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3.10 Zusammenfassende Darstellung der Bewertungsvorschriften in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 330 - 333

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_330_1

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3 Bewertung 301 unter der Voraussetzung, dass die Besteuerung der stillen Reserven zu einem späteren Zeitpunkt gewährleistet ist. Dies ist insbesondere dann nicht der Fall, wenn das Wirtschaftsgut in ein ausländisches Betriebsvermögen überführt wird. Hierauf wird an späterer Stelle näher eingegangen121. Wird ein einzelnes Wirtschaftsgut im Wege des Tausches von einem anderen Steuerpflichtigen für betriebliche Zwecke erworben, so hat der erwerbende Steuerpflichtige dieses Wirtschaftsgut nach § 6 Abs. 6 EStG mit fiktiven Anschaffungskosten zu bewerten. Diese fiktiven Anschaffungskosten bemessen sich nach Satz 1 der genannten Vorschrift nach dem gemeinen Wert (§ 9 BewG) des von dem Erwerber im Tausch hingegebenen Wirtschaftsgutes. Dies bedeutet, dass bei einem Tausch die stillen Reserven aufzudecken sind. 3.9 Bewertung der Rechnungsabgrenzungsposten Die Bewertung der Rechnungsabgrenzungsposten ist äußerst einfach vorzunehmen: Es sind jeweils die Ausgaben bzw. Einnahmen vor dem Abschlussstichtag, die Aufwand bzw. Ertrag für eine bestimmte Zeit nach dem Stichtag darstellen, anzusetzen. Dies entspricht der handelsbilanziellen Bewertung. Beispiel Ein Gewerbetreibender (G) zahlt am 31.12. des Jahres 1 Zinsen i. H. v. 6.000 €. Hiervon entfallen 1.000 € auf den Monat Januar des Jahres 2. G hat einen aktiven Rechnungsabgrenzungsposten in Höhe von 1.000 € in seiner Bilanz zum 31.12. des Jahres 1 auszuweisen. 3.10 Zusammenfassende Darstellung der Bewertungsvorschriften In Abbildung III/6 sind für die einzelnen Wirtschaftsgüter und Schulden die Bewertungsgrundsätze und die abweichenden Wertansätze dargestellt. Die Tabelle enthält außerdem die Bewertung der Entnahmen und Einlagen, des entgeltlichen und unentgeltlichen Erwerbs eines Betriebes sowie der Übertragung einzelner Wirtschaftsgüter. 121 Vgl. Gliederungspunkt 4. 302 Teil III: Steuerbilanzen Wirtschaftsgüter (WG) bzw. Sachverhalte Bewertungsgrundsatz Abweichender niedrigerer (bei Verbindlichkeiten: höherer) Wertansatz Abweichender höherer (bei Verbindlichkeiten: niedrigerer) Wertansatz I. WG des abnutzbaren Anlagevermögens AK oder HK abzüglich Absetzungen nach § 7 EStG ggf. auch abzüglich erhöhter Absetzungen oder Sonderabschreibungen anstelle oder neben Absetzungen nach § 7 EStG (fortgeschriebene AK oder HK, § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG) Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung Wahlrecht zum Ansatz des niedrigeren TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG), Zwischenwerte zulässig Bei vorausgegangener TW-Abschreibung Zuschreibungsgebot auf fortgeschriebene AK oder HK i. S. d. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG, es sei denn, es wird niedrigerer TW zum Bilanzstichtag nachgewiesen (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG) II. Geringwertige WG des Anlagevermögens AK oder HK abzüglich Absetzungen (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 i. V. m. § 7 EStG) Wahlweise vollständige Verbuchung als Aufwand im Jahr der Anschaffung oder Herstellung (§ 6 Abs. 2 EStG). Bei WG i. S. d. § 6 Abs. 2a EStG wahlweise Verteilung des AfA-Volumens gleichmäßig über 5 Jahre Wie andere Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens (s. I.), Zuschreibungen nach vorangegangener Vollabschreibung gem. § 6 Abs. 2 EStG unzulässig III. WG des nichtabnutzbaren Anlagevermögens AK oder HK (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG) Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung Wahlrecht zum Ansatz des niedrigeren TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG), Zwischenwerte zulässig Bei vorausgegangener TW-Abschreibung Zuschreibungsgebot auf AK oder HK, es sei denn, es wird niedrigerer TW zum Bilanzstichtag nachgewiesen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 i. V. m. Nr. 1 Satz 4 EStG) IV. WG des Umlaufvermögens AK oder HK (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG) Bei voraussichtlich dauernder Wertminderung Wahlrecht zum Ansatz des niedrigeren TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG), Zwischenwerte zulässig Bei vorausgegangener TW-Abschreibung Zuschreibungsgebot auf AK oder HK, es sei denn, es wird niedrigerer TW zum Bilanzstichtag nachgewiesen (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 i. V. m. Nr. 1 Satz 4 EStG) V. Verbindlichkeiten AK = Rückzahlungsbetrag (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 u. 3 EStG). Abzinsung bei unverzinslichen Verbindlichkeiten mit Restlaufzeiten von mindestens 12 Monaten, sofern Verbindlichkeit nicht auf Anzahlung oder Vorausleistung beruht Bei voraussichtlich dauernder Werterhöhung Wahlrecht zum Ansatz des höheren TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 u. 3 EStG) Bei vorausgegangener Erhöhung des Wertansatzes auf höheren TW nunmehr Zwang zum Ansatz des niedrigeren (abgezinsten) Rückzahlungsbetrags, es sei denn, es wird höherer TW am Bilanzstichtag nachgewiesen VI. Rückstellungen Keine systematische Unterscheidung zwischen Bewertungsgrundsatz und abweichenden Wertansätzen erkennbar. Rückstellungen sind “höchstens“ und „insbesondere“ nach den in § 6 Abs. 1 Nr. 3a EStG aufgeführten Grundsätzen zu bewerten 3 Bewertung 303 Wirtschaftsgüter (WG) bzw. Sachverhalte Bewertungsgrundsatz Abweichender niedrigerer (bei Verbindlichkeiten: höherer) Wertansatz Abweichender höherer (bei Verbindlichkeiten: niedrigerer) Wertansatz VII. Privatentnahmen TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 EStG), Sonderregelung für private Kfz- Nutzung (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Sätze 2 u. 3 EStG) In Ausnahmefällen Ansatz zum Buchwert zulässig — VIII. Privateinlagen, Betriebseröffnung TW (§ 6 Abs. 1 Nr. 5 bzw. Nr. 6 EStG) Zwang zum Ansatz der niedrigeren AK oder HK, wenn die Anschaffung oder Herstellung innerhalb der letzten 3 Jahre erfolgt ist oder eine Beteiligung i. S. d. § 17 EStG an einer Kapitalgesellschaft eingebracht wird (§ 6 Abs. 1 Nrn. 5 und 6 EStG) — IX. Entgeltlicher Erwerb eines Betriebs oder Teilbetriebs TW, höchstens aber AK oder HK (§ 6 Abs. 1 Nr. 7 EStG) — X. Unentgeltliche Übertragung eines Betriebs, Teilbetriebs oder Mitunternehmeranteils Bindung des Übernehmers zum Zeitpunkt der Übernahme an die nach den Vorschriften über die steuerliche Gewinnermittlung ermittelten Werte des Übertragenden (§ 6 Abs. 3 EStG) Zum Zeitpunkt der Übernahme keine abweichenden Wertansätze zulässig. Anschließend gelten für den Übernehmer die allgemeinen Grundsätze über die steuerliche Gewinnermittlung XI. Unentgeltliche Übertragung eines einzelnen WG aus dem BV eines Steuerpflichtigen in das BV eines anderen Steuerpflichtigen Gemeiner Wert gilt als AK (§ 6 Abs. 4 EStG) — XII. Überführung eines einzelnen WG aus einem