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7. Literatur zum VI. Kapitel in:

Otmar Issing

Einführung in die Geldtheorie, page 197 - 199

15. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3810-9, ISBN online: 978-3-8006-4315-8, https://doi.org/10.15358/9783800643158_197

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Banksystems im Keim zu ersticken, erklärte daher die Bundesregierung eine umfassende Garantie für alle Bankeinlagen. Ein Bank-Run blieb damit aus. Massive Liquiditätsprobleme traten dagegen auf den Finanzmärkten auf. Die Tendenz zur Verbriefung (Securitization) hatte sich über viele Jahre fortgesetzt. Man versteht darunter den Prozess, dass Banken ihre Kredite nicht mehr in den Bilanzen halten, sondern in Wertpapiere umwandeln und am Markt weiterverkaufen. Auf diesem Wege werden Liquidität und Eigenkapital frei und können für weitere Aktivgeschäfte eingesetzt werden. Auf diese Weise erhöht sich das Verhältnis der Aktivseite zum Eigenkapital weit über die Relationen der Vergangenheit hinaus. Diese sog. Hebelwirkung (Leverage) erhöht jedoch die Abhängigkeit des Bankensystems von der Entwicklung der Finanzmärkte, und zwar insbesondere dann, wenn die Banken die Käufe der von ihnen ausgegebenen Wertpapiere durch Kredite finanziert hatten. Mit dem Zusammenbruch des amerikanischen Marktes für zweifelhafte Hypotheken (Subprime Mortgages) gerieten die Kurse auch zahlreicher anderer Wertpapiere unter Druck. Dazu trug auch bei, dass sich die Bewertung der Qualität solcher Papiere durch die Ratingagenturen als bei weitem zu positiv herausstellte. Akteure, die Liquidität benötigten, konnten Wertpapiere nur noch zu stark gesunkenen Kursen und damit unter hohen Verlusten verkaufen. In vielen Fällen war es praktisch überhaupt nicht mehr möglich, bestimmte Titel zu veräußern. Die Finanzmarktkrise hat in unüberbietbarer Klarheit den „Schönwettercharakter“ der Liquidität deutlich gemacht. Während über viele Jahre die Kurse von Wertpapieren gestiegen waren und die Aufnahme von Kredit gegen Sicherheiten reibungslos verlief, brachen die Märkte mit dem allgemeinen Verlust an Vertrauen zusammen. 7. Literatur zum VI. Kapitel Zum 1. Abschnitt: Krümmel, Hans-Jacob, Liquidität, in: Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaften, 5. Band, Stuttgart u.a. 1980, S. 47–54. Schmölders, Günter, Geldpolitik, 2. Auflage, Tübingen u.a. 1968, S. 86–101. Stützel, Wolfgang, Liquidität, in: Handwörterbuch der Sozialwissenschaften, 6. Band, Neuauflage, Stuttgart u.a. 1988. Zum 2.–4. Abschnitt: Zur Position der Liquiditätstheorie des Geldes gegenüber der Quantitätstheorie siehe: Hahn, Frank H., Liquidity, in: Friedman, Benjamin M. and Hahn, Frank H., Handbook of Monetary Economics, Vol. I., 4. Auflage, Amsterdam u.a. 2000, S. 63–80. Oberhauser, Alois, Liquiditätstheorie des Geldes als Gegenkonzept zum Monetarismus, Kredit und Kapital, 10. Jg., 1977, S. 207–232; wiederabgedruckt in: Badura, Jürgen und Issing, Otmar (Hrsg.), Geldtheorie, Stuttgart u.a. 1979, S. 63–77. Eine Reihe wichtiger Artikel zum Liquiditätsproblem sind enthalten in: Dürr, Ernst (Hrsg.), Geld- und Bankpolitik, 2. Auflage, Köln u.a. 1971; beispielsweise die Beiträge von Gaskin, Maxwell, Die Liquidität und der Geldmechanismus, S. 292–313; Holtrop, M. W., Über die Deutung monetärer Erscheinungen, S. 314–371; und von McKean, Roland N., Liquidity and a National Balance Sheet, The Journal of Political Economy, Vol. 57, 1949, S. 506–522; wiederabgedruckt in dem Band: Rea- 190 VI. Die Liquidität dings in Monetary Theory, hrsg. von der American Economic Association, New York u.a. 1951, S. 63–88. Paish, F. W., Was ist Liquidität eigentlich?, S. 283–291. In besonders klarer Weise ist die Bedeutung der Liquidität in dem „klassischen‘‘ Aufsatz von Hicks dargestellt: Hicks, John R., A Suggestion for Simplifying the Theory of Money, Economica 1935; wiederabgedruckt in: Hicks, John R., Critical Essays in Monetary Theory, Neuauflage, Oxford 1979, S. 61–82. Zur Tätigkeit und Bedeutung der Kreditvermittler: Diamond, Douglas W., Liquidity, banks, and markets, Journal of Political Economy, Vol. 105, Nr. 5, Okt. 1997, S. 928–956. Gurley, John G. and Shaw, Edward S., Money in a Theory of Finance, 9. Auflage, Washington 1979. Insbesondere Kap. VI. Pagano, Marco, Financial markets and growth: an overview, European Economic Review 37 (2–3), 1993, S. 613–622. Pesek, Boris P. and Saving, Thomas R., Money, Wealth and Economic Theory, 4. Auflage, London 1970. Vor allem Kap. 5. Scholtens, Lambertus I.R., On the foundations of financial intermediation: A review of the literature, Kredit und Kapital 26 (1), 1993, S. 112–141. Tobin, James and Brainard, William C., Financial Intermediaries and the Effectiveness of Monetary Controls, American Economic Review, Papers and Proceedings, Vol. 53, 1963, S. 383–400. Zum 5. Abschnitt: Gurley und Shaw behandeln in dem oben genannten Werk (S. 160 und S. 177) den Einfluss der finanziellen Intermediäre auf die Geldnachfrage. Zum 6. Abschnitt: Aschinger, Gerhard, Währungs- und Finanzkrisen, München 2001. Theoretische Analyse von Krisen mit Beispielen aus den 1990er Jahren. Gorton, Gary and Metrick, Andrew, Securitized Banking and the Run on Repo, NBER Working Paper No. 15223, August 2009, Analysieren die Krise des verbrieften Marktes 2007–2008. Kindleberger, Charles P., Manias, Panics, and Grashes, 3rd edition, New York 1996. Klassiker zum Thema Finanzmarktkrisen mit vielen historischen Beispielen. 