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3.1 Steuerpflicht in:

Dieter Schneeloch

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre Band 1: Besteuerung, page 174 - 181

6. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4197-0, ISBN online: 978-3-8006-4341-7, https://doi.org/10.15358/9783800643417_174

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3 Körperschaftsteuer einschließlich Besteuerung der Ausschüttungen 3.1 Steuerpflicht 3.1.1 Unbeschränkte Steuerpflicht 3.1.1.1 Einführung Der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht unterliegen die in § 1 Abs. 1 KStG aufgeführten Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, sofern sie ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben. Die unbeschränkte Steuerpflicht ist also an folgende zwei Voraussetzungen geknüpft: 1. Es muss sich um Körperschaften, Personenvereinigungen oder Vermögensmassen der in § 1 Abs. 1 KStG genannten Art handeln; 2. diese Körperschaften usw. müssen ihren Sitz oder den Ort ihrer Geschäftsleitung im Inland haben. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung werden die in § 1 Abs. 1 KStG aufgeführten Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen nachfolgend häufig unter dem Begriff „Körperschaften“ zusammengefasst. 3.1.1.2 Die unter § 1 KStG fallenden Körperschaften § 1 Abs. 1 KStG umfasst keinesfalls alle Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen des privaten und öffentlichen Rechts, sondern nur die in den Nrn. 1 bis 6 dieser Vorschrift ausdrücklich aufgeführten. Nicht unter § 1 Abs. 1 KStG fallen insbesondere • juristische Personen des öffentlichen Rechts mit Ausnahme ihrer Betriebe gewerblicher Art, • Mitunternehmerschaften im Sinne des § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG92. Von den in § 1 Abs. 1 KStG aufgezählten Körperschaften haben die in Nr. 1 dieser Vorschrift genannten Kapitalgesellschaften im Wirtschaftsleben die mit Abstand größte Bedeutung. Kapitalgesellschaften im Sinne dieser Vorschrift sind insbesondere • Europäische Gesellschaften (SE), • Aktiengesellschaften (AG), • Kommanditgesellschaften auf Aktien (KGaA) und • Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) einschließlich der Unternehmergesellschaften (UG). 92 Vgl. Gliederungspunkt 2.2.5.2. 146 Teil II: Ertragsteuern Unter den Kapitalgesellschaften kommt den Gesellschaften mit beschränkter Haftung und den Aktiengesellschaften eine überragende Bedeutung zu93. Kommanditgesellschaften auf Aktien sowie Europäische Gesellschaften hingegen sind im Wirtschaftsleben nur vereinzelt anzutreffen94. Das Recht der Aktiengesellschaft und der Kommanditgesellschaft auf Aktien ist im AktG, das der Gesellschaft mit beschränkter Haftung und das der Unternehmergesellschaften ist im GmbHG geregelt. Das Recht der Europäischen Gesellschaft beruht auf der SE-VO der EU sowie auf dem (deutschen) SE-Ausführungsgesetz - SEAG. Auf die gesellschaftsrechtlichen Regelungen der genannten Gesetze sowie der zitierten EU-Verordnung kann hier ebenso wenig eingegangen werden wie auf die allgemeinen wirtschaftlichen Probleme der Rechtsformwahl95. Seit dem sog. Überseering-Urteil des EuGH96 kann es als geklärt angesehen werden, dass auch Kapitalgesellschaften nach dem Recht eines anderen EU-Staates unter § 1 KStG