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1.3 Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses zu anderen Teilgebieten des Rechnungswesens in:

Günter Wöhe, Heinz Kußmaul

Grundzüge der Buchführung und Bilanztechnik, page 31 - 34

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4276-2, ISBN online: 978-3-8006-4277-9, https://doi.org/10.15358/9783800642779_31

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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1.3 Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses 7 Die Pflicht zur Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung im Rahmen des handelsrechtlichen Jahresabschlusses ergibt sich aus § 242 Abs. 2 HGB.9 Voraussetzung für die Aufstellung des Jahresabschlusses ist die lückenlose und ordnungsmäßige Aufzeichnung aller Geschäftsvorfälle des dem Jahresabschluss zugrunde liegenden Geschäftsjahrs. Deshalb schreibt § 238 Abs. 1 HGB vor, dass jeder Kaufmann verpflichtet ist, „Bücher zu führen und in diesen seine Handelsgeschäfte und die Lage seines Vermögens nach den Grundsätzen ordnungsmäßiger Buchführung ersichtlich zu machen“. Alle in Buchhaltung und Bilanz erfassten Bestands- und Bewegungsgrößen werden in Geldeinheiten ausgedrückt. Die mengenmäßige Erfassung der Bestände erfolgt durch Inventur (körperliche Bestandsaufnahme) vor der Bilanzaufstellung und findet ihren Niederschlag in einem Bestandsverzeichnis, das als Inventar bezeichnet wird. Das Inventar enthält neben den durch körperliche Inventur ermittelten Beständen die Forderungen und Schulden des Betriebes, die nur durch Buchinventur ermittelt werden können. Alle Vermögensbestände und Schulden sind dabei art-, mengen- und wertmäßig aufzuführen. Die Bilanz unterscheidet sich vom Inventar dadurch, dass sie in der Regel in Kontoform aufgestellt wird und keine mengenmäßigen, sondern nur art- und wertmäßige Angaben enthält. Außerdem zieht sie die vielen Arten von Wirtschaftsgütern zu Gruppen, sog. Bilanzpositionen, zusammen (z. B. Gebäude, Maschinen, Werkzeuge). Das Inventar steht zwischen Bilanz und Buchhaltung und ist eine Voraussetzung dafür, dass überhaupt eine ordnungsmäßige Bilanz erstellt werden kann. 1.3 Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses zu anderen Teilgebieten des Rechnungswesens 1.3.1 Buchführung, Bilanz und Erfolgsrechnung – Kosten- und Leistungsrechnung Die Buchführung ist – wie gezeigt – eine Zeitrechnung. Sie kann Finanzbuchführung (Geschäftsbuchführung) oder Betriebsbuchführung (Betriebsabrechnung) sein. Erstere erfasst den gesamten Wertzuwachs oder Wertverbrauch sowie die Änderungen der Vermögens- oder Kapitalstruktur während einer Periode (Jahr, Monat); den gesamten Wertverbrauch einer Abrechnungsperiode bezeichnet man als Aufwand, den gesamten Wertzuwachs als Ertrag. Letztere bildet zusammen mit der Selbstkostenrechnung (Kalkulation) das Gebiet der Kostenrechnung, deren Aufgabe die Erfassung, Verteilung und Zurechnung der Kosten ist, die bei der betrieblichen Leistungserstellung und -verwertung entstehen, zu dem Zweck, Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses ? durch Vergleich der Kosten mit den erstellten Leistungen und somit durch Feststellung des Erfolges (kurzfristige Erfolgsrechnung) eine Kontrolle der Wirtschaftlichkeit des 9 Zu Einzelheiten zur Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung vgl. S. 240 ff. Kleingewerbetreibende Einzelkaufleute i.S.d. § 241a HGB sind nach § 242 Abs. 4 HGB und nach § 241a HGB sowohl von der Pflicht zur Erstellung einer Bilanz sowie einer Gewinn- und Verlustrechnung als auch von der Buchführungspflicht befreit. 