Content

1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung in:

Axel Birk, Joachim Löffler

Marketing- und Vertriebsrecht, page 37 - 45

Lehr- und Praxishandbuch zum Gewerblichen Rechtsschutz, Kartell- und Vertriebsrecht

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4268-7, ISBN online: 978-3-8006-4269-4, https://doi.org/10.15358/9783800642694_37

Bibliographic information
Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 6 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 7 1. Teil: Produktpolitik Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 8 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 9 1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung 1.1 Produktnutzen 1.1.1 Begriff Kernaufgabe der Produktpolitik ist die Ermittlung, Entwicklung sowie Anpassung der Produkte und Leistungen, die den Kunden angeboten werden. In den gesättigten Märkten der Industriestaaten geht es dabei häufig nicht mehr um die reine Befriedigung von Grundbedürfnissen der Kunden. Produkte stellen vielmehr Problemlösungen für den Kunden dar, die sich aus der Summe aller Produkteneigenschaften ergibt, welche sich in der Regel aus einer Vielzahl materieller und immaterieller Leistungen (Eigenschaften) zusammensetzen. Dabei sind neben dem Grundnutzen eines Produktes auch symbolische, ästhetische, physikalische Eigenschaften sowie etwaige Zusatznutzen kaufentscheidend. Besonders wegen der zunehmenden Anzahl von Produkten mit in der Regel nahezu austauschbaren Grundnutzen (z. B. Mineralwasser) ist es für die Anbieter wichtig, Produkte über den Zusatznutzen in Form von Services und Dienstleistungen sowie eher psychologisch über den Geltungsnutzen zu differenzieren. Dadurch haben die Marke, das Design und der Service eine zentrale Stellung innerhalb der Gestaltungsmöglichkeiten der Produktpolitik eingenommen. In der Literatur existieren unterschiedliche Klassifikationen des Zusatznutzens, wobei es für die Zwecke dieses Lehrbuchs sinnvoll ist, den Zusatznutzen in Services (Dienstleistungen), Geltungsnutzen und umweltbeeinflussende Aspekte zu unterscheiden:1 • Unter dem Kernnutzen oder Grundnutzen eines Produktes versteht man die (physischen) Eigenschaften, welche benötigt werden, um die rein funktionalen Kundenbedürfnisse zu befriedigen, z. B. Wasser zum Löschen des Durstes. • Services und Dienstleistungen ergänzen den Grundnutzen. Sie sind wichtiger Bestandteil des Gesamtangebotes und beeinflussen die Kaufentscheidung der Kunden. Zu den Services und Dienstleistungen gehören zum Beispiel Garantien, Schulungen, Wartungen, Beratungen oder eine Kunden-Hotline. • Der Geltungsnutzen eines Produktes entsteht über das Image eines Produktes bzw. über die Marke, das Produktdesign und die Verpackung, z. B. bei einem Bier: Image der Marke, Form, Farbe und Design der Flasche.2 • Ferner gewinnen die Umweltaspekte – nicht zuletzt über die Gesetzgebung – zunehmend an Bedeutung. 1 Vgl. Thommen/Achleitner (2009), Teil 2, Kap. 3.1.2.; Homburg/Krohmer (2009), Kap. 9.1.2.; Winkelmann (2008), Kap. 5.2.3. 2 Vgl. zu den Eigenschaften eines Produktes ausführlich Kotler/Armstrong/Saunders/Wong (2010), Kap. 11.2. 1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung 1.1 Produktnutzen Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 8 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 9 1.1 Produktnutzen 9 Die Themen der Gewährleistung und Produkthaftung werden wir unter dem Blickwinkel der rechtlichen Gestaltungsmöglichkeiten betrachten. Rechtlich relativ unproblematisch sind die Value-Added-Services. Es entstehen in diesem Bereich lediglich Fragen der praktischen Umsetzung, wobei wir die Ausgestaltung einer Garantie herausgreifen. Der Schwerpunkt der Darstellung im Teil Produktpolitik liegt auf dem rechtlichen Schutz des Produktdesigns und der Markierung der Waren. Für die Aspekte der Verpackungs- und Geräterücknahme muss auf einschlägige Quellen verwiesen werden.3 1.1.2 Produktnutzen und die