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Hans-Hermann Francke, 6.1 Zur Problemstellung in:

Hans-Hermann Francke, Heinz Rehkugler (Ed.)

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung, page 218 - 220

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3808-6, ISBN online: 978-3-8006-4342-4, https://doi.org/10.15358/9783800643424_218

Bibliographic information
Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 202 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 203 6Die Immobilienkrise in den USA – Ursachen und Konsequenzen für das globale Finanzsystem Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Hermann Francke Kapitelübersicht 6.1 Zur Problemstellung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 205 6.2 Akteure und Abläufe . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 206 6.2.1 Finanzierung des selbstgenutzten Wohneigentums in den USA 206 6.2.2 Chronologie der Ereignisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 209 6.3 Wirtschaftspolitische Fehlsteuerungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 6.3.1 Motive und Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 211 6.3.2 Störung marktwirtschaftlicher Steuerungs mechanismen . . . . . . 213 6.4 Zukunftsprobleme der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmen bedingungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 6.4.1 Regulierung der Finanzmärkte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 215 6.4.2 Öffentliche Verschuldung und Währungssysteme . . . . . . . . . . . . 218 6.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221 6.6 Literaturverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 222 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 204 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 205 6.1 Zur Problemstellung Ohne Zweifel gehört die gegenwärtige Krise der Weltwirtschaft zu den sogenannten Jahrhundertkrisen. Deshalb wird sie zu Recht mit der großen Depression der Jahre 1929 bis 1931 verglichen, deren Folgen die Historie nachhaltig schwer belasten sollten. Das Besondere der gegenwärtigen Krise sind zwei Merkmale. Zum einen ist ihr Übertragungsmechanismus bemerkenswert. Ausgehend von den Immobilienmärkten in den USA, erfasste sie die globalen Finanzmärkte und ihre Institutionen, um dann weiter die Stabilität der Staatshaushalte und Währungssysteme zu bedrohen. Zum anderen ist der globale Charakter der Krise hervorzuheben. Er resultiert aus den seit den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstandenen umfassenden Verflechtungen und Abhängigkeiten der weltweiten Güter- und Finanzmärkte. Für alle direkt oder indirekt Beteiligten stellt sich eine Fülle von Fragen. Wie so oft bei derartigen Ereignissen wird schnell die Schuldfrage gestellt und vorschnell unzutreffend oder einseitig beantwortet. Tatsächlich fehlen für abschlie- ßende Urteile noch immer ausreichende Informationen. Das gilt sowohl für das Handeln der involvierten Akteure, als auch für die Chronologie der Ereignisse, die sich teilweise noch im Flusse befinden. Inzwischen haben Lernprozesse begonnen, die zu neuen Einsichten führen und deshalb zu einem besseren Verständnis zukünftiger Entwicklungen und Notwendigkeiten beitragen können. Allerdings erscheinen drei Tatbestände inzwischen zweifelsfrei. Erstens handelt es sich bei der gegenwärtigen Krise um eine Überschuldungskrise, und zwar sowohl privater als auch öffentlicher Überschuldung. Zweitens ist die Überschuldung wesentlich durch Fehlentscheidungen der staatlichen Wirtschaftspolitik provoziert bzw. gefördert worden, weil diese die wichtigen Steuerungsmechanismen von Marktwirtschaften, d. h. Preise, Zinsen und Wechselkurse, verzerrt oder außer Kraft gesetzt haben. Drittens wird eine Vielzahl neuer nationaler und internationaler Regulierungen die zukünftigen Rahmenbedingungen der Weltwirtschaft gravierend verändern. Vor diesem Hintergrund sollen im Folgenden drei Problemkreise behandelt werden. Zunächst werden die Akteure und der Ablauf der Immobilienkrise in den USA dargestellt. Sodann werden die ursächlichen wirtschaftspolitischen Fehlsteuerungen analysiert, um deren Konsequenzen, die Störung fundamentaler marktwirtschaftlicher Lenkungsmechanismen, zu erläutern. Schließlich wird auf wichtige Zukunftsprobleme der Gestaltung wirtschaftspolitischer Rahmenbedingungen hingewiesen, die gegenwärtig zur Entscheidung anstehen. Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 206 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 207 6 Die Immobilienkrise in den USA – Ursachen und Konsequenzen206 6.2 Akteure und Abläufe126 6.2.1 Finanzierung des selbstgenutzten Wohneigentums in den USA Die besondere Architektur des Finanzierungssystems für das selbstgenutzte Wohneigentum in den USA beginnt bei den Hauskäufern und deren Primärkreditgebern, setzt sich fort über Finanzierungs- bzw. Zweckgesellschaften, die mit Kreditzusagen oder sonstigen Garantien von international tätigen Großbanken mit gutem Rating ausgestattet, die Risiken und Erträge der Primärkreditgeber verbriefen und an andere Kapitalsammelstellen veräußern. Verkürzt formuliert, handelt es sich um einen komplexen Risikotransferprozess, der einzelwirtschaftlich vom Bestreben der Akteure getragen wird, ihre jeweilige Ertrags-/ Risikoperformance zu verbessern. Gesamtwirtschaftlich kann dieser Risikotransferprozess die allokative Effizienz verbessern, wenn dadurch Marktunvollkommenheiten beseitigt werden, die z. B. aus Eigenkapitalregulierungen, Besteuerungsdifferenzen usw. resultieren.127 Zum Verständnis der Verhaltensweisen von Hauskreditnehmern und ihren Primärkreditgebern auf den Immobilienmärkten in den USA sind die besonderen Privilegien der Schuldner wichtig. Diese bestehen nicht nur darin, dass ein jederzeitiges Kreditkündigungsrecht ohne Vorfälligkeitsentschädigung, sondern sogar die Rückgabe des beliehenen Objektes zur Schuldentilgung möglich ist. In diesen Privilegien spiegeln sich auch amerikanische Grundüberzeugungen zur Sozialpolitik, die – anders als in Europa – die Selbstvorsorge des Einzelnen fördern will. Das selbst genutzte Wohneigentum erscheint dabei für Amerikaner nahe liegend und symbolträchtig. Um auch sozial schwächeren Einkommensbeziehern (sogenannte „subprimers“) die Kreditaufnahme zum Immobilienerwerb zu erleichtern, wurde bereits in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts eine Reihe von Antidiskriminierungsgesetzen (u. a. „Fair-Housing Act“) erlassen, welche deren Auskunftspflichten gegenüber den Gläubigerbanken deutlich einschränkten. Für die den Primärkredit gebenden Banken entstehen aus den Privilegien der Schuldner zusätzliche Risiken, deren Preis sich im Zins niederschlagen müsste. Aber durch die Veräußerung der Risiken an die sie verbriefenden Zweckgesellschaften mit gutem Produkt- und/oder Institutsrating sowie marktgängigem Produktdesign werden die Refinanzierungskosten gesenkt, so dass auch die Zinsforderungen gegenüber den privilegierten Schuldnern reduziert werden können. Hohe Beleihungswerte, teilweise über 100 v.H., erscheinen den Kreditgebern durchaus vertretbar, solange steigende Hauspreise prognostiziert werden. Selbst die Kreditvergabe an Schuldner zweifelhafter Bonität („subprime borrowers“) kann gerechtfertigt werden, wenn die Veräußerung der beliehenen Objekte ohne Verlust möglich ist. 126 Vgl. Francke (2008). 127 Vgl. Rudolph (2007).

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References

Zusammenfassung

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung:

Alles für die immobilien-wirtschaftliche Ausbildung.

Rund um die Immobilie

Das Werk enthält Beiträge zur Entwicklung und Analyse von

* Immobilienprodukten,

* Immobilienmärkten sowie zur

* Immobilienbewertung.

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung

Anschaulich und kompakt werden zentrale Stoffinhalte der immobilienwirtschaftlichen Ausbildung dargestellt: von der Analyse der dominanten Einflussfaktoren der Entwicklung von Immobilienmärkten über die Diskussion um das angemessene Bewertungsverfahren für Immobilien und Immobiliengesellschaften bis hin zu Fragestellungen der Bilanzierung von Immobilien nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften.