6. Kapitel: Produktions- und Einkommensentwicklung in Deutschland: Der empirische Befund in:

Michael Frenkel, Klaus Dieter John

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, page 78 - 109

7. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3763-8, ISBN online: 978-3-8006-4307-3, https://doi.org/10.15358/9783800643073_78

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 69 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland: Der empirische Befund 1. Zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und des Bruttonationaleinkommens In diesem Kapitel sollen die Daten für die zentralen Größen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die im 4. und 5. Kapitel erläutert wurden, für Deuschland näher betrachtet werden. Tabelle 6-1 gibt einen ersten Überblick über die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts und des Bruttonationaleinkommens sowie damit in Verbindung stehender Größen. Der vergleichsweise starke Anstieg des Bruttoinlandsprodukts in 1991 ist auf die Wiedervereinigung Deutschlands zurückzuführen. Ab 1991 zeigen die Daten die entsprechenden Werte für Gesamtdeutschland. Neben dem Bruttoinlandsprodukt und dem Bruttonationaleinkommen enthält Tabelle 6-1 auch die Daten für das Nettonationaleinkommen sowie das noch etwas enger gefasste Volkseinkommen (= Nettonationaleinkommen zu Faktorkosten). Zwischen 1991, dem ersten Jahr nach der Wiedervereinigung, und 2010 nahm der Wert des Bruttoinlandsprodukts um rund 63  Prozent zu. Der Zuwachs beim Bruttonationaleinkommen betrug sogar noch ein paar Prozentpunkte mehr. Das Volkseinkommen stieg mit rund 59 Prozent im gleichen Zeitraum etwas weniger. Das Bruttoinlandsprodukt und das Bruttonationaleinkommen werden – wie auch andere Inlandsproduktsgrößen und deren Teilaggregate – vom Statistischen Bundesamt nicht nur in jeweiligen Preisen, sondern auch in konstanten Preisen eines Basisjahres berechnet. Im ersten Fall spricht man von nominalen Größen, im letzten Fall dagegen von realen Größen. Dividiert man nominale durch reale Größen, erhält man den Preisindex (Inlands- bzw. Inlandsproduktsdeflator) auf Grundlage des Basisjahres. Methoden und Probleme der Preisbereinigung werden im 7. Kapitel genauer erörtert. Die jährliche Veränderung des realen Inlandsprodukts bildet die Wachstumsrate des Inlandsprodukts, die häufig auch nur Wachstumsrate (eines Landes) genannt wird. Die Wachstumsrate lässt sich auch auf Basis des Bruttonationaleinkommens ermitteln. Diese kann geringfügig von der des Inlandsprodukts abweichen. In jüngerer Vergangenheit bezieht sich die amtliche Statistik stets auf das reale Bruttoinlandsprodukt, wenn von der Wachstumsrate ohne nähere Erläuterungen gesprochen wird. Die Wachstumsrate ist eine der von der Öffentlichkeit und der Politik am meisten beachteten wirtschaftlichen Größen. Abbildung 6-1 zeigt die Entwicklung der jährlichen Wachstumsraten für die Bundesrepublik Deutschland nach 1960. Auch hier beziehen sich die Angaben 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 70 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik70 für den Zeitraum vor 1991 auf Westdeutschland. Aus der Darstellung sind die einzigen sechs Jahre seit Ende des zweiten Weltkrieges zu entnehmen, in denen das reale Bruttoinlandsprodukt in der Bundesrepublik rückläufig war. Dies waren die Jahre 1967, 1975, 1982, 1993, 2003 und – mit dem stärksten Rückgang – das Jahr 2009. Im Jahr 1967 erlebte die Bundesrepublik die erste wirtschaftliche Krise seit dem zweiten Weltkrieg. Damals stieg die Arbeitslosenzahl auf einen Jahresdurchschnitt von rund 460 000 nach 161 000 im Vorjahr. Dies bedeutete einen Anstieg der Arbeitslosenquote von 0,7 auf 2,1 Prozent, ein Niveau, das aus Sicht der jüngeren Vergangenheit sehr niedrig erscheint. Der wirtschaftliche Abschwung in den Jahren 1975 und 1982 folgte jeweils starken Ölpreiserhöhungen, die von den erdölexportierenden Ländern im Rahmen des OPEC- Kartells am Weltmarkt durchgesetzt wurden. Sie führten nicht nur zu einem vergleichsweise ausgeprägten Rückgang der Produktion, sondern ließen auch die Arbeitslosigkeit auf bis dahin nicht gekannte Niveaus steigen. So überstieg die Zahl der Arbeitslosen im Jahre 1975 erstmals die Grenze von einer Million und am Jahresende 1982 die Grenze von zwei Millionen. Zu Beginn der neunziger Jahre verlangsamte sich das Wachstum weltweit. Strukturelle Komponenten zusammen mit geringen Wachstumsraten ließen die Arbeitslosigkeit in den darauffolgenden Jahren weiter ansteigen. Kurz nach der Jahrtausendwende stagnierte das reale BIP in Deutschland. Dies spiegelte die Kombination aus einem starken Rückgang der Aktienkurse im Bereich der Informationstechnologie („Platzen der Internetblase“), einem weltweiten Konjunkturrückgang und Jahr Bruttoinlandsprodukt (zu Marktpreisen) Bruttonationaleinkommen Nettonationaleinkommen Volkseinkommen 1960 1970 1980 1990 1991 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 155 345 753 1240 1535 1849 1876 1916 1965 2012 2063 2113 2143 2164 2211 2242 2327 2432 2481 2397 2499 155 346 755 1252 1542 1835 1866 1902 1945 1990 2043 2092 2117 2149 2232 2269 2374 2475 2521 2431 2532 143 311 666 1097 1327 1564 1590 1619 1655 1693 1735 1776 1795 1826 1904 1933 2032 2116 2154 2065 2179 123 271 583 968 1193 1397 1418 1439 1466 1487 1524 1561 1576 1600 1672 1695 1779 1838 1871 1792 1901 Tab. 6-1: Bruttoinlandsprodukt, Nationaleinkommen und Volkseinkommen in jeweiligen Preisen (in Mrd. Euro) Quelle: Statistisches Bundesamt (2011a, 2011b), Tab. 2.1.2 und 2.1.4 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 71 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 71 Abb. 6-1: Veränderung des realen BIP in Prozent gegenüber dem Vorjahr Quelle: Statistisches Bundesamt (2011a, 2011b), Tab. 2.1.2 – 6,0 – 4,0 – 2,0 0,0 2,0 4,0 6,0 8,0 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995 2000 2005 2010 einem vorsichtigeren Verhalten von Investoren angesichts der Terroranschläge auf das World Trade Center in New York wider. Infolgedessen stieg die Jahresdurchschnittszahl der Arbeitslosen in 2002 erstmals über die Grenze von 4 Mio. Wie Abbildung 6-1 zeigt, war die anschließende Erholungsphase nur von kurzer Dauer. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Herbst 2007 begann und das Wachstum in den meisten Ländern insbesondere in den darauffolgenden zwei Jahren stark beeinträchtigte, führte in Deutschland zum stärksten Einbruch im Produktionsvolumen in der neueren Wirtschaftsgeschichte, d. h. nach dem zweiten Weltkrieg. Die in den Vorjahren erzielte höhere Flexibilität der Arbeitswelt auf Unternehmensebene kombiniert mit dem Ausbau von Regelungen zum Kurzarbeitergeld gelang es in Deutschland, einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosigkeit trotz des deutlichen Rückgangs des realen BIP zu verhindern. Die Wachstumsrate stieg nach 2009 wieder deutlich an. Im früheren Bundesgebiet sank das reale BIP um 1,7 Prozent. Zwei für internationale Vergleiche vielfach berechnete Größen sind das reale Bruttonationaleinkommen je Einwohner und das reale Bruttoinlandsprodukt pro Erwerbstätigen. Das Bruttonationaleinkommen je Einwohner (auch „Pro- Kopf-Einkommen“ genannt) betrug in Deutschland vor 2010 nominal rund 30 000 Euro. Damit lag es über 20 Prozent höher als im Jahr 2000 (Tabelle 6-2). Inflationsbereinigt fiel der Anstieg deutlich nieriger aus. Die Veränderung des realen Pro-Kopf-Einkommens wird oft als grobes Maß für die Veränderung des materiellen Wohlstands der Bürger interpretiert. Hierbei wird die Nationaleinkommensabgrenzung anstelle der Inlandsproduktsabgrenzung verwendet, weil es um Aussagen über die der Wohnbevölkerung zufließenden Güter bzw. Einkommen geht und das Nationaleinkommen auf dem Inländerkonzept aufbaut. Die Rela tion aus Bruttoinlandsprodukt und Erwerbstätigen dient häufig als Indikator für die Produktivität einer Volkswirtschaft. Hierbei wird im Zähler der Relation die nach dem Inlandskonzept abgegrenzte Produktionsgröße verwendet, weil für die Produktivität nur die im Inland hergestellte Gütermenge relevant ist. Da der Arbeitseinsatz der Erwerbstätigen im Zeitablauf und zwischen verschiedenen Ländern unterschiedlich sein kann, ist die Produktion je Erwerbstätigen nur bedingt als Maß für die Arbeitsproduktivität (= Relation von Produktionsergebnis zu Arbeitseinsatz) geeignet. Daher sind auch Zeitreihen (Längsschnittdaten) und Ländervergleiche (Querschnittsdaten) für die Pro- Kopf-Produktion mit Vorsicht zu interpretieren. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 72 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik72 2. Entstehung, Verwendung und Verteilung des Inlandsprodukts: Ein Überblick Die bisherigen Ausführungen betrachteten vor allem die Höhe der verschiedenen Inlands- und Nationaleinkommensbegriffe. Diese Daten enthalten wichtige Informationen über den Umfang der volkswirtschaftlichen Produktion und der entstandenen Einkommen. Neben diesen Informationen, die sich auf eine sehr hohe Aggregationsstufe bei der Betrachtung der wirtschaftlichen Aktivität in einer Volkswirtschaft beziehen, dienen zusätzliche Angaben zur Struktur der verschiedenen Inlandsproduktsabgrenzungen einer detaillierteren Beschreibung des Wirtschaftsgeschehens. Hierbei geht es um die drei im letzten Abschnitt des vorigen Kapitels aufgeworfenen Fragen, die sich auf Entstehung, Verwendung und Verteilung des Inlandsprodukts beziehen: ●● Welchen Anteil haben die einzelnen Wirtschaftsbereiche an der Erstellung des Inlandsprodukts? ●● In welche letzten Verwendungen fließen die in einer Volkswirtschaft hergestellten Güter? Jahr Reales Bruttoinlandsprodukt Index (2000 = 100) Reales Bruttonationaleinkommen Index (2000 = 100) Bruttonationaleinkommen in jeweiligen Preisen (Mrd. Euro) Produktivität* Index (2000 = 100) Nominales Pro-Kopf- Einkommen Reales Pro-Kopf- Einkommen Index (2000 = 100) in Euro Index (2000 = 100) 1991 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 85,26 92,13 92,87 94,00 96,32 98,40 100,00 101,17 101,78 101,76 102,84 103,06 105,98 108,91 109,41 105,64 109,00 86,46 92,32 93,26 94,21 96,23 98,27 100,00 101,11 101,47 102,00 104,80 105,26 109,18 111,84 112,84 108,10 110,03 1542 1835 1866 1902 1945 1990 2043 2092 2117 2149 2232 2269 2374 2475 2521 2431 2532 86,52 94,25 95,45 97,26 98,07 98,71 100,00 100,80 101,36 102,11 102,93 103,83 106,67 107,72 107,29 102,24 105,40 19273 22468 22789 23177 23711 24248 24860 25409 25662 26038 27055 27513 28832 30088 30697 29691 30974 77,53 90,38 91,67 93,23 95,38 97,54 100,00 102,21 103,23 104,74 108,83 110,67 115,98 121,03 123,48 119,43 124,59 87,71 91,12 91,77 93,25 95,16 97,01 100,00 101,06 100,88 100,62 101,85 102,66 106,25 109,21 110,48 105,58 109,59 Der Index von realen Größen ist jeweils als Kettenindex berechnet; Kapitel 7 enthält Details zum Kettenindex. * Definiert als reales Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen ** Definiert als reales Bruttonationaleinkommen dividiert durch die Wohnbevölkerung Tab. 6-2: Inlandsprodukt, Nationaleinkommen, Produktivität und Pro-Kopf-Einkommen Quelle: Statistisches Bundesamt (2011a, 2011b), Tab. 2.1.2 und 2.1.4 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 73 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 73 ●● Wie verteilt sich das bei der Erstellung der Güter erzielte Volkseinkommen auf die an der Produktion beteiligten Wirtschaftseinheiten? Das Statistische Bundesamt veröffentlicht neben dem Kontensystem, aus dem die Aggregate zur Inlandsproduktsrechnung zu entnehmen sind, auch Angaben zu den obigen drei Fragen. Wie zu Beginn von Kapitel 5 erwähnt, erfolgt dies in einer Reihe von Standardtabellen, in denen die Daten des Kontensystems für die verschiedenen Fragestellungen weiter aufgeschlüsselt sind. Die damit gelieferten Informationen sind besonders deshalb interessant, weil sie einen Einblick in die Wirtschaftsstruktur und ihre Veränderung im Zeitablauf erlauben. Sie stellen außerdem eine unverzichtbare Datenbasis dar, wenn es z. B. in der Wirtschaftspolitik oder in der Wirtschaftstheorie um Diskussionen über den sich vollziehenden Strukturwandel einer Wirtschaft, die Investitionsschwäche oder -stärke sowie die Veränderung der Einkommensverteilung geht. Entstehungs-, Verwendungs- und Verteilungsrechnung stellen nicht nur Informationsquellen für detailliertere Angaben über die wirtschaftliche Entwicklung und die Strukturen einer Volkswirtschaft dar, sondern bilden gleichzeitig prinzipielle Berechnungsarten für das Inlandsprodukt und wichtiger hiermit verwandter Größen. Wie im vorigen Kapitel angekündigt, sollen nachfolgend konzeptionelle Fragen der drei Berechnungsarten genauer diskutiert werden. Gleichzeitig wollen wir mit ausgewählten Daten auch das empirische Bild vervollständigen. 