5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis? in:

Bettina Stackelberg

Karrierestart für Hochschulabsolventen, page 78 - 86

Selbstbewusst. Erfolgreich. Authentisch.

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4247-2, ISBN online: 978-3-8006-4248-9, https://doi.org/10.15358/9783800642489_78

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 81 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 80 5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis? Die Gehaltsvorstellung, das liebe Geld: Ein Thema, das in unseren Breitengraden extrem tabuisiert ist. Man redet nicht über Geld. Das ist intim, das ist privat, das ist geheim. Das können Sie gut oder schlecht finden, das ist aber nun einmal so. Sie werden sich also erst einmal nicht besonders wohlfühlen damit, z. B. im Bewerbungsgespräch Ihre Gehaltsvorstellungen nennen zu müssen. Es kommt ja noch eine weitere Schwierigkeit hinzu: Sie haben noch keinerlei oder erst sehr wenig Erfahrung mit diesem Thema. Und das macht Sie unsicher. Sie wollen sich natürlich nicht unter Preis verkaufen, aber andererseits auch keinesfalls einen arroganten und großkotzigen Eindruck vermitteln. Es spuken Ihnen vielleicht viele Allgemeinplätze dazu im Kopf herum, von „Kost nix, taugt nix!“ über „einmal Billigheimer, immer Billigheimer!“ bis hin zu „Immer hübsch bescheiden bleiben!“ und „Lehrjahre sind keine Herrenjahre!“. Und die Unsicherheit bleibt, solange Sie darüber nicht reden. Also holen Sie das Thema aus der Tabuzone und tauschen Sie sich aus. In England zum Beispiel ist es sogar üblich, eine Gehaltsspanne direkt in der Stellenanzeige zu nennen. Und bei uns? „Über Geld spricht man nicht!“ Warum eigentlich nicht? Vielleicht hat es ja mit der oft überzogenen Wettbewerbs- und Neidgesellschaft bei uns zu tun. Warum auch immer – ändern Sie das! Reden Sie mit Kommilitonen darüber, mit Absolventen, die im ersten Job stehen oder mit Menschen, die in der von Ihnen angestrebten Branche arbeiten. Hören Sie sich um. Und tauschen Sie sich mit Freunden darüber aus, wie das bislang mit der Bezahlung so war, zum Beispiel in Ihren Praktika oder auch in Ferienjobs. Dabei können Sie schon mal jede Menge lernen über die Unterschiedlichkeit der Menschen, wie sie über Geld denken, wie bzw. ob sie überhaupt verhandeln, ob sie sich über jeden Euro freuen oder selbstbewusst ihren Preis nennen. 5.1 Was gibt der Markt gerade an Gehältern her? Wenn Sie herausfinden wollen, was Absolventen momentan in der jeweiligen Branche an Gehalt bekommen, recherchieren Sie im Netz. Dort gibt es für das aktuelle Jahr immer recht griffige Einschätzungen über Durchschnitts- und Einstiegsgehälter. Stöbern Sie z. B. unter www.karrierebibel.de oder auch bei www.personalmarkt.de. Hier sehen Sie, dass die Einstiegsgehälter von Branche zu Branche enorm unterschiedlich sind: Bekommt z. B. 2011 ein Berufsanfänger im Medienbereich ca. 33.000 Euro, steht der Berufsanfänger in der Automobilbranche deutlich besser da mit 48.000 Euro. Sie haben (noch) wenig Erfahrung Sprechen Sie über Geld Einstiegsgehälter im Internet recherchieren Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 83 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 82 5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis?82 Und dann bestehen natürlich auch deutliche Unterschiede zwischen den jeweiligen Studienrichtungen: Der Mediziner und der Jurist bekommen deutlich mehr als der Sprach- oder Sozialwissenschaftler. Wenn Sie genauere Informationen brauchen, recherchieren Sie im Netz nach z. T. kostenpflichtigen Gehaltschecks. Auf jeden Fall müssen Sie wissen, dass es in keinem Bereich absolut feste Gehaltsstrukturen gibt. Gehälter richten sich nicht nur nach Branche oder Hochschulabschluss, sondern auch nach Region, nach der Größe des Unternehmens und natürlich auch danach, wie „heiß“ der Markt auf Sie ist: Sind Sie rar und heiß begehrt oder gibt es „solche wie Sie“ wie