem Risikozuschlag zusammensetzt (Risikozuschlagsmethode). Beim Sicherheitsäquivalent handelt es sich um einen Betrag, zu dem ein Investor eine unsichere künftige Zahlungsverteilung aus einer Investition an eine andere Person verkaufen und dabei den gleichen persönlichen Nutzen wie aus der unsicheren Investitionsgelegenheit empfinden würde. Bei einem risikoscheuen Entscheidungsgremium liegt das Sicherheitsäquivalent unter dem Erwartungswert einer (unsicheren) positiven Zahlungsverteilung einer Periode.38 Geht man von einem erwarteten (positiven) Netto-Cashflow einer Periode aus, würde man von diesem einen Abschlag vornehmen um zum sicherheitsäquivalenten Cashflow zu gelangen. Damit fließen die Risikoaspekte in die Höhen der Zahlungsreihen aus einer Investition mit ein: Unsichere Zahlungen werden über einen Risikoabschlagsbetrag quasi „sicher gemacht“. Sichergemachte Zahlungen sind abschließend mit einem sicheren bzw. risikofreien Kalkulationszinssatz zu diskontieren, um eine Doppelerfassung von Risikoeinflussfaktoren zu vermeiden. Zum gleichen Ergebnis kann man gelangen, wenn man das Risiko nicht im zu diskontierenden Zähler (also bei den erwarteten Netto-Cashflows) berücksichtigt, sondern im Nenner: Der risikofreie Basiszinssatz wird um einen Risikozuschlag ergänzt, so dass ein risikoadjustierter Kalkulationszinssatz entsteht, mit dem nun die erwarteten Zahlungsfolgen diskontiert werden. Bei korrekter Anwendung dieser in der Praxis sehr beliebten Vorgehensweise werden im Vergleich zur Sicherheitsäquivalentmethode identische Kapitalwerte generiert. Abb. 7-27 stellt beide Ansätze unter Berücksichtigung eines Beispiels für eine einperiodige Investition nebeneinander. Aus Sicht der Theorie besteht der entscheidende Vorteil der Sicherheitsäquivalent- gegenüber der Risikozuschlagsmethode darin, dass der Kalkulationszinssatz keine operativen Risikoursachen aus investiven Maßnahmen abdecken muss (Entlastungsfunktion des Diskontierungszinssatzes) und dem Entscheidungsgremium der finanzielle Betrag, der auf das Risiko- oder Unsicherheitsempfinden zurückgeht, separat von den erwarteten finanziellen Konsequenzen angezeigt wird. Projektteam und im Falle von Datenlieferungen aus mehreren Fachabteilungen ein ernsthaftes Problem darstellen kann. 38 Umgekehrt verhält es sich bei einem risikofreudigen Investor. Im Falle von Risikoneutralität entspricht das Sicherheitsäquivalent genau dem Erwartungswert der Zahlungsverteilung. Vgl. Laux, H. (Entscheidungstheorie 2005), S. 215 ff.; Götze, U. (Investitionsrechnung 2008), S. 350 f.; Kruschwitz, L. (Risikoabschläge 2001), S. 2409 ff. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 162 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 163 Allerdings ist es aus Sicht der Praxis höchst fraglich, wie man vernünftige Aussagen zu den Beträgen von Sicherheitsäquivalenten für unsichere Zahlungsverteilungen aller Investitions- und Nutzungsperioden generieren kann. Neben den erforderlichen speziellen Befragungsexperimenten39 und dem dahinterstehenden zeitlichen Aufwand stellt sich die Frage, wessen Risikoempfinden im Mittelpunkt der Analyse stehen sollte (angestellte Manager oder wirtschaftliche Eigentümer) und wie dabei insbesondere interdisziplinär besetzte Entscheidungsgremien integriert werden könnten, die teilweise in Abhängigkeit der betrachteten In vestitionsart sowie im Zeitablauf unterschiedlich zusammengesetzt sind und deren Mitglieder hinsichtlich der Weisungsbefugnis unterschiedlich ausgestattet sein könnten. Vor diesem Hintergrund ist es verständlich, dass auch den Verfassern kein einziger Praxisfall bekannt ist, der diesem Ansatz bislang stringent gefolgt ist.40 Erzeugung sicherheitsäquivalenter Zahlungsüberschüsse Risikozuschlag zum sicheren Basiszinssatz Investitionsauszahlung in t = 0 –1.000 GE (sichere Auszahlung) –1.000 GE (sichere Auszahlung) Cashflow in t = 1 Sicherheitsäquivalent für den erwarteten Cashflow in Höhe von 1.400 GE (Risikoabschlag: 100 GE) Erwartungswert (unsicherer) Cashflow in Höhe von 1.500 GE Kalkulationszinssatz p.a. Sicherer Basiszinssatz: 5 % Sicherer Basiszinssatz (5 %) zzgl. Risikozuschlag für unsicheren Cashflow (7,5 %): 12,5 % Kapitalwert –1.000 +1.400/1,05 = 333,33 GE –1.000 + 1.500/1,125 = 333,33 GE Merksatz „Sichergemachte Zahlungen werden mit sicherem Zinssatz bewertet!“ „Unsichere Zahlungen werden mit das Risiko vergleichbar machenden Zinssätzen bewertet!