2 Die Zahlungsbilanz als Indikator der Außenwirtschaftspolitik in:

Wolfgang Maennig

Außenwirtschaft, page 14 - 74

Theorie und Politik

2. Edition 2013, ISBN print: 978-3-8006-4262-5, ISBN online: 978-3-8006-4263-2, https://doi.org/10.15358/9783800642632_14

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Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 7 2Die Zahlungsbilanz als Indikator der Außenwirtschaftspolitik 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator Kapitelübersicht 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 8 2.1.1 Kontenmäßige Gliederung der Zahlungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . 9 2.1.2 Teilbilanzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2.1.2.1 Handelsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 10 2.1.2.2 Dienstleistungsbilanz. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 12 2.1.2.3 Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen . . . . . . . . . . . . . 15 2.1.2.4 Laufende Übertragungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 16 2.1.2.5 Außenbeitrag und Leistungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17 2.1.2.6 Bilanz der Vermögensübertragungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 2.1.2.7 Kapitalverkehrsbilanz und „Devisenbilanz“ . . . . . . . . . . . . . . . . . 19 2.1.2.8 „Restposten“ . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 21 2.1.3 Saldenmechanik und typische Strukturen der Zahlungsbilanz. . . . 22 2.1.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 2.2.1 Konstanz der Devisenreserven. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24 2.2.2 Außenbeitrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25 2.2.3 Leistungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26 2.2.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 31 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich: Möglichkeiten und Grenzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 32 2.3.1 Devisenmärkte, flexible und feste Wechselkurse . . . . . . . . . . . . . . . . 32 2.3.2 Zahlungsbilanzausgleich bei flexiblen Wechselkursen – Der Wechselkursmechanismus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35 2.3.2.1 Wechselkursmechanismus und Inflation . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 36 2.3.2.2 Wechselkursmechanismus und Spekulation . . . . . . . . . . . . . . . . . 38 2.3.2.3 Anomale Reaktion des Devisenangebotes . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 39 2.3.3 Zahlungsbilanzausgleich bei festen Wechselkursen. . . . . . . . . . . . . . 41 2.3.3.1 Paritätsänderungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 43 2.3.3.1.1 Importwert in Inlandswährung bei Abwertung . . . . . . . . . . . 44 2.3.3.1.2 Exportwert in Inlandswährung bei Abwertung . . . . . . . . . . . 46 2.3.3.1.3 Formale Bedingungen für eine normale Reaktion der Zahlungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 47 2.3.3.1.4 Wirkungen aufgrund von Paritätsänderungen: Bestehende Leistungsbilanzsalden und deren Denominierung . . . . . . . . . 49 2.3.3.1.5 Grenzen der Elastizitätsanalyse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 51 Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 8 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator8 Die Zahlungsbilanz ist eines der zentralen Analysekriterien der Außenwirtschaftstheorie und -politik. Sie erfasst alle wirtschaftlichen Transaktionen zwischen In- und Ausländern. Da zwischen der Struktur der Zahlungsbilanz und anderen makroökonomischen Größen wie Volkseinkommen, Preisen und Wechselkursen enge Wechselbeziehungen bestehen, ist die Zahlungsbilanz insbesondere dann von öffentlichem Interesse, wenn die Handels- und Kreditbeziehungen des Inlandes mit dem Ausland vom „Normalen“ abweichen. Im Folgenden werden zunächst der Aufbau der Zahlungsbilanz und die Grundzüge der Buchungsmethodik beschrieben. Anschließend wird auf die Ursachen und Folgen von Zahlungsbilanzungleichgewichten eingegangen, um zu überprüfen, inwieweit derartige Ungleichgewichte tatsächlich problematisch sind. Die damit implizit begonnene Diskussion, ob bestimmte Zahlungsbilanzsituationen einen Anlass für Änderungen der (Außen-)Wirtschaftspolitik eines Landes bieten, wird im abschließenden Abschnitt über Möglichkeiten und Grenzen eines automatischen Zahlungsbilanzausgleichs vertieft. 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz Die Zahlungsbilanz eines Landes ist die Zusammenstellung aller wirtschaftlichen Transaktionen, die sich innerhalb einer bestimmten Periode zwischen Inländern und Ausländern vollzogen haben. Die Zahlungsbilanz basiert auf statistischen Daten der Vergangenheit und ist eine ex-post-Rechnung. Ferner enthält sie Wertangaben von Transaktionen, die während eines Zeitraumes stattgefunden haben und ist damit eine Stromgrö- ßenrechnung. Der Begriff „Zahlungsbilanz“ ist also zweifach problematisch: Erstens werden auch Transaktionen erfasst, denen keine Zahlungsströme zugrunde liegen, wie z. B. Warenschenkungen von In- an Ausländer. Zweitens handelt es sich nicht um eine „Bilanz“ im Sinne des betrieblichen Rechnungswesens, wo sich dieser Begriff eindeutig auf eine Bestandsrechnung bezieht. Die Zahlungsbilanz ist ein Abbild der wirtschaftlichen Verflechtung einer Volkswirtschaft mit dem Ausland. Bei entsprechend starker Untergliederung spiegelt sie nicht nur den Umfang, sondern auch die Struktur der Wirtschafts- 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 2.3.3.2 Preise und Zahlungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 54 2.3.3.3 Einkommen und Zahlungsbilanz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 56 2.3.3.4 Die Transfertheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 57 2.3.4 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 60 Anhang A2: Ableitung von Bedingungen für eine normale Reaktion der Leistungsbilanz auf Wechselkursänderungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 62 Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 9 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 9 beziehungen in sachlicher und regionaler Hinsicht wider. Für die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger hat sie zunächst diagnostischen Wert, indem sie über den Status quo Auskunft gibt. Darüber hinaus lassen sich durch den Vergleich mit zurückliegenden Bilanzen Veränderungen erkennen und möglicherweise Entwicklungstrends identifizieren. Die Zahlungsbilanzstatistik unterscheidet zwischen Inländern und Ausländern nach dem Wohnsitzprinzip. Alle Wirtschaftssubjekte, die ihren festen und dauerhaften Wohnsitz im Inland haben, gelten in der Zahlungsbilanzstatistik als Inländer. Auch Arbeitskräfte ausländischer Nationalität (z. B. Gastarbeiter) gelten als Inländer.1 Damit wird deutlich, dass Transaktionen, die von der Zahlungsbilanz erfasst werden, zwar in der Regel, aber nicht notwendigerweise „grenzüberschreitend“ sind. Der Ankauf eines ausländischen Unternehmens oder einer Immobilie durch ein inländisches Wirtschaftssubjekt bei gleichzeitiger Finanzierung im Ausland hat beispielsweise keinerlei grenzüberschreitende Waren- oder Kapitalströme zur Folge und wird dennoch in der Zahlungsbilanz erfasst. Ähnliche Konstellationen sind auch bei Geschäften möglich, die sich ausschließlich im Inland abspielen. 2.1.1 Kontenmäßige Gliederung der Zahlungsbilanz Die Zahlungsbilanz ist ein aus Teilbilanzen bestehendes Kontensystem. Jede Teilbilanz enthält eine bestimmte Kategorie von außenwirtschaftlichen Transaktionen. Die Verbuchung eines jeden Vorgangs erfolgt nach den Grundsätzen der doppelten Buchführung, d. h. durch Buchung und Gegenbuchung, so dass das Kontensystem jederzeit ausgeglichen ist. Gliederungskriterium bei der Unterteilung der Zahlungsbilanz in Teilbilanzen ist zunächst die Art der Transaktion. Grob ergibt sich zunächst eine Unterteilung in die Leistungsbilanz, die Bilanz der Vermögensübertragungen sowie die Kapitalverkehrs- und Devisenbilanz.2 Die Leistungsbilanz selbst lässt sich in weitere Teilbilanzen untergliedern. Zunächst enthält sie die Handelsbilanz, welche die Warenexporte und -importe erfasst, sowie die Dienstleistungsbilanz, in der die Exporte und Importe von Dienstleistungen registriert werden. Eine weitere eigenständige Kategorie der Leistungsbilanz bilden die aus dem Ausland empfangenen bzw. an das Ausland geleisteten Erwerbs- und Vermögenseinkommen. Den letzten Posten der Leistungsbilanz bilden schließlich die empfangenen bzw. geleisteten laufenden Übertragungen, worunter man grob unentgeltliche Waren- und Geldleistungen (Schenkungen) versteht. Neben diesen laufenden Übertragungen, die der Leistungsbilanz zugerechnet werden, gibt es weiterhin die nicht zur Leistungsbilanz zählende Bilanz 1 Angehörige ausländischer Vertretungen, internationaler Institutionen oder ausländischer Streitkräfte werden hingegen als Ausländer betrachtet. 2 Anstelle des Begriffes „Kapitalverkehrsbilanz“ wird synonym häufig der verkürzte Ausdruck „Kapitalbilanz“ verwendet. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 10 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator10 der Vermögensübertragungen. Auf den Unterschied zwischen laufenden und Vermögensübertragungen wird ausführlicher in den Abschnitten 2.1.2.3 und 2.1.2.4 eingegangen. In der Kapitalverkehrsbilanz wird der Kapitalverkehr zwischen Inländern und Ausländern aufgenommen. Zur Erhöhung der Aussagekraft werden die Kapitalbewegungen weiter untergliedert in Direktinvestitionen, Wertpapieranlagen, Kreditverkehr und sonstige Transaktionen (vgl. Abschnitt 2.1.2.7). In der Kapitalverkehrsbilanz werden ebenfalls die Veränderungen der Währungsreserven der Zentralbank (zu Transaktionszwecken) verbucht, weil auch hier Forderungen und Verbindlichkeiten von Inländern gegenüber Ausländern erfasst werden. Teilweise wird von einer solchen Betrachtungsweise abgewichen, weil sich die Beweggründe der Entscheidungsträger und ihrer Transaktionen bei einer Zentralbank von denen anderer Wirtschaftssubjekte unterscheiden. Eine Zentralbank hat als Hauptziel die Währungsstabilität und ihre Handlungen sind zumindest zum Teil darauf gerichtet, die Zahlungsbilanz bzw. ihre Determinanten explizit zu beeinflussen. Die korrekte Verbuchung eines außenwirtschaftlichen Vorgangs in der Zahlungsbilanz bereitet häufig Schwierigkeiten. Als vereinfachende Faustregel kann von folgendem ausgegangen werden: Vorgänge, die zu Zahlungseingängen führen oder führen könnten, werden auf der Aktivseite verbucht. Die Verbuchung von Vorgängen, die zu Zahlungsausgängen führen oder führen könnten, erfolgt hingegen auf der Passivseite. In Anlehnung an die Terminologie des betrieblichen Rechnungswesens werden die linke Kontenseite als Aktiv- und die rechte als Passivseite bezeichnet. Von einem Aktivsaldo spricht man, wenn die Zuflüsse in einer Teilbilanz größer sind als die Abflüsse, von einem Passivsaldo im umgekehrten Fall. 2.1.2 Teilbilanzen Je nach Art der außenwirtschaftlichen Transaktion erfolgen die Buchung und Gegenbuchung eines Vorganges in unterschiedlichen Konten der Zahlungsbilanz. Aufbauend auf den Überlegungen des vorigen Abschnittes sollen die einzelnen Teilbilanzen nun genauer beschrieben werden. 2.1.2.1 Handelsbilanz In der Handelsbilanz werden Warenexporte und -importe erfasst. Gemäß dem generellen Buchungsgrundsatz muss die Wertsumme aller Exporte auf der linken (Aktiv-)Seite des Handelsbilanzkontos erscheinen, weil Exporte zu Zahlungseingängen führen oder führen könnten. Importe dagegen führen in der Regel zu Mittelabflüssen und erscheinen deshalb auf der rechten (Passiv-)Seite. Wenn – was normal ist – die Exporte und Importe eines Landes innerhalb des Betrachtungszeitraumes nicht gleich groß sind, so spricht man von einem Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 11 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 11 Export- bzw. Importüberschuss oder von einem Aktiv- bzw. Passivsaldo der Handelsbilanz. Das Konto 1 stellt eine aktive Handelsbilanz dar. Konto 1: Handelsbilanz Aktiv Passiv Warenexporte 1.000 Warenimporte 800 Handelt es sich bei den Ex- und Importen nicht um unentgeltliche Übertragungen („Geschenke“), so müssen die Gegenbuchungen zwangsläufig auf einem der Kapitalverkehrskonten erfolgen: Die Exporteure erwerben je nach den Konditionen des Exportgeschäftes kurz- oder langfristige Forderungen oder verringern ihre Verbindlichkeiten. Der erste Fall ist gegeben, wenn der ausländische Käufer sofort oder in kurzer Frist in ausländischer Währung zahlt. Der Exporteur besitzt dann Devisen, also fällige Forderungen in ausländischer Währung. Solange er die Devisen nicht in heimische Währung umtauscht, betreibt er aus der Sicht des Inlandes Geld- oder Kapitalexport, denn er hat Forderungen gegen Ausländer erworben. Dies gilt auch, wenn der Exporteur dem ausländischen Abnehmer einen längerfristigen Lieferantenkredit gewährt. In beiden Fällen kommt es gleichzeitig mit dem Export der Güter zugleich zu einer Darlehensvergabe an das Ausland. Entsprechend der generellen Buchungsregel ist es daher auch konsequent, die Gegenbuchung auf der Passivseite des Kapitalverkehrskontos vorzunehmen.3 Für die Importe gelten entsprechende Überlegungen mit umgekehrtem Vorzeichen. Verzichten die ausländischen Lieferanten für kürzere oder längere Zeit auf den Transfer der ihnen zustehenden Beträge, so importiert das Inland neben den Waren auch Kredite. Es kommt zu einer tendenziellen Aktivierung der Kapitalverkehrsbilanz. Entsprechend der generellen Buchungsregel werden die von den ausländischen Lieferanten erworbenen Forderungsrechte auf der linken Seite als Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland verbucht. Konto 2: Kapitalverkehrsbilanz Aktiv Passiv Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Kapitalimport) 800 Zunahme der Forderungen gegenüber dem Ausland (Kapitalexport) 1.000 Im Beispiel des Kontos 2 übersteigt der durch die Warenexporte induzierte Kapitalexport den durch die Warenimporte induzierten Kapitalimport um 200 Geldeinheiten (GE). Es kommt also per Saldo zu einer Passivierung der Kapital- 3 Es bereitet dem Anfänger oft Schwierigkeiten, dass Kapital- und Warenexporte auf verschiedenen Seiten der jeweiligen Teilbilanzen verbucht werden. Auf diesen Umstand wird ausführlich bei der Beschreibung der Kapitalverkehrsbilanz eingegangen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 12 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator12 verkehrsbilanz (Kapitalexport) in Höhe von 200. Dieser Passivsaldo entspricht dem gleich hohen Aktivsaldo der Handelsbilanz. Zahlt der ausländische Empfänger der Waren – der Einfachheit halber sei zunächst von einem US-Importeur ausgegangen – in inländischer Währung (Euro), so stellt dies aus Sicht des Inlandes eine Verringerung der Verbindlichkeiten der Inländer gegenüber den Ausländern dar. In Konto 2 würde dann die Zunahme der Forderungen auf der Passivseite durch eine Verringerung der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland um 1.000 Euro ersetzt werden. Zusammen mit der Zunahme der Verbindlichkeiten aus dem Warenimport in Höhe von 800 Euro würde sich per Saldo eine Verringerung der Verbindlichkeiten um 200 Euro ergeben, was ebenfalls einer tendenziellen Passivierung der Kapitalbilanz entspricht. Es ist also für den Saldo der Kapitalbilanz belanglos, ob die Transaktionen in in- oder ausländischer Währung abgewickelt werden. Es ist international üblich, dass Güterex- und -importe, nach dem „fob“ Prinzip bewertet werden. Fob (free on board) bedeutet, dass in die Bewertung der Außenhandelsgüter auch diejenigen Kosten eingehen, die dem Erwerber durch die Verlade-, Transport- und Versicherungskosten bis zur Grenze des Lieferlandes entstehen. Teilweise wird aber die cif-Bewertung (cost, insurance, freight) berichtet, bei welcher zusätzlich die bis zur Grenze des Empfängerlandes anfallenden Kosten eingeschlossen sind. Bei einer gemeinsamen Grenze des Ex- und Importlandes sind fob- und cif-Werte identisch. 2.1.2.2 Dienstleistungsbilanz Die Ex- und Importe von Dienstleistungen werden in der Dienstleistungsbilanz verbucht. Auch hier kommt es nicht auf den Ort der Transaktion an. Ein anschauliches Beispiel stellen inländische Touristen dar, die während ihres Aufenthaltes im Ausland ausländische Dienstleistungen wie Hotels, Mietwagen oder Verpflegung in Anspruch nehmen. Aus Sicht der deutschen Zahlungsbilanzstatistik handelt es sich um Dienstleistungsimporte der Bundesrepublik. Ausländische Touristen im Inland hingegen induzieren Dienstleistungsexporte (vgl. Konten 3 und 4). Konto 3: Dienstleistungsbilanz Aktiv Passiv Einnahmen aus Käufen ausländischer Touristen im Inland (= Dienstleistungsexport) 200 Ausgaben deutscher Touristen im Ausland (= Dienstleistungsimport) 300 Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 13 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 13 Konto 4: Kapitalverkehrsbilanz Aktiv Passiv Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (= Kapitalimport) 300 Zunahme der Forderungen gegenüber dem Ausland (= Kapitalexport) 200 In den Industrieländern dominieren die Dienstleistungen das jeweilige Bruttoinlandsprodukt und ihr Anteil steigt tendenziell an. Für den Anteil am Welthandel, aber auch für die Dienstleistungstransaktionen gilt dies hingegen nicht. Auch für die Bundesrepublik machen die Dienstleistungen sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfuhr stets weniger als ein Drittel des Gesamthandels aus (vgl. Tab. 2.2 in Box 2.1). Etwas anders stellt sich die Situation in Österreich dar. Die starke österreichische Tourismus-Branche führt zu einem Anteil der  Dienstleistungsexporte von fast 50 % der Gesamtausfuhren. Die Schweiz nimmt bei den Dienstleistungsexporten eine Zwischenstellung ein, während ihre Dienstleistungsimportquote noch unterhalb der deutschen liegt (vgl. Box 2.1). Box 2.1: Import- und Exportgüterstrukturen: Deutschland, Österreich, Schweiz Die Ex- und Importaktivitäten von Deutschland, Österreich und der Schweiz weisen Gemeinsamkeiten, aber auch Unterschiede auf: Die deutschen Importe beliefen sich im Jahr 2011 auf 11.020 €/ Kopf und die Exporte betragen ca. 12.950  €/Kopf (Österreich: Importe 15.490  €/ Kopf, Exporte 14.473  €/ Kopf, Schweiz: Importe 18.190 €/ Kopf, Exporte 20.670 €/ Kopf). Die Handelsstrukturen differieren deutlicher: Bei den deutschen Exporten dominieren die Investitions- und Vorleistungsgüter, bei den österreichischen und schweizerischen Exporten die Konsumgüter. Ursächlich für die deutsche Export-Besonderheit sind die relativ hohen Anteile an Maschinen, elektronischen Erzeugnissen und (den entsprechend der internationalen Normen als Investitionsgüter verbuchten) Straßenfahrzeugen, welche zusammen fast 48 % des Gütergesamtexports Deutschlands ausmachen. Bei den Importen der Schweiz und Österreichs dominieren ebenfalls die Konsumgüter, während in Deutschland die Vorleistungsgüter eine zentrale Rolle einnehmen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 14 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator14 Position (Anteil am Gesamtvolumen in %) Deutschland Österreich Schweiz Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Hauptgruppen: Vorleistungsgüter 32,0 32,8 28,8 19,7 24,4 18,8 Investitionsgüter 28,9 44,3 32,5 37,8 23,5 26,1 Konsumgüter 19,2 16,3 36,9 41,4 43,2 51,8 Ausgewählte Gütergruppen: Chemische/Pharmaz. Erzeugnisse 12,7 14,6 12,7 13,0 21,5 37,7 Maschinen/Elektr. Erzeugnisse 19,8 30,0 22,0 27,8 17,7 18,6 (Straßen-)Fahrzeuge 9,3 17,6 10,6 10,1 9,7 n.a. Gesamtvolumen (in Mrd. €) 90,2 106,0 130,8 143,1 143,1 162,6 Quellen: Für Deutschland: Monatsbericht der Deutschen Bundesbank, März 2012, S. 16–17. Für Österreich: Österreichisches Statistisches Zentralamt, Online-Statistiken, die Prozentzahlen beziehen sich auf 2010. Für die Schweiz: Schweizerische Nationalbank, Stat. Monatsheft März 2012 I1, I2. Zur Umrechnung wurde der Wechselkurs, Stand 31.12.11, von 1,2165 SFR/€ verwendet. Tab. 2.1 Handelsbilanzstrukturen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz 2011 Jahr Deutschland Österreich Schweiz Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Einfuhr Ausfuhr Einfuhr 2006 151.325 168.671 36.784 26.622 55.125 23.587 2007 164.578 179.430 40.667 28.393 63.343 26.892 2008 175.695 187.280 43.397 29.148 67.011 26.763 2009 167.637 178.074 39.356 26.507 66.270 29.540 2010 181.037 189.386 41.167 27.838 69.689 28.910 2011 192.836 200.420 43.962 30.312 70.386 32.926 Quellen: Für Deutschland: Deutsche Bundesbank, Zahlungsbilanzstatistik, Stand 28.09.12. Für Österreich: Österreichische Nationalbank, Leistungsbilanz, Stand 27.09.12. Für die Schweiz: Schweizerische Nationalbank, Zahlungsbilanz 2011, Stand 01.08.12. Zur Umrechnung wurde der Wechselkurs vom 30.12.11 verwendet: 1,2165 SFR/€. Tab. 2.2 Dienstleistungsex- und -importe: Deutschland, Österreich und Schweiz in Mio. € Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 15 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 15 Deutschland (Mio. €) Österreich (Mio. €) Schweiz (Mio. €) Insgesamt – 7.584 + 13.650 + 37.460 Darunter: Reiseverkehr – 33.782 + 6.736 + 2.617 Transport + 7.475 – 55 + 1.796 Finanzdienstleistungen + 3.702 + 605 + 11.039 Patente und Lizenzen + 843 – 476 – 1.587 Regierungsleistungen + 2.546 + 336 – Übrige Dienstleistungen – 3.630 – 34 + 3.472 Quellen: Für Deutschland: Deutsche Bundesbank, Zahlungsbilanzstatistik, Stand 28.09.12. Für Österreich: Österreichische Nationalbank, Leistungsbilanz, Stand 27.09.12. Für die Schweiz: Schweizerische Nationalbank, Zahlungsbilanz, Stand 01.08.12. Zur Umrechnung wurde der Wechselkurs vom 30.12.11 verwendet: 1,2165 SFR/€. Tab. 2.3 Dienstleistungsbilanzsalden Deutschlands, Österreichs und der Schweiz 2010 und deren Zusammensetzung Die Tabelle 2.3, welche die Salden der wichtigsten Elemente der Dienstleistungsbilanz für Deutschland, Österreich und die Schweiz für das Jahr 2010 ausweist, verdeutlicht die hohe Bedeutung des Tourismus (Reiseverkehr) auf der deutschen Dienstleistungsimportseite. In der Schweiz und besonders in Österreich hat der Reiseverkehr dagegen einen deutlich aktivierenden Effekt auf die Dienstleistungsbilanz, was die wirtschaftliche Bedeutung der Tourismus-Branche in beiden Ländern widerspiegelt. 