3. Die Entstehung des Inlandsprodukts A. Grundkonzeption der Entstehungsrechnung Gegenstand der Entstehungsrechnung ist der Anteil der verschiedenen Wirtschaftsbereiche an den Produktionsaktivitäten einer Volkswirtschaft und damit am Inlandsprodukt. Bei der Berechnung der Beiträge einzelner Teilbereiche der Wirtschaft an der Inlandsproduktserstellung liegt es nahe, von dem innerhalb der Grenzen einer Volkswirtschaft erstellten Produktionsvolumen als Bezugsgröße auszugehen. In der Statistik werden die Beiträge der einzelnen Wirtschaftsbereiche am Inlandsprodukt allerdings nicht als unmittelbare Anteile am Bruttoinlandsprodukt ausgewiesen, sondern als Beiträge zu einer der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts vorgelagerten Größe, der Bruttowertschöpfung. Vor der Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung im Jahr 2005 musste zwischen unbereinigter und bereinigter Bruttowertschöpfung unterschieden werden. Diese Unterscheidung war notwendig, weil gemäß den internationalen Empfehlungen gezahlte und empfangene Zinszahlungen in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht als Produktion erfasst wurden. Bei Anwendung dieses Prinzips hätte allerdings der Beitrag der Kreditinstitute zum Bruttoinlandsprodukt nur aus deren vereinnahmten Gebühren und Provisionen bestanden und ihre Wertschöpfung wäre deshalb zu niedrig ausgewiesen worden. Das Statistische Bundesamt zählte daher neben den tatsächlichen Einnahmen aus Gebühren u. ä. auch unterstellte Bankdienstleistungen im Umfang der Differenz zwischen Zinserträgen, Kreditprovisionen und anderen Vermögenseinkommen (ohne die von Auslandsfilialen) der Kreditinstitute einerseits und ihrem Zinsaufwand andererseits zu den Einnahmen der Kreditinstitute. Dieser Betrag wurde im Produktionskonto dieser Institute als Verkäufe Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 74 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik74 von Bankdienstleistungen verbucht und bildete somit einen Bestandteil der Produktionswerte der Kreditinstitute. Damit eine Doppelzählung (Erfassung als Einnahmen bei den Kreditinstituten, jedoch kein Abzug bei den Einnahmen anderer Wirtschaftseinheiten) vermieden wurde, war dieser fiktive Betrag als Vorleistung bei anderen Wirtschaftseinheiten anzusetzen, d. h. eine Bereinigung der ermittelten Bruttowertschöpfung der anderen Wirtschaftsbereiche vorzunehmen. Da praktisch alle anderen Wirtschaftsbereiche diese Bankdienstleistungen in Anspruch nehmen, aber keine Daten hierüber vorlagen, konnte der Betrag der Bankgebühr nur der Gesamtwirtschaft zugeordnet werden. In der Statistik wurde diese Position als unterstellte Bankgebühr bezeichnet. Durch Abzug der unterstellten Entgelte für Bankdienstleistungen von der unbereinigten Bruttowertschöpfung der Unternehmen erhält man die bereinigte Bruttowertschöpfung der Unternehmen, die in der jüngeren Vergangenheit in der Bundesrepublik ca. 4 Prozent niedriger war als die unbereinigte Bruttowertschöpfung. Um von der bereinigten Bruttowertschöpfung zum Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen zu gelangen, ist zunächst zu berücksichtigen, dass die Produktionswerte und die Vorleistungen zu Herstellungspreisen in die Berechnung der Bruttowertschöpfung eingehen. Beim Übergang von der Bruttowertschöpfung (bereinigt) zum Bruttoinlandsprodukt sind daher die Bewertungsdifferenzen zwischen Entstehungs- und Verwendungsseite des Bruttoinlandsprodukts als Gesamtposition wieder hinzuzufügen. Diese Bewertungsdifferenzen sind die Gütersteuern abzüglich der Gütersubventionen. Mit der Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechung 2005 erfolgt nun eine Zurechnung der Bankdienstleistung im Ausmaß der jeweiligen Inanspruchnahme auf Einleger und Kreditnehmer. Um dieses Ausmaß feststellen zu können, muss die Zinsspanne zwischen Soll- und Habenzins in zwei Teile zerlegt werden: in einen Teil, der den Kreditnehmern als Dienstleistungsinanspruchnahme zugerechnet wird, und einen Teil, der entsprechend den Einlegern zugerechnet wird. Die Zerlegung erfolgt mit Hilfe des sogenannten Referenzzinses. Beim Referenzzins handelt es sich um einen fiktiven „reinen“ Zinssatz, der keine Dienstleistungsentgelte und keine Risikozuschläge enthält. Abbildung 6-2 veranschaulicht den Zusammenhang zwischen Kreditzins, Referenzzins und Einlagenzins an einem Beispiel. Wir nehmen an, dass ein Einleger bei einer Bank 1000 Euro anlegt. Die Bank zahlt auf diesen Betrag einen Einlagenzinssatz von iE = 4 Prozent. Sie verleiht die Summe an einen Kreditnehmer zu einem Kreditzinssatz von iK = 7 Prozent. Der Referenzzinssatz, der vom Statistischen Bundesamt im Rahmen einer Modellrechnung ermittelt wird, möge in unserem Beispiel iR = 5 Prozent betragen. Die Differenz zwischen Kreditzins und Referenzzins wird nach der neuen Methodik als Dienstleistungsentgelt für die Verwaltung des Kredits angesehen. In unserem Beispiel wären das 2 Prozent von 1000 Euro, also ein Betrag von 20 Euro. Dieser Betrag wird in Abbildung 6-2 durch die nach rechts-oben schraffierte Fläche repräsentiert. Die Differenz zwischen Referenzzins und Einlagenzins wird entsprechend als Dienstleistungsentgelt für die Verwaltung des Einlagenbetrages interpretiert. In unserem Beispiel wäre das 1 Prozent von 1000 Euro, also ein Betrag von 10 Euro. Aus der Summe beider Beträge ergibt sich das implizite Entgelt für die Serviceleistung der Bank im Zusammenhang mit dem Kredit- und dem Einlagengeschäft. (Zum gesamten Entgelt für die erbrachte Dienstleistung gehört wie weiter oben erläutert auch das explizite Entgelt, das separat durch Gebühren ausgewiesenen wird, wie z. B. Bereitstellungsgebühren bei einem Darlehen.) Da dieses Entgelt nicht direkt gemessen werden kann, sondern mit Hilfe des skizzierten Verfahrens nur indirekt ermittelt werden Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 75 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 75 kann, ist die hierfür gewählte Bezeichnung FISIM (Finanzserviceleistungen, indirekte Messung) sehr zutreffend. Von der Entstehungsseite her wird die FISIM dem Bankensektor als Produktionsleistung zugeordnet. Durch die Geschäftsvorfälle unseres Beispiels würde die Produktionsleistung der finanziellen Kapitalgesellschaften um 30  Euro zunehmen. Zwar wäre das auch nach dem alten Verfahren der „unterstellten Bankgebühr“ der Fall, allerdings würde dort der Gesamtbetrag pauschal als Vorleistung betrachtet und bei der „Bereinigung der Wertschöpfung“ vollständig vom Produktionswert abgezogen. Damit würde aber die wirtschaftliche Entwicklung nicht richtig wiedergegeben: Eine Zunahme der Bankdienstleistungen, die sich in erhöhten Zinserträgen widerspiegelt, würde zu keiner Erhöhung des Inlandsprodukts führen, da die entsprechende Erhöhung des Produktionswerts von einer gleichgroßen Erhöhung der Vorleistungen begleitet wurde. Nach der neuen Methode wird die FISIM auf die einzelnen Verwendungskategorien aufgeschlüsselt. Die von den privaten Haushalten in Anspruch genommenen Bankdienstleistungen werden zu den Konsumausgaben gezählt. Die für den Sektor Staat erbrachten Bankdienstleistungen stellen zwar zunächst Vorleistungen dar, wegen der additiven Berechnung des Produktionswerts dieses Sektors erhöhen sich aber auch im gleichen Maße die staatlichen Konsumausgaben. In dem Umfang, in dem die FISIM den privaten und staatlichen Konsumausgaben bzw. den Exporten zuzurechnen sind, erhöhen sich Inlandsprodukt und Nationaleinkommen gegenüber dem alten Verfahren. Nur insoweit sie für produzierende Wirtschaftseinheiten erbracht werden, stellen die FISIM Vorleistungen dar. Abb. 6-2: Zerlegung der Zinsmarge bei der Ermittlung der FISIM Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 76 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik76 Dieser Teil der FISIM wirkt sich nicht auf die Gesamtaggregate aus. Allerdings kommt es gegenüber dem alten Verfahren zu Verschiebungen der Anteile der Wirtschaftsbereiche an Wertschöpfung und Inlandsprodukt. Die durch die neue Methodik verursachte rechnerische Erhöhung des Gesamteinkommens schlägt sich von der Verteilungsseite her betrachtet in einer entsprechenden Niveauerhöhung bei den Unternehmens- und Vermögenseinkommen nieder. Auch bei der gesamtrechnerischen Verbuchung der Zinsen ergibt sich ein Unterschied zu dem alten Verfahren, weil die Zinszahlungen für Einlagen und Kredite jetzt über den fiktiven Referenzzins berechnet werden und nicht mehr die tatsächlich empfangenen und geleisteten Zinsen gebucht werden (die das Statistische Bundesamt aber nachrichtlich ausweist – vgl. Position D 4.1 in der Kontendarstellung von Abbildung 5-2). Das muss so sein, weil nach dem FISIM-Konzept der von einem Kreditnehmer gezahlte Zins wie oben beschrieben in ein Dienstleistungsentgelt und in einen Zins im eigentlichen Sinn, der Referenzzins, aufgespaltet wird. Analog werden den Einlegern Zinszahlungen in Höhe des Referenzzinses zugeordnet, obwohl sie faktisch nur den Einlagenzins erhalten. Mit der Differenz zwischen Referenzzins und Einlagenzins erwerben sie gedanklich die entsprechende Serviceleistung der Bank. Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass nur Kreditzinsen und Zinsen für Einlagen in die FISIM-Regelung einbezogen werden. Wertpapierzinsen werden dagegen in der tatsächlichen Höhe erfasst. Im Rahmen der Entstehungsrechnung werden die Beiträge der einzelnen Wirtschaftsbereiche zur gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion als Anteile an der Bruttowertschöpfung ausgewiesen. Dies erfolgt deshalb, weil es sich hierbei um diejenige Größe handelt, die zahlenmäßig aus den einzelnen Wirtschaftsbereichen erhoben wird und diesen daher direkt zugerechnet werden kann. Eine Aufteilung von Größen, die bei der Berechnung des Bruttoinlandsprodukts der Bruttowertschöpfung nachgelagert sind, müsste bei den einzelnen Bereichen jeweils behelfsmäßig aufgeteilte Inlandsproduktskomponenten enthalten. Die im Rahmen der Entstehungsrechnung des Inlandsprodukts anfallenden Informationen dienen zum einen der Beschreibung der Produktionsstruktur eines Landes. So kann der Anteil des Staates, der Unternehmen und der privaten Haushalte an der Inlandsproduktserstellung erkannt werden. Aus der Untergliederung des Unternehmenssektors kann man zusätzlich die Branchenstruktur eines Landes erkennen. Zum anderen dient die Aufgliederung des Inlandsprodukts in die Beiträge der einzelnen Bereiche auch der Analyse der Strukturveränderungen in einer Volkswirtschaft. Auch Strukturveränderungen zwischen den verschiedenen Regionen können bei entsprechender Datenuntergliederung aus der Entstehungsrechnung abgelesen werden. Aus den Strukturveränderungen, die die Entstehungsrechnung anzeigt, können verschiedene Schlussfolgerungen abgeleitet werden. Zum einen weisen sie auf Trends in der Veränderung der Branchenstruktur hin, zum anderen können sie als Anhaltspunkt dafür dienen, in welcher Weise sich die Nachfrage nach Arbeitskräften geändert hat und sich möglicherweise in Zukunft ändern wird. Darüber hinaus ist bei einer tieferen Gliederung der Branchen auch abzulesen, ob die Spezialisierung innerhalb der Volkswirtschaft zugenommen hat. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 77 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 77 B.  Die Struktur der Bruttowertschöpfung in der Bundes republik Deutschland nach Wirtschaftsbereichen Tabelle 6-3 gibt einen Überblick über die Struktur und Entwicklung der Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen. Die mit der Einführung der Europäischen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung in Deutschland übernommene grobe Gliederung der Wirtschaftsbereiche unterscheidet: ●● Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, ●● Produzierendes Gewerbe, ●● Baugewerbe, ●● Handel, Gastgewerbe und Verkehr, ●● Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister, ●● öffentliche und private Dienstleister.9 Die in Tabelle 6-3 enthaltene Gliederung der Wirtschaftsbereiche zeigt nur die grundlegende Struktur, die Größenordnung der Bruttowertschöpfung der Hauptkategorien und ihre jüngere Entwicklung. Die Untergliederung stellt eine Zusammenfassung der sektoralen Disaggregation der Bruttowertschöpfung im Ausweis des Statistischen Bundesamts dar, die rund 59 Wirtschaftsbereiche umfasst. Die Grobgliederung der Wirtschaftsbereiche in Tabelle 6-3 ähnelt etwas der in der Volkswirtschaftslehre traditionell vorgenommenen Einfachstuntergliederung in die folgenden drei Gruppen: ●● primärer Sektor, ●● sekundärer Sektor und ●● tertiärer Sektor. In dieser Einteilung der Produktionsbereiche umfasst der primäre Sektor die Land- und Forstwirtschaft, der sekundäre Sektor, der auch Industrie genannt wird, das produzierende Gewerbe und der tertiäre Sektor die Bereiche Handel und Verkehr, Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister sowie öffentliche und private Dienstleister. Die Bruttowertschöpfung der Wirtschaftsbereiche wird wie auch andere Inlandsproduktsgrößen und deren Teilaggregate vom Statistischen Bundesamt nicht nur in jeweiligen Preisen (nominale Größen), sondern auch preisbereinigt berechnet. Die Daten in Tabelle 6-3 zeigen für beide Größen eine rückläufige Bedeutung der Land- und Forstwirtschaft. Die relativen Beiträge dieses Sektors zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung haben in den letzten vier Jahrzehnten deutlich abgenommen. Betrug der Anteil der Land- und Forstwirtschaft in jeweiligen Preisen gerechnet 1965 noch 4,4 Prozent, so ging er bis 1991 auf 1,4 Prozent und bis 2010 sogar auf 0,9 Prozent zurück. Gleichwohl hat das Produktionsvolumen, wie der untere Teil der Tabelle 6-3 zeigt, auch im letzten 9 Private Dienstleister beinhalten z. B. private Erziehungseinrichtungen, Kultur-, Sportund Unterhaltungsunternehmen, Interessenvertretungen, gemeinnützige und kirchliche Einrichtungen sowie häusliche Dienste. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 78 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik78 Jahrzehnt des vergangenen Jahrhunderts und im ersten Jahrzehnt des laufenden Jahrhunderts weiter zugenommen. Obwohl die Produktion im Produzierenden Gewerbe kontinuierlich zugenommen hat, ging der Anteil auch dieses Wirtschaftsbereichs in den letzten Jahrzehnten deutlich zurück. Die Einbeziehung der neuen Länder änderte an dieser Entwicklung nichts. Über einen Zeitraum von 40 Jahren (1960–2000) betrachtet, schmolz der Anteil der Land- und Forstwirtschaft an der gesamten Bruttowertschöpfung in jeweiligen Preisen um drei Viertel, während der Rückgang des Anteils im Produzierenden Gewerbe bei etwas mehr als einem Drittel lag. Jahr Insgesamt Landund Forstwirtschaft Produzierendes Gewerbe Baugewerbe Handel, Gastgewerbe u. Verkehr Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleister Öffentl. u. priv. Dienstleister Mrd. Euro in jeweiligen Preisen 1991 1995 2000 2005 2010 1393 1672 1856 2024 2240 19 21 23 18 19 427 424 465 510 532 84 113 96 80 93 249 300 337 357 385 325 441 511 594 682 290 371 423 465 529 % der Bruttowertschöpfung 1991 1995 2000 2005 2010 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 1,4 1,3 1,3 0,9 0,9 30,6 25,4 25,1 25,2 23,7 6,0 6,8 5,2 4,0 4,1 17,9 18,0 18,2 17,7 17,2 23,3 26,4 27,5 29,3 30,4 20,8 22,2 22,8 23,0 23,6 Preisbereinigt, Kettenindex (2000 = 100) 1991 1995 2000 2005 2010 84,8 89,8 100,0 104,2 110,6 97,1 88,1 100,0 103,3 100,6 97,1 90,1 100,0 106,3 103,4 108,5 115,9 100,0 79,3 77,8 82,1 87,0 100,0 106,9 115,4 71,8 85,3 100,0 106,1 119,0 82,6 91,4 100,0 103,1 112,7 Messzahl (1991 = 100) 1991 1995 2000 2005 2010 100,0 105,9 117,9 122,8 130,4 100,0 90,7 103,0 106,3 103,6 100,0 92,8 103,0 109,4 106,4 100,0 106,9 92,2 73,1 71,7 100,0 106,0 121,8 130,1 140,6 100,0 118,8 139,3 147,8 165,7 100,0 110,7 121,1 124,9 136,5 Tab. 6-3: Bruttowertschöpfung nach Wirtschaftsbereichen Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 2.2.1 und 2.2.2 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 79 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 79 Zur weitaus stärksten Expansion kommt es seit längerem bei den Dienstleistungsunternehmen. Innerhalb der Dienstleistungsunternehmen war das Wachstum bei den Kreditinstituten und den Versicherungsunternehmen besonders ausgeprägt. Hierin schlägt sich die zunehmende Bedeutung der Finanzdienstleistungen in der Wirtschaftsentwicklung der Bundesrepublik nieder. Nach den Dienstleistungsunternehmen verzeichnet die Gruppe der Unternehmen der Branche Handel und Verkehr die höchste Zuwachsrate in der zu konstanten Preisen gemessenen Wertschöpfung. Die Verschiebung der Branchenstruktur, die sich aus den Daten für die Bundesrepublik ergibt, ist kennzeichnend für die Entwicklung moderner Volkswirtschaften. Im Entwicklungsprozess von Volkswirtschaften nimmt nach der Drei-Sektoren-Hypothese zunächst die Landwirtschaft die wichtigste Stellung ein. Im Zuge der wirtschaftlichen Entwicklung wächst dann gewöhnlich die Bedeutung des Industriesektors. Moderne Volkswirtschaften, die oftmals auch starke Außenhandelsverflechtungen aufweisen, zeigen dann eine Verlagerung zum Handel und zum Dienstleistungsbereich. 4. Die Verwendung des Inlandsprodukts A. Gegenstand der Verwendungsrechnung Von der Verwendungsseite her gesehen ist das Bruttoinlandsprodukt die Summe der Güter der letzten Verwendung abzüglich der Güterimporte: + Konsumausgaben der privaten Haushalte + Konsumausgaben des Staates + Bruttoinvestitionen + Ausfuhr – Einfuhr ⎫⎪⎪⎬⎪⎪⎭ Güter der letzten Verwendung =  Bruttoinlandsprodukt zu Marktpreisen von der Verwendungsseite Die Konsumausgaben der privaten Haushalte umfassen neben den Waren- und Dienstleistungskäufen der privaten Haushalte sowie den Konsumausgaben der zum Sektor der privaten Haushalte gerechneten privaten Organisationen ohne Erwerbszweck auch unterstellte Käufe, wie z. B. den Eigenverbrauch der Nichtkapitalgesellschaften, die ebenfalls nach der Gliederung des ESVG 95 zum Sektor der privaten Haushalte zählen. Die hiermit einbezogenen Konsumausgaben bestehen aus den im eigenen Unternehmen hergestellten und im privaten Haushalt des Unternehmers verbrauchten Güter. Außerdem werden auch die Eigennutzung von Wohnraum (in Höhe der unterstellten Mieten), Naturaleinkommen der Arbeitnehmer sowie Aufwendungen für die Verpflegung der Bundeswehr zu den Konsumausgaben der privaten Haushalte gezählt. Die Konsumausgaben des Staates umfassen die der Allgemeinheit zur Verfügung gestellten Dienstleistungen einschließlich der Sozialversicherung. Ihr Wert wird durch Abzug der Einnahmen aus Gebühren (z. B. für Müllabfuhr Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 80 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik80 oder administrative Leistungen) sowie des Werts der selbsterstellten Anlagen vom Produktionswert des Staates ermittelt. Die Bruttoinvestitionen bestehen aus den Anlageinvestitionen und der Vorratsänderung. Als Anlageinvestitionen gelten die Werte der Anschaffung und Erstellung von dauerhaften reproduzierbaren Produktionsmitteln, mit Ausnahme dauerhafter militärischer und von privaten Haushalten genutzter Güter. Nicht eingerechnet werden folglich Aufwendungen für Forschung und Entwicklung sowie langlebige Gebrauchsgüter (wie z. B. Fahrzeuge und Fernsehgeräte) der privaten Haushalte. Die Anlageinvestitionen setzen sich aus den Ausrüstungsinvestitionen (z. B. Maschinen, maschinelle Anlagen und Fahrzeuge) und den Bauinvestitionen (Wohn- und Verwaltungsgebäude, Straßen, Sportanlagen und Flugplätze) zusammen. Die Vorratsänderung wird anhand der Anfangs- und Endbestände von Vorräten, eigenen Erzeugnissen und Handelsware der Unternehmen sowie der Vorräte des Staates berechnet. Ausfuhr und Einfuhr – und damit der Außenbeitrag – werden ohne die jeweiligen Primäreinkommen aus der übrigen Welt bzw. an die übrige Welt betrachtet. Die Verwendungsrechnung basiert daher auf dem Inlandskonzept. Das Bruttoinlandsprodukt in der Berechnung nach der Verwendungsseite ergibt sich in der im 4. Kapitel besprochenen Kontendarstellung des Wirtschaftskreislaufs als Summe der Positionen auf der rechten Seite des Produktionskontos. Die Verwendungsrechnung gibt Aufschluss über die Bedeutung der einzelnen Endproduktgruppen am Inlandsprodukt und die über längere Zeiträume aufgetretenen Strukturveränderungen. Dies ist beispielsweise von Interesse, wenn das Gewicht des Außenhandels für eine Volkswirtschaft oder der Umfang ihrer Investitionstätigkeit im zeitlichen oder internationalen Vergleich analysiert werden soll. Auf die Daten der Verwendungsrechnung wird auch zurückgegriffen, wenn die Bedeutung der Produktion öffentlicher Güter untersucht wird. Aus den jährlichen Veränderungen der Komponenten der Inlandsproduktsverwendung können zusätzlich wertvolle Hinweise darüber gewonnen werden, ob ein stabiler Zusammenhang zwischen den Schwankungen einzelner Endproduktgruppen und denen des Inlandsprodukts besteht. B.  