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3.4 Bemessungsgrundlagen und Steuersätze in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 463 - 469

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_463

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436 Teil V: Verkehrsteuern 3.4 Bemessungsgrundlagen und Steuersätze 3.4.1 Allgemeines Die Höhe der zu entrichtenden Umsatzsteuer wird durch die Bemessungsgrundlagen und Steuersätze der jeweiligen Umsätze sowie durch den Vorsteuerabzug bestimmt. Bemessungsgrundlage und Steuersatz sind für jeden Umsatz gesondert zu ermitteln. Die Bemessungsgrundlage für Lieferungen und sonstige Leistungen sowie den innergemeinschaftlichen Erwerb richtet sich nach § 10 UStG, die Bemessungsgrundlage der Einfuhr nach § 11 UStG. Die Steuersätze sind in § 12 UStG geregelt. Es sei nochmals darauf hingewiesen, dass Bemessungsgrundlage und Steuersatz eines Umsatzes immer erst dann zu ermitteln sind, wenn geklärt ist, dass der Umsatz steuerpflichtig ist, d. h. dass er steuerbar und nicht steuerbefreit ist. Ist ein Umsatz nicht steuerbar oder ist er steuerfrei, so erübrigt sich die Ermittlung von Steuersatz und Bemessungsgrundlage. 3.4.2 Bemessungsgrundlagen 3.4.2.1 Bemessungsgrundlage für Lieferungen, sonstige Leistungen und innergemeinschaftliche Erwerbe Bemessungsgrundlage für Lieferungen, sonstige Leistungen und innergemeinschaftliche Erwerbe ist das Entgelt (§ 10 Abs. 1 Satz 1 UStG). Entgelt ist alles, was der Empfänger einer Lieferung oder sonstigen Leistung (Leistungsempfänger) aufwendet, um die Leistung zu erhalten, jedoch abzüglich der Umsatzsteuer (§ 10 Abs. 1 Satz 2 UStG). Die Höhe des Entgelts ergibt sich somit grundsätzlich aus der mit dem Leistungsempfänger vereinbarten Vergütung abzüglich der in diesem Betrag enthaltenen Umsatzsteuer. Erstellt der Leistende eine Rechnung, so wird in dieser das (Netto-)Entgelt ausgewiesen und anschließend die Umsatzsteuer gesondert hinzugerechnet. Bei dem innergemeinschaftlichen Erwerb sind ausländische Verbrauchsteuern, die vom Erwerber geschuldet oder entrichtet werden, in die Bemessungsgrundlage einzubeziehen. Die Besteuerung erfolgt grundsätzlich nach vereinbarten (Sollbesteuerung) und nicht nach vereinnahmten Entgelten (Istbesteuerung). Vereinbartes Entgelt ist die vertraglich vorgesehene Vergütung, vereinnahmtes Entgelt der tatsächlich vom Leistungsempfänger entrichtete Betrag. Stellt sich nach Entgeltvereinbarung heraus, dass das vereinnahmte Entgelt geringer ist als das vereinbarte, so ist eine Berichtigung der Umsatzsteuer vorzunehmen. Genaue Anweisungen dafür enthält § 17 UStG. Die Höhe der Bemessungsgrundlage richtet sich somit letztlich doch nach dem vereinnahmten Entgelt. Das vereinbarte Entgelt wird der Besteuerung lediglich so lange zugrunde gelegt, wie das vereinnahmte Entgelt noch nicht feststeht. Es bestimmt somit den Zeitpunkt der - eventuell nur vorläufigen - Steuerentstehung und -entrichtung. 