“ Abb. 7‑27 : Abbildung von Risikoaversion mittels Risikozuschlags‑ und Sicherheitsäquivalenzmethode41 Allerdings löst die Ablehnung der Sicherheitsäquivalentmethode gleichzeitig eine erhebliche Beeinträchtigung bei der von ihr abhängigen subjektbezogenen Risikozuschlagsmethode aus: Wer kein Sicherheitsäquivalent für einen 39 Vgl. hierzu bspw. Bamberg, G./Coenenberg, A.G. (Entscheidungslehre 2000), S. 91 ff. 40 Wenn überhaupt bewusste Ab- oder Zuschläge von den originären Zahlungsdaten vorgenommen werden, erfolgt dies stets intuitiv und ist als sog. „Korrekturverfahren“ in der Investitionspraxis und -literatur bekannt. Aufgrund der hohen Subjektivität bzw. Willkür wäre ein solches Vorgehen auf jeden Fall abzulehnen. Zum Korrekturverfahren vgl. bspw. Blohm H./Lüder, K./Schäfer, C. (Investition 2006), S. 229 ff. sowie kritisch Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2009), S. 317-318. 41 Vgl. in modifizierter Form Henselmann, K./Kniest, W. (Unternehmensbewertung 2010), S. 154. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 163 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten164 unsicheren Netto-Cashflow nennen kann bzw. will, kann kaum eine überzeugende Begründung für die gewählte Höhe eines Risikozuschlags zum sicheren Basiszinssatz liefern.42 Vor diesem Hintergrund bietet die neoklassische Finanzierungstheorie, die in der internationalen Bewertungspraxis stark beachtet wird, einen wichtigen Lösungsansatz, der durch das sog. Capital Asset Pricing Model (CAPM) angeboten wird. Unter den Annahmen, dass sich alle Investitionen auf Kapitalmärkten (als „Aktien“) handeln lassen bzw. ein Unternehmen letztlich nichts anderes als die Summe seiner Investitionsobjekte darstellt, alle Marktteilnehmer homogene Erwartungen haben, eine für alle Akteure transaktionskostenfreie Geldanlage- sowie Geldaufnahmemöglichkeit zu einem risikofreien Basiszinssatz zur Verfügung steht sowie alle Teilnehmer entsprechend ihrer Risikoaversion perfekt in alle vorhandenen Kapitalmarkttitel diversifiziert sind, kann nachgewiesen werden, dass sich ein Kalkulationszinssatz (kEK) für eine betrachtete riskante Investition aus Sicht der Eigenkapitalgeber (EK) stets aus einem risikofreien Basiszinssatz (i), einer objektiv durch den Kapitalmarkt bestimmten Marktrisikoprämie ((rM – i)) sowie einem individuellen Risikobeitrag der betrachteten riskanten Investition („Aktie“) zum Risiko des Gesamtkapitalmarktes (sog. Beta-Faktor b) zusammensetzt. Formal gilt für das CAPM in seiner Grundform: cov( ; ) ( ) * , var( ) EK M EK M M k r k i r i mit r β β= + − = (7-2) Der Beta-Faktor ist ein statistisches Maß, mit dem man den individuellen Risikobeitrag der Aktie (cov(kEK;rM)) des herangezogenen Unternehmens (bspw. SAP AG) zum Gesamtrisiko (var(rM)) des relevanten Aktiensegmentes (bspw. DAX) erfasst. Damit ist der Risikozuschlag ((rM –i) · b) zum sicheren Basiszinssatz im Falle der Risikoaversion kapitalmarktheoretisch fundiert für ein börsennotiertes Unternehmen definiert und über die Ermittlung statistischer Kennzahlen zu- 42 Allenfalls kann die logische Haltbarkeit von Zuschlagssätzen hinterfragt werden, indem die Kapitalwertergebnisse nach Risikozuschlagsmethodik mit jenen Werten verglichen werden, die sich im Rahmen einer periodenbezogenen Worst Case-Betrachtung unter Nutzung eines risikofreien Kalkulationszinssatzes ergeben: Lässt sich ein Cashflow im Worst Case einer Periode als „Mindest-Cashflow“ interpretieren, darf (selbst bei größter Risikoaversion) das Sicherheitsäquivalent nicht unter diesem „Mindest- Cashflow“ angesetzt werden. Durch dieses „Mindest-Sicherheitsäquivalent“ kann der maximal zulässige Risikozuschlagssatz rekonstruiert werden, indem die Kapitalwertformeln von Risikozuschlags- sowie Sicherheitsäquivalentmethodik gleichgesetzt und nach dem Risikozuschlagssatz aufgelöst werden. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 164 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 165 mindest für abgelaufene bzw. begonnene Perioden empirisch bestimmbar und insoweit „objektiviert“.43 Wie Gleichung (7-2) zeigt, ist das CAPM auf die Bestimmung eines angemessenen Eigenkapitalkostensatzes (kEK) fokussiert, der die geforderte Mindestverzinsung von Eigenkapitalgebern bei riskanten Investitionsprojekten aufgrund alternativer Geldanlagemöglichkeiten wiedergibt. Da Unternehmen im Regelfall sowohl Eigen- als auch Fremdkapital nutzen, erhebt sich die Frage, ob und ggf. wie die Fremdkapitalgeberposition bei der Festlegung eines risikoangepassten Kalkulationszinssatzes zu integrieren ist. Eine Antwort auf diese Frage hängt entscheidend davon ab, ob die Art der Investitionsfinanzierung den Wert von Investitionsprojekten beeinflusst, sich insbesondere der Wertbeitrag einer (teilweisen) Fremdfinanzierung von den ausschließlich operativ bedingten Wertbeiträgen isolieren lässt und der Wertbeitrag für IT-Projekte aufgrund von Fremdfinanzierungseinflüssen im Unternehmen überhaupt eine relevante Entscheidungsgröße darstellt. In Investitionsbewertungen unter steuerlichen Aspekten lässt sich nachweisen, dass die Art der Unternehmensfinanzierung einen zumeist positiven Wertbeitrag im Falle eines Fremdkapitaleinsatzes leistet (sog. Tax Shield-Effekte).44 Allerdings stellt sich die Frage, wer im Unternehmen für diese Wertgenerierung verantwortlich ist. Betrachtet man Unternehmen, die nach dem Holdingprinzip geführt sind, werden Finanzierungsstrategien zumeist in der Konzernzentrale getroffen. Aus Sicht von Geschäftsbereichen oder internen Abteilungen erfolgt die Kapitalversorgung damit durch die Konzernmutter. Entsprechend würde eine IT-Abteilung keinen Einfluss auf diese Maßnahmen nehmen können, was seitens der IT-Leitung sicherlich auch nicht angestrebt wird. Für IT-Projekte muss vielmehr die Frage geklärt werden, ob sich diese allein aufgrund von operativen Werteinflüssen als wirtschaftlich erweisen. Deshalb ist der Ansicht zu folgen, dass bei der Bewertung von IT-Projekten weder finanzierungsbedingte noch steuertaktische Gestaltungsüberlegungen einen exponierten Einfluss auf die zu treffende Investitionsentscheidung ausüben sollten. Entsprechend muss der Fokus auf die rein operativ bedingten Wertbeiträge gelegt und allein hierfür ein geeigneter Vor-Steuer-Diskontierungszinssatz gefunden werden. Im Rahmen der internationalen Investitions- und Bewertungstheorie wurde zudem gezeigt, dass sich operativ bedingte Werteinflüsse ohne Verzerrung 43 Zum CAPM vgl. bspw. die sehr anschauliche Darstellung und Kritik bei Schmidt, R.H./Terberger, E. (Grundzüge 1997), S. 343 ff. Ferner vgl. Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2009), S. 367 ff.; Kruschwitz, L. (Finanzierung 2004), S. 169 ff. In Zusammenhang mit dem CAPM-Ansatz bieten diverse Börseninformationsdienste die dafür erforderlichen Eingabedaten an. Eine in Fachkreisen der Unternehmensbewertung etablierte Quelle stellt bspw. www.ibbotson.com dar. Auch unter www.deutsche-boerse. com, der Börsenzeitung oder dem Handelsblatt findet man empirisches Material. Zu pragmatischen Ermittlungsmöglichkeiten vgl. auch Mandl, G./Rabel, K. (Unternehmensbewertung 1997), S. 292 ff. 44 Vgl. hierzu bspw. Kesten, R. (Investitionsrechnung 2011), S. 237 ff.; im Rahmen von Unternehmensbewertungen von Kapitalgesellschaften im Rahmen des sog. Halbeinkünfteverfahrens vgl. bspw. Dinstuhl, V. (Unternehmensbewertung 2003), S. 92 ff. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 165 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten166 des Gesamtergebnisses aus Konzernsicht (also unter Inkludierung fremdfinanzierungsbedingter Werteinflüsse) isoliert entsprechend dem Modell des Adjusted Present Value (APV-Ansatz) bestimmen lassen, wenn man von der (fiktiven) Annahme der Schuldenfreiheit bzw. der 100 %igen Eigenfinanzierung eines Unternehmens ausgeht.45 Damit ist es auch aus theoretischer Sicht für die hier vorliegende Problemstellung nicht erforderlich, Finanzierungsaspekte von IT-Investitionen näher zu problematisieren, was eine erhebliche Arbeitserleichterung für den IT-Controller bedeutet und den Analysefokus auf die eigentlichen Werttreiber bzw. Wirkungszusammenhänge lenkt. Der zur Diskontierung heranzuziehende Kalkulationszinssatz kann demzufolge aus einem CAPM-basierten Eigenkapitalkostensatz abgeleitet werden. Unter der Annahme, dass es sich bei dem betrachteten Unternehmen um eine börsennotierte Firma handelt oder sich für das Unternehmen bzw. das IT- Projekt ein börsennotiertes Vergleichsunternehmen finden lässt,46 ist folgendes Vorgehen vorzuschlagen: In einem ersten Schritt wird die durchschnittliche Risikosituation des (Vergleichs-)Unternehmens abgebildet, indem man auf empirisch ermittelte Kapitalmarktdaten im Rahmen des