fallen können. Voraussetzungen hierfür sind: • Die Struktur der Kapitalgesellschaft ausländischen Rechts muss der einer Kapitalgesellschaft deutschen Rechts entsprechen. • Die Kapitalgesellschaft ausländischen Rechts muss ihren Ort der Geschäftsleitung im Inland haben. Damit ist insbesondere eine private Company limited by shares (Ltd.) mit Sitz in Großbritannien oder Irland dann nach deutschem Recht unbeschränkt steuerpflichtig, wenn sie den Ort der Geschäftsleitung nicht im Land ihres Sitzes, sondern in der Bundesrepublik Deutschland hat97. Dem Vernehmen nach ist seit 2002 eine größere Zahl von Ltd’s mit Sitz in Großbritannien, aber Ort der Geschäftsleitung in Deutschland, gegründet worden. Die zweitwichtigste Gruppe unbeschränkt steuerpflichtiger Körperschaften sind die in § 1 Abs. 1 Nr. 2 KStG aufgeführten Genossenschaften, einschließlich der dort zusätzlich genannten Europäischen Genossenschaften98. Bei den Genossenschaften handelt es sich gem. § 1 GenG um Gesellschaften von nicht geschlossener Mitgliederzahl, die die Förderung des Erwerbs oder der Wirtschaft ihrer Mitglieder bezwecken. Genossenschaften sind in fast allen Wirtschaftsbereichen tätig. Zu nennen sind insbesondere: 93 Näheres hierzu s. bei Schneeloch, Betriebliche Steuerpolitik, S. 287 ff. 94 Als Beispiel für eine Kommanditgesellschaft auf Aktien kann die Henkel AG & Co. KGaA mit Sitz in Düsseldorf, als Beispiel für eine Europäische Gesellschaft kann die Allianz SE mit Sitz in München genannt werden. 95 Probleme der Rechtsformwahl unter besonderer Berücksichtigung der Besteuerung werden in Band 2, Teil IV, dieses Werkes behandelt. Hinsichtlich der Einflussfaktoren nicht steuerlicher Art s. Schneeloch, D., Rechtsformwahl, 2006, S. 1 ff. und S. 327 ff . 96 EuGH-Urteil vom 5.11.2002, Rs. C-208/00, DB 2002, S. 2425. 97 Vertiefend hierzu s. Schneeloch, D., Rechtsformwahl, 2006, S. 327 ff. und derselbe Vorteilsvergleich, 2007, S. 197 ff. 98 Es handelt sich um Genossenschaften nach dem SCE-Ausführungsgesetz. Dieses beruht auf der in diesem Gesetz genannten VO EG vom 22.7.2003, Nr. 1435/2003, ABl EU Nr. L 207, S. 1. 3 Körperschaftsteuer einschließlich Besteuerung der Ausschüttungen 147 • im Bankensektor die Volksbanken und Raiffeisenbanken, • im Handel Einkaufs- und Verkaufsgenossenschaften, Absatzgenossenschaften der Handwerker usw., • in der Produktion Produktionsgenossenschaften, wie z. B. Molkereigenossenschaften, • in der Land- und Forstwirtschaft, z. B. Winzergenossenschaften, • in der Wohnungswirtschaft Bau- und Wohnungsgenossenschaften. Genossenschaften besitzen ein beachtliches Gewicht im Wirtschaftsleben, Europäische Genossenschaften hingegen (noch) nicht. Unbeschränkt steuerpflichtig sind nach § 1 Abs. 1 Nr. 3 KStG Versicherungs- und Pensionsfondsvereine auf Gegenseitigkeit. Hierbei handelt es sich um Personenvereinigungen, die im privaten Versicherungsgewerbe tätig sind. Neben den Rechtsformen der Aktiengesellschaft und der Versicherungsanstalt des öffentlichen Rechts dürfen sich Unternehmen der Versicherungswirtschaft dieser Rechtsformen bedienen. Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit sind Personenvereinigungen, bei denen die Mitglieder eine Schadens- oder Gefahrengemeinschaft bilden. Der Versicherungsverein ist Versicherer, die Mitglieder sind die Versicherten. Nach § 1 Abs. 1 Nr. 4 KStG unterliegen der Körperschaftsteuer ferner die „sonstigen“ juristischen Personen des privaten Rechts, d. h. alle diejenigen juristischen Personen des privaten Rechts, die nicht unter die Nrn. 1 bis 3 des § 1 Abs. 1 KStG fallen. Hier sind vor allem die nach den §§ 55 ff. BGB ins Vereinsregister eingetragenen Vereine, wie z. B. Sportvereine, Gesangvereine, Kaninchenzüchtervereine, zu nennen. Ein Verein ist ein Zusammenschluss mehrerer Personen, die einen gemeinsamen ideellen oder wirtschaftlichen Zweck verfolgen (§§ 21 ff. BGB). Neben den eingetragenen gibt es auch nicht eingetragene Vereine. Sie unterscheiden sich von den eingetragenen im Wesentlichen nur durch die Nichteintragung ins Vereinsregister. Neben rein geselligen Vereinigungen, wie z. B. Kegelclubs, gehören hierher auch so mächtige soziale Gebilde wie die meisten Einzelgewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes und der DGB selbst. Auch die nichteingetragenen Vereine sind - sofern die übrigen Voraussetzungen erfüllt sind - unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig, aber nicht nach Nr. 4, sondern nach Nr. 5 des § 1 Abs. 1 KStG. Der unbeschränkten Steuerpflicht nach § 1 Abs. 1 Nrn. 4 und 5 KStG unterliegen ferner rechtsfähige und nichtrechtsfähige Anstalten, Stiftungen und andere Zweckvermögen des privaten Rechts. Auf diese Körperschaften kann hier nicht eingegangen werden. Juristische Personen des öffentlichen Rechts unterliegen grundsätzlich nicht der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht. Juristische Personen des öffentlichen Rechts sind insbesondere • die Gebietskörperschaften, also Bund, Länder und Gemeinden, • die öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften. 148 Teil II: Ertragsteuern Unterhalten juristische Personen des öffentlichen Rechts Betriebe gewerblicher Art, so unterliegen sie mit diesen, aber auch nur mit diesen, nach § 1 Abs. 1 Nr. 6 KStG der unbeschränkten Steuerpflicht. Insoweit wird der eben formulierte Grundsatz durchbrochen. Der Grund liegt darin, dass Betriebe gewerblicher Art mit privatrechtlich organisierten Betrieben entweder im Wettbewerb stehen oder nur aufgrund eines staatlichen Monopols kein privates Unternehmen tätig werden darf. Eine Nichtbesteuerung der Betriebe gewerblicher Art würde den öffentlichrechtlichen Bereich gegenüber der privatrechtlich strukturierten Wirtschaft begünstigen. Dies soll durch die Vorschrift des § 1 Abs. 1 Nr. 6 KStG verhindert werden. Bei juristischen Personen des öffentlichen Rechts unterliegt somit die hoheitliche Betätigung nicht der Körperschaftsteuer, der gewerbliche Bereich hingegen doch. Zu den Betrieben gewerblicher Art von juristischen Personen des öffentlichen Rechts, die in § 4 KStG definiert sind, gehören vor allem • die Bundesbank, • die Sparkassen, • Versorgungsunternehmen der öffentlichen Hand, wie z. B. Elektrizitäts-, Gasund Wasserwerke und Verkehrsbetriebe. Die Gebietskörperschaften führen ihre Versorgungsunternehmen heute meist in den Rechtsformen der AG oder der GmbH. Beispiele sind die Deutsche Bahn AG, das RWE (Rheinisch-Westfälische Elektrizitätswerk AG), die Hagener Straßenbahn AG und die Rheinisch-Westfälische Wasserwerksgesellschaft mbH. Bedient sich die öffentliche Hand