3 Umsatzsteuer 437 Beispiel U1 liefert an U2 am 1.12.1 Ware. In der am selben Tage erstellten und U2 übersandten Rechnung weist U1 ein (Netto-)Entgelt von 10.000 € aus. U2 zahlt am 10.1.2 3.000 € zzgl. gesetzlicher USt. Den Rest erhält U1 trotz wiederholter Mahnung nicht. Am 1.5.2 erfährt U1, dass ein Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des U2 mangels Masse abgelehnt worden ist. Im Jahr 1 hat U1 ein mit U2 vereinbartes Entgelt i. H. v. 10.000 € zu erfassen. Im Jahre 2 kann er eine Kürzung der Bemessungsgrundlage um 7.000 € vornehmen. Zur Klarstellung sei ausdrücklich betont, dass das Entgelt nicht um eigene Aufwendungen des Leistenden, also z. B. Lohn-, Material- oder Mietaufwendungen, zu kürzen ist. Entgelt ist alles, was der Leistungsempfänger aufwendet. Auf die Bezeichnung (Preis, Honorar, Gebühr etc.) kommt es nicht an. Rechnungszu- und -abschläge erhöhen bzw. vermindern das Entgelt. Beispiel Listenpreis 100.000 € ./. verschiedene Rabatte ./. 5.000 € 95.000 € Zuschlag für Sonderwünsche 15.000 € 110.000 € 19 % Umsatzsteuer 20.900 € 130.900 € Unter Abzug von 3 % Skonto zahlt der Kunde 126.973 € Das Entgelt beträgt 110.000 € abzüglich 3 % Skonto. Es beläuft sich also auf 106.700 €. Gewährt ein Verkäufer einem Käufer ein Zahlungsziel, so sind dafür als Gegenleistung berechnete Zinszuschläge je nach Art der getroffenen Vereinbarungen im Einzelfall entweder Teil des Entgelts der Lieferung oder aber Entgelt für eine zusätzliche sonstige Leistung (Kreditgewährung). Eine neben das Liefergeschäft tretende selbständige Kreditgewährung ist nur dann anzunehmen, wenn klare Kreditbedingungen vereinbart werden, aus denen insbesondere der Barzahlungspreis und der effektive Jahreszins zu ersehen sind. Die Unterscheidung in ein einheitliches Liefergeschäft einerseits und in eine Lieferung und eine davon gesonderte Kreditgewährung andererseits ist im Hinblick auf die Steuerbefreiung nach § 4 Nr. 8 UStG von Bedeutung. In diesem Zusammenhang wird auf Gliederungspunkt 3.3.3 verwiesen. Finanziert ein Kunde eine Lieferung mit Hilfe eines Bankkredits, so hat der Lieferer mit der Finanzierung nichts zu tun. Sein Entgelt besteht lediglich in dem vom Kunden an ihn gezahlten Kaufpreis. Die von dem Kunden zu zahlenden Zinsen hingegen sind Entgelt für eine sonstige Leistung der Bank an den Kunden. Zum Entgelt gehört auch, was ein anderer als der Leistungsempfänger dem Unternehmer für die Leistung gewährt (§ 10 Abs. 1 Satz 3 UStG). Derartige Zahlungen von dritter Seite werden meist als „Zuschüsse“ bezeichnet. 438 Teil V: Verkehrsteuern Umsatzsteuerlich wird zwischen „echten“ und „unechten“ Zuschüssen unterschieden. Echte Zuschüsse liegen vor, wenn die Zahlungen nicht als Entgelt für eine spezielle Leistung erfolgen33. Ein Leistungsaustausch liegt also nicht vor; der Zuschuss ist nicht Entgelt für eine steuerbare Lieferung oder sonstige Leistung. Zu nennen sind hier z. B. Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln. Unechte Zuschüsse sind Gegenleistungen einer anderen Person als die des Leistungsempfängers für Leistungen des Unternehmers. Es liegt somit ein steuerbarer und - unterstellt steuerpflichtiger Umsatz vor. Das Entgelt besteht aus den Zahlungen des Leistungsempfängers und dem Zuschuss der anderen Person. Beispiel Das große, gepflegte Gartengrundstück des Maximilian Meyer (M) grenzt an ein Grundstück, das einer Spedition gehört. Diese stapelt an der Grenze zu Meyers Grundstück nicht mehr benötigte Altreifen, die bei ihr in großer Zahl anfallen. Ein in der Nähe gelegenes Gummiwerk ist bereit, der Spedition die Reifen zum Stückpreis von 9 € abzukaufen. Die Spedition fordert aber eine Zahlung von 10 € je Reifen. M erklärt sich bereit, 1 € pro Reifen „als Zuschuss“ zu gewähren, damit die