Die Entwicklung der Verwendung des Inlandsprodukts in der Bundesrepublik Deutschland Tabelle  6-4 zeigt die einzelnen Komponenten der Verwendung des Inlandsprodukts für den Zeitraum von 1991 bis 2010. Die mit Abstand bedeutendste Einzelgröße bilden die Konsumausgaben der privaten Haushalte. In Prozent des Bruttoinlandsprodukts zu jeweiligen Preisen blieben sie im betrachteten Zeitraum relativ stabil und betrugen im Durchschnitt 58 Prozent. Box 6-1 enthält einige Daten zur Struktur des privaten Konsums und ihrer Entwicklung. Der Anteil der Konsumausgaben des Staates am Bruttoinlandsprodukt hatte sich in jeweiligen Preisen gemessen bis Mitte der 70er Jahre deutlich erhöht, ist jedoch seitdem relativ konstant geblieben. In den letzten zwei Jahrzehnten lag Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 81 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 81 der Anteil meistens zwischen 19 und 20 Prozent. Einen internationalen Vergleich des Anteils der Konsumausgaben des Staates am Bruttoinlandsprodukt enthält Box 6-2. Der Anteil der Bruttoinvestitionen am Bruttoinlandsprodukt ging zwischen 1991 und 2010 von 24  Prozent auf unter 18  Prozent zurück. Dies ist auch in internationalem Vergleich ein inzwischen sehr geringer Anteil und wird von nicht wenigen Ökonomen aufgrund der damit verbundenen Abschwächung längerfristigen Wachstums mit großer Sorge betrachtet. Box 6-3 enthält nähere Informationen über die Anteile der Unternehmen und des Staates an den Bruttoanlageinvestitionen. Jahr Bruttoinlandsprodukt Konsumausgaben der priv. Haush. und Org. ohne Erwerbscharakter Konsumausgaben des Staates Bruttoinvestitionen Ausfuhr Einfuhr Außenbeitrag in Mrd. Euro 1991 1995 2000 2005 2010 1535 1848 2063 2242 2499 880 1067 1214 1325 1445 293 362 392 420 487 368 411 449 378 437 396 443 688 922 1146 402 434 681 803 101 –6 9 7 119 130 % des Bruttoinlandsprodukts zu jeweiligen Preisen 1991 1995 2000 2005 2010 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 57,3 57,7 58,9 59,1 57,8 19,1 19,6 19,0 18,7 19,5 24,0 22,2 21,8 16,9 17,5 25,8 24,0 33,4 41,1 45,9 26,2 23,5 33,0 35,8 40,7 –0,4 0,5 0,4 5,3 5,2 Preisbereinigt, Kettenindex (2000=100) 1991 1995 2000 2005 2010 85,4 90,5 100,0 103,0 109,0 84,3 91,5 100,0 101,6 103,8 84,7 93,4 100,0 102,0 112,8 90,9 92,1 100,0 84,2 94,4 60,0 65,0 100,0 135,1 164,9 60,4 68,2 100,0 120,3 148,9 – – – – – Wachstumsbeiträge zum Bruttoinlandsprodukt in %-Punkten 1991 1995 2000 2005 2010 2,2 1,9 3,2 0,8 3,6 1,9 1,3 1,4 0,2 0,2 1,0 0,4 0,3 0,1 0,5 0,2 0,3 0,5 –0,3 1,7 –0,2 1,5 4,0 3,0 5,8 –0,7 –1,5 –2,9 –2,2 –4,5 –0,9 0,0 1,1 0,8 1,3 Tab. 6-4: Verwendung des Bruttoinlandsprodukts Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 2.3.1 und 2.3.2 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 82 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik82 Der Anteil des Außenbeitrags unterlag in den zurückliegenden Jahrzehnten stets starken Schwankungen. Dies ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass es sich hierbei um einen Saldo handelt. Ein solcher schwankt nicht selten stärker als die ihn ausmachenden Einzelkomponenten (hier: Exporte und Importe). Wie aus Tabelle 6-4 ersichtlich ist, war der Außenbeitrag praktisch immer positiv, zuletzt sogar weit über 100 Mrd. Euro. Die Bedeutung des Außenhandels für eine Volkswirtschaft ist nicht allein aus dem Außenbeitrag oder seinem Anteil am Bruttoinlandsprodukt ablesbar. Sie wird erst deutlich, wenn Exporte und Importe getrennt betrachtet und in Beziehung zum Inlandsprodukt gebracht werden. Üblicherweise wird die Relation aus Exporten oder Importen zum Inlandsprodukt, d. h. die Exportquote bzw. die Importquote, als Indikator für die Offenheit einer Volkswirtschaft verwendet. Die Daten in Tabelle 6-4 zeigen, dass der Außenhandel für die Bundesrepublik im betrachteten Zeitraum deutlich an Bedeutung zugenommen hat. So stieg die Exportquote fast kontinuierlich und ist auch im Vergleich zu anderen Industrieländern relativ hoch. Die Exportquote betrug im Jahr 2009 (in jeweiligen Preisen) beispielsweise in den USA ca. 11 Prozent, in Frankreich ca. 23 Prozent, in Großbritannien ca. 28 Prozent und in Japan ca. 13 Prozent. Die Exportquote Deutschlands lag bei 41 Prozent. Im Jahr 1991 betrug die Exportquote noch 26 Prozent. Box 6-1: Struktur der Konsumausgaben der privaten Haushalte Die Struktur der privaten Konsumausgaben hat sich in den zurückliegenden 40 Jahren deutlich verändert. Tabelle 6-5 zeigt die wesentliche Struktur und ihre Entwicklung zwischen 1991 und 2009. In diesem Zeitraum hat sich der Rückgang des Anteils der Ausgaben für Nahrungsmittel und Bekleidung an den Gesamtkonsumausgaben fortgesetzt. Angestiegen ist dagegen der Anteil der Konsumausgaben der privaten Haushalte für Wohnen einschließlich der damit verbundenen Nebenkosten. Jahr Nahrungsmittel, Getränke, Tabakwaren Bekleidung und Schuhe Wohnung, Wasser, Strom, Gas u. a. Brennstoffe Einrichtungsgegenstände, Geräte für den Haushalt Verkehr, Nachrichten- übermittlung Freizeit, Unterhaltung und Kultur Beherbergungsund Gaststättendienstleistungen Übrige Verwendungszwecke 1991 1995 2000 2005 2010 17,8 16,1 15,0 14,5 14,2 8,0 6,7 6,0 5,2 5,3 19,2 22,5 23,2 24,0 24,4 8,4 8,3 7,9 6,8 6,6 16,7 15,5 16,2 17,1 16,3 9,4 9,2 10,1 9,4 9,3 5,7 5,6 5,7 5,4 5,7 14,8 16,1 15,9 17,6 18,2 Tab. 6-5: Struktur des privaten Verbrauchs (in Prozent der Konsumausgaben der privaten Haushalte in jeweiligen Preisen) Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 2.3.6 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 83 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 83 Box 6-2: Konsumausgaben des Staates in Industrieländern im Vergleich Die Konsumausgaben des Staates sind ein Maß für den Umfang des staatlichen Aufwands für öffentliche Güter. Sein Anteil am Bruttoinlandsprodukt hat sich in den westlichen Industrieländern in jüngerer Vergangenheit teilweise sehr unterschiedlich entwickelt. Während er in der Bundesrepublik Deutschland und in Frankreich relativ stabil war, stieg er in Japan insbesondere in den 90er Jahren (nicht zuletzt aufgrund der ausgeprägten Rezession) an und ging in den USA und in Großbritannien im gleichen Zeitraum deutlich zurück (Tabelle 6-6). Dort stieg er jedoch im Rahmen der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise nach 2007 wieder an, was letztlich auf die geringeren privaten Aktivitäten zurückzuführen ist. Vergleicht man den Anteil des Staatverbrauchs am Bruttoinlandsprodukt in verschiedenen Ländern miteinander, so ist zu bedenken, dass hierbei nur ein Teil der Staatsausgaben betrachtet wird. Neben dem staatlichen Konsum zählen zu den Staatsausgaben auch die Investitionsausgaben, Zinsausgaben und die Transfers an die privaten Haushalte (Sozialausgaben) und an die Unternehmen (Subventionen). Jahr Deutschland Frankreich Großbritannien Italien Schweiz Japan USA 1991 1995 2000 2005 2009 19,1 19,6 19,0 18,7 19,7 22,2 23,7 22,9 23,7 24,3 20,7 19,5 18,6 21,4 23,5 20,2 18,0 18,4 20,3 21,6 11,7 11,8 11,1 11,7 11,3 13,5 15,1 16,9 18,1 19,8 17,2 15,4 14,3 15,8 17,0 Tab. 6-6: Konsumausgaben des Staates in ausgewählten Industrieländern im Vergleich (in jeweiligen Preisen in Prozent des Bruttoinlandsprodukts) Quelle: OECD (2010a, 2010b) sowie eigene Berechnungen Box 6-3: Struktur der Bruttoanlageinvestitionen Die Anlageinvestitionen, die neben den Lagerinvestitionen den zweiten und weitaus bedeutendsten Teil der Gesamtinvestitionen darstellen, lassen sich in Ausrüstungs- und Bauinvestitionen unterteilen. Bei den Ausrüstungsinvestitionen (Maschinen, Fahrzeuge, Geschäftsausstattung u. ä.) spielen die staatlichen Investitionen keine bedeutende Rolle. Ihr Anteil an den gesamten Anlageinvestitionen lag im betrachteten Zeitraum bei nur wenig mehr als einem Prozent (Tabelle 6-7). Insgesamt machten die Ausrüstungsinvestitionen rund 40 Prozent der Anlageinvestitionen aus. Anders als bei den Ausrüstungsinvestitionen kommt bei den Bauinvestitionen (Wohn- und Verwaltungsgebäude, gewerbliche Bauten u. ä.) den staatlichen Investitionen eine größere Bedeutung zu. Ihr Umfang lag im Betrachtungszeitraum bei zuletzt rund 15 Prozent der Bauinvestitionen des Unternehmenssektors. Der im Vergleich zu den Ausrüstungsinvestitionen höhere Anteil der staatlichen Investitionen bei den Bauinvestitionen liegt Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 84 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik84 vor allem an der quantitativen Bedeutung der Ausgaben zur Erstellung öffentlicher Gebäude sowie an den unter den Bauinvestitionen ausgewiesene Straßen, Brücken, Dämmen, Rohrleitungen und Wasserwegen. Jahr Insgesamt Ausrüstungsinvestitionen Bauinvestitionen Sonstige Anlagenzusammen Unternehmen Staat zusammen Unternehmen Staat Mrd. Euro (in jeweiligen Preisen) 1991 1995 2000 2005 2010 356,8 405,0 442,4 390,1 448,1 153,7 129,8 176,7 161,3 170,0 147,6 125,1 171,5 156,9 164,9 6,1 4,7 5,2 4,4 5,1 190,7 259,1 241,9 203,4 249,8 157,3 224,7 211,8 179,4 217,9 33,4 34,4 30,0 24,0 31,9 12,4 16,1 23,9 25,4 28,3 in % der Anlageinvestitionen 1991 1995 2000 2005 2010 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 43,1 32,1 39,9 41,4 37,9 41,4 30,9 38,8 40,2 36,8 1,7 1,2 1,2 1,1 1,1 53,4 64,0 54,7 52,1 55,7 44,1 55,5 47,9 46,0 48,6 9,4 8,5 6,8 6,2 7,1 3,5 4,0 5,4 6,5 6,4 Tab. 6-7: Bruttoanlageinvestitionen von Unternehmen und Staat Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 2.3.9 und 2.3.11 sowie eigene Berechnungen 5. Die Verteilung des Volkseinkommens A. Inhalt der Verteilungsrechnung Im Mittelpunkt der Verteilungsrechnung steht die Verteilung des Volkseinkommens (Nettonationaleinkommen zu Faktorkosten), das die Gesamtheit der Erwerbs- und Vermögenseinkommen darstellt, die den inländischen Sektoren zufließt. Diese Gesamtheit besteht aus den Arbeitnehmerentgelten, den Unternehmens- und Vermögenseinkommen der privaten Haushalte, den Vermögenseinkommen des Staates und den unverteilten Gewinnen der Unternehmen. Rein konzeptionell ließe sich das Bruttoinlandsprodukt auch über die im Zuge der Produktion entstandenen Einkommen berechnen. Dazu müssten zum Volkseinkommen die Abschreibungen, der Saldo aus Gütersteuern und Gütersubventionen sowie die Nettoprimäreinkommen an die übrige Welt addiert werden. Das Statistische Bundesamt geht diesen Weg in der Praxis jedoch nicht, weil sich nicht alle Einkommenskomponenten direkt ermitteln lassen. In der Verteilungsrechnung des Volkseinkommens wird zwischen zwei Haupteinkommensarten unterschieden: den Arbeitnehmerentgelten und den Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 85 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 85 Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Die Gliederung der Gesamteinkommen in diese beiden Einkommensarten stellt die Einkommensverteilung nach funktionalen Gesichtspunkten dar. Die Arbeitnehmerentgelte bestehen aus den Bruttolöhnen und -gehältern