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6.3 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung in:

Günter Wöhe, Heinz Kußmaul

Grundzüge der Buchführung und Bilanztechnik, page 261 - 264

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4276-2, ISBN online: 978-3-8006-4277-9, https://doi.org/10.15358/9783800642779_261

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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240 6 Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses Passivseite: A. Eigenkapital: I. Gezeichnetes Kapital; II. Kapitalrücklage; III. Gewinnrücklagen: 1. gesetzliche Rücklage; 2. Rücklage für Anteile an einem herrschenden oder mehrheitlich beteiligten Unternehmen; 3. satzungsmäßige Rücklagen; 4. andere Gewinnrücklagen; IV. Gewinnvortrag/Verlustvortrag; V. Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag. B. Rückstellungen: 1. Rückstellungen für Pensionen und ähnliche Verpflichtungen; 2. Steuerrückstellungen; 3. sonstige Rückstellungen. C. Verbindlichkeiten: 1. Anleihen, davon konvertibel; 2. Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten; 3. erhaltene Anzahlungen auf Bestellungen; 4. Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen; 5. Verbindlichkeiten aus der Annahme gezogener Wechsel und der Ausstellung eigener Wechsel; 6. Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen; 7. Verbindlichkeiten gegenüber Unternehmen, mit denen ein Beteiligungsverhältnis besteht; 8. sonstige Verbindlichkeiten, davon aus Steuern, davon im Rahmen der sozialen Sicherheit. D. Rechnungsabgrenzungsposten. E. Passive latente Steuern. 6.3 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung Die Pflicht zur Aufstellung einer Gewinn- und Verlustrechnung im Rahmen des handelsrechtlichen Jahresabschlusses ergibt sich aus § 242 Abs. 2 i.V.m. § 242 Abs. 4 HGB. Für Nicht-Kapitalgesellschaften gibt es keine gesetzlichen Vorschriften über die Gliederung der Aufwendungen und Erträge. Für Kapitalgesellschaften sieht § 275 HGB wahlweise das Gesamtkosten- oder das Umsatzkostenverfahren295 vor. Entsprechend enthält § 275 HGB zwei Gliederungsschemata. Für Einzelunternehmen und Personengesellschaften ist – ebenso wie bei der Bilanz – kein Gliederungsschema vorgeschrieben. Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung 295 Bezüglich Einzelheiten zu diesen Verfahren vgl. Wöhe, G., Bilanzierung und Bilanzpolitik, a. a. O., S. 274 ff. 6.3 Beachtung von Gliederungsvorschriften für die Gewinn- und Verlustrechnung 241 Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung (§ 275 HGB) Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB) Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) 1. Umsatzerlöse 2. Erhöhung oder Verminderung des Bestands an fertigen und unfertigen Erzeugnissen 3. andere aktivierte Eigenleistungen 4. sonstige betriebliche Erträge 5. Materialaufwand: a) Aufwendungen für Roh-, Hilfs- und a) Betriebsstoffe und für bezogene Waa) ren b) Aufwendungen für bezogene Leistunb) gen 6. Personalaufwand: a) Löhne und Gehälter b) soziale Abgaben und Aufwendunb) gen für Altersversorgung und für Unb) terstützung, b) davon für Altersversorgung 7. Abschreibungen: a) auf immaterielle Vermögensgegena) stände des Anlagevermögens und a) Sachanlagen b) auf Vermögensgegenstände des Umb) laufvermögens, soweit diese die in der b) Kapitalgesellschaft üblichen Abb) schreibungen überschreiten 1. Umsatzerlöse 2. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen 3. Bruttoergebnis vom Umsatz 4. Vertriebskosten 5. allgemeine Verwaltungskosten 6. sonstige betriebliche Erträge 8. (17.) sonstige betriebliche Aufwendungen 9. (18.) Erträge aus Beteiligungen, davon aus verbundenen Unternehmen 10. (19.) Erträge aus anderen Wertpapieren und Ausleihungen des Finanzanlagevermögens, davon aus verbundenen Unternehmen 11. (10.) sonstige Zinsen und ähnliche Erträge, davon aus verbundenen Unternehmen 12. (11.) Abschreibungen auf Finanzanlagen und auf Wertpapiere des Umlaufvermögens 13. (12.) Zinsen und ähnliche Aufwendungen, davon aus verbundenen Unternehmen 14. (13.) Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit 15. (14.) außerordentliche Erträge 16. (15.) außerordentliche Aufwendungen 17. (16.) außerordentliches Ergebnis 18. (17.) Steuern vom Einkommen und vom Ertrag 19. (18.) sonstige Steuern 20. (19.) Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 242 6 Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses In der Übersicht auf Seite 241 sind die beiden Gliederungsschemata nach § 275 Abs. 2 und 3 HGB gegenübergestellt worden (wobei sich die in Klammern gesetzten Zahlen auf das Umsatzkostenverfahren beziehen). Die folgende verkürzte Gliederung des § 275 Abs. 2 und 3 HGB zeigt noch einmal deutlich den Unterschied zwischen beiden Verfahren. Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung in verkürzter Form Gesamtkostenverfahren (§ 275 Abs. 2 HGB) Umsatzkostenverfahren (§ 275 Abs. 3 HGB) Posten Posten Umsatzerlöse ./. Herstellungskosten der zur Erzielung der Umsatzerlöse erbrachten Leistungen 1 2 3 4 5 6 7 8 Umsatzerlöse +/./. Bestandsveränderungen der fertigen und unfertigen Erzeugnisse + andere aktivierte Eigenleistungen + sonstige betriebliche Erträge ./. Materialaufwand ./. Personalaufwand ./. Abschreibungen ./. sonstige betriebliche Aufwendungen = Bruttoergebnis vom Umsatz ./. Vertriebskosten ./. allg. Verwaltungskosten + sonstige betriebliche Erträge ./. sonstige betriebliche Aufwendungen 1 2 3 4 5 6 7 9–13 = Betriebsergebnis + Finanzergebnis 8–12 14 15–17 18–19 = Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit +/./. außerordentliches Ergebnis ./. Steuern 13 14–16 17–18 20 = Jahresüberschuss/Jahresfehlbetrag 19 Die Gliederung der Gewinn- und Verlustrechnung ist nach § 277 Abs. 3 Satz 2 HGB um den gesonderten Ausweis von Erträgen und Aufwendungen aus Verlustübernahme und um die aufgrund einer Gewinngemeinschaft, eines Gewinnabführungs- oder eines Teilgewinnabführungsvertrages erhaltenen oder abgeführten Gewinne zu ergänzen. Außerdem sind gem. § 277 Abs. 3 Satz 1 HGB die außerplanmäßigen Abschreibungen auf Vermögensgegenstände des Anlagevermögens nach § 253 Abs. 3 Satz 3 und 4 gesondert auszuweisen oder im Anhang anzugeben. Während bei Anwendung des Gesamtkostenverfahrens alle Aufwendungen der Periode nach Aufwandsarten (Kostenarten) gegliedert erfasst werden, stellt das Umsatzkostenverfahren den Umsatzerlösen der Periode nur die Umsatzaufwendungen, d. h. die auf die umgesetzten Leistungen entfallenden Aufwendungen, gegenüber, und zwar gegliedert nach 6.4 Ermittlung und buchtechnische Behandlung der Abschreibungen 243 Funktionsbereichen (Kostenstellen). Das Gliederungsschema des § 275 Abs. 3 HGB unterscheidet zwischen den Aufwendungen des Herstellungs-, Verwaltungs- und Vertriebsbereichs. Da aus diesem Schema weder die Material- noch die Personalaufwendungen zu ersehen sind, schreibt § 285 Nr. 8 HGB vor, dass bei Anwendung des Umsatzkostenverfahrens die Material- und Personalaufwendungen des Geschäftsjahrs, untergliedert nach den für das Gesamtkostenverfahren geltenden Vorschriften (§ 275 Abs. 2 Nr. 5 und 6 HGB), im Anhang gesondert auszuweisen sind. Kleine Kapitalgesellschaften können allerdings nach § 288 HGB auf den Ausweis des Materialaufwands im Anhang verzichten. Nach § 326 Satz 2 HGB können darüber hinaus alle kleinen Kapitalgesellschaften bei der Offenlegung sämtliche die Gewinn- und Verlustrechnung betreffenden Angaben aus dem Anhang weglassen. Mittelgroße Kapitalgesellschaften dürfen nach § 327 Nr. 2 HGB den Anhang ohne die Angaben über den Materialaufwand zum Handelsregister einreichen. 6.4 Ermittlung und buchtechnische Behandlung der Abschreibungen 6.4.1 Begriff, Arten und Aufgaben der Abschreibung Abnutzbare Anlagegüter (Gebäude, Maschinen, Werkzeuge u. a.) haben in der Regel eine mehrjährige Nutzungsdauer. Folglich können ihre Anschaffungs- oder Herstellungskosten nicht in einer Periode als Aufwand in die Gewinn- und Verlustrechnung eingehen, sondern müssen im Interesse einer periodenrichtigen Aufwandsverteilung über die gesamte Zeit ihrer wirtschaftlichen Nutzungsdauer verteilt werden. Diese Verteilung wird als Abschreibung bezeichnet. Die Wertminderung kann verschiedene Ursachen haben (z. B. technischer Verschleiß, wirtschaftliche Entwertung infolge technischen Fortschritts oder Nachfragerückgang). Da die tatsächliche Wertminderung in einem Geschäftsjahr in der Praxis in der Regel nicht ermittelt werden kann, ist die Abschreibung letzten Endes eine reine „Verteilungsabschreibung“, d. h., sie teilt die Anschaffungs- oder Herstellungskosten eines Vermögensgegenstandes mittels eines planmäßigen Verfahrens296 auf die Jahre der geschätzten Nutzung auf. Ermittlung und buchtechnische Behandlung der Abschreibungen Sowohl in der Handels- als auch in der Steuerbilanz besteht ein Zwang zur Abschreibung. § 253 Abs. 3 Satz 1 HGB bestimmt: „Bei Vermögensgegenständen des Anlagevermögens, deren Nutzung zeitlich begrenzt ist, sind die Anschaffungs- oder Herstellungskosten um planmäßige Abschreibungen zu vermindern“, und in § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG wird gefordert: „Bei Wirtschaftsgütern, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen zur Erzielung von Einkünften sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehr als einem Jahr erstreckt, ist jeweils für ein Jahr der Teil der Anschaffungs- oder Herstellungskosten abzusetzen, der bei gleichmäßiger Verteilung dieser Kosten auf die Gesamtdauer der Verwendung oder Nutzung auf ein Jahr entfällt (Absetzung für Abnutzung in gleichen Jahresbeträgen).“ 296 Zu den Verfahren planmäßiger Abschreibung vgl. S. 245 ff.

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Zusammenfassung

Der Klassiker zur Buchführung und Bilanztechnik.

Der Wöhe/Kußmaul zur Buchführung und Bilanztechnik

führt fundiert in das System der doppelten Buchführung und in die Technik der Erstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (Jahresabschluss) ein.

Schwerpunkte sind die verrechnungstechnischen Grundlagen, die buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle bei Handels- und Industriebetrieben sowie die Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses. Zusätzlich bietet das Werk einen fundierten Überblick über die gesetzlichen Vorschriften zur Führung von Büchern und zur Aufstellung des Jahresabschlusses sowie über die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung.

Die 8. Auflage

berücksichtigt die Änderungen durch die Einführung der elektronischen Lohnsteuerkarte sowie die Modifikationen bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Leser finden zudem unter www.kussmaul.woehe-portal.de einen auf das Buch abgestimmten Multiple-Choice-Test.