Einleitung in:

Michael Frenkel, Klaus Dieter John

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, page 12 - 14

7. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3763-8, ISBN online: 978-3-8006-4307-3, https://doi.org/10.15358/9783800643073_12

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 1 Erster Teil: Grundlagen Einleitung Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung liefert ein quantitatives Bild des makroökonomischen Geschehens eines Landes. Sie steht in enger Beziehung mit der Kreislaufanalyse, in der die wesentlichen Zusammenhänge zwischen gesamtwirtschaftlichen Größen aufgezeigt werden. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung greift die gesamtwirtschaftlichen Konzepte der Kreislaufanalyse auf, erweitert sie und füllt sie mit Zahlen inhaltlich aus. Kreislaufanalyse und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung zusammen stellen die Basis jeglicher makroökonomischer Theorie und Politik dar. Solide Kenntnisse der Kreislaufanalyse und der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung sind daher das unverzichtbare Fundament für eine erfolgreiche Beschäftigung mit makroökonomischer Theorie und Politik. Ist das Fundament schwach, kann – trotz aller Anstrengungen – auch das darauf errichtete makroökonomische Gebäude nur schwach sein. Ein tragfähiges Fundament für makroökonomische Theorie und Politik zu legen und dabei gleichzeitig einen quantitativen Eindruck vom Wirtschaftsgeschehen in der Bundesrepublik Deutschland zu vermitteln, das sind die Ziele des vorliegenden Buches. Aus der Zielsetzung ergibt sich, dass wir dieses Buch in erster Linie für Studenten der Wirtschaftswissenschaften im Grundstudium konzipiert haben. Das Buch kann Grundlage einer zweistündigen Vorlesung über Kreislaufanalyse und Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung sein. Es eignet sich aber auch zum Selbststudium und sollte zweckmäßigerweise vor der einführenden Veranstaltung zur Makroökonomik durchgearbeitet werden. Über den genannten Adressatenkreis hinaus eignet sich das Buch auch für Studenten der Volkswirtschaftslehre im Nebenfach, für Studenten an Fachhochschulen und Wirtschaftsakademien sowie für Schüler in der Abschlussklasse von Wirtschaftsgymnasien. Eine Vorlesung über Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung kann ebenso wie ein Buch zu diesem Thema als sehr trocken empfunden werden. Dass diese Gefahr größer ist als bei anderen Themen liegt wohl in erster Linie an den beiden Komponenten, aus denen sich die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung hauptsächlich zusammensetzt: Definitionen und Zahlen. Beides übt auf den durchschnittlichen Studenten bekanntermaßen keinen großen Reiz aus und beides hat den unangenehmen Nachteil, dass hier mehr als in anderen Bereichen Lernanstrengung im Sinne von „Auswendiglernen“ erforderlich ist. Das Lernen der einschlägigen Definitionen und das Gewinnen eines quantitativen Eindrucks vom Wirtschaftsgeschehen sind aber Voraussetzung für das souveräne Umgehen mit makroökonomischen Problemen. Die Mühen des Lernens kann kein Buch dem Leser abnehmen. Wir haben jedoch versucht, das Lernen dadurch zu erleichtern, dass wir den Text so anschaulich und so anwendungsbezogen wie möglich geschrieben haben. Aus Erster Teil: Grundlagen Einleitung Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 2 Erster Teil: Grundlagen2 diesem Grund sind wir dem – methodisch strengeren – Vorgehen nicht gefolgt, zunächst nur das Konzept der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung darzustellen und Anwendungsbereiche erst danach in einem abschließenden Kapitel zu erörtern. Stattdessen beziehen wir Anwendungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung schon früh in die Darstellung ein. Die Gefahr, dass damit Fragen geweckt werden, die erst zu einem späteren Zeitpunkt beantwortet werden, haben wir dabei bewusst in Kauf genommen. Ein Teil der Anwendungsdiskussion befindet sich vom Haupttext getrennt und optisch hervorgehoben in Boxen. Sie enthalten in erster Linie kleine „Fallstudien“, welche die im Haupttext besprochenen Konzepte aufgreifen und anwendungsbezogen umsetzen bzw. ergänzen. Darüber hinaus finden sich in den Boxen weiterführende theoretische Überlegungen und biographische Hinweise. Am Ende jedes Kapitels weisen wir durch Schlüsselbegriffe auf die wichtigsten der jeweils neu eingeführten Begriffe und Konzepte hin. Wir schlagen vor, nach dem Durcharbeiten eines Kapitels innezuhalten und anhand der Schlüsselbegriffe Verständnis und Lernfortschritt zu überprüfen. Das Buch besteht aus vier Teilen. Der erste Teil (1. und 2. Kapitel) dient der Schaffung eines Überblicks über die wichtigsten Grundlagen für die weiteren Überlegungen. Der zweite Teil (3. und 4.  Kapitel) beschäftigt sich mit dem Wirtschaftskreislauf. Das dritte Kapitel erläutert die Kreislaufzusammenhänge anhand von Diagrammen. Im vierten Kapitel stellen wir das Prinzip der Inlandsproduktsberechnung mithilfe eines gegenüber realen VGR-Systemen stark vereinfachten Kontenschemas dar. Dieses enthält gleichwohl die grundlegenden und für das Verständnis der Zusammenhänge wesentlichen Elemente. Die hier erarbeiteten Konzepte bilden den begrifflichen Rahmen für den gesamten Rest des Buches. Der dritte Teil (5. bis 9. Kapitel) befasst sich mit dem Kern des in Deutschland verwendeten Gesamtrechnungssystems, der Berechnung von Inlandsprodukt und Nationaleinkommen. Das fünfte Kapitel erläutert das Kontensystem des ESVG 1995 genauer, das auch für Deutschland verbindlich ist. Dem Leser, der kein Interesse an den Details des von der amtlichen Statistik