2.1.2.3 Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen Die Erwerbs- und Vermögenseinkommen werden seit einiger Zeit international als eigenständige Kategorie dargestellt, um die besondere Rolle dieser Transaktionen als Faktoreinkommen zu betonen. Unter Erwerbseinkommen versteht man dabei Einkommen aus unselbständiger Arbeit, unter Vermögenseinkommen Kapitalerträge (z. B. Zinsen, Dividenden). Gemäß der generellen Buchungsregel werden vom Ausland empfangene Erwerbs- und Vermögenseinkommen auf der Aktivseite verbucht, während an das Ausland abfließende Einkommen auf der Passivseite gebucht werden. Die Gegenbuchungen entsprechen denen des Warenhandels, d. h. sie erfolgen in der Regel in der Kapitalverkehrsbilanz. Die Verbuchung von Kapitalerträgen (Vermögenseinkommen) in einer eigenständigen Teilkategorie der Zahlungsbilanz (und nicht etwa in der Kapitalbilanz) erscheint sinnvoll, weil hiermit die vorangegangene Zurverfügungstellung von Kapital (= zeitweiliger Konsumverzicht) als eine spezielle (dienstleistungsähnliche) Transaktion zwischen In- und Ausland honoriert wird. Kapitalerträge haben eine hohe Bedeutung auf der Aktivseite der deutschen Zahlungsbilanz. Der Saldo der Erwerbs- und Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 16 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator16 Vermögenseinkommen betrug in den Jahren 2007 bis 2011 durchschnittlich über 40 Mrd. Euro jährlich; dieser Überschuss stammt nahezu ausschließlich aus Kapitalerträgen. 2.1.2.4 Laufende Übertragungen Unentgeltliche Waren- oder Geldleistungen (Schenkungen, Übertragungen) bedürfen einer besonderen Verbuchung, weil die Gegenleistung fehlt. Hier wird hinsichtlich der Übertragungen zwischen laufenden Übertragungen und Vermögensübertragungen (Abschnitt 2.1.2.6) unterschieden. Als laufende Übertragungen gelten dabei solche Transfers, bei denen davon ausgegangen wird, dass sie einen direkten Einfluss auf Einkommen und Verbrauch ausüben. Bei einer unentgeltlichen Warenlieferung ins Ausland (interpretiert als laufende Übertragung, z. B. im Rahmen regelmäßiger Zuwendungen an Entwicklungsländer) werden zunächst Güter exportiert, so dass eine Buchung auf der Aktivseite der Handelsbilanz erfolgt (vgl. Konto 5). Da es sich aber um eine Schenkung handelt, erwirbt das Inland keinerlei Forderungsrechte gegenüber dem Ausland. Bei einer Warenschenkung an das Ausland erfolgt die Gegenbuchung als geleistete Übertragung auf der Passivseite des Zahlungsbilanzpostens „laufende Übertragungen“ (vgl. Konto 6). Dementsprechend erfolgen bei unentgeltlichen Warenbezügen aus dem Ausland Buchung und Gegenbuchung als Importe (Passivseite) in der Handelsbilanz sowie empfangene Übertragungen (Aktivseite) in der Kategorie „laufende Übertragungen“. Konto 5: Handelsbilanz Aktiv Passiv Export 100 Konto 6: Übertragungsbilanz Aktiv Passiv Geleistete Übertragungen 100 Neben Warenlieferungen kommt es häufig auch zu Übertragungen in Form von Geld, z. B. in Form von Übertragungen an die EU oder der regelmäßigen finanziellen Unterstützungen von Inländern an ausländische Verwandte. Dabei wird nicht die Handelsbilanz, sondern die Kapitalverkehrsbilanz berührt. Dem Inland entstehen Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Konto 7), während die Gegenbuchung bei den laufenden Übertragungen wie in Konto 6 unverändert auf geleistete Übertragungen lautet. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 17 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 17 Konto 6: Übertragungsbilanz Aktiv Passiv Geleistete Übertragungen 50 Konto 7: Kapitalverkehrsbilanz Aktiv Passiv Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland 50 In der wirtschaftspolitischen Diskussion Mitteleuropas wird die Bedeutung der sog. „Überweisungen der Gastarbeiter“ übrigens regelmäßig überschätzt. In Deutschland beliefen sich diese laufenden Übertragungen im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2011 auf ca. 3 Mrd.  Euro. Von größerer Bedeutung waren in diesem Zeitraum die Übertragungen an die Europäische Union, welche sich auf durchschnittlich 23,4 Mrd. Euro pro Jahr beliefen. Unter Abzug der von der Europäischen Union empfangenen Übertragungen reduziert sich dies allerdings auf netto 12,85 Mrd. Euro im Durchschnitt der Jahre 2007 bis 2011. Im Vergleich mit den Volumen und Salden der Handelsbilanz sind auch diese Volumen relativ gering. 2.1.2.5 Außenbeitrag und Leistungsbilanz Fasst man die Handels- und Dienstleistungsbilanz sowie die empfangenen und geleisteten Erwerbs- und Vermögenseinkommen zusammen, so erhält man eine Gegenüberstellung aller realen Leistungsströme pro Periode in Form von Waren, Dienstleistungen und Faktoreinkommen. Der Saldo dieser zusammengefassten Bilanz wird als Außenbeitrag bezeichnet. Erweitert man die Zusammenfassung der Handels- und Dienstleistungsbilanz sowie der Erwerbs- und Vermögenseinkommen um die empfangenen und geleisteten laufenden Übertragungen, so ergibt sich die Leistungsbilanz: (2.1) Leistungsbilanz = Handelsbilanz + Dienstleistungsbilanz + Bilanz der Erwerbs- und Vermögenseinkommen + Bilanz der laufenden Übertragungen Die Abb. 2.1 stellt den Saldo der deutschen Leistungsbilanz im Zeitverlauf dar. Charakteristisch für die deutsche Wirtschaft sind Handelsbilanzüberschüsse. Demgegenüber stehen regelmäßig Defizite bei den Dienstleistungen sowie eine traditionell passive Bilanz der laufenden Übertragungen. Die dominierenden Handelsbilanzüberschüsse führten in der Regel insgesamt zu einer aktiven Leistungsbilanz. Zu Defiziten in der Leistungsbilanz kam es lediglich um 1980 (Ölkrise) sowie nach 1990 im Zuge der deutschen Wiedervereinigung. Die deut- Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 18 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator18 schen Leistungsbilanzüberschüsse sind ein internationaler Diskussionsgegenstand von zunehmender Bedeutung (vgl. Box 2.2). Box 2.2: Zum Problem der deutschen Leistungsbilanzüberschüsse Im Zusammenhang mit den deutschen Exportüberschüssen wird der Vorwurf von Christine Lagarde, ehemalige französische Wirtschafts- und Finanzministerin und derzeitige IWF-Chefin diskutiert, dass die niedrigen deutschen Lohnkosten („Dumpinglöhne“) zu Defiziten anderer europäischer Staaten führen und langfristig das Gleichgewicht stören. Durch die Lohnzurückhaltung werden die Bedingungen für den Export in Deutschland besser und deutsche Firmen wettbewerbsfähiger, insbesondere im Vergleich zu anderen Euro-Staaten. Die Länder der Euro-Zone haben untereinander keine Möglichkeit mehr, unterschiedliche Entwicklungen der Wettbewerbsfähigkeit durch Wechselkursanpassungen auszugleichen. Südeuropäische Staaten, in denen die Löhne stärker gestiegen sind, müssen sich der Wettbewerbsfähigkeit anderer Länder wie Deutschland „ergeben“ und bauen eine Nettoschuldnerposition auf. Darauf beruht der Vorwurf, Deutschlands Wirtschaft sei ein „Exportpanzer“, der auf seine wirtschaftlichen Interessen auf Kosten hoher Defizite europäischer Nachbarstaaten und gleichzeitig einer niedrigen Binnennachfrage durchsetze.1 Zunächst kann entgegengehalten werden, dass die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auch durch Qualität und Innovation bei Produkten entstanden sein kann und nicht nur durch niedrige Löhne. Zudem müssen die Leistungsbilanzüberschüsse nicht als Stärke angesehen werden; sie können gar als Schwäche interpretiert werden. Länder mit alternder Bevölkerung weisen (in Antizipation der kommenden Schwierigkeiten) eine geringere Konsumneigung bzw. eine höhere Ersparnis auf, als Staaten mit junger, wachsender Bevölkerung, die ihren Konsum und ihre Investitionen in Erwartung eines Wachstums über (Auslands)Verschuldung finanzieren. -75 -25 25 75 125 175 Mrd. €/DM Leistungsbilanz Handelsbilanz Dienstleistungsbilanz Bilanz Erwerbs-/ Vermögenseinkommen Bilanz lfd. Übertragungen 1971 1984 1997 2010 Abb. 2.1: Die deutsche Leistungsbilanz von 1971 bis 2011, in laufenden Preisen Quelle: Deutsche Bundesbank, Zahlungsbilanzstatistik, Stand September 2012. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 19 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 19 Literatur: 1 DIW Wochenbericht Nr. 1+2/2012, 4. Januar 2012. 2.1.2.6 Bilanz der Vermögensübertragungen Bei Vermögensübertragungen handelt es sich um Transfers, die sich durch einen „einmaligen“ Charakter auszeichnen. Beispiele für Vermögensübertragungen sind Schuldenerlasse, Erbschaften, bestimmte Investitionszuschüsse oder Vermögensmitnahmen von Aus- bzw. Einwanderern. Solche Vermögensübertragungen sind für Deutschland, Österreich und die Schweiz meist von nur untergeordneter Bedeutung. Der Durchschnitt der empfangenen Übertragungen belief sich in den Jahren 2000 bis 2010 auf 3,5 (D)/ 0,6 (A) Mrd. Euro und 0,8 Mrd. CHF (CH), bei den geleisteten Übertragungen auf 3,6 (D) und 0,65 (A) Mrd. Euro. Im Falle der Schweiz sind die geleisteten Übertragungen mit 4,6 Mrd. CHF spürbarer. Die Trennung zwischen den laufenden Übertragungen (Abschnitt 2.1.2.4) kann problematisiert werden. Vermögen und Einkommen sind wesensgleich; auch bei Vermögensübertragungen kann sich ein verändertes Nachfrageverhalten ergeben. 2.1.2.7 Kapitalverkehrsbilanz und „Devisenbilanz“ Die Kapitalverkehrsbilanz umfasst Änderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten der Inländer gegenüber den Ausländern. Die Buchungsregel  für  Vorgänge, welche die Kapitalverkehrsbilanz berühren, lautet wie folgt: Veränderungen der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland werden auf der Aktivseite verbucht, Veränderungen der Forderungen gegenüber dem Ausland auf der Passivseite. Es wirkt auf den ersten Blick paradox, dass Forderungen auf der rechten und Verbindlichkeiten auf der linken Kontoseite erscheinen. Die Konsistenz dieser Verbuchung lässt sich jedoch zweifach zeigen: Zum einen führt der Erwerb von Forderungen (z. B. durch den Kauf ausländischer Wertpapiere) zu einem Zahlungsausgang, der sich nach dem generellen Buchungsgrundsatz auf der Passivseite niederschlagen muss. Wegen des Mittelabflusses spricht man auch von einem Kapitalexport. Entsprechend führt das Entstehen von Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (Kapitalimport) zu Zahlungseingängen, die auf der Aktivseite erscheinen. Schon bei der Gegenbuchung von aus Waren- und Dienstleistungsgeschäften resultierenden Forderungen bzw. Verbindlichkeiten ist in dieser Weise verfahren worden (vgl. Konten 2 und 4). Zum anderen muss noch einmal darauf hingewiesen werden, dass es sich bei der Zahlungsbilanz nicht um eine Bestandsrechnung handelt, bei der Forderungen auf der Aktivseite verbucht werden, sondern um Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 20 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator20 eine Stromrechnung, bei der die Veränderung der Forderungen richtigerweise auf der „rechten“ Kontoseite verbucht wird, die hier „Passiv“ genannt wird (vgl.  die  Analogie  zur  betriebswirtschaftlichen Gewinn- und Verlustrechnung). Da im Kapitalverkehrskonto Bestandsveränderungen verbucht werden, ergibt sich die Notwendigkeit, Vorzeichen zu verwenden. Die Forderungen als auch die Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland können während des  Betrachtungszeitraumes sowohl zunehmen (+) als auch abnehmen (–). Wenn kein Vorzeichen vermerkt ist, kennzeichnet dies eine positive Veränderung. Die Kapitalbilanz wird funktional weiter in die folgenden Hauptkategorien untergliedert: Direktinvestitionen (Erwerb oder Gründung von Unternehmen, Niederlassungen im Ausland sowie Beteiligungen), Wertpapieranlagen und Finanzderivate (Erwerb ausländischer Wertpapiere und Aktien ohne Beteiligungsabsicht), Kreditverkehr und die Veränderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten der Notenbank gegenüber dem Ausland. Beim Kreditverkehr wird weiterhin zwischen kurz- und langfristigen Transaktionen unterschieden, wobei Forderungen und Verbindlichkeiten mit Laufzeiten von mehr als einem Jahr als langfristig eingestuft werden. Die Veränderungen der Forderungen und Verbindlichkeiten der Notenbank gegenüber dem Ausland („Veränderungen der Währungsreserven zu Transaktionswerten“) wurden teilweise auch gesondert erfasst („Devisenbilanz“). Da auch Private über Devisen verfügen (Devisen = Forderungen in ausländischer Währung), ist diese Bezeichnung problematisch. Insbesondere in Währungssystemen, in denen die Notenbank unter Einsatz ihrer Devisenreserven den Wechselkurs konstant halten oder in bestimmter Weise beeinflussen soll, ist die Entwicklung der zentralen Währungsreserven von großer Bedeutung. Die Devisenreserven bestehen üblicherweise aus Sichtguthaben bei ausländischen Banken, ausländischen Geldmarktpapieren sowie Ziehungs- und Sonderziehungsrechten.4 Ob eine Transaktion in den Veränderungen der Forderungen oder Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland verbucht wird, hängt von der Finanzierung ab. Angenommen ein inländischer Unternehmer importiert Waren im Wert von 1000  GE (siehe Konto 8). Zur Bezahlung tauscht er Inlandswährung bei einer Bank in Devisen. Die Devisenforderungen der Bank schrumpfen und die Gegenbuchung des Warengeschäftes erfolgt als Verringerung der Forderungen bilanzverkürzend auf der Passivseite in der Kapital verkehrsbilanz (vgl. Konto  9). Bei einer Kreditfinanzierung der Importe kommt es zu einer  Zunahme der Verbindlichkeiten (Bilanzverlängerung). 4 Ziehungsrechte sowie Sonderziehungsrechte bieten den Währungsbehörden eines Landes die Möglichkeit, Devisen beim Internationalen Währungsfonds (im Fall von Sonderziehungsrechten auch bei anderen Ländern) gegen Hergabe der heimischen Währung zu erlangen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 21 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 21 Konto 8: Handelsbilanz Aktiv Passiv Importe 1.000 Konto 9: Kapitalverkehrsbilanz Aktiv Passiv Verringerung der kurzfristigen Forderungen – 1.000 Alternativ ist es auch möglich, dass die Bank die Devisen auf dem Devisenmarkt nachfragt, also in der Regel die Devisen von einem Ausländer gegen Hingabe von inländischer Währung ersteht. Dann würde in der Kapitalverkehrsbilanz eine Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland verbucht werden. Die obige Veränderung in der Kapitalverkehrsbilanz wurde durch eine güterwirtschaftliche Transaktion induziert. Den meisten Verbuchungen, welche in der Kapitalverkehrsbilanz verbucht werden, liegen jedoch Vorgänge zugrunde, die sich ausschließlich im monetären Bereich abspielen. Bei derartigen Transaktionen gehen sowohl Buchung als auch Gegenbuchung in die Kapitalverkehrsbilanz ein, so dass lediglich die Bilanzstruktur, nicht aber der Saldo der gesamten Kapitalbilanz geändert wird. Man spricht von Aktiv- bzw. Passivtausch, wenn durch eine Transaktion nur die Art und nicht der Umfang einer vorhandenen Forderung bzw. Verbindlichkeit verändert wird. Wird ein Forderungserwerb (z. B. Wertpapierkauf) durch gleichzeitige Verschuldung im Ausland finanziert, so wird von einer Bilanzverlängerung gesprochen. Hier verändern sich Forderungen und Verbindlichkeiten in gleichem Umfang, so dass eine Veränderung der Auslandsposition nicht eintritt. 2.1.2.8 „Restposten“ Theoretisch müsste die Anwendung des Prinzips der doppelten Buchführung zu einer ausgeglichenen Zahlungsbilanz in dem Sinne führen, dass sich die Salden aller Teilbilanzen ausgleichen. In der Praxis wird ein vollkommener Saldenausgleich allerdings so gut wie nie erreicht. Zum formalen Ausgleich der Zahlungsbilanz wird deshalb der sogenannte Restposten („Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen“) als Korrekturgröße in die Zahlungsbilanz eingesetzt. Die Gründe zur Entstehung dieses Restpostens liegen in der Unvollkommenheit der statistischen Erhebungstechnik. Einige relevante Transaktionen wie z. B. geschmuggelte Wareneinfuhren und Überweisungen unterhalb der Meldegrenze werden nicht erfasst. Aber selbst die erfassten Transaktionen sind meist nicht frei von (Erfassungs-)Fehlern und Ungenauigkeiten. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 22 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator22 Die wohl gewichtigste Ursache für die Entstehung des Restpostens ist jedoch der reguläre Außenhandel. Hier ist die Einräumung von Zahlungszielen üblich und die Tendenz zur Einräumung langfristiger Lieferantenkredite steigend. Diese Außenhandelskredite werden zum größten Teil nur indirekt und mit zeitlicher Verzögerung erfasst, wenn sich die Forderung oder deren Begleichung in den Auslandspositionen der Banken oder den Devisenbeständen der Notenbank niederschlägt. Der Restposten gleicht den durch das zeitweilige Nichterfassen der Kreditbeziehungen entstehenden Saldo aus. 2.1.3 Saldenmechanik und typische Strukturen der Zahlungsbilanz Die Zusammenfassung aller Teilbilanzen veranschaulicht den Charakter der Zahlungsbilanz: Zahlungsbilanz Aktiv Passiv Warenexporte Warenimporte Dienstleistungsexporte Dienstleistungsimporte empfangene Erwerbs- und Vermögenseinkommen geleistete Erwerbs- und Vermögenseinkommen empfangene laufende Übertragungen geleistete laufende Übertragungen empfangene Vermögens- übertragungen geleistete Vermögensübertragungen Kapitalimporte (Zunahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (+) Abnahme der Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland (–)) Kapitalexporte (Zunahme von Forderungen gegenüber dem Ausland (+) Abnahme von Forderungen gegenüber dem Ausland (–)) (darunter: Abnahme der Devisenreserven der Zentralbank) (darunter: Zunahme der Devisenreserven der Zentralbank) Restposten Hieraus ein saldenmechanisch interpretierbarer Zusammenhang: (2.2) Devisenbilanzsaldo = Leistungsbilanzsaldo + Saldo der Vermögensübertragungen + Kapitalverkehrssaldo + Restposten Da Vermögensübertragungen – wie oben beschrieben – für Deutschland, Österreich und die Schweiz, aber auch für die meisten anderen Staaten eher von Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 23 2.1 Der Aufbau der Zahlungsbilanz 23 untergeordneter Bedeutung sind und der Restposten lediglich eine bilanztechnische Korrekturgröße darstellt, erscheint es gerechtfertigt, die Salden dieser beiden Posten bei der saldenmechanischen Interpretation der Zahlungsbilanz zu vernachlässigen. Aus (2.2) folgt dann, dass die Zunahme der Devisenreserven den Salden der Leistungs- und der Kapitalverkehrsbilanz entspricht. Mit anderen Worten: Die Zentralbank kann/muss in dem Umfang Devisenreserven aufbauen wie etwaige Leistungsbilanzüberschüsse nicht durch Nettokapitalexporte Privater kompensiert werden (bzw. wie etwaige Nettokapitalzuflüsse durch Leistungsbilanzdefizite überkompensiert werden). Allerdings muss vor einer übertriebenen saldenmechanischen Betrachtung gewarnt werden. Die Gleichung 2.2 kann z. B. auch nach dem Leistungsbilanzsaldo aufgelöst werden – dann würde die Leistungsbilanz als die endogene Größe erscheinen. Hiernach wäre ein positiver Leistungsbilanzsaldo nur möglich, wenn die (Netto-)Forderungen der Privaten und der Notenbank gegenüber Ausländern per Saldo zunehmen. Ist die Veränderung der Netto-Forderungsposition einer der beiden Gruppen negativ und kann dies nicht durch die andere Gruppe ausgeglichen werden, so muss der Leistungsbilanzsaldo negativ sein. Auch eine solche Betrachtung kann Sinn machen: Wenn beispielsweise die Privaten in erheblichem Umfang Kredite im Ausland aufnehmen und die erworbenen Devisen auf den Devisenmärkten anbieten, führt dies zu einer Aufwertung der inländischen Währung und in der Folge zur Passivierung der Leistungsbilanz. Die drei großen Teilbilanzen unterliegen also gegenseitigen Abhängigkeiten, auf deren Mechanismen im folgenden Abschnitt näher eingegangen wird. 2.1.4 Zusammenfassung •• In der Zahlungsbilanz eines Landes werden die wirtschaftlichen Transaktionen zwischen Inländern und Ausländern für eine bestimmte Periode systematisch aufgezeichnet. Als Faustformel gilt, dass Transaktionen, die zu Zahlungseingängen führen, auf der Aktivseite, zu Zahlungsausgängen führende auf der Passivseite des Kontensystems erscheinen. •• Teilbilanzen der gesamten Zahlungsbilanz sind die Handels- und Dienstleistungsbilanz, die Bilanzen der Erwerbs- und Vermögenseinkommen (diese drei Teilbilanzen bilden den Außenbeitrag) sowie der laufenden Übertragungen (diese vier Teilbilanzen bilden die Leistungsbilanz), die Bilanz der Vermögensübertragungen, die Kapitalbilanz im engeren Sinne sowie die Devisenbilanz (Veränderung der Auslandsposition der Währungsbehörde). Weiterhin gibt es den Restposten (Saldo der statistisch nicht aufgliederbaren Transaktionen), der als statistische Korrekturgröße den formalen Ausgleich der Zahlungsbilanz sicherstellt. •• Aufgrund der doppelten Buchführung ist die Zahlungsbilanz im statistischen Sinne stets „ausgeglichen“ (vgl. die zusammenfassende Darstellung der Zahlungsbilanz aus Abschnitt 2.1.3). Saldenmechanisch entspricht die Veränderung der Devisenreserven (abgesehen von Vermögensübertragungen und Restposten) dem Saldo der Leistungs- und Kapitalverkehrsbilanz. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 24 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator24 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen Obwohl die Zahlungsbilanz aufgrund der doppelten Buchführung stets ausgeglichen ist, wird in der wirtschaftspolitischen Diskussion häufig von einer unausgeglichenen Zahlungsbilanz gesprochen. Dieser Widerspruch erklärt sich daraus, dass nicht die gesamte Zahlungsbilanz, sondern nur einzelne bzw. aggregierte Teilbilanzen der Gesamtbilanz gemeint sind. Einzelne Teilbilanzen, wie z. B. die Handelsbilanz, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit unausgeglichen, weil die Entscheidungen über Im- und Exporte von verschiedenen Wirtschaftssubjekten getroffen werden, die ihre Pläne nicht unmittelbar koordinieren. Die Beurteilung von Zahlungsbilanzzuständen basiert auf verschiedenen Teilbilanzkonzepten, deren Auswahl je nach Wechselkurssystem und Analysezweck unterschiedlich sinnvoll ist. Im Folgenden werden die wichtigsten Teilbilanzkonzepte dargestellt.5 2.2.1 Konstanz der Devisenreserven Das älteste Zahlungsbilanzkonzept spricht von einem Zahlungsbilanzausgleich, wenn die Devisenreserven der Notenbank konstant bleiben. Hierzu kommt es, wenn sich die Salden der einzelnen Teilbilanzen gerade kompensieren: Weist z. B. die Leistungsbilanz einen Aktivsaldo (Leistungsbilanzüberschuss) auf, so muss diesem ein Passivsaldo der Kapitalverkehrsbilanz im engeren Sinne (Netto-Kapitalexport) in gleicher Höhe gegenüberstehen.6 Sinnvoll ist dieses Zahlungsbilanzkonzept insbesondere in einem Währungssystem mit festen Wechselkursen. Da die Notenbank verpflichtet ist, die Wechselkurse konstant zu halten, muss sie Ungleichgewichte auf dem Devisenmarkt durch eigene Nachfrage oder eigenes Angebot ausgleichen. Ein Überwiegen der zahlungsbilanzpassivierenden, autonomen Transaktionen (d. h. der durch private Wirtschaftssubjekte und nicht durch wirtschaftspolitische Entscheidungsträger induzierten Transaktionen) im Leistungs- und Kapitalverkehr bedeutet einen Nachfrageüberschuss nach Devisen, der durch Devisenverkäufe der Notenbank gedeckt werden muss. Dieser Aufgabe kann die Notenbank jedoch nur so lange nachkommen, wie die Devisenreserven nicht erschöpft sind. Aber auch der Fall steigender Devisenreserven ist nicht unproblematisch, wenn es sich um einen dauerhaften Vorgang erheblichen Ausmaßes handelt. Dies gilt zum einen, weil die Devisenüberschüsse des einen Landes in der Regel Defizite für die anderen Länder, verbunden mit der Gefahr entsprechender korrigierender ausländischer Wirtschaftspolitiken, bedeuten. Zum anderen führt der Ankauf von Devisen durch die Notenbank zu einer Erhöhung der Zentralbankgeldmenge, falls die Devisenmarktinterventionen nicht z. B. durch eine neutralisierende Offenmarktpolitik (Sterilisierungspolitik) ausgeglichen 5 International Monetary Fund, Balance of Payments and International Investment Position Manual 6th Ed., Washington D.C. 2009. 6 Im Folgenden wird aufgrund ihrer zumeist geringen Bedeutung von Vermögensübertragungen abgesehen (vgl. die Ausführungen hierzu aus Abschnitt 2.1.2.6). 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 25 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen 25 werden. Eine solche expansive Zentralbankgeldmenge kann via steigender Geldmenge zur Inflation führen. Der Nachteil des Konzeptes der Konstanz der Devisenreserven liegt zum einen darin, dass die Verknüpfung zu anderen zentralen wirtschaftspolitischen Zielgrößen wie Einkommen und Beschäftigung nur relativ lose ist. Zum anderen haftet dem Konzept bei flexiblen Wechselkursen etwas Tautologisches an: Flexible Wechselkurse sind ex definitione dadurch gekennzeichnet, dass die Notenbank nicht auf den Devisenmärkten eingreift. Der Saldo der Devisenbilanz ist daher stets gleich Null. Tatsächlich ist ein häufig angeführtes Argument in der Diskussion um feste versus flexible Wechselkurse, dass flexible Wechselkurse stets zum Zahlungsbilanzausgleich, nämlich zum automatischen Gleichgewicht zwischen den Transaktionen im Leistungs- und Kapitalverkehr, zur Konstanz der offiziellen Devisenreserven und zu den damit verbundenen Vorteilen führen. Allerdings hat ein Indikator, der stets den Idealwert erreicht, für die Wirtschaftspolitik nur einen begrenzten Orientierungswert. 2.2.2 Außenbeitrag Der Außenbeitrag entspricht dem Saldo aus der Zusammenfassung von Handels- und Dienstleistungsbilanz sowie der Kategorie „Erwerbs- und Vermögenseinkommen“. In der Öffentlichkeit kommt dieser realwirtschaftlichen Größe (und dem im Folgenden beschriebenen Leistungsbilanzsaldo) bei der Beurteilung der außenwirtschaftlichen Situation eines Landes im Allgemeinen eine größere Beachtung zu als der bisher behandelten monetären Größe (Konstanz der Devisenreserven). Der Grund liegt darin, dass die Verknüpfung zu zentralen Variablen wie Einkommen und Beschäftigung enger ist. Der Au- ßenbeitrag ist als Indikator für das nach dem bundesdeutschen Stabilitäts- und Wachstumsgesetz von 1967 anzustrebende außenwirtschaftliche Gleichgewicht festgelegt. Die Rolle des Außenbeitrags im Wirtschaftskreislauf verdeutlicht sich anhand der Verwendungsgleichung des Sozialproduktes in einer offenen Volkswirtschaft: (2.3) Y C I EX IM= + + − In dieser ex-post-Identität bezeichnet Y das Nettosozialprodukt zu Marktpreisen, C die Summe aus privatem und staatlichem Konsum, I die privaten und staatlichen Nettoinvestitionen sowie EX bzw. IM die exportierten bzw. importierten Waren, Dienst- und Faktorleistungen. Die Differenz (EX – IM) symbolisiert somit den Außenbeitrag. Aus der Gleichung (2.3) folgt unmittelbar (2.4) Y IM C I EX+ = + + In einer Volkswirtschaft kann also ex post nur in dem Umfang konsumiert, investiert und exportiert (kurz: nachgefragt) werden, wie an Gütern aus der eigenen Produktion (Y) und Importen (IM) zur Verfügung steht (kurz: angeboten wird). Zu beachten ist hierbei, dass die Importe entweder unmittelbarer Bestandteil des Gesamtangebots sind (Direktimporte) oder aber als Bestandteil Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 26 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator26 in den inländischen Produktionsprozess einfließen. Fasst man die Gesamtausgaben der Inländer für Konsum und Investitionen (sowohl für in- als auch für ausländische Güter) zur sogenannten Absorption (2.5) AB C I= + zusammen, so folgt aus (2.3): (2.6) Y AB EX IM− = − Damit ergeben sich folgende Zusammenhänge zwischen Außenbeitrag und Absorption: •• Der Außenbeitrag ist positiv, wenn die inländische Produktion die Absorption der Inländer übersteigt. Umgekehrt folgt daraus teilweise das Drängen nach einem positiven Außenbeitrag, weil damit scheinbar Produktion und somit Arbeitsplätze in einem größeren Ausmaß induziert werden können, als es auf der Grundlage der inländischen Nachfrage möglich wäre (vgl. Box 2.3). •• Ein negativer Außenbeitrag erlaubt einer Volkswirtschaft und ihren Wirtschaftssubjekten, mehr Leistungen zu absorbieren als von ihnen selbst hergestellt werden. Diese Möglichkeit wird für Entwicklungs- und Transformationsländer insbesondere dann als positiv beurteilt, wenn die absorbierten Güter zum erheblichen Teil aus Investitionsgütern bestehen und somit langfristig ein Anwachsen der inländischen Produktionsmöglichkeiten und eine Umkehr der Situation erwartet werden kann. Als problematisch und als ein „Leben über die eigenen Verhältnisse“ wird ein negativer Außenbeitrag hingegen dann angesehen, wenn auf absehbare Zeit keine Umkehr erkennbar ist, der negative Außenbeitrag nicht dauerhaft durch Nettoübertragungen an das Inland ausgeglichen wird und sich eine unangemessene Verschuldung des Inlandes aufbaut (vgl. die Ausführungen zur Leistungsbilanz in Abschnitt 2.2.3). 2.2.3 Leistungsbilanz Der Leistungsbilanzsaldo (in Zeichen: LB oder LBSaldo) gleicht dem Außenbeitrag zuzüglich dem Saldo der laufenden Übertragungsbilanz. Der Leistungsbilanzsaldo wird häufig als Indikator für das Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichtes herangezogen, weil er – wie zu zeigen ist – approximativ der Veränderung der Nettoposition gegenüber dem Ausland entspricht. Ein dauerhaft negativer Leistungsbilanzsaldo führt zu einer permanent steigenden Nettoschuldnerposition gegenüber dem Ausland. Dieses wird vom Ausland jedoch nur solange hingenommen, wie es dem Inland (bzw. den Inländern) die Bedienung der Schulden zutraut. Ist aufgrund einer zu hohen Auslandsverschuldung die Kreditwürdigkeit verspielt, wird das Ausland nicht bereit sein, weitere Nettoforderungspositionen aufzubauen. Mit anderen Worten wird das Ausland auch nicht bereit sein, weiterhin Leistungsbilanzüberschüsse gegen- über dem Inland aufrechtzuerhalten. Da der daraufhin notwendige Anpassungsprozess im Inland schmerzhaft sein kann, ist es sinnvoll, die Entwicklung der Leistungsbilanzsalden aufmerksam zu verfolgen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 27 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen 27 Zusätzlich zur Verwendungsgleichung (2.3) soll nun die Aufteilung des Nettosozialproduktes zu Marktpreisen betrachtet werden. Die inländischen Wirtschaftssubjekte können ihr Einkommen sowie die per saldo empfangenen Laufenden Übertragungen LÜ verwenden, um sie zu konsumieren (C) oder zu sparen (S). Oder, relevanter für den deutschen Fall ausgedrückt, wo die Übertragungsbilanz „negativ“ ist: die Inländer können ihr Einkommen verwenden, um sie zu konsumieren (C) oder zu sparen (S), oder um es dem Ausland in Form von laufenden Nettoübertragungen LÜ zur Verfügung zu stellen: (2.7) Y LÜ C S+ = + bzw. Y C S LÜ= + − Die Subtraktion der Gleichungen (2.7) und (2.3) liefert dann (2.8) SaldoS I EX IM LÜ LB− = − + = Die Gleichung (2.8) impliziert unmittelbar: Der Leistungsbilanzsaldo entspricht der Differenz zwischen Ersparnis und Investition. Box 2.3: Buy british, achetez français und die Tradition des Merkantilismus Der merkantilistische Gedanke fördert Exporte und versucht, die Inländer von der Einfuhr ausländischer Güter abzuhalten und deren Nachfrage auf inländische Güter zu lenken. Hintergrund war die bei der damals geltenden Goldwährung mit Exportüberschüssen mögliche Akkumulation von Gold. In der heutigen Ausprägung geht es nicht um Gold, sondern vornehmlich um Arbeitsplätze bzw. um den Export von Arbeitslosigkeit. Die Gleichung (2.6) verdeutlicht, dass ein positiver Außenbeitrag Raum schafft für eine inländische Produktion (und somit eine inländische Beschäftigung), die über die inländischen Absorptionsverhältnisse hinausgeht. Der Zusammenhang zwischen dem inländischen Sozialprodukt und einem merkantilen Verhalten wird deutlicher, wenn die Importgüter aufgeteilt werden in importierte Investitions- (If) und Konsumgüter (Cf): (B1) = +f fIM I C wobei der Index f ausländische Güter kennzeichnet. Ferner bietet es sich an, sowohl den inländischen Konsum C als auch die inländische Investition I in in- und ausländische Produkte zu unterscheiden: (B2) hfC C C= + (B3) hfI I I= + wobei der Index h Güter kennzeichnet, die im Inland hergestellt wurden. Die Gleichungen (B1) bis (B3) in (2.4) eingesetzt ergibt: (B4) h hY C I EX= + + Somit ist das inländische Sozialprodukt ex post ausschließlich abhängig von den im Inland konsumierten, dort auch hergestellten Gütern und dem Export. Wirtschaftspolitisch wird daraus oft der (Kurz-)Schluss gezogen, dass Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 28 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator28 Einkommen und Beschäftigung durch eine Stimulierung der Nachfrage nach inländischen Gütern nach merkantilem Muster gefördert werden können. Abgesehen davon, dass hierbei die angebotsseitigen Bestimmungsfaktoren von Einkommen und Beschäftigung vernachlässigt werden, krankt der Ansatz daran, dass den vom Merkantilismus angestrebten positiven Außenbeiträgen gleich hohe negative Außenbeiträge der Partnerländer mit entsprechend negativen Folgen entgegenstehen. Aufgrund der zu erwartenden wirtschaftspolitischen Gegenmaßnahmen des Auslandes ist eine dauerhafte Sicherung von Einkommen und Beschäftigung durch merkantilistisches Verhalten kaum möglich. Werden im Rahmen der Zahlungsbilanzstatistik Vermögensübertragungen und Restposten vernachlässigt, so entspricht dem Saldo der Leistungsbilanz dem Betrage nach ein gleich großer Saldo der Kapitalverkehrsbilanz (einschließlich Devisenbilanz). Bezeichnet man die Differenz aus Kapitalexporten und Kapitalimporten (Nettokapitalexporte) mit KE, so gilt (2.9) SaldoEX IM LÜ LB KE− − = = KE umfasst dabei die Nettokapitalexporte aller inländischen Wirtschaftssubjekte (Haushalte, Unternehmen, Geschäftsbanken, Staat) sowie die Veränderung der Nettoauslandsaktiva der Zentralbank und beschreibt somit die Veränderung des Nettoauslandsvermögens der Volkswirtschaft. Aus der Gleichung (2.9) folgt also: Ein positiver (negativer) Leistungsbilanzsaldo bewirkt eine Zunahme (Abnahme) des Nettoauslandsvermögens einer Volkswirtschaft.7 Das Nettoauslandsvermögen einer Volkswirtschaft entspricht grundsätzlich der Summe aller Leistungsbilanzsalden der Vergangenheit und Gegenwart (zu Ausnahmen siehe Box 2.4). Gleichung (2.8) nach der Ersparnis aufgelöst ergibt (2.10) SaldoS I LB= + In einer offenen Volkswirtschaft setzt sich der Vermögenszuwachs (S) zusammen aus dem Zuwachs an Sachvermögen (I) und dem Leistungsbilanzsaldo. Die beiden letztgenannten Implikationen eines Leistungsbilanzdefizites, die Verringerung der Nettoauslandsposition und die tendenzielle Verringerung des volkswirtschaftlichen Vermögens(zuwachses) sind die Hauptargumente gegen Leistungsbilanzdefizite. Allerdings gibt es auch zu dieser pessimistischen Einschätzung Einschränkungen. Leistungsbilanzdefizite einer Volkswirtschaft können analog zur Entscheidung einzelner Wirtschaftssubjekte gesehen werden, besondere Aktivitäten zu 7 Länder mit insgesamt positivem (negativem) Nettoauslandsvermögen werden als Gläubigerland (Schuldnerland) bezeichnet. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 29 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen 29 finanzieren, indem man sich sic h temporär verschuldet – oder zuvor aufgebaute Ersparnisse abbaut. So kann das deutsche Leistungsbilanzdefizit Anfang/Mitte der 90er Jahre über ein kurzfristig erhöhtes Konsumbedürfnis interpretiert werden, für welches das zuvor aufgebaute (Auslands-)Vermögen geschmälert wurde. Andererseits kann das Leistungsbilanzdefizit gemäß Gleichung (2.8) nicht nur als das Ergebnis einer zu geringen inländischen Ersparnis (bzw. eines zu hohen inländischen Konsums), sondern auch als Ergebnis oder als Finanzierungsmittel einer gesteigerten Investitionsneigung gesehen werden. Insbesondere bei einer hohen Investitionstätigkeit werden deshalb angemessene Leistungsbilanzdefizite von Entwicklungs- und Transformationsländern zumeist nicht negativ beurteilt. Auch in Industrieländern kann ein Leistungsbilanzdefizit als Ausfluss einer hohen Investitionsneigung und somit einer hohen Standortqualität des Inlandes gesehen werden. So werden die US-amerikanischen Leistungsbilanzdefizite seit Anfang der 80er Jahre teilweise als Zeichen für die hohe Investitionsattraktivität und Produktivität der USA gesehen (s. Box 2.4), während die deutschen Leistungsbilanzüberschüsse der 80er Jahre als das Ergebnis einer verringerten Attraktivität des Wirtschaftsstandortes interpretiert werden. Abgesehen von solchen Erwägungen können Leistungsbilanzsalden – unter Vernachlässigung der laufenden Nettotransfers – als intertemporale Allokationsentscheidung einer Volkswirtschaft zwischen gegenwärtiger und zukünftiger Absorption gesehen werden. Ausschließlich vorübergehende Leistungsbilanzdefizite, die unter Bezug auf die zukünftig zu erwartende wirtschaftliche Entwicklung des Landes angemessen erscheinen, sollten nicht negativ bewertet werden. Box 2.4: USA: Trotz Leistungsbilanzdefiziten kein Nettoschuldnerland Die nachstehende Grafik zeigt die zeitliche Entwicklung des Leistungsbilanzsaldos sowie des Nettoauslandsvermögens der USA zwischen 1980 und 2011. Bis 1981 war die Leistungsbilanz der USA mehr oder weniger ausgeglichen. Seit 1982 sind jedoch anhaltende Defizite in der Leistungsbilanz zu erkennen mit einem Tiefstsaldo von mehr als – 802 Mrd. US-$ im Jahre 2006. In einigen Perioden, z. B. zwischen 1994 und 2000, stieg trotz eines negativen Leistungsbilanzsaldos das Nettoauslandsvermögen. Die Ursache sind Wechselkurseffekte und andere Neubewertungen der in der Leistungsbilanz befindlichen Posten. Insgesamt hatten die USA trotz ihres inzwischen systematischen Leistungsbilanzdefizites bis 2010 ein positives Nettoauslandsvermögen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 30 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator30 –800 –600 –400 –200 0 200 400 Mrd. US-$ –800 –600 –400 –200 0 200 400 Mrd. US-$Leistungsbilanzsaldo (linke Y-Achse) Nettoauslandsvermögen (rechte Y-Achse) 1980 1984 1988 1992 1996 2000 2004 2008 Leistungsbilanzsaldo und Nettoauslandsvermögen der USA zwischen 1980 und 2011 Quelle: IMF, World Economic Outlook Database, Oktober 2012. Bureau of Economic Analysis, Stand 27.10.2012. Die nachstehende Tabelle verdeutlicht die Entstehung der Leistungsbilanzdefizite anhand der Gleichung (2.8): (B.1) SaldoLB S I= − Spaltet man die volkswirtschaftliche Ersparnis weiter in private (Sp) und staatliche Ersparnis (Sg) auf, so ergibt sich (B.2) Saldo p gLB S S I= + − Die Daten in der Tabelle sind als prozentuale Anteile des US-Brutto-Sozialprodukts ausgedrückt. Aufgrund von Erhebungsfehlern spiegeln die Zahlen die Zusammenhänge (B.1) bzw. (B.2) nicht exakt wider. Trotzdem lässt sich die Entstehung der Leistungsbilanzdefizite ab den 80er Jahren an den Daten recht gut nachvollziehen. Gemäß (B.1) bzw. (B.2) führt c. p. sowohl eine Verringerung der Ersparnis S = Sp + Sg als auch eine Erhöhung der inländischen Investitionen zu einer Passivierung der Leistungsbilanz. Die Daten suggerieren, dass die Verringerung der Ersparnis als treibender Faktor für die Leistungsbilanzdefizite zu sehen ist. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 31 2.2 Zahlungsbilanz(un)gleichgewichte und Folgen 31 Leistungsbilanz, Ersparnis und Investition in den USA zwischen 1980 und 2011 (in % vom BIP) Jahr LBSaldo Sp Sg S I 1980 0,3 19,0 0,5 19,5 21,1 1984 – 2,3 20,0 – 1,5 19,2 20,0 1987 – 3,3 17,2 – 0,7 16,5 17,2 1990 – 1,3 16,5 – 0,7 15,8 17,3 1994 – 1,6 16,2 – 0,8 15,5 17,0 1997 – 1,6 16,5 1,8 18,3 18,1 2000 – 4,1 13,8 4,3 18,1 16,7 2004 – 5,3 16,0 – 1,3 14,7 14,5 2007 – 5,1 14,2 0,4 14,6 14,5 2010 – 3,3 19,2 – 6,6 12,5 12,5 2011 – 3,5 21,3 – 7,4 13,8 17,6 Quelle: Bureau of Economic Analysis, Stand 26.10.12. Die Abnahme der gesamten Ersparnis, z. B. in den 80er Jahren lässt sich aus der Wirtschaftspolitik zur Zeit der Präsidentschaft Ronald Reagans (1980- 1988) erklären (Reaganomics). Steuersenkungen bei gleichzeitiger Erhöhung der Staatsausgaben vor allem im Rüstungssektor führten zu steigenden Staatsdefiziten (= negative staatliche Ersparnis) und hierüber zu einer verringerten Gesamtersparnis („Zwillingsdefizite des Staatshaushalts und der Leistungsbilanz“). 2.2.4 Zusammenfassung •• Die Gleichgewichtigkeit oder Ungleichgewichtigkeit einer Zahlungsbilanz wird anhand von Salden einzelner bzw. aggregierter Teilbilanzen der Gesamtbilanz beurteilt. Bei festen Wechselkursen eignet sich insbesondere der Saldo der Devisenbilanz. Da bei flexiblen Wechselkursen die Interventionstätigkeit der Notenbanken auf den Devisenmärkten entfällt und der Devisenbilanzsaldo im Allgemeinen gleich Null ist, eignen sich in diesem Fall der Außenbeitrag sowie der Leistungsbilanzsaldo besser zur Analyse. •• Ein andauernder negativer Devisenbilanzsaldo ist problematisch, weil die Erschöpfung der Devisenreserven und die Handlungsunfähigkeit der Notenbank drohen. Ein andauernder positiver Devisenbilanzsaldo ist unerwünscht, weil die Erhöhung der Devisenreserven mit expansiven Wirkungen auf Zentralbankgeldmenge, Geldmenge und inländische Inflation einhergeht. •• Aus der Verwendungsgleichung des Nettosozialproduktes zu Marktpreisen folgt, dass der Außenbeitrag nur dann positiv ist, wenn das Sozialprodukt die Absorption übersteigt. Ein positiver Leistungsbilanzsaldo setzt voraus, dass im Inland mehr gespart als investiert wird. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 32 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator32 •• Ein Leistungsbilanzüberschuss (-defizit) führt zu einer Zunahme (Verringerung) des Nettoauslandsvermögens einer Volkswirtschaft. Da sich der Vermögenszuwachs einer offenen Volkswirtschaft aus der inländischen Investition und der Veränderung des Nettoauslandsvermögens zusammensetzt, verringert ein Leistungsbilanzdefizit das Volksvermögen. 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich: Möglichkeiten und Grenzen Im vorangegangenen Abschnitt wurden die Ursachen und Folgen einer unausgeglichenen Zahlungsbilanz untersucht. Zur Beantwortung der Frage, ob und welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen zur Beseitigung etwaiger Zahlungsbilanzungleichgewichte durchzuführen sind, ist zunächst zu klären, ob automatische, systemimmanente Mechanismen existieren, die in angemessener Frist zum Gleichgewicht zurückführen. Falls solche Mechanismen existieren, sollte sich die Außenwirtschaftspolitik darauf beschränken, eine Ordnungspolitik zu betreiben, welche die Existenz dieser Mechanismen sichert. In den folgenden Abschnitten wird gezeigt, dass tatsächlich automatische Zahlungsbilanzausgleichsmechanismen bestehen, die eine Tendenz zum Ausgleich hervorrufen. Die Anpassungsmechanismen sollen eingeteilt werden in solche, die bei festen Wechselkursen oder flexiblen Wechselkursen wirksam werden. Aufgrund seiner Bedeutung wird zunächst kurz auf den Wechselkursbegriff eingegangen. 2.3.1 Devisenmärkte, flexible und feste Wechselkurse Der Devisenmarkt ist der Allokationsmechanismus von Angebot und Nachfrage der Devisen. Unter Devisen sind dabei kurzfristige Forderungen in ausländischer Währung zu verstehen. (Ausländische Banknoten dagegen tragen die Bezeichnung Sorten.) Je nach Fristigkeit der zugrundeliegenden Devisengeschäfte wird von Kassaund Terminmärkten gesprochen: Während bei Termingeschäften zwischen Vertragsschließung und Vertragserfüllung eine vorher vereinbarte Frist (zumeist 1, 3, 6 oder 12 Monate) liegt, fallen bei Kassageschäften Vertragsvereinbarung und -erfüllung zeitlich zusammen (in der Praxis müssen die Verträge innerhalb von zwei Tagen erfüllt werden). Prinzipielle Quellen des Devisenangebotes (Devisen, die in Inlandswährung umgetauscht werden sollen) sind Waren- und Dienstleistungsexporte, Kapitalimporte und aus dem Ausland empfangene Übertragungen. Quellen der Devisennachfrage (Devisen, die gegen Hingabe von Inlandswährung erworben werden sollen) sind Waren- und Dienstleistungsimporte, Kapitalexporte und an das Ausland geleistete finanzielle Übertragungen. Als Wechselkurs bezeichnet man die Austauschrelation zweier Währungen. Wechselkurse können auf zweierlei Weise ausgedrückt werden. Einmal, in- 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 33 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 33 dem man angibt, wie viel inländische Währungseinheiten für eine ausländische Währungseinheit (z. B. 1 US-$) in Inlandswährung zu zahlen sind (z. B. 0,80 Euro). Dieser Wechselkurs gibt den Preis der Auslandswährung ausgedrückt in Inlandswährung an (Preisnotierung). Aus deutscher Sicht wäre die Preisnotierung für den Dollar z. B. € 0,80 $ w = Die Mengennotierung gibt die erforderliche Menge an Auslandswährung für den Erwerb einer Einheit Inlandswährung an. Die Mengennotierung ergibt sich als der reziproke Wert der Preisnotierung: 1 1 $ $ 1,25 0,80 € €me w w = = = An den Finanzmärkten und in der Wirtschaftsberichterstattung wird die Mengennotierung verwendet. Im Folgenden werden die Wechselkurse – sofern nicht ausdrücklich anders vermerkt – in Preisnotierung angegeben, weil auf diese Weise die gewohnten Zusammenhänge erhalten bleiben (beim Angebot positiver Zusammenhang zwischen angebotener Menge und „Preis“, bei der Nachfrage negativer Zusammenhang). Von einer Abwertung der Inlandswährung spricht man, wenn die Preise der Auslandswährungen, gerechnet in Inlandswährung, steigen. Die Wechselkurse in Preisnotierung liegen dann also höher als bisher. Steigt z. B. der Dollar- Wechselkurs von 0 € 0,75 $ w = auf 1 € 0,85 $ w = so wertet der Euro ab. Entsprechend spricht man von einer Aufwertung, wenn für eine Einheit ausländischer Währung weniger inländische Währungseinheiten aufgewendet werden müssen. In der Regel kann von einem negativen Zusammenhang zwischen Wechselkurs (in Preisnotierung) und der Devisennachfrage ausgegangen werden: Ein steigender Wechselkurs verteuert bei gegebenen Weltmarktpreisen die Inlandspreise der Importgüter, woraufhin sich die Nachfrage nach diesen Gütern und die Notwendigkeit, sich hierfür Devisen zu beschaffen, zurückgehen wird. Auch im Bereich der Finanztransaktionen hat ein steigender Wechselkurs im Allgemeinen einen nachfragedämpfenden Effekt. Finanzanlagen in ausländischer Währung werden, in inländischer Währung gerechnet, teurer und somit unattraktiver. In einer grafischen Darstellung ist die Devisennachfragefunktion somit negativ geneigt. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 34 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator34 Der Zusammenhang zwischen Wechselkurs und dem Devisenangebot ist dagegen in der Regel positiv. Ein steigender Wechselkurs führt bei gegebenem inländischem Preisniveau zur Erhöhung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit, da die Preise im Ausland gesenkt werden können. Unter bestimmten (später zu präzisierenden) Voraussetzungen werden die erzielten Devisenerlöse und somit das Devisenangebot des Exporteurs ansteigen. Auch im Kapitalverkehr kann ein positiver Zusammenhang bestehen: Bei steigenden Wechselkursen werden von den Anlegern vermehrt Währungsgewinne realisiert, d. h. ausländische Wertpapiere veräußert und die entsprechenden Devisenerlöse gegen inländische Währung verkauft. Die Devisenangebotsfunktion ist somit im Allgemeinen positiv geneigt. Die Abb. 2.2 stellt diese Überlegungen grafisch dar. A ist die Funktion des Devisenangebotes und N0 die Funktion der Devisennachfrage. Da von flexiblen Wechselkursen und funktionierendem Marktmechanismus ausgegangen wird, wird sich ein Gleichgewichtskurs w0 bilden, bei dem nachgefragte und angebotene Devisenmenge gleich groß sind und x0 entsprechen. Im Allgemeinen ist der Transparenzgrad auf dem Devisenmarkt, verglichen mit anderen Märkten, sehr hoch. Die Marktteilnehmer – in der Hauptsache die Devisenhändler der Banken – sind hochspezialisiert und verfügen Dank leistungsfähiger Kommunikationssysteme stets über eine gute Marktübersicht. Da in der Regel die Zahl der Anbieter und Nachfrager groß ist, kommt der Devisenmarkt dem Idealtypus eines vollkommenen Marktes näher als die meisten anderen in der Realität anzutreffenden Märkte. Somit ist er ein einheitlicher Markt mit einem einheitlichen Preis. Von flexiblen Wechselkursen wird gesprochen, wenn sich die Notenbanken an der Kursfindung auf den Devisenmärkten nicht beteiligen. Feste Wechselkurse bedeuten eine meist bilaterale Vereinbarung zweier Länder, den Wechselkurs ihrer beiden Währungen mittels Devisenmarktinterventionen oder anderen Devisenmenge [$] w0 w1 Wechselkurs [€ / $] A N0 N1 x1x0x1’ Abb. 2.2: Der Devisenmarkt Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 35 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 35 währungspolitischen Maßnahmen auf einem bestimmten Niveau zu fixieren. Beim sogenannten schmutzigen Floaten liegt keine starre und länger gültige Vereinbarung über ein Wechselkursziel vor, die Notenbanken intervenieren aber dennoch in weniger voraussagbarer Form, um Einfluss auf die Kursgestaltung zu nehmen. Das Erscheinungsbild des Wechselkursverlaufes beim schmutzigen Floaten entspricht eher dem der flexiblen Wechselkurse. Wirtschaftstheoretisch ist dieser Fall jedoch eher den festen Wechselkursen zuzuordnen, da zum einen ein Devisenbilanzsaldo von Null und damit ein automatischer Zahlungsbilanzausgleich nach dem entsprechenden Konzept nicht mehr gesichert sind. Zum anderen können die Ad-hoc-Interventionen als auf ein bestimmtes, im Zweifelsfall täglich neu von den Interventionspartnern festgelegtes, Wechselkursziel interpretiert werden. In dieser Interpretation unterscheidet sich das schmutzige Floaten von den festen Wechselkursen nur durch die Dauerhaftigkeit der Wechselkursziele. 2.3.2 Zahlungsbilanzausgleich bei flexiblen Wechselkursen – Der Wechselkursmechanismus Wie hängt nun der Devisenmarkt mit der Zahlungsbilanz zusammen? Einführend sei wiederholt, dass die beteiligten Notenbanken bei flexiblen Wechselkursen nicht in die Devisenmärkte eingreifen. Die Gleichheit von Devisenangebot und -nachfrage bedeutet damit, dass die Wertsumme aller Transaktionen, die zu einem Devisenangebot führen, übereinstimmt mit der Wertsumme aller Transaktionen, die eine Devisennachfrage bedingen. Die Salden der Leistungsund Kapitalverkehrsbilanz kompensieren sich also.8 Die Devisenreserven der Notenbanken ändern sich nicht. Zumindest nach dem oben besprochenen Zahlungsbilanzausgleichskriterium der ausgeglichenen Devisenbilanz kann somit von einem automatischen Ausgleich der Zahlungsbilanz gesprochen werden. Dies sei anhand des partialanalytischen Preis-Mengen-Diagramms in Abb. 2.2 näher erläutert, das im Übrigen von der vereinfachenden Annahme ausgeht, dass auf dem Devisenmarkt nur eine ausländische Währung (Dollar) gehandelt wird. Zusätzlich wird unterstellt, dass sowohl die Leistungs- als auch die Kapitalverkehrsbilanz in der Ausgangssituation ausgeglichen sind. Von der Existenz des Restpostens wird abstrahiert. Die Devisenbilanz ist (und bleibt) ausgeglichen. Es komme nun zu einer Störung dieses allgemeinen Zahlungsbilanzgleichgewichtes, indem ein Inländer von einem Ausländer ausländische Wertpapiere in erheblichem Umfang erwirbt. Zur Finanzierung wird die Devisennachfrage auf N1 in Abb. 2.2 erhöht. Der Wechselkurs steigt dann auf den neuen Gleichgewichtskurs w1, bei dem eine vergrößerte Devisenmenge x1 umgesetzt wird. Der Devisenmarkt befindet sich wieder im Gleichgewicht. Der aufgrund des Kapitalexportes des Inländers gestiegene Wechselkurs (verringerter Außen- 8 Bei den folgenden Überlegungen werden Vermögensübertragungen erneut vernachlässigt. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 36 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator36 wert der inländischen Währung) verbessert nach dem oben beschriebenen Muster die internationale Wettbewerbsfähigkeit der inländischen Exporteure und führt im Allgemeinen zu erhöhten Devisenerlösen. Andererseits führt der erhöhte Wechselkurs zu einer verringerten inländischen Nachfrage nach Importgütern und Devisen. Diese Vorgänge sind im Preis-Mengen-Diagramm (Abb. 2.2) abzulesen. Dabei soll zunächst vereinfachend angenommen werden, dass das Devisenangebot A und die Devisennachfrage N0 nur aus dem Au- ßenhandel stammen. x0 stellt dann die Devisenerlöse aus Exporten und die Devisenzahlungen für Importe dar, die beim Gleichgewichtskurs w0 zustande kommen. Tritt nun infolge des Kapitalexports zusätzliche Devisennachfrage in Höhe von x1–x1’ auf (Rechtsverschiebung der Nachfragekurve von N0 nach N1), so wird das neue Gleichgewicht zwischen Devisenangebot und -nachfrage beim Wechselkurs w1 dadurch erreicht, dass steigende Exporte zu einer um x1–x0 größeren angebotenen Devisenmenge führen, während sich gleichzeitig die für Importe nachgefragten Devisen um x0–x1’ verringern. Es hat sich also (gemessen in ausländischer Währung) ein Aktivsaldo in Höhe von x1–x1’ in der Leistungsbilanz gebildet, der den gleichgroßen Passivsaldo der Kapitalverkehrsbilanz ausgleicht. In der Realität wird die Erhöhung des angebotenen Devisenmengen um x1–x0 zum erheblichen Teil darauf zurückzuführen sein, dass Inländer die mit der ausländischen Aufwertung verbundenen Gewinne ausländischer Finanzanlagen realisieren. Auch die Verringerung der Devisennachfrage um x0–x1’ ist zum erheblichen Teil auf eine verringerte Bereitschaft, zu dem erhöhten Wechselkurs Forderungen gegenüber dem Ausland zu erwerben, zurückzuführen. Diese beiden Anpassungsreaktionen bedeuten eine tendenzielle Rückführung der zuerst eingetretenen Kapitalbilanzpassivierung. Auch wenn in der Realität diese zweite Reaktion die bedeutendere ist (vgl. Box 6.1), dürfte per Saldo eine Aktivierung der Leistungs- und eine Passivierung der Kapitalverkehrsbilanz verbleiben, da der Außenhandel auf Wechselkursänderungen reagiert. Insgesamt bleibt die Zahlungsbilanz „ausgeglichen“, wenn als Ausgleichskriterium die Devisenbilanz herangezogen wird, denn die Notenbank interveniert nicht. Der Wechselkursmechanismus ist somit mit einem automatischen Ausgleich der autonomen leistungs- und finanzorientierten Transaktionen verbunden. 2.3.2.1 Wechselkursmechanismus und Inflation Durch den Wechselkursmechanismus wird keine Geldmengenveränderung bewirkt, so dass auch keine dadurch verursachte Veränderung des allgemeinen Preisniveaus zustande kommen kann. Die Preiswirkungen, die der Wechselkursmechanismus auslöst, wirken allenfalls auf das Preisgefüge, d. h. sie verändern die Relationen der Importgüter zu den Inlandsgütern. Der Wechselkursmechanismus stellt somit auch einen Schutz gegen eine importierte Inflation dar. Die Abb. 2.3 veranschaulicht die Wirkungsweise des Wechselkursmechanismus bei ausländischer Inflation. Bei normaler Reaktion kommt es zu einer Aktivierung der Leistungsbilanz des preisstabileren Inlandes, weil das Ausland im Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 37 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 37 relativ preiswerter werdenden Inland vermehrt kauft (steigende Exporte des Inlandes). Das Inland vermindert dagegen seine Importe wegen der gestiegenen Auslandspreise. Infolge der Exportausweitung steigt das Devisenangebot auf A1, während die Devisennachfrage aufgrund der Importeinschränkung auf N1 zurückgeht. Bei konstantem Wechselkurs w0 würde sich ein Angebotsüberschuss in Höhe von xA–xN ergeben. Aufgrund des flexiblen Wechselkurses führt das entstehende Überangebot an Devisen zu einem Fallen des Kurses auf w1. Bei voller Gültigkeit der Kaufkraftparität (Kapitel 6) muss der Wechselkurs genauso so stark fallen, dass die Preise der Importgüter in inländischer Währung unver- ändert bleiben. Die Preise der Exportgüter in ausländischer Währung müssen durch die Abwertung der ausländischen Währung im gleichen Umfang steigen wie die ausländischen Güter durch die dortige Inflation zuvor gestiegen waren. Nur so ist sichergestellt, dass es letztlich weder durch steigende Importpreise noch durch steigende Preise der Güter, die exportiert (aber in der Regel auch zum Teil im Inland konsumiert) werden, zur Inflation im Inland kommt. Für eine solche Inflation ist ceteris paribus auch keinerlei Raum: Die Nicht-Intervention der Zentralbank bedeutet, dass sich die Geldmenge nicht ändert. Eine prozentuale Abwertung der ausländischen Währung, welche nicht identisch ist mit der Inflation im Ausland kann in diesem Modellrahmen keine Gleichgewichtssituation darstellen. Angenommen, die Abwertung der ausländischen Währung würde geringer ausfallen als die ausländische Inflation. In diesem Fall würden die Importgüter aus dem Ausland, gerechnet in inländischer Währung, dauerhaft teurer bleiben als zuvor. Und die inländischen Exportgüter würden in ausländischer Währung dauerhaft billiger bleiben als die ausländischen Konkurrenzprodukte. Es käme zu einem Leistungsbilanzdefizit, verbunden mit einem Überschussangebot an Devisen. Der Preisvorteil der Inlandsgüter durch die Inflation im Ausland wird also durch den Wechselkursmechanismus wieder abgebaut. Es kommt also weder zu einer realen Exportsteigerung, noch zu einer Importverringerung. Die in Abb. 2.3 eingezeichnete Erhöhung der gehandelten Devisenmenge ist lediglich nominaler Natur. xAx1x0xN Devisenmenge [$] w0 w1 Wechselkurs [€ / $] A0 N1 N0 A1 Abb. 2.3: Der Devisenmarkt bei ausländischer Inflation Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 38 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator38 Bei den obigen Überlegungen handelt es sich um eine Analyse unter relativ engen Annahmen, die später erläutert werden. Es ist nicht sicher, dass der Anpassungsprozess keine Preisniveausteigerungen im Inland nach sich zieht. Dennoch bleibt hervorzuheben: Beim Wechselkursmechanismus bleibt die Geldmenge c. p. konstant, denn die Notenbank interveniert nicht auf dem Devisenmarkt. Eine schwerwiegende Inflationsquelle, die bei der Inflationsübertragung zwischen Volkswirtschaften mit festen Wechselkursen eine entscheidende Rolle spielt, ist damit ausgeschaltet. 2.3.2.2 Wechselkursmechanismus und Spekulation Die bisherige Betrachtungsweise vernachlässigte den Zeitbedarf der Anpassungsprozesse. Dabei ist hervorzuheben, dass die Reagibilität von Ex- und Importen auf Wechselkursänderungen träge ausgeprägt sein kann. Kommt es beispielsweise wie oben angenommen zu einer Steigerung der Devisennachfrage aufgrund eines Kapitalexportes, so ist das Devisenangebot aus Güterexporten kurzfristig unelastisch. Es dauert eine gewisse Zeit, bis die Exporte wegen der erhöhten Wechselkurse zu steigen beginnen. In der Abbildung 2.4 wird gezeigt, wie in einer solchen Situation der Übergang vom ursprünglichen zum endgültigen Gleichgewicht durch Spekulation beschleunigt werden kann. Aufgrund der erhöhten Devisennachfrage steigt der Wechselkurs zunächst auf w1. Da das Devisenangebot aus Exporten zunächst unelastisch ist, bleibt die umgesetzte Devisenmenge zunächst unverändert (x1 = x0). Zu diesem Zeitpunkt werden Devisenspekulanten aktiv. Wenn diese die Situationen richtig einschätzen und ein baldiges Wiederabsinken des Wechselkurses erwarten, werden sie zum einen Devisen anbieten, weil sie vorher Devisen billiger (zu w0) erworben haben und jetzt einen Gewinn realisieren können. Zum anderen können sie N0 w1 Devisenmenge [$] w0 w2 Wechselkurs [€ / $] A x2x0=x1 N1 Abb. 2.4: Die Rolle der Spekulation am Devisenmarkt Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 39 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 39 nach dem erwarteten Kursrückgang mit der erworbenen Inlandswährung einen höheren Devisenbetrag zurücktauschen. Da Spekulanten schneller reagieren als Außenhändler, werden die Anpassungszeiträume bis zur Ausdehnung des Devisenangebotes auf die Menge x2, bei der sich der endgültige Gleichgewichtswechselkurs w2 ergibt, verkürzt. Zusätzlich werden die Wechselkursausschläge gedämpft, weil bei steigenden Kursen das Devisenangebot aus Spekulationsquellen erhöht wird und bei sinkenden Kursen zusätzliche Nachfrage seitens der Spekulation auftritt. Als Fazit ergibt sich also: Die Spekulation kann dazu beitragen, bei zufälligen und kurzfristigen Störungen des Gleichgewichtes den Gleichgewichtskurs schneller und unter geringeren Kursausschlägen wieder zu erreichen. Bei trendmäßigen Entwicklungen vom ursprünglichen Gleichgewichtskurs fort, kann eine funktionsfähige Spekulation bewirken, dass der Weg zum neuen Gleichgewichtswechselkurs gleichmäßiger verläuft als ohne Spekulation. Allerdings sind einige Voraussetzungen nötig, damit die Spekulation9 ihre stabilisierende Wirkung entfalten kann: •• Die Spekulation verfügt über genügend Mittel, den Markt zu beeinflussen. •• Die Spekulanten konkurrieren miteinander. •• Die Spekulanten sind gut informiert und schätzen die Entwicklung im Durchschnitt und der Tendenz nach richtig ein. •• Das Währungs- und Wechselkurssystem als solches steht nicht in Frage, weil sonst destabilisierende Spekulationen in eine Richtung (one-way-speculation) in Gang gesetzt werden, die die erwartete Systemänderung antizipieren sollen. 2.3.2.3 Anomale Reaktion des Devisenangebotes Bisher wurde stets ein normaler Verlauf der Devisenangebots- und Devisennachfragekurven unterstellt. Für die Devisennachfragekurve ist tatsächlich ein anomaler Verlauf (d. h. positive Steigung der Kurve) mit großer Wahrscheinlichkeit auszuschließen: Die Devisennachfrage für Importe ergibt sich als Produkt aus importierter Gütermenge und Preis in ausländischer Währung. Bei steigendem Wechselkurs (in Preisnotierung) verteuern sich die Auslandswaren aus der Sicht der Inländer, weil sie pro Dollar mehr Euro aufwenden müssen. Als Reaktion ist ein Rückgang der Importe zu erwarten. Im äußersten Fall wäre es denkbar, dass die Importmenge konstant bleibt, weil das Inland auf die Importe angewiesen ist (die Preiselastizität der Importnachfrage wäre dann gleich Null). Die Preise der Importgüter (in Auslandswährung) reduzieren sich tendenziell wegen des Rückgangs der mengenmäßigen Importnachfrage oder bleiben allenfalls konstant.10 9 Auf einige Arten der Währungsspekulation geht das Kapitel 6 näher ein. 10 Ein Sinken der Auslandspreise aufgrund eines Rückgangs der Importnachfrage tritt nur dann ein, wenn die inländischen Importe einen merkbaren Anteil der Weltnachfrage ausmachen. Andernfalls sind die Wirkungen von Veränderungen der Im- Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 40 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator40 Für das Devisenangebot hingegen gilt, dass mit steigendem Wechselkurs die Inlandsgüter für die Ausländer zwar billiger werden, so dass sie mehr nachfragen und die Exportgütermenge steigen wird. Dass steigende Exportmengen auch zu steigenden Devisenerlösen führen, ist jedoch deswegen nicht sicher, weil wegen des gestiegenen Kurses der pro Gütereinheit aufzuwendende Devisenbetrag sinkt. Der gestiegenen Exportmenge steht also ein gesunkener Preis in Auslandswährung gegenüber. Welche der beiden entgegengerichteten Tendenzen überwiegt, hängt von der Elastizität des Exportangebots und der Exportnachfrage ab. An einem einfachen Zahlenbeispiel lässt sich das veranschaulichen. Der Preis eines bestimmten inländischen Exportgutes sei 16 Euro. Bei einem Wechselkurs von 0,8 [€/$] beträgt der Preis dieses Gutes im Ausland (16/0,8 =) 20 $. Werden zu diesem Preis 1 Mill. Einheiten des Gutes exportiert, so beträgt der Devisenerlös (= Devisenangebot) 20 Mill. $. Steigt der Wechselkurs nun auf 0,9 [€/$] (Abwertung des Euro), so sinkt der Preis in Dollar auf 17,78 $. Steigt aufgrund dieser Preissenkung die Exportmenge beispielsweise auf 1,1 Mill. Einheiten, so sinkt der Devisenerlös (Devisenangebot) gegenüber der Ausgangssituation auf (17,78 × 1,1 =) 19,5612 Mill. $. Steigt dagegen die Exportmenge stärker, z. B. auf 1,2 Mill. Einheiten, so steigt der Devisenerlös (= Devisenangebot) von 20 auf (17,78 × 1,2 =) 21,3 Mill. $. Verläuft in einem derartigen Fall die negativ geneigte Devisenangebotskurve flacher als die ebenfalls negativ geneigte Devisennachfragekurve, so wird der Wechselkursmechanismus außer Kraft gesetzt (siehe Abb. 2.5). Tritt hier nämlich eine Störung des Gleichgewichts ein, z. B. durch Verschiebung der Angebotskurve von A0 nach A1, so entsteht bei einem Wechselkurs von w0 ein Angebotsüberschuss in Höhe von x1–x0. Ein Überangebot führt aber auf funktionsfähigen Märkten zu Preissenkungen. In unserem Fall würde daher der Wechselkurs unter w0 sinken. Der anomale Verlauf der Devisenangebotskurve bewirkt aber, dass das Devisenangebot mit sinkendem Wechselkurs zunimmt und zwar stärker als die Devisennachfrage. Der Angebotsüberschuss vergrößert sich also noch. Die Wechselkursänderung beseitigt damit nicht das Ungleichgewicht auf dem Devisenmarkt (und in der Zahlungsbilanz), sondern vergrößert es – eine instabile Marktsituation. Der Fall eines anomalen Devisenangebotes erfreut sich immer wieder größerer theoretischer Aufmerksamkeit. Dennoch ist die praktische Relevanz nur begrenzt. Offensichtlich existiert gerade auf den Devisenmärkten jederzeit ein Gleichgewicht, was frei ist von den mit einem anomalen Angebot verbundenen explosiven Bewegungen. Ursache dürfte unter anderem die Dominanz der finanzorientierten Transaktionen und die nur kurzfristig unelastische Verhaltensweise von Exportangebot und -nachfrage sein. portnachfrage eines einzelnen Landes so gering, dass sie die Weltmarktpreise nicht beeinflussen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 41 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 41 2.3.3 Zahlungsbilanzausgleich bei festen Wechselkursen In dem zurzeit herrschenden Wechselkurssystem besteht zwischen wichtigen Währungen wie dem US-Dollar, dem Euro und dem Yen keinerlei dauerhaft gültige, vertraglich festgehaltene Wechselkursvereinbarung. Aufgrund der hohen Bedeutung dieser Währungen besteht in der Öffentlichkeit häufig der Eindruck, die Weltwirtschaft befände sich in einem System flexibler Wechselkurse. Tatsächlich ist ein Weltwährungssystem, in dem sich die Wechselkurse vollkommen frei bilden, noch nie praktiziert worden.11 Vielmehr besteht zwischen den meisten Währungen der Welt eine gewisse Fixierung. Die Box 2.5, die die verschiedenen Wechselkursvereinbarungen in der Weltwirtschaft darstellt, zeigt deutlich, dass in praxi Systeme fester Wechselkurse von hoher wirtschaftspolitischer Bedeutung sind. Im Folgenden wird gezeigt, dass auch in Systemen fester Wechselkurse endogene Mechanismen existieren, die etwaige Zahlungsbilanzungleichgewichte tendenziell ausgleichen. Box 2.5: Die Weltwirtschaft – weit entfernt von einem System flexibler Wechselkurse Nach dem sogenannten System von Bretton Woods, das mit der Gründung des Internationalen Währungsfonds (IWF, engl.: International Monetary Fund, IMF) Ende 1945 in Kraft trat, hatten sich die Notenbanken von zunächst 44 wichtigen Industrienationen zur Einhaltung fester Wechselkurse untereinander verpflichtet. 1973 wurde das System aufgegeben, nachdem es den Notenbanken nicht mehr gelang, durch angemessene Interventionen 11 Eine detaillierte Darstellung der verschiedenen Weltwährungssysteme im Zeitablauf findet sich z. B. in Argy, V., International Macroeconomics, London and New York, 1994, Kapitel 1. A0 Devisenmenge [$] w0 Wechselkurs [€ / $] N x1x0 A1 Abb. 2.5: Instabiler Devisenmarkt Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 42 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator42 die Wechselkursparitäten einzuhalten. Seither wird teilweise von einem währungspolitischen „Non-System“ der Weltwirtschaft gesprochen. De facto sind jedoch auch heute die meisten Wechselkursrelationen offiziell reguliert. System Anzahl Länder Feste Wechselkurse Bindung an Einzelwährung US-Dollar Euro Andere Währungen Bindung an Währungskorb 91 84 51 26 7 7 Feste, aber anpassungsfähige Wechselkurse Bindung an Einzelwährung Bindung an Währungskorb 13 8 5 Weitgehend flexible Wechselkurse Schmutziges Floaten Unabhängiges Floaten 83 44 39 Gesamt: 187 Quelle: IMF, International Financial Statistics, April 2008. Heute verfügen die 187 Mitgliedsstaaten (Stand: April 2012) des IWF über die Wahlfreiheit hinsichtlich der Gestaltung ihres Wechselkurssystems. Ein System fester Wechselkurse wird zurzeit von 91 Ländern praktiziert. 7 dieser Staaten banden zu diesem Zeitpunkt ihre Wechselkurse an einen speziell definierten Währungskorb. Die verbleibenden 84 Länder orientieren sich an Einzelwährungen wie dem US-Dollar (51) oder dem Euro (26). Die Bindung an Einzelwährungen wird häufig von kleineren Entwicklungsländern verfolgt und ist Ausdruck einer traditionellen Verbundenheit mit dem Leitwährungsland oder aber der Versuch, sich von der Glaubwürdigkeit der Ankerwährung zu profitieren. Feste Wechselkurse mit Möglichkeiten zur Anpassung bestehen gegenwärtig in 13 IWF-Mitgliedsländern (sog. „Intermediate Regimes“). Die Kategorie der Nationen mit weitgehend flexiblen Wechselkursen (84 Länder) wird in der IWF-Statistik noch weiter untergliedert. Als Unterscheidungsmerkmal dient dabei die Art der Zentralbankinterventionen zur Stabilisierung von starken Schwankungen der ansonsten flexiblen Wechselkurse. Zu den 39 Ländern mit einem System des unabhängigen Floatens zählen z. B. die USA, Japan, Kanada und Australien, in denen lediglich extreme Wechselkursschwankungen durch sporadische Zentralbankeingriffe ausgeglichen werden. Im Gegensatz hierzu verfolgen die 44  Länder mit schmutzigem Float (z. B. Indien, Ägypten, Singapur) eine systematische Stabilisierung der ansonsten flexiblen Wechselkurse. Davon verfolgen 3 Länder ein Indikator-orientiertes Floaten, das im Wesentlichen einer stufenflexiblen Wechselkursanpassung entspricht. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 43 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 43 2.3.3.1 Paritätsänderungen Es mag verwundern, dass bei den sogenannten automatischen Zahlungsbilanzausgleichsmechanismen mit Paritätsänderungen, also einer wirtschaftspolitischen Aktion und keiner endogenen Variablen begonnen wird. Tatsächlich besteht jedoch bei erheblichen Zahlungsbilanzungleichgewichten in Festkurssystemen regelmäßig großer Druck, die Paritäten zu ändern: Bei Zahlungsbilanzüberschüssen (Vergrößerung der Devisenreserven) entstünde sonst ein inflationärer Druck im Inland. Bei Zahlungsbilanzdefiziten droht ein Erschöpfen der Devisenreserven, was das Aufrechterhalten der Paritäten dauerhaft unmöglich machen würde. Insofern ist es gerechtfertigt, die politische Reaktion der Paritätsänderung als endogen zu betrachten. Der Erfolg einer solchen Paritätsänderung hängt entscheidend davon ab, ob die neue Parität annähernd dem Kurs entspricht, bei dem weitere Interventionen in der bisherigen Richtung unnötig werden. Der zielgerechte Einsatz dieser währungspolitischen Maßnahme setzt somit voraus, dass man ihre Wirkung auf die Zahlungsbilanz möglichst zuverlässig bestimmen kann. Im Zusammenhang mit der Erklärung des Wechselkursmechanismus (bei flexiblen Wechselkursen) waren schon einige tendenzielle Aussagen darüber gemacht worden, wie erstens der Wechselkurs auf Zahlungsbilanzungleichgewichte reagiert und zweitens die Wechselkursänderung ihrerseits auf die Handels- und Dienstleistungsbilanz (Leistungsbilanz12) einwirkt. Insbesondere die zweite Phase des Problems, nämlich die Reaktion der Zahlungsbilanz auf Wechselkursänderungen, gleicht sich bei flexiblen und festen Wechselkursen. Der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Wechselkursänderung im ersten Fall durch den Marktmechanismus, im zweiten Fall durch politische Entscheidung zustande kommt. Es hat sich bereits gezeigt, dass erhöhte Wechselkurse (Abwertung) tendenziell zu einer Aktivierung und verringerte Wechselkurse (Aufwertung) zu einer Passivierung der Leistungsbilanz führen. Dieses „normale“ Ergebnis muss jedoch nicht eintreten. Vielmehr kann es nach einer Abwertung auch zu einer Passivierung bzw. nach einer Aufwertung zu einer Aktivierung der Leistungsbilanz kommen. Die folgenden Überlegungen gelten daher der Frage, von welchen Voraussetzungen es abhängt, ob die Leistungsbilanz normal oder anomal reagiert. Die Beschränkung der Betrachtung auf die Handels- und Dienstleistungsbilanz erfolgt auch hier wegen der Schwierigkeit, einen eindeutigen Zusammenhang zwischen Wechselkurs und den von vielfältigen Motiven bestimmten internationalen Kreditbewegungen herzustellen. Den Einfluss einer Wechselkursänderung auf die Leistungsbilanz erhält man, wenn man die Veränderung der Exporte und Importe kennt. In die Zahlungsbilanz gehen Export- und Importwerte ein, die sich als Produkt aus Mengen und Preisen der umgesetzten Außenhandelsgüter ergeben. Neben der Mengenänderung muss man also auch die induzierte Preisänderung bei Export- und Im- 12 Zwecks Abkürzung wird im Folgenden der Begriff Leistungsbilanz für die Zusammenfassung von Handels- und Dienstleistungsbilanz sowie der Erwerbs- und Vermögenseinkommen verwendet (laufende Übertragungen werden also ausgeklammert). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 44 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator44 portgütern kennen, wenn man eine Aussage über die Veränderung ihrer Werte machen will. Aus einer Gegenüberstellung der Veränderung von Import- und Exportwert ergibt sich die Wirkung auf die Zahlungsbilanz. Eine Aktivierung tritt ein, wenn ein gestiegener Exportwert einem gesunkenen, konstanten oder schwächer gestiegenen Importwert oder wenn ein gesunkener Exportwert einem stärker gesunkenen Importwert gegenübersteht. Entsprechendes gilt für die Passivierung. Eine solche vergleichende Gegenüberstellung der Exportund Importwertänderungen ist natürlich nur dann sinnvoll, wenn die Werte vergleichbar sind, d. h. in derselben Währung angegeben werden. Im Folgenden werden die Wirkungen einer Wechselkursänderung auf Importe und Exporte untersucht. Für die Entwicklung der Devisensituation ist die Reaktion der Leistungsbilanz in Auslandswährung ($) interessant, für die binnenwirtschaftliche Konjunktur dagegen die Reaktion in Inlandswährung (€). Die folgenden Ausführungen konzentrieren sich auf die Reaktion in inländischer Währung. Bei den Analysen wird von einer Abwertung der Inlandswährung ausgegangen. Für den Fall einer Aufwertung lassen sich die Ergebnisse übertragen. 