1. Vom schulischen Lernen zum Studieren in:

Kurt-Wolfgang Koeder

Studienmethodik, page 20 - 24

Selbstmanagement für Studienanfänger

5. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4266-3, ISBN online: 978-3-8006-4267-0, https://doi.org/10.15358/9783800642670_20

Series: WiSt-Taschenbücher

Bibliographic information
Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren 3 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren Wir leben in einer Zeit der Globalisierung, Internationalisierung und des schnellen Wandels, sowohl gesellschaftlich, wirtschaftlich als auch technologisch. Dies gilt vor allem für das Berufsleben. Der rasche Informationsverschleiß führt dazu, dass Berufswissen bereits nach fünf Jahren, Computerwissen in manchen Bereichen sogar nach einem Jahr veraltet ist. Alle fünf Jahre verdoppelt sich das verfügbare Wissen. Eine solide Ausbildung und ständige Weiterbildung sind daher das Gebot unserer Zeit. Das bedeutet für jeden, der für die zukünftigen beruflichen Aufgaben gut gerüstet sein will, lebenslanges Lernen. So kommt der Bildung für unsere Zeit die gleiche Bedeutung zu, die die soziale Frage im 19. Jahrhundert besessen hat. Dieser Satz von Ludwig Erhard, dem Vater der sozialen Marktwirtschaft, ist zwar schon über 40 Jahre alt, aber er ist gerade heute von brennender Aktualität. Bildung und Wissen, Ideen, Innovationen, Kreativität und Informiertheit sind zu entscheidenden Standortfaktoren geworden. Wissenserzeugung, Wissensvermittlung und Wissensverwendung bestimmen die globale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes ebenso wie die beruflichen Chancen jedes einzelnen. Eine umfassend fundierte Ausbildung und lebenslange Weiterbildung sind die Grundlagen dafür. Jeder muss sie in seinem Lebenszyklus für sich neu gewichten; dies trifft jetzt auch auf Ihr Studium zu. Hinter dem lateinischen Wort „studere“ steckt soviel wie sich bemühen, sich anstrengen. Lernen in der Hochschule bzw. Studieren kann daher definiert werden als sich um Wissen bemühen, unter Verwendung wissenschaftlicher Instrumente und Methoden. Für Sie als Studienanfänger ist es wichtig, dass Sie recht schnell das schulische Lernen, das für den bisherigen Wissenserwerb Anwendung fand, ergänzen bzw. weiterentwickeln. Darin liegt kein Werturteil gegen irgendein Unterrichtsverfahren bzw. eine Unterrichtsmethode. Verschiedene Lehr- und Lernmethoden, die dem schulischen, klassenmäßigen Unterricht angemessen waren, werden im Studium von anderen Methoden der Wissensaneignung abgelöst bzw. um andere ergänzt. Während schulisches Lernen noch durch die lenkende Hand des Lehrers gekennzeichnet ist, müssen Sie als Studierende auf diese im Großen Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 4 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren und Ganzen verzichten. Studienplan und -tempo sowie die Organisation des Lernens/Studierens liegen jetzt in den Händen jedes einzelnen Studierenden. Zu bisher vorgegebenen Lernzielen und dem Lehrbuch treten nun Vorschläge bzw. Empfehlungen einer Vielzahl von Fachbüchern und Ergänzungsliteratur (z. B. Aufsätze in Fachzeitschriften). Vorlesungen, Übungen, Optionen oder Seminare verlangen die gesamte Aufmerksamkeit jedes einzelnen Studierenden. Während schulisches Lernen unter dem Primat methodischer (z. B. Anschaulichkeit mittels Tafelbild) und insbesondere pädagogisch-psychologischer, der Entwicklung der Schüler angepasster Prinzipien steht, zählen im Studium didaktische (inhaltliche) vor methodisch-pädagogischen Überlegungen. Zu den wichtigsten Aufgaben eines Studierenden gehören während der Lehrveranstaltungen das Zuhören, das Überdenken und das Strukturieren des Gehörten sowie anschließendes Mitschreiben und nach den Veranstaltungen das Selbststudium mit viel Lesen (kritische Auseinandersetzung mit einer Vielzahl von Meinungen). Darüber hinaus wird der Stand des Lernfortschrittes nicht mehr von Stunde zu Stunde oder von Woche zu Woche überprüft, sondern am Ende eines Semesters oder Studienjahres. Dieser Tatbestand und der fehlende Zwang, Lehrveranstaltungen besuchen zu müssen (individuelle Gestaltung des Studienplanes), führt oftmals zu der großen Versuchung, das Studium in den ersten Semestern etwas langsamer angehen zu lassen. Daher erfordert gerade das Studium anfangs, beeinflusst durch eine gewisse