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Andrea Maria Wessels, Eckhard Flohr, I.9 Das Vorhaben erden: Rechtsform und Finanzierung des Franchisegebers in:

Jürgen Nebel, Albrecht Schulz, Eckhard Flohr (Ed.)

Das Franchise-System, page 88 - 94

Handbuch für Franchisegeber und Franchisenehmer

4. Edition 2008, ISBN print: 978-3-8006-3330-2, ISBN online: 978-3-8006-4324-0, https://doi.org/10.15358/9783800643240_88

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I.9Das Vorhaben erden: Rechtsform und Finanzierung des Franchisegebers von Andrea Maria Wessels und Eckhard Flohr Einführung OhneGeld kann keinUnternehmen gegründet werden, auch kein Franchiseunternehmen, obgleich dies häufig der Fall ist. Deshalb muss auch der Franchisegeber einen Investitionsplan vorAufnahme seiner Tätigkeit erarbeiten und eine Finanzplanung erstellen.Hierbei sind nicht nur Erstinvestitionen wie Büromiete, Werbungskosten, Kosten für Markenanmeldungen, Rechtsberatungskosten und Ähnliches zu berücksichtigen, sondern auch Anfangsverluste bei dem Aufbau des Franchisesystems. Hierunter ist nicht nur der allererste Schritt beimAufbau zu verstehen, also a) die Errichtung und der Betrieb eines Pilotbetriebes und b) einer kleinen Systemzentrale sowie c) Anfangswerbung und d) Beratung durch externe Dienstleister, sondern auch die Investitionen der ersten Jahre, wenn bereits Franchisenehmer beteiligt sind. Es ist ein verbreiteter Trugschluss anzunehmen, dassmit den ersten Einnahmen von Einstiegsgebühren bereits die Kostendeckung erreicht werden kann. Gerade am Anfang lernt der Franchisegeber selbst noch täglich dazu und muss sein System ständig anpassen. Dies kostet zusätzliches Geld. Hinzu kommt, dass er zur Erfüllung seiner Leistungsversprechen bereits bei dem ersten Franchisenehmer alle Leistungen bereithalten muss, auch wenn dieEinnahmen über den oder die ersten Franchisenehmer dieKosten hierfür beiweitem noch nicht decken. Schließlich ist Franchising die Methode, einen bestimmten Geschäftstyp zu multiplizieren; es ist also nicht erstaunlich, dass der break even erst bei größerer Franchisenehmer-Zahl und nicht schon in der ersten Vervielfältigungsphase (zwei bis zwanzig Franchisenehmer) erreicht werden kann.NachwelcherZeit dies der Fall ist, hängt ganz von der Branche, der Strategie, dem besonderen Nutzen des Systems für Franchisenehmer und Kunden, kurz von den gesamten Rahmenbedingungen ab. Eine allgemeine Regel lässt sich nicht aufstellen. I.9.1 Die Rechtsform der Gesellschaft Die Beschaffung des notwendigen Eigenkapitals kann in erster Linie über die geeignete gesellschaftsrechtliche Form der Franchisegeber-Gesellschaft geschehen. Hierfür werden idealerweiseGesellschafter gesucht und gefunden, die sich beteiligen.Auch professionelle Venture-Capital-Gesellschaften können,wenn sie überzeugt werden von den Erfolgschancen des geplanten Franchisesystems, als Gesellschafter an der Bildung des Eigenkapitals beteiligt sein. Solche privaten Beteiligungsgesellschaften kann der Franchisegeber über die IHK oder auch über seine Hausbank finden. 64 Entwickeln Die Wahl der geeigneten Gesellschaftsform für die Aufnahme von eigenkapitalgebenden Gesellschaftern hängt von den Interessen des Gründers und seiner langfristigen Planung ab und reicht von der Personengesellschaft in Form einer offenen Handelsgesellschaft (OHG) oder einer Kommanditgesellschaft (KG) bis hin zur Gründung einer juristischen Person, in der Regel einer GmbH. Welches die geeignete Rechtsform ist, lässt sich nur im Einzelfall entscheiden. Grundsätzlich gelten alle bekannten Vor- und Nachteile bei der Gründung einer Gesellschaft, die hier nur kurz resümiert werden sollen: a) Das einzelkaufmännische Unternehmen Der einfachste Weg, gewerblich tätig zu werden, geht über die Gründung einer Einzelfirma. Im Grunde ist das Wort Gründung hier bereits missverständlich, denn es bedarf lediglich eines Gewerbescheins, um als Einzelkaufmann im Geschäftsverkehr aufzutreten. Der Inhaber haftet für alle Verbindlichkeiten persönlich und unbeschränkt. Dabei ist nach derHandelsrechtsreform gem. §1 I HGB Kaufmann derjenige, der einHandelsgewerbe betreibt, wobei das Handelsgewerbe in § 1 II HGB jeder Gewerbebetrieb ist, es sei denn, dass das Unternehmen nachArt und Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert. Davon ist in der Regel bei Franchisenehmer-Outlets nicht auszugehen.Diese sind nicht als sog.Kleingewerbetreibende anzusehen. Der Beginn und das Ende der Kaufmannseigenschaft ist nach Art des betriebenen Handelsgewerbes des Franchisenehmers unterschiedlich.Handelt es sich um einen Kaufmann i.S.v. § 1 II HGB, so beginnt die Kaufmannseigenschaft des Franchisenehmers durch Aufnahme desGeschäftsbetriebes. Lässt sich der Franchisenehmer alsKaufmann nach § 2HGB in dasHandelsregister eintragen, so beginnt dieKaufmannseigenschaftmit der Eintragung in dasHandelsregister. Die Kaufmannsstellung endet mit der Veräußerung bzw. Verpachtung bzw. der endgültigen Einstellung des Franchise-Oulets. b) Die Personengesellschaft MehrereUnternehmer können auch eine Personengesellschaft in der FormeinerOHG oder KG gründen, indem ein entsprechenderGesellschaftsvertrag abgeschlossen und die Firma in das Handelsregister eingetragen wird. Die Gesellschafter haften dann, bis auf den oder die Kommanditisten einer KG, gleichfalls unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen.Auch kann die Franchisegeber-Gesellschaft in der Rechtsform einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts aufgebaut werden, nachdem der Bundesgerichtshof unter Aufgabe seiner bisherigen Rechtsprechung festgestellt hat, dass eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts als solche aktiv legitimiert ist. Damit kann nunmehr eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts unter ihrer Firma klagen und unter ihrer Firma verklagt werden; bislang mussten solche Ansprüche von den Gesellschaftern der Gesellschaft bürgerlichen Rechts geltend gemacht werden bzw. waren diese für gegen die Gesellschaft bürgerlichen Rechts gerichtete Verbindlichkeiten inAnspruch zu nehmen.Auch dieGesellschafter einerGesellschaft bürgerlichen Rechts haften wie jede Personengesellschaft unbeschränkt mit ihrem Privatvermögen; allerdings besteht dieMöglichkeit, dass im InnenverhältnismitDritten aufgrund einer Individualvereinbarung eine Haftungsbeschränkung vereinbart wird. Soweit vereinzelt darüber nachgedacht wurde, imGeschäftsverkehr unter „Gesellschaft bürgerlichen Rechts GmbH“ aufzutreten, um so eine beschränkteHaftung derGesellschaft bürgerlichenRechts zumAusdruck zu bringen, ist dies von der Rechtsprechung abgelehnt worden. Das Vorhaben erden: Rechtsform und Finanzierung des Franchisegebers 65 c) Die beschränkt haftendenGesellschaften Die meisten Franchisegebergesellschaften werden als juristischen Person gegründet – meistens als GmbH. Diese hat den Vorteil, dass die Gesellschafter nicht persönlich haften, sondern ihre Haftung grundsätzlich auf das Stammkapital – von mindestens 25.000 Euro – beschränkt ist.DerGesellschaft steht dann dieses Stammkapital für Investitionen zurVerfügung. Eine Alternative hierzu ist die Gründung einer Aktiengesellschaft mit einem Mindeststammkapital von 50.000 Euro und mit einemMindestnennwert jeAktie von 1 Euro.Nach der Änderung des Aktiengesetzes ist das Verfahren zur Gründung und Führung einer „Kleinen“ AG dem einer GmbH angeglichen worden, sodass nicht zu jeder Hauptversammlung ein Notar hinzugezogen werden muss. Die AG benötigt im Gegensatz zu der GmbH allerdings einenAufsichtsrat, der ausmindestens dreiMitgliedern besteht und der von der Hauptversammlung zur Kontrolle des Vorstandes gewählt wird. EinVorteil derAGbesteht darin, dass leichterKapital durch dieAusgabe neuerAktien aufgenommen werden kann. Franchisenehmer, Mitarbeiter oder andere zu dem System gehörende Personen, z.B. Systemlieferanten, könnten durch den Erwerb vonAktien an der Franchisegeber-Gesellschaft und deren Erfolg beteiligt und dadurch motiviert werden. In einer Beteiligung der Franchisenehmer an der Franchisegeber-Gesellschaft als Aktionäre liegt auch nicht die Bildung eines unzulässigenKartells im Sinne von §1GWBmit derKonsequenz der Nichtigkeit der abgeschlossenen Verträge einschließlich des Franchisevertrages.Allein