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3. Der Beitrag Knut Wicksells in:

Otmar Issing

Einführung in die Geldtheorie, page 106 - 107

15. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3810-9, ISBN online: 978-3-8006-4315-8, https://doi.org/10.15358/9783800643158_106

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
3. Der Beitrag Knut Wicksells Der schwedische Nationalökonom K. Wicksell entwickelte die klassische Zinstheorie in entscheidender Weise weiter. Er unterscheidet zunächst zwischen folgenden beiden Zinssätzen: (1) Dem Darlehenszins: dies ist der Zins, der sich auf dem Kreditmarkt auf Grund von Angebot und Nachfrage nach Krediten bildet. (2) Dem natürlichen (realen) Zins: dies ist zum einen der Zins, bei dem sich die Nachfrage nach Krediten für Investitionszwecke und das Angebot an Ersparnissen gerade ausgleichen; dieser Zins entspricht zum anderen in etwa der erwarteten Rendite aus den neuen Investitionen. Eine Wirtschaft befindet sich nun im Gleichgewicht, wenn der Darlehenszins gleich dem natürlichen Zins ist; Wicksell spricht dann vom normalen Zins. Die Banken können aber nun durch die Möglichkeit der Geldschöpfung den Darlehenszins unter das Niveau des natürlichen Zinses senken. Ist dies der Fall, werden die Unternehmer bei einem Vergleich der unveränderten Ertragsmöglichkeiten der Investitionen und niedrigeren Zinskosten veranlasst, zusätzlich zum bisherigen Volumen Kredite nachzufragen. Zins 0 A B Kreditangebot, Kreditnachfrage i1 i2 I S S+ M Abb. IV.6 In Abb. IV.6 ist die Erhöhung des Kreditangebots durch die Geldschöpfung der Banken berücksichtigt; neben das Angebot aus Ersparnissen tritt zusätzlich das Kreditangebot, das auf die Ausdehnung der Geldmenge zurückzuführen ist. Das gesamte Kreditangebot wird durch die Kurve S Ê DM verkörpert, der Darlehenszins sinkt dadurch von i1 auf i2. Herrscht in der betreffenden Volkswirtschaft Vollbeschäftigung – von dieser Annahme geht Wicksell aus –, führt die durch die Zinssenkung bedingte zusätzliche Nachfrage der Unternehmer nach Produktionsmitteln zu Preissteigerungen, und zwar zunächst bei den Preisen der Produktionsfaktoren und als Folge davon auch bei den Preisen der produzierten Güter. 3. Der Beitrag Knut Wicksells 99 Dieser Preissteigerungsprozess muss solange anhalten, solange der Darlehenszins unter dem natürlichen Zins liegt. Die Ausdehnung des Angebots an Kreditmitteln auf Grund der Geldschöpfung kann mit anderen Worten einen kumulativen Prozess bewirken, der solange anhält, wie die Geldschöpfung den Darlehenszins unter dem Zins hält, bei dem sich Angebot und Nachfrage nach Ersparnissen ausgleichen würden. Umgekehrt ergibt sich dann ein kumulativer Schrumpfungsprozess des Kreislaufs, wenn sich durch Geldvernichtung das Angebot auf dem Kreditmarkt verknappt, der natürliche Zins also unter dem Darlehenszins liegt; bei Flexibilität der Preise äußert sich dieser kumulative Schrumpfungsprozess in einem allgemeinen Sinken der Preise der Produktionsfaktoren und der produzierten Güter. Der sog. Wicksellsche Prozess kann sich also „nach oben‘‘ und „nach unten‘‘ entwickeln und wird immer ausgelöst, sobald Darlehenszins und natürlicher Zins voneinander abweichen. Viel diskutiert ist dabei die Frage, ob und auf Grund welcher Vorgänge dieser kumulative Prozess in ein neues Gleichgewicht einmündet. Verringert sich beispielsweise die Liquidität der Banken, sodass sie zur zusätzlichen Geldschöpfung schließlich nicht mehr in der Lage sind, muss der Darlehenszins wieder auf die Höhe steigen, die er vor dem Beginn des Wicksellschen Prozesses „nach oben‘‘ hatte. An den realen Bedingungen hat sich in diesem Falle nichts geändert, d.h. die Produktion und die relativen Güterpreise sind im neuen Gleichgewicht unverändert, gestiegen ist lediglich das Preisniveau. Dies ist eine zentrale Aussage der klassischen Theorie: Die Geldmenge bestimmt lediglich das Preisniveau, hat aber keinen Einfluss auf die realen Größen. Ein Einfluss auf die realen Größen könnte sich jedoch auch unter „klassischen Voraussetzungen‘‘ ergeben, nämlich dann, wenn sich im Verlauf des Preissteigerungsprozesses (bzw. der Preissenkungen) die Einkommensverteilung so verändert, dass dadurch der Anteil der Ersparnis bzw. des Konsums am Gesamteinkommen beeinflusst wird. Das wäre z.B. der Fall, wenn die Preissteigerungen zu einem relativen Ansteigen der Gewinne der Unternehmer führen, d.h. die Anteile der Lohn- und Rentenbezieher am Gesamteinkommen zurückgehen. Bewirkt dieser relative Anstieg der Gewinne eine entsprechende Ausdehnung der Investitionen, bedeutet dies eo ipso einen entsprechenden Rückgang des Anteils der Konsumausgaben an den gesamten Ausgaben. Die Preissteigerungen hätten in diesem Fall einen relativen Anstieg der Ersparnisse erzwungen; man spricht deshalb auch vom sog. Zwangssparen. Geht der Anteil der freiwilligen Ersparnis nicht entsprechend zurück, steigt die Ersparnis insgesamt an; die Ausstattung der Volkswirtschaft mit Realkapital hätte sich verbessert, der natürliche Zins wäre entsprechend gesunken. Unter diesen Annahmen hätte dann auch die Geldschöpfung einen Einfluss auf die realen Größen ausgeübt. 4. Die Liquiditätstheorie des Zinses Nach den Annahmen der klassischen Zinstheorie werden liquide Mittel ausschließlich für Investitionszwecke nachgefragt; die Kassenhaltung der Wirtschaftssubjekte ist durch das Transaktionsvolumen bestimmt, zum Teil spielt auch das Vorsichtsmotiv eine gewisse Rolle. Keynes hat nun in seinem Buch „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes‘‘ seine Anschauung über den Zins im bewussten Gegensatz hierzu formuliert. „Der Zinssatz ist nicht der ‚Preis‘, der die 100 IV. Zinstheorie

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References

Zusammenfassung

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Im Überblick

* Das Geld

* Die Nachfrage nach Geld

* Das Geldangebot

* Zinstheorie

* Geldmenge, monetäre Nachfrage, Preisniveau und Beschäftigung

* Die Liquidität

* Inflationstheorie