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3.3 Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 290 - 295

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_290

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3 Bewertung 261 3.3 Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens 3.3.1 Grundsätzliche Regelung des § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG regelt die ertragsteuerliche Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens. Dort heißt es: „Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens, die der Abnutzung unterliegen, sind mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten oder dem an deren Stelle tretenden Wert, vermindert um die Absetzungen für Abnutzung, erhöhte Absetzungen, Sonderabschreibungen, Abzüge nach § 6b und ähnliche Abzüge, anzusetzen. Ist der Teilwert auf Grund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger, so kann dieser angesetzt werden... Wirtschaftsgüter, die bereits am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres zum Anlagevermögen des Steuerpflichtigen gehört haben, sind in den folgenden Wirtschaftsjahren gemäß Satz 1 anzusetzen, es sei denn, der Steuerpflichtige weist nach, dass ein niedrigerer Teilwert nach Satz 2 angesetzt werden kann.“ Aus § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG ergeben sich also folgende Bewertungsregeln: 1. Grundsätzlich sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzüglich der Absetzungen für Abnutzung (AfA) bzw. abzüglich der an deren Stelle tretenden erhöhten Absetzungen anzusetzen (fortgeschriebene Anschaffungs- oder Herstellungskosten als Bewertungsgrundsatz) (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG). Nimmt der Steuerpflichtige zusätzliche Sonderabschreibungen oder Abzüge nach § 6b EStG oder ähnliche Abzüge vor, so mindern diese die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten bilden die Wertobergrenze, über die nicht hinausgegangen werden darf. 2. Ist der Teilwert des Wirtschaftsgutes am Bilanzstichtag aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger als die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, so kann (Bewertungswahlrecht) dieser niedrigere Teilwert angesetzt werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). 3. Sämtliche Werte zwischen den fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten und einem nach 2. zulässigen Ansatz des niedrigeren Teilwerts (beliebige Zwischenwerte) können ebenfalls gewählt werden (allgemein anerkannte Auslegung des Gesetzes). 4. Bei einer voraussichtlich nur vorübergehenden Wertminderung darf keine Teilwertabschreibung vorgenommen werden (Umkehrschluss aus § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG). 5. Wirtschaftsgüter, die bereits am letzten Bilanzstichtag zum Anlagevermögen des Steuerpflichtigen gehört haben, sind grundsätzlich mit ihren fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bewerten. 6. Von dem Grundsatz zu 5. kann dann abgewichen werden, wenn der Steuerpflichtige nachweist, dass der Teilwert am Bilanzstichtag voraussichtlich dauernd niedriger ist als die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. In diesem Falle kann der niedrigere Teilwert zum Bilanzstichtag angesetzt werden. 262 Teil III: Steuerbilanzen Die Vorschriften des § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG gelten uneingeschränkt zweifelsfrei nur bei einer Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG. Handelt es sich nicht um eine Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG, sondern um die Gewinnermittlung eines Gewerbetreibenden nach § 5 EStG, so ergibt sich die Frage, ob bei einem steuerrechtlichen Wahlrecht über den Maßgeblichkeitsgrundsatz des § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG zusätzlich die handelsrechtlichen Bewertungsvorschriften zu beachten sind. Nach der weiter oben75 vertretenen Rechtsansicht ist dies seit dem 1.1.2010 nicht mehr der Fall. Folgt man dieser - auch von dem BMF in dem bereits mehrfach zitierten Schreiben76 vertretenen - Rechtsansicht, so können die unter 2., 3. und 6. dargestellten Wahlrechte steuerlich unabhängig von dem Handelsrecht und unabhängig von der handelsbilanziellen Vorgehensweise ausgeübt werden. Sollte sich hinsichtlich der Interpretation des Maßgeblichkeitsgrundsatzes in Bezug auf die Bewertung nicht die hier vertretene, sondern wider Erwarten die gegenteilige Rechtsansicht durchsetzen, so wäre in den genannten Fällen eines steuerrechtlichen Bewertungswahlrechts zusätzlich zum Steuerrecht das Handelsrecht zu beachten. Dies hätte in den unter 2., 3. und 6. genannten Fällen, d. h. in den Fällen einer voraussichtlich dauernden Wertminderung, zur Folge, dass § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB zu beachten wäre. Danach müsste in einem derartigen Fall handelsrechtlich eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden. Diese hätte zwingend eine Teilwertabschreibung zur Folge. Anders als im Falle einer voraussichtlich dauernden ist die Situation im Falle einer voraussichtlich vorübergehenden Wertminderung. Hier besteht nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG steuerrechtlich ein Verbot zur Teilwertabschreibung. Gleiches gilt handelsrechtlich, wie sich im Umkehrschluss aus § 253 Abs. 3 Sätze 3 und 4 HGB ergibt. 3.3.2 Voraussichtlich dauernde Wertminderung In einem gemeinsamen Erlass vom 25.2.200077 haben das Bundesfinanzministerium und die Länderfinanzministerien den Versuch unternommen, den Begriff der voraussichtlich dauernden Wertminderung zu konkretisieren. Nach ihren Ausführungen beinhaltet eine voraussichtlich dauernde Wertminderung „... ein voraussichtlich nachhaltiges Absinken des Werts des Wirtschaftsguts unter den maßgeblichen Buchwert...“78. Dies setzt nach Ansicht der Finanzverwaltung voraus, dass „... der Wert des Wirtschaftsguts die Bewertungsobergrenze während eines erheblichen Teils der voraussichtlichen Verweildauer im Unternehmen nicht erreichen wird“79. Bei Wirtschaftsgütern des abnutzbaren Anlagevermögens kann hiervon nach Ansicht der Finanzverwaltung grundsätzlich erst dann ausgegangen werden, „... wenn der Wert des jeweiligen Wirtschaftsguts zum Bilanzstichtag mindestens für 75 Vgl. Gliederungspunkt 1.5.2. 76 Vgl. Rn. 13 u. 15 des BMF-Schreibens vom 12.3.2010, IV C 6 - S 2133/09/10001, BStBl 2010 I, S. 239. 77 BMF-Schreiben vom 25.2.2000, IV C 2 - S 2171b – 14/00, BStBl 2000 I, S. 372. 78 Ebenda, Tz. 3. 79 Ebenda, Tz. 4. 3 Bewertung 263 die halbe Restnutzungsdauer unter dem planmäßigen Restbuchwert liegt“80. Diese Rechtsansicht des BMF wird zwar von dem Verfasser des Buches nicht geteilt, ist aber durch die Rechtsprechung des BFH gedeckt81. Wertminderungen „aus besonderem Anlass“, insbesondere Wertminderungen aufgrund eines technischen Fortschritts, hingegen sind auch nach Ansicht des BMF regelmäßig voraussichtlich von Dauer82. Dieser Rechtsansicht ist zuzustimmen. Auch das Handelsrecht unterscheidet in § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB zwischen einer voraussichtlich nur vorübergehenden und einer voraussichtlich dauernden Wertminderung. Im ersten Fall darf der Kaufmann nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB keine außerplanmäßige Abschreibung auf den niedrigeren beizulegenden Wert i. S. dieser Vorschrift vornehmen. Im zweiten Fall hingegen muss er nach der genannten Rechtsnorm eine außerplanmäßige Abschreibung vornehmen. Regelmäßig kann davon ausgegangen werden, dass dem handelsrechtlichen niedrigeren beizulegenden Wert i. S. d. § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB steuerrechtlich der (niedrigere) Teilwert entspricht. Damit stellt sich die Frage, ob in Handelsund Steuerbilanz einander korrespondierende Abschreibungen vorzunehmen sind. Dies ist nach der hier - in Übereinstimmung mit dem BMF83 - vertretenen Rechtsansicht nicht der Fall. Vielmehr können die