besondere Bedeutung der Marke Eine zentrale Bedeutung innerhalb der Produktpolitik hat die Marke, wobei zu berücksichtigen ist, dass das Produktdesign und die Verpackung oft ein ganz wichtiger Bestandteil der Marke sind. Der betriebswirtschaftliche Markenbegriff orientiert sich am Konsumenten. Die Marke wird definiert „… als ein in der Psyche der Konsumenten … fest verankertes, unverwechselbares Vorstellungsbild von einem Produkt oder einer Dienstleistung … . Die zugrundeliegende Leistung wird dabei in einem großen Absatzraum über einen längeren Zeitraum in gleichartigem Auftritt und in gleichbleibender oder verbesserter Qualität angeboten.“4 Insbesondere das Bestreben nach Wachstum und einem großen Absatzraum implizieren, dass das Markenrecht häufig internationale Fragestellungen aufweist. Die Marke als Kennzeichnung kann sich dabei auf ein Unternehmen (Dachmarke, Firmenmarke), ein Produkt (Produktmarke bzw. Monomarke) oder 3 Vgl. Webseiten des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: http://www.bmu.de/allgemein/aktuell/160.php. 4 Vgl. Meffert/Burmann/Kirchgeorg (2008), Kap. 1, 2. • Sachmängelgewährleistung • Produkthaftung Value-Added-Services • Lieferung, Transport und Installation • Reparatur und Kundendienst • Garantie Produktdesign, Verpackung und Markierung • Geschmacksmusterschutz, Urheberrecht • Markenschutz Produktnutzen Rechtliche Fragestellungen Geltungsnutzen (Prestige) Zusatznutzen Grundnutzen • Geräterücknahme: Elektro- und Elektronikgerätegesetz • Verpackungsverordnung Umweltbeeinflussung Abbildung 2 – Produktnutzen Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 10 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 11 1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung10 mehrere Produkte unter gemeinsamen Familiennamen (Familienmarke) beziehen. Häufig entstehen Familienmarken aus erfolgreichen Einzelmarken, wobei die Markendehnung bei Familienmarken oft auch in Bereiche anderer Warengruppen erfolgt. Beispiel: Die Marke „Kinderschokolade“ ist die Familienmarke für „Kinder Happy Hippo“, „Kinder Pingui“, „Kinder Country“ etc. Dabei ist Marke oft weiter zu fassen als nur der Name von Produkten und Unternehmen. Häufig werden Namen typographisch besonders gestaltet oder mit Bildern kombiniert (Wort-/Bildmarke). Auch können z. B. olfaktorische oder akustische Reize Bestandteil einer Marke sein. Marken und die damit verbundenen Produkte und Designs werden von Unternehmen häufig über Jahrzehnte entwickelt. Neben den nachher noch zu betrachteten Produktinnovationen und Produktmodifikationen versteht man im Marketing unter dem Markenaufbau eine Investition in den Markt. So ist eine Marke aus betriebswirtschaftlicher und rechtlicher Sicht ein immaterielles Vermögen, welches zur Wertschöpfung eines Unternehmens in erheblichem Umfang beiträgt. Die Investition in den Aufbau einer Marke oder eines Markenimages lohnt sich für die Unternehmen jedoch nur dann, wenn es sich als Markeninhaber gegen die Gefahren der Verwässerung oder Nachahmung schützen kann.5 Diese Funktion erfüllt das Markenrecht. 1.2 Waren und Dienstleistungen Neben den Bestandteilen ist nach der Art der Produkte zu differenzieren. Bekanntermaßen unterscheidet man Waren von Dienstleistungen und innerhalb der Waren die Investitionsgüter von den Konsumgütern. Abbildung 3 zeigt diese Unterscheidung und ordnet den Bereichen die jeweiligen Vertragstypen des BGB zu. Im Rahmen einer Dienstleistung erbringt ein Dienstleister als natürliche oder juristische Person eine immaterielle Leistung um den Kundenwunsch zu befriedigen, z. B. Haarschnitt, Steuerberatung, Gebäudereinigung. In der Regel ist der Kunde in den Prozess der Dienstleistungserstellung integriert oder zumindest beteiligt. Die Immaterialität führt oft zu Problemen bei der Messung der Qualität einer Dienstleistung. Waren lassen sich je nach Art des Kunden (Endkunde oder Unternehmen, welches die Ware benötigt, um eine nachgelagerte Leistung zu erstellen) in Investitions- und Konsumgüter unterteilen. Ferner ist nach der Nutzungsdauer der Waren zu unterscheiden, insbesondere zwischen Verbrauchs- und Gebrauchsgütern. 