sowie den tatsächlichen und den unterstellten Sozialbeiträgen der Arbeitgeber. Zu den tatsächlichen Sozialbeiträgen der Arbeitgeber zählen die Beiträge zur Kranken-, Arbeitslosen-, Renten- und Unfallversicherung sowie übernommene Beiträge für die Zusatzversorgung der Arbeitnehmer. Die unterstellten Sozialbeiträge der Arbeitgeber umfassen die an die Begünstigten gezahlten sozialen Leistungen sowie die für sie netto zurückgestellten Beträge. Zu den unterstellten Sozialbeiträgen der Arbeitgeber gehören z. B. die Beiträge zur Beamtenversorgung und die Aufwendungen im Zusammenhang mit der betrieblichen Altersversorgung. Nach Abzug der Lohnsteuer und der (tatsächlichen) Sozialbeiträge der Arbeitnehmer (vor allem für die Renten-, Kranken- und Arbeitslosenversicherung) von der Bruttolohn- und -gehaltssumme erhält man die Nettolohn- und -gehaltssumme. Die Unternehmens- und Vermögenseinkommen umfassen die Einkommen der privaten Haushalte und des Staates aus Zinsen, Nettopachten und immateriellen Werten, aus Dividenden und sonstigen Ausschüttungen der Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit sowie die nicht ausgeschütteten Gewinne der Unternehmen mit eigener Rechtspersönlichkeit. In der amtlichen Statistik können die Unternehmens- und Vermögenseinkommen nicht isoliert, sondern nur als Rest zwischen der Nettowertschöpfung zu Faktorkosten und den entstandenen Einkommen aus unselbständiger Arbeit ermittelt werden. Aus diesem Grund berechnet das Statistische Bundesamt – wie oben bereits ausgeführt – das Bruttoinlandsprodukt nicht getrennt von der Verteilungsseite her. Zieht man von den Bruttounternehmens- und Vermögenseinkommen die direkten Steuern und andere geleistete Übertragungen (z. B. die Pflichtbeiträge der Selbständigen zur Sozialversicherung) ab, gelangt man zum Nettobetrag der Unternehmens- und Vermögenseinkommen. Tabelle  6-8 enthält die Daten zur Verteilung des Volkseinkommens nach funktionalen Gesichtspunkten. Sie zeigen, dass die Bruttolöhne und -gehälter ca. 81 Prozent der den Unternehmern entstehenden Kosten (Arbeitnehmerentgelte) ausmachen. Bei den Nettolöhnen und -gehältern liegt der Satz bei nur etwa 53 Prozent. Wirtschaftspolitisch wird auf dieses Niveau oft hingewiesen, wenn Gründe für Schwarzarbeit in Deutschland diskutiert werden. Jahr Volkseinkommen Unternehmensund Vermögenseinkommen Arbeitnehmerentgelt Bruttolöhne u. -gehälter Nettolöhne u. -gehälter Bruttolöhne und -gehälter in % des Arbeitnehmerentgelts Nettolöhne und -gehälter in % des Arbeitnehmerentgelts 1991 1995 2000 2005 2009 2010 1 192,57 1 397,22 1 524,43 1 694,68 1 791,83 1 901,25 345,56 400,20 424,37 564,82 565,97 641,58 847,01 997,02 1 100,06 1 129,86 1 225,86 1 259,67 692,99 805,34 883,36 912,06 992,37 1 020,45 481,05 529,12 569,60 602,40 639,19 665,63 81,8 80,8 80,3 80,7 81,0 81,1 56,8 53,1 51,8 53,3 52,1 52,9 Tab. 6-8: Verteilung des Volkseinkommens (Mrd. Euro) Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 2.1.3 und 2.1.8.1 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 86 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik86 Aus den Daten der Verteilungsrechnung, wie sie in Tabelle 6-8 dargestellt sind, lassen sich verschiedene Verteilungsrelationen ermitteln. Die bekannteste Verteilungsrelation stellt die Lohnquote dar, die den Anteil der Einkommen aus unselbständiger Arbeit am Volkseinkommen misst. Da sich sowohl theoretische als auch wirtschaftspolitische Betrachtungen zur Einkommensverteilung häufig auf die Lohnquote beziehen, wird sie im nächsten Abschnitt näher betrachtet. Aus dem Anteil am Volkseinkommen ist die Verteilungsposition der einzelnen Sektoren noch nicht ablesbar. Zum einen enthalten die Bruttoeinkommen noch die von den Sektoren zu zahlenden direkten Steuern und andere zu leistende (laufende) Transfers (bei den privaten Haushalten z. B. die Sozialbeiträge). Zum anderen sind die empfangenen Übertragungen (bei den privaten Haushalten z. B. Renten, Pensionen und Sozialhilfe) noch unberücksichtigt. Durch Abzug der direkten Steuern und anderer geleisteter Transfers vom Bruttoeinkommen und Hinzurechnung der empfangenen Übertragungen gelangt man zum verfügbaren Einkommen der Sektoren. Man spricht bei diesen Korrekturposten von Umverteilungsvorgängen, ohne deren Berücksichtigung sich lediglich ein Bild der sogenannten primären Einkommensverteilung (auch Primärverteilung genannt) ergibt. Die Einkommensverteilung nach Berücksichtigung der Umverteilungsvorgänge stellt demgegenüber die Verteilung der verfügbaren Einkommen bzw. die sekundäre Einkommensverteilung oder Sekundärverteilung dar. Tabelle  6-9 zeigt die Berechnung des verfügbaren Einkommens der inländischen Sektoren. Ausgangspunkt bildet das Nettonationaleinkommen (zu Faktorkosten). Nach Hinzurechnung der empfangenen Transfers und Abzug der geleisteten Transfers, die den Betrag der direkten Steuern einschließen, erhält man das verfügbare Einkommen der Sektoren. Dieses teilt sich in Konsumausgaben und Sparen auf. Aus diesen Werten lässt sich auch die Sparquote ermitteln, die das Verhältnis von Sparen und Einkommen darstellt. B. Die funktionelle Einkommensverteilung a) Die Lohnquote Untersuchungen zur funktionellen Einkommensverteilung befassen sich mit der Aufteilung der bei der Güterproduktion erzielten Einkommen auf die im Produktionsprozess eingesetzten Produktionsfaktoren. Einfachstes und zugleich bekanntestes Maß für die Entwicklung der funktionellen Einkommensverteilung ist die (Brutto-)Lohnquote. Sie soll anzeigen, welcher Teil des Volkseinkommens dem Produktionsfaktor Arbeit zugeflossen ist. Bezeichnet man mit L das Arbeitnehmerentgelt und mit G die Unternehmens- und Vermögenseinkommen, gilt aufgrund der in der Verteilungsrechnung vorgenommenen Aufteilung des Volkseinkommens Y in diese beiden Einkommensarten: L + G = Y, und daher: + = 1 L G Y Y . Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 87 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 87 1995 2000 2005 2010 Nettonationaleinkommen Gesamte Volkswirtschaft Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 1564,28 16,58 25,38 120,12 1402,20 5,02 1734,68 –8,08 25,24 159,06 1558,46 12,09 1932,91 51,95 41,09 186,73 1653,14 –145,51 2178,76 83,32 24,28 232,14 1839,02 –163,33 Empfangene Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge, monetäre Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers Gesamte Volkswirtschaft Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 1177,67 25,86 72,78 673,13 405,90 23,41 1241,50 34,55 85,55 797,13 475,30 30,75 1299,63 27,80 96,19 641,76 533,88 38,70 1418,83 28,79 127,21 692,14 570,69 47,84 Geleistete Einkommen- und Vermögensteuern, Sozialbeiträge, monetäre Sozialbeiträge und sonstige laufende Transfers Gesamte Volkswirtschaft Finanzielle Kapitalgesellschaften Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 1194,68 28,71 78,68 467,15 620,14 6,40 1262,98 49,99 86,39 566,03 711,60 9,27 1327,85 44,73 94,70 465,07 723,35 10,48 1455,60 49,22 95,56 497,03 813,79 11,07 Verfügbares Einkommen Gesamte Volkswirtschaft Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 1547,27 13,73 19,48 326,10 1187,96 22,03 1713,20 –23,52 24,40 390,16 1322,16 33,57 1904,69 35,02 42,58 363,42 1463,67 –117,29 2141,99 62,89 55,93 427,25 1595,92 –126,56 Konsumausgaben und Zunahme betrieblicher Versorgungsansprüche Gesamte Volkswirtschaft Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 1429,01 7,11 3,85 361,82 1056,23 – 1606,07 8,22 7,02 391,91 1198,92 – 1745,00 5,53 11,84 419,56 1308,07 – 1931,40 4,80 30,21 486,69 1409,70 – Sparen Gesamte Volkswirtschaft Nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften Finanzielle Kapitalgesellschaften Staat Private Haushalte und private Org. o. E. Übrige Welt 118,26 6,62 15,63 –35,72 131,73 22,03 107,13 –31,74 17,38 –1,75 123,24 33,57 159,69 29,49 30,74 –56,14 155,60 –117,29 210,59 58,09 25,72 –59,44 186,22 –126,56 Tab. 6-9: Volkseinkommen und verfügbares Einkommen (in Mrd. Euro) Quelle: Statistisches Bundesamt (2011b), Tab. 3.4.1 und eigene Berechnungen Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 88 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik88 Die Relation L/Y stellt die tatsächliche Lohnquote dar und misst den Anteil des Arbeitnehmerentgelts am Volkseinkommen. Da sich die Lohnquote und die Quote der Unternehmens- und Vermögenseinkommen (G/Y), die oft vereinfachend als Gewinnquote bezeichnet wird, zu eins ergänzen, kann von der Entwicklung der Lohnquote unmittelbar auf die Entwicklung des Anteils der Unternehmens- und Vermögenseinkommen geschlossen werden. Tabelle 6-10 enthält die Daten für die Lohnquote ab 1960. Sie zeigen, dass die Lohnquote im Jahr 2010 etwa 6  Prozentpunkte höher lag als 1960. Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich in diesem Zeitraum die Struktur der Erwerbstätigen, d. h. der Anteil der Arbeitnehmer und der Selbständigen, stark verändert hat. Der Anteil der Arbeitnehmer an den Erwerbstätigen ist von 77 Prozent auf 89 Prozent gestiegen. Dies bedeutet, dass 1960 fast jeder vierte Erwerbstätige selbständig war, 2009 jedoch nur noch jeder neunte. Die Ursache liegt in erster Linie im Ausscheiden vieler kleinerer Unternehmen, darunter großteils landwirtschaftliche Betriebe, und der zunehmenden Bedeutung von Kapitalgesellschaften. Während bei kleinen Unternehmen der Geschäftsführer zumeist der Inhaber ist und er damit nicht zur Gruppe der unselbständig Beschäftigten zählt, sind bei großen Aktiengesellschaften selbst die Vorstandsmitglieder statistisch gesehen Arbeitnehmer. Die Veränderung der Struktur der Erwerbstätigen von den Selbständigen hin zu den Arbeitnehmern ließe für sich genommen die Lohnquote selbst bei gleichem Durchschnittseinkommen der Erwerbstätigen ansteigen und würde somit leicht zu einer Fehldeutung der Entwicklung der relativen Position des durchschnittlichen Arbeitnehmers führen. Die aus den statistischen Daten für die Einkommen aus unselbständiger Arbeit und dem Volkseinkommen berechnete Lohnquote ist daher um den Effekt einer Veränderung der Erwerbstätigenstruktur auf die Lohnquote zu korrigieren. Dies erfolgt bei der Berechnung der bereinigten Lohnquote. Für die Ermittlung einer entsprechenden Zeitreihe wird die Erwerbstätigenstruk- Jahr Lohnquote Anteil der Arbeitnehmer an den Erwerbstätigen tatsächlich bereinigt 1960 1965 1970 1975 1980 1985 1990 1995* 2000 2005 2010 60,1 65,3 67,3 73,3 75,2 72,3 69,8 71,4 72,2 66,7 66,3 60,1 62,3 62,3 65,7 65,8 62,9 60,2 61,2 61,9 58,0 57,4 77,2 80,9 83,4 86,0 88,3 88,7 89,6 90,0 90,0 88,8 89,1 * Nach 1990 Gesamtdeutschland Tab. 6-10: Tatsächliche Lohnquote, bereinigte Lohnquote und Erwerbstätigenstruktur Quelle: Statistisches Bundesamt (2011a, 2011b) und eigene Berechnungen Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 89 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 89 tur auf der Höhe eines Basisjahres (hier: 1960) konstant gehalten. Bezeichnen A und E die Zahl der Arbeitnehmer bzw. die Zahl der Erwerbstätigen und die Subskripte die entsprechenden Jahresdaten der einzelnen Größen, so berechnet sich die bereinigte Lohnquote z. B. für 2001 aus folgender Formel: L Y bereinigt 