Reifen an das Gummiwerk verkauft werden können. Es liegt ein unechter Zuschuss vor, der der Preisauffüllung dienen soll. Das Entgelt im Sinne von § 10 Abs. 1 UStG beträgt 10 €. Durchlaufende Posten gehören nicht zum Entgelt. Durchlaufende Posten sind Beträge, die der Unternehmer im Namen und für Rechnung eines anderen vereinnahmt und verausgabt (§ 10 Abs. 1 Satz 6 UStG). Beispiel Ein Architekt verauslagt im Namen und für Rechnung eines Auftraggebers (Bauherrn) Gebühren für die Baubewilligung. Der Bauherr erstattet ihm den Betrag. Die Gebühren sind ein durchlaufender Posten. Wird das Entgelt in ausländischer Währung entrichtet, so ist eine Umrechnung in € erforderlich. Die Umrechnung hat grundsätzlich nach den Durchschnittskursen des Monats zu erfolgen, in dem die Leistung ausgeführt wird (§ 16 Abs. 6 UStG). Die Durchschnittskurse werden vom Bundesministerium der Finanzen monatlich im BStBl Teil I veröffentlicht. Das Finanzamt kann eine Umrechnung zum Tageskurs gestatten, wenn die einzelnen Beträge durch Bankabrechnung belegt werden. Beim Tausch und bei tauschähnlichen Umsätzen34 gilt der Wert jedes Umsatzes als Entgelt für den anderen Umsatz (§ 10 Abs. 2 Satz 2 UStG). Die Umsatzsteuer gehört nicht zum Entgelt (§ 10 Abs. 2 Satz 3 UStG). Da der Wert des Umsatzes nicht näher definiert ist, muss er nach den Regeln des Allgemeinen Teils des BewG ermittelt werden. Nach § 9 BewG ist in derartigen Fällen der gemeine Wert abzüglich der Umsatzsteuer anzusetzen35. Beim Tausch unter Fremden wird grundsätzlich davon ausgegangen, dass Leistung und Gegenleistung einander 33 Vgl. Abschn. 10.2 Abs. 7 UStAE. 34 Hinsichtlich dieser Begriffe s. Gliederungspunkt 3.2.4.5. 35 Vgl. Teil III, Gliederungspunkt 3.2.5 und Teil IV, Gliederungspunkt 2.4. 3 Umsatzsteuer 439 wertmäßig entsprechen - zumindest nach dem subjektiven Empfinden der Vertragspartner. Beim Tausch mit Baraufgabe36 ist die Zuzahlung des einen Vertragspartners bei Ermittlung des Entgelts des anderen zu berücksichtigen. Verdeckte Preisnachlässe mindern das Entgelt. Beispiel Autohändler A liefert Rechtsanwalt R einen Pkw im Wert von 85.000 € (ohne Umsatzsteuer). R gibt seinen bisherigen Pkw mit 10.000 € in Zahlung, den Rest zahlt er bar. Der gemeine Wert des gebrauchten Pkw beträgt a) 10.000 €, b) 5.000 €. Es ist ein Tausch mit Baraufgabe gegeben. Das Entgelt des A beträgt im Fall a) (10.000 + 75.000 =) 85.000 €, das Entgelt für die Lieferung des R 10.000 €. Im Fall b) mindert sich das Entgelt des A um den verdeckten Preisnachlass von (10.000 ./. 5.000 =) 5.000 € auf 80.000 €. Das Entgelt des R beträgt 5.000 €. 3.4.2.2 Bemessungsgrundlage bei fiktiven Umsätzen Wie bereits ausgeführt, führen Entnahmen des Unternehmers für sich oder sein Personal zu steuerbaren und steuerpflichtigen Umsätzen. Bemessungsgrundlage im Falle derartiger Umsätze und Entnahmen ist nach § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG der Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten für den Gegenstand oder für einen gleichartigen Gegenstand. Liegt kein Einkaufspreis vor, so bilden die Selbstkosten die Bemessungsgrundlage. Sowohl bei Ansatz des Einkaufspreises als auch der Selbstkosten sind nicht die historischen tatsächlichen Preise bzw. Kosten maßgebend, sondern die (fiktiven) zum Zeitpunkt des Umsatzes. Nach h. M. entspricht der Einkaufspreis i. S. d. § 10 Abs. 