2.3.3.1.1 Importwert in Inlandswährung bei Abwertung Die Angebots- und Nachfragestrukturen auf dem Importgütermarkt lassen sich aus den Angebots- und Nachfragestrukturen auf den jeweiligen nationalen Märkten ableiten. Dabei sollen die beteiligten Länder vereinfachend in Inland und Ausland eingeteilt werden. In Abb. 2.6 wurde eine Konstellation gewählt, bei der der gleichgewichtige Inlandspreis (P0) über dem Gleichgewichtspreis im Ausland (P0*) liegt. Das Importangebot aus dem Ausland beginnt bei P0*. Erst bei Preisen, die höher liegen, entsteht im Ausland ein Angebotsüberschuss, der dort nicht mehr abgesetzt werden kann und zum Export zur Verfügung steht. Aus den bei ver- Import = Export Nachfrage- überschuss = Import Angebots- überschuss = Export N* Pw P0 A* Gütermenge P0* Güterpreis [€] Ausland Inland Importgütermarkt N A AIM NIM Abb. 2.6: Ableitung des Importgütermarktes Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 45 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 45 schiedenen Preisen sich bildenden Angebotsüberschüssen im Ausland ergibt sich das Importangebot (AIM) des Auslandes. Analog beginnt die Importnachfrage des Inlandes bei P0. Zu niedrigeren Preisen ergibt sich im Inland ein wachsender Nachfrageüberschuss, weil die Inlandsproduktion zu diesen Preisen die Nachfrage nicht mehr deckt. Die Nachfrageüberschüsse bei den verschiedenen Preisen ergeben die Importnachfrage des Inlandes (NIM). Bei Transparenz auf dem Weltmarkt und Fehlen jeglicher Handelshemmnisse wie Zöllen, Transportkosten usw. wird das Inland das Gut importieren. Das zusätzliche Angebot aus dem Ausland lässt den Inlandspreis sinken, die zusätzliche Nachfrage vonseiten des Inlandes lässt den Preis im Ausland steigen. Das Importgleichgewicht ergibt sich im Schnittpunkt der Kurven des Importangebots und der Importnachfrage beim Weltmarktpreis PW. Bei diesem Preis ist der Angebotsüberschuss des Auslandes gleich dem Nachfrageüberschuss im Inland. Das Ausland kann also gerade so viel exportieren, wie das Inland importieren muss, um die Nachfrage zu decken, die mit Hilfe der Inlandsproduktion nicht befriedigt werden kann. Die nationalen Märkte sind damit zu einem einheitlichen Weltmarkt verschmolzen. Der Importgütermarkt isoliert den Teil des Angebotes, der aus dem Ausland stammt und den Teil der Nachfrage, der aus dem Ausland befriedigt wird. Gerechnet in Inlandswährung bleibt die Nachfragekurve durch eine Abwertung unberührt, denn die inländischen Nachfrager werden nach der Abwertung für gegebene Euro-Preise die gleichen Mengen abnehmen wie vorher. Für die ausländischen Anbieter, die in „ihrer“ ausländischen Währung rechnen, muss sich der Preis in Euro um den Abwertungssatz erhöhen, wenn sie nach Umtausch in Auslandswährung dasselbe erlösen wollen wie vorher. Die Kurve des Importangebots verschiebt sich daher proportional um den Abwertungs- Gütermenge Güterpreise [€] Abb. 2.7(c)Abb. 2.7(b)Abb. 2.7(a) AIM’ AIM’AIM’ AIMAIMAIM NIM NIM NIM P1 P1 P0=P1 P0 P0 x0 x0 x0=x1x1 x1 + − Abb. 2.7: Importgütermarkt Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 46 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator46 satz nach oben (von AIM nach AIM‘ in Abb. 2.7(a)). Die Folge ist eine Verringerung der Importmenge auf x1 einerseits und eine Erhöhung der Importpreise auf P1 andererseits. Diese entgegengesetzte Veränderung von Preis und Menge tritt immer ein, außer das Importangebot ist völlig preisunelastisch (eIM = 0). In diesem Fall verschiebt sich die Importangebotskurve quasi auf sich selbst nach oben. Folglich bleiben Importmenge, -preis und -wert unverändert. Abgesehen von diesem Grenzfall bedeuten die gegenläufigen Preis- und Mengeneffekte, dass der Importwert infolge einer Abwertung zu- oder abnehmen kann, je nachdem, welche der entgegengesetzten Tendenzen überwiegt. Bei elastischem Importangebot (eIM > 0) entscheidet darüber die Elastizität der Importnachfrage (hIM). In Abb. 2.7 ist diese Abhängigkeit anhand dreier Spezialfälle dargestellt. Bei völlig elastischer Importnachfrage (Abb. 2.7(b)) verringert sich der Importwert (Verminderung der Importmenge bei konstantem Preis). Bei unelastischer Importnachfrage (Abb. 2.7(c)) erhöht sich der Importwert (höherer Preis bei konstanter Menge). Bei einer Nachfrageelastizität von 1 (Abb. 2.7(a)) bleibt der Importwert konstant. Insgesamt gilt: 1. hIM > 1 → sinkender Importwert infolge einer Abwertung 2. hIM = 1 → konstanter Importwert infolge einer Abwertung 3. hIM < 1 → steigender Importwert infolge einer Abwertung 2.3.3.1.2 Exportwert in Inlandswährung bei Abwertung Der Exportgütermarkt kann mit ähnlichen Überlegungen abgeleitet werden wie der Importgütermarkt. Das Exportangebot ergibt sich als das Überschussangebot des inländischen Marktes zu den jeweiligen inländischen Preisen, die Exportnachfrage als Überschussnachfrage des ausländischen Marktes zu den jeweiligen ausländischen Preisen. Die Abb. 2.8 gibt die resultierende Exportmarktstruktur mit dem Exportangebot wieder. Das Exportangebot der inländischen Exporteure bleibt von der Abwertung unberührt. Sie bieten nach wie vor zu entsprechenden Euro-Preisen die gleichen Mengen an. Die ausländischen Nachfrager inländischer Exportgüter jedoch können einen um den Abwertungssatz erhöhten Preis in Inlandswährung akzeptieren, ohne dass sich der Preis (in Dollar gerechnet) erhöht. Die Nachfragekurve verschiebt sich daher um den Abwertungssatz proportional nach oben. Das Ergebnis ist eine erhöhte Exportmenge (x1) bei erhöhtem Preis (P1) (vgl. Abb. 2.8(a)). Der Exportwert in Inlandswährung steigt unabhängig von der Elastizität des Exportangebotes (eEX). Allerdings ist das Ausmaß der Exportwertsteigerung von der Elastizität der Exportnachfrage (hEX) abhängig. Die Abb. 2.8(b) und 2.8(c) zeigen die Extremfälle einer vollkommen elastischen bzw. vollkommen unelastischen Exportnachfrage ( hEX = ∞ und hEX = 0). Es ist offensichtlich, dass die Exportwertsteigerung (blaue Flächen) mit sinkender Elastizität der Exportnachfrage abnimmt und bei unelastischer Exportnachfrage gleich Null ist. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 47 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 47 Aus der Zusammenfassung der Resultate für Importwert und Exportwert ergibt sich für die Wirkung auf den Saldo der Leistungsbilanz (in Inlandswährung): Unter bestimmten Konstellationen kann es also, entgegen der Absicht der Paritätsänderung (inländische Abwertung), zu einer Passivierung der Leistungsbilanz als Folge einer Abwertung kommen. 2.3.3.1.3 Formale Bedingungen für eine normale Reaktion der Zahlungsbilanz Die Marshall-Lerner-Bedingung Eine formalere und exaktere Antwort auf die Frage, wann Abwertungen zu Leistungsbilanz- und damit zu Zahlungsbilanzaktivierungen führen, hat der englische Nationalökonom Alfred Marshall 1923 gegeben. Diese wurde 1944 vom Amerikaner A.P. Lerner bestätigt. Die nach ihnen benannte Marshall- Lerner-Bedingung besagt folgendes: Gütermenge Güterpreise [€] Abb. 2.8(c)Abb. 2.8(b)Abb. 2.8(a) NEX=NEX’ NEX’ NEX’ AEXAEXAEX NEX NEX P1P1 x0 P0 P0P0 x0x0 x1x1 Abb. 2.8: Exportgütermärkte Tab. 2.3: Wirkungen einer Abwertung Exportwert Importwert Leistungsbilanz steigt immer (Ausnahme: hEX = 0) sinkt bei hIM > 1 Aktivierung konstant bei hIM = 1 Aktivierung steigt bei hIM < 1 a) steigt weniger als Exportwert Aktivierung b) steigt genau wie Exportwert keine Wirkung c) steigt stärker als Exportwert Passivierung (anomal) Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 48 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator48 Die Leistungsbilanz reagiert auf Wechselkursänderungen dann normal, wenn die Summe der absoluten Elastizitäten der Export- und Importnachfrage größer als eins ist.13 Formal lässt sich diese Bedingung schreiben als (2.11) 1EX IMη η+ > oder 1EX IMη η+ < − Diese Bedingung für eine normale Reaktion der Handels- und Dienstleistungsbilanz gilt unter zwei Voraussetzungen: 1. Export- und Importangebot müssen völlig elastisch sein (eEX = eIM = ∞). 2. Vor der Wechselkursänderung muss die Handels- und Dienstleistungsbilanz ausgeglichen gewesen sein (EX = IM). Die Robinson-Bedingung Die grafische Analyse der vorigen Abschnitte zeigte, dass auch die Angebotselastizitäten den Zahlungsbilanzeffekt einer Wechselkursänderung mitbestimmen. So stellte sich z. B. heraus, dass eine Veränderung des Importwertes nicht eintreten konnte, wenn das Importangebot völlig unelastisch war. Bei eIM > 0 jedoch war eine Änderung des Importwertes möglich und bei gegebenem eIM von der Nachfrageelastizität (hIM) abhängig. Der englischen Nationalökonomin Joan Robinson ist 1947 die Klärung des Einflusses der Angebotselastizitäten von Export und Import auf die Zahlungsbilanzwirkung von Wechselkursänderungen gelungen. Die nach ihr benannte Robinson-Bedingung lautet:14 (2.12) 1 ( 1)IM EXEX IM IM EX IM EX η ηη η ε ε ε ε ⋅ + < − + + + ⋅ Ein Vergleich mit der Marshall-Lerner-Bedingung zeigt, dass diese ein Spezialfall der Robinson-Bedingung ist. Setzt man die Angebotselastizitäten (eEX und eIM) in (2.12) entsprechend der Voraussetzungen der Marshall-Lerner- Bedingung gleich unendlich, so wird der Ausdruck η η ε ε ε ε ⋅ + + ⋅ ( 1)IM EX IM EX IM EX gleich Null und (2.12) ist mit der Marshall-Lerner-Bedingung identisch. Ferner sieht man, dass derselbe Ausdruck bei endlichen Elastizitäten positiv werden muss. Das aber bedeutet, dass die Zahlungsbilanz auch dann normal reagiert, wenn die Summe der Nachfrageelastizitäten (hEX + hIM) um diesen positiven Betrag größer ist als – 1, in absoluten Werten also kleiner als 1 ist. Ein Bei- 13 Zur Ableitung, vgl. Anhang A2 sowie Marshall, A., Money, Credit and Commerce, London 1923, S. 167 ff. sowie Lerner, A.P., The Economics of Control (New York, 1944). 9. Wiederabdruck, New York 1957, S. 377 ff. 14 Robinson, J., The Foreign Exchanges, in: Essays in the Theory of Employment, 2. Aufl., Oxford 1947, S. 139 ff. Zur Ableitung vgl. Anhang A2. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 49 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 49 spiel: Gesetzt den Fall, der Ausdruck, der mit fallenden Angebotselastizitäten anwächst, ergäbe 0,4, so reagiert die Zahlungsbilanz auch dann normal, wenn η η η η+ − + + < −< 1 0,4 also 0,6EX IM EX IM ist. Mit anderen Worten: Je kleiner die Angebotselastizitäten sind, desto kleiner können auch die Nachfrageelastizitäten sein, ohne dass es zu einer anomalen Zahlungsbilanzreaktion kommt. Insgesamt lässt sich das folgende Fazit ziehen: Die Reaktion der Zahlungsbilanz (Handels- und Dienstleistungsbilanz) auf Wechselkursänderungen hängt sowohl von den Nachfrage- als auch von den Angebotselastizitäten ab. Sie reagiert umso eher normal, je größer die Nachfrageelastizitäten und je geringer die Angebotselastizitäten sind. 2.3.3.1.4 Wirkungen aufgrund von Paritätsänderungen: Bestehende Leistungsbilanzsalden und deren Denominierung Eine Einschränkung hinsichtlich der Robinson-Bedingung (2.12) muss noch gemacht werden: Sie gilt nur unter der Voraussetzung, dass Export- und Importwerte vor der Wechselkursänderung gleich groß sind (EX = IM). Da aber gerade die Unausgeglichenheit der Handels- und Dienstleistungsbilanz eine der wichtigsten Ursachen für administrative Wechselkursänderungen darstellt, erscheint eine Ausweitung der Robinson-Bedingung auf den allgemeineren Fall einer unausgeglichenen Handelsbilanz sinnvoll. Die im Anhang A2 abgeleitete Bedingung (A2.18) zeigt, dass bei gegebenen Angebots- und Nachfrageelastizitäten auf dem Export- und Importmarkt eine normale Reaktion der Leistungsbilanz in ausländischer Währung desto wahrscheinlicher wird, je größer ein in der Ausgangssituation vorhandenes Leistungsbilanzdefizit bzw. je kleiner ein vorhandener -überschuss ist. Bei Existenz eines Leistungsbilanzsaldos wird nun eine Unterscheidung bei der Berechnung in in- und ausländischer Währung bedeutsam. Diese war bei einer zum Ausgangszeitpunkt ausgeglichenen Leistungsbilanz irrelevant, weil eine durch eine Wechselkursänderung bewirkte Saldoveränderung stets in die gleiche Richtung läuft: Die Entstehung jedes noch so kleinen Aktiv-Saldos in Euro gerechnet bedeutet auch einen (unter Umständen kleineren) Dollar-Aktiv-Saldo. Besteht jedoch vor der Wechselkursänderung schon ein Euro-Saldo, dessen Dollarwert sich als 0€ $0 0 LB LB w = ergibt, so kann eine Paritätsänderung auf w1 entgegengesetzte Veränderungen des Euro- und des Dollar-Saldos bewirken. Beispielsweise mag, unter den genannten Bedingungen, nach einer inländischen Abwertung auf w1 (w1 >w0) eine tendenzielle Aktivierung der Leistungsbilanz, gerechnet in inländischer Währung erfolgen. Für die Bedingungen einer gleich gerichteten Veränderung Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 50 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator50 des Euro- und des Dollar-Saldos der Leistungsbilanz nach einer Wechselkurs- änderung gilt folgendes: 1. Ein Ansteigen des Euro-Saldos in absoluten Werten (Vergrößerung eines Exportüberschusses oder eines Importüberschusses) 0 1DM DM LB LB< nach einer Wechselkursänderung führt nur dann auch zu einer Vergrößerung des absoluten Dollar-Saldos 0 1 0 1 DM DMLB LB w w < wenn (2.13) 1 0 1 0 DM DM LBw w LB < d. h., wenn die proportionale Änderung des Wechselkurses geringer ausfällt als die proportionale Änderung des Leistungsbilanzsaldos oder wenn der Wechselkurs gar sinkt. 2. Beim Sinken des absoluten Euro-Saldos 0 1€ € LB LB> gilt: Der Dollar-Saldo sinkt, 0 1€ € 0 1 LB LB w w > wenn (2.14) 1 0 €1 0 € LBw w LB > d. h., wenn der Wechselkurs proportional weniger fällt als der Leistungsbilanzsaldo, gerechnet in inländischer Währung, oder wenn der Wechselkurs steigt. Der unter 2. analysierte Fall ist der für die wirtschaftspolitische Praxis relevantere, da mit einer Paritätsänderung zumeist ein Leistungsbilanzausgleich angestrebt wird. Deshalb sei für den Fall der Verringerung des Leistungsbilanzsaldos kurz auf die beiden Fälle eines zuvor bestehenden Leistungsbilanzdefizites oder -überschusses eingegangen. Zur Verringerung eines Leistungsbilanzdefizites, gerechnet in inländischer Währung, wird – eine normale Reaktion vorausgesetzt – üblicherweise eine Abwertung der inländischen Währung (w0 < w1) vorgenommen. Nach (2.14) kommt es bei normaler Leistungsbilanzreaktion stets zu einer gleich gerichteten und erwünschten Aktivierung der Leistungsbilanz in in- und ausländischer Währung. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 51 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 51 Zur Verringerung eines Leistungsbilanzüberschusses, gerechnet in inländischer Währung, wird – eine normale Reaktion vorausgesetzt – üblicherweise eine Aufwertung der inländischen Währung (w0 > w1) vorgenommen. Nach (2.14) kommt es zu einer gleich gerichteten und erwünschten Passivierung der Leistungsbilanz in in- und ausländischer Währung, wenn der Leistungsbilanzsaldo in Inlandswährung proportional stärker fällt als der Wechselkurs. Auf eine z. B. 10 %-ige Aufwertung muss also der Leistungsbilanzsaldo, gerechnet in inländischer Währung, um mehr als 10 % zurückgehen. Ansonsten erhöht sich der Leistungsbilanzsaldo, gerechnet in ausländischer Währung. Insbesondere Situationen, in denen sich der absolute Euro-Saldo und der Au- ßenwert des Euro gegenläufig verändern, rufen Leistungsbilanzänderungen hervor, die – gerechnet in in- und ausländischer Währung – unterschiedlich ausfallen. Aus diesen Überlegungen lässt sich das folgende Fazit ziehen: Ist die Leistungsbilanz ausgeglichen (LB = 0), so hat ein durch eine Wechselkursänderung hervorgerufener Leistungsbilanzsaldo sowohl in Inlands- als auch in Auslandswährung das gleiche Vorzeichen (entweder Aktiv- oder Passivsaldo in beiden Währungen). Bei Existenz eines Leistungsbilanzsaldos (LB ≠•0) vor der Wechselkursänderung gilt diese Aussage nicht. Unter bestimmten Voraussetzungen kann die Wechselkursänderung entgegengesetzte Veränderungen der Euro- und der Dollar-Salden bewirken. Dieses Ergebnis ist wirtschaftspolitisch von Bedeutung, denn es beinhaltet die Möglichkeit einer Zielkollision. Ist z. B. die konkrete wirtschaftliche Situation durch Stagnation bei gleichzeitiger Passivität der Leistungsbilanz gekennzeichnet, so wäre sowohl eine Steigerung von Einkommen und Beschäftigung als auch ein Abstoppen der Devisenabflüsse durch Aktivierung der Zahlungsbilanz anzustreben. Eine zu diesem Zweck unternommene Abwertung kann jedoch unter Umständen einerseits die Leistungsbilanz in Inlandswährung aktivieren und damit einkommenssteigernd wirken, andererseits aber die Leistungsbilanz in Auslandswährung passivieren und damit die Auslandsverschuldung noch verstärken. 2.3.3.1.5 Grenzen der Elastizitätsanalyse Für die Ermittlung, ob auf eine Paritätsänderung eine normale Reaktion der Leistungsbilanz erwartet werden kann, ist die Kenntnis der Angebots- und Nachfrageelastizitäten auf Import- und Exportgütermärkten von zentraler Bedeutung. Die empirische Ermittlung von Elastizitäten ist jedoch selbst auf kleinen, gut abgrenzbaren Teilmärkten mit großen Schwierigkeiten verbunden. Diese Schwierigkeit wird mit der Notwendigkeit der Aggregation der einzelnen Gütermärkte zu „Import-“ und „Exportgüter-Märkten“ noch erhöht. Eine weitere Schwierigkeit bei der Elastizitätsermittlung besteht darin, dass es sich nicht um fixe Größen handelt. Vielmehr sind sie erstens von verschiedenen ökonomischen Faktoren abhängig und (teilweise hiermit verbunden) zweitens im Zeitablauf veränderlich. Eine sich ändernde Wettbewerbsintensität im Inoder Ausland, technischer Fortschritt oder veränderte Konsumgewohnheiten Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 52 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator52 haben unmittelbaren Einfluss auf die Elastizitäten. Was die Veränderlichkeit der Elastizitäten im Zeitablauf betrifft, so reagieren die am Außenhandel Beteiligten in der Regel mit gewissen Zeitverzögerungen auf eine Wechselkursänderung. Dieses führt dazu, dass häufig zwar kurzfristig eine anomale Reaktion zu konstatieren ist, langfristig jedoch die normale Reaktion der Leistungsbilanz eintritt (vgl. Box 2.6). Box 2.6: Der J-Kurven-Effekt Auf eine Abwertung wird normalerweise eine tendenzielle Aktivierung der Leistungsbilanz erwartet. In der Wirtschaftspraxis wird jedoch häufig beobachtet, dass sich der Leistungsbilanzsaldo, gerechnet in inländischer Währung, nach einer Abwertung zunächst tendenziell passiviert. Dieser in der Literatur entsprechend seiner grafischen Form J-Kurven- (oder auch Spazierstock-) Effekt genannte Sachverhalt lässt sich wie folgt erklären: 0 Leistungsbilanzsaldo Zeit Passiv Aktiv Zeitpunkt der Abwertung Der J-Kurven-Effekt Das Inland muss bei Importen die Weltmarktpreise akzeptieren. Diese Weltmarktpreise werden bei wichtigen Importen in ausländischer Währung fakturiert (Beispiel: deutsche Rohölimporte werden zumeist in US-Dollar fakturiert). Bei konstanten Weltmarktpreisen führt eine Abwertung zu erhöhten Preisen in inländischer Währung. Da kurzfristig die Nachfrage nach den Importgütern nicht verringert werden kann (Existenz von mittel- und langfristigen Bezugsverträgen; nur geringe Möglichkeiten, das Importgut kurzfristig durch inländische Güter zu substituieren oder den Verbrauch zu drosseln), steigt der Importwert in inländischer Währung. Andererseits werden die inländischen Exporteure eine Abwertung häufig nicht dazu nutzen, die Exportpreise in inländischer Währung zu erhöhen, sondern versuchen, ihre Weltmarktanteile langfristig zu erhöhen. Kurzfristig wird jedoch auch die Exportnachfrage, aus ähnlichen wie den bereits genannten Gründen kaum steigen, so dass der Exportwert kurzfristig zur Stagnation neigt. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 53 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 53 Insgesamt kann sich somit kurzfristig eine Passivierung der Leistungsbilanz nach einer Abwertung ergeben. Mittel- bis langfristig sind die Anpassungsmöglichkeiten hingegen hinreichend hoch, um eine normale Reaktion der Leistungsbilanz hervorzurufen. Der Spazierstock-Effekt spielte in den 80er und 90er Jahren eine gewisse Rolle bei der Erklärung japanischer und US-amerikanischer Leistungsbilanzdefizite. Die USA wiesen Mitte der 80er Jahre ein erhebliches Leistungsbilanzdefizit auf. Nach der seit Anfang 1985 sukzessiv erfolgten, deutlichen Abwertung des Dollars reagierte die US-Leistungsbilanz jedoch nicht mit einer tendenziellen Aktivierung. Vielmehr passivierte sich die Leistungsbilanz weiter. Zur Erklärung wurde teilweise eine Verkettung von sukzessiven, sich überlagernden J-Kurven-Effekten nach den schubweisen Abwertungen des Dollars herangezogen. Ähnlich verlief die Diskussion in Japan, wo es trotz einer erheblichen Aufwertung des Yen zu steigenden Leistungsbilanzüberschüssen kam. Literatur: Magee, S. P., Currency Contracts, Pass-Through and Devaluation, Brookings Papers on Economic Activity, 1973, No. 1 (1973). Trotz dieser „empirischen Lücke“ hatte sich nach dem Zweiten Weltkrieg in wissenschaftlichen Kreisen – im Gegensatz zu der im politischen Bereich verbreiteten Ansicht – zunächst die Meinung durchgesetzt, dass die Nachfrageelastizitäten im Außenhandel im Allgemeinen so klein seien, dass nicht mit normalen Leistungsbilanzreaktionen auf Wechselkursänderungen zu rechnen sei (Elastizitätspessimismus). Mit der starken Ausdehnung des Welthandels nach dem Zweiten Weltkrieg ist ein Meinungsumschwung eingetreten. Mit zunehmender Zahl der am Welthandel Beteiligten stiegen für die Nachfrager die Substitutionsmöglichkeiten, während das Gewicht der einzelnen Anbieter am Gesamtmarkt abnahm. Dies führte zu gesteigerten Angebots- und Nachfrageelastizitäten. Verallgemeinerte Aussagen sind jedoch fragwürdig, weil die wirtschaftliche, insbesondere die außenwirtschaftliche Situation der einzelnen Länder oft erhebliche Unterschiede aufweist. Deshalb können sich Aussagen über die zu erwartende Leistungsbilanzreaktion nur auf ein bestimmtes Land oder äußerstenfalls auf eine Gruppe von Ländern beziehen, deren Wirtschaftsstrukturen weitgehende Ähnlichkeiten aufweisen. Kleine Länder werden grundsätzlich aufgrund der nur geringen Zahl inländischer Produzenten, deren Produktionen die Importgüter substituieren können, unter einer erhöhten Importabhängigkeit bzw. einer geringeren Elastizität der Importnachfrage leiden. Ähnliches gilt wegen der nur begrenzten Anzahl der inländischen Nachfrager, welche die Exportgüter absorbieren könnten, bzgl. ihrer Exportabhängigkeit und für die Elastizität des Exportangebotes. Auch die Struktur des Außenhandels ist von Belang. Werden vorwiegend lebensnotwendige Güter wie Nahrungsmittel importiert, so ist die Nachfrageelastizität gering. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 54 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator54 Die Elastizitätsdiskussion erfährt regelmäßig neue Aktualität, da der Internationale Währungsfonds Entwicklungs- oder Schwellenländern im Rahmen der konditionellen Kreditvergabe häufig eine Abwertung zur tendenziellen Aktivierung der Leistungsbilanzen vorschreibt. Abgesehen von dem entstehenden inflationären Druck aufgrund der möglichen Erhöhung der inländischen Preise wichtiger Importgüter wird in die Diskussion eingebracht, dass die erhoffte Leistungsbilanzaktivierung nicht eintreten könne, weil die inländische Wirtschaft für die importierten Konsum- und Investitionsgüter keine Substitutionsgüter fertigen könne. Bei der Elastizitätsanalyse wird von vollkommener Konkurrenz ausgegangen. Bei vermachteten Märkten gelten jedoch wesentliche Schlussfolgerungen nicht. Während bei vollkommener Konkurrenz und einer Aufwertung der inländischen Währung die Exporteure gezwungen sind, ihre Preise in Auslandswährung zu erhöhen, um damit den ursprünglichen Preis in Inlandswährung zu halten, besteht diese Notwendigkeit im Monopol nicht unbedingt. Ein Monopolist kann (zumindest zeitweise im strategischen Kalkül), um potentielle Neuanbieter vom Markt fernzuhalten, den alten Preis (in Auslandswährung) auf Kosten seines Gewinns beibehalten. Er müsste zwar einen Rückgang der Stückerlöse in heimischer Währung hinnehmen, nicht jedoch einen Rückgang der Absatzmenge. Das Exportangebot wäre also in Bezug auf die Preise in Inlandswährung unelastisch. Daraus resultierte dann ein anderer Exportwert als auf einem polypolistischen Markt. Die Elastizitätsanalyse beruht auf einem partialanalytischen Ansatz. Dabei bleibt unbeachtet, dass Preisveränderungen auf dem Exportmarkt auch auf den Binnenmarkt durchschlagen, sofern die Exportgüter auch im Inland abgesetzt werden. Diese Preisveränderungen können Substitutionsprozesse nach sich ziehen, die unter Umständen auch den Importgütermarkt beeinflussen. Eine unmittelbare Beziehung zwischen Importen und Exporten ist dann gegeben, wenn Importgüter als Vorprodukte in die Exportgüter eingehen. Eine abwertungsbedingte Ausdehnung des Exportgüterabsatzes würde in diesem Fall direkt eine Ausdehnung der Importnachfrage bewirken und damit den Importwert entgegen dem Abwertungseffekt beeinflussen. Unberücksichtigt bleiben bei der Elastizitätsanalyse auch andere sekundäre Wirkungen von Wechselkursänderungen. Z. B. geht mit einer Änderung des Außenbeitrages eine Änderung des Volkseinkommens einher. Da das Volkseinkommen die Importhöhe positiv beeinflusst, wird die aus einer Abwertung resultierende Steigerung des Volkseinkommens eine Importsteigerung induzieren, die die abwertungsbedingte Aktivierung der Leistungsbilanz teilweise wieder rückgängig macht. 2.3.3.2 Preise und Zahlungsbilanz Neben dem zuvor ausführlich besprochenen Quasi-Ausgleichsautomatismus über Paritätsänderungen existieren bei festen Wechselkursen auch Ausgleichsautomatismen, die nicht des Zutuns der Wirtschaftspolitiker bedürfen. Ein erster solcher Mechanismus ist der Geldmengen-Preis-Mechanismus. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 55 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 55 Die Wirkungsweise soll an einem Beispiel veranschaulicht werden. Angenommen ein Inländer erhält einen Kredit aus dem Ausland, ohne den Kredit zu Güterkäufen im Ausland zu verwenden. Im kreditnehmenden Inland kommt es zu einer Erhöhung des Devisenangebots. Die Notenbank muss zwecks Stabilisierung des Wechselkurses Devisen aufkaufen und erhöht die Zentralbankgeldmenge, was via Geldschöpfungsprozess zur Erhöhung der inländischen Geldmenge führt. Im Inland steigen die Preise. Das entstehende Preisgefälle zwischen In- und Ausland bewirkt sinkende Exporte und steigende Importe, also eine Passivierung der Leistungsbilanz im kreditnehmenden Inland. Die durch den Kapitalimport verursachte Aktivierung der Zahlungsbilanz wird kompensiert. Die Wirksamkeit des Geldmengen-Preis-Mechanismus erfährt in der Praxis vielfache Einschränkungen: 1. Zunächst einmal müssen Devisenangebot oder -nachfrage durch die Zahlungsbilanzstörung verändert werden. In den meisten Fällen, in denen dies nicht geschieht (Verwendung des Kredites zur Importfinanzierung), kommt es auf direkte Weise und ohne den Mechanismus zu einem Ausgleich. 2. Kommt es wie geschildert zur Erhöhung des Devisenangebotes, so führt dies nur dann zu einer gleich hohen Devisenreservenerhöhung bei der Zentralbank, wenn die Zentralbank zur Intervention verpflichtet ist. 3. Eine Erhöhung der Devisenreserven muss die Zentralbankgeldmenge nicht im gleichen Umfang erhöhen, weil typischerweise eine neutralisierende Offenmarktpolitik betrieben wird. 4. Ob die Erhöhung der Zentralbankmenge zur Ausweitung der Geldmenge führt, hängt wesentlich vom Verhalten der Geschäftsbanken, aber auch vom Verhalten der Nichtbanken ab. Bei erhöhter Neigung zur Haltung von Überschussreserven seitens der Geschäftsbanken oder erhöhter Bargeldhaltung der Nichtbanken kann der expansive Effekt auf die Geldmenge aufgrund der verringerten Geldschöpfungsmöglichkeiten gedämpft werden. 5. Selbst wenn die Geldmenge steigt, ist ein steigendes Preisniveau insbesondere kurzfristig nicht gesichert. Dies gilt insbesondere dann, wenn dem gewachsenen Geldangebot eine adäquat gestiegene Geldnachfrage z. B. nach Vorsichts- oder Spekulationskasse gegenübersteht. In diesem Fall verringert sich die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (definiert als Bruttosozialprodukt/Geldmenge), und der quantitätstheoretische Ansatz zeigt, dass der inflationäre Effekt einer steigenden Geldmenge in diesem Fall verhindert werden kann. Selbst wenn diese Verringerung der Geldumlaufgeschwindigkeit nicht ausreichen sollte und die nominale Güternachfrage wächst, so ist eine proportionale Zunahme des Preisniveaus nur zu erwarten, wenn die reale Produktion nicht steigt. 6. Die eventuell dennoch eintretenden Preisniveausteigerungen müssen die Leistungsbilanz nicht passivieren. So wie bei den administrativen Wechselkursänderungen ist auch hier eine anomale Leistungsbilanzreaktion möglich. Eine Erhöhung der Inlandsnachfrage aufgrund der Geldmengenexpansion führt zur Nachfrageerhöhung auf dem Importgütermarkt, weil die Nachfrageüberschüsse bei den jeweiligen Preisen gestiegen sind. Für den Fall Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 56 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator56 einer völlig unelastischen Importnachfrage ( hIM, PIM = 0)15 bleiben jedoch sowohl Importmenge als auch Importpreis und damit auch der Importwert konstant. Was den Exportwert betrifft, so führt die Nachfrageerhöhung im Inland zu einer Verringerung des inländischen Exportangebotes, weil die Inlandsnachfrage jetzt einen größeren Anteil des Gesamtangebots absorbiert. Folglich steigen tendenziell die Preise auf dem Exportgütermarkt, während die abgesetzten Mengen sinken. Welche der beiden Wirkungen auf den Exportwert überwiegt, hängt von der Preiselastizität der Exportnachfragekurve im relevanten Bereich ab. Ist diese hoch, ( hEX, PEX > 1), so schrumpft der Exportwert. Andernfalls ( hEX, PEX < 1) erhöht sich der Exportwert. Im letzteren Fall einer Erhöhung des Exportwertes aufgrund der Verknappung des inländischen Exportangebotes ist eine anomale Aktivierung der Leistungsbilanz möglich. Als eine Bedingung für eine normale Reaktion (d. h. hier Passivierung) der Leistungsbilanz auf eine Preisniveauänderung ergibt sich , , 1EX IMEX P IM Pη η+ > Die Bedingung ähnelt der Marshall-Lerner-Bedingung, deren Erfüllung die normale Reaktion der Leistungsbilanz auf Wechselkursänderungen bei unendlichen Angebotselastizitäten sicherstellt. 7. Die zuvor geschilderte Mechanik ging von einer Störung in der Kapitalbilanz aus. Die Argumentation lässt sich auf eine Störung in der Leistungsbilanz, z. B. aufgrund einer Verringerung der inländischen Wettbewerbsfähigkeit oder eines Ernteausfalles, übertragen. Hier führt das gesunkene autonome Devisenangebot zur erzwungenen Notenbankintervention, welche die beschriebenen Verringerungen der Devisenreserven, Geldmenge und inländischen Preise auslöst und somit zum tendenziellen Wiederausgleich der Leistungsbilanz führt. Sofern dieser Fall des Wiederausgleichs der Leistungsbilanz eintritt, ist er eng mit den sonstigen wirtschaftspolitischen Zielsetzungen verbunden. Dies gilt jedoch weniger bei den Fällen einer ursprünglichen Störung in der Kapitalbilanz. Hier gilt der Begriff des Zahlungsbilanzausgleichs ausschließlich bei Verwendung des Kriteriums der Devisenbilanz. Der zuvor geschilderte Ausgleich der Kapitalbilanzaktivierung durch eine Leistungsbilanzpassivierung mag jedoch den Einkommens- und Beschäftigungszielen widersprechen. 2.3.3.3 Einkommen und Zahlungsbilanz Neben (oder bei Preisstarrheiten: anstatt) des Geldmengen-Preis-Mechanismus kann in einem System fester Wechselkurse der Geldmengen-Einkommens- Mechanismus zum Zahlungsbilanzausgleich beitragen. Die Wirkungskette läuft dabei bis zu dem Argumentationspunkt, dass es zur Erhöhung der inländischen 15 Im Gegensatz zu den vorhergehenden Preiselastizitäten (bei denen Preisänderungen durch Paritätsänderungen induziert wurden) bezieht sich diese Elastizitätsnotation auf direkte (also nicht durch Wechselkursveränderungen bedingte) Preisänderungen. Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 57 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 57 Geldmenge komme, analog zu der des Geldmengen-Preis-Mechanismus. Danach verläuft die Argumentation wie folgt: Die erhöhte Geldmenge bzw. die daraus resultierende Erhöhung der nominalen Nachfrage führt zur Erhöhung des (realen) Volkseinkommens. In der Folge steigen die Importe und es kommt zu einer Passivierung der Leistungsbilanz, welche die ursprüngliche Aktivierung der Kapitalverkehrsbilanz infolge der Kreditaufnahme (= Kapitalimport) tendenziell ausgleicht. Einige kurze Überlegungen zeigen, dass der Geldmengen-Einkommens-Mechanismus ebenso wenig wie der Geldmengen-Preis-Mechanismus den automatischen und vollständigen Wiederausgleich der Zahlungsbilanz garantiert. Vielmehr handelt es sich auch hier um eine Tendenz, die je nach den Gegebenheiten des betreffenden Landes in der speziellen Situation mehr oder weniger stark wirksam wird. 1. Es ist nicht sichergestellt, dass Zahlungsbilanzstörungen Einkommensänderungen in der skizzierten Weise hervorrufen. Zunächst lassen sich die Kritikpunkte (1) bis (4), die beim Geldmengen-Preis-Mechanismus genannt wurden, übertragen. Diese liefen insgesamt darauf hinaus, dass eine Geldmengenänderung nach einer Zahlungsbilanzstörung nicht gesichert ist. 2. Der ebenda genannte Kritikpunkt (5) lässt sich analog übertragen: Der einkommenssteigernde Effekt einer steigenden Geldmenge kann durch eine verringerte Umlaufgeschwindigkeit des Geldes verhindert werden. Selbst wenn diese Verringerung der Geldumlaufgeschwindigkeit nicht ausreichen sollte und die nominale Nachfrage steigt, so ist eine proportionale Zunahme des Einkommens nur zu erwarten, wenn das Preisniveau nicht steigt. 3. Schließlich muss angemerkt werden, dass eine Einkommensänderung nicht immer zu den erwarteten Änderungen in der Leistungsbilanz führen muss. Inländische Einkommensverringerungen führen nur begrenzt zu Importverringerungen und Leistungsbilanzaktivierungen, wenn die Einkommenselastizität der Importnachfrage gering ist – was z. B. bei Entwicklungsländern bei Grundnahrungsmitteln oder auch bestimmten Investitionsgütern zumindest kurzfristig der Fall sein mag. Zu verweisen ist ferner auf die Möglichkeit, dass die Importe aus inferioren Gütern (Gütern mit negativer Einkommenselastizität) bestehen. Hier würden inländische Einkommenssteigerungen zur verringerten Importnachfrage führen. Die nach einem Einkommenszuwachs zu erwartenden Veränderungen der Importe werden üblicherweise durch die marginale Importquote x = dIM/dY berechnet. 2.3.3.4 Die Transfertheorie Bislang standen bei der Frage nach endogenen Mechanismen des Zahlungsbilanzausgleichs als Ursache der Zahlungsbilanzstörung autonome Transaktionen wie Kreditgewährungen durch Private im Vordergrund. Von gesondertem wirtschaftspolitischem Interesse ist die Frage, welche Zahlungsbilanzwirkungen exogene, staatlich induzierte Transfers haben. Beispiele für solche Transfers sind Entwicklungshilfezahlungen, EU-Transfers von reicheren Staaten in  ärmere Länder oder Schuldenerlasse wie im Falle Griechenlands Anfang 2012. Entwickelt wurde die Theorie, um die Zahlungsbilanzwirkungen von Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 58 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator58 Reparationszahlungen insbesondere durch Deutschland an die Siegermächte der Weltkriege zu untersuchen. Grundaussage der Transfertheorie ist, dass dem monetären Transfer ein Realtransfer folgt. Die wirtschaftspolitische Brisanz ist schnell hergestellt: Keynes und andere Ökonomen warnten Großbritannien, dass die Reparationszahlungen Deutschlands zu einer Passivierung der britischen Leistungsbilanz führen könnten. Umgekehrt wurde aus deutscher Sicht die Last der Reparationszahlungen gemindert, weil mit neuen Export- bzw. Absatzmöglichkeiten für die deutsche Industrie zu rechnen war. Im Falle von Entwicklungshilfeleistungen kommt immer wieder Kritik auf, dass sich die Geberländer hiermit zumindest indirekt Absatzmöglichkeiten sichern. Und im Falle von Schuldenerlassen wie im Falle Griechenlandes, welche unter Auflagen der Restrukturierung der griechischen Wirtschaft gewährt wurden, ist zu warnen, dass die gleichfalls angestrebte Aktivierung der griechischen Leistungsbilanz unter dem Transfermechanismus leiden wird. Übertragungen der Transfertheorie auf andere Politikbereiche, z. B. auf die Finanztransfers der alten in die neuen Bundesländer sind möglich, wenngleich der Begriff der Zahlungsbilanz hier nicht unmittelbar anzuwenden ist. Bei den folgenden Ausführungen soll zwecks besserer Vergleichbarkeit mit den Ausführungen zu den anderen Zahlungsbilanzausgleichsmechanismen von einer staatlichen Aktivität ausgegangen werden, welche in der Bilanz der Vermögensübertragungen gebucht wird (z. B. einmalige Zahlungen, Schuldenerlasse). Im Falle von laufenden Übertragungen wie EU-Transfers, welche in der Leistungsbilanz verbucht werden, ist eine gedankliche Übertragung der im Folgenden geschilderten Mechanismen möglich, wenn die Wirkungen auf den Saldo der Handels- und Dienstleistungsbilanz bedacht werden. Was den ursächlichen monetären Transfer betrifft, so soll hier vereinfachend von einem 2-Länder-Modell ausgegangen werden, in dem Land 1 einen monetären Transfer an Land 2 leistet. Verwendet Land 2 diese Transferleistungen unmittelbar und vollständig, um Güter von Land 1 zu erwerben, so ist der vollständige Realtransfer sofort sichergestellt. Der Passivierung der Bilanz der Vermögensübertragungen steht eine gleich hohe Aktivierung der Leistungsbilanz entgegen. Werden die Transferleistungen zunächst nicht oder nicht vollständig zu einem solchen Bezug von Gütern aus Land 1 verwendet, steht der Passivierung der Bilanz der Vermögensübertragungen eine Aktivierung der Kapitalverkehrsbilanz gegenüber – die Verbindlichkeiten des Landes 1 (= Forderungen des Landes 2) nehmen zu. Der darauf folgende theoretische Transfermechanismus hängt vom zugrundeliegenden wirtschaftspolitischen Dogma ab. Der klassische Transfermechanismus geht von einem Vollbeschäftigungsgleichgewicht aus. Die geplante Ersparnis stimmt im Ausgangsgleichgewicht mit der geplanten Investition überein. Eine Finanzierung des Transfers durch Geldschöpfung oder durch Fremdfinanzierung ist annahmegemäß nicht möglich. Bei flexiblen Wechselkursen, welche die klassische Theorie üblicherweise annimmt, führt ein vermehrtes Angebot der Währung des Landes 1 durch das transferempfangende Land 2 zur Verringerung des Außenwertes der Währung 1. Dies kann zu Importsteigerungen des Landes 2 bzw. Exportsteigerun- Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 59 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 59 gen des Landes 1 führen, was einen entsprechenden realen Transfer nach sich ziehen würde. Bei – für die klassische Theorie eher unüblichen – festen Wechselkursen könnte ein erhöhtes Devisenangebot der Währung 1 die Zentralbank des Landes 1 zu Verkäufen der Währung des Landes 2 und die Zentralbank des Landes 2 zu Ankäufen der Währung des Landes 1 zwingen, um den Wechselkurs zu stabilisieren. Die Geldmenge in Land 1 verringert sich, die Geldmenge in Land 2 erhöht sich – und der bereits angesprochene Geldmengen-Preis-Mechanismus mit entsprechender Leistungsbilanzaktivierung könnte starten. Die durch die Devisenreserveverkäufe verursachte Kontraktion der Geldmenge in Land 1 lässt zudem die dortigen Zinsen ansteigen, während die erhöhte Geldmenge in Land 2 die dortigen Zinsen sinken lässt. Das entstehende internationale Zinsgefälle kann zu vermehrten Kapitalimporten in das Land 1 bzw. zu vermehrten Kapitalexporten aus dem Land 2 führen – die Kapitalverkehrsbilanz des Landes 1 erfährt eine Aktivierung (Zins-Kredit-Mechanismus). Der Realtransfer ist umso höher, je stärker das den monetären Transfer leistende Land 1 seine Importe verringert bzw. je stärker das den monetären Transfer empfangende Land seine Importe erhöht. Die keynessche Transfertheorie geht im Gegensatz zur klassischen von Unterbeschäftigung, zumindest kurzfristig starren Preisen, Wechselkursen, Zinsen, Löhne und damit auch die Terms-of-Trade aus. Dafür gestattet das keynesianische Modell, dass der monetäre Transfer auch durch Geldschöpfung oder entsprechende Aufbringungsarten (z. B. Kredite) und nicht oder nicht ausschließlich durch Ausgabenreduktionen in Land 1 finanziert wird. Hierdurch wird das keynesianische Modell etwas komplexer, wobei Parameterkonstellationen existieren, bei denen das klassische und das keynesianische Modell zu den gleichen Ergebnissen kommen.16 Allerdings unterscheiden sich die dahinter stehenden Mechanismen: So kann im keynesianischen Modell nicht – wie bei der Klassischen Transfertheorie – der Geldmengen-Preis- Mechanismus oder der Wechselkursmechanismus greifen. Zur Verfügung steht jedoch der Geldmengen-Einkommens-Mechanismus. Zusammenfassend kann folgendes festgestellt werden: Auf monetären Transfers folgen regelmäßig reale Transfers, die diese zumindest teilweise kompensieren können. Eine vollständige Kompensation ist unter speziellen (Parameter-)Konstellationen möglich. Günstig für einen hohen Realtransfer sind hohe marginale Importneigungen bzgl. des Einkommens bzw. der Transfers sowie eine nur geringe Möglichkeit, den Transfer durch Geldschöpfung oder Kreditfinanzierung und nicht über eine Ausgabenverringerung zu finanzieren. Besonders unwahrscheinlich wird ein vollständiger Realtransfer z. B. dann, wenn ein nur geringer Anteil des Transfers im Empfängerland für Importe verwendet wird. 16 Zu den Einzelheiten des keynesianischen Transfermodells vgl. Johnson, H.G., The Transfer Problem and Exchange Stability, Journal of Political Economy 64 (1956), S. 212–225 und Metzler, L.A., The Transfer Problem Reconsidered, Journal of Political Economy 50 (1942). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 60 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator60 Als außenwirtschaftspolitische Konsequenz ergibt sich, dass autonome Kapitalbewegungen die Leistungsbilanz grundsätzlich in eine Richtung beeinflussen, mit welcher der vom monetären Transfer ausgehende Zahlungsbilanzeffekt kompensiert wird. Es existiert also auch im Falle von exogenen Transfers ein automatischer Mechanismus, der tendenziell zum Zahlungsbilanzausgleich führt. Allerdings werden die Mechanismen erneut nur mit erheblichen Verzögerungen wirksam. 2.3.4 Zusammenfassung •• Für die Charakterisierung automatischer Zahlungsbilanzausgleichsmechanismen ist das bestehende Wechselkurssystem von besonderem Interesse. Unter dem Wechselkurs versteht man dabei die Austauschrelation zweier Währungen. In der üblichen Notierung gibt der Wechselkurs den Preis der Auslandswährung ausgedrückt in Inlandswährung an (Preisnotierung). Von flexiblen Wechselkursen spricht man, wenn sich die Notenbanken nicht an der Kursfindung auf den Devisenmärkten beteiligen. Feste Wechselkurse bedeuten dagegen eine bilaterale Vereinbarung zweier Länder, den Wechselkurs ihrer Währungen durch Devisenmarktinterventionen (seitens der Zentralbanken) oder andere währungspolitische Maßnahmen auf einem bestimmten Niveau zu fixieren. •• Zieht man als Zahlungsbilanzausgleichskriterium die Konstanz der Devisenreserven heran, so existiert bei flexiblen Wechselkursen per definitionem ein automatischer Zahlungsbilanzausgleich, da sich die Zentralbank jeglicher Intervention auf dem Devisenmarkt enthält (Konstanz der Devisenreserven). Der Wechselkursmechanismus führt zu einem automatischen Ausgleich leistungs- und finanzorientierter Transaktionen. Weiterhin bleibt beim Wechselkursmechanismus die Geldmenge c. p. konstant, so dass bei flexiblen Wechselkursen eine schwerwiegende Inflationsquelle, die bei der Inflationsübertragung zwischen Volkswirtschaften mit festen Wechselkursen eine entscheidende Rolle spielen kann, ausgeschaltet ist. •• Auch in Systemen fester Wechselkurse existieren endogene Mechanismen, die etwaige Zahlungsbilanzungleichgewichte tendenziell ausgleichen. Obwohl nicht auf Anhieb ersichtlich, kann die wirtschaftspolitische Aktion einer Paritätsänderung aufgrund des aus einem Zahlungsbilanzungleichgewicht entstehenden großen äußeren Drucks als endogen interpretiert werden. Wie im Fall flexibler Wechselkurse stellt sich auch in Festkurssystemen die Frage nach der Reaktion der Leistungsbilanz in Folge einer Wechselkurs- änderung (über eine Paritätsänderung). •• Grundsätzlich muss die Leistungsbilanzreaktion aufgrund von Paritäts- änderungen auf verschiedene Weisen analysiert werden. Hierzu gehören Unterscheidungen in der Denominierung der Leistungsbilanzsalden (in Inlands- oder Auslandswährung) bzw. in der Form der Paritätsänderung (Auf- oder Abwertung). Wird die Leistungsbilanzreaktion in Inlandswährung betrachtet, so ergibt sich aufgrund einer Abwertung der Inlandswährung für Import- und Ex- Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 61 2.3 Automatischer Zahlungsbilanzausgleich 61 portwerte (= Produkt aus Mengen und Preisen der umgesetzten Außenhandelsgüter) folgendes: Der Exportwert steigt immer (mit Ausnahme einer völlig (preis-)unelastischen Exportnachfrage). Der Importwert kann bei elastischem Importangebot sinken, konstant bleiben oder steigen, je nachdem, ob die betragliche (Preis-)Elastizität der Importnachfrage größer, gleich oder kleiner als 1 ist. Aus den genannten Reaktionen der Export- und Importwerte folgt in den meisten Situationen eine Aktivierung der Leistungsbilanz auf eine Abwertung der Inlandswährung (normale Reaktion). Jedoch kann es durchaus zu einer Passivierung der Leistungsbilanz kommen. •• Formalere und exaktere Antworten auf die Frage, wann Abwertungen der Inlandswährung zu Leistungsbilanzaktivierungen (normale Reaktion) führen, liefern die Marshall-Lerner- sowie die Robinson-Bedingung. Die Marshall-Lerner-Bedingung gilt allerdings nur unter zwei Voraussetzungen: (a) Export- und Importangebot müssen völlig elastisch sein und (b) die Leistungsbilanz muss vor der Wechselkursänderung völlig ausgeglichen gewesen sein. Die Robinson-Bedingung ist eine Erweiterung der Marshall- Lerner-Bedingung in der Hinsicht, dass die Bedingung (a) nicht erfüllt sein muss. Jedoch geht auch die Robinson-Bedingung weiterhin von der Voraussetzung (b) aus. •• Weitere endogene Zahlungsbilanzausgleichsmechanismen in Festkurssystemen sind der Geldmengen-Preis- sowie der Geldmengen-Einkommens-Mechanismus. Der Geldmengen-Preis-Mechanismus kann beispielhaft wie folgt beschrieben werden: Angenommen im Inland kommt es zu einem Kapitalimport (der nicht für Güterimporte genutzt wird), so dass sich die Zahlungsbilanz tendenziell aktiviert. Dies führt aufgrund der festen Wechselkurse und der damit verbundenen Verpflichtung der inländischen Zentralbank, die Devisen aufzukaufen, zu einer Erhöhung der Zentralbankgeldmenge und via Geldschöpfungsprozess zu einer Erhöhung der inländischen Geldmenge. Als Resultat können die Preise im Inland steigen. Das Preisgefälle zwischen In- und Ausland bewirkt eine tendenzielle Passivierung der Leistungsbilanz (über sinkende Exporte, steigende Importe), was die ursprüngliche Zahlungsbilanzaktivierung aufgrund des Kapitalimports kompensiert. Während beim Geldmengen-Preis-Mechanismus die erhöhte Geldmenge über inländische Preissteigerungen eine Passivierung der Leistungsbilanz bewirkt, führt die inländische Geldmengenerhöhung infolge des ursprünglichen Kapitalimports beim Geldmengen-Einkommens-Mechanismus über eine Nachfrageerhöhung zu einer Steigerung des inländischen Volkseinkommens. Das erhöhte Einkommen wird dann für Importsteigerungen genutzt, was die Leistungsbilanz passiviert und die Aktivierung der Kapitalbilanz aufgrund des ursprünglichen Kapitalimports tendenziell ausgleicht. Sowohl der Geldmengen-Preis- als auch der Geldmengen-Einkommens-Mechanismus unterliegen in der Realität vielfachen Einschränkungen. •• In der Transfertheorie wird der Frage nachgegangen, ob und in welchem Ausmaß die von Veränderungen der exogenen Kapitalbewegungen induzierten Effekte die Leistungsbilanz beeinflussen. Die entscheidende Frage hierbei ist, ob die von den Transfers ausgehenden Zahlungsbilanzeffekte durch nachfolgende Leistungsbilanzeffekte kompensiert werden. Dabei Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 62 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator62 kann zwischen Klassischer Transfertheorie und keynesianischem Transfermechanismus unterschieden werden. In allen Theorien folgen den monetären Transfers regelmäßig Realtransfers, welche die ersteren zumindest teilweise kompensieren. Allerdings erfolgt eine vollständige Kompensation im Allgemeinen nur unter speziellen Gegebenheiten. Anhang A2: Ableitung von Bedingungen für eine normale Reaktion der Leistungsbilanz auf Wechselkursänderungen Die analytische Herleitung von Bedingungen für eine normale Reaktion der Leistungsbilanz auf Wechselkursänderungen greift auf verschiedene Notationen der vorhergehenden Abschnitte zurück. Der Übersichtlichkeit halber seien deshalb die Bezeichnungen für die Angebots- und Nachfragekurven auf den Import- und Exportgütermärkten wiederholt: AEX (inländische Angebotskurve auf dem Exportgütermarkt), NEX (ausländische Nachfragekurve auf dem Exportgütermarkt), NIM (inländische Nachfragekurve auf dem Importgütermarkt), AIM (ausländische Angebotskurve auf dem Importgütermarkt). Aus den Abschnitten 2.3.3.1.1 und 2.3.3.1.2 (vgl. Abb. 2.6 bis 2.8) ging hervor, dass sich sowohl Inländer als auch Ausländer bei ihren Nachfrage- und Angebotsentscheidungen an den Preisen in ihren jeweiligen heimischen Währungen orientieren. Daher werden die Gleichgewichtspreise auf den einzelnen Märkten wie folgt notiert: PEX (Gleichgewichtspreis auf dem Exportgütermarkt in Inlandswährung), PEX,f (Gleichgewichtspreis auf dem Exportgütermarkt in Auslandswährung), PIM (Gleichgewichtspreis auf dem Importgütermarkt in Inlandswährung), PIM,f (Gleichgewichtspreis auf dem Importgütermarkt in Auslandswährung). Mit dem Wechselkurs w (in Preisnotierung) gilt dann (A2.1) , EX EX f P P w = bzw. (A2.2) , IM IM f P P w = Im Gleichgewicht ergeben sich auf den Import- und Exportgütermärkten somit die folgenden Gleichungen: (A2.3) ,( ) ( ) 0EX EX EX EX fA P N P− = (Exportgütermarkt) (A2.4) ,( ) ( ) 0IM IM f IM IMA P N P− = (Importgütermarkt) Anhang A2: Ableitung von Bedingungen Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 63 Anhang A2: Ableitung von Bedingungen 63 Zunächst sollen die Effekte von Wechselkursänderungen auf den Leistungsbilanzsaldo in Inlandswährung (LB) untersucht werden. Für diesen ergibt sich: (A2.5) ( ) ( )EX EX EX IM IM IMLB P A P P N P= ⋅ − ⋅ Zur Charakterisierung von Wechselkurseffekten auf die Gleichgewichtspreise und den Leistungsbilanzsaldo in inländischer Währung werden die Gleichungen (A2.3) bis (A2.5) nach w differenziert. Unter Berücksichtigung der Gleichung (A2.1) ergibt sich dann für die Ableitung von (A2.3): (A2.6) 2 , 0 EX EX EX EX EX EX EX f dP w PdA dP dN dw dP dw dP w ⋅ − ⋅ − ⋅ = Entsprechend folgt unter Berücksichtigung der Gleichung (A2.2) für die Ableitung von (A2.4): (A2.7) 2 , 0 IM IM IM IM IM IM f IM dP w PdA dN dPdw dP w dP dw ⋅ − ⋅ − ⋅ = Die Ableitung des Leistungsbilanzsaldos in Inlandswährung ergibt sich aus (A2.5) zu (A2.8) dLB dw = EX EX EX EX EX EX dP dA dP A P dw dP dw ⋅ + ⋅ ⋅ IM IM IM IM IM IM dP dN dP N P dw dP dw − ⋅ − ⋅ ⋅ Das Gleichungssystem (A2.6) bis (A2.8) lässt sich in Matrixform schreiben: (A2.9) , , 1 0 0 1 0 0 1 EX EX EX EX f IM IM IM f IM EX IM EX EX IM IM EX IM dA dN dP dP w dA dN dP w dP dA dN A P N P dP dP − ⋅ ⋅ − + ⋅ − + ⋅ − 2 , 2 , 0 EX EX EX EX f IM IM IM IM f dP dN P dw dP w dP dA P dw dP w dLB dw − ⋅ × = ⋅ Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 64 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator64 Die Nachfrage- und Angebotselastizitäten auf Export- und Importgütermärkten sind wie folgt definiert: , , EX fEX EX EX f EX PdN dP N η ≡ ⋅ , EX EX EX EX EX dA P dP A ε ≡ ⋅ (Exportgütermarkt) IM IM IM IM IM dN P dP N η ≡ ⋅ , , , IM fIM IM IM f IM PdA dP A ε ≡ ⋅ (Importgütermarkt) Mit den Gleichgewichtsbedingungen für die Mengen auf Export- und Importgütermärkten EX EXA N ex= ≡ bzw. IM IMA N im= ≡ sowie den zu (A2.1) und (A2.2) äquivalenten Beziehungen zwischen in- und ausländischen Gleichgewichtspreisen ,EX EX fP w P= ⋅ bzw. ,IM IM fP w P= ⋅ lässt sich das Gleichungssystem (A2.9) überführen in (A2.10) ( ) ( ) ( ) ( ) 0 0 0 0 1 1 1 EX EX EX IM IM IM EX IM ex P im P ex im ε η ε η ε η ⋅ − ⋅ − ⋅ + − ⋅ + − 0 EX EX IM IM dP ex dw w dP im dw w dLB dw η ε − ⋅ × = ⋅ Dieses System mit 3 Gleichungen und 3 Unbekannten lässt sich eindeutig lösen (z. B. durch die Cramer’sche Regel) und es ergibt sich: (A2.11) ( ) EX EX EX EX EX dP P dw w η ε η − ⋅ = − ⋅ (A2.12) ( ) IM IM IM IM IM dP P dw w ε ε η ⋅ = − ⋅ (A2.13) (1 ) (1 ) ( ) ( ) EX EX IM IM EX EX IM IM dLB EX IM dw w w ε η η ε ε η ε η + ⋅ + ⋅ = ⋅ − ⋅ − − − wobei EX = PEX × ex sowie IM = PIM × im jeweils den Export- bzw. Importwert in inländischer Währung bezeichnen. Die Reaktion des Leistungsbilanzsaldos in ausländischer Währung (LBf) auf Wechselkursänderungen lässt sich aus der Gleichung (A2.13) herleiten, denn wegen f LB LB w = Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 65 Anhang A2: Ableitung von Bedingungen 65 gilt: (A2.14) 2 2 1f LB dLBd w LBdLB dLB LBw dw dw dw w w dw w ⋅ − = = = ⋅ − Durch Einsetzen der Gleichung (A2.13) in (A2.14) erhält man nach einigen Umformungen zunächst: (A2.15) 2 2 (1 ) (1 ) ( ) ( ) f EX EX IM IM EX EX IM IM dLB EX IM dw w w ε η η ε ε η ε η ⋅ + ⋅ + = ⋅ − ⋅ − − − In Gleichung (A2.15) sind die Außenhandelswerte wie in (A2.13) in Inlandswährung ausgedrückt. Export- und Importwerte in Auslandswährung ergeben sich jedoch aus den entsprechenden Werten in Inlandswährung gemäß f EX EX w = bzw. f IM IM w = so dass sich (A2.15) letztendlich schreiben lässt als (A2.16) (1 ) (1 ) ( ) ( ) f f fEX EX IM IM EX EX IM IM dLB EX IM dw w w ε η η ε ε η ε η ⋅ + ⋅ + = ⋅ − ⋅ − − − Die Gleichungen (A2.13) und (A2.16) beschreiben also die Reaktion des Leistungsbilanzsaldos in Inlands- und Auslandswährung auf Wechselkursänderungen. Kommt es nun zu einer Abwertung der inländischen Währung (d. h. w steigt), so wäre ein Anstieg des LB-Saldos (Aktivierung) die normale Reaktion. Bewertet in Inlandswährung ergibt sich aus (A2.13) demnach die folgende Bedingung für eine normale Reaktion: 0 dLB dw > ⇔ • (1 ) (1 ) ( ) ( ) EX EX IM IM EX EX IM IM EX IM ε η η ε ε η ε η + ⋅ + ⋅ ⋅ > ⋅ − − − Durch weitere algebraische Umformungen lässt sich die letzte Ungleichung überführen in (A2.17) EX IM EX IM EX IM IM IM EX EX ε ε η η + + < 1EX IM EX IM EX IM EX EX EX IM IM IM η η ε ε η ε + + + − Eine analoge Überlegung liefert die entsprechende Bedingung für eine normale Reaktion des LB-Saldos in Auslandswährung infolge einer Abwertung. Aus (A2.16) ergibt sich diese zu Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 66 2 Die Zahlungsbilanz als Indikator66 0f dLB dw > ⇔ • (1 ) (1 ) 0 ( ) ( ) EX EX IM IM f f EX EX IM IM EX IM ε η η ε ε η ε η ⋅ + ⋅ + ⋅ − ⋅ > − − − und letztendlich (A2.18) 1f fEX IM EX IM f f EX IM IM EX ε ε η η + + < 1 1f fIM EX EX IM IM EX f f EX EX IM IM η η ε ε η ε + + − − Werden in (A2.17) und (A2.18) ausgeglichene Leistungsbilanzen unterstellt (also EX = IM bei Bewertung in Inlandswährung bzw. EXf = IMf bei Bewertung in Auslandswährung), so führen beide Bedingungen jeweils zur Robinson- Bedingung: (A2.19) ( ) 1 + 1IM EXEX IM IM EX EX IM η ηη η ε ε ε ε + < − + + Werden in der Robinson-Bedingung (A2.19) die beiden Angebotselastizitäten eIM und eEX unendlich groß, so folgt ( ) , lim 1 IM EX IM EX IM EX EX IM ε ε η η ε ε ε ε→∞ + + = , lim lim lim 0 EX IM IM EX IM EX IM EX IM EX EX IM EX IM ε ε ε ε η η η η η η ε ε ε ε→∞ →∞ →∞ + + = wodurch sich die Marshall-Lerner-Bedingung als Spezialfall ergibt: (A2.20) 1EX IMη η+ < − Weiterführende Literatur Aktuelle Informationen zu Außenwirtschaft und der außenwirtschaftlichen Bestandsstatistik sowie Wechselkurse und aktuelle Posten der deutschen Zahlungsbilanzstatistik finden sich auf der Homepage von Europäischer Zentralbank www.ecb.int und Deutscher Bundesbank www.bundesbank.de. International Monetary Fund, Balance of Payments Manual, 6. Auflage, Washington, D. C. 2011. Sarno, L., Taylor, M.P., Official Intervention in the Foreign Exchange Market: Is It Effective and, If So, How Does It Work?, Journal of Economic Literature 39 (2001). Higgins, M., Klitgaard, T., Reserve Accumulation: Implications for Global Capital Flows and Financial Markets, Current Issues in Economics and Finance 10 (2004). Vahlen Allg. Reihe Maennig – Außenwirtschaft (2. Auflage) Hersteller: Frau Deuringer Stand: 14.03.2013 Status: Druckdaten Seite 67 3Internationaler Handel 3 Internationaler Handel Kapitelübersicht 3.1 Strukturmerkmale des Welthandels. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 69 3.1.1 Die Entwicklung des Welthandels in der Nachkriegszeit . . . . . . . . . 69 3.1.2 Die Güterstruktur des Welthandels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 70 3.1.3 Die länderspezifische Struktur des Welthandels. . . . . . . . . . . . . . . . . 71 3.1.4 Die deutsche Außenhandelsposition . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 73 3.1.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 3.2 Klassische Handelstheorie . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 74 3.2.1 Unterschiedliche Umweltbedingungen oder Produktions techniken als Handelsursache: Das Ricardo Theorem . . . . . . . . . . . . 76 3.2.1.1 Außenhandel bei konstanten marginalen Opportunitätskosten 77 3.2.1.1.1 Der Opportunitätskosten Ansatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 78 3.2.1.1.2 Vorteile des Außenhandels . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 3.2.1.2 Außenhandel bei steigenden marginalen Opportunitätskosten 84 3.2.2 Unterschiedliche Faktorausstattungen: Das Heckscher Ohlin und Neofaktorproportionentheorem. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 90 3.2.3 Wirtschaftliche Wirkungen des Handels im klassischen Modell . . . 93 3.2.3.1 Außenhandel und Wohlstand. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 93 3.2.3.1.1 Handelsgewinn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94 3.2.3.1.2 Spezialisierungsgewinn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 96 3.2.3.2 Verteilungseffekte des internationalen Handels . . . . . . . . . . . . . . 98 3.2.4 Erweiterungen im klassischen Handelsmodell . . . . . . . . . . . . . . . . . . 105 3.2.4.1 Nachfragepräferenzen und inverser Handel . . . . . . . . . . . . . . . . . 106 3.2.4.2 Handelseffekte bei Wachstum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108 3.2.4.3 Veränderungen der Faktorausstattung und internationaler Handel: Das Rybczynski Theorem. . . . . . . . . . . . . . . . . 112 3.2.4.4 Technischer Fortschritt und Handel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 113 3.2.4.5 Vernachlässigte Erklärungsansätze des Handels . . . . . . . . . . . . . 116 3.2.4.5.1 Handel mit homogenen Gütern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116 3.2.4.5.2 Präferenzunterschiede und vielfalt als Außenhandels ursache. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 118 3.2.4.5.3 Verfügbarkeit der Ressourcen als Außenhandelsursache. . . . 118 3.2.4.5.4 Produktzyklus und Außenhandel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 119 3.2.5 Zusammenfassung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 120 3.3 Nationale Handelspolitik und Zolltheorie im klassischen Modell . . . . 125 3.3.1 Handelspolitische Instrumente . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125

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References

Zusammenfassung

Theorie und Politik der Außenwirtschaft

Dieses Buch stellt die Außenwirtschaftsbeziehungen und wirtschaftspolitische Eingriffe umfassend und auf der Basis traditioneller sowie „neuer“ Erklärungsansätze dar. Es versetzt den Leser in die Lage, mit Theoretikern und Praktikern qualifiziert und unter Bezug auf moderne Erkenntnisse über die außenwirtschaftliche Entwicklung zu diskutieren.

Außenwirtschaftliche Zusammenhänge

Ausgangspunkt ist die Zahlungsbilanz als zentraler Indikator für die außenwirtschaftliche Aktivität eines Landes. Ihre Leistungs-, Kapitalverkehrs- und Devisenbilanz erfassen verschiedene Teile der Außenwirtschaft, nämlich den Handel mit Waren und Dienstleistungen, die Kapitalbewegungen sowie die Währungspolitik. Diese Teile und ihre Zusammenhänge stellt das Buch ausführlich dar und geht der Frage nach, wie die Wirtschaftspolitik international am besten abgestimmt werden kann.