Schulmüdigkeit, mehr Selbstkontrolle und Selbstdisziplin vom Einzelnen. Der Studierende muss sich jetzt seine „Hausaufgaben“ selbst stellen und seinen Lernfortschritt selbst kontrollieren. Studieren bedeutet nicht nur, Vorlesungen, Übungen und Seminare besuchen, der Studienerfolg hängt in erhöhtem Maße auch von der Selbststudienphase, vom Workload ab. Daneben bietet ein Studium natürlich auch gewisse Erleichterungen/ Vereinfachungen gegenüber der Schule insofern, dass verschiedene Fächer, insbesondere allgemeinbildender Art, wegfallen, die für ein bestimmtes Fachstudium nicht mehr erforderlich sind. So können Sie sich als Studierende auf wenige ausgewählte Fachgebiete konzentrieren, dafür aber mit stärkerem inhaltlichen Tiefgang. Ferner bietet jedes Studium im Rahmen des Wahlpflichtfachangebotes/der Nebenfächer und angebotenen Optionen die Möglichkeit, Zusatzfächer nach individuellen Neigungen und Interessen oder beruflicher Verwertbarkeit zu belegen. Zur frühzeitigen Vorbereitung der oftmals zum Ende des Semesters geforderten Leistungsnachweise (Klausuren, Hausarbeiten, Präsentationen) ist es wichtig, besondere Aufmerksamkeit schon frühzeitig dem Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren 5 systematischen Erschließen und Lernen des angebotenen bzw. geforderten Wissens zu widmen. Als sehr angenehm empfundene „Randerscheinung“ des Studierens wird die insgesamt etwa fünf Monate dauernde vorlesungsfreie Zeit, fälschlicherweise meist Semesterferien genannt, gesehen. So sollten Sie sich als Studierende zwar nach einem arbeitsreichen Semester erholsamen Urlaub gönnen, aber immer daran denken, dass diese Zeit verstärkt zu Selbststudienzwecken, zur Vorbereitung von Studienveranstaltungen im Folgesemester (z. B. Erstellung einer Hausarbeit) und auch zur Durchführung von z. B. Sprachkursen im Ausland, Betriebspraktika etc. genutzt werden sollte, wobei Personalabteilungen von Unternehmen in letzterem zielorientiertes Studieren sehen, nicht nur im Bereich wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge. Einige signifikante Unterschiede zwischen der Schulzeit und dem Studium zusammenfassend: • Didaktik (Inhalt) steht vor dem pädagogisch-erzieherischen Aspekt • Lernfortschrittsprüfungen am Ende des Semesters (Leistungsnachweis z. B. in Form einer Klausur, einer Hausarbeit, einer Präsentation oder einer mündlichen Prüfung) • Keine Hausaufgaben, keine Tests zwischendurch – Selbstkontrolle des Lernfortschrittes • „lockerer Zwang“ – meist keine Anwesenheitspflicht – Vorlesungen besuchen zu müssen • Nennung einer Vielzahl von Fachliteraturvorgaben für jedes einzelne Fach • Selbstbestimmung der Selbstlernphasen, intensives Selbststudium • Keine fixe Klassenstruktur, Professoren/Lehrbeauftragte wechseln i. d. R. jedes Semester • Studierende sind für die Organisation des Studiums und für die Beschaffung der notwendigen Studieninformationen und -unterlagen wie z. B. die Prüfungsordnung selbst verantwortlich • Professoren/Lehrbeauftragte kennen die Studierenden meist nicht namentlich; wenige persönliche Kontakte Noch bevor Sie an den ersten Vorlesungen teilgenommen haben und die erste Klausur ablegen, kommt eine sehr große Herausforderung auf Sie zu, die Selbstorganisation, d. h. sich möglichst gut zu organisieren und zu steuern. Ihr Studium beginnt bereits vor dem offiziellen Semesterbeginn. Holen Sie sich frühzeitig wichtige Informationen zum Studium, sei es über Kommilitonen höherer Semester, die Studienberatung, Internetinfor- Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 6 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren mationen u. v. m. Kümmern Sie sich frühzeitig um die Planung des ersten Semesters. Lesen Sie z. B. sehr aufmerksam die Prüfungsordnung und die darin geforderten Leistungsnachweise für die einzelnen Semester. Sie sind zukünftig für Ihren Studienverlauf selbst verantwortlich und müssen Ihren persönlichen Studien- und Arbeitsplan erstellen. Meist sind Sie zu Beginn des Studiums voller Tatendrang und Motivation. Überladen Sie sich trotzdem nicht im ersten Semester. Konzentrieren Sie sich auf ausgewählte Lehrveranstaltungen und bereiten Sie sich gezielt auf die Prüfungen vor. Denken Sie an den Grundsatz „aus weniger mach mehr“, d. h. lernen Sie nicht für zu viele Prüfungen, fehlende Vorbereitungszeit führt häufig