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1.4 Arten der steuerlichen Gewinnermittlung und deren Anwendungsbereich in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 240 - 242

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_240

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1 Einführung und allgemeine Grundsätze 211 Freiberufler sind keine Gewerbetreibende. Sie unterliegen weder der abgeleiteten Buchführungspflicht des § 140 AO, noch der originären des § 141 AO. Allerdings können sie freiwillig Bücher führen und Abschlüsse machen. Von dieser Möglichkeit machen die meisten Freiberufler allerdings keinen Gebrauch. Vielmehr ermitteln sie ihren Gewinn i. d. R. mit Hilfe einer Einnahmen-Überschussrechnung gem. § 4 Abs. 3 EStG. 1.4 Arten der steuerlichen Gewinnermittlung und deren Anwendungsbereich Das Einkommensteuergesetz unterscheidet im Wesentlichen zwischen den aus Abbildung III/1 ersichtlichen Gewinnermittlungsmethoden. Methoden der Gewinnermittlung Betriebsvermögensvergleich Einnahmen- Überschussrechnung Anwendung von Durchschnittssätzen § 5 EStG § 4 Abs. 1 EStG § 4 Abs. 3 EStG § 13a Abs. 1 EStG Abbildung III/1: Gewinnermittlungsmethoden Von allen Gewinnermittlungsarten ist der Bestandsvergleich (Betriebsvermögensvergleich) mit Abstand am wichtigsten und innerhalb der beiden Unterarten des Bestandsvergleichs diejenige nach § 5 EStG. Die grundlegende Definition des Gewinnbegriffs bei Bestandsvergleich ist aber nicht in § 5 EStG, sondern in § 4 Abs. 1 EStG enthalten. Sie lautet: ► Gewinn ist der Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen am Schluss des Wirtschaftsjahres und dem Betriebsvermögen am Schluss des vorangegangenen Wirtschaftsjahres, vermehrt um den Wert der (Privat-)Entnahmen und vermindert um den Wert der (Privat-)Einlagen. Unter Betriebsvermögen ist das Eigenkapital einschließlich seiner Unterkonten - Privatkonten und ggf. Gewinnkonten - zu verstehen. Die Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich wird mit Hilfe der Buchführung durchgeführt. Der Gewinnbegriff nach § 4 Abs. 1 EStG ist im Ergebnis identisch mit dem buchhalterischen Gewinnbegriff, der lautet: ► Gewinn ist der Saldo aus Erträgen und Aufwendungen der Gewinnermittlungsperiode. Die Identität der Gewinnbegriffe ergibt sich aus folgender Überlegung: Jede Bestandserhöhung nach § 4 Abs. 1 EStG beruht auf einem Ertrag, es sei denn, sie wird durch eine Privateinlage verursacht; jede Bestandsminderung beruht auf 212 Teil III: Steuerbilanzen einem Aufwand, es sei denn, sie wird durch eine Privatentnahme hervorgerufen. Die Bestandserhöhungen abzüglich der Einlagen ergeben also die Erträge, die Bestandsminderungen abzüglich der Entnahmen die Aufwendungen. Der Gewinnbegriff des § 5 EStG entspricht grundsätzlich demjenigen des § 4 Abs. 1 EStG. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass bei der Gewinnermittlung nach § 5 EStG der Maßgeblichkeitsgrundsatz zu beachten ist, bei der Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 1 EStG hingegen nicht. Auf die sich hieraus ergebenden Unterschiede wird an späteren Stellen eingegangen. Die Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG beinhaltet nicht einen Bestandsvergleich, sondern eine Einnahmen-Überschussrechnung: Gewinn ist der Überschuss der Betriebseinnahmen über die Betriebsausgaben. Betriebseinnahmen (nicht gesetzlich definiert) sind die Einnahmen, die im Rahmen der betrieblichen Betätigung anfallen. Betriebsausgaben sind die Ausgaben, die durch den Betrieb veranlasst sind (§ 4 Abs. 4 EStG). Der fundamentale Unterschied zwischen der Einnahmen-Überschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG und der Gewinnermittlung durch Bestandsvergleich liegt in Folgendem: Die Einnahmen-Überschussrechnung wird durch das Zu- und Abflussprinzip des § 11 EStG beherrscht; für den Bestandsvergleich hingegen gilt das Prinzip der periodengerechten Gewinnermittlung, so wie dies aus der Buchhaltung bekannt ist. Nach § 11 Abs. 1 EStG sind (Betriebs-)Einnahmen in dem