5 Vgl. zu den Grundlagen der Markenpolitik ausführlich Meffert/Burmann/Kirchgeorg (2008), Kap. 1. 1.2 Waren und Dienstleistungen Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 10 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 11 1.3 Produktentwicklung 11 Wir werden nachfolgend unseren Fokus auf die Waren richten und die Rechtsfragen des Dienstleistungsmarketings beiseite lassen. Bereits an dieser Stelle bemerken wir, dass für Handels- und Verbrauchsgüterkauf gemeinsam die §§ 433 ff. BGB gelten, jeweils aber zusätzlich besondere Vorschriften zu beachten sind: auf der einen Seite das HGB, auf der anderen Seite die §§ 474 ff. BGB. Der ein oder andere wird diese Unterscheidung und ihre Bedeutung noch aus dem „Grundkurs BGB“, dem „Wirtschaftsprivatrecht 1“ oder einer ähnlich bezeichneten Vorlesung kennen.6 1.3 Produktentwicklung Eine weitere Sichtweise orientiert sich an der Produktentwicklung.7 In den heutigen wettbewerbsintensiven Märkten hat die Produktentwicklung eine enorme Bedeutung bei der Erzielung von Wettbewerbsvorteilen. Die Produktlebenszyklen werden immer kürzer bzw. die Intensität der Veränderung von Produkten nimmt zu, z. B. in der Unterhaltungselektronik oder bei den Speichermedien. 1.3.1 Maßnahmen der Produktpolitik Im Rahmen der Produktpolitik stehen je nach Grad und Art der Veränderung mit • Produktinnovation, • Produktvariation, • Produktdifferenzierung, • Produktdiversifikation, • und Produktelimiation verschiedene Maßnahmen zur Verfügung.8 6 Bitte lesen Sie die Grundlagen in einem Lehrbuch nach, etwa bei Führich (2010), §§ 17, 18, oder bei Lange (2010), §§ 19 I, 31 V. 7 Vgl. Thommen/Achleitner (2009), Kap. 3.4. 8 Zur Produktpolitik ausführlich Hüttel (1998). 1.3 Produktentwicklung Güter/ Waren Dienstleistungen Investitionsgüter Konsumgüter Handelskauf • §§ 433 ff. BGB • §§ 373 ff. HGB Verbrauchsgüterkauf • §§ 433 ff. BGB • §§ 477 ff. BGB • Dienstvertrag: §§ 611 ff. BGB • Werkvertrag: §§ 631 ff. BGB • Geschäftsbesorgungsvertrag: §§ 675 BGB Abbildung 3 – Produktarten Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 12 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 13 1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung12 1.3.1.1 Produktinnovation Unter einer Produktinnovation versteht man die Entwicklung und Einführung eines neuen Produktes. Aufgrund der immer schneller fortschreitenden technischen Entwicklung ist der Begriff Neuheit relativ und hängt insbesondere von der Bewertung der Zielgruppe und vom Grad der Neuheit ab. 1.3.1.2 Produktvariation Eine Produktvariation ist die Veränderung bestimmter Eigenschaften eines bereits am Markt eingeführten Produktes. Dabei bleiben der Grundnutzen und die Zusatznutzen im wesentlichen erhalten. Es erfolgt lediglich die Änderung einer oder mehrerer Eigenschaften oder es wird dem Produkt eine neue Eigenschaft hinzugefügt. Beispiel: Der Autohersteller ändert eine bestehende Eigenschaft, wenn er die PS Zahl eines seiner PKW Modelle erhöht. Er fügt eine neue Eigenschaft hinzu, wenn er das Modell serienmäßig mit Navigationssystem ausstattet. Ziel der Variation ist es, das Produkt ständig an veränderte Verbraucherwünsche anzupassen. Das angebotene Sortiment wird dadurch nicht erweitert, nur das bestehende Produkt wird verändert. 