11. Kapitel: Die Vermögensrechnung in:

Michael Frenkel, Klaus Dieter John

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, page 227 - 249

7. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3763-8, ISBN online: 978-3-8006-4307-3, https://doi.org/10.15358/9783800643073_227

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 223 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 1. Zielsetzung der Vermögensrechnung Im Zusammenhang mit der Kreislaufanalyse wurde die Bildung von Vermögen als eine Möglichkeit der Einkommensverwendung betrachtet. Bei den dort angestellten Überlegungen ging es um eine Rechnung in Stromgrößen. Bei den verschiedenen Vermögensarten handelt es sich jedoch um Bestandsgrößen. Im Rahmen der Inlandsproduktsberechnung lassen sich daher nur Aussagen über die Veränderung der Vermögensbestände treffen. Um auch Kenntnisse über das Niveau des Vermögens einer Volkswirtschaft und ihrer Sektoren zu erhalten, ist die Inlandsproduktsberechnung daher durch eine Vermögensrechnung zu ergänzen. Informationen über die Höhe der Vermögensbestände genießen aus einer Reihe von Gründen eine große Bedeutung: ●● Neben der Einkommensverteilung spielt auch die Verteilung des Vermögens auf die Mitglieder einer Gesellschaft eine wichtige Rolle für die Frage, wie gerecht die materiellen Möglichkeiten in der betreffenden Gesellschaft verteilt sind. Ohne die statistische Erfassung der Vermögensverteilung lässt sich weder ein objektives Bild der Verteilungssituation gewinnen noch eine rationale Umverteilungspolitik betreiben. ●● Der Besitz von Vermögen ermöglicht nicht nur ein höheres materielles Wohlergehen, sondern er verleiht auch Macht. Zu den Aufgaben der Wirtschaftspolitik zählt es auch, dafür zu sorgen, dass wirtschaftlich begründete Macht nicht ungezügelt Einfluss auf die verschiedensten Bereiche der Gesellschaft nimmt. Eine solche Kontrolle im Spannungsfeld zwischen Macht und Freiheit lässt sich jedoch nur dann rational gestalten, wenn entsprechende Kenntnisse über die Vermögenssituation vorliegen. ●● Für die Schätzung der Produktionsbeziehungen der Gesamtwirtschaft oder einzelner Sektoren ist es erforderlich, den tatsächlichen oder den potentiellen Umfang des Kapitaleinsatzes zu kennen. Da der Kapitaleinsatz selbst nicht direkt zu erfassen ist, behilft man sich mit dem Kapitalstock als Näherungsgröße. Der Kapitalstock seinerseits stellt einen Teil des Vermögens der betrachteten Wirtschaft dar. ●● Unter Verwendung der Angaben über den Kapitalstock lassen sich Kapitalkoeffizient und Kapitalintensität eines Sektors oder einer Volkswirtschaft berechnen; der Kapitalkoeffizient ist das Verhältnis von Einsatz des Produktionsfaktors Kapital zum Produktionsergebnis (Bruttowertschöpfung), die Kapitalintensität das Verhältnis von Kapital- zu Arbeitseinsatz. ●● Ferner lässt sich – wie in Kapitel 8 gezeigt wurde – mit Hilfe des Kapitalstocks das Produktionspotential einer Volkswirtschaft schätzen. 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 224 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR224 Die genannten Punkte machen deutlich, warum Kenntnisse über den Umfang sowie die Verteilung des Vermögens eine wichtige Rolle spielen. Sie machen aber auch deutlich, dass für unterschiedliche Fragestellungen unterschiedliche Vermögenskomponenten relevant sind. Interessiert man sich für die Situation der personellen Verteilung, dann ist ein möglichst breiter Vermögensbegriff adäquat. Geht es um die Frage der wirtschaftlichen Macht, dann steht die Verteilung des sogenannten Produktivvermögens, aber auch seine Finanzierung im Vordergrund. Für die Schätzung der Produktionsmöglichkeiten einer Volkswirtschaft schließlich ist der Umfang des Bruttoanlagevermögens in konstanten Preisen von Bedeutung. Unterschiedliche Fragestellungen verlangen offenbar nach unterschiedlichen Abgrenzungen des Vermögensbegriffes. Auf die geläufigen Abgrenzungen zwischen einzelnen Vermögensformen wird im folgenden Abschnitt näher eingegangen. 2. Abgrenzung unterschiedlicher Vermögensformen Bevor eine Klassifizierung der unterschiedlichen Vermögensformen erfolgt, ist es zweckmäßig, sich mit den Grundprinzipien der Vermögensrechnung vertraut zu machen. Wie einleitend erwähnt wurde, handelt es sich bei der Vermögensrechnung um eine Rechnung mit Bestandsgrößen. Diese Rechnung mit Bestandsgrößen lässt sich unter Verwendung von Konten durchführen, die als Bestandskonten bezeichnet werden. In seiner einfachsten Form hat ein Bestandskonto der Vermögensrechnung folgendes Aussehen: Aktiva Vermögensbilanz einer Wirtschaftseinheit Passiva 1. Vermögensobjekte 1.1  Geldvermögen (= Forderungen) 1.2  Sachvermögen 1.3  Immaterielles Vermögen 2. Verbindlichkeiten 3. Reinvermögen (= Nettovermögen) Auf der linken Seite des Vermögenskontos stehen die Vermögensobjekte der betreffenden Wirtschaftseinheit. In einer ersten groben Gliederung lassen sich diese in das Geldvermögen (z. B. Sparguthaben und festverzinsliche Wertpapiere), das Sachvermögen (z. B. Gebäude und Maschinen) sowie das immaterielle Vermögen (z. B. Wissen) einteilen. Auf die einzelnen Vermögensarten wird später noch genauer eingegangen. Die Summe aller Vermögensobjekte bildet das Gesamtvermögen, das auch als Bruttovermögen bezeichnet wird. Auf der rechten Seite des Vermögenskontos stehen zunächst die Verbindlichkeiten. Saldiert man das aus den Forderungen bestehende Geldvermögen mit den Verbindlichkeiten, dann erhält man die Nettoposition der betreffenden Wirtschaftseinheit. Ist die Nettoposition positiv, dann spricht man von einer Nettogläubigerposition, ist sie negativ, dann spricht man von einer Nettoschuldnerposition. Die Summe aus Nettoposition, Sachvermögen und immateriellem Vermögen ergibt das Reinvermögen, das die zweite Position auf der rechten Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 225 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 225 Seite des Vermögenskontos bildet. Das Reinvermögen lässt sich also aus dem Bruttovermögen (= Gesamtvermögen) durch Abzug der Verbindlichkeiten ermitteln; es wird daher auch als Nettovermögen bezeichnet. Aus den im vorigen Abschnitt diskutierten Gründen ist es sinnvoll, eine weitergehende Aufteilung der Vermögensobjekte vorzunehmen als es in Konto 11-1 geschehen ist. Einen Überblick über die gebräuchliche Klassifizierung der verschiedenen Vermögensformen gibt Abbildung 11-1. Diese Aufteilung kann sich auf verschiedene Aggregationsniveaus beziehen, also z. B. für einzelne Haushalte, Sektoren oder eine ganze Volkswirtschaft gelten. Wie aus Abbildung 11-1 hervorgeht, ist der breiteste Vermögensbegriff der des Gesamtvermögens. Das Gesamtvermögen setzt sich aus dem Sachvermögen, dem immateriellen Vermögen und dem Geldvermögen zusammen.15 Das Sachvermögen (auch: materielles Vermögen) lässt sich in produziertes und nichtproduziertes Sachvermögen unterteilen. Zum nichtproduzierten Sachvermögen gehören die natürlichen Ressourcen, wie Grund und Boden, Gewässer, Wälder und Bodenschätze. Hierzu zählen aber auch Kunstwerke, Antiquitäten usw. Vor allem wegen der enormen Bewertungsprobleme wird das nichtproduzierte Sachvermögen in der amtlichen Statistik nicht erfasst. Das produzierte Sachvermögen setzt sich aus dem Gebrauchsvermögen und dem Produktivvermögen zusammen. Das Gebrauchsvermögen lässt sich weiter in privates und öffentliches Gebrauchsvermögen untergliedern. Das private Gebrauchsvermögen besteht im Wesentlichen aus den langlebigen Konsumgütern der Haushalte, wie z. B. Kühlschränken, Waschmaschinen, Staubsaugern und Radiogeräten. Analog besteht das öffentliche Gebrauchsvermögen aus längerlebigen Gütern, sofern sie nicht zum Produktivvermögen gerechnet werden. Nach dem alten Gesamtrechnungssystem handelte es sich dabei in erster Linie um militärische Güter, die nicht als Investitionsgüter, sondern als Vorleistungen erfasst wurden. Das Produktivvermögen setzt sich aus den Anlagen und Vorräten der Unternehmen, der privaten Organisationen ohne Erwerbszweck und des Staates zusammen. Dementsprechend unterscheidet man auch zwischen Anlagevermögen und Vorratsvermögen. Das Anlagevermögen umfasst die erworbenen dauerhaften Produktionsmittel bzw. Investitionsgüter sowie die selbsterstellten Anlagen. Nicht zum Anlagevermögen zählen geringwertige dauerhafte Sachgüter, wie z. B. kleinere Werkzeuge und Büromaterial. Das Anlagevermögen lässt sich nochmals in Bauvermögen und Ausrüstungsvermögen unterteilen. Zum Bauvermögen zählen Gebäude, Fabrikhallen, Straßen und Wasserwege, aber auch die eigengenutzten Wohnungen der privaten Haushalte. Das Ausrüstungsvermögen besteht aus Maschinen, Fahrzeugen und der Betriebs- und Geschäftsausstattung. Das Vorratsvermögen setzt sich im Wesentlichen aus den am Jahresbeginn bei den Unternehmen vorhandenen Beständen an Vor- 15 Gelegentlich findet man auch nur die Unterscheidung zwischen Geld- und Sachvermögen bzw. zwischen immateriellem und Sachvermögen. Im ersten Fall wird das immaterielle Vermögen als Bestandteil des Sachvermögens angesehen, im zweiten Fall das Geldvermögen als Bestandteil des immateriellen Vermögens. Beide Gliederungsansätze erscheinen uns weniger zweckmäßig. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 226 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR226 produkten und Handelsware (sogenannten Input-Vorräte) sowie Halb- und Fertigerzeugnissen aus eigener Produktion (sogenannten Output-Vorräte) zusammen. Die Input-Vorräte sind zum Verbrauch im Produktionsprozess, die Output-Vorräte zum Verkauf bestimmt. Als Geldvermögen bezeichnet man alle Forderungen, die einen auf Euro lautenden Nominalwert aufweisen.16 Zum Geldvermögen gehören demnach nicht nur Bargeld und Sichteinlagen, sondern auch Termin- und Spareinlagen, finanzielles Gold (im Unterschied zu Goldschmuck), Geldmarktpapiere, kurz- und langfristige Kredite, festverzinsliche Wertpapiere, Aktien, andere Beteiligungen, wie z. B. GmbH-Anteile, und sonstige Forderungen. Die letzte große Gruppe an Vermögensobjekten, aus denen sich das Gesamtvermögen zusammensetzt, bildet das immaterielle Vermögen. Hierzu zählt man das Humankapital sowie die sonstigen vermögenswerten Rechte. Unter Humankapital versteht man den in einer Person gebundenen, ökonomisch nutzbaren Wert an Fähigkeiten und Kenntnissen. Er ist das Akkumulationsergebnis von Investitionen in Erziehung, Aus- und Weiterbildung. In der modernen Konsumtheorie spielt das Humankapital insofern eine wichtige Rolle 16 Zum Teil wird der Begriff „Geldvermögen“ auch für den Saldo aus Forderungen und Verbindlichkeiten verwendet. Vgl. hierzu die nachfolgende Diskussion. Abb. 11-1: Struktur der Vermögensbegriffe Gesamtvermögen (Reinvermögen) Geldvermögen (Nettoposition) Sachvermögen Immaterielles Vermögen Nichtproduziertes Sachvermögen Produziertes Sachvermögen Humankapital Sonstige vermögenswerte Rechte Gebrauchsvermögen Produktivvermögen Privates Gebrauchsvermögen Öffentliches Anlagen Vorräte Bauten Ausrüstungen Gebrauchsvermögen Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 227 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 227 als es die Basis für die Ableitung des sogenannten permanenten Einkommens liefert. Der großen theoretischen Bedeutung des Humankapitals stehen aber so erhebliche Erfassungs- und Bewertungsschwierigkeiten gegenüber, dass es bislang in keiner Statistik ausgewiesen wird. Analoge Schwierigkeiten gibt es bei den sonstigen vermögenswerten Rechten. Hierzu zählen u. a. Patentrechte, Lizenzen und kapitalisierte Rentenansprüche. Bei der Frage, wie reich ein Individuum, ein Sektor oder eine ganze Volkswirtschaft ist, kann man es jedoch nicht bei der Betrachtung der als Geldvermögen bezeichneten Forderungen belassen, denn jeder Forderung steht ja zwangsläufig eine Verbindlichkeit gegenüber. Bei Aggregation und Konsolidierung fallen durch Aufrechnung und Saldierung Forderungen und ihnen gegenüberstehende Verbindlichkeiten weg. Dies wirkt sich um so mehr aus, je höher das Aggregationsniveau ist. Wird bis zur nationalen Ebene aggregiert, bleiben nur die Nettoforderungen an das Ausland übrig, die als Nettoauslandsposition bezeichnet werden. Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene stellt beim Geldvermögen ausschließlich die Nettoauslandsposition volkswirtschaftlichen Reichtum dar. Wird nur sie in der Ermittlung des gesamten Vermögens einer Volkswirtschaft berücksichtigt, so spricht man statt von Gesamtvermögen von Reinvermögen oder Volksvermögen einer Wirtschaft. Das Volksvermögen stellt also die Summe aus der Nettoauslandsposition, dem Sachvermögen und dem immateriellen Vermögen der betreffenden Volkswirtschaft dar. Es wichtig, an dieser Stelle nochmals darauf hinzuweisen, dass die Terminologie in der Literatur nicht immer einheitlich ist. Gelegentlich wird unter Geldvermögen die Nettoposition – also die Differenz aus Forderungen und Verbindlichkeiten – verstanden. Statt des Begriffspaares Gesamtvermögen und Reinvermögen, werden auch die Begriffe Brutto- und Nettovermögen verwendet. Die amtliche Vermögensrechnung folgt einer etwas anderen Systematik als in Abbildung  11-1 dargestellt. Diese Gliederung wird in vereinfachter Form in Abbildung 11-2 gezeigt. Von den dort aufgeführten Positionen wird derzeit nur ein kleiner Teil, nämlich Bauten, Ausrüstungen, Nutztiere und Nutzpflanzen sowie immaterielle Anlagegüter, tatsächlich fortlaufend erfasst und dargestellt. In Abbildung 11-2 sind diese Vermögensbestandteile durch Unterlegung hervorgehoben. Die Geldvermögensbestände werden von der Deutschen Bundesbank im Zusammenhang mit der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung ermittelt. Für alle anderen Vermögenskomponenten existiert keine fortlaufende Erfassung. Generell stellt die Bewertung von Vermögensobjekten ein erhebliches Problem dar – dies gilt auch für die in der amtlichen Statistik ausgewiesenen Komponenten des Produktivvermögens. Eine Bewertung der einzelnen Vermögensobjekte ist jedoch unerläßlich, weil erst die Überführung in einen einheitlichen Geldmaßstab den Vergleich zwischen den einzelnen Vermögensgegenständen erlaubt und eine Aggregation ermöglicht. Im folgenden Abschnitt sollen daher einige Aspekte der Bewertung von Vermögensgegenständen angesprochen werden. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 228 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR228 3. Bewertungsansätze Folgende Ansätze zur Bewertung von Vermögensobjekten sind gebräuchlich: ●● Die Vermögensgegenstände werden mit dem Preis bewertet, der zum Zeitpunkt ihrer Anschaffung zu entrichten war. Man spricht von einer Bewertung zu Anschaffungspreisen. Bei diesem Ansatz ist zwischen Brutto- und Nettokonzept zu unterscheiden. Wird dem Bruttokonzept gefolgt, dann wird der Vermögensgegenstand solange mit dem Anschaffungspreis bewertet, bis er aus dem Bestand ausscheidet. Nach dem Nettokonzept vermindert sich der Vermögenswert in jeder Periode um die zu Anschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen. Die Bewertung zu Anschaffungspreisen hat den großen Vorteil, dass sie vergleichsweise einfach durchzuführen ist. Sie verliert jedoch an Aussagefähigkeit, wenn die Preise der betreffenden Vermögensobjekte im Zeitverlauf nicht konstant bleiben. Es stellt sich in Abb. 11-2: Struktur der Vermögensbegriffe in der amtlichen Statistik Vermögensgüter Geldvermögen Produzierte Vermögensgüter Nichtproduzierte Vermögensgüter Vorräte Wertsachen Nichtproduzierte Sachvermögen Immaterielle nichtproduzierte Vermögensgüter Immaterielle Anlagegüter Sachanlagen Bauten Ausrüstungen Anlagegüter Nutztiere und Nutzpflanzen Grund und Boden Bodenschätze Freie Tiere und Pflanzenbestände Wasserreserven Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 229 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 229 diesem Fall nämlich das Problem, dass das gleiche Vermögensobjekt – zu unterschiedlichen Zeitpunkten angeschafft – unterschiedlich bewertet wird. ●● Das geschilderte Problem bei einer Bewertung zu Anschaffungspreisen lässt sich durch eine Bewertung zu Wiederbeschaffungspreisen vermeiden. Bei diesem Ansatz werden die Vermögensgegenstände mit den Preisen bewertet, die im