CAPM zurückgreift. Hierzu benötigt man entsprechend dem CAPM-Ansatz Angaben zu dem sicheren Basiszinssatz i (in der Regel die aktuelle Umlaufrendite öffentlicher Anleihen), zur Wertentwicklung bzw. Performance des relevanten Aktiensegmentes, in dem sich das Unternehmen befindet (rM), wobei man zumeist auf einen veröffentlichten Durchschnittswert aus der Vergangenheit zurückgreift oder einen Prognosewert für das aktuelle Jahr heranzieht sowie dem zur veröffentlichten Performance zugehörenden Beta-Faktor des Unternehmens (b). Bei der Datenrecherche ist darauf zu achten, dass es sich hierbei um Vor-Steuer- Werte handelt, da die Kapitalwertberechnung vereinfacht ohne Ertragsteuerwirkungen erfolgt.47 Da im Beta-Faktor (b) sowohl das operative Geschäftsrisiko der Unternehmensaktie als auch dessen Verschuldungsrisiko enthalten ist, ist der Risikoeinfluss der Kapitalstruktur (also das Verhältnis aus Fremd- zu Eigenkapital, ausge- 45 Vgl. bspw. Brealey, R.A./Myers, S.C./Allen, F. (Finance 2006), S. 521 ff.; Drukarczyk, J./ Schüler, A. (Unternehmensbewertung 2009), S. 125 ff. sowie S. 148 ff. 46 Zur Auswahl eines geeigneten börsennotierten Vergleichsunternehmens oder zumindest einer Vergleichsbranche existieren mehrere Lösungsvorschläge. Vgl. hierzu näher Ernst, D./Schneider, S./Thielen, B. (Unternehmensbewertungen 2010), S. 193 ff. sowie zur Herleitung vergleichsbasierter Beta-Faktoren die Fallbeispiele bei Henselmann, K./Kniest, W. (Unternehmensbewertung 2010), S. 244 ff. 47 Für den Fall, dass ein Nach-Steuer-Eigenkapitalzinssatz via CAPM bestimmt bzw. vorgegeben ist, muss aus dem Nach-Steuer-Wert ein Vor-Steuer-Wert erzeugt werden, indem der Nach-Steuer-Kalkulationszinssatz mit dem Faktor 1/(1-s) multipliziert wird, wobei für s der kombinierte Ertragsteuersatz (bestehend aus Körperschaft- und Gewerbeertragsteuer) anzuwenden wäre. Im Jahr 2012 beträgt dieser im Durchschnitt für deutsche Kapitalgesellschaften circa 30 %. Für eine vertiefende Darstellung vgl. Henselmann, K./Kniest, W. (Unternehmensbewertung 2010), S. 378 ff.; Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2009), S. 132 ff. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 166 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 167 drückt in Markt- bzw. Börsenwerten) in einem zweiten Schritt zu eliminieren und entsprechend dem APV-Ansatz ein risikoangepasster Eigenkapitalkostensatz unter der Annahme einer völligen Schuldenfreiheit abzuleiten. Für diesen Schritt muss eine Bewertungskorrektur durchgeführt werden, für die im Rahmen von theoretischen Überlegungen im Modell einer einfachen ewigen Rente gezeigt werden kann, dass zwischen dem Beta-Faktor eines verschuldeten („leveraged“) Unternehmens (bl) und einem operativ identischen, aber unverschuldeten („unleveraged“) Unternehmens (bu) unter Vernachlässigung von Unternehmenssteuern die Beziehung 1 l u FK EK ββ = + (7-3) mit: FK: Marktwert Fremdkapital und EK: Marktwert Eigenkapital gilt. Zur Bestimmung der in Gleichung (7-3) erforderlichen Marktwerte für das Eigen- und Fremdkapital sollte für das Eigenkapital die sog. Markt- bzw. Börsenkapitalisierung ermittelt werden, die sich aus der Multiplikation von aktuellem Aktienkurs mit der Aktienanzahl ergibt, wobei auch nicht zum Börsenhandel zugelassene Aktien des (Vergleichs-)Unternehmens einzubeziehen sind. Da sich beim Fremdkapital in der Regel nur geringe Abweichungen zwischen Markt- und bilanziellen Buchwerten ergeben, kann hier auf Bilanzdaten zurückgegriffen werden,48 was sich im Falle umfangreicher Rückstellungsbestände (insbesondere für Pensionszusagen) oder Bankkredite besonders empfiehlt, da diese nicht an Börsen gehandelt bzw. bewertet werden. Nach dieser Korrektur erhält man den risikoangepassten Eigenkapitalkostensatz des Unternehmens (im Beispiel: 8 %) unter der Annahme von Schuldenfreiheit (vgl. Abb. 7-28). Berechnung über CAPM Sicherer Basiszinssatz 4,00 % Performance relevanter Aktienindex 12,00 % Beta-Faktor des Unternehmens 1,50 % Verschuldungsgrad (FK/EK) des Unternehmens 2,00 % = risikoangepasster EK-Zinssatz Unternehmen (unleveraged) 8,00 % +/– Zu-/Abschläge aufgrund Kriterienkatalog 2,00 % = projektspezifischer EK-Zinssatz 10,00 % Abb. 7‑28 : Konzern‑ und projektspezifisches Geschäftsrisiko im Rahmen des CAPM49 48 Vgl. ähnlich Ernst, D./Schneider, S./Thielen, B. (Unternehmensbewertungen 2010), S. 69. 