4 UStG dem Anschaffungspreis (ohne Umsatzsteuer) im einkommensteuerlichen Sinne. Nebenkosten i. S. d. § 10 Abs. 4 UStG entsprechen nach dieser Ansicht den Anschaffungsnebenkosten. Die Summe aus Anschaffungspreis und Nebenkosten entspricht dann den Anschaffungskosten i. S. d. § 6 EStG. Umsatzsteuerlich sind aber nach § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG nicht die Anschaffungskosten anzusetzen, sondern die Anschaffungskosten zum Zeitpunkt des Umsatzes. Es handelt sich also um die Wiederbeschaffungskosten37. Können Anschaffungskosten nicht ermittelt werden, so sind nach § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG die Selbstkosten anzusetzen. Dies ist dann der Fall, wenn der zu bewertende Gegenstand von dem Unternehmer nicht angeschafft, sondern hergestellt worden ist. Nach h. M. ist der Begriff der Selbstkosten nicht im betriebswirtschaftlichen Sinne zu verstehen. Vielmehr soll es sich um die auf den Zeitpunkt des Umsatzes bezogenen Herstellungskosten handeln. Diese werden als Wiederherstellungskosten bezeichnet. Zur Ermittlung der Herstellungskosten und damit auch der Wiederherstellungskosten ist R 6.3 EStR von großer praktischer Bedeutung. Zur Klarstellung sei ausdrücklich darauf hingewiesen, dass auch bei Ermittlung der Herstellungskosten keine Umsatzsteuer anzusetzen ist. 36 Hinsichtlich dieses Begriffs s. Gliederungspunkt 3.2.4.5. 37 Vgl. Abschn. 10.6 Abs. 1 UStAE. 440 Teil V: Verkehrsteuern 3.4.2.3 Mindestbemessungsgrundlage bei Lieferungen und sonstigen Leistungen unter Preis in bestimmten Fällen Bemessungsgrundlage entgeltlicher Lieferungen und sonstiger Leistungen ist gem. § 10 Abs. 1 UStG das Entgelt. Daraus folgt, dass grundsätzlich auch unangemessen hohe oder niedrige Entgelte der Besteuerung zugrunde zu legen sind. Diese Regelung beruht auf dem Gedanken, dass Lieferant und Abnehmer einander grundsätzlich nichts schenken, Leistung und Gegenleistung einander also zumindest nach dem subjektiven Empfinden der Beteiligten entsprechen. Den Grundsatz der Gleichwertigkeit von Leistung und Gegenleistung sieht der Gesetzgeber in den in § 10 Abs. 5 UStG bezeichneten Fällen als gefährdet an. Er geht davon aus, dass hier nicht mit der Leistung des Unternehmers im Zusammenhang stehende Gründe vielfach zu einem unangemessen niedrigen Entgelt führen. Er ordnet deshalb an, dass in den Fällen des § 10 Abs. 5 UStG stets mindestens die sich nach § 10 Abs. 4 UStG bei unentgeltlichen Leistungen ergebende Bemessungsgrundlage (Mindestbemessungsgrundlage) anzusetzen ist. Bei den in § 10 Abs. 5 UStG aufgeführten Leistungen handelt es sich um Lieferungen und sonstige Leistungen, die • Körperschaften und Personenvereinigungen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 bis 5 KStG, nicht rechtsfähige Personenvereinigungen sowie Gemeinschaften an ihre Gesellschafter etc. oder diesen nahestehende Personen, • Einzelunternehmer an ihnen nahestehende Personen, • alle Arten von Unternehmen an ihre Arbeitnehmer oder deren Angehörige ausführen. 3.4.2.4 Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer Bemessungsgrundlage der Einfuhrumsatzsteuer ist nach § 11 Abs. 1 UStG grundsätzlich der Zollwert der eingeführten Gegenstände. Dem Zollwert bzw. dem Entgelt sind die im Ausland entrichteten Beträge an Einfuhrabgaben, Steuern und sonstigen Abgaben hinzuzurechnen (§ 11 Abs. 3 UStG). 