verwendeten Kontenschemas hat, empfehlen wir, dieses Kapitel nur zu überfliegen und rasch zum empirischen Befund der Inlandsproduktsgrößen und deren Struktur im sechsten Kapitel überzugehen. Die restlichen Kapitel des dritten Teils gehen näher auf die wichtigsten Anwendungsgebiete der Inlandsproduktsberechnung und auf die hierbei auftretenden Probleme ein, wie etwa die zeitliche und internationale Vergleichbarkeit von Einkommensdaten oder die Aussagefähigkeit von Inlandsprodukt und Nationaleinkommen in Hinblick auf die gesellschaftliche Wohlfahrt. Auch Verbesserungsvorschläge und Weiterentwicklungen (z. B. Umweltökonomische Gesamtrechnung) werden hier diskutiert. Der vierte Teil (10. bis 13. Kapitel) hat die wichtigsten Nebenrechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung zum Gegenstand. Hier wird deutlich, dass inzwischen verschiedene Rechnungssysteme die Inlandsproduktsberechnung zu einem gesamtwirtschaftlichen Informa tionssystem ergänzen. Fotosatz Buck – Vahlens Kurzlehrbücher – Frenkel/John – Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, 2. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Stand: 03.05.11 Status: Druckdaten Seite: 3 1. Kapitel: Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung im Überblick 1. Ziele und Systematik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung In einer Volkswirtschaft werden für sehr unterschiedliche Zwecke Daten über die wirtschaftlichen Vorgänge in einem Land und über dessen wirtschaftliche Beziehungen zum Ausland benötigt. Sofern es sich um gesamtwirtschaftliche Größen handelt, bildet die Hauptquelle solcher Daten ein Gesamtsystem verschiedener statistischer Teilrechnungen. Dieses Gesamtsystem bezeichnet man als „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“, „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (im Plural) oder als „Gesamtwirtschaftliches Rechnungswesen“. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung verfolgt das Ziel, das Wirtschaftsgeschehen einer Volkswirtschaft für einen zurückliegenden und daher abgeschlossenen Zeitraum quantitativ möglichst umfassend zu beschreiben. Voraussetzung für eine solche Beschreibung ist die Verwendung eines geeigneten theoretischen und begrifflichen Rahmens zur statistischen Erhebung und Gliederung der Daten. Die Grundlage dieses Rahmens zu entwickeln ist Aufgabe der Kreislaufanalyse. Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung füllt den durch die Kreislaufanalyse geschaffenen Rahmen mit statistischen Zahlen auf und ergänzt und erweitert ihn dort, wo die Erfordernisse der Praxis es notwendig machen. Die Zahlen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung beziehen sich auf Zeiträume von einem Jahr sowie teilweise auf kürzere Zeitabschnitte (Halbjahre, Vierteljahre oder Monate). Die Daten werden auf mikroökonomischer Ebene für einzelne Wirtschaftseinheiten, wie private Haushalte, Unternehmen und öffentliche Haushalte nach genauen statistischen Abgrenzungen erhoben und in geeigneter Weise strukturiert. Durch Zusammenfassung zu volkswirtschaftlichen Aggregaten entsteht so eine umfassende statistische Beschreibung des gesamtwirtschaftlichen Geschehens für einen abgeschlossenen Zeitraum. Wie im vorigen Absatz erläutert, besteht die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung aus mehreren Teilsystemen. Das Statistische Bundesamt, das in der Bundesrepublik im Wesentlichen die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung durchführt, unterscheidet sechs Teilsysteme. Wie Abbildung 1-1 zeigt, werden sie durch ein siebtes Teilsystem ergänzt, nämlich durch die Außenwirtschaftsrechnung, die weitgehend von der Deutschen Bundesbank durchgeführt wird. Das bedeutendste Teilsystem der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ist die Inlandsprodukts- und Nationaleinkommensberechnung (englisch: „national income accounting“). Im Mittelpunkt der Inlandsproduktsberechnung steht die Ermittlung der gesamtwirtschaftlichen Güterproduktion und der im Zuge der Güterproduktion entstandenen Einkommen. Darüber hinaus kommt in diesem Teilsystem des gesamtwirtschaftlichen Rechnungswesens bestimmten Strukturkomponenten eine besondere Bedeutung zu. So wird z. B. der Frage 1. Kapitel: Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung im Überblick

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References

Zusammenfassung

Die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung.

Dieses Buch informiert umfassend über die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung. Ausgehend von der theoretischen Fundierung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung geht es ausführlich auf das in Deutschland (und den anderen Ländern der Europäischen Union) verwendete Gesamtrechnungssystem ESVG 95 ein. Ein besonderes Gewicht liegt auf der Anwendung und den Weiterentwicklungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung. So erhält der Leser nicht nur einen fundierten Überblick über die quantitativen Verhältnisse der deutschen Volkswirtschaft, er wird beispielsweise auch ausführlich über die aktuelle Diskussion um die Aussagefähigkeit des Bruttoinlandsprodukts, die Entwicklung alternativer Konzepte zur Wohlfahrtsmessung sowie die Bestrebungen informiert, die Fortschritte auf dem Weg zu einer nachhaltigen Wirtschaft zu quantifizieren.

Die Autoren

Prof. Dr. Michael Frenkel ist Inhaber des Lehrstuhls für Makroökonomik und Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der WHU – Otto-Beisheim School of Management, Vallendar.

Prof. Dr. Klaus Dieter John ist Inhaber der Professur für Wirtschaftspolitik an der Technischen Universität Chemnitz.