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5. Die Zukunft des Geldangebotsmonopols der Notenbank in:

Otmar Issing

Einführung in die Geldtheorie, page 94 - 95

15. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3810-9, ISBN online: 978-3-8006-4315-8, https://doi.org/10.15358/9783800643158_94

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Nautz. Auf der Basis von Kointegrationstests und Granger-Kausalitätstests weist er nach, dass im Falle Deutschlands weder M1 noch M3 über Veränderungen der Geldbasis gesteuert werden. In beiden Fällen scheint sich die Geldbasis an die Entwicklung der Geldmenge anzupassen und nicht umgekehrt. 5. Die Zukunft des Geldangebotsmonopols der Notenbank In der Geldwirtschaft besitzt die Notenbank eine einzigartige Stellung im Bankensystem. Durch ihre geldpolitischen Operationen gibt sie die Konditionen am Geldmarkt vor und beeinflusst damit maßgeblich die Geld- und Kreditschöpfung des Bankensystems. Ein Vergleich der Größenordnungen in Tabelle III. 1 offenbart jedoch die gänzlich unterschiedlichen Dimensionen der Zentralbankbilanz einerseits, gekennzeichnet durch die Einlagen bei der Notenbank bzw. der monetären Basis, und der Größe des Finanzsystems andererseits, charakterisiert durch das breite Geldmengenaggregat bzw. die ausstehende Staatsschuld. Während die einzelnen Verhältniszahlen vor dem Hintergrund spezifischer, währungsgeschichtlicher Entwicklungen zwischen den Gebieten durchaus divergieren, fallen die Bilanzmaße der Notenbank im Vergleich zu den Größenordnungen des jeweiligen Finanzsystems für alle vier Währungsgebiete verhältnismäßig gering aus. Vergleich finanzieller Kenngrößen in 2004 in % des BIP Einlagen bei der Notenbank Monetäre Basis Breites Geldmengenaggregat Ausstehende Staatsschuld USA 0.4 6.1 75.9 48.6 Japan 6.4 21.9 138.8 157.9 Eurogebiet 2.0 9.1 97.0 70.2 UK 0.0 4.3 114.8 41.5 Quelle: BIZ, EZB und OECD Tabelle III.1 Hieraus lässt sich unmittelbar ableiten, dass der Umfang der geldpolitischen Operationen der Notenbank im Verhältnis zu den Volumina auf den (zu beeinflussenden) Finanzmärkten eher gering ist. In dem Maße, in dem die Notenbank mit diesen „kleinen‘‘ Operationen Einfluss auf das Finanzsystem nehmen kann, müssen diese Operationen eine besondere Qualität besitzen. Diese beruht letztlich auf der Monopolstellung der Notenbank als einzige Quelle Zentralbankgeld ausgeben zu können, d. h. ein Zahlungsmittel, das nicht durch andere Aktiva substituiert werden kann und nicht in andere Zahlungsmittel eingelöst werden muss. Da eine ausreichende Versorgung mit Bankenliquidität für eine Ausweitung des Bankgeschäftes unabdingbar ist (siehe Abschnitt 3 b) und die Notenbank einen Monopolstatus innehat, kann sie folglich die Konditionen der Zentralbankgeldbereitstellung bestimmen. Der Wandel im Bankwesen und der technologische Fortschritt im Zahlungsverkehr könnten in der Zukunft zu einer weiteren Divergenz zwischen dem Umfang der Zentralbankbilanz und der Grösse des Finanzsystems führen. Vor diesem Hintergrund warf B. Friedman die Frage auf, ob im Rahmen einer solchen Entwicklung die Bedeutung des Geldangebotsmonopols und damit die Kontrolle der Notenbank über 5. Die Zukunft des Geldangebotsmonopols der Notenbank 87 die Geldmarktbedingungen verloren gehen könne. Seiner Meinung nach würde etwa der technologische Fortschritt die Synchronisation von Zahlungen verbessern und somit die Nachfrage nach Zentralbankeinlagen zu Zahlungsverkehrszwecken verringern, mit der Folge, dass das Wachstum des Finanzsystems der Notenbankkontrolle entgleiten könnte. Letzteres könnte aus seiner Sicht langfristig zu einer „Entkoppelung‘‘ des Zentralbankgeldangebotes von der Finanzmarktentwicklung führen. C.Goodhart hingegen betonte, dass die Vorteilhaftigkeit der Bargeldverwendung, die dabei gewährleistete Anonymität und die Endgültigkeit der Zahlungen auch in Zukunft eine permanente Nachfrage nach Basisgeld sicherstellen würde, welche eine Kontrolle der Notenbank über die Geldmarktkonditionen gewährleisten würde. Während Goodhart den grundsätzlichen Charakter des Zentralbankgeldes und damit die Monopolstellung betont, sieht Friedman die mögliche Erosion des Einflusses der Notenbank wegen der immer geringeren Rolle des Zentralbankgeldes im gesamten Finanzsystem. 6. Literatur zum III. Kapitel Gesamtdarstellungen: Einen sehr guten Überblick über die moderne Geldangebotstheorie geben: Burger, Albert E., The Money Supply Process, Belmont 1971. Brunner, Karl and Meltzer, Allan H., Money Supply, in: Friedman, Benjamin M. and Hahn, Frank H. (eds.), Handbook of Monetary Economics, Vol. I, Amsterdam u.a. 1990, S. 357–398. Überblick über die Geldangebotstheorie auf dem aktuellen Stand. Freixas, Xavier and Rochet, Jean-Charles, Microeconomics of Banking, 2. Auflage, Cambridge 2008. Lehrbuch, das unter anderem Theorien der Finanzintermediation, das Kreditmarktgleichgewicht sowie Imperfektionen der Finanzmärkte behandelt. Für eine kurze Übersicht eignet sich der Artikel: Teigen, Ronald L., The Demand for and Supply of Money, in: Teigen, Ronald L. (ed.), Readings in Money, National Income and Stabilization Policy, 5. Auflage, Homewood 2000, S. 54–81. Der Artikel enthält auch Ergebnisse empirischer Untersuchungen für die USA. Die neuere Diskussion um die Theorie des Geldangebots wurde vor allem durch die Arbeiten Brunners ausgelöst. Der erste Ansatz findet sich in: Brunner, Karl, A Schema for the Supply Theory of Money, International Economic Review 1961, S. 79–109. An deutschsprachigen Veröffentlichungen sind vor allem zu nennen: Gebauer, Wolfgang, Geld: Angebot versus Nachfrage, in: Bofinger, Peter und Ketterer, Karl-Heinz (Hrsg.), Neuere Entwicklungen in der Geldtheorie und Geldpolitik – Festschrift für Norbert Kloten, Tübingen 1996, S. 243–262. Kritik an der Trennung von Geldangebot und Geldnachfrage. Grössl, Ingrid und Ketterer, Karl-Heinz, Eine kritische Würdigung gängiger Geldangebotsmultiplikatoren und Ansatzpunkte für eine Neuformulierung, in: Bofinger, Peter und Ketterer, Karl-Heinz (Hrsg.), Neuere Entwicklungen in der Geldtheorie 88 III. Das Geldangebot

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References

Zusammenfassung

Der Klassiker zur Geldtheorie.

Das Lehrbuch zur Geldtheorie

ist eines der erfolgreichsten Bücher dieser Art. Dem Autor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing, ehemals Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank und »Vater des Euro«, gelingt es hervorragend, den aktuellen Stand der modernen Geldtheorie einfach und konzentriert darzustellen. Der Band gibt den Studenten eine hilfreiche Orientierung in der Diskussion zwischen Keynesianern, Monetaristen und Liquiditätstheoretikern.

Geldtheorie aktuell

Die Neuauflage enthält unter anderem Ausführungen zu

* den wichtigsten Entwicklungen der Kreditmarkttheorie

* dem Einfluss der Finanzmarktkrise auf den Geldmarkt und

* dem Zusammenhang von Finanzmarktkrise und Liquidität.

Im Überblick

* Das Geld

* Die Nachfrage nach Geld

* Das Geldangebot

* Zinstheorie

* Geldmenge, monetäre Nachfrage, Preisniveau und Beschäftigung

* Die Liquidität

* Inflationstheorie