Wahlrechte unabhängig voneinander ausgeübt werden. Abschließend sollen einige der aufgezeigten Zusammenhänge anhand von zwei Beispielen nochmals verdeutlicht werden. Beispiele a) Die X-GmbH hat in den Jahren 1 und 2 in Emden ein Bürogebäude für 10 Mio € errichtet. In den Jahren danach sind im gesamten norddeutschen Raum die Preise für gebrauchte Immobilien erheblich gesunken. Dieser Preisrückgang ist voraussichtlich von Dauer. Am 31.12.7 haben die fortgeschriebenen Herstellungskosten des Gebäudes 8,5 Mio € (Abschreibungssatz 3 %), der Verkehrswert (Teilwert) hat 7 Mio € betragen. Da die Wertminderung zum 31.12.7 aus Sicht dieses Bilanzstichtages nicht als voraussichtlich vorübergehend, sondern als voraussichtlich dauernd anzusehen ist, kommt es zur Anwendung des § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB. Handelsbilanziell ist somit zwingend eine Abschreibung auf 7 Mio € vorzunehmen. Nach der hier vertretenen Rechtsansicht ist auch der Teilwert voraussichtlich auf Dauer gesunken. Die außerplanmäßige Abschreibung kann deshalb steuerlich als Teilwertabschreibung i. S. d. § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG übernommen werden. Diese Lösung, die m. E. gesetzlich zwingend ist, widerspricht aber dem bereits vielfach zitierten BMF-Schreiben vom 25.2.2000. Nach den Textziffern 6, 9 und 10 dieses Schreibens hat das den Sachverhalt zu prüfende Finanzamt in einem derartigen Fall eine voraussichtlich dauernde Wertminderung zu verneinen. Es darf demnach die m. E. zulässige Teilwertabschreibung nicht anerkennen. 80 Tz. 6 des BMF-Schreibens vom 25.2.2000, IV C 2 - S 2171b – 14/00, BStBl 2000 I, S. 372; vgl. auch die erläuternden Beispiele unter den Tz. 7 bis 10 dieses BMF-Schreibens. 81 Vgl. BFH-Urteil vom 14.3.2006, I R 22/05, BStBl 2006 II, S. 680; vgl. auch Urteil des Sächsischen Finanzgerichts vom 19.6.2008, 8 K 848/07, EFG 2009, S. 1109. 82 Vgl. Tz. 4 des BMF-Schreibens vom 25.2.2000, IV C 2 - S 2171 b - 14/00, BStBl 2000 I, S. 372. 83 Vgl. Rn. 13 u. 15 des BMF-Schreibens vom 12.3.2010, IV C 6 - S 2133/09/10001, BStBl 2010 I, S. 239. 264 Teil III: Steuerbilanzen b) Die Y-GmbH hat in den Jahren 1 und 2 in der A-Straße in D-Dorf für 10 Mio € ein Gebäude mit einer Reihe von Einzelhandelsgeschäften errichtet. Die Fertigstellung ist Ende des Jahres 2 erfolgt. Entgegen der allgemeinen Preisentwicklung auf dem Immobilienmarkt sinkt der Wert des Gebäudes im Jahre 3 auf 8 Mio €. Der Grund liegt darin, dass in diesem Jahr in der A-Straße mit dem Bau einer U-Bahn-Linie begonnen wird. Einer der Eingänge zu dieser U-Bahn soll unmittelbar vor dem Gebäude der Y-GmbH errichtet werden. Seit Beginn der Bauarbeiten herrscht auf der A-Straße Baulärm, der zu einem erheblichen Käuferrückgang in den der Y-GmbH gehörenden Geschäften geführt hat. Mit einer Beendigung der Bauarbeiten und der Inbetriebnahme der neuen U-Bahnlinie ist Ende des Jahres 9 zu rechnen. Aus einer ehemals guten wird die A-Straße dann vermutlich zu einer sehr guten Einkaufsstraße werden. Gesucht ist der Bilanzansatz des Gebäudes der Y-GmbH zum 31.12.3. Die fortgeschriebenen Herstellungskosten zu diesem Stichtag betragen 9,6 Mio €. Im Gegensatz zu den Verhältnissen in Beispiel a) ist die Wertminderung des Gebäudes der Y-GmbH zum 31.12.3 voraussichtlich nur vorübergehender Art. Die Y-GmbH darf daher nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 2 EStG steuerrechtlich keine Teilwertabschreibung vornehmen. Dies gilt nach § 253 Abs. 3 Satz 3 HGB auch handelsrechtlich. 