für ein Versorgungsunternehmen der Rechtsform einer Kapitalgesellschaft, so fällt dieses nicht unter die Nr. 6, sondern unter die Nr. 1 des § 1 Abs. 1 KStG. 3.1.1.3 Geschäftsleitung oder Sitz im Inland Der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht unterliegen die in § 1 Abs. 1 KStG aufgezählten Körperschaften nur dann, wenn sie ihre Geschäftsleitung oder ihren Sitz im Inland haben. Die Geschäftsleitung ist nach § 10 AO der Mittelpunkt der geschäftlichen Oberleitung. Die Geschäftsleitung befindet sich normalerweise in den Arbeitsräumen der die Körperschaft leitenden Personen. In aller Regel handelt es sich bei den eine Körperschaft leitenden Personen um deren gesetzliche Vertreter. Bei einer GmbH sind dies die Geschäftsführer, bei einer AG die Vorstandsmitglieder. In seltenen Ausnahmefällen befindet sich die Geschäftsleitung an einem anderen Ort als in den Arbeitsräumen der gesetzlichen Vertreter der Körperschaft. Beispiel Der Geschäftsführer einer Liechtensteiner GmbH hat seinen Arbeitsraum in Vaduz (Liechtenstein). Die Produktionsstätten der GmbH befinden sich in München. Von München aus leitet auch der Alleingesellschafter der GmbH tatsächlich die Geschicke der Gesellschaft; der Liechtensteiner Geschäftsführer ist nur eine Marionette. Ort der Geschäftsleitung ist München, da die tatsächliche Geschäftsführung von München aus durch den Alleingesellschafter vorgenommen wird. 3 Körperschaftsteuer einschließlich Besteuerung der Ausschüttungen 149 Das Beispiel veranschaulicht, dass der Ort der Geschäftsleitung durch die tatsächlichen Verhältnisse bestimmt wird. Anders verhält es sich hingegen bei der Ermittlung des Sitzes einer Körperschaft. Ihren Sitz hat eine Körperschaft nach § 11 AO an dem Ort, der durch Gesetz, Gesellschaftsvertrag, Satzung, Stiftungsgeschäft oder dergleichen bestimmt ist. Sitz und Geschäftsleitung befinden sich üblicherweise an demselben Ort. Befinden sich beide an unterschiedlichen Orten, so reicht es für den Eintritt der unbeschränkten Steuerpflicht, wenn sich einer der beiden Orte im Inland befindet. Beispiel Der Sitz einer Ltd. befindet sich laut Gesellschaftsvertrag in London, Ort der Geschäftsleitung hingegen ist Stuttgart. Die Ltd. ist unbeschränkt körperschaftsteuerpflichtig. Inland ist das Gebiet der Bundesrepublik Deutschland sowie der der Bundesrepublik zustehende Anteil am Festlandsockel. Der körperschaftsteuerliche Inlandsbegriff deckt sich also mit dem einkommensteuerlichen. 3.1.1.4 Rechtsfolgen der unbeschränkten Steuerpflicht Die Rechtsfolgen der unbeschränkten Körperschaftsteuerpflicht sind die gleichen wie die der unbeschränkten Einkommensteuerpflicht: Unbeschränkt steuerpflichtige Körperschaften unterliegen gem. § 1 Abs. 2 KStG der Körperschaftsteuer mit sämtlichen Einkünften. Besteuert werden also nicht nur die inländischen, sondern auch die ausländischen Einkünfte; erfasst wird also dasWelteinkommen. Bei ausländischen Einkünften ist es aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen möglich, dass es trotz unbeschränkter Steuerpflicht nicht zu einer Besteuerung einzelner Einkünfte im Inland kommt. Hier ist immer zunächst zu prüfen, ob ein Doppelbesteuerungsabkommen mit dem ausländischen Staat, aus dem die Einkünfte stammen, besteht. Ist dies der Fall, so ist zu untersuchen, ob der Bundesrepublik Deutschland ein Besteuerungsrecht an den in Betracht kommenden ausländischen Einkünften zusteht. 