BV in ein anderes BV desselben Steuerpflichtigen Übernahme zum bisherigen Buchwert (§ 6 Abs. 5 EStG) Höherer TW, wenn Besteuerung der übertragenen stillen Reserven zu einem späteren Zeitpunkt nicht gesichert (§ 6 Abs. 5 Satz 1 EStG) XIII. Erwerb eines WG im Wege des Tausches Fiktive AK, die sich nach gemeinem Wert des Wirtschaftsgutes bemessen (§ 6 Abs. 6 EStG) — Verwendete Abkürzungen: AK = Anschaffungskosten BV = Betriebsvermögen HK = Herstellungskosten TW = Teilwert WG =Wirtschaftsgüter Abbildung III/6: Übersicht über die Bewertungsregeln 4 Entstrickung und Verstrickung stiller Reserven 4.1 Einführung § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG enthält einen allgemeinen Entstrickungs- und Satz 8 derselben Vorschrift einen allgemeinen Verstrickungstatbestand. Die genannten Vorschriften werden ergänzt durch § 12 Abs. 1 KStG. Unter Entstrickung wird im Schrifttum ein Vorgang verstanden, durch den stille Reserven eines Wirtschaftsgutes der deutschen Besteuerung entzogen werden122. Entsprechend ist unter Verstrickung ein Vorgang zu verstehen, durch den stille Reserven in den Bereich der deutschen Steuerhoheit gelangen. Nachfolgend wird zunächst auf den Entstrickungs-, anschließend auf den Verstrickungstatbestand eingegangen. 4.2 Entstrickung 4.2.1 Tatbestand und Bewertung Wie bereits ausgeführt, ist der Entstrickungstatbestand in § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG geregelt. Nach dieser Rechtsnorm steht der Ausschluss oder die Beschränkung des Besteuerungsrechts der Bundesrepublik Deutschland hinsichtlich des Gewinns aus der Veräußerung oder der Nutzung eines Wirtschaftsguts einer Entnahme für betriebsfremde Zwecke gleich. Dies bedeutet, dass ein Vorgang, der den Ausschluss oder die Beschränkung des Besteuerungsrechts der Bundesrepublik Deutschland zur Folge hat, steuerlich in gleicher Weise wie eine Privatentnahme zu behandeln ist. Dies hat zur Folge, dass nunmehr die stillen Reserven aufzudecken und zu versteuern sind. Anzusetzen ist das zu bewertende Wirtschaftsgut bzw. die fingierte Nutzenentnahme nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 zweiter Halbsatz EStG mit dem gemeinen Wert. Während eine „normale“ Privatentnahme nach § 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 erster Halbsatz EStG mit dem Teilwert zu bewerten ist, hat also im Falle einer Entstrickung ein Ansatz zum gemeinen Wert i. S. d. § 9 BewG zu erfolgen. Handelt es sich um ein Wirtschaftsgut, das der deutschen Besteuerung entzogen wird, so ergeben sich die aufzudeckenden stillen Reserven als die Differenz aus dem gemeinen Wert des Wirtschaftsgutes und seinem Buchwert. Beispiel Ein Gewerbetreibender überführt eine Maschine aus seinem Stammwerk in Aachen in sein Zweigwerk in Lüttich (Belgien). Die Maschine soll fortan von dem belgischen Zweigwerk genutzt werden. Der Buchwert der Maschine beträgt 100.000 €, der gemeine Wert 150.000 €. Durch die Überführung der Maschine aus dem Aachener Stammwerk in das Zweigwerk in Lüttich wird der Entstrickungstatbestand des § 4 Abs. 1 Satz 3 EStG erfüllt. Es sind nunmehr die stillen Reserven i. H. d. Differenz zwischen dem gemeinen Wert und dem Buchwert der Maschine aufzu- 122 Vgl. statt vieler Förster, G., Rechtsänderungen, 2007, S. 72 m. w. N.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

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Die Schwerpunkte im Überblick

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* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.