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Kapitel C: Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomische Theorie in:

Klaus Herdzina, Stephan Seiter

Einführung in die Mikroökonomik, page 50 - 56

11. Edition 2009, ISBN print: 978-3-8006-3630-3, ISBN online: 978-3-8006-4346-2, https://doi.org/10.15358/9783800643462_50

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36 1. Teil: Grundlagen zungen durch Verhandlungen und Gruppenvereinbarungen, durch Netzwerke und durch Karitas geliefert werden. Dabei sollte das in der Mitte entstandene Sechseck nicht in dem Sinne überinterpretiert werden, dass die jeweiligen Strecken vom Mittelpunkt aus exakt quantifizierbar wären. Sie stellen lediglich Tendenzaussagen dar. Mit Hilfe der Abb. 1.12. wäre es auch reizvoll, historische Entwicklungsprozesse eines Landes nachzuzeichnen oder aber Ländervergleiche anzustellen und zu illustrieren. Mehr oder weniger eindeutige Aussagen wären aber nur bei sehr offensichtlichen Unterschieden (etwa ehemalige Sowjetunion und USA oder DDR vor 1990 und Ostdeutschland heute) möglich und graphisch darstellbar. 1. Teil: Grundlagen Kapitel C: Volkswirtschaftliche und Mikroökonomische Theorie C. Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomische Theorie I. Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftstheorie 1. Die Aufgaben der Volkswirtschaftslehre und die Bedeutung der Wirtschaftstheorie Vor dem Hintergrund der zuvor erörterten Sachverhalte ist nunmehr darzulegen, welche Aufgaben und Fragestellungen im Rahmen der Volkswirtschaftslehre behandelt werden und welche speziellen Themen in den Bereich der Mikroökonomischen Theorie fallen. Da die Volkswirtschaftslehre das gesamte Wirtschaftsgeschehen als ihren Erkenntnisgegenstand versteht, befasst sie sich dementsprechend mit allen zuvor dargestellten Fragen. Ausgehend vom Phänomen der Knappheit erörtert sie die bei dem Versuch der Knappheitsreduzierung auftretenden Probleme, so z. B. die Fragen des Wachstums, der Beschäftigung, der Allokation und der Verteilung, aber auch die Frage nach dem zu wählenden Wirtschaftssystem. Bevor auf die Teilgebiete der Volkswirtschaftslehre und insbesondere auf das Teilgebiet „Mikroökonomische Theorie“ näher eingegangen wird, sollen zuvor noch einige Einzelheiten dieses Befassens mit dem Wirtschaftsgeschehen dargelegt werden. Den Wirtschaftswissenschaften (und damit auch der Volkswirtschaftslehre) werden üblicherweise vier zentrale Aufgaben zugeschrieben, nämlich die Beschreibung, die Erklärung und die Prognose des Wirtschaftsgeschehens sowie die Beratung bei der Gestaltung des Wirtschaftsgeschehens. Wichtigste Aufgabe in diesem Kontext ist die Erklärung des Wirtschaftsgeschehens. Voraussetzung für die Prognose zukünftiger Wirtschaftsentwicklung sowie für die Beratung von Wirtschaftssubjekten, wie sie das Wirtschaftsgeschehen im Sinne einer Realisierung der von ihnen angestrebten Ziele beeinflussen können, ist es, dass man wirtschaftliche Vorgänge zu erklären vermag, d. h. dass man die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge kennt. Auch wenn sich die Erklärungen letztlich auf raum- und zeitbezogene Einzelphänomene beziehen (z. B. auf die Ursachen des Steigens der Automobilnachfrage in der Bundesrepublik im Jahre 1991), so wird man zu solchen Erklärungen nur gelangen, wenn man die generell geltenden Gesetzmäßigkeiten zwischen den Kapitel C: Volkswirtschaftliche und Mikroökonomische Theorie 37 ökonomischen Variablen herausgearbeitet hat. Zu diesen generellen Gesetzmä- ßigkeiten gelangt man, indem man die Realität beobachtet und dabei feststellt, dass bestimmte Ereignisse (z. B. Nachfragesteigerungen) unter bestimmten Bedingungen (z. B. Einkommenserhöhungen) immer wieder eintreten, so dass das Vorliegen einer invarianten Beziehung vermutet werden kann (z. B. das Vorliegen eines direkten Einflusses des Einkommens auf die Nachfrage). Derartige Vermutungen in Form von Konditionalaussagen (wenn – dann) bezeichnet man als Hypothesen. Sie können in verbaler, in algebraischer oder in grafischer Form präsentiert werden. Ein System von zusammenhängenden Hypothesen bezeichnet man als Theorie (z. B. Theorie der Nachfrage). Aufgabe der Volkswirtschaftslehre ist es demnach, Hypothesensysteme über die Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen ökonomischen Variablen mit dem Ziel zu formulieren, reales Wirtschaftsgeschehen zu erklären. Insoweit versteht sich die ökonomische Theorie als explikative Theorie, d. h. als erklärende Theorie, d. h. als ein System von Aussagen über die Wirklichkeit mit dem Anspruch, dass diese Aussagen richtig sind. Obwohl die Theorien in der Regel durch Beobachtung der Realität gewonnen werden, ist doch keineswegs sichergestellt, dass diese Beobachtung korrekt war bzw. dass der beobachtete Zusammenhang für alle Zeiten Gültigkeit behält. Hypothesen müssen daher laufend an der Realität getestet werden, wobei sie der Gefahr des Scheiterns (der Falsifikation) ausgesetzt sind. Auf die Probleme der empirischen Überprüfung von Theorien ist später noch zurückzukommen. Die ökonomische Theorie sieht ihre Aufgabe aber nicht nur darin, als sog. explikative Theorie das reale Wirtschaftsgeschehen zu erklären. Insbesondere im Hinblick auf die zuvor angesprochene Beratungsaufgabe sieht sie es auch als ihr Anliegen an, Bedingungskonstellationen für das Eintreten bestimmter (möglicherweise besonders günstiger) ökonomischer Folgen zu formulieren (z. B. für das Nutzenmaximum eines Haushalts, für das Gewinnmaximum eines Unternehmens, für die optimale Versorgung der Nachfrager eines Marktes, für das Wohlfahrtsmaximum einer Volkswirtschaft). Sie versteht sich also auch als Bedingungstheorie. Wenn die ökonomische Theorie derartige Bedingungskonstellationen formuliert, erhebt sie keineswegs den Anspruch, damit die Wirklichkeit zutreffend abzubilden und zu erklären. Die Theoretiker entwerfen diese Konstellationen gerade mit dem Ziel, den Wirtschaftssubjekten die Möglichkeit zu eröffnen, die realen Gegebenheiten den von der Theorie angegebenen anzunähern, um ihre ökonomische Position zu verbessern. Naturgemäß setzt auch das Formulieren derartiger Bedingungskonstellationen die Kenntnis der Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge zwischen den ökonomischen Variablen voraus. Diese Zusammenhänge zu erforschen ist also die permanente Aufgabe der Volkswirtschaftslehre. 2. Einige methodische Anmerkungen Im Zusammenhang mit der Bildung und Überprüfung von Theorien entstehen diverse methodische Probleme, unter anderem das Problem der Modellbildung und das ceteris-paribus-Problem. Angesichts der extrem komplexen wirtschaftlichen Wirklichkeit mit umfassenden Interdependenzen ist es unabdingbar, vereinfachte Abbilder der Wirklichkeit zu 38 1. Teil: Grundlagen entwerfen, um diese Wirklichkeit gedanklich besser durchdringen zu können. Derartige vereinfachte Abbilder, welche jeweils im Hinblick auf bestimmte Fragestellungen konstruiert werden, bezeichnet man als Modelle. Das zentrale Problem bei der Konstruktion von Modellen besteht nun darin, dass nur die für die jeweilige Fragestellung unwesentlichen und nicht etwa wichtige, das Ergebnis der Analyse tangierende Sachverhalte ausgeklammert werden. Das teilweise nur schwer zu lösende Problem besteht also darin, dass Modelle einerseits den Komplexitätsgrad der Wirklichkeit reduzieren sollen, dass sie andererseits die Wirklichkeit aber nicht verfälscht abbilden dürfen. Die Verwendung von Modellen mit differierenden Abstraktionsgraden dürfte auf jeden Fall nützlich sein. Ausgangspunkt der Analyse sind in der Regel extrem einfache Modelle auf hohem Abstraktionsgrad, die in einem Prozess abnehmender Abstraktion der Wirklichkeit immer mehr anzunähern sind. Beispiele für ökonomische Modelle sind die zuvor schon angesprochene Robinson-Wirtschaft, das zweipolige Kreislaufmodell mit Unternehmungen als Einheiten, die nur produzieren, und Haushalten als Einheiten, die nur konsumieren, sowie die zahlreichen Zweier-Modelle (z. B. Zwei- Güter-Modell, Zwei-Faktoren-Modell, Zwei-Länder-Modell), deren Ergebnisse sich aber ohne Schwierigkeiten auf den Viele-Güter-, Viele-Faktoren- und Viele- Länder-Fall übertragen lassen. Anzumerken ist noch, dass in der ökonomischen Literatur zuweilen auch die zuvor erwähnten Bedingungskonstellationen als Modelle bezeichnet werden, da sie ja von der Wirklichkeit „abstrahieren“. Was die zuvor angesprochene empirische Überprüfung von Theorien anlangt, so ist auf die besonderen Probleme aller Sozialwissenschaften (also auch der Volkswirtschaftslehre) aufmerksam