49 Vgl. Kesten, R./Schröder, H. (Toolgestützte Wirtschaftlichkeitsanalyse 2007), S. 20. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 167 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten168 Allerdings ist nicht immer auszuschließen, dass die betrachtete IT-Investition die bisherige Risikoposition des Unternehmens im Konzerndurchschnitt unverändert lässt. Wurde der bisherige Eigenkapitalkostensatz auf der Basis von Vergangenheitsdaten des Kapitalmarktes ermittelt, sind in diesen Daten Informationen zu neuen Investitionsprojekten (bspw. geplanter Onlineshop) noch nicht (vollständig) enthalten. Deshalb könnten in einem dritten Schritt Zu- bzw. Abschläge zum CAPM- Zinssatz sinnvoll sein, die über ein spezielles „Risiko-Scoringmodell“ gesondert festgelegt werden könnten.50 Durch ein solches Scoringmodell (vgl. Abb. 7-29) 50 Vgl. hierzu auch die Vorgehensweise bei Fischer, T.M./Schmitz, J. (Kapitalmarktorientierung 1998), S. 209 ff. Zu-/Abschläge mittels Risikokriterienkatalog Ausprägung der Kriterien: Risiko ist gegenüber Konzerndurchschnitt … Kriterien zur Risikospezifikation bei der betrachteten IT-Investition eher kleiner gleich eher größer –1 % –0,5 % 0 % +0,5 % +1,0 % Bereichsspezifische Risikokriterien problematisches Wettbewerbsumfeld x falsche Einschätzung des Marktwachstums x Projektspezifische Risikokriterien Verlängerte Projektlaufzeit x Probleme bei Integration der Vorsysteme x Nichteinhaltung v. Zusagen des Projektpartners x mangelnde Akzeptanz durch das Management x keine korrekte Nutzung der Software x Abb. 7‑29 : Beispiel für ein Scoringmodell zur Verfeinerung der projektspezifischen Risikozuschläge Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 168 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 169 lassen sich zusätzliche Kriterien definieren, gewichten und im Team gesondert hinsichtlich der Risikoposition diskutieren und abschließend bewerten. Freilich ist dieser Vorschlag nicht frei von Subjektivität, aber zumindest werden die Beweggründe, die zu Modifikationen des Kalkulationszinssatzes geführt haben, für alle Beteiligten dokumentiert und damit auch nachprüfbar. In einigen Unternehmen bestehen verbindliche Zinssatzvorgaben seitens der Konzernzentrale. In einer solchen Situation sind eigenständige Überlegungen zu risikoadjustierten Kalkulationszinssätzen meistens ausgeschlossen. Allerdings sollte zumindest innerhalb des Entscheidungsgremiums eine offene Risikodiskussion geführt werden, denn bekanntlich können Konzernvorgaben nicht immer den investiven Einzelfall zutreffend abbilden; manchmal sind sie auch veraltet bzw. noch nicht auf neuere Erkenntnisse angepasst. 7.3.2.2 Bestimmung kritischer Werte für wesentliche monetäre Eingabebereiche Die Bestimmung kritischer Werte stellt ein spezielles Vorgehen im Rahmen von sog. Sensitivitätsanalysen dar, die über das Ausmaß bzw. die Relevanz von Datenunsicherheiten informieren und insofern als ein die Unsicherheiten aufdeckendes Verfahren interpretiert werden können. Mittels einer Sensitivitätsanalyse werden die Beziehungen zwischen den verschiedenen Inputdaten sowie den Zielwerten systematisch untersucht. Insbesondere für zwei Fragestellungen wird sie nutzbringend eingesetzt:51 1. Wie verändert sich der Zielfunktionswert (hier: Kapitalwert) bei vorgegebenen Variationen einer Inputgröße bzw. mehrerer Inputgrößen? 2. Welchen Wert darf eine Inputgröße bzw. welche Wertekombinationen dürfen mehrere Inputgrößen einnehmen, wenn ein vorgegebener Zielfunktionswert mindestens erreicht werden soll? Im Rahmen der ersten Fragestellung (1.) werden bspw. sämtliche Eingabedaten in Höhe eines festgelegten Prozentsatzes (bspw. +/– 20 %) variiert und die isolierte Auswirkung auf den Zielfunktionswert festgehalten, bspw. in Form eines sog. Tornado-Diagramms.52 Hierdurch erhält man eine Rangliste von besonders erfolgskritischen Eingabedaten. Diejenigen Eingabedaten, die nur zu einer geringen Beeinflussung des Zielfunktionswertes führen, können im weiteren Verlauf der Risikobetrachtung vernachlässigt werden. Mittels der zweiten Fragestellung (2.) werden sog. kritische Werte bzw. Wertekombinationen für Eingabedaten ermittelt. Je Eingabegröße wird bestimmt, welchen Wert diese (im Falle positiver Zahlungsfolgen) mindestens bzw. (im Falle negativer Zahlungsfolgen) höchstens im Periodendurchschnitt über den Lebenszyklus einer Investition einnehmen müssen bzw. dürfen, damit ein vorgegebener Zielwert gerade noch realisiert wird. Meistens wird im Rahmen 51 Vgl. Götze, U. (Investitionsrechnung 2008), S. 364. Zur Sensitivitätsanalyse vgl. ferner Kruschwitz, L. (Investitionsrechnung 2009), S. 318 ff.; Blohm, H./Lüder, K./Schäfer, C. (Investition 2006), S. 232 ff.; Brugger, R. (IT Business Case 2005), S. 334 ff.; Pflaumer, P. (Investitionsrechnung 1998), S. 131ff. 52 Vgl. bspw. Schulte, K.