2001 = L Y 2001 A E A E 1960 2001⎧ ⎩ ⎫ ⎭ ⎧ ⎩ ⎫ ⎭⎧ ⎩ ⎫ ⎭ ⎧ ⎩ ⎫ ⎭ Die tatsächliche Lohnquote ist demnach mit dem Anteil der Arbeitnehmer an der Zahl der Erwerbstätigen des Basisjahres zu multiplizieren und durch den entsprechenden Anteil des jeweiligen Jahres zu dividieren. Steigt der Anteil der Arbeitnehmer an der Gruppe der Erwerbstätigen im Laufe der Zeit an, wie aus Tabelle 6-10 für die Bundesrepublik Deutschland zu entnehmen ist, liegt die bereinigte Lohnquote unter der tatsächlichen Lohnquote. Während die tatsächliche Lohnquote im Jahr 2009 den Wert von 1960 deutlich überschritt, lag die bereinigte Lohnquote knapp unter dem Niveau von 1960. Allerdings war sie in den 60er und 70er Jahren deutlich angestiegen, bevor sie anschließend wieder abnahm (vgl. auch Abbildung 6-2). Um die Entwicklung der Lohnquote genauer erklären zu können, bietet es sich an, die Determinanten der Lohnquote zu untersuchen. Hierzu wird zunächst die Definition der Lohnquote wie folgt umgeformt: Reallohn Arbeitsproduktivität l L l A P YY P Y A ⋅ = = = ⋅ . Im Zähler steht auf der ganz rechten Seite der voranstehenden Gleichung mit l/P der Reallohn. Er bringt die Kaufkraft eines gegebenen Geldlohnsatzes l bei ge- Abb. 6-3: Entwicklung der Lohnquoten Quelle: Statistisches Bundesamt (2011a, 2011b) und eigene Berechnungen 55 60 65 70 75 80 tatsächlich bereinigt Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 90 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik90 gebenem Preisniveau P zum Ausdruck. Im Nenner steht mit Y/A die Arbeitsproduktivität. Die Lohnquote lässt sich somit auch als Quotient aus Reallohn und Arbeitsproduktivität ausdrücken. Steigen Reallohn und Arbeitsproduk tivität mit der gleichen Rate, bleibt die Lohnquote konstant. Der kostensteigernde Effekt eines zunehmenden Reallohnes wird in diesem Falle durch den kostensenkenden Effekt der zunehmenden Arbeitsproduktivität genau ausgeglichen. Nimmt der Reallohn stärker zu als die Arbeitsproduktivität, kommt es zu einem Anstieg der Lohnquote. In diesem Falle ist der kostensteigernde Effekt des Reallohnanstiegs größer als der kostensenkende Effekt der Produktivitätserhöhung. Mit Hilfe der umgeformten Definition der Lohnquote lassen sich einige bedeutende Entwicklungen der Lohnquote in den letzten drei Jahrzehnten erklären. In der ersten Hälfte der 70er Jahre kam es zu einem deutlichen Anstieg der Lohnquote, also zu einem stärkeren Anstieg der Reallöhne als der Arbeitsproduktivität. Nach 1973 forderten die Arbeitnehmer einen Ausgleich für den Anstieg der Inflationsrate, zu dem es zunächst aufgrund der ersten Ölpreiskrise (Herbst 1973) gekommen war. In der Folge eines ausgedehnten Arbeitskampfes kam es zu Tarifabschlüssen mit zweistelligen Nominallohnerhöhungen. In Anbetracht dieser Entwicklung wurde vom Sachverständigenrat das Konzept der produktivitätsorientierten Lohnpolitik entwickelt. Danach sollten die Löhne mit der gleichen Rate wie die Arbeitsproduktivität steigen, damit die Unternehmen von der Kostenseite her keinen Anlass zu Preiserhöhungen haben. Vorausgesetzt ist hierbei, dass keine kostenerhöhenden Effekte von den importierten Vorleistungen ausgehen. Nach 1982 zeigt sich eine im Vergleich zu den siebziger Jahren praktisch umgekehrte Entwicklung der bereinigten Lohnquote. Ursache für den kontinuierlichen Rückgang der Lohnquote war eine zurückhaltende Lohnpolitik, die nach 1981 einsetzte, als die Arbeitslosenzahl im Jahresdurchschnitt erstmals auf über zwei Millionen anstieg und hierdurch die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmer bei Tarifverhandlungen relativ gering war. Der Trend der Lohnzurückhaltung war weniger ausgeprägt in den 90er Jahren, gewann aber insbesondere ab 2004 wieder an Bedeutung. Bei der Interpretation der Lohnquotenentwicklung muss beachtet werden, dass sie nur ein sehr grobes Maß für die Entwicklung der Einkommensverteilung darstellt. Zum einen bilden die in der Statistik als Unselbständige erfassten Einkommensbezieher keine homogene Gruppe. Sie enthält z. B. Hilfsarbeiter, Verkäufer, Vorstandsvorsitzende von großen Aktiengesellschaften, Bundestagsabgeordnete und Fußballspieler der Bundesliga. Zum anderen enthält das Arbeitnehmerentgelt nicht den kalkulatorischen Lohn für die Arbeitsleistungen des Unternehmers und der mithelfenden Familienangehörigen, da dieser als Bestandteil der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen erfasst wird. Daher misst die Lohnquote auch streng genommen nicht den Anteil aller Arbeitseinkommen am Volkseinkommen. Sie ist daher nur als ein grober Indikator für die Entwicklung der funktionellen Einkommensverteilung zu verwenden. Die Relation der Unternehmens- und Vermögenseinkommen zu Volkseinkommen ist noch schwieriger zu interpretieren als die Lohnquote. Die Ursache hierfür liegt in der stärkeren Inhomogenität der Einkommensbestandteile, die in sie einfließen. Die erfassten Einkommen enthalten nicht nur die eigentlichen Gewinneinkommen im Sinne von Residualgewinnen, sondern z. B. auch die Vermögenseinkommen der privaten Haushalte, die unterstellten Mieteinkünfte für die private Nutzung von Eigenheimen und den kalkulatorischen Unternehmerlohn. Der für die Unternehmens- und Vermögenseinkommen oft in der Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 91 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 91 Volkswirtschaftslehre abkürzend verwendete Begriff „Gewinneinkommen“ kann daher leicht irreführend wirken. b) Die Arbeitseinkommensquote Der Nachteil der Lohnquote, nicht den Anteil aller dem Produktionsfaktor Arbeit zuzurechnenden Einkommen zu erfassen, hat den Sachverständigenrat veranlasst, die Daten der Verteilungsrechnung genauer zu gliedern und das Konzept einer Arbeitseinkommensquote zu entwickeln. Unter dieser Quote versteht der Rat das Verhältnis aus gesamtwirtschaftlichen Arbeitseinkommen und Volkseinkommen. Zu den Arbeitseinkommen zählt er das Arbeitnehmerentgelt (Inländerkonzept) und die kalkulatorischen Arbeitseinkommen der selbständig Erwerbstätigen einschließlich der mithelfenden Familienangehörigen. Das Arbeitseinkommen der letzten Gruppe lässt sich nicht unmittelbar aus der Statistik ablesen und wird daher als fiktive Größe berechnet. Hierzu setzt der Rat für die selbständig Erwerbstätigen und die mithelfenden Familienangehörigen ein Arbeitseinkommen in Höhe des durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelts an. Das gesamtwirtschaftliche Arbeitseinkommen (AE) wird daher ermittelt aus , L AE E A = wobei L das Arbeitnehmerentgelt, A die Anzahl der beschäftigten Arbeitnehmer und E die Anzahl der Erwerbstätigen (= Arbeitnehmer + Selbständige + mithelfende Familienangehörige) bezeichnen. Für die Arbeitseinkommensquote (AEQ) gilt damit: / 100 100 / AE L A AEQ Y Y E = = . Wie der letzte Teil der Gleichung zeigt, kann die Arbeitseinkommensquote auch als Quotient aus Arbeitnehmerentgelt je beschäftigten Arbeitnehmer und Volkseinkommen je Erwerbstätigen definiert werden. Arbeitseinkommensquote und bereinigte Lohnquote stehen in einem festen Zusammenhang: = ⋅ = ⋅ 1960 1960 bereinigt bereinigt( / ) ( / ) 1,2957 E AEQ L Y L Y E . Würde man die Arbeitseinkommensquote in Abhängigkeit von der Zeit graphisch darstellen, ergäbe sich daher der gleiche Verlauf wie bei der bereinigten Lohnquote, die Ordinatenwerte lägen lediglich um knapp 30  Prozent über denen der bereinigten Lohnquote. C. Die personelle Einkommensverteilung Die meisten Haushalte beziehen nicht nur Lohneinkommen, sondern z. B. auch Zins-, Dividenden- oder Mieteinkommen. Die funktionelle Verteilung gibt deshalb keinen Aufschluss über die Gesamteinkommen der Unselbständigen und Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 92 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik92 die verteilungspolitische Situation einzelner Haushalte. Verteilungspolitische Aussagen erfordern die Einbeziehung der Gesamteinkommen der privaten Haushalte (Querverteilung). Dies ist Gegenstand der personellen Einkommensverteilung. Obwohl ihre Ermittlung nicht Bestandteil der Verteilungsrechnung im Rahmen der Inlandsproduktsberechnungen ist, wird sie wegen des im Prinzip gleichen Bezugs zu verteilungspolitischen Fragen hier unmittelbar anschließend an die funktionelle Einkommensverteilung betrachtet. Die gebräuchlichste Beschreibung der Verteilung der Gesamteinkommen der Haushalte basiert auf der sogenannten Lorenzkurve, die in Abbildung 6-4 für das Jahr 2008 abgebildet ist. Sie gibt an, wieviel Prozent des Gesamteinkommens auf die Haushalte mit niedrigem Einkommen, wieviel Prozent auf die mit niedrigem und leicht darüber liegenden Einkommen, wieviel Prozent auf die mit niedrigen, leicht darüber liegendem und mittlerem Einkommen usw. entfallen. Um eine Lorenzkurve zu konstruieren, ist wie folgt vorzugehen: Die Gesamteinkommen der betrachteten Haushalte werden zunächst in aufsteigenden Beträgen geordnet und in Einkommensgruppen zusammengefasst. Man erhält dann eine Aufbereitung der Einkommensdaten, wie sie in den ersten beiden Spalten von Tabelle 6-11 (sie zeigt die Daten für Gesamtdeutschland) enthalten ist. Anschließend fragt man nun, wieviel Prozent des Gesamteinkommens auf die z. B. zehn, zwanzig oder dreißig Prozent der Haushalte mit den niedrigsten Einkommen entfallen. Zweckmäßigerweise beginnt man hierbei mit dem Anteil der Haushalte, der durch die unterste Einkommensgruppe repräsentiert wird, und ermittelt den Anteil der Haushalte dieser Gruppe an der Gesamtzahl der Haushalte und den Anteil, der vom Gesamteinkommen auf diese Haushaltsgruppe entfällt. Danach nimmt man die zweitunterste Gruppe hinzu und fragt, wieviel des Gesamteinkommens auf diese beiden Gruppen entfällt. Dieses Verfahren wird fortgesetzt, bis man schließlich alle Einkommensgruppen erfasst hat. Monatliches Haushaltsnettoeinkommen von … bis unter … Euro Haushalte Haushaltsnettoeinkommen in Tausend in % in % kumuliert Mio. Euro in % in % kumuliert unter 900 900–1300 1300–1500 1500–2000 2000–2600 2600–3600 3600–5000 5000–18000 3437 4513 2273 5807 5666 6806 5744 5163 8,7 11,5 5,8 14,7 14,4 17,3 14,6 13,1 8,7 20,2 25,9 40,7 55,0 72,3 86,9 100,0 2337 4987 3180 10145 12947 20888 24222 36141 2,0 4,3 2,8 8,8 11,3 18,2 21,1 31,5 2,0 6,4 9,1 18,0 29,3 47,4 68,5 100,0 Tab. 6-11: Schichtung der Bevölkerung in Privathaushalten nach Größenklassen des monatlichen Nettoeinkommens 2008 Quelle: Statistisches Bundesamt (2010, S. 34) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 93 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 93 Die Daten zur Struktur der Haushalte nach Einkommensklassen wurden der so genannten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe entnommen, die alle fünf Jahre durchgeführt wird. Hierzu wurden letztmals im Jahr 2008 ca. 55.000 Haushalte mit ihren Nettoeinkommen erfasst. Auf dieser Basis rechnete das Statistische Bundesamt die Einkommensverteilung auf rund 39,4 Mio. Haushalte hoch. Trägt man die kumulierten Daten für die Anzahl und das Nettoeinkommen der Haushalte von Tabelle  6-11 in einem Koordinatensystem ab, ergibt sich die Lorenzkurve (vgl. Abbildung 6-4). Anfangs- und Endpunkt sind durch die Definition der