1.3.1.3 Produktdifferenzierung Bei der Produktdifferenzierung wird ein Produkt parallel in verschiedenen Varianten angeboten. Dabei werden bestimmte Eigenschaften des Ursprungsproduktes verändert, um so auf unterschiedliche Zielgruppen und deren teilweise differenzierte Bedürfnisse eingehen zu können. Die Produktvariation findet in unseren heutigen gesättigten Märkten zunehmend in der Reife- und Sättigungsphase des Produktlebenszyklus Anwendung. Dabei veranlasst der Wettbewerbsdruck – verursacht von vielen ähnlichen Konkurrenzangeboten – das eigene Produkt noch spezifischer an die Kundenwünsche anzupassen. Es entstehen Produktvarianten, welche die Bedürfnisse verschiedener Segmente der ursprünglichen Zielgruppe noch besser befriedigen. Beispiel: Bierhersteller bieten neben klassischem Pils auch Radler, alkoholfreies Bier, Light Bier, alkoholfreies Radler etc. an. 1.3.1.4 Produktdiversifikation Die Produktdiversifikation ist eine Erweiterung des bestehenden Sortiments. Dies geschieht zur Risikostreuung und Gewinnung von Wettbewerbsvorteilen. Dabei erweitert ein Unternehmen seine Geschäftsfelder – oft unter der bestehenden Marke – auf weitere Warengruppen. Man unterscheidet nach dem Grad der Entfernung vom bisherigen Geschäftsfeld zwischen folgenden Diversifikationsmöglichkeiten: Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 12 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 13 1.3 Produktentwicklung 13 • Horizontale Diversifikation: An das bisherige Programm werden Produkte angebaut, die in engem Zusammenhang mit den bisherigen Produkten stehen. Beispiel: Ein Automobilhersteller bietet neben der Limousine noch Kleinwagen, Sportwagen, Transporter etc. an. • Vertikale Diversifikation: Übernahme von Leistungen vor- oder nachgelagerter Produktions- oder Vertriebsstufen. Beispiel: Ein PKW Hersteller übernimmt die vorgelagerte Produktion von Navi gationssystemen oder die nachgelagerte Wartung der PKWs. • Laterale Diversifikation: Angebot von für das Unternehmen völlig neuen Produkten oder Leistungen, die mit dem bisherigen Programm in keinem Zusammenhang stehen. Beispiel: Automobilhersteller bietet Software an. 1.3.1.5 Produktelimination Unter Produktelimination versteht man die Herausnahme eines Produktes aus dem Programm des Unternehmens. Die Gründe für eine Elimination können sowohl im Bereich monetärer (z. B. Kosten, Umsatz, Deckungsbeitrag) als auch qualitativer Komponenten (z. B. Image, Störung des Produktionsablaufs) liegen. Besonders bei langlebigen Gebrauchsgütern gehen damit z. B. die Fragen nach Sicherstellung der Ersatzteilversorgung, des Service und der Wartung einher. 1.3.2 Prozess der Produktentwicklung Die Produktentwicklung ist dabei in den Unternehmen in der Regel als Prozess etabliert. Dieser Prozess beginnt mit der Ideenfindung, die z. B. über Marktanalysen, Wettbewerbsbeobachtungen, kreativen Prozessen, Mitarbeiter- und Kundenvorschlägen oder in der Forschung und Entwicklung erfolgt. Erfolgsträchtige Ideen werden oft zunächst als Prototyp im Labor und im Markt getestet und dann mit oft intensiven Marketinganstrengungen im Markt eingeführt. Ebenso wie bei der Marke leistet das Unternehmen bei der Entwicklung, beim Testen und bei der Einführung von Produkten eine oft hohe Investition, die es zu schützen gilt. Ferner ist besonders in der Einführungszeit zu beobachten, dass die Produkte noch mit „Kinderkrankheiten“ behaftet sind.9 Geht man den Stufen des Produktentwicklungsprozesses entlang, taucht eine Reihe von rechtlichen Fragestellungen auf, welche Abbildung 4 im Überblick darstellt. Von den angesprochenen Themen beschäftigen wir uns nur mit der Sachmängelgewährleistung und der Produkthaftung. Insbesondere für die technischen Schutzrechte (Patent und Gebrauchsmuster) sowie das Recht der Arbeitnehmererfindung muss auf die einschlägige Literatur verwiesen werden.10 9 Vgl. zum Prozess der Produktentwicklung ausführlich Herrmann/Huber (2009). 10 Zum Einstieg: Eisenmann/Jautz (2009), 3. und 4. Abschnitt; zur Vertiefung: Haedicke (2009). Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 14 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 15 1. Kapitel: Betriebswirtschaftliche Einführung14 Ideen und Forschung • Arbeitnehmererfindungsgesetz • Betriebliches Vorschlagswesen • Forschungs- und Entwicklungskooperationen: Kartellrecht • Konstruktion: Produkthaftung • Patent- und Gebrauchsmusterrecht • Forschungs- und Entwicklungskooperationen: Kartellrecht • Sachmängelgewährleistung • Produkthaftung: Fabrikation, Instruktion und Produktbeobachtung Rechtliche Fragestellungen Entwicklung Produktion Produktentwicklung Abbildung 4 – Produktentwicklung und Rechtsfragen Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 14 Vahlen – Wirtschaftsrecht – Birk/Löffler – Marketing- und Vertriebsrecht Herstellung: Frau Deuringer 13.03.2012 Imprimatur Seite 15 2. Kapitel: Kaufrecht, Sachmängel und Produkthaftung Lit.: Führich, Wirtschaftsprivatrecht, 10. Aufl., München 2010, Lange, Basiswissen Ziviles Wirtschaftsrecht, 5. Aufl., München 2010; Eisenberg/Gildeggen/Reuter/ Willburger, Produkthaftung, München 2008 Ausgangsfall: Elektromotoren K stellt Elektromotoren her. Sie schloss mit der B einen Kaufvertrag über 20 Gleichstrom Nebenschluss Motoren zum Preis von je EUR  2760,00. Über die Spezifikation der Motoren war u. a. folgendes vereinbart: „Leistung: 6,0 kW; Be triebsart = S 1; Isolation = Klasse B”. Unter der Bezeichnung „Betriebsart S 1“ ist zu verstehen, dass die Maschine Tag und Nacht dauerhaft benutzt werden kann. Dem Kaufvertrag lagen die Allgemeinen Lieferbedingungen der K zugrunde, die zur Gewährleistung u. a. folgendes bestimmten: „Für Mängel, zu denen auch das Fehlen zugesicherter Eigenschaften gehört, haftet der Lieferer unter Ausschluß weiterer Ansprüche gegen ihn … wie folgt: (1) Alle diejenigen Teile sind nach Wahl des Lieferers unentgeltlich auszubessern oder neu zu liefern, die innerhalb von 12 Monaten – ohne Rücksicht auf Betriebs dauer – vom Tage des Gefahrübergangs gerechnet, nachweisbar infolge eines vor dem Gefahrübergang liegenden Umstandes … unbrauchbar werden oder deren Brauchbarkeit erheblich beeinträchtigt wurde … (4) Wenn der Lieferer eine ihm gestellte angemessene Nachfrist verstreichen läßt, ohne den Mangel zu beheben, so kann der Besteller das Recht der Minderung geltend machen. Kommt zwischen Besteller und Lieferer eine Einigung über das Ausmaß der Minderung nicht zustande, so kann der Besteller auch vom Vertrag zurücktreten. Der Rücktritt kann vom Besteller nur erklärt werden, wenn sein Interesse an der Lieferung durch den Mangel wesentlich beeinträchtigt oder vernichtet wird.“ Die Motoren wurden in der Zeit zwischen dem 21.11. und dem 03.12. an die B ausgeliefert. Die B baute sie ihrerseits in Aggregate ein, die für den Antrieb von Maschinen zur Zigarettenherstellung bestimmt waren. Nach der Auslieferung an die Kunden stellte sich beim Betrieb der Motoren heraus, dass diese bei üblicher Belastung heißlaufen. Diesen Umstand teilte B dem K mit. Die B musste wie derholt die Motoren bei ihren Kunden reparieren und schließlich durch andere ersetzen. B trat daraufhin vom Vertrag zurück und verlangt Rückzahlung des Kaufpreises sowie Schadensersatz. K weist diese Ansprüche zurück. Nach den AGB sei der Rücktritt nur möglich, wenn die Nachbesserung fehlschlägt und eine Einigung über die Minderung nicht zustande kommt. Der Anspruch auf Schadensersatz sei durch die AGB ausgeschlossen. Im übrigen habe B nicht rechtzeitig den Mangel gerügt. (nach BGH, 25.02.1981 – VIII ZR 35/80, NJW 1981, 1501) 2. Kapitel: Kaufrecht, Sachmängel und Produkthaftung

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Alles zum Marketing- und Vertriebsrecht.

Birk/Löffler, Marketing- und Vertriebsrecht

2012.

ISBN 978-3-8006-4268-7

Marketing- und Vertriebsrecht

Die aktuellen Rechtsfragen des Marketing- und Vertriebsrechts werden aus betriebswirtschaftlicher Sicht geklärt und umsetzbare Lösungen vorgestellt.

Die Schwerpunkte zum Marketing- und Vertriebsrecht

* Kaufrecht und Produkthaftung

* Produkt und Verpackung

* Markenrecht

* Unlauterer Wettbewerb

* Internationales Wettbewerbsrecht

* Koordination der Preisgestaltung

* Grenzen autonomer Preisgestaltung

* Preisdurchsetzung

* Vertrieb über externe Vertriebsorgane

* Direktvertrieb

* Problematische Vertriebspraktiken

* Internationales Vertriebsrecht

* Datenschutzrecht

* Datenschutz im Marketing.