5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick in:

Kurt-Wolfgang Koeder

Studienmethodik, page 67 - 70

Selbstmanagement für Studienanfänger

5. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4266-3, ISBN online: 978-3-8006-4267-0, https://doi.org/10.15358/9783800642670_67

Series: WiSt-Taschenbücher

Bibliographic information
Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick 53 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick Welche Faktoren sind nun für die Aufnahme eines Studiums (Studienwahlmotive) und letztendlich für den Studienerfolg ausschlaggebend? Das Studienverhalten und damit der Studienerfolg wird – und dies zeigen verschiedene empirische Untersuchungen sowie zahlreiche Diskussionen mit Studierenden in den letzten Jahren – von der Leistungsfähigkeit (intrinsische Faktoren) bestimmt, die die unterschiedlichen Eigenschaften des Studierenden zum Ausdruck (z. B. Interesse, Neigung und Eignung) bringt, und von der Leistungsbereitschaft (extrinsische Faktoren), deren Ursprung primär im Umfeld des Studierenden liegt.1 Intrinisische Faktoren sind von Ihnen als Studierende eingebrachte Faktoren, die vor allem auf Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zurückzuführen sind, auf Faktoren, die sich während der Sozialisationsphase entwickelt haben und angeboren sind (Erbfaktoren). Der Studienerfolg ist aber auch determiniert durch Faktoren, die „äußerer Art“ sind, wie z. B. die Art und Komplexität der im Studium zu erfüllenden Aufgaben, die arbeits- und lernmethodische Vorgehensweise, die Professoren, die Studienverwertbarkeit und vieles mehr (siehe Abb. 8). Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang auch die Hochschulatmosphäre und das dort herrschende Studien- und Lernklima. Studierende brauchen ein Klima geistiger Leidenschaft, intellektuelle Anstrengung sollte als positiv empfunden werden. Zum Bildungsauftrag der Hochschulen muss auch zählen, Grübler zu fördern, unorthodoxe Denker zu unterstützen und mentale Quertreiber zu belobigen. Studienfördernd wirken eine produktive, anstachelnde geistige Atmosphäre und ein kreatives Umfeld. Da die Hochschulen keine planbaren Karrieren bieten können, sollte den jungen Leuten vor allem der Glaube an ihre geistigen Kräfte mitgegeben werden, das Vertrauen in selbstkritische Vernunft, die Lust am Denken. Treffend bezeichnete eine Harvard-Studentin in ihrer jugendlichen Ausdrucksweise den Geist von Cambridge: Wer klug ist, der ist cool, und Nachdenken ist sexy. _________________________________________________________________ 1 Vgl. hierzu auch: Schiefele, U./Köller, O.: Intrinsische und extrinsische Motivation, in: Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, Weinheim 2001 S. 304– 310. D ruckerei C . H . B eck K oeder: Studienm ethodik (W iSt-Taschenbuch) ..................................... M edien m it Zukunft R evision, 06.02.2012 54 5. Stu d ien erfo lg sab h än g ig e Fakto ren – ein Ü b erb lick S_0054_quer einfügen Einige Bestimmungsfaktoren des Studienerfolges Leistungsfähigkeit (intrinsische Faktoren) z. B. •Erbfaktoren • Kenntnisse (z. B. schulische Vorbildung, Berufserfahrung, Sprachkenntnisse) • Fähigkeiten z. B. – geistige (logisches Denken, Kreativität, Konzentrationsfähigkeit) – soziale (z. B. Teamfähigkeit) • Fertigkeiten (z. B. handwerkliches Geschick) • Erfolgswille, Ehrgeiz, Durchhaltevermögen, Ausdauer • Flow-Erlebnisse (Erfolg) Leistungsbereitschaft (extrinsische Faktoren) z. B. • Art und Komplexität der Studienaufgaben und des Studienfaches • Arbeits- und Lernmethodik, Studienmethodik • Identifikation mit dem Studienfach und dem Hochschulort (z. B. Nähe/Ferne zum Heimatort, landschaftlich attraktiv mit interessanten Freizeitmöglichkeiten, günstige Lebensbedingungen) • Dozent/in (Lehrstil, Lehrform) • Verwertbarkeit des Studiums • Hochschulatmosphäre und -klima • familiäre Unterstützung und finanzielle Sicherheit • Freunde, Bekannte, soziales/gesellschaftliches Umfeld • Studieneinstellung (Wertsystem), Image eines Studiums (akademische Ausbildung) Abb. 8: Determinanten des Studienverhaltens Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick 55 Zu den studienerfolgsabhängigen Faktoren zählt auch die Realisierung von Hochschulwahlmotiven wie z. B. Nähe der Hochschule zum Heimatort, landschaftlich attraktiver Hochschulort mit interessanten Freizeitmöglichkeiten, günstige Lebensbedingungen am Hochschulort. Wichtig sein können in diesem Zusammenhang auch vorhandene private Bindungen und Beziehungen (Familie, Freunde, Bekannte) sowie ein intaktes gesellschaftliches Umfeld (z. B. Vereine). Ein Hauptproblem besteht bei Studierenden im Studium oft darin, die Lernarbeit so zu koordinieren, dass sich ein entsprechender Erfolg (bestandene Klausur, Prüfung) einstellen kann. Betrachten wir nun diese Situation näher, so fällt auf, wie defizitär das studentische Wissen ist, die eigene Lernarbeit zu systematisieren und zu koordinieren, um somit zu effektiverem Studieren/Lernen zu kommen. Aus diesem Grund ist es wichtig, im Folgekapitel einige lernpsychologische Anregungen und lernstrategische Denk- und Handlungsweisen anzusprechen, die Sie in die Lage versetzen, mehr Kraft, Zeit und Motivation beim Lernen/Studieren zu gewinnen, um erfolgreich zu sein. Wie sagt schon ein altes Sprichwort „Der beste Lehrmeister ist der Erfolg, der schlechteste die Angst.“ Effektiveres Lernen stellt sich immer dann ein, wenn die vorhandene menschliche Lernenergie in vollem Maße genutzt und für anstehende Lernprozesse gewonnen wird. Die aus lernwissenschaftlichen Forschungsarbeiten gewonnenen Erkenntnisse2 belegen, dass es darauf ankommt, lernstrategisch sinnvolles Lernverhalten zu entwickeln und zu praktizieren. Dabei stellt sich eine effektive Lernstrategie als grundsätzliche Verhaltensweise dar, in der lernbiologische Erkenntnisse unter Einbeziehung lernpsychologischer, lernfördernder Faktoren für die eigene Lernarbeit genutzt werden. Das Studieren/Lernen fällt daher leichter, und die Lernergebnisse werden durch optimale Nutzung der Lernenergien entscheidend besser. So sorgte F. Vester, Biochemiker und Mediziner, bereits in den 70er und 80er Jahren mit dem Begriff des „vernetzten Denkens“3 für Aufsehen. Vernetztes Denken bedeutet für ihn eine Absage an das lineare Denken in den Kategorien von Ursache und Wirkung. Dieses kann zwar technische Probleme lösen, beachtet aber nicht Nebenwirkungen, die aus den Problemlösungen resultieren können. Um komplexe Systeme zu begreifen und auch zu _________________________________________________________________ 2 Vgl. Vester, F.: Denken, lernen, vergessen, München 2009, S. 13 ff. 3 Vgl. Vester, F.: Das kybernetische Zeitalter. Neue Dimensionen des Denkens, Frankfurt 1974 und Neuland des Denkens. Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter, München 1997. Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 56 5. Studienerfolgsabhängige Faktoren – ein Überblick gestalten, wird ein Denken und somit ein Lernen gefordert, das die Wechselwirkungen und Regelkreise innerhalb derartiger Systeme mitreflektiert.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Anregungen und Hilfestellungen für den Start ins Studium

- Studienformen, -möglichkeiten, Lehr- und Lernformen, Lernpsychologie

- Mehr Zeit, Motivation und Energie fürs Lernen

"Die Weisheit besteht darin, dass man gelernt hat zu lernen." (B. Brecht)

Zum Werk

Das Buch hilft, Startschwierigkeiten bei Beginn des Studiums zu beseitigen und gibt einen Überblick über die "soft skills":

- Vom schulischen Lernen zum Studieren

- Studienformen

- Bachelor- und Masterstudiengänge als Alternative zum Diplom

- Lehr- und Lernformen in der Hochschulausbildung

- Lernpsychologie, Studien- und Arbeitsmethodik

- Selbststudium als Form der inhaltlichen Vertiefung

- Zuhören, Mitschreiben und Lesen

- Klausuren, Hausarbeiten, Referate, Prüfungen, Präsentationen

- Organisation des Selbststudiums

- Denkrichtungen wissenschaftlicher Disziplinen

Autor

Dr. Kurt-Wolfgang Koeder ist Professor für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt HR-Management an der University of Applied Science, Mainz.

Zielgruppe

Für Schüler sowie Studierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen.