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5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen in:

Günter Wöhe, Heinz Kußmaul

Grundzüge der Buchführung und Bilanztechnik, page 220 - 236

8. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4276-2, ISBN online: 978-3-8006-4277-9, https://doi.org/10.15358/9783800642779_220

Series: Lernbücher für Wirtschaft und Recht

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198 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle stichtag besteht, höchstens aber bis zu den Anschaffungskosten, erfolgen.240 Steuerrechtlich besteht über § 6 Abs. 1 Nr. 1 und 2 EStG ein generelles Zuschreibungsgebot bis maximal zu den Anschaffungskosten. Wird eine derartige Wertminderung festgestellt, dann erfolgt die Verbuchung nach dem Buchungssatz „Sonstige betriebliche Aufwendungen an Wertpapiere des Anlage(Umlauf)vermögens“. Zur Veranschaulichung dient das folgende vereinfachte Beispiel, in dem von Wertpapieren des Umlaufvermögens ausgegangen wird. Beispiel: Wertpapiere Anschaffungswert Tageswert am Bilanzstichtag A-Aktien 10.000,–– 11.000,–– B-Aktien 18.000,–– 16.000,–– C-Pfandbriefe 15.000,–– 14.000,–– Im Falle der A-Aktien muss der bisher angesetzte Wert von 10.000 € weiterhin angesetzt werden, im Falle der B-Aktien und der C-Pfandbriefe ist ein Aufwand in Höhe des jeweiligen Kursverfalls zu verrechnen. Für beide Wertpapierkategorien zusammen ergibt das den Buchungssatz: Sonstige betriebliche Aufwendungen an Wertpapiere des Umlaufvermögens 3.000,–– 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 5.6.1 Allgemeine Bemerkungen Auf die Unterschiede zwischen den Begriffen Auszahlung, Ausgabe, Aufwand und Kosten sowie den entsprechenden Begriffen Einzahlung, Einnahme, Ertrag und Leistung wurde bereits hingewiesen.241 Betrachtet man den laufenden Geschäftsverkehr, der den Zahlungsmittelbereich berührt, dann lässt sich mit Hilfe der Unterscheidung in erfolgswirksame und erfolgsunwirksame Geschäftsvorfälle vereinfacht die auf S. 199 folgende Einteilung finden.Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen Bisher wurden sowohl erfolgsneutrale als auch erfolgswirksame Geschäftsvorfälle behandelt, die zur Entstehung von Verbindlichkeiten oder Forderungen führen (z. B. Kauf einer Maschine auf Ziel; Warenverkauf auf Ziel). Es wurden auch solche Fälle behandelt, bei denen Ein- oder Auszahlungen erfolgen, so, wenn einerseits Forderungen eingelöst oder 240 Vgl. § 253 Abs. 5 HGB. 241 Vgl. dazu S. 14 ff. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 199 Verbindlichkeiten bezahlt werden (z. B. Bezahlung einer Lieferantenverbindlichkeit; Zahlungszugang aus einer Kundenforderung) oder andererseits gar keine Verbindlichkeiten oder Forderungen buchhalterisch zustande kommen. Der letztgenannte Sachverhalt ist einerseits bei der unmittelbaren Bezahlung im Rahmen von erfolgsneutralen Geschäftsvorfällen (z. B. Barzahlung bei Maschinenkauf oder -verkauf), andererseits bei der unmittelbaren Bezahlung im Rahmen von erfolgswirksamen Geschäftsvorfällen (z. B. Zinszahlung; Mietzahlung; Lohnzahlung) gegeben. Unmittelbare Bezahlung bei aufwands- oder ertragswirksamem Vorgang Unmittelbare Bezahlung bei erfolgsneutralem Vorgang Bezahlung einer Verbindlichkeit oder Forderung Buchhalterisch kein Zustandekommen einer Verbindlichkeit oder Forderung Entstehung einer Verbindlichkeit oder Forderung Ausgabe oder Einnahme Auszahlung oder Einzahlung Buchführung knüpft an bei Kein Aufwand oder Ertrag Möglich: Ausgabe oder Einnahme Möglich: Auszahlung oder Einzahlung Aufwand oder Ertrag Möglich: Ausgabe oder Einnahme Möglich: Auszahlung oder Einzahlung Erfolgsneutraler Geschäftsvorfall Erfolgswirksamer Geschäftsvorfall In der Buchführung wird in vielen Fällen erst dann ein erfolgswirksamer Vorgang erfasst, wenn der entsprechende Zahlungsvorgang stattfindet. Insbesondere bei Dauerschuldverhältnissen (z. B. Kreditverhältnis; Pachtverhältnis; Arbeitsverhältnis) wird erst dann ein Wertverzehr oder Wertzuwachs verbucht, wenn eine Zahlung erfolgt ist.242 Da sich in diesen Fällen keine besonderen buchhalterischen Schwierigkeiten ergeben, die nicht bereits Gegenstand der Betrachtung waren, wird im Folgenden nur auf zwei Fälle eingegangen, deren buchhalterische Behandlung besondere Probleme aufwirft. Es handelt sich einerseits um die buchtechnische Behandlung des Personalaufwands, die vor allem wegen dessen Zu- 242 Vgl. dazu die Ausführungen auf S. 85. 200 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle sammensetzung und dessen Zahlungsmodus Besonderheiten aufweist, und andererseits um buchtechnische Probleme von Steuerzahlungen und Zuwendungen, die dadurch entstehen, dass ein Teil der Steuerzahlungen als Aufwand der Periode, ein zweiter Teil als Anschaffungsnebenkosten und ein dritter Teil als Einkommensverwendung, d. h. als ein Vorgang im privaten Bereich des Unternehmers, zu behandeln ist. 5.6.2 Die buchtechnische Behandlung des Personalaufwands 5.6.2.1 Die Lohn- und Gehaltsverbuchung Die Arbeitnehmer erhalten nicht das gesamte tariflich festgesetzte oder frei vereinbarte Arbeitsentgelt (bei Arbeitern: Lohn; bei Angestellten: Gehalt) ausbezahlt, sondern nur den Nettobetrag, der nach Einbehaltung verschiedener „Abzüge“ verbleibt. Das Bruttoarbeitsentgelt selbst stellt wiederum nicht den gesamten Lohn- und Gehaltsaufwand des Arbeitgebers dar, da er darüber hinaus vor allem den sog. Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung zu tragen hat. Insofern ist der bisher vereinfacht verwendete Buchungssatz „Lohnund Gehaltsaufwand an Bank“ zwar prinzipiell richtig, berücksichtigt aber nicht die Besonderheiten der Lohn- und Gehaltsverbuchung. Das Arbeitsentgelt setzt sich vor allem aus Löhnen, Gehältern, Provisionen, Gratifikationen, Tantiemen, Sachbezügen, Aufwendungen für die Altersversorgung und anderen vom Arbeitgeber gewährten Bezügen und Vorteilen zusammen. Von diesem Bruttoentgelt werden vor allem folgende Abzüge vorgenommen: ? Lohnsteuer: Die Lohnsteuer243 ist keine selbstständige Steuer, sondern stellt eine besondere Erhebungsform der Einkommensteuer dar. Somit ist sie keine Steuer auf den Arbeitsertrag, sondern eine Personensteuer, bei der die persönlichen Verhältnisse und damit die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden. Das geschieht auf Basis der Lohnsteuerkarte, die alle für die Besteuerung des Arbeitnehmers wichtigen Daten enthält. Dazu gehören z. B. die Lohnsteuerklasse, der Familienstand, die Kinderzahl, das Geburtsdatum, die Konfessionszugehörigkeit und bestimmte Freibeträge. Mit Hilfe der Lohnsteuerkarte wird vom Arbeitgeber durch Anwendung der amtlichen Lohnsteuertabellen der monatliche Lohnsteuerbetrag des Arbeitnehmers ermittelt. Die althergebrachte Lohnsteuerkarte wird voraussichtlich im Jahre 2013 durch ein papierloses elektronisches Verfahren zur Erhebung der Lohnsteuer mit dem Namen Elektronische LohnSteuerAbzugsMerkmale (ELStAM) ersetzt. Die auf der Lohnsteuerkarte enthaltenen Informationen werden in einer Datenbank der Finanzverwaltung gespeichert und werden den Arbeitgebern elektronisch für den Lohnsteuerabzug zur Verfügung gestellt (vgl. auch § 39e EStG). Die Lohnsteuer wird vom Bruttoarbeitsentgelt einbehalten und muss vom Arbeitgeber (Steuerzahler) für den Arbeitnehmer (Steuerschuldner) spätestens bis zum 10. Tag des folgenden Monats an das Finanzamt abgeführt werden. ? Kirchensteuer: Der Kirchensteuer unterliegen die Mitglieder der meisten Religionsgemeinschaften. Sie wird in Abhängigkeit von der Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer 243 Neben der Lohnsteuer ist zur Zeit auch der Solidaritätszuschlag zu berücksichtigen (5,5 % der Lohnsteuer), der im Folgenden jedoch vernachlässigt wird. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 201 erhoben (je nach Bundesland und Religionsgemeinschaft 8 oder 9 % der Steuerschuld). Auch sie wird vom Betrieb aufgrund der Daten der Lohnsteuerkarte (Konfessionszugehörigkeit) errechnet und gemeinsam mit der Lohnsteuer an das Finanzamt abgeführt, das sie dann seinerseits an die entsprechende Religionsgemeinschaft weiterleitet. ? Beiträge zur Sozialversicherung: Diese setzen sich aus den Beiträgen zur Rentenversicherung, zur Krankenversicherung, zur Pflegeversicherung und zur Arbeitslosenversicherung zusammen. Die Beiträge zur Sozialversicherung werden in der Regel244 je zur Hälfte vom Arbeitgeber und vom Arbeitnehmer getragen. Der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung wird ebenso wie die Lohn- und Kirchensteuer vom Bruttoarbeitsentgelt einbehalten und an die Sozialversicherungsträger – i. d. R. an die Krankenkasse, die dann die Verrechnung mit den anderen Sozialversicherungsträgern vornimmt – abgeführt. Angesichts der neuerlichen Senkung des Betrags zur gesetzlichen Rentenversicherung von 19,9 % auf 19,6 % zum 01.01.2012 beträgt der Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung245 ab diesem Zeitpunkt 20,475 % (bzw. 20,725 % bei Kinderlosen ab dem 23. Lj.) des Bruttoarbeitsentgelts, während sich der Arbeitgeberanteil auf 19,575 % des Bruttoarbeitsentgelts beläuft. Die gesamten Sozialversicherungsbeiträge werden am drittletzten Bankarbeitstag des jeweiligen Monats bezahlt, da sie am Monatsende bei der Krankenkasse eingegangen sein müssen.246 Die Beitragspflicht bezieht sich nur auf die voraussichtliche Beitragsschuld für den aktuellen Monat; diese muss für den aktuellen Monat entsprechend der erbrachten Arbeitsleistung des Mitarbeiters bestimmt werden. Im Falle von variablen Gehaltsbestandteilen (z.B. Erfolgsprämien) ist ein Restbetrag erst zum drittletzten Bankarbeitstag des Folgemonats fällig. Der Arbeitgeber hat zusätzlich zum Bruttoarbeitsentgelt den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung zu tragen; außerdem hat er u. a. die gesetzlichen Beiträge zur Unfallversicherung, deren Höhe vom jeweiligen Wirtschaftszweig abhängig ist, allein zu übernehmen und an die Berufsgenossenschaft abzuführen. Selbst unter Vernachlässigung freiwilliger sozialer Leistungen und vermögenswirksamer Leistungen wird ersichtlich, dass sich durch die Zerlegung des Bruttoarbeitsentgelts in seine Bestandteile und durch die zusätzlich vom Arbeitgeber zu tragenden Beträge buchungstechnische Probleme ergeben. Deshalb ist es erforderlich, die entsprechenden Bestandteile buchtechnisch gesondert zu erfassen. § 41 Abs. 1 EStG schreibt für jeden Arbeitnehmer die Führung eines