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8.7 Aufgaben 24 und 25 in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 374 - 375

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_374

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8 Besteuerung der Renten und Raten im betrieblichen Bereich 345 Eine Ausnahme besteht nach H 16 Abs. 11 EStH und der dort angegebenen BFH- Rechtsprechung nur dann, wenn die Raten während eines Zeitraums von mehr als 10 Jahren zu zahlen sind und die Ratenvereinbarung eindeutig die Absicht des Veräußerers zum Ausdruck bringt, sich eine Versorgung zu verschaffen. Die Ausführungen in H 16 Abs. 11 EStH sind insofern unverständlich, als nach ständiger Rechtsprechung die Vereinbarung von Kaufpreisraten mit mehr als zehnjähriger Laufzeit mit der Absicht der Versorgungssicherung nicht als eine Raten-, sondern als eine Rentenvereinbarung angesehen wird. Wie bereits unter Gliederungspunkt 8.2.3.2 ausgeführt, besteht bei betrieblichen Veräußerungszeitrenten ein Wahlrecht in der Art, wie es nach H 16 Abs. 11 EStH für Ratenvereinbarungen mit mehr als zehnjähriger Laufzeit gelten soll. 8.7 Aufgaben 24 und 25 Aufgabe 24 Der fünfzigjährige Spezialitätenhändler Siebert (S) veräußert zum 31.12. des Jahres 1 sein Einzelhandelsgeschäft an die X-GmbH. Seine Bilanz zum 31.12.1 hat folgendes Aussehen (stark vereinfacht dargestellt): Aktiva Bilanz am 31.12.1 Passiva € € € Anlagevermögen 120.000 Eigenkapital Umlaufvermögen 101.556 Stand 1.1.1 151.556 + Gewinn +120.000 271.556 ./. Barentnahmen ./.170.000 Stand 31.12.1 101.556 101.556 Verbindlichkeiten 120.000 221.556 221.556 S erhält von der X-GmbH 120.000 € bar und eine Leibrentenzusage über 2.100 € monatlich. Verbindlichkeiten übernimmt die X-GmbH nicht. Das Anlagevermögen (ohne originäre immaterielle Wirtschaftsgüter) hat zum Veräußerungszeitpunkt einen Teilwert von 250.000 €, das Umlaufvermögen von 110.000 €. Ohne Berücksichtigung der Veräußerungsfolgen beträgt das zu versteuernde Einkommen des S im Jahr 1 251.532 €. Erörtern Sie die buch- und bilanzmäßigen sowie die ertragsteuerlichen Folgen des vorstehenden Sachverhaltes bei S und der X-GmbH. Konkrete Steuerschulden sollen nicht berechnet werden. Aus Vereinfachungsgründen soll davon ausgegangen werden, dass der nach versicherungsmathematischen Grundsätzen ermittelte Rentenbarwert dem Barwert nach § 14 BewG entspricht. Aufgabe 25 Wie Aufgabe 24, jedoch übernimmt die X-GmbH nunmehr zusätzlich die in der Bilanz des S ausgewiesenen Verbindlichkeiten. Teil IV: Bewertungsgesetz und Substanzsteuern 1 Vorbemerkungen Der vorliegende Teil des Buches behandelt das Bewertungsgesetz (BewG) und das Recht der Substanzsteuern. Für die Substanzsteuern enthält das BewG die Bewertungsgrundlagen; diese sind für alle Substanzsteuern gemeinsam im BewG zusammengefasst. Darüber hinaus kann das BewG in Einzelfällen aber auch Bedeutung für alle anderen Steuerarten haben. Hierauf wird noch näher einzugehen sein1. Als Substanzsteuern werden in der Betriebswirtschaftlichen Steuerlehre traditionell die Gewerbekapitalsteuer, die Grundsteuer, die Erbschaft- und Schenkungsteuer sowie die Vermögensteuer bezeichnet. Gemeinsam ist diesen Steuerarten, dass sie die (Vermögens-)Substanz besteuern. Das bedeutet, sie knüpfen an Rohoder Reinvermögensgrößen an. Sie sind also unabhängig von der Erzielung von Einkünften zu zahlen. Für den einzelnen Steuerschuldner kann dieser Sachverhalt zu ernsten Liquiditätsproblemen führen. Während der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts hat es im Bereich der Substanzbesteuerung radikale Veränderungen gegeben. Hervorgerufen worden sind sie durch zwei grundlegende Beschlüsse des Bundesverfassungsgerichts vom Juni 19952. Mit diesen hat das Bundesverfassungsgericht die damalige Bewertung von Grundstücken bei der Vermögens- sowie bei der Erbschaft- und Schenkungsteuer mit den sog. „Einheitswerten“ für verfassungswidrig erklärt. Diese Werte beruhen auf den Wertverhältnissen vom 1.1.1964. Infolge exorbitanter Preissteigerungen im Immobilienbereich während der vorangegangenen Jahrzehnte betrugen diese Einheitswerte Mitte der neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts oft nur noch rd. 10 % ihrer Verkehrswerte. Andere Wirtschaftsgüter, insbesondere Wertpapiere, waren hingegen mit ihren Verkehrswerten zum jeweiligen Bewertungsstichtag anzusetzen. Hierdurch ergaben sich extreme Verzerrungen zwischen den Wertansätzen im Immobilienbereich einerseits und den meisten anderen Wirtschaftsgütern andererseits. Mit seinen beiden Beschlüssen zur Vermögen- bzw. zur Erbschaft- und Schenkungsteuer machte es das Bundesverfassungsgericht dem Gesetzgeber zur Auflage, diese Steuerarten spätestens bis zum Ablauf des Jahres 1996 verfassungskonform zu reformieren. Dieser Auflage ist der Gesetzgeber im Jahressteuergesetz 1997 für die Erbschaft- und Schenkungsteuer, und zwar rückwirkend ab 1.1.1996, nachgekommen, für die Vermögensteuer hingegen nicht. Hinsichtlich der Vermögensteuer hat dies zur Folge, dass das VStG zwar unverändert existiert, für Veranlagungszeiträume ab 1997 aber nicht mehr angewendet werden 1 Vgl. Gliederungspunkt 2.2. 2 BVerfG-Beschluss vom 22.6.1995, 2 BvL 37/91, BStBl 1995 II, S. 655 und BVerfG-Beschluss vom 22.6.1995, 2 BvR 552/91, BStBl 1995 II, S. 671.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

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Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.