3.3.3 Zuschreibungen Nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 i. V. m. Satz 1 EStG hat der Steuerpflichtige Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens zu allen Bilanzstichtagen grundsätzlich mit den fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen. Dies gilt also auch dann, wenn der Steuerpflichtige in der Vorjahresbilanz den niedrigeren Teilwert angesetzt hat. Eine Ausnahme ergibt sich nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG nur dann, wenn der Steuerpflichtige nachweist, dass der Teilwert des zu bewertenden Wirtschaftsgutes am Bilanzstichtag niedriger ist als die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Aus § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 i. V. m. Satz 1 EStG ergibt sich also grundsätzlich ein Zuschreibungsgebot in allen Fällen einer in einem früheren Jahr vorgenommenen Teilwertabschreibung. Auf diese Zuschreibung kann nur dann (teilweise) verzichtet werden, wenn der Steuerpflichtige nachweist, dass auch an diesem Bilanzstichtag der Teilwert aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger ist als die fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Für alle Wirtschaftsgüter des abnutzbaren Anlagevermögens, auf die in einem früheren Jahr eine noch nicht rückgängig gemachte Teilwertabschreibung vorgenommen worden ist, müssen demnach zum Bilanzstichtag jeweils folgende drei Werte ermittelt werden: 1. der um die Abschreibungen (AfA, erhöhte Absetzung, Sonderabschreibung) dieses Jahres geminderte Vorjahreswert (fortgeschriebener Vorjahreswert), 2. die sich nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 1 EStG ergebenden fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten und 3. der Teilwert am Bilanzstichtag. Ist der Teilwert am Bilanzstichtag höher als der fortgeschriebene Vorjahreswert, so muss eine Zuschreibung erfolgen, und zwar maximal bis zur Höhe der fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten. Sie dient der (teilweisen) Rückgängigmachung einer in einem früheren Jahr vorgenommenen Teilwertabschreibung. Die Zuschreibung darf nicht höher sein als die Summe der in früheren 3 Bewertung 265 Jahren auf dieses Wirtschaftsgut vorgenommenen Teilwertabschreibungen. Andernfalls würde gegen den Grundsatz, dass die fortgeschriebenen Anschaffungsoder Herstellungskosten nicht überschritten werden dürfen, verstoßen. Aus dem Zusammenwirken der Sätze 1, 2 und 4 des § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG ergibt sich, dass Zuschreibungen nur bei vorangegangenen Teilwertabschreibungen in Betracht kommen. Die Rückgängigmachung einer Normal-AfA gem. § 7 EStG hingegen ist ausgeschlossen. Gleiches gilt hinsichtlich einer vorausgegangenen Vollabschreibung geringwertiger Wirtschaftsgüter. Handelsrechtlich ist nach § 253 Abs. 5 HGB in allen Fällen, in denen der Grund für eine in der Vergangenheit vorgenommene außerplanmäßige Abschreibung weggefallen ist, eine Zuschreibung auf den Wert vorzunehmen, der sich ohne die in der Vergangenheit vorgenommene außerplanmäßige Abschreibung ergibt. Dies beinhaltet nach § 253 Abs. 1 HGB, dass die um die planmäßigen „normalen“ Abschreibungen geminderten Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht überschritten werden dürfen. Abschließend sollen die sich im Zusammenhang mit dem Zuschreibungsgebot des § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 EStG ergebenden Probleme noch einmal anhand eines Beispiels verdeutlicht werden. Beispiel a) Im Beispiel a) aus Gliederungspunkt 3.3.2 sind im Jahr 9 die Preise für gebrauchte Immobilien im gesamten norddeutschen Raum erheblich gestiegen. Der Verkehrswert des Bürogebäudes der X-GmbH am 31.12.9 beträgt 8 Mio €. Der Buchwert zum 31.12.8 hat 6,75 Mio € betragen. Er hat sich durch Abzug einer AfA von (7 Mio € : 28 Jahre · 1 Jahr =) 0,25 Mio € von dem Buchwert zum 31.12.7 i. H. v. 7 Mio € ergeben. Im Jahr 9 hat die GmbH zunächst in gleicher Höhe wie im Jahr 8 eine AfA vorzunehmen. Diese beträgt 0,25 Mio €. Es ergibt sich also ein Wert von (6,75 − 0,25 =) 6,5 Mio €. Da der Grund für die Teilwertabschreibung bzw. Abschreibung inzwischen weggefallen ist, hat die X-GmbH steuerrechtlich nach § 6 Abs. 1 Nr. 1 Satz 4 i. V. m. Satz 1 EStG und handelsrechtlich nach § 253 Abs. 5 HGB eine Zuschreibung auf die sich unter Berücksichtigung des ursprünglichen Abschreibungsplans ergebenden fortgeschriebenen