zu machen. Wie jede Wissenschaft will auch die Volkswirtschaftslehre den Einfluss einzelner, unabhängiger Variabler (sog. Determinanten) auf andere, abhängige Variable herausfiltern (z. B. den Einfluss des Einkommens auf die Konsumgüternachfrage). Sie bedient sich dazu der ceterisparibus-Klausel, d. h. sie formuliert Hypothesen über den Einfluss einer Variablen (Einkommen) auf eine andere Variable (Nachfrage) unter der Annahme, dass sich die sonstigen Determinanten (z. B. der Preis oder die Nutzenempfindungen) nicht ändern. Die empirische Überprüfung solcher Hypothesen stößt nun aber auf die Schwierigkeit, dass es – anders als bei naturwissenschaftlichen Versuchen – häufig gar nicht möglich ist, im empirischen Test nur die eine Determinante zu variieren und alle anderen konstant zu halten. Wo empirischen Experimenten Grenzen gesetzt sind, bleibt nichts anderes übrig, als sich mit Gedankenexperimenten zu begnügen. II. Teilgebiete der Volkswirtschaftslehre und Mikroökonomik 1. Problemkomplexe der Volkswirtschaft und Teilgebiete der Volkswirtschaftslehre In der Volkswirtschaftslehre wird üblicherweise zwischen einer mikro- und einer makroökonomischen Analyse unterschieden. Gängige Definitionsansätze laufen nun darauf hinaus, dass sich die Mikroökonomik auf der niedrigstmöglichen Aggregationsebene mit dem Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte beschäftigt, Kapitel C: Volkswirtschaftliche und Mikroökonomische Theorie 39 während die Makroökonomik den höchsten Aggregationsgrad, also die Gesamtwirtschaft, wählt. Bei näherer Betrachtung der Themenkomplexe, die in der Mikroökonomik bzw. in der Makroökonomik tatsächlich behandelt werden, zeigt es sich jedoch, dass die Unterscheidung nach dem Aggregationsgrad nur als erster Ansatzpunkt akzeptiert werden kann. So beschäftigt sich die Mikroökonomik keineswegs nur mit dem Nachfrageverhalten einzelner Haushalte und dem Angebotsverhalten einzelner Unternehmungen. Sie aggregiert die Nachfrage und das Angebot zahlreicher Wirtschaftssubjekte zur Marktnachfrage und zum Marktangebot. Sie bleibt aber auch auf der Einzelmarktebene nicht stehen, sondern analysiert Interdependenzen zwischen den Märkten. Sie steigt sogar auf die gesamtwirtschaftliche Ebene hinauf, indem sie ein gesamtwirtschaftliches Mikrogleichgewicht definiert (vgl. dazu den 5. und 6. Teil). Ganz entsprechend wird in der Makroökonomik keineswegs nur auf dem höchsten Aggregationsgrad gearbeitet, sondern durchaus auch disaggregiert. Eine genauere Betrachtung zeigt demgemäß, dass es nicht so sehr der Aggregationsgrad ist, welcher Mikro- und Makroökonomik unterscheidet, sondern dass es sich um unterschiedliche Fragestellungen handelt, die unter dann allerdings unglücklich gewählten Überschriften erörtert werden. Ausgehend von den zuvor dargestellten Ansatzpunkten zur Reduzierung von Knappheit und ihrer Illustration mit Hilfe der Transformationskurve kann noch einmal gezeigt werden, dass sich drei zentrale Problemkomplexe der Volkswirtschaft und damit auch der Volkswirtschaftslehre unterscheiden lassen: die Frage nach der Höhe der Güterproduktion, die Frage nach der Zusammensetzung der Güterproduktion und die Frage nach der Verteilung der Güter. Die Frage nach der Höhe (dem Niveau) der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion und ihren Steigerungsmöglichkeiten betrifft den Auslastungsgrad der Produktionsfaktoren (den Beschäftigungsstand), seine Schwankungen (die Stabilität) und die Möglichkeiten der globalen Produktionssteigerung (das Wachstum der Wirtschaft). Die Frage bezieht sich demnach auf das Erreichen und Verschieben der volkswirtschaftlichen Transformationskurve (vgl. Abb. 1.7. und nunmehr Abb. 1.13.). In dem beschriebenen Zusammenhang wird in der Regel auch die Abb. 1.13 40 1. Teil: Grundlagen Frage nach der Stabilität des Geldwertes erörtert. Alle diese Fragen werden im Rahmen der Makroökonomik behandelt. Makroökonomische Analyse ist also Niveauanalyse. Ihre Thematik bezieht sich auf Veränderungen, die in Abb. 1.13. durch den Pfeil A dargestellt werden. Die Frage nach der Zusammensetzung (der Struktur) der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion betrifft das Problem der Anpassung der Angebots- und der Produktionsfaktorenstruktur an die Änderungen der