Content

Tobias Just, 4.5 Schlussbemerkungen in:

Hans-Hermann Francke, Heinz Rehkugler (Ed.)

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung, page 173 - 174

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3808-6, ISBN online: 978-3-8006-4342-4, https://doi.org/10.15358/9783800643424_173

Bibliographic information
Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 156 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 157 4 Die demografische Entwicklung in Europa und ihre Implikationen156 gerade in der Kombination mit anhaltender internationaler Arbeitsteilung muss daher nicht zwangsläufig ungebrochen zu mehr Bürobeschäftigung führen. Thomas Friedman (2005) hat an diese Erkenntnis vor fünf Jahren publikumswirksam erinnert. Tatsächlich ist es also gar nicht so einfach, allein aus der Annahme, dass die Einwohnerzahl andernorts wächst, abzuleiten, dass die Büronachfrage in Westeuropa nur geringfügig von den demografischen Trends betroffen wäre. In der Tat ist die Hauptbotschaft nicht, dass ein starker Rückgang der Büroflächennachfrage unausweichlich ist, sondern, dass die Variantenvielfalt für Büromärkte größer ist als für Wohnungsmärkte, dass also das Anlagerisiko im Bürosegment folglich größer ist als im Wohnungssegment. Wenn Investoren dies in Form einer angemessenen relativen Risikoprämie bedenken, sind auch in Zukunft rentierliche Büroinvestitionen in Westeuropa – selbst in den demografisch stärker belasteten Regionen – zu realisieren. 4.5 Schlussbemerkungen Demografische Entwicklungen gehören zu den gravierendsten Veränderungen in einer Gesellschaft. Dies gilt für die heftigen Anpassungen im Zuge von besonderen schockhaften Ereignissen ebenso wie für die schleichenden Veränderungen in ruhigen Jahrzehnten. Europas demografische Trends der nächsten Jahrzehnte wurden sowohl durch die schleichenden Rückgänge der Geburtenhäufigkeiten als auch durch die veränderten Wanderungsströme nach dem Fall des Eisernen Vorhangs geprägt. Europa altert und die Einwohnerzahl in vielen europäischen Ländern wird (zum Teil deutlich) schrumpfen. Dies wird auch die Immobiliennachfrage spürbar beeinträchtigen. Die Wachstumsraten der Immobiliennachfrage werden deutlich sinken und in den strukturschwachen Regionen zurückgehen. Die Immobilienpreise in diesen Fortzugsgebieten geraten dadurch unter Druck. Für die Politik folgen daraus zahlreiche Aufgaben, die nicht nur den Immobilienbestand der öffentlichen Hand betreffen, sondern auch die Gestalt und das Ausmaß der Förderpolitik. Zudem muss häufiger über Rückbau, sprich Abriss, von Wohn- und Gewerberaum nachgedacht werden. Dies ist keine triviale Aufgabe, da sehr viele Beteiligte an einen Tisch gebracht werden müssen. Ein langer Vorlauf ist sinnvoll, da der Interessensausgleich in Abrissregionen sehr schwer ist. Hinzu kommt, dass die Infrastrukturangebote angepasst werden müssen. Damit die Wohnnebenkosten nicht zu stark steigen, sollte kompakteren Städten der Vorzug gegenüber zersiedelten Agglomerationen gegeben werden. Rückbau sollte also von den Rändern erfolgen, damit die Netzinfrastruktur nicht für eine schrumpfende Kernstadtbevölkerung überdimensioniert wird. Gerade die leitungsgebundene Infrastruktur verursacht einen enormen Fixkostenblock. Eine Kooperation von Kommunen, vielleicht sogar die Zusammenlegung von Gemeinden und Kreisen erleichtert solche Anpassungen, da Konflikte internalisiert werden können. Die demografischen Trends dürften dann zu einer Rückbesinnung auf die Kernstädte führen. Es käme zu einer neuen Reurbanisierung, Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 156 Vahlen – Allg.Reihe – Francke/Rehkugler – Immobilienmärkte und Immobilienbewertung Herstellung: Frau Deuringer 13.09.2011 Imprimatur Seite 157 4.6 Literaturverzeichnis 157 und zwar nicht weil sehr viele Menschen zurück ziehen würden, sondern eher weil weniger Menschen überhaupt nach draußen ziehen (können). 4.6 Literaturverzeichnis Börsch-Supan, A., Ludwig, A., Sommer, M. (2003). Demographie und Kapitalmärkte. Die Auswirkungen der Bevölkerungsalterung auf Aktien-, Rentenund Immobilienvermögen. Deutsches Institut für Altersvorsorge, Köln. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2006). Raumordnungsprognose 2020/2050, Berichte – Band 23, Bonn. Brounen, D. Eichholtz, P. (2004). Demographics and the global office market – consequences for property portfolios. In: Journal of Real Estate Portfolio Management 10, S. 231–242. Central Intelligence Agency (2010). CIA Factbook, https://www.cia.gov/library/ publications/the-world-factbook/geos/uk.html, Zugriff: 22.08.2010. Demary, M., Voigtländer, M. (2009). Immobilien 2025. Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Wohn- und Büroimmobilienmärkte. In: IW- Analysen 50, Köln. Destatis, Statistisches Bundesamt (2009). Bevölkerung Deutschlands 2060. 12. koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden. DTZ (2010). Global Occupancy Costs 2010 – Offices. Costs slowly reverse. London. Empirica-Institut (2005). Wirtschaft und Wohnen in Deutschland. Regionale Prognosen bis 2015, Wohnungsmarktentwicklung bis 2030. Gutachten im Auftrag der DKB, Berlin. Friedman, T.L. (2005). The world is flat. A brief history of the twenty-first century, Farrar, Straus and Giroux, New York. Friedrich, K. (2008). Binnenwanderungen älterer Menschen – Chancen für Regionen im demographischen Wandel? In: Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung [Hrsg.]. Informationen zur Raumentwicklung 3/4 2008, S. 185–192. Goldstein, J.R., Sobotka, T. und A Jasilioniene (2009). The End of ‚Lowest-Low‘ Fertility? In: Population and Development Review 35 (4): 663–699. Gräf. B., Schattenberg, M. (2006). Die demografische Herausforderung. Simulationen mit einem überlappenden Generationenmodell. In: Aktuelle Themen 343, Deutsche Bank Research, Frankfurt a. M. Günther, M., Hübl, L. (2009). Wohnungsmangel in Deutschland. Regionalisierter Wohnungsbedarf bis zum Jahr 2050. Eduard-Pestel-Institut. Gutachten erstellt im Auftrag des Bundesverbands Freier Immobilien und Wohnungsunternehmen e. V., der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau e. V. und des Bundesverbands Deutscher Baustoff-Fachhandel. Hannover. Just, T. (2003). Demografie lässt Immobilien wackeln. In: Aktuelle Themen 283, Deutsche Bank Research, Frankfurt am Main. Just, T. (2009). Demografie und Immobilien. Oldenbourg Verlag. München.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung:

Alles für die immobilien-wirtschaftliche Ausbildung.

Rund um die Immobilie

Das Werk enthält Beiträge zur Entwicklung und Analyse von

* Immobilienprodukten,

* Immobilienmärkten sowie zur

* Immobilienbewertung.

Immobilienmärkte und Immobilienbewertung

Anschaulich und kompakt werden zentrale Stoffinhalte der immobilienwirtschaftlichen Ausbildung dargestellt: von der Analyse der dominanten Einflussfaktoren der Entwicklung von Immobilienmärkten über die Diskussion um das angemessene Bewertungsverfahren für Immobilien und Immobiliengesellschaften bis hin zu Fragestellungen der Bilanzierung von Immobilien nach internationalen Rechnungslegungsvorschriften.