Lorenzkurve gegeben, weil null (hundert) Prozent der Haushalte natürlich auch null (hundert) Prozent des Einkommens erhalten. Die Krümmung hängt vom Grad der Ungleichverteilung ab. Bei Gleichverteilung fällt die Lorenzkurve mit der Diagonalen zusammen, bei ungleicher Verteilung ergibt sich ein progressiver Verlauf. Zu beachten ist, dass Gleich- bzw. Ungleichverteilung nicht dasselbe bedeuten wie gerechte bzw. ungerechte Verteilung. Während es sich beim ersten Begriffspaar um werturteilsfreie Bezeichnungen handelt, weist das zweite Begriffspaar einen normativen (mithin werturteilsgebundenen) Inhalt auf. Ein quantitatives Maß für die Ungleichheit der Einkommensverteilung stellt der Gini-Koeffizient dar, der sich aus Abbildung 6-5 wie folgt berechnen lässt: Fläche zwischen der Diagonalen und der Lorenzkurve Gini-Koeffizient = Fläche unter der Diagonalen Aufgrund dieser Definition liegt der Gini-Koeffizient zwischen Null und Eins. Je kleiner der Gini-Koeffizient ist, desto näher liegt die Lorenzkurve an der Gleichverteilungslinie und desto gleichmäßiger ist die personelle Einkommensverteilung. Der Gini-Koeffizient ermöglicht es, für eine Volkswirtschaft Lorenzkurven verschiedener Abb. 6-4: Lorenzkurve für das Jahr 2008 Quelle: Statistisches Bundesamt (2010) sowie eigene Berechnungen 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 Lorenzkurve Linie absoluter Gleichverteilung Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 94 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik94 Jahre miteinander zu vergleichen. Dabei ist aber nur eine sehr pauschale Aussage über die Veränderung der Einkommensverteilung möglich. Details über die Veränderung der Anteile bestimmter Einkommensgruppen sind hieraus nicht abzulesen. Es kann durchaus der Fall eintreten, dass sich erhebliche Veränderungen in der Einkommensverteilung in bestimmten Bereichen der Lorenzkurve ergeben, ohne dass dies vom Gini-Koeffizienten angezeigt wird. Dies ist z. B. der Fall, wenn die Ungleichheit im unteren Einkommensbereich zugenommen und dafür im oberen Einkommensbereich abgenommen hat. Die neue Lorenzkurve würde dann im unteren Bereich weiter von der Gleichverteilungslinie entfernt und im oberen Bereich näher an der Gleichverteilungslinie verlaufen. 6. Quellen und Genauigkeit der Inlandsproduktsdaten Zum Abschluss dieses Kapitels über den empirischen Befund ist es unabdingbar, der Frage nachzugehen, aus welchen Quellen die vorgestellten Daten eigentlich stammen und wie zuverlässig die gemachten Angaben sind. A. Datenquellen Die in die Inlandsproduktsberechnungen eingehenden Daten werden zum überwiegenden Teil nicht aus gesondert für die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung erhobenen Statistiken entnommen, sondern stammen aus Sekundärstatistiken. Hierbei handelt es sich vor allem um Wirtschafts-, Finanz- und Bevölkerungsstatistiken, die z. B. für Steuer- und Verwaltungszwecke ermittelt werden und dort die Primärstatistiken bilden. Die verschiedenen Statistiken sind überwiegend auf die Unternehmen als Erhebungs- und Darstellungseinheiten ausgerichtet. Im Detail hat das Statistische Bundesamt die statistischen Quellen der einzelnen Zahlenreihen bisher noch nicht beschrieben. Dies wird jedoch im Rahmen eines „Inventarverzeichnisses“ erfolgen. Anstoß hierfür war ein Beschluss des Rates der Europäischen Gemeinschaften zur Einführung einer Finanzierungsquelle, die sich am Bruttoinlandsprodukt der Mitgliedsländer orientiert. In diesem Zusammenhang verpflichteten sich die Mitgliedsländer, eine detaillierte Methoden- und Quellenbeschreibung ihrer Sozialproduktsberechnungen vorzulegen.10 Daten für die Entstehungsrechnung, in die insbesondere die Produktionswerte und der Wert der Vorleistungen eingehen, greifen hauptsächlich auf bereichsspezifische Basisstatistiken (z. B. Totalerhebung der Unternehmen verschiedener Wirtschaftsbereiche) und Umsatzsteuerstatistiken zurück. Für die Landwirtschaft werden die Angaben den Produktions- und Vorratsstatistiken entnommen, die für einzelne Produkte geführt werden. Für den Bereich des warenproduzierenden Gewerbes liegen verlässliche Daten aus den jährlich durchgeführten Kostenstrukturerhebungen vor, die sowohl die Produktionswerte als 10 Bisher sind Erläuterungen der Datenquellen aus regelmäßigen Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes (z. B. in der Monatszeitschrift „Wirtschaft und Statistik“ des Statistischen Bundesamtes und in dem jährlich erscheinenden Band zu den Konten und Standardtabellen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung) zu entnehmen. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 95 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 95 auch die Vorleistungen registrieren. Sie werden durch Statistiken über kleine Unternehmen (z. B. Handwerksberichterstattung und Erhebung für industrielle Kleinbetriebe) ergänzt. Für den Handel stehen wichtige Eckdaten aus den alle fünf Jahre durchgeführten Totalerhebungen (Handels- und Gaststättenzählungen) zur Verfügung, die für die Jahres- und Monatsdaten durch Angaben der Handelsberichterstattung ergänzt werden. Für den Bereich der Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen greift die Inlandsproduktsberechnung auf Erhebungen der Deutschen Bundesbank bzw. des Bundesaufsichtsamtes für das Kreditwesen zurück. Die Berechnung der Umsätze der sonstigen Dienstleistungsunternehmen stützen sich im Wesentlichen auf die Umsatzsteuerstatistik. Für den Bereich der öffentlichen Haushalte stammen die Daten aus den Finanzstatistiken der Gebietskörperschaften. Die Berechnung der Wertschöpfung der privaten Haushalte geht von der Entwicklung der Zahl der Beschäftigten und den Durchschnittslöhnen und -gehältern aus. Im Bereich der Verwendungsrechnung stützen sich die Daten zum privaten Konsum vornehmlich auf die Umsatzsteuerstatistik. Eine Überprüfung der hieraus abgeleiteten Ergebnisse erfolgt anhand der bereits erwähnten Einkommens- und Verbrauchsstichprobe im Rahmen der großen Revisionen. Der Staatsverbrauch wird durch Abzug der Vorleistungen und selbsterstellten Anlagen vom Produktionswert ermittelt. Die Bruttoinvestitionen (außer den Lagerinvestitionen) werden über zwei getrennte Rechnungen ermittelt. Zum einen bilden Daten über die Anlagenkäufe und selbsterstellten Anlagen der investierenden Bereiche die Grundlage für ihre Ermittlung. Zum anderen werden sie auf Basis einer Güterstromrechnung (commodity-flow-Methode) aus den Angaben der Investitionsgüter produzierenden inländischen Bereiche, des Außenhandels sowie über erbrachte Bauleistungen berechnet. Die Quelle für die Werte der Vorratsänderungen bilden Bilanzstatistiken und die Investitionserhebungen in einzelnen Wirtschaftsbereichen. Einfuhr und Ausfuhr werden aus der Außenhandelsstatistik und aus der Zahlungsbilanzstatistik entnommen. In der Verteilungsrechnung ergeben sich die Bruttoeinkommen aus unselbständiger Arbeit aus zwei Quellen. Zum einen lassen sich aus einer Reihe von Einzelstatistiken für Wirtschaftsbereiche (Bereichsstatistiken) Daten über die gezahlten Verdienste entnehmen, und für die übrigen Wirtschaftsbereiche kann man auf Angaben über Beschäftigte (Erwerbstätigenstatistik) und Durchschnittsverdienstindikatoren (Tarifunterlagen und Verdienststatistik) zurückgreifen. Zum anderen bilden die Statistiken der Sozialversicherungsträger die Grundlage für die Berechnung der Löhne und Gehälter. Statistische Grundlage für die Bruttoeinkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen stellen die Bilanzstatistik und die Steuerstatistik dar. Zinsen und Pachten sind im Wesentlichen der Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank, der Finanzstatistik der Gebietskörperschaften, der Zahlungsbilanz sowie den Gewinn- und Verlustrechnungen der Kreditinstitute und Versicherungsunternehmen entnommen. Allerdings können die nichtentnommenen Gewinne der Unternehmen ohne eigene Rechtspersönlichkeit nur als Saldo aus dem nach anderen Methoden berechneten Inlandsprodukt und den restlichen Einkommensbestandteilen ermittelt werden. Zur Berechnung der verfügbaren Einkommen sind neben den Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 96 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik96 Bruttoeinkommen die Umverteilungsvorgänge (Steuern, Subventionen, Sozialbeiträge, soziale Leistungen und andere laufende Übertragungen) zu erfassen. Sie werden im Wesentlichen aus der Finanzstatistik und der Zahlungsbilanz abgeleitet. B. Genauigkeit der Inlandsproduktsdaten Die Genauigkeit der Inlandsproduktsberechnung wird durch eine Reihe von Fehlerquellen eingeschränkt. Nachfolgend sind einige wichtige Problembereiche aufgeführt: Konzeptionelle Fehler: Die obigen Ausführungen zu den Datenquellen der Inlandsproduktsberechnung zeigen, dass auf eine Reihe von Sekundärstatistiken zurückgegriffen werden muss. Diese Daten können jedoch nicht unmittelbar übernommen werden, sondern müssen vielfach erst an die Konzepte und Abgrenzungen der Inlandsproduktsberechnungen angepasst werden. Da für die Anpassungen stets Enscheidungsspielräume bestehen und daher bestimmte Annahmen zu treffen sind, können hierbei konzeptionelle Fehler auftreten. Vorliegen unterschiedlicher Daten für die gleiche Größe: Soweit aus den Sekundärstatistiken für die gleiche Größe mehrere Quellen mit unterschiedlichen Ergebnissen zur Verfügung stehen, muss eine Entscheidung für eine Zahlenreihe oder eine Kombination von Zahlenreihen getroffen werden. Die hierbei bestehenden Ermessensspielräume bedingen, dass in die Inlandsproduktsberechnung subjektive Komponenten eingehen. Erfassungsfehler und Beobachtungsprobleme: Ungenauigkeiten entstehen auch durch Erfassungsfehler, die bei einem so umfangreichen Rechenwerk, wie es die Inlandsproduktsberechnung darstellt, praktisch unvermeidbar sind. Die Qualität der Inlandsproduktsstatistiken hängt daher entscheidend von der Qualität der Sekundärstatistiken ab. Erfassungsfehler können bei den verschiedenen Erhebungen z. B. darin bestehen, dass Fehler bei der Aufzeichnung gemacht werden oder die Wirtschaftseinheiten, bei denen die Angaben erhoben werden, bewusst oder aus Unwissenheit falsche Angaben machen. Manche Größen lassen sich auch aufgrund von weniger häufigen Erhebungen nur im mehrjährigen Abstand beobachten und müssen für die Zeiträume zwischen den Erhebungen extrapoliert oder aufgrund anderer Anhaltspunkte hilfsweise berechnet werden. Die Genauigkeit wird zusätzlich dadurch beeinträchtigt, dass für einige Transaktionen, die bei den Inlandsproduktsberechnungen zu berücksichtigen sind, überhaupt keine Daten vorliegen und daher Schätzungen vorgenommen werden müssen. Bewertungsprobleme: Sie treten vor allem bei der Berechnung der Abschreibungen und der Vorratsänderungen auf. Nach Handels- und Steuerrecht werden Abschreibungen von den Anschaffungswerten berechnet, da diesen Rechtsnormen das Prinzip der nominellen Kapitalerhaltung zugrunde liegt. In der Inlandsproduktsberechnung werden Abschreibungen dagegen zu den Wiederbeschaffungswerten der Berichtsperiode berechnet, da es hierbei um die reale Kapitalerhaltung geht. Daraus ergeben sich verschiedene