Nachfragestruktur, d. h. das Allokationsproblem. Es wird also gefragt, welcher Punkt auf der gerade gültigen Transformationskurve der Volkswirtschaft realisiert wird. Diese Frage bildet den Gegenstand der Mikroökonomik. Mikroökonomische Analyse ist also Strukturanalyse. Ihre Thematik bezieht sich auf Veränderungen, die in Abb. 1.13. durch den Pfeil B dargestellt werden. Genau genommen kann die Allokationsfrage aber nicht nur auf die Zusammensetzung der Produktion privater Güter beschränkt bleiben, sie muss auch den Anteil und die Zusammensetzung der öffentlichen Güter einbeziehen. Die Allokationsanalyse hat ferner nach der regionalen und nach der internationalen Güterstruktur und Allokation zu fragen und sie muss die in Abb. 1.8. angesprochene Konsumgüter-Investitionsgüter-Relation behandeln. Dementsprechend wäre die Darstellung der Transformationskurve in Abb. 1.7. und nunmehr in Abb. 1.13. in der Weise zu modifizieren, dass auf den beiden Güterachsen nicht zwei private Konsumgüter (Wurst und Käse), sondern ein Konsum- und ein Investitionsgut bzw. ein privates und ein öffentliches Gut bzw. zwei konkurrierende öffentliche Güter bzw. ein in der Region 1 und ein in der Region 2 hergestelltes Gut bzw. ein inländisches und ein ausländisches Gut abzubilden wären. Insoweit sind Finanzwissenschaft, Regionalanalyse und Außenwirtschaftsanalyse zur Mikroökonomik zu zählen. Die Frage nach der Verteilung der Güter auf die Haushalte einer Volkswirtschaft bezieht sich einmal auf jene langlebigen Güter, die in einer vorgegebenen Betrachtungsperiode nicht untergehen (also auf das Vermögen), sowie andererseits auf die kurzlebigen Güter, die aus laufendem Einkommen finanziert werden. Die Frage nach der Verteilung der Güter lässt sich also auf die Frage der Vermögensund der Einkommensverteilung zurückführen. Da die Einkommen der Haushalte aus dem Angebot an Faktorleistungen entstehen (vgl. Abb. 1.10.), hat sich die Analyse der Einkommensverteilung zunächst mit dem Angebot, der Nachfrage und der Preisbildung auf den Faktormärkten zu befassen. Auf Grund dieser Thematik und wegen der Nähe zum Allokationsproblem wird in diesem Zusammenhang auch von einer mikroökonomischen Verteilungsanalyse gesprochen. Von einer makroökonomischen Verteilungsanalyse ist demgegenüber die Rede, wenn nach den Anteilen hochaggregierter Gruppen von Haushalten (z. B. aller Lohnempfänger) am gesamten Volkseinkommen gefragt wird. 2. Die Mikroökonomische Theorie als Allokationstheorie der Marktwirtschaft Wie zuvor dargestellt, ist die vielfach verwendete Definition von Mikroökonomik als einzelwirtschaftliche Analyse nur als erster Ansatzpunkt zu akzeptieren. Genaugenommen ist Mikroökonomik mit Strukturanalyse gleichzusetzen. Ihr Zentralthema ist das Allokationsproblem. Will man das Gebiet der so verstandenen Kapitel C: Volkswirtschaftliche und Mikroökonomische Theorie 41 Mikroökonomik ein wenig enger fassen, so kann man sich darauf verständigen, die Preisbildung auf Faktormärkten und Verteilungsfragen nicht mit einzubeziehen. Ebenso kann man die Analyse der öffentlichen Güter sowie die Fragen der regionalen und internationalen Allokation der Faktoren ausklammern. In einem derartigen, engeren Sinne befasst sich die Mikroökonomik bzw. die Mikroökonomische Theorie mit der Zusammensetzung der Produktion privater Güter. Zu diesem Zweck analysiert sie die Nachfrage, das Angebot und die Preisbildung (insoweit auch der Terminus Preistheorie) auf einzelnen Märkten privater Güter sowie Nachfrage- und Angebotsverschiebungen zwischen den Märkten. In einer weiteren Einengung kann man sich möglicherweise darauf verständigen, die Analyse auf Konsumgütermärkte zu beschränken und damit explizit auch Investitionsgütermärkte auszuklammern, was aber mit dem zuvor erwähnten Ausschluss von Faktormärkten und damit des Faktors Sachkapital bereits geschehen sein könnte. Andererseits muss die Analyse gelegentlich erweitert werden, da sog. „makroökonomische“ Fragestellungen einzubeziehen sind, so beim „Wachstum“ von Unternehmungen, insbesondere bei der Erweiterung der Produktion durch technischen und organisatorischen Fortschritt. Die Einengung der Analyse auf private Güter impliziert darüber hinaus, dass sich die Analyse auf das Wirtschaftssystem der Marktwirtschaft bezieht. Die kurze Darstellung der Grundprinzipien der reinen Marktwirtschaft hat gezeigt, dass den Preisen in der Marktwirtschaft eine außerordentliche Bedeutung zukommt. Sie bewirken den Ausgleich von Angebot und Nachfrage (Ausgleichs- bzw. Markträumungsfunktion der Preise). Sie informieren über den jeweiligen Grad der Knappheit der Güter (Informations-, Anzeige- oder Signalfunktion der Preise). Sie bewirken darüber hinaus, dass sich die Güterproduktion durch Anreize und Sanktionen an die Änderungen der Güternachfrage anpasst und dass die Produktionsfaktoren in die jeweils besten Verwendungen gelenkt werden (Anreiz-, Sanktions-, Lenkungs- bzw. Allokationsfunktion der Preise). Aufgabe der Mikroökonomischen Theorie ist es insoweit, die Gesetze der Preisbildung und der Allokation in der idealtypischen Marktwirtschaft aufzuzeigen, also die Bedingungen zu formulieren, unter denen die Preise ihre Aufgaben in idealtypischer Weise erfüllen können. Darüber hinaus gilt es aber auch, Abweichungen der Realität von den idealtypischen Bedingungen darzustellen und aufzuzeigen, welche Konsequenzen sich für das reale Marktgeschehen ergeben, wenn derartige Abweichungen vorkommen. In den weiteren Darlegungen dieses Lehrbuches werden die Nachfrage, das Angebot und die Preisbildung auf Konsumgütermärkten im Zentrum stehen. Insbesondere im 5. Teil, d. h. bei der Erörterung der Preisbildung im Zuge der Theorie des Marktgleichgewichtes, wird kurz auch auf Sachkapitalmärkte und Arbeitsmärkte sowie auf Finanzkapitalmärkte und auf Devisenmärkte eingegangen. Insoweit werden auch einzelne Faktormärkte angesprochen und es werden erste Überlegungen zu den Außenwirtschaftsbeziehungen einer Volkswirtschaft vorgetragen. 42 1. Teil: Grundlagen Kontrollfragen zum 1. Teil 1. Erläutern Sie die Begriffe Bedürfnisse, Bedarf, Nachfrage und Konsum und stellen Sie die jeweiligen Zusammenhänge dar. 2. Inwieweit ist der Aussage zuzustimmen, dass die Bedürfnisse unbegrenzt sind? 3. Wie ist die These zu beurteilen, dass einzelne Menschen, Personengruppen, Länder im Überfluss leben? 4. Erläutern Sie die Kategorien der Sachgüter und der Dienstleistungen, der privaten und der öffentlichen Güter, der Konsum- und der Investitionsgüter sowie der Verbrauchs- und der Gebrauchsgüter. Bei welchen dieser Kategorien sind überdurchschnittliche Wachstumsraten von Nachfrage und Produktion zu beobachten? 5. Erläutern Sie die Güterbeziehungen der Komplementarität und der Substitutionalität sowie der Homogenität und der Heterogenität. 6. Was versteht man unter Produktion und welches sind die wichtigsten Produktionsfaktoren? 7. Erläutern Sie das Konzept der Produktionsfunktion, der Transformationskurve und der Opportunitätskosten. 8. Welche Opportunitätskosten entstehen einer Volkswirtschaft, wenn sie massiv die Rüstungsgüterproduktion ausdehnt? Welche Opportunitätskosten entstehen Ihnen bzw. der Volkswirtschaft, wenn Sie durch schnelles Fahren eine Stunde Zeit auf Ihrem Weg zum Studienort einsparen? 9. Erläutern Sie den Begriff der Knappheit sowie die Beziehung zwischen Knappheit und Seltenheit. Erläutern Sie in diesem Zusammenhang die Ausgleichs-, die Informations- und die Lenkungsfunktion der Preise. 10. Was sind freie Güter und woran erkennt man sie? Nennen Sie Beispiele. 11. Stellen Sie die alternativen Nachfrageentwicklungen bei steigendem Einkommen dar. Können Sie sich vorstellen, dass Bier, CD-Player, Personalcomputer, Mittelklasseautos einmal inferiore Güter werden? 12. Was sind beschränkt reproduzierbare Güter und welche Preisentwicklungen lassen sich bei ihnen beobachten? 13. Stellen Sie anhand einer Transformationskurve die verschiedenen Ansatzpunkte zur Reduzierung von Knappheit dar. 14. Erläutern Sie, dass Wirtschaften stets mit Planung verbunden ist, und zeigen Sie anhand von Beispielen auf, dass damit stets auch Wahlentscheidungen verknüpft sind. 15. Erläutern Sie das ökonomische Prinzip. Handeln Sie nach dem ökonomischen Prinzip, wenn Sie versuchen, Ihr Examen mit möglichst geringem Arbeitsaufwand zu bestehen? 16. Nennen Sie die wichtigsten Wirtschaftssubjekte, ihre jeweiligen Hauptaktivitäten und die wichtigsten Interaktionen zwischen ihnen. 17. Erläutern Sie das Konzept der Arbeitsteilung, seine wichtigsten Arten sowie seine einzel- und gesamtwirtschaftlichen Vor- und Nachteile.