durch die Beteiligung an der Franchisegeber-Gesellschaft wandelt sich ein Franchisesystem nicht von einem vertikal strukturierten Absatzsystem in ein horizontales Absatzsystem um. Problematisch wäre dies nur dann, wenn einer der Franchisenehmer aufgrund der Höhe seiner Beteiligung am Grundkapital der AG maßgebender Aktionär würde und damit über seine Aktionärsstellung die Geschäftspolitik der Franchisegeber- Gesellschaft beeinflussen kann. Bedenklich ist hingegen die Umkehrung, d.h. die Beteiligung des Franchisegebers an der Franchisenehmer-Gesellschaft.Oft wird diese nur angestrebt, damit die Franchisenehmer- Gesellschaft in der Gründungsphase mit entsprechendem Kapital ausgestattet ist. Prosperiert aber die Franchisenehmer-Gesellschaft und schüttet Gewinne aus, so sind diese Gewinne auch entsprechend der Beteiligungsquote an den Franchisegeber auszuschütten, sodass dieser erneut an den Leistungen des Franchisenehmers neben der von diesem zu leistenden laufenden Franchisegebühr partizipiert. Dies führt oft zu einem Konflikt zwischen Franchisenehmer und Franchisegeber, der sich zu einem Konflikt für das gesamte Franchisesystem entwickeln kann.Wenn also solche Beteiligungen des Franchisegebers an der Franchisenehmer-Gesellschaft angestrebt werden, sollte bereits im Gesellschaftsvertrag festgelegt werden, innerhalbwelchen Zeitraums dieAnteile des Franchisegebers vom Franchisenehmer übernommenwerden können. Franchisenehmer schließen in der Regel den Franchisevertrag als persönliche Personen ab. Es sollte aber dem Franchisenehmer durch den Franchisevertrag auch ermöglicht werden, die Rechte und Pflichten aus dem abgeschlossenen Franchisevertrag bei Fortbestehen der gesamtschuldnerischen Haftung auf eine von ihm übernommene oder gegründete Personen- oder Kapitalgesellschaft zu übertragen. Diese Übertragung steht dann aber unter dem Einwilligungsvorbehalt des Franchisegebers. Anderenfalls ist nicht sichergestellt, dass etwa über Mitgesellschafter Know-How an einen Konkurrenten des Franchisesystems abfließt. Allerdings sollten im Rahmen des Franchisevertrages detail- 66 Kapitel I: Entwickeln liert dieAnforderungen für eine solche Franchisenehmer-Gesellschaft aufgestellt werden. Vielmehr bedarf es bei Übertragung der Rechte und Pflichten aus dem Franchisevertrag auf eine Franchisenehmer-Gesellschaft einer Ergänzungsvereinbarung zum Franchisevertrag. Im Rahmen dieser Ergänzungsvereinbarung ist dann auf die jeweilige Gesellschaftsform des Franchisenehmers abzustellen. Damit wird die Ergänzungsvereinbarung auch der AGB-rechtlichen Überprüfung gem. §§305 ff. BGB entzogen. Es handelt sich dann um eine Individualvereinbarung, so dass die Grenzen des Inhalts einer solchen Ergänzungsvereinbarung durch die Guten Sitten (§ 138BGB) und die Grundsätze von Treu und Glauben (§ 242BGB) gezogen werden. Dies ermöglicht Franchisegeber und Franchisenehmer einen breiteren Verhandlungsspielraum als der durch die enge AGB-rechtliche Betrachtung gezogene. d) Die Mischformen Eine früher fürdieBauherrenmodelle viel benutzteGesellschaftsform istdieGmbH&CoKG. Hierbei handelt es sich um eine Personengesellschaft, die durch die Beteiligung einer beschränkt haftenden GmbH als Komplementärin die an sich unbeschränkte Haftung des Komplementärs umgeht. Diese Form wurde oft für Kapitalanlagegesellschaften genutzt, da die Kapitalgeber als Kommanditisten nur in Höhe ihrer geleisteten Einlage, also nicht persönlich unbeschränkt haften und in die Geschäftsführung nicht direkt eingreifen könnenwie die Gesellschafter einer GmbH. Welche Rechtsform der zukünftige Franchisegeber wählt, hängt von seinen mittelfristigen Interessen bei der Kapitalbeschaffung, dem Handelsbrauch in der betreffenden Branche und den persönlichen Bedürfnissen der Gründer ab. So mag es Branchen geben, in denen auch heute Gesellschaften mit unbeschränkt haftenden Gesellschafter eher geeignet sind, Vertrauen bei den zukünftigen Geschäftspartnern, d.h. den Lieferanten und auch den Franchisenehmern zu schaffen. Falls ein Franchisegeber aus steuerlichen Erwägungen eine Gesellschaft im Ausland zur Führung der Geschäfte des Franchisegebers