Lohn- oder Gehaltskontos durch den Arbeitgeber vor. In diesen Konten sind die aus der Lohnsteuerkarte entnommenen persönlichen Daten aufzuführen, ferner das Bruttoarbeitsentgelt, die einzelnen Abzüge und das Nettoarbeitsentgelt. Eine größere Zahl von Arbeitnehmern, die besonderen 244 Seit dem 01.01.2011 beträgt der einheitliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung 14,6 %, der gesetzliche Zusatzbeitrag i.H.v. 0,9 % ist allerdings allein von den Arbeitnehmern zu tragen. Seit dem 01.01.2005 hat sich zudem für Kinderlose (ab 23. Lj.) der Beitragssatz zur Pflegeversicherung um 0,25 % erhöht, wobei auch dieser Erhöhungsbetrag alleine vom Arbeitnehmer zu tragen ist. 245 Vgl. Verordnung zur Bestimmung der Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung für das Jahr 2012 (Beitragssatzverordnung 2012 – BSV 2012) vom 19.12.2011, BGBl I 2011, S. 2795. 246 Vgl. Beitragsentlastungsgesetz vom 03.08.2005, BGBl I 2005, S. 2269. 202 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle personenbezogenen Probleme, wie z. B. Sachbezüge oder Vergütungen bei Dienstreisen, sowie die sich aus der betrieblichen Altersvorsorge ergebenden Probleme erfordern in den meisten Unternehmen eine eigene Lohn- und Gehaltsbuchführung.247 Aus dieser werden die Summen der Kontensalden in die entsprechenden Konten der Finanzbuchführung übernommen. Im Folgenden wird auf das getrennte Führen einer Lohn- und Gehaltsbuchführung verzichtet; aus Vereinfachungsgründen werden die entsprechenden Konten der Finanzbuchführung unmittelbar angesprochen. Die Beziehungen zwischen dem Personalaufwand des Unternehmens sowie dem Brutto- und dem Nettoarbeitsentgelt des Arbeitnehmers lassen sich unter Vernachlässigung der Beiträge des Arbeitgebers und des Arbeitnehmers zur Vermögensbildung und unter Vernachlässigung einer etwaigen Bildung von Pensionsrückstellungen folgendermaßen darstellen: Nettoarbeitsentgelt Zahlungszufluss beim Arbeitnehmer + Lohnsteuer + Kirchensteuer + Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung = Bruttoarbeitsentgelt + Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung + Beiträge zur gesetzlichen Unfallversicherung Zahlungszufluss bei den gesetzlichen Sozialversicherungsträgern Zahlungszufluss bei der Berufsgenossenschaft = Vertraglicher und gesetzlicher Personalaufwand + Freiwillige betriebliche Zahlungszufluss beim freiwilligen Sozialleistungen Sozialversicherungsträger = Gesamter Personalaufwand Zahlungsabfluss beim Unternehmen = Aufwand des Unternehmens Für die Verbuchung von Lohn- und Gehaltszahlungen ergibt sich, dass der gesamte Personalaufwand auf Aufwandskonten zu verbuchen ist. Dabei wird das Bruttoarbeitsentgelt auf dem Konto „Lohn- und Gehaltsaufwand (LuG-Aufwand)“ erfasst; der Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung sowie die freiwilligen Sozialleistungen werden auf dem Konto „Sozialaufwand“ verbucht. Zur Trennung freiwilliger von gesetzlichen Sozialaufwendungen kann auch eine Trennung in die Konten „Gesetzlicher Sozialaufwand“ und „Freiwilliger Sozialaufwand“ vorgenommen werden. Davon wird im Folgenden ausgegangen. Der Aufwand für die Unfallversicherung ist grundsätzlich ebenfalls über das Konto „Gesetzlicher Sozialaufwand“ zu verbuchen; da der entsprechende Zahlungsvorgang – ebenso wie häufig die Zahlung des freiwilligen Sozialaufwands – jedoch nicht gleichzeitig mit der Lohn- und Gehaltsverbuchung erfasst wird, weil keine unmittelbare Abhängigkeit zu dieser besteht, wird im Folgenden auf die entsprechende Verbuchung verzichtet. 247 Vgl. Eisele, W., Knobloch, A. P., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 328. Zahlungszufluss beim Finanzamt 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 203 Bei der buchmäßigen Erfassung des Lohn- und Gehalts- sowie des Sozialaufwands fällt auf der Zahlungsseite zunächst nur die Bezahlung des Nettolohns – i. d. R. über das Zahlungskonto „Bank“, bei Barauszahlung über die „Kasse“ – an. Die restlichen Beträge werden einerseits dem Finanzamt, andererseits den Sozialversicherungsträgern geschuldet. Da die Zahlungen erst innerhalb einer bestimmten Frist – bei der Lohn- und Kirchensteuer spätestens nach 10 Tagen des folgenden Kalendermonats, bei der Sozialversicherung spätestens am drittletzten Bankarbeitstag des Monats, in dem ein Mitarbeiter die Arbeitsleistung erbracht hat – fällig sind, werden die geschuldeten Beträge solange auf einem besonderen Konto „Noch abzuführende Abgaben“, das ein Unterkonto des Kontos „Sonstige Verbindlichkeiten“ darstellt, verbucht. Werden die entsprechenden Beträge bezahlt, wird das Konto „Noch abzuführende Abgaben“ im Soll angesprochen, die Gegenbuchung im Haben erfolgt auf dem betroffenen Zahlungskonto. Beispiel: Die Monatslohnabrechnung eines verheirateten Arbeiters hat folgendes Aussehen: Bruttoarbeitslohn: Lohnsteuer: Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer): Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung: 3.000 € 400 € 32 € 568 € Nettoarbeitslohn: 2.000 € Der – hier und auch im Folgenden vereinfachungshalber als gleich hoch unterstellte – Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung beträgt 568 €. Der Nettolohn sowie die Zahlungen an die Sozialversicherungsträger werden am drittletzten Arbeitstag des Monats vom Bankkonto gezahlt, und die Zahlungen an das Finanzamt erfolgen am 10. des Folgemonats vom Bankkonto. Buchungssätze: Bei Erfassung des Sozialaufwands und der Lohn- und Gehaltszahlung: (1) Lohn- und Gehaltsaufwand 3.000,–– an Bank 3.136,–– Gesetzlicher Sozialauf- Noch abzuführende wand 568,–– Abgaben 432,–– Bei Abführung der Steuern: (2) Noch abzuführende Abgaben an Bank 432,–– Bisher wurde davon ausgegangen, dass mit der Entstehung des Lohn- und Gehaltsaufwands auch die Zahlung an den Arbeitnehmer verbunden ist. Es ist aber auch möglich, dass das Unternehmen dem Arbeitnehmer bereits vor Fälligkeit der Lohn- und Gehaltszahlung einen Vorschuss zahlt. Sind derartige vorweggenommene Zahlungen vertraglich vereinbart, dann 204 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle spricht man von Abschlagszahlungen. Beispielsweise werden Abschlagszahlungen dann getätigt, wenn zwar von einer wöchentlichen auf eine monatliche Lohnabrechnung übergegangen wurde, der Lohn aber dennoch über Abschlagszahlungen wöchentlich oder alle zwei Wochen ausbezahlt wird. Bei der Verbuchung von Vorschüssen und Abschlagszahlungen lassen sich folgende drei Fälle unterscheiden: (1) Vorschüsse, die bei Fälligkeit der Lohn- und Gehaltszahlung ausgeglichen werden: Wird am 15. des Monats im obigen Beispiel ein Vorschuss von 500 € bezahlt, in dessen Höhe am Ende des Monats eine geringere Lohnzahlung erfolgt, dann wird korrekterweise diese Anzahlung an den Arbeitnehmer als „Sonstige Forderungen“ ausgewiesen und am Monatsende entsprechend ausgebucht. Dieser kurzfristige Vorschussausgleich wird in der Praxis häufig unmittelbar über „Lohn- und Gehaltsaufwand“ verbucht.248 Für die Finanzbuchführung ergeben sich dadurch keine Nachteile, sofern die Jahresgrenze nicht überschritten wird. Die Verbuchung über „Sonstige Forderungen“ ist jedoch korrekter und wird im Folgenden verwendet. (2) Vorschüsse, die erst im Laufe der Zeit – unter Umständen erst in Folgejahren – ausgeglichen werden: Wird im obigen Beispiel gemeinsam mit der Lohnzahlung ein Vorschuss von 2.000 € bezahlt, der durch eine Verrechnung mit den nächsten beiden Monatslöhnen ausgeglichen wird, dann sind die 2.000 € als „Sonstige Forderungen“ einzubuchen und in den beiden Folgemonaten über eine geringere Lohnzahlung auszubuchen. (3) Abschlagszahlungen: Besteht im obigen Beispiel eine vertragliche Vereinbarung, dass jeweils am 15. eines Monats ein Betrag von 1.000 € vorausgezahlt wird, dann ist die Abschlagszahlung entweder direkt über das Konto „Lohn- und Gehaltsaufwand“ oder über das Konto „Abschlagszahlungen“ zu verbuchen, das dann am Ende des Monats mit dem Konto „Lohn- und Gehaltsaufwand“ verrechnet wird. Buchungssätze (zu den drei Fällen auf Seite 204): Zu (1): Bei Vorschussgewährung am 15. (Annahme: Barzahlung des Vorschusses): (1) Sonstige Forderungen an Kasse 500,–– Bei Lohn- und Gehaltsabrechnung am drittletzten Arbeitstag des Monats: (2) Lohn- und Gehaltsaufwand 3.000,–– an Bank 2.636,–– Gesetzlicher Sozialauf- Sonstige Fordewand 568,–– rungen 500,–– Noch abzuführende Abgaben 432,–– (3) Noch abzuführende Abgaben an Bank 432,–– 248 Vgl. Bähr, G., Fischer-Winkelmann, W., List, S., Buchführung und Jahresabschluss, 9. Aufl., Wiesbaden 2006, S. 133, sowie Eisele, W., Knobloch, A. P., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 337 f. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 205 Zu (2): Bei Lohnzahlung am drittletzten Arbeitstag des Monats (Annahme: Bankauszahlung des Vorschusses): (1) Sonstige Forderungen 2.000,–– an Bank 5.136,–– Lohn- und Gehaltsauf- Noch abzuführende wand 3.000,–– Abgaben 432,–– Gesetzlicher Sozialaufwand 568,–– (2) Noch abzuführende Abgaben an Bank 432,–– Bei Lohnzahlung am drittletzten Arbeitstag des nächsten (ebenso übernächsten) Monats: (3) Lohn- und Gehaltsaufwand 3.000,–– an Bank 2.136,–– Gesetzlicher Sozialauf- Sonstige Fordewand 568,–– rungen 1.000,–– Noch abzuführende Abgaben 432,–– Zu (3): Bei Tätigung der Abschlagszahlung am 15. (Annahme: Bankauszahlung der Abschlagszahlung): (1) Abschlagszahlungen an Bank 1.000,–– Bei Lohn- und Gehaltsabrechnung am drittletzten Arbeitstag des Monats: (2) Lohn- und Gehaltsaufwand 3.000,–– an Bank 2.136,–– Gesetzlicher Sozialauf- Abschlagswand 568,–– zahlungen 1.000,–– Noch abzuführende Abgaben 432,–– Am 10. des Folgemonats: (3) Noch abzuführende Abgaben an Bank 432,–– 5.6.2.2 Die Verbuchung vermögenswirksamer Leistungen Die Anlage bestimmter Einkommensbeträge der Arbeitnehmer, die zu einer Vermögensbildung in Arbeitnehmerhand führt, wird staatlich gefördert. Das betrifft insbesondere Bausparverträge und Beteiligungen am Produktivkapital. Die staatliche Förderung besteht einerseits in der Gewährung einer Wohnungsbau-Prämie (8,8 % von max. 512 € Bausparleistungen jährlich), andererseits werden vermögenswirksame Leistungen nach dem 5. Vermögensbildungs-Gesetz durch eine sog. Arbeitnehmer-Sparzulage gefördert. Diese variiert in Abhängigkeit von der Anlageform. Für die Anlage in Sparverträge über Wertpapiere oder andere Vermögensbeteiligungen, Wertpapier-Kaufverträge, Beteiligungsverträge oder Beteiligungskaufverträge beträgt sie jährlich 20 % für