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References

Zusammenfassung

Mikroökonomie leicht und verständlich

Dieses Lehrbuch bietet eine verständliche Darstellung eines zentralen Teilgebiets der Ökonomik. Da Inhalt und Aussagewert der Mikroökonomik häufig dadurch unklar bleiben, dass die Studenten zuviel rechnen müssen und dabei nicht mehr genügend zum Denken kommen, wird die Algebra in nur sparsamer Dosierung eingesetzt. Dafür stellt das Buch die grundlegenden Fragestellungen und Modelle umso klarer und lesefreundlicher dar und unterstützt das Lernen mit zahlreichen Kontrollfragen.

* Grundlagen

* Einführung in die Nachfrage- und Angebotstheorie

* Theorie der Nachfrage

* Theorie des Angebots

* Theorie des Marktgleichgewichts

* Theorie der Marktprozesse

Das Lehrbuch beantwortet unter anderem folgende Fragen:

* Warum und in welcher Menge fragen Haushalte bestimmte Güter nach?

* Welche Ziele verfolgen Unternehmen?

* Wann ist ein Marktpreis stabil?

* Welche Marktform ist effizient?

* Fördert Wettbewerb den technischen Fortschritt?

Die Autoren

Prof. Dr. Klaus Herdzina ist Professor an der Universität Hohenheim.

Prof. Dr. Stephan Seiter ist Professor an der ESB Business School an der Hochschule Reutlingen.