Berichtszeitpunkt zu entrichten wären. Wie bei der Bewertung zu Anschaffungspreisen unterscheidet man auch hier zwischen Brutto- und Nettokonzept. Bei Zugrundelegung des Nettokonzepts ist der Wiederbeschaffungswert um die kumulierten, zu Wiederbeschaffungspreisen bewerteten Abschreibungen zu vermindern. Das Bruttokonzept liefert den Betrag, der zu bezahlen wäre, wollte man im Berichtszeitpunkt alle Vermögensobjekte neu beschaffen. Das Nettokonzept zeigt dagegen den bestmöglichen Schätzwert für den Zeitwert der Vermögensobjekte. Zwar führt die Bewertung zu Wiederbeschaffungspreisen dazu, dass gleiche Vermögensobjekte unabhängig von Preisveränderungen gleich bewertet werden, es ergeben sich aber dann Probleme, wenn der betreffende Vermögensgegenstand nicht mehr am Markt gehandelt wird und demzufolge auch kein Marktpreis existiert, der als Basis der Bewertung dienen könnte. ●● Weder bei einer Bewertung zu Anschaffungs- noch bei einer Bewertung zu Wiederbeschaffungspreisen lässt sich die reale Entwicklung der Vermögensbestände im Zeitverlauf erkennen, weil in beiden Konzepten die Vermögenswerte durch Preisveränderungen beeinflusst werden. Für eine zeitliche Darstellung der rein mengenmäßigen Veränderung der Vermögensbestände muss der Preiseffekt ausgeschaltet werden. Dies lässt sich durch eine Bewertung zu konstanten Preisen erreichen. In diesem Fall werden alle Vermögensobjekte mit den Preisen einer bestimmten Periode bewertet, und zwar unabhängig vom Anschaffungszeitpunkt und ihrem Alter. Den drei genannten Konzepten ist gemeinsam, dass sie bei der Bewertung der Vermögensgegenstände auf Marktpreise zurückgreifen. In einer marktwirtschaftlichen Ordnung ist dies auch das naheliegendste Verfahren. Eine Bewertung mit Marktpreisen ist jedoch nur dann möglich, wenn das betreffende Vermögensobjekt auch am Markt gehandelt wird. Wird es nicht oder nicht mehr gehandelt, muss auf andere Bewertungsverfahren zurückgegriffen werden. ●● Eine denkbare Alternative ist die Bewertung mit Ertragswerten. In diesem Fall ergibt sich der Wert des Vermögensgegenstandes aus dem Gegenwartswert des Stroms seiner künftigen Nettoerträge. Dieses Verfahren setzt voraus, dass die aus dem Vermögensobjekt resultierenden Leistungen einer marktlichen Bewertung unterzogen werden. Ist dies nicht der Fall, und das gilt etwa für weite Bereiche des öffentlichen Tiefbaus (z. B. Straßen und Brücken), versagt auch dieser Ansatz. Die Bewertung mit Ertragswerten ist aber auch deswegen oft fragwürdig, weil in vielen Fällen die Höhe der in Zukunft anfallenden Nettoerträge zum gegenwärtigen Zeitpunkt mit Unsicherheit behaftet ist und sich – wie bei allen Abdiskontierungsproblemen – die Frage nach der richtigen Diskontrate stellt. Im Bereich des Geldvermögens finden sich schließlich noch die Bewertung zu Nominalwerten und zu Kurswerten. Der Nominalwert ist der Euro-Betrag, Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 230 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR230 auf den eine Forderung lautet; der Kurswert entspricht dem Wert, zu dem eine Forderung gehandelt wird. In der amtlichen Statistik der Bundesrepublik wird die Bewertung des Anlagevermögens zu Wiederbeschaffungspreisen und zu konstanten Preisen vorgenommen. Der nächste Abschnitt gibt einen Überblick über die Vermögensrechnung des Statistischen Bundesamtes. Auf die Geldvermögensrechnung der Deutschen Bundesbank geht dann der darauffolgende Abschnitt ein. 4. Die Vermögensrechnung des Statistischen Bundesamtes Das Statistische Bundesamt weist das Anlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen und zu konstanten Preisen (von 2000) jeweils sowohl nach dem Brutto- als auch dem Nettokonzept aus (vgl. Tabelle 11-1). Dabei werden auch die Komponenten des Anlagenvermögens dargestellt, d. h. es wird jeweils nach Nutztieren und Nutzpflanzungen, Ausrüstungen, Bauten und immateriellen Anlagen unterschieden. Die Bauten werden nochmals untergliedert in Wohnbauten und Nichtwohnbauten. Die Ermittlung von Ausrüstungen und Bauten erfolgt nicht, wie man vermuten könnte, durch Erfassung der Bestände an einem Stichtag. Dies wäre wegen der Vielzahl und der Verschiedenartigkeit der einzubeziehenden Vermögensobjekte nicht möglich. Stattdessen berechnet man den Anlagenbestand mit Hilfe eines Kumulationsverfahrens, der sogenannten Perpetual-Inventory-Methode. Diese Methode geht von der einfachen Feststellung aus, dass der Bestand an Anlagen zu jedem Zeitpunkt gleich der Summe aller vergangenen Nettoinvestitionen sein muss. Kennt man den Strom der vergangenen Nettoinvestitionen, kann man auch den Bestand an Anlagen errechnen. Offensichtlich setzt dieses Verfahren voraus, dass hinreichend lange Investitionsreihen zur Verfügung stehen. Mit hinreichend lang ist gemeint, dass eine Investitionsreihe mindestens so lang sein muss wie die Nutzungsdauer des betrachteten Vermögensobjektes. Die von der Idee her einfache Perpetual-Inventory-Methode bereitet in der praktischen Umsetzung einige Schwierigkeiten. In Box 11-1 wird auf diese Probleme näher eingegangen. Tabelle 11-1 enthält Daten zu dem nach Vermögensarten gegliederten Anlagevermögen. Hierzu gehören alle produzierten Vermögensgüter, die länger als ein Jahr wiederholt oder dauerhaft in der Produktion eingesetzt werden. Berücksichtigt werden in den Sachanlagen diejenigen militärischen Güter, die auch zivil genutzt werden können, so z. B. Lastkraftwagen oder Kasernengebäude. Nicht erfasst werden hingegen die nur militärisch nutzbaren dauerhaften Güter, wie etwa Jagdflugzeuge, Raketen oder gepanzerte Fahrzeuge. In Tabelle 11-1 werden die Anlagegüter in Sachanlagen und immaterielle Anlagen gegliedert. Bei den immateriellen Anlagegütern handelt es sich um Computerprogramme, Urheberrechte und die Ausgaben für Suchbohrungen. Ihr Bruttowert betrug im Jahr 2010 zu konstanten Preisen ca. 167 Mrd. Euro, was gegenüber dem Jahr 2000 einen Anstieg um mehr als 80 Prozent darstellt. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 231 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 231 Der Wert der Sachanlagen stieg im gleichen Zeitraum dagegen nur um ca. 20 %. Der relativ starke Anstieg des Wertes der immateriellen Anlagen ist darauf zurückzuführen, dass im Betrachtungszeitraum die Bedeutung von Software drastisch zugenommen hat. Die Sachanlagen werden unterteilt in Nutztiere und Nutzpflanzungen, Ausrüstungen sowie Bauten. Bei den Bauten wird nochmals differenziert zwischen Wohnbauten und Nichtwohnbauten. Die Ausrüstungen werden im Einklang mit Vergaben der Europäischen Union in Fahrzeuge und sonstige Ausrüstungen untergliedert. Wie Tabelle 11-1 zeigt, wird der Wert von Fahrzeugen und sonszu Wiederbeschaffungspreisen in Preisen von 2000 Jahr 2000 2005 2010 2000 2005 2010 brutto brutto Sachanlagen Nutztiere und Nutzpflanzungen Ausrüstungen Maschinen und Geräte1) Fahrzeuge Bauten2) Wohnbauten Nichtwohnbauten Immaterielle Anlagen Alle Anlagegüter 10 026,01 8,66 1 751,38 … … 8 265,97 4 588,94 3 677,03 90,86 10 116,87 11 085,68 8,29 1 854,83 … … 9 222,56 5 214,09 4 008,47 118,46 11 204,14 13 132,53 10,71 1 828,78 … … 11 293,04 6 498,34 4 794,70 121,70 13 254,23 10 068,09 8,87 1 768,31 … … 8 290,91 4 591,72 3 699,19 90,63 10 158,72 10 959,53 8,41 1 903,25 … … 9 047,87 5 123,61 3 924,26 129,15 11 088,68 11 918,21 8,56 2 230,16 … … 9 679,49 5 573,48 4 106,01 166,58 12 084,79 netto netto Sachanlagen Nutztiere und Nutzpflanzungen Ausrüstungen Maschinen und Geräte1) Fahrzeuge Bauten2) Wohnbauten Nichtwohnbauten Immaterielle Anlagen Alle Anlagegüter 6 275,05 7,01 896,79 … … 5 371,25 3 092,93 2 278,32 48,96 6 324,01 6 789,51 6,75 945,88 … … 5 836,88 3 426,88 2 410,00 61,67 6 851,18 7 924,15 8,17 979,75 … … 6 936,23 4 139,00 2 797,23 64,49 7 988,64 6 299,60 7,21 905,46 … … 5 386,93 3 094,81 2 292,12 48,83 6 348,43 6 703,16 6,76 970,38 … … 5 726,02 3 367,41 2 358,61 67,32 6 770,48 7 146,08 6,78 1 193,98 … … 5 945,32 3 549,93 2 395,39 88,51 7 234,59 1) Einschl. Textilien, Bekleidung, Holz, Kunststoff, Glas-, Keramik-, Eisenwaren u. a. 2) Einschl. kumulierter Grundstücksübertragungskosten für unbebauten Grund und Boden. Tab. 11-1: Anlagevermögen nach Vermögensarten (Mrd. Euro, Bestand am Jahresanfang) Quelle: Statistisches Bundesamt (2009b, 2010b) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 232 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR232 tigen Ausrüstungen tatsächlich jedoch nicht getrennt aufgeführt. Dies hängt damit zusammen, dass für den Wert dieser Vermögensgüter derzeit keine bzw. keine getrennten Berechnungen vorliegen. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht das Anlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen und in Preisen von 2000 in der vollen Bereichsgliederung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nach 60 Wirtschaftsbereichen. Tabelle 11-2 zeigt für ausgewählte Wirtschaftsbereiche das Bruttoanlagevermögen des Jahres 2009 in konstanten Preisen. Ein Vergleich der Anteile von Ausrüstungen und Bauten zwischen den einzelnen Wirtschaftsbereichen gibt einen ersten Eindruck von der unterschiedlichen Anlagenstruktur der Wirtschaftsbereiche. Kaum überraschen dürfte der hohe Anteil der Bauten am Anlagevermögen des Bereichs „Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen“, weil die Vermietung entsprechende Baubestände voraussetzt. Schaut man sich aber die (in Tabelle 11-2 nicht gezeigten) differenzierteren Daten der Kreditinstitute und Versicherungen an, stellt man auch hier einen hohen Anteil der Bauten am Anlagevermögen fest. Bei den Unternehmen dieses Bereichs handelt es sich um typische Dienstleistungsunternehmen, die für ihre Gütererstellung nur im geringen Umfang Ausrüstungen benötigen, aber einen hohen Bedarf an Bürofläche haben. Im verarbeitenden Gewerbe spielt dagegen das Bauvermögen gegenüber dem Ausrüstungsvermögen eine relativ geringe Rolle. Wirtschaftsgliederung Anlagen Ausrüstungen und sonstige Anlagen Bauten Bestand Bestand Anteil Bestand Anteil Mrd. Euro Mrd. Euro v. H. Mrd. Euro v. H. Land- und Forstwirtschaft, Fischerei Produzierendes Gewerbe Produzierendes Gewerbe ohne Baugewerbe Bergbau und Gewinnung von Steinen und Erden Verarbeitendes Gewerbe Energie- und Wasserversorgung Baugewerbe Dienstleistungsbereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr Finanzierung, Vermietung und Unternehmensdienstleistungen Öffentliche und private Dienstleister Wirtschaftsbereiche insgesamt Nachrichtlich: Unternehmen1) Staat 242,65 1 445,95 1 371,55 24,89 958,47 388,19 74,40 10 215,85 1 050,74 6 657,52 2 507,59 11 904,45 4655,83 1681,86 78,97 822,93 785,15 17,67 647,24 120,24 37,78 1 444,83 450,65 658,86 335,32 2 346,73 2236,95 83,09 32,54 56,91 57,25 70,99 67,53 30,97 50,78 14,14 42,89 9,90 13,37 19,71 48,05 4,94 163,68 623,02 586,40 7,22 311,23 267,95 36,62 8 771,02 600,09 5 998,66 2172,27 9 557,72 2418,88 1598,77 67,46 43,09 42,75 29,01 32,47 69,03 49,22 85,86 57,11 90,10 86,63 80,29 51,95 95,06 1) Alle Wirtschaftsbereiche ohne Staat und private Organisationen ohne Erwerbszweck. Tab. 11-2: Bruttoanlagevermögen ausgewählter Wirtschaftsbereiche im Jahr 2009 (in Preisen von 2000, Bestand am Jahresanfang, in Mrd. Euro) Quelle: Statistisches Bundesamt (2010c, S. 97 f.) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 233 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 233 Das Anlagevermögen ändert sich durch Zugänge und Abgänge bzw. Abschreibungen. Die Zugänge zu Anschaffungs- und zu Wiederbeschaffungspreisen sind identisch, weil die jeweiligen physischen Mengen mit denselben Preisen bewertet werden. Sie entsprechen genau den Bruttoanlageinvestitionen in jeweiligen Preisen. Die Abgänge umfassen diejenigen Anlagen, die im Berichtszeitraum tatsächlich aus dem Bestand ausscheiden. Die Abschreibungen ergeben sich dagegen aus der Wertminderung der Anlagen in einer Periode. Wegen der vorherrschenden inflationären Tendenz sind die Abschreibungen zu Wiederbeschaffungspreisen im allgemeinen deutlich höher als die Abschreibungen zu Anschaffungspreisen. Nur die Abschreibungen zu Wiederbeschaffungspreisen stellen den Substanzerhalt des Anlagevermögens sicher. Daher erfolgt auch die Bewertung der Abschreibungen im Rahmen der Inlandsproduktsberechnung nach diesem Konzept. Die Unterscheidung zwischen Abgängen und Abschreibungen ist z. B. bei der Ermittlung des Kapitaleinsatzes im Rahmen einer Schätzung der gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion von Bedeutung (vgl. zum Weg der Schätzung einer solchen Funktion Box 11-2). Für die Veränderung des Bruttoanlagevermögens zu Anschaffungspreisen bzw. zu konstanten Preisen innerhalb eines Jahres gilt: Bruttoanlagevermögen am Anfang des Jahres + Zugänge während des Jahres – Abgänge während des Jahres = Bruttoanlagevermögen am Ende des Jahres. Entsprechend gilt für das Nettoanlagevermögen zu Anschaffungspreisen bzw. zu konstanten Preisen: Nettoanlagevermögen am Anfang des Jahres + Zugänge während des Jahres – Abschreibungen während des Jahres = Nettoanlagevermögen am Ende des Jahres. Bei einer Bewertung zu Wiederbeschaffungspreisen gelten diese Beziehungen nicht, weil zu beachten ist, dass der gesamte Vermögensbestand aufgrund von Preisveränderungen eine Wertänderung erfährt. Berücksichtigt man diese Wertänderung, so ergibt sich rechnerisch für das Bruttoanlagevermögen: Bruttoanlagevermögen am Anfang des Jahres + Zugänge während des Jahres – Abgänge während des Jahres + Wertveränderung des Bruttoanlagevermögens aufgrund von Preisänderungen = Bruttoanlagevermögen am Ende des Jahres. Angaben zum Altersaufbau des Anlagevermögens wurden vom Statistischen Bundesamt bis 1997 regelmäßig veröffentlicht. Derzeit erfolgt kein Nachweis. Bei der Berechnung des Altersaufbaus kann direkt auf die Ermittlung des Anlagevermögens mit Hilfe der Perpetual-Inventory-Methode zurückgegriffen werden, weil diese ohnehin die Kenntnis der durchschnittlichen Nutzungsdauer der einzelnen Anlagegüter voraussetzt. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 234 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR234 Der Altersaufbau des Anlagevermögens ist u. a. deswegen von Interesse, weil er Rückschlüsse darüber erlaubt, wie schnell sich technologischer Fortschritt im Produktionsapparat einer Volkswirtschaft niederschlagen kann. Folgerungen dieser Art lassen sich nicht so sehr aus dem Altersaufbau zu einem bestimmten Zeitpunkt ziehen, sondern vielmehr aus einem intertemporalen bzw. internationalen Vergleich. Abbildung 11-3 zeigt die Altersstruktur in Prozent des Bruttoanlagevermögens. Im linken Diagramm sind die Ausrüstungen und sonstigen Anlagen dargestellt. Das rechte Diagramm gibt die Altersstruktur von Nichtwohnbauten und Wohnbauten wieder. Bei den Ausrüstungen fallen zwei Charakteristika auf: Erstens nimmt der Anteil der jeweiligen Jahrgänge mit zunehmendem Alter stetig ab. Zweitens ist der Anteil älterer Anlagen (älter als 10 oder 20 Jahre) sehr gering. Diese Altersstruktur verdeutlicht, dass Ausrüstungen überwiegend nach wenigen Jahren durch neue ersetzt werden. Nichtwohnbauten und Wohnbauten werden im Durchschnitt dagegen sehr viel länger genutzt. Auffällig ist der hohe Anteil von Bauten, die im Jahr 2009 um die 15 Jahre alt waren, also Anfang bis Mitte der 1990er Jahre errichtet wurden. Dieser „Bauch“ der Altersstruktur spiegelt den Bauboom wider, der in Deutschland im Zusammenhang mit der deutschen Vereinigung zu verzeichnen war. Die Erfassung des Gebrauchsvermögens privater Haushalte erweitert die vorstehende Ermittlung des reproduzierbaren Sachvermögens. Erfasst werden nur die sogenannten dauerhaften Gebrauchsgüter, also solche, die langlebig und hochwertig sind. Beim Ausweis des Gebrauchsvermögens privater Haushalte unterscheidet das Statistische Bundesamt fünf Gütergruppen: ●● Möbel, Teppiche und Bodenbeläge, ●● Elektrische Haushaltsgroßgeräte, ●● Fahrzeuge, ●● Audiovisuelle, fotografische und EDV-Geräte, ●● sonstige dauerhafte Gebrauchsgüter. Abb. 11-3: Altersstruktur in % des Bruttoanlagevermögens Jahresanfang 2009, in Preisen von 2000 Quelle: Statistisches Bundesamt (2009a) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 235 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 