Herstellungskosten vorzunehmen. Die fortgeschriebenen Herstellungskosten ergeben sich durch Abzug der ursprünglichen Abschreibung von 0,3 Mio € pro Jahr für 2 Jahre von dem Buchwert zum 31.12.7 i. H. v. 8,5 Mio €. Die fortgeschriebenen Herstellungskosten zum 31.12.9 betragen also (8,5 − 2 · 0,3 =) 7,9 Mio €. Auf diesen Betrag ist also zum 31.12.9 eine Zuschreibung vorzunehmen. Die Zuschreibung beträgt demnach (7,9 − 6,5 =) 1,4 Mio €. b) In Abwandlung des Beispiels a) handelt es sich bei dem Unternehmen nunmehr nicht um die X-GmbH, sondern um die X-KG. Die Rechtsfolgen sind dieselben wie zu a) dargestellt, da sowohl § 6 Abs. 1 Nr. 1 EStG als auch § 253 Abs. 5 HGB rechtsformunabhängig gelten. 266 Teil III: Steuerbilanzen 3.4 Bewertung des nichtabnutzbaren Anlagevermögens 3.4.1 Regelung des § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG Die ertragsteuerliche Regelung der Bewertung des nichtabnutzbaren Anlagevermögens erfolgt nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 EStG. Bei alleiniger Beachtung dieser Vorschrift ergeben sich folgende Bewertungsregeln: 1. Grundsätzlich sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten anzusetzen. Diese bilden die Wertobergrenze (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 EStG). 2. Ist der Teilwert des Wirtschaftsgutes am Bilanzstichtag aufgrund einer voraussichtlich dauernden Wertminderung niedriger als die Anschaffungs- oder Herstellungskosten, so kann dieser niedrigere Teilwert angesetzt werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG). 3. Sämtliche Werte zwischen den Anschaffungs- oder Herstellungskosten und einem nach 2. zulässigen Ansatz des niedrigeren Teilwerts (beliebige Zwischenwerte) können ebenfalls angesetzt werden (allgemein anerkannte Auslegung des Gesetzes). 4. Bei einer voraussichtlich nur vorübergehenden Wertminderung darf keine Teilwertabschreibung vorgenommen werden (Umkehrschluss aus § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG) 5. Wirtschaftsgüter, die bereits am letzten Bilanzstichtag zum Anlagevermögen des Steuerpflichtigen gehört haben, sind grundsätzlich mit ihren Anschaffungsoder Herstellungskosten zu bewerten (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 i. V. m. Nr. 1 Sätzen 4 und 1 EStG). 6. Von dem Grundsatz zu 5. kann dann abgewichen werden, wenn der Steuerpflichtige nachweist, dass der Teilwert am Bilanzstichtag voraussichtlich dauernd niedriger ist als die Anschaffungs- oder Herstellungskosten. In diesem Fall kann der niedrigere Teilwert angesetzt werden (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 3 i. V. m. Nr. 1 Sätzen 4 und 2 EStG). Der wesentliche Unterschied zwischen der im letzten Gliederungspunkt behandelten Bewertung des abnutzbaren Anlagevermögens und des hier zu behandelnden nichtabnutzbaren Anlagevermögens ergibt sich daraus, dass beim abnutzbaren Anlagevermögen AfA anzusetzen ist, beim nichtabnutzbaren (selbstverständlich) nicht. Auch erhöhte Absetzungen und Sonderabschreibungen kommen nur beim abnutzbaren, nicht hingegen beim nichtabnutzbaren Anlagevermögen in Betracht. Dies hat zur Folge, dass das abnutzbare Anlagevermögen grundsätzlich zu den fortgeschriebenen Anschaffungs- oder Herstellungskosten, das nichtabnutzbare Anlagevermögen zu den Anschaffungs- oder Herstellungskosten zu bewerten ist. Nach der vom BMF und auch hier vertretenen Rechtsansicht ergeben sich für den Fall einer Gewinnermittlung nach § 5 EStG keine Abweichungen gegenüber den bisherigen Ausführungen. Insbesondere sind die aus 2., 3. und 6. ersichtlichen Wahlrechte auch bei dieser Gewinnermittlungsart uneingeschränkt anwendbar84. Sollte sich wider Erwarten die gegenteilige Rechtsansicht durchsetzen, so würde aus dem Wahlrecht des § 6 Abs. 1 Nr. 2 Satz 2 EStG zur Abschreibung auf den 84 Vgl. Rn. 13 u. 15 des BMF-Schreibens vom 12.3.2010, IV C 6 - S 2133/09/10001, BStBl 2010 I, S. 239.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.