3.4.3 Steuersätze Steuerpflichtige Umsätze unterliegen gem. § 12 Abs. 1 UStG grundsätzlich einem Normalsteuersatz (Normal- oder Regelsteuersatz). Dieser beträgt seit Beginn des Jahres 2007 19 %. In den Jahren davor hatte er zuletzt 16 % betragen38. Für die in § 12 Abs. 2 UStG aufgeführten Umsätze sieht das Gesetz aber einen ermäßigten Steuersatz vor. Dieser beträgt seit dem Jahre 1983 7 %. Nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG unterliegen dem ermäßigten Steuersatz die Lieferungen, die Einfuhr und der innergemeinschaftliche Erwerb der in der Anlage 2 zum UStG bezeichneten Gegenstände. In dieser Anlage sind insbesondere aufgeführt • eine Vielzahl von Lebensmitteln, 38 Vgl. Gliederungspunkt 3.1. 3 Umsatzsteuer 441 • Holz - als Brennholz u. ä., • Waren des Buchhandels, Zeitschriften und Erzeugnisse des graphischen Gewerbes, • Kunstgegenstände und Sammlungsstücke. Von der Steuerbegünstigung des § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG ausgenommen sind die Lieferungen von Speisen und Getränken zum Verzehr an Ort und Stelle39. Nicht begünstigt sind demnach die Umsätze im Gaststättengewerbe. § 12 Abs. 2 Nr. 2 UStG stellt eine Ergänzung zu Nr. 1 dieser Vorschrift dar. Begünstigt ist auch die Vermietung der in der Anlage zum UStG aufgeführten Gegenstände. Dem ermä- ßigten Steuersatz unterliegen nach § 12 Abs. 2 Nr. 7 UStG bestimmte Leistungen im kulturellen Bereich, ferner die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben. Begünstigt ist demnach auch die schriftstellerische Tätigkeit, einschließlich der der freiberuflichen Journalisten40. Begünstigt ist nach § 12 Abs. 2 Nr. 10 UStG u. a. die Beförderung von Personen im Personennahverkehr einschließlich der Beförderung mit Taxen sowie mit Schiffen im genehmigten Linienverkehr und mit Fähren. Begünstigt sind gem. § 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG seit dem Jahre 2010 auch Übernachtungen im Beherbergungsgewerbe. Die Steuersätze von 19 % bzw. 7 % sind auf die Bemessungsgrundlage anzuwenden. Die auf den Bruttobetrag, d. h. die Bemessungsgrundlage zuzüglich der Umsatzsteuer, bezogenen Prozentsätze sind entsprechend niedriger. Sie betragen 15,97 % bzw. 6,54 %41. 3.4.4 Aufgaben 7 und 8 Aufgabe 7 Die „International Constructions AG“ (IC) mit Sitz in Frankfurt entwickelt einen neuen Typ windbetriebener Kraftwerke mit der Markenbezeichnung „Giant“. Als Entwicklungsbeihilfe erhält die Gesellschaft von mehreren staatlichen Stellen insgesamt 1.500.000 €. Ihren Plan, drei derartige Kraftwerke auf Dächern der Frankfurter City zu installieren, muss sie mangels Nachfrage aufgeben. Nach langen vergeblichen Verkaufsanstrengungen gelingt es ihr schließlich, die Husumer „Wind-GmbH“ (W) für den Bau eines Kraftwerkes auf der Hallig Hooge zu gewinnen. Sie liefert ein Kraftwerk mit einem Rechnungsbetrag von 20 Mio € plus 3,8 Mio € Mehrwertsteuer im Januar des Jahres 1 und erhält wenig später eine Gutschrift auf ihrem Bankkonto von 10 Mio €. Im April des Jahres 1 stellt W die Zahlungen ein. Ihr Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wird vom zuständigen Gericht mangels Masse abgelehnt. Resigniert beschließt der Vorstand der IC, „Giant“ aus dem Angebotsprogramm zu streichen. Die IC erwirbt nunmehr von einem dänischen Konkurrenzunternehmen eine Lizenz zum Bau kleiner Windkraftwerke. Bereits im Herbst des Jahres 1 gelingt es ihr, zehn dieser 39 Vgl. BMF-Schreiben vom 5.8.2004, IV B 7 - S 7220 - 46/04, BStBl 2004 I, S. 638 und BMF-Schreiben vom 16.10.2008, IV B 8 - S 7100/07/10050, BStBl 2008 I, S. 949. 