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4.1 Einführung in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 333 - 333

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_333

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4 Entstrickung und Verstrickung stiller Reserven 4.1 Einführung § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG enthält einen allgemeinen Entstrickungs- und Satz 8 derselben Vorschrift einen allgemeinen Verstrickungstatbestand. Die genannten Vorschriften werden ergänzt durch § 12 Abs. 1 KStG. Unter Entstrickung wird im Schrifttum ein Vorgang verstanden, durch den stille Reserven eines Wirtschaftsgutes der deutschen Besteuerung entzogen werden122. Entsprechend ist unter Verstrickung ein Vorgang zu verstehen, durch den stille Reserven in den Bereich der deutschen Steuerhoheit gelangen. Nachfolgend wird zunächst auf den Entstrickungs-, anschließend auf den Verstrickungstatbestand eingegangen. 4.2 Entstrickung 4.2.1 Tatbestand und Bewertung Wie bereits ausgeführt, ist der Entstrickungstatbestand in § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG geregelt. Nach dieser Rechtsnorm steht der Ausschluss oder die Beschränkung des Besteuerungsrechts der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung oder der Nutzung eines Wirtschaftsguts einer Entnahme für betriebsfremde Zwecke gleich. Dies bedeutet, dass ein Vorgang, der den Ausschluss oder die Beschränkung des Besteuerungsrechts der Bundesrepublik Deutschland zur Folge hat, steuerlich in gleicher Weise wie eine Privatentnahme zu behandeln ist. Dies hat zur Folge, dass nunmehr die stillen Reserven aufzudecken und zu versteuern sind. Anzusetzen ist das zu bewertende Wirtschaftsgut bzw. die fingierte Nutzenentnahme nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 zweiter Halbsatz EStG mit dem gemeinen Wert. Während eine „normale“ Privatentnahme nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 erster Halbsatz EStG mit dem Teilwert zu bewerten ist, hat also im Falle einer Entstrickung ein Ansatz zum gemeinen Wert i. S. d. § 9 BewG zu erfolgen. Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das der deutschen Besteuerung entzogen wird, so ergeben sich die aufzudeckenden stillen Reserven als die Differenz aus dem gemeinen Wert des Wirtschaftsgutes und seinem Buchwert. Beispiel Ein Gewerbetreibender überführt eine Maschine aus seinem Stammwerk in Aachen in sein Zweigwerk in Lüttich (Belgien). Die Maschine soll fortan von dem belgischen Zweigwerk genutzt werden. Der Buchwert der Maschine beträgt 100.000 €, der gemeine Wert 150.000 €. Durch die Überführung der Maschine aus dem Aachener Stammwerk in das Zweigwerk in Lüttich wird der Entstrickungstatbestand des § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG erfüllt. Es sind nunmehr die stillen Reserven i. H. d. Differenz zwischen dem gemeinen Wert und dem Buchwert der Maschine aufzu- 122 Vgl. statt vieler Förster, G., Rechtsänderungen, 2007, S. 72 m. w. N.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.