3.1.2 Beschränkte Steuerpflicht Körperschaften, die im Inland weder ihre Geschäftsleitung noch ihren Sitz haben, sind nach § 2 Nr. 1 KStG beschränkt steuerpflichtig. Unter diese Vorschrift fallen ausländische juristische Personen des öffentlichen und des privaten Rechts sowie ausländische nichtrechtsfähige Personenvereinigungen und Vermögensmassen. Die beschränkte Steuerpflicht nach § 2 Nr. 1 KStG erstreckt sich nur auf die inländischen Einkünfte ausländischer Körperschaften. Unter inländischen Einkünften sind nur die unter § 49 EStG fallenden zu verstehen. Das bedeutet, dass keinesfalls alle, sondern lediglich die in § 49 EStG definierten Arten inländischer Einkünfte der beschränkten Steuerpflicht unterliegen. 150 Teil II: Ertragsteuern Die bisherigen Ausführungen lassen erkennen, dass die beschränkte Steuerpflicht nach § 2 Nr. 1 KStG der beschränkten Einkommensteuerpflicht nach § 1 Abs. 4 EStG entspricht. Insoweit besteht also Übereinstimmung zwischen Einkommenund Körperschaftsteuerrecht. Das gilt aber nicht für die zweite Art der beschränkten Körperschaftsteuerpflicht, die in § 2 Nr. 2 KStG geregelt ist. Unter diese Vorschrift fallen diejenigen Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen, die weder unbeschränkt steuerpflichtig sind, noch unter § 2 Nr. 1 KStG fallen. Dies trifft für juristische Personen des öffentlichen Rechts zu. Diese unterliegen der beschränkten Steuerpflicht, aber lediglich mit denjenigen inländischen Einkünften, von denen ein Steuerabzug vorzunehmen ist. Nach derzeitigem Recht kann es sich hierbei nur um Einkünfte handeln, die dem Kapitalertragsteuerabzug unterliegen. Bei welchen Einkünften dies der Fall ist, wurde bereits an früherer Stelle behandelt. Hierauf wird verwiesen99. Körperschaften, die der beschränkten Steuerpflicht nach § 2 Nr. 2 KStG unterliegen, werden nicht zur Körperschaftsteuer veranlagt, vielmehr ist bei ihnen die Steuerschuld gem. § 32 Abs. 1 Nr. 2 KStG durch die Kapitalertragsteuer abgegolten. Der Kapitalertragsteuersatz beträgt in derartigen Fällen gem. § 32 Abs. 3 KStG - abweichend von § 43a Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 EStG - lediglich 15 %. Er entspricht damit dem Körperschaftsteuersatz gem. § 23 Abs. 1 KStG. Beispiel Die Stadt A-Dorf ist beteiligt an der X-GmbH. Sie erhält von der GmbH eine Ausschüttung von 6 Mio €, abzüglich (15 % · 6 Mio =) 0,9 Mio € Kapitalertragsteuer. Die Stadt ist mit den Gewinnausschüttungen, die sie von der X-GmbH erhält, beschränkt steuerpflichtig. Mit der von der GmbH einbehaltenen Kapitalertragsteuer ist ihre Körperschaftsteuerschuld abgegolten. 3.1.3 Beginn und Ende der Steuerpflicht Zivilrechtlich entstehen Körperschaften des Privatrechts mit ihrer Eintragung in das maßgebliche Register, also Kapitalgesellschaften mit Eintragung in das Handelsregister, Genossenschaften in das Genossenschaftsregister und Vereine in das Vereinsregister. Insbesondere die Gründer von Kapitalgesellschaften entwickeln aber bereits häufig vor der Entstehung der Gesellschaft wirtschaftliche Aktivitäten. Je nachdem, in welchem Gründungsstadium sich die Gesellschaft befindet, wird dann von einer Vorgründungsgesellschaft oder von einer Vorgesellschaft gesprochen. Die Abbildung II/6 zeigt die Zusammenhänge. 