Probleme. So Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 97 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 97 muss beispielsweise die Nutzungsdauer geschätzt und ein Wertansatz für die Wiederbeschaffungspreise gefunden werden. Ähnliche Probleme entstehen bei der Bewertung der Vorratsänderung. Hierbei geht es um die Frage, welche Werte den Vorräten am Ende der Berichtsperiode zukommen. Auch bei diesem Bewertungsproblem wird ein anderes Verfahren als im Handels- oder im Steuerrecht angewandt. In der Inlandsproduktsberechnung werden die Anfangs- und Endbestände zunächst in konstante Preise umgerechnet. Die Vorratsänderung wird anschließend als Produkt aus der realen Vorratsänderung und dem Wert des Preisindex für die Berichtsperiode ermittelt. Schattenwirtschaft: Grundsätzlich sollen die Produktionsaktivitäten einer Volkswirtschaft in das Inlandsprodukt eingehen. Dabei erfolgt eine Beschränkung auf die über den Markt erbrachten Leistungen. Ein Teil der Aktivitäten, die die Inlandsproduktsberechnung als Produktion ansieht, werden jedoch außerhalb der Marktaktivitäten erbracht. In Industriegesellschaften erfolgt dies zumeist aus Gründen der Vermeidung von Steuern oder anderer Abgaben. Man spricht in diesem Zusammenhang von Nebenwirtschaft, Schwarzarbeit oder Schattenwirtschaft. Unterstellte und anders erfasste Transaktionen: Weitere Einschränkungen der Genauigkeit resultieren aus den Transaktionen, die in der Inlandsproduktsberechnung unterstellt werden oder anders in die Berechnungen eingehen, als sie stattgefunden haben. Als Beispiel lassen sich die unterstellten Einkünfte bei der Nutzung von Eigenheimen nennen. In diesem Fall werden Einkünfte unterstellt, weil das Inlandsprodukt nicht geringer ausfallen soll als in dem Fall, in dem Wirtschaftseinheiten ihr Eigenheim vermieten und selbst eine andere Wohnung mieten. Die verwendete Konzeption impliziert, dass auch fiktive Größen in die Inlandsproduktsberechnung eingehen und oftmals Ermessensspielräume bei der Bewertung zulassen. Box 6-4: Die deutsche Wiedervereinigung als Ursache von Strukturbrüchen in der VGR Mit der Wiederherstellung der deutschen Einheit im Jahre 1990 kam auf die amtliche Statistik die Aufgabe zu, die Rechnungssysteme der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die zuvor nur für die alten Bundesländer angewendet wurden, in praktisch unveränderter Form auf das gesamte Gebiet der Bundesrepublik Deutschland, d. h. einschließlich der neuen Bundesländer, auszudehnen. Damit gingen im Wesentlichen drei Probleme einher: 1. Die Umstellung der Rechnungssysteme der neuen Bundesländer auf die VGR des Statistischen Bundesamtes bedingte, dass in der Anlaufphase Probleme bei der Erhebung, Bewertung und Abgrenzung verschiedener ökonomischer Größen auftraten. Die Genauigkeit der Daten war daher zunächst eingeschränkt und nahm erst im Laufe der Zeit zu. 2. Die Einbeziehung der neuen Bundesländer und Ost-Berlins in die gesamtdeutschen Daten ab 1991 bedingte einen Sprung in den bis dahin ermittelten Zeitreihen der VGR, wodurch die zeitliche Vergleichbarkeit der einzelnen Daten erschwert wurde. Die amtliche Statistik versuchte zunächst, die VGR- Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 98 Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik98 Daten weiterhin auch für die alten Bundesländer auszuweisen, so dass diese Angaben mit den Vergangenheitswerten vergleichbar waren. Allerdings gestaltete sich die Ermittlung des Inlandsprodukts und anderer Größen für die alten Bundesländer immer schwieriger, weil sie z. B. Kenntnisse über die Höhe der Aus- und der Einfuhr von Gütern zwischen den alten Bundesländern und den neuen Bundesländern voraussetzt. Darüber hinaus ist die Aufteilung der Aktivitäten des Bundes auf die beiden Gebiete praktisch unmöglich. Das Statistische Bundesamt wies daher immer weniger VGR-Daten für die neuen und die alten Bundesländer getrennt aus. 3. Unabhängig vom veränderten Umfang der ökonomischen Aktivitäten, die in der VGR erfasst wurden, gingen mit der Wiedervereinigung auch Strukturbrüche bei einigen ökonomischen Größen für die alten Bundesländer einher. Die auffälligste Änderung war beim Umfang der staatlichen Aktivitäten sowie bei den staatlichen Budgetdefiziten zu beobachten. Die deutsche Wiedervereinigung ist ein gutes, wenngleich extremes, Beispiel dafür, dass in amtlichen Statistiken von Zeit zu Zeit Strukturbrüche auftreten können. Ist dies der Fall, werden empirische Analysen ökonomischer Vorgänge, die längere Zeitreihen einschließen, erschwert. Der Ökonom muss sich daher über Unvollkommenheiten der Daten bewusst sein und dies bei der Interpretation entsprechender Ergebnisse berücksichtigen. Vorläufige Ergebnisse und Revisionen: Zwar geht in die Inlandsproduktsberechnung umfangreiches Datenmaterial ein, so dass relativ genaue Berechnungen erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung zu erwarten sind, doch besteht sowohl in der Öffentlichkeit als auch in der Wirtschaftspolitik der Wunsch, möglichst früh einige Eckwerte über die Inlandsproduktsentwicklung der abgelaufenen Periode zu erhalten. Dies bedingt, dass zunächst vorläufige Zahlen ermittelt werden. So werden z. B. im Januar bereits erste Zahlen zum Inlandsprodukt des abgelaufenen Jahres veröffentlicht. Endgültige Berechnungen liegen allerdings erst 21⁄2 Jahre später vor. Außerdem werden alle fünf Jahre sogenannte große Revisionen vorgenommen, in denen außer der Einarbeitung mehrjähriger Erhebungen auch Umstellungen der Basisjahre für die Angaben in konstanten Preisen und Einführungen konzeptioneller Änderungen erfolgen. Nicht selten bestehen zwischen den vorläufigen und den endgültigen Daten erhebliche Differenzen, wodurch die Ungenauigkeit der vorläufigen Daten deutlich wird. Die genannten Einschränkungen der Genauigkeit sind zu berücksichtigen, wenn die Daten der Inlandsproduktsberechnung interpretiert werden. Letztlich entscheiden die benötigte Genauigkeit sowie die Einschätzung der Größenordnung der Fehler über die Qualität der Zahlen der Inlandsproduktsberechnung. Auch wenn die Ungenauigkeit der Inlandsproduktszahlen oftmals auf eine Größenordnung von etwa drei Prozent geschätzt wird, gibt es letztlich keine abgesicherten Informationen über die Fehlergröße. Die Beurteilung der Qualität der Inlandsproduktsdaten ist also notwendigerweise subjektiv. Es ist daher wichtig, bei Verwendung der Daten Kenntnisse über ihre Zusammensetzung, die Datenquellen sowie deren Zuverlässigkeit zu besitzen. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 99 6. Kapitel: Produktions- und Einkommens entwicklung in Deutschland 99 Schlüsselbegriffe: Entstehungsrechnung Bereinigte Lohnquote Verwendungsrechnung Arbeitseinkommensquote Verteilungsrechnung Lorenzkurve Produktivität Gini-Koeffizient Pro-Kopf-Einkommen Staatsquote Funktionelle Einkommensverteilung Steuerquote Personelle Einkommensverteilung Abgabenquote Tatsächliche Lohnquote Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 101 7. Kapitel: Zur zeitlichen und internationalen Vergleichbarkeit der Inlandsproduktsdaten Die für eine Periode im Rahmen der Inlandsproduktsberechnung ermittelten Daten besitzen nur eine eingeschränkte Aussagefähigkeit. Die Feststellung etwa, dass das Bruttoinlandsprodukt der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1970 eine Höhe von 345,3 Mrd. Euro aufwies, besagt, für sich genommen, nicht viel. Ist ein Inlandsprodukt von 345,3 Mrd. Euro hoch oder niedrig? Um eine Antwort auf diese Frage geben zu können, muss man das Bruttoinlandsprodukt entweder zu dem Bruttoinlandsprodukt eines anderen Landes oder zu dem Bruttoinlandsprodukt eines anderen Jahres in Beziehung setzen. Im ersten Fall stellt man einen internationalen, im zweiten Fall einen intertemporalen Vergleich an. Die Frage, wie man solche Vergleiche anstellen kann und welche Probleme dabei auftreten können, wird in diesem Kapitel genauer untersucht. Die Diskussion erfolgt zwar vor allem im Hinblick auf die Inlandsproduktsberechnung, die Überlegungen gelten jedoch in ganz ähnlicher Weise auch für die später noch zu behandelnden Nebenrechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. Im folgenden Abschnitt soll zunächst die zeitliche Vergleichbarkeit betrachtet werden. Die internationale Vergleichbarkeit wird anschließend behandelt. 1. Zeitliche Vergleichbarkeit A. Zweck und Gegenstand zeitlicher Vergleiche Das Inlandsprodukt repräsentiert den Güterberg (ohne Vorleistungen), den eine Volkswirtschaft innerhalb einer Periode produziert hat. Um die Vielzahl der verschiedenartigen Waren und Dienstleistungen, die hergestellt werden, zu einer einzigen Größe zusammenfassen zu können, müssen die Güter bewertet werden. Dazu benutzt man in der Regel die Marktpreise der jeweiligen Periode. Vergleicht man nun das Bruttoinlandsprodukt von 2009 in Höhe von 2397 Mrd. Euro mit dem von 1996 in Höhe von 1876 Mrd. Euro, lässt sich anhand dieser beiden Zahlen nicht sagen, ob der Güterberg tatsächlich gewachsen ist oder ob bei gegebenem Güterberg lediglich die Preise gestiegen sind. In beiden Fällen hätte sich eine Erhöhung des monetären Wertes der produzierten Waren und Dienstleistungen ergeben. Wenn überhaupt, dann kann nur bei einem gestiegenen Güterberg von einer Zunahme des Wohlstands die Rede sein (Kapitel 9 beschäftigt sich genauer mit dem Zusammenhang zwischen Bruttoinlandsprodukt und Wohlstand). Daher ist die Frage von zentraler Bedeutung, ob und um wieviel die von einer Volkswirtschaft erzeugte Gütermenge zugenommen hat. Dies ist die Frage nach der realen Entwicklung einer Volkswirtschaft. Um sie beantworten zu können, muss das nominale Inlandsprodukt für jede betrachtete Periode in eine Mengenkomponente (reale Größe) und eine Preiskom- 7. Kapitel: Vergleichbarkeit der Inlandsproduktsdaten Dritter Teil: Inlandsproduktsberechnung in der Bundesrepublik

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References

Zusammenfassung

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Dieses Buch informiert umfassend über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Ausgehend von der theoretischen Fundierung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung geht es ausführlich auf das in Deutschland (und den anderen Ländern der Europäischen Union) verwendete Gesamtrechnungssystem ESVG 95 ein. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Anwendung und den Weiterentwicklungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. So erhält der Leser nicht nur einen fundierten Überblick über die quantitativen Verhältnisse der deutschen Volkswirtschaft, er wird beispielsweise auch ausführlich über die aktuelle Diskussion um die Aussagefähigkeit des Bruttoinlandsprodukts, die Entwicklung alternativer Konzepte zur Wohlfahrtsmessung sowie die Bestrebungen informiert, die Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu quantifizieren.

Die Autoren

Prof. Dr. Michael Frenkel ist Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU – Otto-Beisheim School of Management, Vallendar.

Prof. Dr. Klaus Dieter John ist Inhaber der Professur für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Chemnitz.