zum Scheitern. Sollten Ihre Noten im ersten Semester nicht mit Ihren Erwartungen korrespondieren, verzagen Sie nicht. Viele Studienanfänger benötigen Zeit, sich auf den Hochschulbetrieb einstellen zu können, auf die Menge an Lehrstoff, auf die Vielzahl der zu lesenden Publikationen, auf den fehlenden Klassenverband (Großraumvorlesungen), auf die Anonymität in der Masse, auf das Studienleben insgesamt. Versuchen Sie möglichst frühzeitig Kontakte zu Kommilitonen Ihres Semesters zu knüpfen, bilden Sie Lerngruppen, denken Sie an den Grundsatz: Gemeinsam statt einsam. Erste wichtige Studienaufgaben lassen sich zum Studienstart wie folgt systematisieren: Semestervorbereitende Tätigkeiten Arbeiten studienorganisatorischer Art, wie Vorbereitung des häuslichen Arbeitsplatzes und der Arbeitsmittel (z. B. Literatur), Time-Management für z. B. wichtige Prüfungstermine und studienplanerischer Art wie Zusammenstellung der zu besuchenden Lehrveranstaltungen (lt. Prüfungsordnung), Lerngruppenorganisation etc. Tätigkeiten im laufenden Semester • Aufnahme von Stoffinhalten Zuhören und Mitschreiben in Lehrveranstaltungen wie Seminaren, Vorlesungen und Übungen Druckerei C. H . Beck Koeder: Studienmethodik (WiSt-Taschenbuch) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Medien mit Zukunft Revision, 06.02.2012 1. Vom schulischen Lernen zum Studieren 7 • Verarbeitung von Fachliteratur Lesen (unter Berücksichtigung von Lesehilfen wie Exzerpten und Markierungen) • Anwenden und Weitergabe von Wissensstoff Schreiben von Klausuren, Hausarbeiten, Referaten; mündliche und schriftliche Prüfungen • Organisation des Selbststudiums Lernen/Studieren in Bibliotheken und am häuslichen Arbeitsplatz, Lernen mit anderen zusammen (Lerngruppe) Tätigkeiten in der vorlesungsfreien Zeit z. B. Durchführung von Praktika, Aus- übung einer Berufstätigkeit (Urlaubsvertretung), Sprachkurs im Ausland, Selbststudium, Erstellung von Hausarbeiten etc. Insgesamt gesehen, bedeutet Studieren das sich Qualifizieren für eine vielfältige und interessante spätere berufliche Tätigkeit, sicherlich ein Weg mit vielen Höhen und Tiefen. Ferner ist es Aufgabe eines Studiums, das Bewusstsein bei den Studierenden für die Notwendigkeit lebenslangen Lernens zu schaffen. Denn diese methodische Fähigkeit ist bleibend und wird somit zum „Schlüssel“, um die sich ständig ändernden fachlichen Qualifikationen immer wieder aktualisieren zu können. Eine tragende Säule im späteren Berufsleben ist es, sich seiner geistigen Fähigkeiten zu bedienen und die Lernfähigkeit sowie -bereitschaft zu bewahren. Der Weg zu den Gipfeln einer beruflichen Karriere in Wissenschaft und Praxis ist sehr schmal, oftmals dornig und entbehrungsreich. Unterschätzen sollte man diesen nicht, sich aber auch nicht seinen Optimismus nehmen lassen. Einige studienbegleitende Handreichungen, die zunächst noch nicht zu den Gipfeln, sondern zu den Hügeln einer Fachdisziplin/Wissenschaft führen, werden in den Folgekapiteln beschrieben, wobei Sie vorab mit einigen in der Bundesrepublik bestehenden Studienformen sowie mit in der Hochschulausbildung praktizierten Lehr- und Lernformen konfrontiert werden.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Vorteile

- Anregungen und Hilfestellungen für den Start ins Studium

- Studienformen, -möglichkeiten, Lehr- und Lernformen, Lernpsychologie

- Mehr Zeit, Motivation und Energie fürs Lernen

"Die Weisheit besteht darin, dass man gelernt hat zu lernen." (B. Brecht)

Zum Werk

Das Buch hilft, Startschwierigkeiten bei Beginn des Studiums zu beseitigen und gibt einen Überblick über die "soft skills":

- Vom schulischen Lernen zum Studieren

- Studienformen

- Bachelor- und Masterstudiengänge als Alternative zum Diplom

- Lehr- und Lernformen in der Hochschulausbildung

- Lernpsychologie, Studien- und Arbeitsmethodik

- Selbststudium als Form der inhaltlichen Vertiefung

- Zuhören, Mitschreiben und Lesen

- Klausuren, Hausarbeiten, Referate, Prüfungen, Präsentationen

- Organisation des Selbststudiums

- Denkrichtungen wissenschaftlicher Disziplinen

Autor

Dr. Kurt-Wolfgang Koeder ist Professor für Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt HR-Management an der University of Applied Science, Mainz.

Zielgruppe

Für Schüler sowie Studierende aller Fachrichtungen an Universitäten und Fachhochschulen.