-W./Allendorf, G.J. (Rentabilitätsanalyse 1998), S. 801. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 169 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten170 einer absoluten Vorteilhaftigkeitsbetrachtung ein Zielfunktionswert vorgegeben, bei dessen Realisation Entscheidungsindifferenz vorliegt. Im Rahmen der Kapitalwertmethode würde ein Zielwert in Höhe von Null zum Vorgabewert bei der Bestimmung kritischer Eingabewerte. Wir halten die Ermittlung kritischer Werte für die wesentlichen Inputdatenbereiche für besonders wertvoll, da diese in Zusammenhang mit den geplanten Eingabedaten auf Basis des „realistischen Szenarios“ die im Periodendurchschnitt erlaubten Abweichungen für ein IT-Projekt signalisieren, die für das Ziel der Projektwirtschaftlichkeit (Kapitalwert in Höhe von Null) gerade noch hingenommen werden dürfen. Hierdurch wird der Blick auf besonders beobachtungswürdige Dateneingabe- bzw. auf die dahinterstehenden Verantwortungsbereiche im Unternehmen gelenkt, was Folgen für das nach Genehmigung startende Projektcontrolling haben sollte. Abb. 7-30 zeigt exemplarisch das Ergebnis einer solchen Auswertung. Kritische Werte (ceteris paribus) Vergleichswerte (laut aktueller Dateneingaben) Abweichungen (krit. Wert – Vergleichswert) Projektkosten in t = 0 T€ 254 180 74 Durchschnittl. laufende Kosten von t = 1 bis t = T T€ 151 132 19 Durchschnittlicher Nutzen von t = 1 bis t = T T€ 209 228 –19 Durchschnittl. Netto-Cashflow von t = 1 bis t = T T€ 46 65 –19 Liquidationserlös in t = T T€ –113 0 –113 Kalkulationszinssatz % 15,39 % 9,00 % 6,39 % Abb. 7‑30 : Bestimmung kritischer Werte für wichtige Eingabebereiche im Rahmen des realistischen Szenarios Anhand des Eingabebereichs „Durchschnittlicher Nutzen von t = 1 bis t = T“ soll die Berechnung kurz verdeutlicht werden, wobei dazu die im Rahmen der Planungsrechnung verwendete Kapitalwertfunktion aufgestellt wird (vgl. Gleichung (7-4)): ! 0 ( ) 0, (1 ) T P P P t T t t t T EK t KW N K P q L q mit q k− − = = − − ⋅ + ⋅ = = +∑ (7-4) In Gleichung (7-4) sind die Eingabebereiche „laufender Nutzen“ (NtP), „laufende Kosten“ (KtP), „Projektkosten“ (PtP) sowie „Liquidationserlös“ (LTP) am Ende der Nutzungsdauer (T) aus der auf dem realistischen Szenario basierenden Planungsrechnung sowie der verwendete Kalkulationszinssatz (kEK) wiedergegeben. Alle Daten sind auf t = 0 mit dem Zinsfaktor (q) diskontiert. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 170 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 171 Für die Bestimmung eines laufenden kritischen Nutzens im Periodendurchschnitt (Nøkrit) ist Gleichung (7-4) nach 0 T P t t t N q− = ⋅∑ aufzulösen und zu beachten, dass N1P = N2P = … = NTP = N gelten soll. Elementare Umformungen führen zum Ergebnis: ϕ − − = + ⋅ − ⋅ − = = ≥ ⋅ ∑ 0 ( ) 1 , [ ; ] 1 [ ; ] T P P t T Tt t T krit t EK T EK EK K P q L q q N mit RBF k T für T RBF k T q k 153 (7-5) Da dieser kritische Wert einen Periodendurchschnittswert über den Lebenszyklus der IT-Investition darstellt, sollten für einen unmittelbaren Vergleich auch die geplanten, im Zeitablauf aber zumeist variierenden Nutzenbeträge in einen Durchschnittswert (NøP) überführt werden, um die zulässige durchschnittliche Abweichung sofort erkennen zu können. Hierfür gilt: 0 1 [ ; ] T P t t P t EK N q N für T RBF k Tϕ − = ⋅ = ≥ ∑ (7-6) Analog kann für die übrigen Eingabebereiche vorgegangen werden. Hinsichtlich des kritischen Wertes für den Kalkulationszinssatz (kEK) wurde die Methodik des Internen Zinssatzes verwendet, bei dessen Verwendung als Kalkulationszinssatz sich ebenfalls ein Kapitalwert in Höhe von Null ergibt. Dieser wird in der Regel mittels linearer Interpolation bestimmt bzw. unter Verwendung einer Tabellenkalkulation mittels einer Zielwertsuche oder einer finanzmathematischen Formel (bei EXCEL bspw. mit der IKV- oder IRR-Funktion).54 Die auf diese Art bestimmten kritischen Werte gelten stets nur unter der einschränkenden