gründen will, sollte er auf das jeweilige Image einer solchen Gesellschaft achten. Eine Gesellschaft auf den Cayman Islands schafft für die Franchisenehmer und die Lieferanten, welche sich in eine gewisseAbhängigkeit durchAnschluss an das Franchisesystem begeben, nicht unbedingt das notwendige Vertrauen auf dauerhafte und langfristige Existenz. In den überwiegenden Fällenwird eineGmbH als Franchisegeber-Gesellschaft gegründet. Hierbei ist besonders im Gründungsstadium auf Folgendes zu achten: Die Gesellschaft entsteht erst mit ihrer Eintragung im Handelsregister. Dieses Verfahren kann langwierig sein.Der Franchisegeber sieht sich aber oft gezwungen, bereits vorherGeschäfte zu tätigen. Hierzu gehören besonders: • Anmeldung derMarken • Kreditverträge mit Banken • Anträge auf Fördermaßnahmen oder zu Förderprogrammen • Rahmenvereinbarungen mit Vorlieferanten • Beratungsverträge mit Dienstleistern • Arbeitsverträge mitAngestellten • Mietverträge mit gewerblichen Vermietern • Leasingverträge mit Kfz-Händlern Grundsätzlich kann der Franchisegeber in diesen Fällen bereits als GmbH i.G. (in Gründung) unterzeichnen, doch muss er hierbei Folgendes beachten: Das Vorhaben erden: Rechtsform und Finanzierung des Franchisegebers 67 Scheitert die spätere Eintragung ins Handelsregister, haften die Gesellschafter weiterhin unbeschränkt persönlich für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Kommt es zur Eintragung, aber deckt das eingetragene Stammkapital nicht die bereits eingegangenen Verbindlichkeiten, haften die Gesellschafter auf den fehlenden Differenzbetrag. Will der Franchisegeber umgehend über eineGmbH (oder eineAG) verfügen, besteht auch dieMöglichkeit, eine bereits gegründete und imHandelsregister eingetrageneGesellschaft zu erwerben. Eine solcheMantelgesellschaft hat keineGeschäftstätigkeit entfaltet, sondern wartet nur darauf, gekauft zu werden, damit sie mit dem Geschäftszweck ausgefüllt wird, den ihr der Erwerber gibt. Eine Reihe spezialisierter Unternehmen haben solche Gesellschaften vorrätig. In vielen Fällen werden die Gesellschafter ohnehin gezwungen sein, persönlich zu zeichnen, wie bei Kredit-, Miet- und Leasingverträgen, da sich kaum einer dieser Vertragspartner auf eine noch nicht existenteGesellschaft verlassenwird, derenHaftsumme noch nicht sicher ist. Hier sollten die Gesellschafter untereinander verbindliche und wirksame Vereinbarungen treffen, wie ein Innenausgleich geschaffen werden kann, wenn die Gesellschafter je einzeln persönliche Verpflichtungen für die zukünftige Gesellschaft eingehen. I.9.2 Die Finanzierung der Gesellschaft Als Finanzierungsinstrument zur Aufbringung von genügend Eigenkapital für die Gründungsphase des Franchisesystems haben alleGesellschaftsformen Vor- undNachteile. Für die Interessen von Franchisegebern hat sich nach den ersten Erfahrungen mit der neuen „Kleinen“AG gezeigt, dass dieAktiengesellschaft erhebliche Vorteile bietet, dieses sind: • Geschäftsführung des Vorstands weitgehend unbeeinflusst durchAktionäre • kleine Beteiligungen ab 1 Euro möglich • Beteiligung von Franchisenehmern am Unternehmen ohne kartellrechtliche Beschränkungen möglich, solange keine Mehrheit amAktienkapital entsteht • Verkehrsfähigkeit der Gesellschaftsanteile (Aktien), dadurch Erleichterung bei der nachträglichenKapitalbeschaffung einschließlich derMöglichkeit, später an dieBörse zu gehen. Bei der Finanzierung eines solchen Vorhabens können neben den klassischen Finanzierungsinstrumenten über die Hausbank auch öffentliche Fördermittel abgerufen werden. Zu den wichtigsten Fördermitteln gehören Darlehen, Rückbürgschaften, Investitionszulagen, Zuschüsse, Zinszuschüsse, Bürgschaften undGarantien des Bundes und der Länder. Teilweise bieten die Länder auch Eigenkapitalhilfe durch Beteiligungen am Unternehmen des Franchisegebers an. InÖsterreich gibt es dieMöglichkeit der Bürges-Finanzierung.Allerdings ist dazu als Besonderheit zu beachten, dass eine Finanzierung dann in Frage gestellt ist, wenn im Franchisevertrag eine Bezugsbindung des Franchisenehmers an den Franchisegeber enthalten ist und darüber hinaus ein sog. Abwerbeverbot festgelegt