Sand am Meer? Unternehmen suchen in der Regel selten den billigsten Anwärter, sondern den, der passt. Der auch ins Gehaltsgefüge des Unternehmens passt und der aller Voraussicht nach nach einem Jahr nicht gleich immens unzufrieden ist mit seinem Gehalt. Einen Bewerber also, der das beste „Preis- Leistungs-Verhältnis“ bietet. Wenn Sie also z. B. zwei Jahre einem Großkonzern gearbeitet haben und jetzt in den Mittelstand wechseln wollen, dürfen Sie nicht dasselbe Gehalt erwarten. Im Schnitt kann man sagen, bekommen Absolventen 10 bis 15 % weniger im Mittelstand als in Konzernen. Dafür ist im Mittelstand die Chance eines schnelleren Aufstiegs deutlich größer. Wenn Sie bewusst den Schritt in den Mittelstand wählen, dann kommunizieren Sie gleich in der Bewerbung Ihre Gründe dafür – es gibt gute Gründe für Konzerne und gute Gründe für den Mittelstand. Gehalt ist ja auch noch lange nicht Gehalt. In der Regel wird über Bruttojahresgehälter geredet. Dazu kommen, je nach Unternehmen, immer noch diverse Zusatzleistungen wie Urlaubsgeld, Bonuszahlungen, Firmenwagen, Versicherungen, betriebliche Altersversorgung, Fahrgeld etc. Dies sollten Sie stets in Ihre Überlegungen mit einbeziehen. Über Ihr Gehalt verhandeln können Sie überhaupt erst dann, wenn Sie die ersten Hürden bereits gemeistert haben: Sie müssen Interesse geweckt haben mit Ihrer Persönlichkeit und Ihren Qualifikationen und es muss z. B. klar sein, dass Sie ein besonders geeigneter Kandidat sind, also aus der Masse deutlich herausstechen. Solch eine Verhandlung steht also frühestens am Ende des ersten Bewerbungs-geprächs! Wenn Sie mit dieser Diskussion gleich anfangen, haben Sie schon verloren. Kein Unternehmen will Mitarbeiter, die in erster Linie fürs Geld arbeiten. Gerade von Absolventen erwarten Unternehmen Feuereifer für die Sache, Interesse am Metier, Leistungsbereitschaft etc. Wenn Sie dann in die Verhandlungen eintreten – zum richtigen Zeitpunkt: Dann verhandeln Sie bitte geschickt und taktisch klug. Verheddern Sie sich nicht in platten Argumentationen wie „Laut Studie xy bekommen das Absolventen nun mal“ oder gar noch gekrönt mit Arroganz: „Das ist nun mal mein Preis.“ So können Sie erst argumentieren, wenn Deutliche Unterschiede Viele Faktoren Zusatzleistungen Zeitpunkt für Gehaltsverhandlung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 83 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 82 5.2 Was haben Sie verdient? Was sind Sie (sich) wert? 83 Sie der Einzige am Markt sind oder bereits verdammt viel erreicht haben. Auch die Mitleidsmasche wie „Ja, Sie wissen doch: München ist ein teures Pflaster“ zieht nicht. Nein, argumentieren Sie immer aus Sicht des Unternehmens. Welchen Mehrwert bekommt das Unternehmen durch Sie? Welche Lücke füllen Sie? Wie können Sie mit Ihren Qualifikationen das Unternehmen voranbringen? Welche Praxiserfahrungen bringen Sie mit, die Ihre Einarbeitungszeit verringern? Was unterscheidet Ihr Profil von dem der Mitbewerber? Und lassen Sie sich gegebenenfalls auf Kompromisse ein wie z. B. Gehaltserhöhung nach der Probezeit oder auch zusätzlich zum Gehalt einen Mehrwert durch kostenfreien Besuch interner Fortbildungsangebote. Sie haben noch wenig Erfahrung mit Gehaltsverhandlungen, also bereiten Sie sich so gut wie möglich vor und vertrauen Sie dann auf ein faires Gegenüber und auf Ihr Fingerspitzengefühl. Wie die Gehaltspolitik der einzelnen Unternehmen genau aussieht, können Sie nie im Vorhinein wissen – daher werden Sie immer ein wenig ins Blaue pokern müssen. Trauen Sie sich! Wichtig ist, dass Sie überhaupt eine Meinung haben zu diesem Thema. Denn das Unternehmen will schon wissen: Passen unsere Vorstellungen bzgl. des Gehalts in etwa zusammen? Kennt der Absolvent seinen Marktwert? Hat er sich über die marktüblichen Gehälter informiert? Wenn Ihr Gesprächspartner also merkt, dass Sie sich zu keiner der Fragen Gedanken gemacht haben, so sind das gewaltige Minuspunkte. Nur