235 Abb. 11-4: Reales Gebrauchsvermögen privater Haushalte nach Gütergruppen 2010 Quelle: Statistisches Bundesamt (2010a) Möbel, Teppiche und Bodenbeläge 36 % Elektrische Haushaltsgroßgeräte 6 % Fahrzeuge 36 % Audiovisuelle fotografische und EDV-Geräte 6 % Sonstige dauerhafte Gebrauchsgüter 16 % Box 11-1: Die Berechnung des reproduzierbaren Anlagevermögens mit Hilfe der Perpetual-Inventory-Methode Das Statistische Bundesamt erfasst das reproduzierbare Anlagevermögen nicht auf dem Wege einer direkten Bestandserhebung. Vielmehr erfolgt die Berechnung mit Hilfe der in den zurückliegenden Jahren erfolgten Investitionen. Dem liegt die Überlegung zugunde, dass der heutige Anlagenbestand – bei Vernachlässigung des Kapitalverzehrs – nichts anderes darstellt als die Summe der in der Vergangenheit getätigten Bruttoinvestitionen. Die Berücksichtigung der Tatsache, dass die Anlagen einem bestimmten Verschleiß unterworfen sind, hat zwei Effekte. Einerseits wird die Berechnung des Anlagevermögens erschwert, weil neben den Bruttoinvestitionen auch die Abgänge bzw. Abschreibungen bekannt sein müssen. Andererseits wird die Berechnung des Anlagevermögens aber auch erleichtert. Tritt nämlich kein Verschleiß des Anlagevermögens auf, dann ist das gleichbedeutend mit einer unendlich langen Lebensdauer der Anlagen. Dies impliziert aber wiederum, dass im heutigen Kapitalstock auch Investitionen enthalten sind, die vor einem sehr langen – im Grenzfall einem unendlich langen – Zeitraum getätigt wurden. Um den gegenwärtigen Anlagenbestand vollständig zu erfassen, müssten der Berechnung folglich auch unendlich lange Investitionsreihen als Basis dienen. Ist der Verschleiß dagegen sehr hoch, die Nutzungsdauer der Anlagen also sehr kurz, dann spielen weiter zurückliegende Investitionen für die aktuelle Höhe des Anlagevermögens keine Rolle, weil sie längst wieder aus dem Bestand ausgeschieden sind. Die Perpetual-Inventory-Methode setzt also voraus, dass die Investitionen in hinreichend lang in die Vergangenheit zurückreichenden Reihen erfasst wurden und die durchschnittliche Nutzungsdauer der einzelnen Objekte genau genug abgeschätzt werden kann. Was als ein hinreichend langer Erfassungszeitraum bezeichnet werden kann, hängt in erster Linie von dem betrachteten Anlageobjekt ab. Bei Anlagegütern aus dem EDV-Bereich liegt die Nutzungsdauer aufgrund des schnellen Fortschreitens der technischen Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 236 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR236 Entwicklung oft unter zehn Jahren; im Bereich der Bauten kann die Nutzungsdauer dagegen leicht einen Zeitraum von hundert Jahren übersteigen. Bei der Anwendung der Perpetual-Inventory-Methode stellt sich das Problem, dass die in weiter zurückliegenden Jahren erhobenen Daten – wenn überhaupt – nur unvollständig oder in ungeeigneter Abgrenzung erfasst wurden. Diese Mängel lassen sich zum heutigen Zeitpunkt nur indirekt durch Heranziehen von Hilfsstatistiken und Schätzungen korrigieren bzw. abschwächen. Für die vom Statistischen Bundesamt verwendeten Investitionsreihen sind drei Zeitabschnitte zu unterscheiden. Für die Jahre vor 1950 liegen nur vereinzelt systematische Angaben vor, die für die heute geltende tiefe Gliederung nach Wirtschaftsbereichen direkt nutzbar sind. Für den Zeitraum von 1950 bis 1959 existieren lediglich Investitionsreihen in einer sehr groben Unterteilung nach Unternehmen, Staat und Wohnungsvermietung. Die fehlenden Daten müssen daher durch Umrechnungen und Schätzungen ergänzt werden. Die Bedeutung der dabei zwangsläufig auftretenden Fehler wird mit fortschreitender Zeit jedoch immer geringer, weil die Anlagegüter dieser Jahrgänge nach und nach aus dem Bestand ausscheiden. Mit Ausnahme des Bereichs Energie- und Wasserversorgung wurde ab 1960 der Erwerb von neuen Anlagen in der vollen Gliederung nach Wirtschaftsbereichen zu jeweiligen und in konstanten Preisen erfasst, so dass die entsprechenden Investitionsreihen als recht verlässlich angesehen werden können. Generelle Probleme bereitet die Erfassung der Käufe und Verkäufe von gebrauchten Anlagen. Zahlenmaterial hierfür liegt nur für die Jahre nach 1950 vor. Eine direkte Zuordnung zu den Wirtschaftsbereichen ist jedoch nicht möglich. Es bleibt daher nur der indirekte Weg über Schätzungen, die sich auf andere Informationen stützen. Die damit verbundene Unsicherheit wird jedoch als zu groß angesehen, so dass das Statistische Bundesamt auf eine Erfassung der Transaktionen mit gebrauchten Anlagegütern zwischen den Wirtschaftsbereichen verzichtet. Die zweite oben genannte Voraussetzung für die Anwendung der Perpetual- Iventory-Methode sind Kenntnisse über die Nutzungsdauer der Anlagegüter der einzelnen Wirtschaftsbereiche. Dies wiederum erfordert Informationen über die Nutzungsdauer einzelner Anlagearten und darüber, wie sich die einzelnen Güterarten auf die Wirtschaftsbereiche verteilen. Für die Zeit ab 1960 kann das Statistische Bundesamt dabei auf sogenannte Investorenkreuztabellen zurückgreifen. Diese schlüsseln näherungsweise auf, wie sich die in ungefähr 200 Güterarten gegliederten Ausrüstungsinvestitionen auf 57 Wirtschaftsbereiche verteilen. Die Schätzung der Nutzungsdauer der einzelnen Anlagegüterarten basiert im Wesentlichen auf den von der Finanzverwaltung herausgegebenen Tabellen über die betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer des Anlagevermögens zur Bemessung der Absetzung für Abnutzung (AfA-Tabellen). Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass die im Rahmen der steuerlichen Abschreibung angesetzte Nutzungsdauer generell geringer ist als die effektive. Die Informationen aus den AfA-Tabellen werden daher auf vielfältige Weise ergänzt. Hierbei wird in erster Linie auf genauere Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 237 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 237 Angaben der Nutzungsdauer einzelner Anlagegüterarten zurückgegriffen. Recht präzise Angaben liegen z. B. im Bereich der Kraftfahrzeuge vor, der vom Kraftfahrzeugbundesamt verfasst wird. Unter Berücksichtigung dieser und anderer Faktoren wird für jede Güterart die durchschnittliche Nutzungsdauer geschätzt. Ein Investitionsjahrgang einer bestimmten Güterart scheidet jedoch nicht komplett nach dem Ende der durchschnittlichen Nutzungsdauer aus dem Anlagebestand aus. Vielmehr werden einige Güter bereits im ersten Jahr der Nutzung unbrauchbar, andere hingegen werden weit über die durchschnittliche Nutzungsdauer hinaus eingesetzt. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass die Nutzungsdauer annähernd glockenförmig um ihren Mittelwert streut. Tabelle  11-3 zeigt die durchschnittliche Nutzungsdauer und Spanne der durchschnittlichen Nutzungsdauern innerhalb der Gütergruppen nach Vermögensarten für das Investitionsjahr 2000. Vermögensarten Durchschnittliche Nutzungsdauer Spanne der durchschnittlichen Nutzungsdauern innerhalb der Gütergruppen Bauten Wohnbauten Straßen Sonstige öffentliche Tiefbauten Öffentliche Hochbauten Sonstige Nichtwohnbauten 66 74 57 47 66 53 15 – 150 40 – 95 35 – 116 25 – 150 25 – 68 15 – 100 Ausrüstung (gemäß CPA)1) Fahrzeuge Kraftwagen und Kraftwagenteile (34) Sonstige Fahrzeuge (35) 12 11 9 21 5 – 30 8 – 25 8 – 15 12 – 25 Maschinen und Geräte Metallerzeugnisse (28) Maschinen (29) Büromaschinen, Datenverarbeitungsgeräte und -einrichtungen (30) Geräte der Elektrizitätserzeugung u. Ä. (31) Nachrichtentechnik, Rundfunk, Fernsehgeräte u. Ä. (32) Medizinische, mess-, steuerungs- und regelungstechnische Erzeugnisse, optische Erzeugnisse, Uhren (33) Möbel, Musikinstrumente, Sportgeräte u. Ä. (36) Sonstige Maschinen und Geräte (Teile aus 17–27) 12 18 13 5 18 10 15 16 13 5 – 30 14 – 22 8 – 30 5 – 9 8 – 22 5 – 17 10 – 22 8 – 30 7 – 20 Nutzungspflanzen Rebanlagen Hopfenanlagen Spargelanlagen Obstplantagen 20 15 8 10 Immaterielle Anlagegüter 5 5 – 30 1) Statistische Güterklassifikation in Verbindung mit den Wirtschaftszweigen in der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft, 2002. Tab. 11-3: Durchschnittliche Nutzungsdauer und Spanne der durchschnittlichen Nutzungsdauern innerhalb der Gütergruppen nach Vermögensarten für das Investitionsjahr 2000 (in Jahren) Quelle: Schmalwasser, O., Schidlowski, M. (2006, S. 1120) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 238 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR238 Box 11-2: Bruttoanlagevermögen und Schätzung einer Produktionsfunktion vom Cobb-Douglas-Typ Informationen über die Höhe des Bruttoanlagevermögens werden für die Schätzung gesamtwirtschaftlicher oder sektoraler Produktionsfunktionen benötigt. Eine Produktionsfunktion beschreibt die Beziehung zwischen der Einsatzmenge der Produktionsfaktoren und dem Produktionsergebnis. Vereinfachend wird oft angenommen, dass das Produktionsergebnis (Y) nur von den eingesetzten Mengen an Arbeit (L) und Kapital (K) abhängig ist und der folgende funktionale Zusammenhang besteht: Y = γKαL1–α, γ > 0,0 < α < 1. Diese Beziehung heißt Cobb-Douglas-Produktionsfunktion und stellt die wichtigste elementare Produktionsbeziehung dar, die in der quantitativen Volkswirtschaftslehre verwendet wird. Voraussetzung einer ökonometrischen Schätzung der Parameter γ und α ist das Vorliegen geeigneten Datenmaterials. Das volkswirtschaftliche Produktionsergebnis wird durch das reale Bruttoinlandsprodukt approximiert. Die Messung des Bruttoinlandsproduktes erfolgt im Rahmen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung des Statistischen Bundesamtes und kann daher als vergleichsweise genau angesehen werden. Die Erfassung des Arbeitseinsatzes ist schwieriger. Er wird durch das effektive Arbeitsvolumen beschrieben. Unterschiede in der Intensität und Qualität des Arbeitseinsatzes können jedoch nicht erfasst werden. Selbst die Erfassung der geleisteten Arbeitsstunden ist mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden, weil es z. B. durch Streiks, Aussperrungen, Kurzarbeit und Überstunden zu Abweichungen von der tariflichen Arbeitszeit kommt. Noch größere Schwierigkeiten ergeben sich bei der Erfassung des Kapitaleinsatzes. Für die Schätzung der Produktionsfunktion werden eigentlich Angaben über den Strom der Kapitalleistungen benötigt. Weil dieser nicht messbar ist, benutzt man hilfsweise den Bestand an Kapitalgütern, den Kapitalstock. Der vom Statistischen Bundesamt ausgewiesene Kapitalstock entspricht dem jahresdurchschnittlichen Bruttoanlagevermögen zu konstanten Preisen, d. h. dem Mittelwert aus dem Jahresanfangs- und dem Jahresendbestand. Der so ermittelte Kapitalstock stellt aber schon deswegen noch keine befriedigende Näherung der tatsächlichen Kapitalleistungen dar, weil unberücksichtigt bleibt, ob die vorhandenen Kapitalgüter tatsächlich in der Produktion eingesetzt werden. Es muss daher eine Bereinigung um Schwankungen im Auslastungsgrad vorgenommen werden. Hierzu kann man etwa auf Erhebungen des Ifo-Institutes zurückgreifen. Berücksichtigt man die skizzierten Schwierigkeiten bei der Schätzung einer gesamtwirtschaftlichen Produktionsfunktion und hält sich die Unsicherheiten vor Augen, die bei der Ermittlung des Bruttoanlagevermögens auftreten (vgl. Box 11-1), so wird deutlich, dass numerisch spezifizierte Produktionszusammenhänge immer nur einen vorläufigen Charakter haben können und man bei ihrer Verwendung und der Interpretation der dabei erzielten Ergebnisse entsprechende Vorsicht walten lassen muss. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 239 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 239 5. Die Geldvermögensrechnung der Deutschen Bundesbank Die Darstellung der Bestände an Geldvermögen und Krediten der verschiedenen Sektoren ist Teil der sektoralen Geldvermögens- und Verbindlichkeitenrechnung und wird in der Bundesrepublik im Rahmen der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung, auf die im folgenden Kapitel genauer eingegangen wird, von der Bundesbank vorgenommen. Die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung zeigt die Veränderungen der sektoralen Forderungen und Verbindlichkeiten und gibt damit Aufschluss über die Veränderung der Kreditbeziehungen zwischen den Sektoren. Die Ströme legen offen, wie sich die Bestände an Forderungen und Verbindlichkeiten verändert haben. Es liegt daher nahe, neben den in der Finanzierungsrechnung dargestellten Strömen eine Betrachtung der Bestandsgrößen, d. h. der Gläubiger- und Schuldnerpositionen der einzelnen Sektoren, im Rahmen der Vermögensrechnung vorzunehmen. Forderungen und Verbindlichkeiten der einzelnen Sektoren können in unterschiedlicher Weise dargestellt werden. Sie lassen sich beispielsweise in Kontenform aufzeigen, indem für jeden Sektor eine Art Bilanz ermittelt wird. Eine andere Form der Darstellung enthält Tabelle 11-4. Sie zeigt für die in der Kopfzeile aufgeführten Sektoren die nach Arten gegliederten Bestände an Forderungen (Geldvermögen) und Verbindlichkeiten zum Jahresende 2009. Außer bei Geldmarktpapieren, festverzinslichen Wertpapieren und Aktien sind in Tabelle  11-4 die Forderungen und Verbindlichkeiten innerhalb der Sektoren gegeneinander aufgerechnet. Die privaten Haushalte in Gesamtdeutschland verfügten Ende 2009 über einen Geldvermögensbestand in Höhe von 4672 Mrd.  Euro. Dies entspricht einem Geldvermögen von ca. 116 250 Euro pro Haushalt oder 57 113 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Die größten Anteile hiervon entfielen mit 28 Prozent auf Anlagen bei Versicherungen, 18 Prozent auf Bargeld und Sichteinlagen, 13 Prozent auf Spareinlagen, 12  Prozent auf Investmentzertifikate und 8  Prozent auf Rentenwerte. Bei der Interpretation dieser Daten sind einige Punkte zu beachten. Diese sind besonders im Hinblick auf den Vergleich mit früheren Jahren wichtig. Zunächst ist darauf hinzuweisen, dass im Sektor der privaten Haushalte und der Organisationen ohne Erwerbszweck auch das Geldvermögen aller Unternehmen berücksichtigt wird, die keine Kapitalgesellschaften bzw. Quasi- Kapitalgesellschaften sind. Darüber hinaus werden auch die Geldvermögen und Verbindlichkeiten im Zusammenhang mit der Nutzung von Wohneigentum im Sektor der privaten Haushalte ausgewiesen. Vergleicht man die Daten aus Tabelle 11-4 mit den entsprechenden Daten aus früheren Jahren, so fällt auf, dass der Wert des in Aktien und Investmentzertifikaten gehaltenen Geldvermögens im Zeitraum von 1995 bis 2000 um fast 220 Prozent gestiegen ist. Dies liegt nur zum geringeren Teil daran, dass die Haushalte ihr Vermögen umgeschichtet haben. Der größere Teil dieser Änderung ist auf den Kursanstieg der Aktien in diesem Zeitraum zurückzuführen. Im Unterschied zum alten System, bei dem die Aktien und Rentenpapiere zum Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 240 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR240 P os it io n In lä n d is ch e n ic h tf in an zi el le S ek to re n In lä n d is ch e fi n an zi el le S ek to re n Ü b ri ge W el t S ek to re n i n sge sa m t P ri v. H au sh . u . p ri v. O rg . o . E rw er b szw ec k N ic h tfi n an zi el le K ap it al ge se ll sc h af te n S ta at In sg esa m t M on etä re F in an zi n sti tu te 1) S on st ig e Fi n an zin st it u te V er si ch er u n ge n 2) In sg esa m t In sg esa m t G eb ie ts k ör p er sc h af te n S oz ia lve rs ic h eru n ge n G el d ve rm ög en W äh ru ng sg ol d u nd S on d er zi eh u ng sr ec ht e B ar ge ld u nd E in la ge n B ar ge ld u nd S ic ht ei nla ge n Te rm in ge ld er 3) Sp ar ei n la ge n Sp ar br ie fe G el d m ar kt pa pi er e R en te nw er ke Fi na n zd er iv at e A kt ie n So n st ig e B et ei li gu ng en In ve st m en tz er ti fi ka te K re d it e K u rz fr is ti ge K re d it e L än ge rf ri st ig e K re d it e A n sp rü ch e ge ge nü be r V er si ch er u ng en 2) K u rz fr is ti ge A n sp rü ch e L an gf ri st ig e A n sp rü ch e A n sp rü ch e au s Pe n si on sr ü ck st el lu ng en So n st ig e Fo rd er u ng en – 1 78 8, 1 84 5, 6 27 7, 7 58 6, 5 78 ,3 0, 8 36 2, 8 – 18 1, 3 18 3, 8 55 5, 3 – – – 1 29 5, 3 84 ,7 1 21 0, 6 27 0, 1 34 ,2 – 56 0, 7 31 6, 9 23 2, 5 5, 1 6, 2 18 ,8 10 6, 8 – 80 0, 4 31 8, 4 61 ,6 20 0, 