wird, d.h. die Verpflichtung des Franchisenehmers, keine Mitarbeiter eines anderen Franchisenehmers oder eines Franchisegebers abzuwerben. Ob das konkrete Franchise-Vorhaben förderwürdig ist, kann nur im Einzelfall beurteilt werden. Es gibt eine Vielzahl von besonderen Förderprogrammen, wenn das Unternehmen in den neuen Bundesländern errichtet werden soll. Die Voraussetzungen für einzelne Förderprogramme können übersichtlich in dem jährlich erscheinenden Unternehmerjahrbuch des Luchterhand Verlages nachgelesen werden. Auch haben sich einige Beratungsunterneh- 68 Kapitel I: Entwickeln men darauf spezialisiert, Beratung anzubieten, umdurch dasDickicht der verschiedensten Förderprogramme hindurchzuführen und die geeigneten Programme aufzuspüren (Nachweis über denDeutschen Franchise-Verband, Berlin).Anwen einAntrag gerichtet werden muss, hängt von dem Förderprogramm ab. Die meisten Förderungen sind über die Kreditanstalt für Wiederaufbau erhältlich. Jede gute Hausbank sollte hier über die Informationen und Adressen verfügen, die im Einzelfall für den Franchisegeber wichtig sind. Allerdings sollte der Franchisegeber sich nicht in die Finanzierung des Franchisenehmers unmittelbar miteinbinden, da andernfalls die Gefahr einer Mithaftung besteht, wenn die Finanzierung fehl schlägt.Vielmehr ist dem Franchisegeber zu empfehlen, sich insoweit offizieller Finanzierungsberater zu bedienen. Entsprechende Angaben dazu werden vom Deutschen Franchise-Verband vermittelt. Soweit der Franchisegeber seinen Franchisenehmern derartigeDritte vorschlägt und diese dann das Finanzierungskonzept für den Franchisenehmer ausarbeiten, ist zwar eine Haftung des Franchisegebers für das Finanzierungskonzept nicht gegeben, doch haftet der Franchisegeber insoweit gem. §664 Abs. 1BGB für ein etwaiges ihm unterlaufenes Auswahlverschulden. Jedem Franchisesystem ist zu empfehlen, sich imHinblick auf konkrete Förderprogramme oder Finanzierungsmöglichkeiten durch überregional tätige Banken beimDeutschen Franchise-Verband zu erkundigen.Dort istman in der Regel auch darüber unterrichtet,welche Banken konkrete Finanzierungsmöglichkeiten für Franchisesysteme insgesamt und Franchisenehmer im besonderen anbieten. Nach Fusionierung der Deutschen Ausgleichsbank mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau sind die Förderungsmöglichkeiten für Franchisesysteme, die die Deutsche Ausgleichsbank angeboten hat, entfallen. Gesonderte Förderprogramme für Franchisenehmer gibt es nichtmehr. Vielmehr werden Franchisegründungen wie normale Existenzgründungen behandelt und können insofern nur auf diese Förderprogramme der Kreditanstalt fürWiederaufbau zurückgreifen. Das Vorhaben erden: Rechtsform und Finanzierung des Franchisegebers 69 Kapitel II Erproben Die Erprobungsphase zeigt die Marktrealität: Ist das, was mit viel Überlegungen und einigem finanziellen Aufwand entwickelt worden ist, wirklich markttauglich? Diese Phase ist stets die Generalprobe für das im Aufbau befindliche Franchisesystem. Jetzt wird sich erweisen, ob das Knowhow, das innerhalb des Unternehmens als Geschäftsidee erarbeitet wurde, auch so multiplizierbar ist, dass dieses von Unternehmern – den Franchisenehmern – an deren Point of Sale (POS) angewandt werden kann. Dann stellt sich auch heraus, ob das Know-how so unerlässlich für das Betreiben der einzelnen Franchise-Outlets ist, wie es die EU-Kommission im Rahmen der EU-Gruppenfreistellungsverordnung für Vertikale Vertriebsbindungen verlangt. Diese Unerlässlichkeitsprüfung zieht sich durch die Lebensdauer des Franchisesystems wie ein Leitfaden. Zunächst ist zu prüfen, ob das Know-how für den Pilotbetrieb unerlässlich ist; dann folgt die Fragestellung innerhalb der Erprobungsphase, ob das Know-how für das Franchise-Outlet des Franchisenehmers unerlässlich ist und dann letztlich die entscheidende Frage, ob das Know-how nach Abschluss der Erprobungsphase so umgesetzt werden kann, dass auf der Grundlage dieses Know-how nicht nur ein Franchisesystem aufgebaut, sondern auch national und gegebenenfalls international weiterentwickelt werden kann. Die Marktidee: Am Anfang steht der Kunde 71