Ceteris-paribus-Annahme: Unter der Voraussetzung, dass sich, mit Ausnahme des bestimmten kritischen Wertes, alle übrigen Eingabedaten plangemäß entwickeln, wird genau ein Kapitalwert in Höhe von Null realisiert. Wird in der Nutzungsphase im Rahmen einer Investitionskontrolle festgestellt, dass sich mehrere Eingabebereiche auf dem Niveau der bestimmten kritischen Werte bewegen, ist die Projektwirtschaftlichkeit aktuell nicht mehr gegeben. Entsprechend liegt der Nutzen von kritischen Werten vornehmlich in einer Signalfunktion zu Beginn der Realisierungs- bzw. Nutzungsphase, die Aufmerksamkeit auf besonders beobachtungsbedürftige Daten- bzw. Wirkungsbereiche zu lenken. Für eine laufende Performancekontrolle empfiehlt sich eine detaillierte Analyse von Kapitalwertabweichungen über alle Eingabebereiche und Nutzungsperioden.55 53 Die Abkürzung RBF steht für Rentenbarwertfaktor, der sich zum Diskontieren von laufzeitkonstanten Zahlungen nutzen lässt. 54 Zur manuellen Bestimmung eines internen Zinssatzes vgl. Götze, U. (Investitionsrechnung 2008), S. 99 ff. 55 Vgl. hierzu Kapitel 8. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 171 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten172 7.3.3 Integration von Best Case- und von Worst Case-Szenarien Die Sensitivitätsanalyse kann zu einer Szenarioanalyse56 erweitert werden. Ein Szenario stellt ein bewusst gebildetes, für die vorliegende Problemstellung relevantes und in sich konsistentes Annahmenbündel über eine mögliche künftige Umweltentwicklung dar. Es werden also nicht einfach gleichzeitig mehrere Eingabedaten in einem Entscheidungsmodell beliebig variiert, sondern sinnvolle Datenkombinationen gebildet, die sachlich plausibel erscheinen und im Entscheidungsgremium eine hohe Akzeptanz aufweisen, da bedeutsame Einflussfaktoren und eine Analyse ihrer (vermuteten) gegenseitigen Wechselbeziehungen in die Szenarienbildung einfließen. Das Ziel der Szenarioanalyse ist keine „Punktprognose“, die letztlich nur einer Anmaßung von Wissen gleichkäme, sondern das Schaffen von Transparenz bezüglich der Unsicherheit und der sie determinierenden Schlüsselfaktoren. Dies bedeutet, dass nicht nur ein Zusammenhang zu möglichen Bedrohungen, sondern auch zu künftigen Chancenpotenzialen, die sich dank noch offener Entwicklungspfade ergeben können, hergestellt wird. Da die Anfertigung von Wirtschaftlichkeitsanalysen in der Unternehmenspraxis ein zumeist arbeitsteilig organisierter Prozess ist, einigen sich die Projektteilnehmer im Regelfall zunächst auf eine Basisvariante für die Wirtschaftlichkeitsrechnung. Im Rahmen der Szenarioanalyse könnte man dies als das Formulieren eines Trend- bzw. realistischen Szenarios interpretieren, das aus Sicht der Projektmitglieder die wahrscheinlichste oder normalisierte Zukunftslage vor dem Hintergrund der bislang gemachten Erfahrungen repräsentiert. Da aber von einer unvollkommenen Informationslage auszugehen ist, sind sowohl positive als auch negative Abweichungen nicht auszuschließen. Zur Vorbereitung auf mögliche Extremsituationen sollte eine Investitionsanalyse um eine Best Case- sowie um eine Worst Case-Betrachtung ergänzt werden, so dass die gesamte Bandbreite der denkbaren Konsequenzen aufgezeigt wird. Es gilt also, dass „investive Möglichkeitsspektrum“ zu visualisieren (vgl. Abb. 7-31). Gerade Entscheidungsträger im Top-Management haben ein besonderes Interesse an Informationen, die sie über das (zwar nicht sehr wahrscheinliche, aber immerhin mögliche) finanzielle Ausmaß „nach oben wie nach unten“ unterrichten. Denn sie stehen besonders gegenüber Kontrollorganen und anderen Interessengruppen hinsichtlich des weiteren Fortbestandes des Unternehmens in der Verantwortung. Da die Praxis bevorzugt ein realistisches Szenario als Ausgangsvariante im Rahmen der Investitionsanalyse erstellt, wird vorgeschlagen, auf dessen Basis entsprechende Datenanpassungen vorzunehmen, um den aufwendigen Prozess der Best Case- und Worst Case-Szenarienerstellung zu beschleunigen (vgl. Abb. 7-32). Keinesfalls sollte dies aber schematisch erfolgen; vielmehr wird auch hier ein Rückgriff auf Wirkungskettenmodelle empfohlen, um die interne Kommunika- 56 Vgl. hierzu ausführlich Götze, U. (Szenario-Technik 1993); Hayn, M. (Bewertung 2003), S. 332 ff. Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 172 7.3 Verfahren zur Berücksichtigung der Unsicherheit 173 Zukunft Trendszenario Extremszenario: worst case Extremszenario: best case Abb. 7‑31: Das Grundprinzip einer Szenarioanalyse Investitionszeitpunkte t = 0 1 2 3 4 5 . . . Optimistisches Szenario Erwarteter Netto-Cashflow T€ –180 –236 120 159 179 184 Bessere DB-Verteidigung/ Kundenbindung T€ 0 20 20 20 20 20 Optimistischer Netto- Cashflow T€ –180 –216 140 179 199 204 Pessimistisches Szenario Erwarteter Netto-Cashflow T€ –180 –236 120 159 179 184 Arbeitszeiteinsparung nur teilweise realisierbar T€ 0 –20 –40 –40 –40 –40 Pessimistischer Netto- Cashflow T€ –180 –256 80 119 139 144 Abb. 7‑32: Aufzeigen von Best‑ sowie von Worst Case‑Entwicklungen Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 173 7 Prognose der Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten174 tion zielgerichtet zu lenken und eine gewisse Konsistenz bzw. Glaubwürdigkeit der Extremszenarien zu sichern. Durch die Einbeziehung von Best und Worst Case-Überlegungen wären auch die informationellen Voraussetzungen geschaffen, um bei Auswahlentscheidungen ggf. Regeln der Entscheidungstheorie (bspw. die bei Geschäftsführern nicht ganz unpopuläre Savage-Niehans-Regel) einsetzen zu können. Zudem können die beiden Szenarien eine Kontrollhilfe darstellen, den zuvor im realistischen Szenario erarbeiteten Netto-Cashflow in seiner Eigenschaft als Erwartungswert kritisch zu hinterfragen. Über eine grafische Aufbereitung (vgl. Abb. 7-33) kann die Auswertung szenarienabhängiger Kapitalwerte über den Planungszeitraum zusätzlich verdeutlicht und in Präsentationen leichter kommuniziert werden. 7.4 Zusammenfassung: Mehrstufiges Vorgehensmodell Fasst man die beschriebenen Lösungsansätze für die Erfassungs-, Bewertungsund Unsicherheitsproblematik bei der Wirtschaftlichkeitsprognose für IT-Investitionen zusammen, dann ergibt sich ein mehrstufiges Vorgehensmodell, das als „roter Faden“ für einen strukturierten Bewertungsprozess gelten kann (vgl. Abb. 7-34). Darauf abgestimmte Tools erleichtern die Anwendung der Methoden im praktischen Einsatz. In einem ersten Schritt ist eine detaillierte Investitionsbeschreibung erforderlich. Die Nutzenermittlung muss sich an der Ausgangssituation und den konkreten Zielsetzungen des Unternehmens orientieren, um die jeweils relevanten Wirkungen und Wirkungskategorien herausfiltern zu können: Die Zeiteinsparungen bei der Reporterstellung, die aus der Einführung eines Analysesystems resultieren können, dürften bspw. nur dann entscheidungsrelevant und zu 7.4 Zusammenfassung: Mehrstufiges Vorgehensmodell Abb. 7‑33 : Grafische Auswertung der Szenarien für die Zielgröße „Kapitalwert“ Vahlen – Competence Reihe – Kesten/Müller/Schröder – IT-Controlling, 2. Auflage – Herstellung: Frau Deuringer Status: Druckdaten Stand: 30.11.2012 Seite 174

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Zusammenfassung

Instrumente zur Messung und Steuerung des Wertbeitrages der IT

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IT-Investitionen entscheiden heute maßgeblich über die Wettbewerbsfähigkeit und den Erfolg eines Unternehmens. Sie stehen deshalb zurecht im Fokus des Managements. Die hohe Änderungsdynamik von IT-Ressourcen sowie steigender Kostendruck führen jedoch dazu, dass IT-Manager den Wertbeitrag und Nutzen der IT gerade vor dem Hintergrund reduzierter Budgets darstellen müssen. In kompakter Form und mit zahlreichen Fallbeispielen stellt dieses praxisorientierte Buch Führungskräften aus den Bereichen IT-Controlling und IT-Management in Unternehmen aller Branchen die Methoden vor, die für die Planung, Steuerung und Kontrolle des IT-Bereichs notwendig sind.

Aus dem Inhalt

• Die strategische Bedeutung der IT im Unternehmen und die Analyse des IT-Reifegrades

• Prozessorientierte Planung von IT-Systemen

• Multiprojektmanagement zur Steuerung des IT-Projektportfolios

• Projektcontrolling und Wirtschaftlichkeit von IT-Projekten

• Performancekontrolle von IT-Projekten

• Kalkulation und Verrechnung von IT-Leistungen

• Controlling im Prozess des IT-Outsourcings

• Performance Measurement der IT

Die Autoren

Dr. Ralf Kesten ist Professor für Rechnungswesen und Corporate Finance an der Nordakademie - Hochschule der Wirtschaft in Elmshorn, an der auch Prof. Dr. Arno Müller die Fachgebiete Prozessmanagement und e-Business sowie Prof. Dr. Hinrich Schröder die Fachgebiete IT-Controlling und Informationsmanagement lehren.