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5 Bilanzberichtigung und Bilanzänderung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 337 - 339

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_337

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5 Bilanzberichtigung und Bilanzänderung Nach § 4 Abs. 2 Satz 1 erster Halbsatz EStG darf der Steuerpflichtige die Bilanz auch nach ihrer Einreichung beim Finanzamt ändern, soweit sie nicht den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung und den Vorschriften des EStG entspricht. Die Vorschrift setzt somit eine fehlerhafte Bilanz voraus. Sie ermöglicht es dem Steuerpflichtigen, die Bilanz zu berichtigen. Man spricht in derartigen Fällen von einer Bilanzberichtigung. Sind durch die fehlerhafte Bilanz Steuereinnahmen verkürzt worden, so ist der Steuerpflichtige nach § 153 AO verpflichtet, dem Finanzamt den Fehler nach seiner Aufdeckung anzuzeigen. Beispiel Der Bilanzbuchhalter einer GmbH stellt fest, dass die im abgelaufenen Wirtschaftsjahr neu angeschafften Computer im Wert von jeweils 1.700 € fälschlicherweise als geringwertige Wirtschaftsgüter behandelt und vollständig abgeschrieben worden sind. Die Steuerbilanz ist dem Finanzamt bereits eingereicht worden, ein Steuerbescheid ist jedoch noch nicht ergangen. Die GmbH muss eine Mitteilung nach § 153 AO vornehmen, da es sich nicht um sofort als Aufwand zu verbuchende geringwertige Wirtschaftsgüter (Anschaffungskostengrenze von 410 €) handelt. Der fehlerhafte Bilanzansatz ist zu berichtigen. Eine Bilanzberichtigung ist nach § 6 Abs. 2 Satz 1 zweiter Halbsatz EStG dann weder erforderlich noch zulässig, wenn die Bilanz einer Steuerfestsetzung zugrunde liegt, die nicht mehr aufgehoben oder geändert werden kann. Ist eine dem Finanzamt eingereichte Bilanz nicht fehlerhaft, so darf sie nach § 4 Abs. 2 Satz 2 EStG nur dann geändert werden, wenn diese Bilanzänderung in einem engen zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit einer Bilanzberichtigung steht. Die Änderung darf nur insoweit vorgenommen werden, wie die Auswirkung der Bilanzberichtigung reicht. Beispiel Ende des Jahres 2 wechselt der Einzelgewerbetreibende G seinen Steuerberater. Im Rahmen seiner Einarbeitung stellt dieser hinsichtlich des Jahresabschlusses des G für das Jahr 1 Folgendes fest: 1. G hat auf Wertpapiere eine außerplanmäßige Abschreibung bzw. Teilwertabschreibung i. H. v. 4.000 € vorgenommen, obwohl weder nach Handels- noch nach Steuerrecht ein Grund für eine derartige Abschreibung bestanden hat. 2. G hätte auf eine im Jahre 1 angeschaffte Maschine eine Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG i. H. v. maximal 6.000 € vornehmen können. Die Voraussetzungen für eine derartige Sonderabschreibung waren eindeutig erfüllt. Aus Unkenntnis hat G keine derartige Abschreibung vorgenommen. 3. G hat den Jahresabschluss für das Jahr 1 Ende Oktober des Jahres 2 dem Finanzamt gemeinsam mit seiner Einkommen- und Gewerbesteuererklärung eingereicht. Das Finanzamt hat noch keine Veranlagung durchgeführt. Der Steuerberater informiert G über die von ihm festgestellten Sachverhalte. Hinsichtlich des Postens „Wertpapiere“ ist der Jahresabschluss des G für das Jahr 1 falsch. G muss hinsichtlich dieses Postens nach § 4 Abs. 2 Satz 1 EStG eine Bilanzberichtigung vornehmen. Hinsichtlich des Postens „Maschinen“ ist die Bilanz hingegen richtig. Ein Grund für eine Bilanzberichtigung besteht insoweit nicht. Allerdings kann G hinsichtlich des Postens „Maschinen“ nach § 4 Abs. 2 Satz 2 EStG eine Bilanzänderung vornehmen. Mit dieser kann er die Gewinnerhöhung aufgrund der Bilanzberichtigung kompensieren. Er kann also bis zu einer Höhe von 4.000 € eine 5 Bilanzberichtigung und Bilanzänderung 309 Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG vornehmen. Eine darüber hinausgehende Sonderabschreibung hingegen ist unzulässig. Die bisherigen Ausführungen lassen sich wie folgt zusammenfassen: • Bilanzberichtigung bedeutet die Korrektur einer fehlerhaften Bilanz. • Bilanzänderung bedeutet Ersatz eines zulässigen Bilanzansatzes durch einen anderen ebenfalls zulässigen Bilanzansatz. • Eine Bilanzänderung kann nur zur Kompensation der Gewinnauswirkungen einer Bilanzberichtigung vorgenommen werden. 6 Aufgaben 1 - 16 Aufgabe 1 Der Gewerbetreibende Ludwig Martin (L. M.) bezieht im Juni des Jahres 1 eine Maschine aus den USA zum Nettokaufpreis von 200.000 €. Im Zusammenhang mit diesem Erwerbsvorgang fallen folgende weitere Kosten an: € Frachtkosten ab Werk 3.000 Zoll 10.000 Einfuhrumsatzsteuer 38.000 Betonfundament für die Maschine (direkt zurechenbar): • Erdarbeiten 1.000 • Betonguss 2.500 • Elektroanschluss 500 Die Bezahlung des Kaufpreises erfolgt durch Wechsel, die der übrigen Kosten durch Scheck bzw. bar. In der Wechselsumme von 226.000 € sind Wechseldiskont und -spesen von 26.000 € enthalten. Die durch die Kaufverhandlungen angefallenen allgemeinen Verwaltungskosten betragen 3.000 €. Da L. M. von der Lieferfirma bereits mehrere Maschinen bezogen hat, erhält er Ende des Jahres 1 5 % des Warenbezuges in Höhe von 3.000.000 € (= 150.000 €) als Bonus vergütet. L. M. kann die Einfuhrumsatzsteuer gem. § 15 Abs. 1 Nr. 2 UStG von seiner Umsatzsteuerschuld abziehen. Die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer der Maschine beträgt 10 Jahre. Es sind die Anschaffungskosten und der Bilanzansatz der Maschine zum Bilanzstichtag (31.12.1) unter der Voraussetzung zu ermitteln, dass L. M. einen möglichst geringen Gewinnausweis wünscht. Die Voraussetzungen des § 7g EStG sind nicht erfüllt. Aufgabe 2 In dem Betriebsabrechnungsbogen (BAB) eines Industriebetriebes sind für das Jahr 1 folgende Kosten ausgewiesen: Kosten lt. BAB Mio € Mio € Rohstoffe 200 Hilfs- u. Betriebsstoffe 20 Lagerhaltung, Materialtransport und Prüfung einschließlich der hierunter fallenden Personalkosten 20 Löhne und Gehälter des Fertigungsbereichs: • Fertigungslöhne 150 • Hilfslöhne 40 • Gehälter 50 240 Dem Fertigungsbereich zurechenbare Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung: • auf die Fertigungslöhne entfallend 30 • auf die Hilfslöhne entfallend 8 • auf die Gehälter entfallend 10 48 528

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.