vermögenswirksame 206 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle Leistungen von max. 400 €, somit also max. 80 €. Werden vermögenswirksame Leistungen nach dem Wohnungsbau-Prämiengesetz oder für den Bau, Erwerb, Ausbau, die Erweiterung oder die Entschuldung eines Wohngebäudes angelegt, beträgt die Zulage jährlich 9 % der Leistungen von jährlich höchstens 470 €, also max. 43 €. Die beiden Zulagen können alternativ beansprucht werden, jedoch werden sie nur dann gewährt, wenn das zu versteuernde Einkommen des Arbeitnehmers bestimmte Beträge (17.900 € bei der Arbeitnehmer- Sparzulage und 25.600 € bei der Wohnungsbau-Prämie bzw. mit jeweils doppelten Grenzen bei Zusammenveranlagung) nicht überschreitet. Die vermögenswirksamen Leistungen nach dem 5. Vermögensbildungsgesetz können sowohl vom Arbeitgeber als zusätzliche Lohn- und Gehaltszahlung als auch vom Arbeitnehmer als Teil des Nettoarbeitsentgelts oder von beiden anteilig erbracht werden. Werden sie vom Arbeitgeber geleistet, dann erhöht sich das steuer- und sozialversicherungspflichtige Entgelt, werden sie vom Arbeitnehmer erbracht, dann vermindert sich lediglich sein Nettolohn.249 Die vom Staat bezahlte Arbeitnehmer-Sparzulage wurde von 1990 bis 1993 nicht mehr wie zuvor vom Arbeitgeber an den Arbeitnehmer weitergeleitet, sondern durch eine jährliche nachträgliche Auszahlung durch das Finanzamt ersetzt. Seit 1994 wird die Arbeitnehmer-Sparzulage jährlich nachträglich festgesetzt und erst nach Ablauf der Sperrfrist bzw. bei Zuteilung des Vertrages an den Arbeitnehmer ausbezahlt. Die vermögenswirksamen Leistungen selbst werden vom Arbeitgeber auf das betreffende Anlagekonto des Arbeitnehmers (z. B. Kreditinstitut oder Bausparkasse) überwiesen. Unter Verwendung des letzten Beispiels ergibt sich für die beiden Extremfälle, dass der Arbeitgeber bzw. Arbeitnehmer jeweils allein den Betrag der vermögenswirksamen Leistung aufbringt, folgende Verbuchung. 249 Vgl. dazu auch Schöttler, J., Spulak, R., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 160 ff. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 207 Beispiel: (1) Die vermögenswirksamen Leistungen werden vom Nettolohn des Arbeitnehmers auf sein Anlagekonto gebucht (Zahlung vom betrieblichen Bankkonto). Die Arbeitnehmer-Sparzulage beträgt 9 % der vermögenswirksamen Leistungen von monatlich 13,–– €, wird aber nicht (mehr) beim Arbeitgeber verbucht. Die Lohn- und Kirchensteuer des Arbeitnehmers beträgt 148,41 €. Der Gesamtsozialversicherungsbeitragssatz (Arbeitnehmer- und Arbeitgeberanteil) beträgt 39 %. Buchungssätze: Am drittletzten Arbeitstags des Monats: (1) Lohn- und Gehaltsaufwand 2.500,–– an Bank 2.826,09 Gesetzlicher Sozialauf- Bank 13,–– wand 487,50 Noch abzuführende Abgaben 148,41 Am 10. des Folgemonats: (2) Noch abzuführende Abgaben an Bank 148,41 (2) Die vermögenswirksamen Leistungen werden zusätzlich vom Arbeitgeber erbracht. Dadurch erhöhen sich die Lohnsteuer des Arbeitnehmers um 0,71 €, die Kirchensteuer um 0,06 € und die Sozialversicherungsbeiträge des Arbeitgebers und Arbeitnehmers um jeweils 2,54 € (Beträge gerundet). Buchungssätze: Am Ende des Monats: (1) Lohn- und Gehaltsaufwand 2.513,–– an Bank 2.840,86 Gesetzlicher Sozialauf- Bank 13,–– wand 490,04 Noch abzuführende Abgaben 149,18 Am 10. des Folgemonats: (2) Noch abzuführende Abgaben an Bank 149,18 Die Verbuchung der vermögenswirksamen Leistungen kann anstatt über „Lohn- und Gehaltsaufwand“ auch über das Konto „Sozialaufwand“ oder „Sonstiger Personalaufwand“ erfolgen. 5.6.2.3 Die Verbuchung von Sachbezügen Fließen einem Arbeitnehmer Einnahmen aus seiner Tätigkeit im Unternehmen zu, die nicht in Geld bestehen (z. B. kostenlose oder begünstigte Warenlieferungen, kostenlose oder 208 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle begünstigte sonstige Leistungen wie Überlassung einer Wohnung, Verpflegung oder Überlassung eines Betriebsfahrzeugs für private Zwecke), so werden diese Sachzuwendungen als Bestandteil des Arbeitsentgelts behandelt und unterliegen folglich auch dem Lohnsteuerabzug. Nach § 8 Abs. 2 EStG sind Sachbezüge „mit den um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreisen am Abgabeort anzusetzen“. Die Finanzverwaltung hat für die praktische Handhabung Durchschnittssätze erarbeitet, die im Normalfall anzuwenden sind. Neben dem Lohnsteuerabzug unterliegen Sachbezüge auch der Sozialversicherung. Derartige Lieferungen und sonstige Leistungen sind in der Regel nach § 1 Abs. 1 i. V. m. § 3 Abs. 1b und 9a UStG umsatzsteuerpflichtig und unterliegen der Umsatzsteuer mit der in § 10 Abs. 4 UStG definierten Mindestbemessungsgrundlage. Bei unentgeltlicher Warenlieferung ist der Verkaufspreis250 und bei verbilligter Warenlieferung die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und dem verbilligten Abgabepreis als zusätzliches Arbeitsentgelt zu behandeln.251 250 Nach § 8 Abs. 3 EStG erfolgt unter bestimmten Voraussetzungen ein 4%iger Abschlag vom Endpreis am Abgabeort und die Gewährung eines steuerlichen Freibetrages von 1.080 € im Kalenderjahr. 251 Wegen der Formulierung in § 10 Abs. 4 Satz 1 Nr. 1 UStG, dass eine Orientierung an dem Einkaufspreis zuzüglich der Nebenkosten, ersatzweise an den Selbstkosten, zu erfolgen hat, kann es zu einer Abweichung der umsatzsteuerlichen von der ertragsteuerlichen Bemessungsgrundlage kommen; im Folgenden wird vereinfachend von einem einheitlichen Wert ausgegangen. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 209 Beispiel:252 Der Arbeitnehmer A erhält einen Bruttolohn von 2.200 € im Monat. Außerdem wohnt er in einer betrieblichen Wohnung unentgeltlich, deren Mietwert mit 300 € (wegen der Steuerbefreiung in § 4 Nr. 12 UStG fällt keine Umsatzsteuer an) angesetzt wird, und erhält Waren im Wert von 100 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer unentgeltlich geliefert. Dadurch erhöht sich sein steuerpflichtiger Lohn um 300 € (für die Nutzungs- überlassung) und um 119 € für die Warenlieferung, beträgt somit also 2.619 €. Für die Verbuchung sind folgende zusätzliche Daten (nach Berücksichtigung der Sachbezüge) seines Lohnkontos von Bedeutung: ? Lohnsteuer: 350,–– € ? Kirchensteuer: 28,–– € ? Arbeitnehmeranteil (= Arbeitgeberanteil) zur Sozialversicherung: 450,–– € ? Vermögenswirksame Leistungen: keine ? Überweisung des Nettolohns und des Sozialversicherungsbeitrags am drittletzten Arbeitstag des Monats über das Bankkonto ? Überweisung der Lohn- und Kirchensteuer am 10. des Folgemonats vom Bankkonto Die Buchung der unentgeltlichen Warenlieferung erfolgt über das Warenverkaufskonto. Buchungssätze: Am drittletzten Arbeitstag des Monats: (1) Lohn- und Gehaltsaufwand 2.619,–– an Warenverkauf 100,–– Gesetzlicher Sozial- Umsatzsteuer 19,–– aufwand 450,–– Mieterträge 300,–– Bank 2.272,–– Noch abzuführende Abgaben 378,–– Am 10. des Folgemonats: (2) Noch abzuführende Abgaben an Bank 378,–– 5.6.3 Die buchtechnische Behandlung von Steuerzahlungen und Zuwendungen Bei der buchtechnischen Behandlung sind zwei Gruppen von Steuern zu unterscheiden:253 Erstens Steuern, die vom Unternehmen zu tragen sind, und zweitens Steuern, die das Unternehmen für dritte Personen zu deren Lasten zahlt. 252 Vgl. ebenfalls mit einer beispielhaften Darstellung Eisele, W., Knobloch, A. P., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 333 ff. 253 Vgl. zur Systematisierung der Unternehmenssteuern Wöhe, G., Betriebswirtschaftliche Steuerlehre, Bd. I, 1. Halbband, a. a. O., S. 66 ff. 210 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle (1) Steuern, die vom Unternehmen zu tragen254 sind: Sie lassen sich grundsätzlich in zwei Kategorien einteilen: - Aufwandsteuern: Dazu zählen alle Steuern, die als Aufwand den Erfolg des Unternehmens mindern. Grundsätzlich haben deshalb die Buchungssätze das Muster „Steueraufwand an Bank (Zahlungskonto)“. Zu den Aufwandsteuern gehören: ? bei allen gewerblichen Unternehmen: ? die Gewerbesteuer, ? zahlreiche Verbrauchsteuern (z. B. Energiesteuer); ? nur bei Kapitalgesellschaften: ? die Körperschaftsteuer, ? der Solidaritätszuschlag (auf die Körperschaftsteuer); ? nur bei betrieblicher Veranlassung: ? die Grundsteuer, ? die Kraftfahrzeugsteuer. Die Verbuchung erfolgt über die entsprechenden Aufwandskonten (z. B. „Gewerbesteuer“, „Verbrauchsteuern“ usw.), die jeweils im Gewinn- und Verlustkonto abgeschlossen werden. Das Gegenkonto ist im Normalfall das angesprochene Zahlungskonto. Wenn – wie bei vielen Steuerarten – die für die Steuerschuld relevante Bemessungsgrundlage erst nach Ablauf des Geschäftsjahrs exakt errechnet werden kann, ist eine Rückstellung255 in Höhe des geschätzten Steuerbetrages zu bilden (Buchungssatz: „Steueraufwand an Steuerrückstellung“). Bei Bezahlung im Folgejahr wird die Rückstellung zugunsten des Zahlungskontos aufgelöst. Steuernachzahlungen, die frühere Geschäftsjahre betreffen, sind als periodenfremde Aufwendungen (i. d. R. über das Konto „Sonstige betriebliche Aufwendungen“), Steuerrückerstattungen als periodenfremde Erträge (i. d. R. über das Konto „Sonstige betriebliche Erträge“) zu verbuchen.256 - Aktivierungspflichtige Steuern: Dazu zählen alle Steuern, die in den Anschaffungskosten eines Vermögensgegenstandes (als Anschaffungsnebenkosten) zu aktivieren sind. Grundsätzlich haben die Buchungssätze das Muster „Aktiv- 254 „Tragen“ bedeutet in diesem Zusammenhang, dass diese Steuern nach dem Willen des Gesetzgebers vom Unternehmen zu erwirtschaften und abzuführen sind. Dass das Unternehmen derartige Steuern (z. B. die Gewerbesteuer) im Preis auf den Abnehmer überwälzen kann, so dass dieser im Endergebnis die Steuern „wirtschaftlich“ trägt, steht hier nicht zur Diskussion. 255 Vgl. zu den Rückstellungen allgemein S. 294 ff. und zur Gewerbesteuerrückstellung im Besonderen S. 298 ff. 256 Besondere Probleme ergeben sich u. a. beim Ausweis von Steuerrückerstattungen, die sich auf frühere Geschäftsjahre beziehen; diese müssen in der Gewinn- und Verlustrechnung als Korrektur zu den Steueraufwendungen behandelt werden, da § 275 HGB keine entsprechende Position, sondern einen zusammengefassten Ausweis der Steuerbelastung vorsieht; vgl. dazu Eisele, W., Knobloch, A. P., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 357. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 211 position an Bank (Zahlungskonto)“. Diese Steuern werden erst im Rahmen der Abschreibung bzw. der Veräußerung des entsprechenden Vermögensgegenstandes als Aufwand verrechnet. Zu den aktivierungspflichtigen Steuern gehören u. a.: ? die Grunderwerbsteuer (sie ist i. d. R. vom Käufer zu tragen und fällt beim Erwerb eines Grundstücks in Höhe von grundsätzlich 3,5 % des Entgelts an – wobei die Bundesländer seit der Föderalismusreform 2006 ein Wahlrecht zur individuellen Gestaltung des Steuersatzes haben und dieses auch in immer größerem Maße nutzen); ? die nicht als Vorsteuer verrechenbare Umsatzsteuer. Wird z. B. ein Betriebsgrundstück für 100.000 € zuzüglich 3,5 % Grunderwerbsteuer erworben, dann lautet der Buchungssatz „Grundstücke und Gebäude an Bank 103.500“. Die Anschaffungskosten des Grundstücks müssen für Zwecke der Besteuerung in die beiden Bestandteile „Grund und Boden“ und „Gebäude“ aufgeteilt werden. Entsprechend ist auch die Grunderwerbsteuer anteilig zu verteilen. Diese Aufteilung ist erforderlich, weil der Grund und Boden zu den nicht abschreibungsfähigen, das Gebäude dagegen zu den abschreibungsfähigen Wirtschaftsgütern zählt. (2) Steuern, die nicht vom Unternehmen zu tragen sind: Auch bei diesen lassen sich zwei Kategorien unterscheiden: - Privatsteuern: Dazu zählen alle Steuern, die nicht betrieblich veranlasst sind, sondern den Unternehmer in seinem Privatbereich treffen. Diese Steuern sind zwar grundsätzlich aus dem privaten Zahlungsbereich zu entrichten, sie werden aber häufig von betrieblichen Konten bezahlt. In diesen Fällen liegt bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften eine Privatentnahme vor, so dass die Buchung nach dem Muster „Privatentnahmen an Bank (Zahlungskonto)“ zu erfolgen hat.257 Zu den Privatsteuern gehören: ? bei allen Unternehmern bzw. Mitunternehmern: ? die Einkommensteuer, ? der Solidaritätszuschlag (auf die Einkommensteuer), ? die Kirchensteuer, ? die Erbschaftsteuer; ? nur bei privater Veranlassung: ? die Grundsteuer, ? die Kraftfahrzeugsteuer, ? die Grunderwerbsteuer (beim Erwerb eines Privatgrundstücks). 257 Vgl. dazu die Ausführungen auf S. 92 ff. 212 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle Wird z. B. die Einkommensteuer des Unternehmers in Höhe von 5.000 € vom betrieblichen Bankkonto bezahlt, dann wird dieser Vorgang als Privatentnahme behandelt und mit folgendem Buchungssatz verbucht: Privatentnahmen an Bank 5.000,–– - Durchlaufende Steuern: Dazu zählen die Steuern, die das Unternehmen nach dem Willen des Gesetzgebers nicht zu tragen, aber an das Finanzamt abzuführen hat. Das sind ? die Lohn- und Kirchensteuer, die das Unternehmen für seine Arbeitnehmer einzubehalten und abzuführen hat, so dass die Arbeitnehmer von diesen Steuern durch Verminderung des ausbezahlten Arbeitsentgelts (Nettolohn) getroffen werden; ? die Umsatzsteuer, die das Unternehmen an das Finanzamt abzuführen hat („Umsatzsteuerzahllast“), die aber nach dem Willen des Gesetzgebers der Letztverbraucher über die Preise wirtschaftlich zu tragen hat. Auf die buchtechnische Behandlung beider Steuern wurde oben bereits eingegangen.258 Werden entstandene Steuern während des Geschäftsjahrs bezahlt (z. B. die Kfz-Steuer), so ergeben sich für den bilanziellen Ausweis keine Probleme. Wird mit einer Steuerzahlung in einer bestimmten Höhe für das laufende Geschäftsjahr gerechnet, so ist der geschätzte Betrag in der Gewinn- und Verlustrechnung als Aufwand zu verrechnen, und in der Bilanz ist eine Rückstellung zu bilden. Sind Steuern im Zeitpunkt des Jahresabschlusses zwar rechtskräftig veranlagt, aber noch nicht bezahlt, muss dieser Betrag als Verbindlichkeit (in der Regel im Konto „Sonstige Verbindlichkeiten“) ausgewiesen werden. Steuervorauszahlungen stellen aus der Sicht des Unternehmens eine Forderung (Konto „Sonstige Forderungen“) dar.259 Im handelsrechtlichen Jahresabschluss ist der Steueraufwand in der Gewinn- und Verlustrechnung nach § 275 Abs. 2 bzw. 3 HGB in zwei Positionen auszuweisen, den Steuern vom Einkommen und vom Ertrag einerseits und den sonstigen Steuern andererseits.260 Dabei wird auch die Körperschaftsteuer als Aufwand erfasst, der den handelsrechtlichen Jahres- überschuss vermindert. Da es aber bei Kapitalgesellschaften keinen Privatbereich gibt, weil diese eigenständige juristische Personen sind, muss die Steuerbelastung handelsrechtlich als Aufwand verbucht werden. Steuerrechtlich sind auch bei Kapitalgesellschaften nur bestimmte Steuern als Betriebsausgaben abzugsfähig, wie z. B. die Grundsteuer, während die Körperschaftsteuer und der Solidaritätszuschlag sowie seit 2008 auch die Gewerbesteuer zu den nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben zählen. Diese nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben werden aber nicht innerhalb, sondern außerhalb der Steuerbilanz durch Hinzurechnung im Rahmen der Einkommensermittlung berücksichtigt. 258 Vgl. dazu S. 200 ff. und S. 130 ff. 259 Vgl. mit einem Anwendungsbeispiel bei der Darstellung der Gewerbesteuerverbuchung S. 298 ff. 260 Vgl. dazu Wöhe, G., Bilanzierung und Bilanzpolitik, a. a. O., S. 283 ff. 5.6 Die buchtechnische Erfassung laufender Zahlungen 213 Zuwendungen (Subventionen) der öffentlichen Hand führen beim begünstigten Unternehmen zu Einzahlungen. Sie können folgendermaßen eingeteilt werden261: Zuwendungen nicht rückzahlbar bedingt rückzahlbar rückzahlbar Zuschüsse (steuerpflichtig) Zulagen (steuerfrei) Für die buchhalterische Behandlung folgt daraus folgende Einteilung: ? Ertragswirksame Zuwendungen: Die nicht rückzahlbaren Zuwendungen führen – ob steuerpflichtig oder nicht – zu einem Ertrag. Bei (steuerfreien) Zulagen erfolgt außerhalb der Bilanz eine Kürzung des Unternehmenserfolgs. Der Ertrag bei (steuerpflichtigen) Zuschüssen wird entweder sofort realisiert (Buchungssatztyp: „Bank an Zuschussertrag“) oder er wird auf eine bestimmte Zeit – z. B. die Laufzeit des Anlageguts, für dessen Anschaffung ein Zuschuss gewährt wurde – verteilt, und zwar entweder durch Kürzung der Anschaffungs- oder Herstellungskosten (und damit des Abschreibungsaufwands) des angeschafften Guts (Buchungssatztyp: „Bank an Maschine“262) oder durch Bildung eines Passivpostens (z. B. ein gesondertes Konto „Sonderposten für Investitionszuschüsse“; Buchungssatztyp: „Bank an Sonderposten für Investitionszuschüsse“), der z. B. entsprechend der Laufzeit des begünstigten Anlageguts aufzulösen ist. ? Verbindlichkeitsbildende Zuwendungen: Rückzahlbare Zuwendungen sind bilanziell grundsätzlich ebenso zu behandeln wie andere Verbindlichkeiten (Buchungssatztyp: „Bank an Verbindlichkeiten“). Allerdings werden bedingt rückzahlbare Zuwendungen, die nur im Falle des Erfolgs eines Projekts zurückzuzahlen sind, entweder sofort als Verbindlichkeit gebucht, die im Fall des Nichteintritts des Erfolgs ertragswirksam wieder ausgebucht wird, oder sie werden sofort ertragswirksam verrechnet (siehe unter dem obigen Punkt ), und erst bei Erwartung des Erfolgs wird eine Rückstellung gebildet bzw. bei eingetretenem Erfolg wird eine Verbindlichkeit verbucht, damit die ursprünglichen Ertragswirkungen korrigiert werden. 261 Vgl. dazu auch mit Erläuterung der bilanziellen Folgen Stellungnahme HFA 1/1984, Bilanzierungsfragen bei Zuwendungen der öffentlichen Hand, in: WPg 1984, S. 612 ff.; vgl. zur bilanziellen und buchhalterischen Behandlung auch Eisele, W., Knobloch, A. P., Technik des betrieblichen Rechnungswesens, a. a. O., S. 362 ff. 262 Sofern das Gut erst im folgenden Jahr angeschafft wird, kann bis dahin eine steuerfreie Rücklage gebildet werden; vgl. dazu S. 307 ff. 214 5 Buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle 5.7 Übungsaufgabe 3 Erstellen Sie zu den folgenden Geschäftsvorfällen des Möbelfabrikanten A die dazugehörigen Buchungssätze! Übungsaufgabe 3 1. A bezieht eine Holzlieferung seines Lieferanten B, dessen Rechnung folgendermaßen aussieht: Warenwert 10.000 € – 10 % Mengenrabatt 1.000 € = Netto-Wert 9.000 € + 19 % Umsatzsteuer 1.710 € = Rechnungsbetrag 10.710 € Bei Zahlung innerhalb von 14 Tagen 3 % Skonto, ansonsten Zahlung innerhalb von 30 Tagen. A bezahlt nach 10 Tagen von seinem Bankkonto. 2. A verkauft an seinen Kunden C Fertigfabrikate für 15.000 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer. C akzeptiert den von A ausgestellten Wechsel (Laufzeit: 3 Monate) in Höhe des Rechnungsbetrages. Außerdem werden Diskontzinsen (8 % p. a.) und Spesen von 40 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer in Rechnung gestellt; beide Beträge werden direkt nach der Rechnungserstellung auf das Bankkonto von A überwiesen. 3. A bezieht eine Rohöllieferung von seinem Lieferanten D für 5.000 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer. A akzeptiert einen Wechsel (Laufzeit: 1 Monat), den D ausstellt, in Höhe von 4.000 €. Den anfallenden Diskont (12 % p. a.) und die Spesen von 20 € zuzüglich 19 % Umsatzsteuer überweist A unmittelbar von seinem Bankkonto. Den Rechnungsrestbetrag überweist er unter Abzug von 2 % Skonto (auf den gesamten Rechnungsbetrag!) nach 8 Tagen von seinem Bankkonto. 4. a) Am 01.04. werden kurzfristig zu haltende 12 %ige Pfandbriefe F/A (Zinstermine: je 6 % am 01.02. und am 01.08.) mit einem Nennwert von 20.000 € einschl. des Zinsscheins zum Kurs von 98 % vom Bankkonto gekauft. Die Spesen betragen 250 €. b) Am 01.08. werden die Zinsen aus den Pfandbriefen über das Bankkonto fällig. 5. Die Gehaltsabrechnung eines ledigen Angestellten von A hat folgendes Aussehen: Bruttogehalt: 4.000 € Lohnsteuer: 850 € Kirchensteuer (8 % der Lohnsteuer): 68 € Arbeitnehmeranteil zur Sozialversicherung: 720 € Vermögenswirksame Leistungen (vgl. dazu die Fußnote 265 zu Sachverhalt (11)): 52 € Nettogehalt: 2.310 €

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Zusammenfassung

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Der Wöhe/Kußmaul zur Buchführung und Bilanztechnik

führt fundiert in das System der doppelten Buchführung und in die Technik der Erstellung der Bilanz und der Gewinn- und Verlustrechnung (Jahresabschluss) ein.

Schwerpunkte sind die verrechnungstechnischen Grundlagen, die buchtechnische Behandlung der wichtigsten Geschäftsvorfälle bei Handels- und Industriebetrieben sowie die Technik der Aufstellung des Jahresabschlusses. Zusätzlich bietet das Werk einen fundierten Überblick über die gesetzlichen Vorschriften zur Führung von Büchern und zur Aufstellung des Jahresabschlusses sowie über die Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung und Bilanzierung.

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