7 12 3, 7 77 ,0 44 ,6 44 ,6 – – 52 5, 9 – 19 7,1 64 ,8 12 8, 2 2, 6 1, 5 0, 0 56 ,5 1, 7 44 ,1 18 4, 0 20 ,6 o)   7 1, 5 21 ,0 o)   5 0, 5 0, 7 0, 7 – – 94 ,5 – 14 8, 8 51 ,5 93 ,9 2, 1 1, 3 0, 0 54 ,5 1, 7 43 ,9 18 4, 0 2, 4 71 ,5 21 ,0 50 ,5 0, 7 0, 7 – – 88 ,2 – 48 ,3 13 ,4 34 ,3 0, 4 0, 2 – 2, 0 – 0, 2 – 18 ,1 0, 5 – 0, 5 – – – – 6, 3 – 2 54 5, 9 1 22 7, 4 63 8, 4 59 4, 2 86 ,0 19 ,7 52 6, 1 1, 7 1 02 5, 8 68 6, 1 63 7, 5 27 2, 2 14 4, 6 12 7, 6 1 34 0, 6 13 0, 0 1 21 0, 6 27 0, 1 65 4, 6 84 ,1 1 00 6, 3 20 3, 4 80 2, 8 – – 52 ,7 1 47 7, 5 – 17 6, 5 10 4, 7 15 4, 6 3 43 4, 8 65 3, 9 2 78 0, 9 – – – – 23 1, 8 – 22 1, 9 53 ,0 16 7, 7 0, 0 1, 2 7, 0 55 2, 9 1, 0 21 9, 4 11 6, 8 11 7,9 31 ,8 21 ,7 10 ,1 – – – – 1, 7 – 58 9, 0 19 ,4 55 6, 5 0, 3 12 ,8 1, 8 18 2, 2 – 69 ,6 12 7,1 38 3, 7 22 8, 2 28 ,9 19 9, 2 – – – – 76 ,0 84 ,1 1 81 7, 2 27 5, 8 1 52 7,1 0, 3 14 ,0 61 ,4 2 21 2, 6 1, 0 46 5, 5 34 8, 6 65 6, 1 3 69 4, 8 70 4, 5 2 99 0, 3 – – – – 30 9, 4 – 97 1, 4 38 9, 7 55 6, 0 9, 6 16 ,1 18 0, 6 1 53 2, 5 – 44 9, 6 35 9, 6 33 ,3 63 3, 8 24 9, 4 38 4, 4 69 ,1 69 ,1 – – 13 7, 2 84 ,1 5 33 4, 5 1 89 2, 9 2 72 1, 5 60 4, 1 11 6, 1 26 1, 8 4 27 1, 2 2, 7 1 94 0, 8 1 39 4, 3 1 32 6, 9 4 60 0, 8 1 09 8, 5 3 50 2, 3 1 40 9, 7 19 9, 1 1 21 0, 6 27 0, 1 1 10 1, 3 In sg es am t 4 67 1, 7 26 37 ,9 o)   6 70 ,7 59 5, 8 75 ,4 7 98 0, 3 6 72 2, 9 1 27 0, 4 1 65 7, 5 9 65 0, 8 4 36 7,1 21 9 98 ,1 Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 241 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 241 P os it io n In lä n d is ch e n ic h tf in an zi el le S ek to re n In lä n d is ch e fi n an zi el le S ek to re n Ü b ri ge W el t S ek to re n i n sge sa m t P ri v. H au sh . u . p ri v. O rg . o . E rw er b szw ec k N ic h tfi n an zi el le K ap it al ge se ll sc h af te n S ta at In sg esa m t M on etä re F in an zi n sti tu te 1) S on st ig e Fi n an zin st it u te V er si ch er u n ge n 2) In sg esa m t In sg esa m t G eb ie ts k ör p er sc h af te n S oz ia lve rs ic h eru n ge n V er b in d li ch k ei te n B ar ge ld u nd E in la ge n B ar ge ld u nd S ic ht ei n la ge n Te rm in ge ld er 3) Sp ar ei n la ge n Sp ar br ie fe G el d m ar kt pa pi er e R en te nw er ke Fi na n zd er iv at e A kt ie n So n st ig e B et ei li gu ng en In ve st m en tz er ti fi ka te K re d it e K u rz fr is ti ge K re d it e L än ge rf ri st ig e K re d it e A n sp rü ch e ge ge nü be r V er si ch er u ng en 2) K u rz fr is ti ge A n sp rü ch e L an gf ri st ig e A n sp rü ch e A n sp rü ch e au s Pe n si on sr ü ck st el lu ng en So n st ig e V er bi nd li ch ke it en – – – – – – – – – – – 1 52 0, 7 75 ,7 1 44 4, 9 – – – – 11 ,4 – – – – – 13 ,5 12 3, 4 – 10 81 ,3 69 3, 4 – 14 50 ,6 35 6, 4 10 94 ,2 – – – 22 1, 3 47 5, 9 10 ,3 10 ,3 – – – 10 5, 9 1 25 7, 7 – – – – o)  4 54 ,6 64 ,3 o)  3 90 ,3 – – – – 4, 2 10 ,3 10 ,3 – – – 10 5, 9 1 25 7, 7 – – – – 45 3, 8 64 ,1 38 9, 7 – – – – 4, 2 – – – – – – – – – – – 1, 3 0, 2 1, 1 – – – – – 10 ,3 10 ,3 – – – 11 9, 3 1 38 1, 1– – 1 08 1, 3 69 3, 4 – 3 42 5, 8 49 6, 4 2 92 9, 4 – – – 22 1, 3 49 1, 6 4 09 3, 6 1 67 3, 9 1 69 9, 5 60 4, 1 11 6, 1 11 6, 0 1 52 2, 4 – 11 7, 3 20 3, 1 12 ,0 – – – – – – 34 ,9 33 1, 3 5, 8 5, 3 0, 5 – – 3, 4 11 4, 5 – 45 ,7 1, 7 1 01 5, 4 19 3, 5 12 3, 0 70 ,5 – – – 0, 0 2, 8 – – – – – – 5, 4 – 13 6, 2 – – 28 ,7 19 ,3 9, 4 1 40 9, 7 19 9, 1 1 21 0, 6 13 ,9 82 ,6 4 09 9, 4 1 67 9, 2 1 70 0, 1 60 4, 1 11 6, 1 11 9, 4 1 64 2, 4 – 29 9, 2 20 4, 8 1 02 7, 4 22 2, 2 14 2, 4 79 ,8 1 40 9, 7 19 9, 1 1 21 0, 6 48 ,8 41 6, 6 1 22 4, 8 20 3, 4 1 02 1, 4 – – 23 ,0 1 24 7, 7 2, 7 56 0, 3 49 6, 2 29 9, 6 95 2, 7 45 9, 7 49 3, 0 – – – – 19 3, 0 5 33 4, 5 1 89 2, 9 2 72 1, 5 60 4, 1 11 6, 1 26 1, 8 4 27 1, 2 2, 7 1 94 0, 8 1 39 4, 3 1 32 6, 9 4 60 0, 8 1 09 8, 5 3 50 2, 3 1 40 9, 7 19 9, 1 1 21 0, 6 27 0, 1 1 10 1, 3 In sg es am t 1 53 2, 0 4 05 9, 4 o) 1 8 32 ,7 1 83 1, 9 1, 3 7 42 4, 1 6 43 0, 4 1 38 3, 0 1 67 6, 5 9 48 9, 9 50 0 01 21 91 4, 1 N et to ge ld ve rm ög en 4) 3 13 9, 6 –1 4 21 ,5 –1 16 2, 0 –1 2 36 ,1 74 ,1 55 6, 2 29 2, 5 –1 12 ,6 –1 8, 9 16 0, 9 –6 33 ,0 84 ,1 1) K re d it in st it ut e ei n sc h l. D eu ts ch e B u nd es ba n k, B au sp ar ka ss en u nd G el d m ar kf on d s 2) E in sc h l. Pe n si on sk as se n u nd -f on d s, S te rb ek as se n so w ie b er u fs st än d is ch e V er so rg u ng sw er ke u nd Z u sa tz ve rs or gu ng se in ri ch tu ng en 3) E in sc h l. B au sp ar ei n la ge n 4) G el dv er m ög en a bz üg li ch V er bi nd li ch ke it en o) B ei d er S u m m en bi ld u ng w u rd en d ie in ne rs ek to ra le n St rö m e n ic ht m it ad d ie rt . Ta b 1 1- 4: G el d ve rm ö g en u n d V er b in d lic h ke it en im J ah re 2 0 09 ( in M rd . E u ro ) – G es am td eu ts ch la n d Q u el le : D eu ts ch e B u n d es b an k (2 01 0, S . 1 14 f. ) Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 242 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR242 Nominalwert erfasst wurden, werden nunmehr die jeweils aktuellen Kurse zugrunde gelegt. Wie Abbildung 11-5 zeigt, führte das Platzen der Börsenblasen (2000 die sogenannte Dotcom-Blase, 2008 Immobilienblase/Finanzmarktkrise) dementsprechend zu einem deutlichen Rückgang des Aktienvermögens. Das gesamte Geldvermögen der privaten Haushalte entwickelte sich dagegen ziemlich stetig aufwärts. Die Daten zum Geldvermögen enthalten nicht die Ansprüche der privaten Haushalte an die Sozialversicherungen. Die Ansprüche von Arbeitnehmern auf betriebliche Altersversorgung sind jedoch, soweit sie von den Unternehmen als Pensionsrückstellungen erfasst wurden, in der entsprechenden Position ausgewiesen. Bei den nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften standen im Jahr 2009 einem Geldvermögen von 2638 Mrd. Euro Verbindlichkeiten in Höhe von 4060 Mrd. Euro gegenüber, so dass sich ein negatives Nettogeldvermögen von 1422 Mrd. Euro ergab. Kennzeichnend ist, dass die nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften einen erheblichen Teil ihres Geldvermögens (etwa 21 Prozent) in Form von liquiden Mitteln (Bargeld, Sicht- und Termineinlagen) halten. In ihrem Aktienbesitz kommt die Verflechtung innerhalb des Unternehmenssektors (durch Beteiligungen) zum Ausdruck. Bei den Verbindlichkeiten dominieren die Kredite aus dem Finanzsektor, deren Anteil 36 Prozent betrug. Eine ähnlich große Bedeutung haben die Verbindlichkeiten aus Aktien (27 Prozent). Der Staat (Gebietskörperschaften und Sozialversicherungen) weist eine Nettoposition von –1162  Mrd.  Euro aus. Den bedeutendsten Einzelposten unter den Forderungen stellen die Termineinlagen dar. Bei den Verbindlichkeiten entfällt der größte Teil auf festverzinsliche Wertpapiere und die Verschuldung bei Banken. Abb. 11-5: Entwicklung des Geldvermögens der privaten Haushalte (insgesamt und Aktien) Quelle: Deutsche Bundesbank (2010) 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 3500 4000 4500 5000 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 Insgesam t (M rd. E uro) A kt ie n (M rd . E ur o) Aktien Insgesamt Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 243 11. Kapitel: Die Vermögensrechnung 243 Box 11-3: Geldarten und Geldmengenkonzeptionen In modernen Volkswirtschaften lassen sich zwei grundsätzliche Erscheinungsformen des Geldes (Geldarten) unterscheiden: Zentralbankgeld und Geschäftsbankengeld. Das Zentralbankgeld umfasst die Sichtguthaben bei der Zentralbank sowie das im Umlauf befindliche Bargeld (Noten und Münzen). Es wird entweder von Geschäftsbanken oder von anderen Wirtschaftseinheiten, die keine Banken sind (Nichtbanken), gehalten. Die Geschäftsbanken halten Zentralbankgeld vor allem wegen ihrer Verpflichtung, auf bestimmte Einlagen einen durch die Zentralbank festgelegten Prozentsatz Zentralbankgeld zu halten (Mindestreserven). Den über die Mindestreserven hinausgehenden Teil ihres Zentralbankguthabens bezeichnet man als Überschussreserve. Der weitaus überwiegende Teil des Zentralbankgeldes bei den Nichtbanken bildet das Bargeld. Das Zentralbankgeld bildet die Basis für das Geldvolumen in einer Volkswirtschaft. Die Summe aus