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References

Zusammenfassung

Das Standardwerk des Franchising

Mit Franchising gutes Geld verdienen wollen viele. Gelingen kann es aber nur, wenn man die Bedingungen hierfür wirklich kennt und dann auch konsequent umsetzt.

Dieses Standardwerk gibt nun in der 4. Auflage Franchisegebern und Franchisenehmern gemeinsam das ökonomische und rechtliche Instrumentarium an die Hand, um die Kraft des Franchising voll nutzen zu können. Franchisegebern zeigt es, wie sie Chancen beim Entwickeln und Umsetzen von Franchisesystemen erkennen und Risiken vermeiden können. Franchisenehmern hilft es, die Stärken und Schwächen eines Systems nach wirtschaftlichen Kriterien einzuschätzen. Erkenntnis: Franchising als „Partnership for Profit“ lebt nur, wenn Geber und Nehmer gleichermaßen vom System profitieren. Die langjährigen Erfahrungen der Herausgeber und Autoren prägen dieses Buch. Der inhaltliche Rhythmus folgt dem Lebenszyklus eines Franchisesystems.

Die Neuauflage erläutert im Detail die Auswirkungen der EG-Vertikal-Gruppenfreistellungsverordnung sowie der Anpassung des deutschen an das EG-Kartellrecht durch die 7. GWB-Novelle. Sie beleuchtet die Folgen der großen Schuldrechtsreform einschließlich der geänderten Verbraucherschutzvorschriften und setzt sich mit den unbefriedigenden Auswirkungen der Muster-Widerrufs-belehrung auseinander. Der Dokumentationsteil bündelt wichtige rechtliche Rahmenbedingungen und Empfehlungen des Deutschen Franchise-Verbandes in der jeweils aktuellen Fassung.

Die Herausgeber

Dr. Jürgen Nebel, Personal- und Unternehmensberater, Albrecht Schulz, Rechtsanwalt, hat langjährige Erfahrung im Franchise-, Vertriebs- und Handelsvertreterrecht, Prof. Dr. Eckhard Flohr, Rechtsanwalt, langjähriger Berater nationaler und internationaler Franchise-Systeme.