99 Vgl. Gliederungspunkt 2.5.4. 3 Körperschaftsteuer einschließlich Besteuerung der Ausschüttungen 151 Vorgründungsgesellschaft Vorgesellschaft t1 t2 t3 t4 Schriftliche oder Notariell beur- Errichtung = Entstehung = mündliche kundeter Gesell- Übernahme der Eintragung ins Absprache schaftsvertrag Aktien bzw. Anteile Handelsregis- (§ 23 AktG, (§ 29 AktG, ter (§ 41 AktG, § 2 GmbHG) § 7 GmbHG) §§ 10, 11 GmbHG) Abbildung II/6: Kapitalgesellschaft in der Gründungsphase Die Vorgründungsgesellschaft tritt meistens nach außen kaum in Erscheinung; während ihres Bestehens werden die ersten internen Vorbereitungsmaßnahmen zur Gründung der Kapitalgesellschaft getroffen. Sie wird von der h. M. als BGB- Gesellschaft (§§ 705 ff. BGB) angesehen100. Die Vorgesellschaft entsteht mit Abschluss des notariell beurkundeten Gesellschaftsvertrages. Sie ist i. d. R. ebenfalls eine BGB-Gesellschaft. Entwickelt sie aber bereits so starke Aktivitäten, dass sie als Vollkaufmann anzusehen ist, so hat sie die Rechtsform einer OHG. Steuerlich ist die Vorgründungsgesellschaft kein körperschaftsteuerliches Gebilde, sondern eine Mitunternehmerschaft i. S. d. § 15 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG101. Anders verhält es sich hingegen mit der Vorgesellschaft. Sie wird als dasselbe Körperschaftsteuersubjekt angesehen wie die spätere Kapitalgesellschaft. Bei Gründung einer GmbH z. B. handelt es sich also ab Abschluss des Gesellschaftsvertrages um eine Kapitalgesellschaft i. S. d. § 1 Abs. 1 Nr. 1 KStG. Die Körperschaftsteuerpflicht endet mit der tatsächlichen Beendigung des Geschäftsbetriebs. Dies ist erst nach Abschluss der Liquidation und nach Ablauf des Sperrjahres (§ 272 AktG bzw. § 73 GmbHG) der Fall. Durch die Eröffnung des Insolvenzverfahrens hingegen wird die Steuerpflicht nicht berührt. 3.1.4 Persönliche Befreiungen Ebenso wie das Einkommen- kennt das Körperschaftsteuerrecht eine Vielzahl von Steuerbefreiungen. Diese sind in § 5 KStG geregelt. Während nach dem EStG (§§ 3 und 3b) bestimmte Einnahmen von der Besteuerung ausgenommen werden, sind nach § 5 KStG einzelne Körperschaften von der Körperschaftsteuer befreit. Bei der Einkommensteuer handelt es sich somit um sachliche, bei der Körperschaftsteuer hingegen um persönliche Befreiungen. Hier kann nur auf einige wenige Befreiungsvorschriften des § 5 KStG kurz hingewiesen werden. 100 Vgl. statt vieler Dötsch, E./Jost, W. F./Pung, A./Witt, G., Körperschaftsteuer, § 1 KStG, Rz. 106. 101 Siehe hierzu BFH-Urteil vom 8.11.1989, I R 174/86, BStBl 1990 II, S. 91. Vgl. auch Rengers, W., in Blümich, W., Kommentar, § 1 KStG, Rz. 172. Hinsichtlich der Besteuerung der Mitunternehmerschaften s. Gliederungspunkt 2.2.5.2. 152 Teil II: Ertragsteuern Befreit sind nach § 5 Abs. 1 Nrn. 2 und 2a KStG bestimmte Betriebe gewerblicher Art der öffentlichen Hand, so z. B. die Bundesbank, die Kreditanstalt für Wiederaufbau und die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben. § 5 Abs. 1 Nr. 3 KStG enthält eine Befreiung rechtsfähiger Pensions-, Sterbe- und Krankenkassen unter engen, im Gesetz genau definierten Voraussetzungen. Befreit sind nach § 5 Abs. 1 Nr. 5 KStG Berufsverbände ohne öffentlich-rechtlichen