Einlagen bei der Zentralbank und Bargeld bezeichnet man daher auch als monetäre Basis („monetary base“ oder „high powered money“). Das Geschäftsbankengeld besteht aus bestimmten Einlagen der Nichtbanken bei den Geschäftsbanken. Die Einlagen bei der Zentralband und bei den Geschäftsbanken werden auch als Buch- oder Giralgeld bezeichnet. Während damit das Zentralbankgeld in Form von Bargeld und Buchgeld gehalten werden kann, besteht das Geschäftsbankengeld ausschließlich aus Buchgeld. Das volkswirtschaftliche Geldvolumen (kurz: Geldmenge) kann nach verschiedenen Konzeptionen, die unterschiedlichen Betrachtungszielen dienen, abgegrenzt werden. In der Europäischen Währungsunion werden vor allem die Geldmengenbegriffe M1, M2 und M3 unterschieden. Sie sind wie folgt definiert: M1 = Bargeldumlauf + täglich fällige Einlagen M2 = M1 + Einlagen mit vereinbarter Laufzeit von bis zu zwei Jahren + Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist von bis zu drei Monaten M3 = M2 + Repogeschäfte + Geldmarktfondsanteile und Geldmarktpapiere + Schuldverschreibungen bis zwei Jahre einschließlich Die Komponenten der Geldmengenaggregate umfassen hierbei jeweils die monetäre Verbindlichkeiten des „Geldschöpfungssektors“ gegenüber dem „Geldhaltungssektor“. Die Europäische Zentralbank definiert diese Begriffe wie folgt: Der „Geldschöpfungssektor“ ist der Sektor der Monetären Finanzinstitute (MFI-Sektor), zu dem die Europäische Zentralbank, die nationalen Zentralbanken, die Kreditinstitute und andere Finanzinstitute, wie insbesondere Geldmarktfonds gehören. Der „Geldhaltungssektor“ umfasst alle im Euro-Währungsgebiet ansässigen Nicht-MFIs (mit Ausnahme der Zentralregierungen), also private Haushalte, nichtfinanzielle Kapitalgesellschaften, Versicherungsgesellschaften usw. sowie Länder, Gemeinden und Sozialversicherungsträger. Die Zentralregierungen werden als „geldneutraler“ Sektor betrachtet, wobei jedoch in Abweichung von dieser Regel die Einlagen von Nicht-MFIs bei Postämtern, Schatzämtern usw. in den Geldmengenaggregaten enthalten sind. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 244 Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR244 Die Vermögenssituation der finanziellen Sektoren spiegelt in erheblichem Maße die Struktur der Geldvermögen der privaten Haushalte und die Verbindlichkeitenstruktur der nichtfinanziellen Kapitalgesellschaften sowie der öffentlichen Haushalte wider. Im Finanzsektor insgesamt standen den Forderungen in Höhe von 6 722,9 Mrd. Euro Verbindlichkeiten von 6 430,0 Mrd. Euro gegenüber, so dass sich ein nur geringer Saldo in Form einer Nettoforderungsposition ergab. Dies ist für den Finanzsektor genauso kennzeichnend wie die Struktur des Geldvermögens und der Verpflichtungen dieses Sektors im betrachteten Zeitraum. Die Verbindlichkeiten der finanziellen Unternehmen bestanden zum überwiegenden Teil aus Sicht-, Termin- und Spareinlagen, die insgesamt nicht als langfristige Anlagen angesehen werden können. Ihnen standen Forderungen vor allem in Form gewährter Kredite gegenüber, bei denen die langfristigen Ausleihungen mit einem Anteil von ca. 41 Prozent an den Gesamtforderungen dominierten. Die damit vom Finanzsektor vorgenommene Umwandlung von kürzerfristigen Verbindlichkeiten in längerfristige Forderungen wird als Fristentransformation bezeichnet. Die Gegenüberstellung der Forderungen und Verbindlichkeiten des Auslandssektors zeigen Nettoforderungen in Höhe von –633 Mrd. Euro. Dies bedeutet, dass die Inländer insgesamt eine Nettoforderungsposition gegenüber den Ausländern besitzen. Schlüsselbegriffe: Gesamtvermögen Bauvermögen Reinvermögen Ausrüstungsvermögen Nettovermögen Vorratsvermögen Geldvermögen Privates Gebrauchsvermögen Sachvermögen Öffentliches Gebrauchsvermögen Produziertes Sachvermögen Immaterielles Vermögen Nichtproduziertes Sachvermögen Humankapital Produktivvermögen Bewertung von Vermögensobjekten Anlagevermögen Perpetual-Inventory-Methode Fristentransformation Während M1 vor allem die Geldhaltung für Transaktionszwecke (Güterkäufe) widerspiegelt, beinhalten die anderen Geldmengenabgrenzungen auch Geldbestände, die aus anderen Motiven (z. B. zur Wertaufbewahrung) gehalten werden und deren Liquiditätsnähe daher geringer ist. Geht es bei geldpolitischen Untersuchungen um den kurzfristigen Zusammenhang zwischen Geldmenge und Preisniveau, wird man eher die Abgrenzung M1 verwenden, bei längerfristiger Betrachtung eher die weiter gefasste Geldmengenabgrenzung M3. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 245 12. Kapitel: Die Finanzierungsrechnung 1. Gegenstand der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung Die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung schließt an die sektoralen Finanzierungssalden für eine abgelaufene Periode an, wie sie sich aus den Vermögensänderungskonten ergeben. Durch Gegenüberstellung der Finanzierungssalden der einzelnen Sektoren wird der Beitrag der Sektoren zum Sparen und der gesamtwirtschaftlichen Vermögensbildung aufgezeigt. Darauf aufbauend besteht die Hauptaufgabe der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung darin, die nach Arten spezifizierten Veränderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten zwischen den einzelnen Sektoren, die mit den sektoralen Finanzierungssalden verbunden sind, darzustellen. Daraus ergeben sich z. B. Informationen darüber, in welche Sektoren beispielsweise die gesparten Mittel der privaten Haushalte während eines bestimmten Zeitraums geflossen sind und in welcher Form die Finanzierungsmittel den anderen Sektoren bereitgestellt wurden. Die gesamtwirtschaftliche Finanzierungsrechnung ist damit eine Stromrechnung, die die Informationen der Inlandsproduktsberechnung ergänzt. Eng verknüpft mit der gesamtwirtschaftlichen Finanzierungsrechnung ist die Erfassung der ebenfalls nach Arten gegliederten Bestände der Sektoren an finanziellen Aktiva und Passiva zu bestimmten Zeitpunkten. Es bietet sich an, diese Bestände für den Anfang und das Ende der Rechnungsperiode zu ermitteln, auf die sich die Finanzierungsrechnung bezieht, da die Finanzierungsströme zwischen zwei Zeitpunkten notwendigerweise mit den Bestandsveränderungen von Forderungen und Verbindlichkeiten übereinstimmen. Diese Ergänzung liefert Angaben über den Umfang und die Struktur von Forderungen und Verbindlichkeiten der einzelnen Sektoren. Sowohl die Bestände als auch die Ströme liefern Informationen über die Finanzierung der Sektoren durch Eigenmittel und über die finanzielle Verflechtung der verschiedenen Sektoren. Darüber hinaus geben sie Aufschluss über die Reaktion im Finanzierungsverhalten einzelner Sektoren auf wirtschaftspolitische, insbesondere geldpolitische Maßnahmen. 12. Kapitel: Die Finanzierungsrechnung Vierter Teil: Nebenrechnungen der VGR

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References

Zusammenfassung

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Dieses Buch informiert umfassend über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Ausgehend von der theoretischen Fundierung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung geht es ausführlich auf das in Deutschland (und den anderen Ländern der Europäischen Union) verwendete Gesamtrechnungssystem ESVG 95 ein. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Anwendung und den Weiterentwicklungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. So erhält der Leser nicht nur einen fundierten Überblick über die quantitativen Verhältnisse der deutschen Volkswirtschaft, er wird beispielsweise auch ausführlich über die aktuelle Diskussion um die Aussagefähigkeit des Bruttoinlandsprodukts, die Entwicklung alternativer Konzepte zur Wohlfahrtsmessung sowie die Bestrebungen informiert, die Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu quantifizieren.

Die Autoren

Prof. Dr. Michael Frenkel ist Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU – Otto-Beisheim School of Management, Vallendar.

Prof. Dr. Klaus Dieter John ist Inhaber der Professur für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Chemnitz.