7. Literatur zum VI. Kapitel 191 VII. Inflationstheorie 1. Der Geldwert In einer Geldwirtschaft wird der objektive Tauschwert eines Gutes durch seinen Preis bestimmt, also in Geld ausgedrückt; der subjektive Tauschwert beruht dagegen auf den individuellen Nutzenschätzungen der einzelnen Wirtschaftseinheiten und ist keine Größe, die man unmittelbar am Markt beobachten kann. Eine Trennung nach subjektivem und objektivem Wert versuchte die subjektive Wertlehre auch beim Geld vorzunehmen. Unter dem einzelwirtschaftlichen oder persönlichen Tauschwert des Geldes versteht diese Theorie die Geltung, welche die Geldeinheit für das einzelne Wirtschaftssubjekt hat; nach der Grenznutzenlehre ist diese Geltung durch das Verhältnis der Höhe des jeweiligen Einkommens bzw. Vermögens zu den Bedürfnissen, d.h. durch die Knappheit des Geldes bestimmt (F.v. Wieser). Der subjektive Geldwert muss daher zwischen den einzelnen Wirtschaftssubjekten ganz verschieden sein. Die subjektive Wertlehre prägte weiterhin den Begriff des volkswirtschaftlichsubjektiven Geldwertes als Durchschnitt aus den persönlichen, einzelwirtschaftlichen Maßstäben des Geldwertes. Der Versuch, auf diesem Wege zu einer Messung der volkswirtschaftlich relevanten Größe des Geldwertes zu kommen, wurde jedoch schon bald wieder aufgegeben. Geht man von der Tauschmittelfunktion des Geldes aus, so führt das Problem der Bestimmung des Geldwertes zu der Frage, welche Gütermenge man mit einer bestimmten Geldsumme kaufen kann, also zur Frage nach der Kaufkraft des Geldes. Mit einer bestimmten Summe Geldes kann man aber offensichtlich umso mehr (weniger) von einem Gut kaufen, je niedriger (höher) der Preis des betreffenden Gutes ist; Kaufkraft des Geldes und Preis des Gutes stehen in einem reziproken Verhältnis. Die Wirtschaftssubjekte kaufen nun aber nicht nur ein Gut, sondern eine Vielzahl von Gütern. Daher kann man auch nicht bei der Bestimmung der Kaufkraft des Geldes von dem Preis eines einzigen Gutes ausgehen, sondern muss den Preisdurchschnitt der gekauften Waren zugrunde legen. Bleibt dieser Preisdurchschnitt im Zeitablauf stabil, ändert sich auch die Kaufkraft des Geldes nicht; steigt (sinkt) der Preisdurchschnitt, so fällt (wächst) die Kaufkraft des Geldes entsprechend. Stabilität des Preisdurchschnitts bedeutet natürlich nicht, dass alle Einzelpreise gleich geblieben wären. Änderungen der Einzelpreise erfüllen in einer Marktwirtschaft eine wichtige „Signalfunktion‘‘, beispielsweise für die Anpassung der Produktion an geänderte Wünsche der Verbraucher. Wird die Forderung nach Stabilität der Kaufkraft des Geldes und infolgedessen nach Stabilität eines Preisdurchschnitts erhoben (Indexwährung), ist dies also nicht eine Forderung nach unveränderlichen Preisen einzelner Güter. Dieser Preisdurchschnitt bleibt solange stabil, wie sich Bewegungen der Einzelpreise nach oben und unten rechnerisch gerade ausgleichen. Zur Bestimmung der Kaufkraft des Geldes und deren Veränderung scheint es notwendig, einen Durchschnitt der Preise aller Güter zu bestimmen und in seiner Entwicklung im Zeitablauf zu verfolgen. Dieser Forderung am nächsten käme der Preis-

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Zusammenfassung

Der Klassiker zur Geldtheorie.

Das Lehrbuch zur Geldtheorie

ist eines der erfolgreichsten Bücher dieser Art. Dem Autor Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Otmar Issing, ehemals Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank und »Vater des Euro«, gelingt es hervorragend, den aktuellen Stand der modernen Geldtheorie einfach und konzentriert darzustellen. Der Band gibt den Studenten eine hilfreiche Orientierung in der Diskussion zwischen Keynesianern, Monetaristen und Liquiditätstheoretikern.

Geldtheorie aktuell

Die Neuauflage enthält unter anderem Ausführungen zu

* den wichtigsten Entwicklungen der Kreditmarkttheorie

* dem Einfluss der Finanzmarktkrise auf den Geldmarkt und

* dem Zusammenhang von Finanzmarktkrise und Liquidität.

Im Überblick

* Das Geld

* Die Nachfrage nach Geld

* Das Geldangebot

* Zinstheorie

* Geldmenge, monetäre Nachfrage, Preisniveau und Beschäftigung

* Die Liquidität

* Inflationstheorie