Kalenderjahr steuerlich zu erfassen, in dem sie dem Steuerpflichtigen zufließen. Nach § 11 Abs. 2 EStG sind (Betriebs-)Ausgaben in dem Jahr (gewinnmindernd) abzusetzen, in dem sie tatsächlich gezahlt werden. Bei der Einnahmen-Überschussrechnung wird also auf Ein- und Auszahlungen, beim Bestandsvergleich hingegen auf Erträge und Aufwendungen abgestellt. Der Anwendungsbereich der Gewinnermittlungsarten ist aus den Gewinnermittlungsvorschriften ableitbar. Ein Bestandsvergleich nach § 5 EStG ist durchzuführen bei Gewerbetreibenden, die • entweder verpflichtet sind, Bücher zu führen und regelmäßig Abschlüsse zu machen, oder • ohne rechtliche Verpflichtung, d. h. freiwillig, Bücher führen und Abschlüsse machen. Wer zur Buchführung verpflichtet ist, ergibt sich aus den bereits behandelten §§ 140 und 141 AO. Unterliegt ein Gewerbetreibender weder der abgeleiteten Buchführungspflicht des § 140 AO, noch der originären des § 141 AO, so kann er dennoch freiwillig Bücher führen. Macht er dies, so unterliegt seine Gewinnermittlung ebenfalls den Regeln des § 5 EStG. Ist ein Gewerbetreibender nicht zur Buchführung verpflichtet und führt er auch nicht freiwillig Bücher, so kann er seinen Gewinn durch eine Einnahmen-Überschussrechnung nach § 4 Abs. 3 EStG ermitteln. Führt er auch nicht die hierzu erforderlichen Aufzeichnungen der Einnahmen und Ausgaben, so schätzt das 1 Einführung und allgemeine Grundsätze 213 Finanzamt seinen Gewinn gem. § 162 AO nach den Grundsätzen der Gewinnermittlung des § 4 Abs. 1 EStG. 1.5 Maßgeblichkeitsgrundsatz 1.5.1 Maßgeblichkeitsgrundsatz und Bewertungsvorbehalt Von zentraler Bedeutung für die Gewinnermittlung nach § 5 EStG ist der Grundsatz der Maßgeblichkeit der Handelsbilanz für die Steuerbilanz (Maßgeblichkeitsgrundsatz oder Maßgeblichkeitsprinzip). Dieser Grundsatz, der in § 5 Abs. 1 Satz 1 EStG kodifiziert ist, besagt, dass Gewerbetreibende bei ihrer Bilanzierung das Betriebsvermögen anzusetzen haben, das nach den handelsrechtlichen Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung anzusetzen ist. In engem Zusammenhang mit § 5 Abs. 1 Satz 1 ist § 5 Abs. 6 EStG zu sehen. Letztere Vorschrift besagt u. a., dass die steuerrechtlichen Spezialnormen über die Bewertung, einschließlich derjenigen über die Absetzung für Abnutzung (AfA) oder Substanzverringerung (AfS) zu beachten sind. Aus dem Wortlaut der Absätze 1 und 6 des § 5 EStG leitet die herrschende Meinung heute die folgenden beiden Grundsätze ab, die für die steuerliche Bilanzierung und Bewertung von fundamentaler Bedeutung sind: 1. die Frage, was in der Bilanz zu erfassen ist (Frage nach der Bilanzierung), wird durch die handelsrechtlichen Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung beantwortet; 2. die Frage, wie die zu erfassenden Bilanzposten zu bewerten sind (Frage nach der Bewertung), richtet sich primär nach steuerrechtlichen Vorschriften und nur subsidiär nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung. Die Bilanzierung richtet sich somit vorrangig nach Handelsrecht, die Bewertung hingegen nach Steuerrecht. Im Rahmen der Bewertung kommt das Handelsrecht nur dann zur Anwendung, wenn das Steuerrecht eine Bewertungsfrage nicht klärt. 1.5.2 Ausnahmen von dem Maßgeblichkeitsgrundsatz Von dem Maßgeblichkeitsgrundsatz gibt es in den folgenden beiden Fallgruppen Ausnahmen: 1. Das Steuerrecht regelt eine Bilanzierungs- oder Bewertungsfrage in zwingender Weise abweichend vom Handelsrecht und 2. das Steuerrecht räumt dem Steuerpflichtigen ausdrücklich ein Wahlrecht ein. Fälle der ersten Fallgruppe sind in Spezialnormen geregelt. • So ergibt sich z. B. aus § 5 Abs. 2 EStG das Verbot, selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens zu aktivieren. Nach § 248 Abs. 2 HGB hingegen dürfen derartige Vermögensgegenstände aktiviert werden.

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Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

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Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.