Charakter, aber nur insoweit, als sie keinen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb unterhalten. Hierunter fallen z. B. die Einzelgewerkschaften des DGB, der DGB selbst und Arbeitgeberverbände. Körperschaften, die nach der Satzung, dem Stiftungsgeschäft oder sonstigen Verfassung ausschließlich und unmittelbar gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Zwecken im Sinne der §§ 51 bis 68 AO dienen, sind nach § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG von der Körperschaftsteuer befreit. Voraussetzung ist allerdings, dass die tatsächliche Geschäftsführung dem Satzungszweck entspricht. Diese Befreiungsvorschrift kommt besonders häufig bei Vereinen zur Anwendung. Betreibt eine unter § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG fallende Körperschaft einen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb, so ist auf diesen die Steuerbefreiung nicht anwendbar. 3.2 Ermittlung des Einkommens und des zu versteuernden Einkommens 3.2.1 Bemessungsgrundlage, Ermittlungs- und Erhebungszeitraum Bemessungsgrundlage der Körperschaftsteuer ist nach § 7 Abs. 1 KStG das zu versteuernde Einkommen. Die Bemessungsgrundlage hat somit die gleiche Bezeichnung wie die der Einkommensteuer. Das zu versteuernde Einkommen ist nach § 7 Abs. 2 KStG bei Kapitalgesellschaften und bei solchen Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften, die nicht Land- und Forstwirtschaft betreiben, identisch mit dem Einkommen. Bei den übrigen Körperschaften hingegen ist vom Einkommen zur Ermittlung des zu versteuernden Einkommens ein Freibetrag nach § 24 KStG oder nach § 25 KStG abzuziehen. Aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung wird der Begriff Einkommen nachfolgend regelmäßig synonym für den des zu versteuernden Einkommens verwendet. Die Körperschaftsteuer ist - ebenso wie die Einkommensteuer - eine Jahressteuer (§ 7 Abs. 3 Satz 1 KStG). Veranlagungszeitraum ist also das Kalenderjahr. Ermittlungszeitraum ist gem. § 7 Abs. 3 Satz 2 KStG ebenfalls grundsätzlich das Kalenderjahr. Besteht die Steuerpflicht nicht während des ganzen Kalenderjahrs, so verkürzt sich der Ermittlungszeitraum auf den Zeitraum der Steuerpflicht (§ 7 Abs. 3 Satz 3 KStG). Bei Körperschaften, die nach den §§ 238 ff. HGB zur Buchführung verpflichtet sind, ist der Gewinn nach dem Wirtschaftsjahr zu ermitteln, für das sie regelmäßig Abschlüsse erstellen (§ 7 Abs. 4 KStG). Kraft Rechtsform zur Buchführung verpflichtet (Formkaufmann) sind gem. § 6 i. V. m. §§ 238 ff. HGB alle Handelsgesellschaften. Als Handelsgesellschaften gelten die Kapitalgesellschaften (§ 3

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References

Zusammenfassung

Die betriebswirtschaftliche Steuerlehre für BWLer.

Betriebswirtschaftliche Steuerlehre

Der »Klassiker« zur betriebswirtschaftlichen Steuerlehre ist gerade für Studierende der Betriebswirtschaft an Universitäten und Fachhochschulen ein hervorragendes Lehrbuch. Durch die integrierten Aufgaben mit Lösungen kann der Wissensstoff gleich angewendet werden.

Die Schwerpunkte im Überblick

* Grundlagen und Grundbegriffe, Durchführung der Besteuerung

* Ertragsteuern

* Steuerbilanzen

* Bewertungsgesetz und Substanzsteuern

* Verkehrsteuern

* Prinzipien des Steuerrechts und Besteuerungsverfahren.