8 1 Buchführung, Bilanz und Erfolgsrechnung Betriebsprozesses zu ermöglichen und dadurch eine Grundlage für betriebliche Dispositionen zu schaffen und ? auf der Grundlage der ermittelten Selbstkosten der Leistungen (Kostenträger) eine Kalkulation des Angebotspreises bzw. die Feststellung der Preisuntergrenze zu ermöglichen. Die Kostenrechnung erfasst nur den Teil des Wertverbrauchs und Wertzuwachses, der durch die Erfüllung der spezifischen Aufgaben des Betriebes (Erzeugung und Absatz von Gütern und Leistungen) verursacht wird, nicht dagegen betriebsfremde und außerordentliche Aufwendungen und Erträge, die neben den betriebsbedingten Aufwendungen und Erträgen in der Finanzbuchhaltung aufgezeichnet werden. Den Wertverbrauch, der bei der Erstellung der Betriebsleistungen erfolgt, bezeichnet man als Kosten, den entstandenen Wertzuwachs als Leistung.10 Zwischen der Finanzbuchführung und der Bilanz einerseits und der Kostenrechnung andererseits bestehen enge Wechselbeziehungen. Die Bestände an Halb- und Fertigfabrikaten und die vom Betrieb für die eigene Verwendung erstellten Werkzeuge und Maschinen werden in der Bilanz mit ihren Herstellungskosten bewertet, die in der Kostenrechnung ermittelt werden. Die Finanzbuchführung zeichnet zwar die in einer Periode verbrauchten Aufwandsarten (Löhne, Gehälter, Material usw.) auf, verteilt sie aber nicht auf die einzelnen Leistungen (Kostenträger). Das ist Aufgabe der Betriebsabrechnung. Ein wesentlicher Unterschied zwischen Finanzbuchführung und Bilanz einerseits und Kostenrechnung andererseits ist darin zu sehen, dass die Bilanz eine periodische Rechenschaftslegung der Personen darstellt, die für die Verbindlichkeiten des Betriebes haften bzw. die – bei Kapitalgesellschaften – als verfassungsmäßige Organe die Geschäfte für die Personen, die das Eigenkapital zur Verfügung stellen (Aktionäre, Anteilseigner), führen. Die Verpflichtung zur Rechenschaftslegung beruht auf Gesetz; auch ihr Umfang, ihre Form und ihr Inhalt (Bilanzgliederung, Bilanzbewertung usw.) sind gesetzlich geregelt. Sie trifft stets den Betrieb als rechtliche Einheit in seiner Gesamtheit und richtet sich nach außen (Gläubiger, Finanzbehörden, Gesellschafter von Kapitalgesellschaften). Dagegen sind Aufbau und Organisation der Kostenrechnung in das Ermessen des Betriebes gestellt. Die Kostenrechnung ist eine innerbetriebliche Angelegenheit. Sie ist keine Rechenschaftslegung gegenüber einem bestimmten Personenkreis. Ihr Gegenstand ist nicht der gesamte betriebliche Prozess eines Zeitraumes und der Zustand an einem Zeitpunkt, sondern sie kann sich je nach der vom Betrieb gewünschten Ausgestaltung auf einzelne betriebliche Bereiche (Kostenstellen) oder auf einzelne Produkte (Kostenträger) richten. Die Länge des Abrechnungszeitraums kann vom Betrieb ebenso bestimmt werden wie das angewandte Verrechnungsverfahren (z. B. Istkosten-, Normalkosten- oder Plankostenrechnung, Vollkosten- oder Teilkostenrechnung). Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses 10 Vgl. die ausführliche Abgrenzung der Begriffe auf S. 16 f. 1.3 Die Abgrenzung der Buchführung und des Jahresabschlusses 9 1.3.2 Betriebswirtschaftliche Statistik – Betriebsvergleich – Planungsrechnung Die Informationsaufgabe des betrieblichen Rechnungswesens erfüllt in erster Linie der Jahresabschluss, daneben aber auch die Statistik und der Betriebsvergleich. Während Buchführung, Jahresabschluss und Kostenrechnung in erster Linie Werte, Wertbewegungen und Wertveränderungen erfassen, gewinnt die betriebswirtschaftliche Statistik durch Vergleich von betrieblichen Tatbeständen und Entwicklungen (z. B. der Entwicklung der Produktion, der Lagerbewegungen, der Umsätze in verschiedenen Monaten) oder durch Feststellung von Beziehungen und Zusammenhängen zwischen betrieblichen Größen (z. B. Beziehungen zwischen Eigenkapital und Gewinn, zwischen eingesetztem Material und Materialabfall, zwischen Lohnkosten und Gesamtkosten) neue zusätzliche Erkenntnisse über betriebliche Vorgänge und Erscheinungen. Die Vergleichsrechnung (Betriebsvergleich) kann als Zeitvergleich die Entwicklung bestimmter betrieblicher Größen im Zeitablauf (z. B. die Umsatzentwicklung, die Produktionsentwicklung) erfassen, als Verfahrensvergleich die Wirtschaftlichkeit verschiedener Verfahren (z. B. Fertigungsverfahren) ermitteln oder als Soll-Ist-Vergleich Soll-Werte, d. h. vorgegebene Richtgrößen (z. B. Plankosten), den Ist-Werten, d. h. den tatsächlich angefallenen Größen, gegenüberstellen. Sie kann ferner als zwischenbetrieblicher Vergleich Betriebe derselben oder verschiedener Branchen vergleichen oder Kennzahlen des eigenen Betriebs an Hand von Branchendurchschnittszahlen (Richtzahlen) überprüfen. Die Methoden der Betriebsstatistik dienen dabei als Hilfsmittel. Die Planungsrechnung stellt eine mengen- und wertmäßige Schätzung der erwarteten betrieblichen Entwicklung dar und hat die Aufgabe, die betriebliche Planung in Form von Voranschlägen der zukünftigen Ausgaben und Einnahmen zahlenmäßig zu konkretisieren. Sie bedient sich einerseits des bereits von der Buchführung, der Bilanz, der Kostenrechnung und der betriebswirtschaftlichen Statistik erfassten und verarbeiteten Zahlenmaterials; da jedoch jede Planung in die Zukunft gerichtet ist, müssen andererseits auch die Zukunftserwartungen geschätzt und in Rechnung gestellt werden. Je unvollkommener die Informationen sind, die der Betriebsführung zur Verfügung stehen, desto größer sind die Unsicherheiten und Risiken, die in den Erwartungen stecken. Die Planungsrechnung lässt sich nicht immer scharf von den anderen Teilgebieten des Rechnungswesens abgrenzen. So ist z. B. die Kostenplanung in Form einer Plankostenrechnung ihrem Wesen nach eine Planungsrechnung, zugleich aber als Bestandteil der Kostenrechnung anzusehen. 10 1 Buchführung, Bilanz und Erfolgsrechnung 1.4 Tabellarische Übersicht über das betriebliche Rechnungswesen Die folgende Übersicht gibt einen stichwortartigen Überblick über die Hauptgebiete, Teilbereiche und Aufgaben des betrieblichen Rechnungswesens:11 Tabellarische Übersicht über das betriebliche Rechnungswesen Betriebliches Rechnungswesen Hauptgebiete Aufgaben Teilbereiche Aufgaben Finanzbuchführung und Bilanz Dokumentation, Rechenschaftslegung, Information, Kontrolle, Disposition Buchführung Chronologische und sachlich geordnete, wertmäßige Erfassung aller Geschäftsvorfälle auf Bestands- und Erfolgskonten Inventar Ergebnis der art-, mengen- und wertmäßigen Erfassung von Vermögensgegenständen und Schulden durch körperliche oder buchmäßige Bestandsaufnahme (Inventur) Jahresabschluss (Bilanz und Erfolgsrechnung, bei Kapitalgesellschaften außerdem Anhang) Jährliche Rechenschaftslegung und Information der Bilanzadressaten über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage (Unternehmer, Gläubiger, geschäftsführende Organe, Gesellschafter, Anteilseigner, Belegschaft) und über die Steuerbemessungsgrundlagen (Finanzverwaltung) 11 Modifiziert und erweitert entnommen aus Wöhe, G., Kaiser, H., Döring, U., Übungsbuch zur Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 11. Aufl., München 2005, S. 391 f.; aktuell nicht mehr enthalten.

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Zusammenfassung

Der Klassiker zur Buchführung und Bilanztechnik.

Der Wöhe/Kußmaul zur Buchführung und Bilanztechnik

führt fundiert in das System der doppelten Buchführung und in die Technik der Erstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (Jahresabschluss) ein.

Schwerpunkte sind die verrechnungstechnischen Grundlagen, die buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle bei Handels- und Industriebetrieben sowie die Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses. Zusätzlich bietet das Werk einen fundierten Überblick über die gesetzlichen Vorschriften zur Führung von Büchern und zur Aufstellung des Jahresabschlusses sowie über die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung.

Die 8. Auflage

berücksichtigt die Änderungen durch die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte sowie die Modifikationen bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Leser finden zudem unter www.kussmaul.woehe-portal.de einen auf das Buch abgestimmten Multiple-Choice-Test.