40 Vgl. Abschn. 12.7 Absätze 9 und 10 UStAE. 41 Die exakten Prozentsätze lauten: 0,19 ⋅ 100 1,19 = 15,9664 bzw. 0,07 ⋅ 100 1,07 = 6,54206. 442 Teil V: Verkehrsteuern Kraftwerke zum Stückpreis von 50.000 € (netto) im Inland zu installieren. Noch vor Jahresende werden die Rechnungen von den Abnehmern unter Abzug von insgesamt netto 12.000 € Skonti beglichen. Der Vorstand der IC ist der Ansicht, dass die Gesellschaft im Jahre 1 für die Lieferung von Windkraftwerken keine Umsatzsteuer zu entrichten habe. Zur Begründung führt er aus, dass die IC durch die Entwicklung von Giant und den Verkauf eines Exemplars an W insgesamt 30 Mio € Verluste erlitten habe. In den Folgejahren will der Vorstand der IC die steuerbaren Umsätze um die an das dänische Unternehmen zu zahlenden Lizenzgebühren kürzen. Er ist der Ansicht, bei den Lizenzgebühren handle es sich um durchlaufende Posten. Die Lizenzgebühren sollen in den Rechnungen an die Abnehmer der Kraftwerke jeweils gesondert aufgeführt werden. Unmittelbare Rechtsbeziehungen zwischen dem dänischen Unternehmen und den einzelnen Abnehmern sollen nicht hergestellt werden. Es sind die umsatzsteuerlichen Folgen des geschilderten Sachverhalts bei IC zu untersuchen. Aufgabe 8 Alexandra Buthenschön (B), wohnhaft in Jülich, ist Inhaberin eines Kosmetiksalons. Anlässlich einer Außenprüfung stellt ein Betriebsprüfer u. a. folgende umsatzsteuerlich nicht erfassten Sachverhalte fest: a) B hat im Laufe des Prüfungszeitraums wiederholt Parfüms, Seifen, Haarwaschmittel und Rasierwasser mit nach Hause genommen. Der Prüfer schätzt den Einkaufspreis dieser Wirtschaftsgüter auf insgesamt 10.000 € und die Nebenkosten auf 500 €. Etwa die Hälfte der Wirtschaftsgüter hat B an Freunde und Verwandte verschenkt, den Rest hat sie selbst verbraucht. b) Ihren Angestellten hat B Waren für insgesamt 2.000 € verkauft. Umsatzsteuer hat sie nicht in Rechnung gestellt, da sie der Ansicht ist, dass dies bei Verkäufen an Angestellte nicht nötig sei. Der Einkaufspreis dieser Waren beträgt 6.000 €, der Teilwert zum Zeitpunkt des Verkaufs 6.500 €. c) Neun besonders guten Kundinnen hat B anlässlich des zehnjährigen Bestehens ihres Geschäftes je eine kleine Flasche eines exklusiven Pariser Parfüms geschenkt. Die Anschaffungskosten jeder dieser Flaschen betragen 90 €, ihr eigener Verkaufspreis beträgt 180 €. Untersuchen Sie die umsatzsteuerlichen Folgen der geschilderten Sachverhalte. Nehmen Sie anschließend zu der Frage Stellung, ob die Sachverhalte anders zu beurteilen sind, wenn B ihren Salon in der Rechtsform einer GmbH betreibt. 3.5 Vorsteuerabzug 3.5.1 Allgemeine Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs Durch den Vorsteuerabzug wird die auf der Vorumsatzstufe eingetretene umsatzsteuerliche Belastung rückgängig gemacht. Die Umsätze eines Unternehmers sind dadurch letztlich nur mit der Steuer belastet, die sich aus der Anwendung des maßgeblichen Steuersatzes auf diese Umsätze ergibt. Die Belastung des Umsatzes an einen Endverbraucher soll nach dem Grundgedanken des UStG erhalten bleiben. § 15 Abs. 1 UStG knüpft die Berechtigung zum

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.