das absolute Ausbeuterunternehnen freut sich dann und denkt sich: Prima, den kaufen wir weit unter Preis billig ein! 5.2 Was haben Sie verdient? Was sind Sie (sich) wert? Ihr Gehalt ist ein Ausgleich für die von Ihnen geleistete Arbeit. Ein Tauschmittel, das sich in unserer Gesellschaft etabliert hat. Eine Wert- Schätzung (im doppelten Wortsinn) also. In vielen Coaching-Gesprächen habe ich gemerkt: Viel mehr als bei der konkreten Frage nach den aktuellen Gehältern auf dem Markt hakt es bei vielen an der Frage: Was bin ich (mir) wert? Was habe ich verdient? Ja, darüber sollten Sie sich unbedingt ausführliche und ehrliche Gedanken machen! Und zwar nicht nur jetzt, am Anfang Ihres Berufslebens. Sondern immer mal wieder zwischendurch – zum Beispiel unbedingt auch dann, wenn Sie sich später einmal selbstständig machen. Aus Sicht des Unternehmens argumentieren Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 85 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 84 5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis?84 Glaubenssätze7 Wir sind alle mit bestimmten Glaubenssätzen zum Thema Geld aufgewachsen. Der Begriff „Glaubenssatz“ kommt aus dem NLP (= neurolinguistisches Programmieren) und leitet sich vom englischen Wort „belief“ ab: Ein Glaubenssatz ist der sprachliche Ausdruck von etwas, an das jemand glaubt, was jemand für wahr hält. Glaubenssätze sind unsere festen Überzeugungen über uns und die Welt. Glaubenssätze helfen uns (vermeintlich), uns in der Welt zu orientieren, und erleichtern uns scheinbar vieles. Sie sind sehr häufig gekennzeichnet durch Verallgemeinerungen wie „immer“ oder „nie“: „Ich bin immer so nachgiebig“ oder „Ich kann nie Nein sagen!“. Glaubenssätze dienen, solange wir uns nicht bewusst mit ihnen auseinandergesetzt haben, als Wahrnehmungsfilter. Wir sehen die Welt durch die Brille unserer Glaubenssätze. Wir sorgen (unbewusst) dafür, dass diese Wahrheiten auch wirklich wahr bleiben, die „sich selbst erfüllende Prophezeiung“ (self-fulfilling prophecy) tritt in Kraft. Glaubenssätze schränken ein, sie verbauen uns den Weg zu Handlungsund Denkalternativen. Wir kommen gar nicht auf die Idee, dass die Welt auch anders funktionieren könnte, dass es viel mehr Varianten gibt. Wir glauben: Die Welt ist so. Punkt. Glaubenssätze sind ewig gültig, so lange, bis wir sie ändern. Und dafür müssen wir uns ihrer bewusst werden. Die meisten Glaubenssätze haben wir uns im Laufe unseres Lebens unbewusst angeeignet: Entweder sind es „Wahrheiten“, die wir durch unsere Eltern und unsere Erziehung mitbekommen haben. Oder es sind verallgemeinerte eigene Erfahrungen: Wenn ich also ein paar Mal im Bewerbungsgespräch nervös war, mache ich daraus schnell: „Ich bin immer nervös in solchen Gesprächen!“. Und es gibt natürlich auch jede Menge Glaubenssätze, die wir uns beigebracht haben – auch zum Thema Geld. Übung: Glaubenssätze zum Thema Geld Machen Sie sich mal in ein paar ruhigen Minuten Gedanken dazu: Was habe ich von meinem Vater über das Thema Geld gelernt? •• Was hat er mir bewusst mitgegeben? •• Was hat er mir vorgelebt? •• Welchen Stellenwert hatte für ihn das Thema Geld? •• War für ihn Geld erstrebenswert oder eher unmoralisch? •• Hat er Wert darauf gelegt oder nicht (Statussymbole etc.)? •• Hat „man“ Geld? Steht „man“ dazu? Redet „man“ darüber? 7 Zum Thema Glaubenssätze habe ich dies und mehr in meinem Buch „Selbstbewusstsein. Das Trainingsbuch“ geschrieben, erschienen 2010 im C. H. Beck Verlag. Glaubenssätze als Wahrnehmungsfilter Sich Glaubenssätze bewusst machen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 85 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 84 5.2 Was haben Sie verdient? Was sind Sie (sich) wert? 85 Was habe ich von meiner Mutter über das Thema Geld gelernt? •• Was hat sie mir bewusst mitgegeben? •• Was hat sie mir vorgelebt? •• Welchen Stellenwert hatte für sie das Thema Geld? •• War für sie Geld erstrebenswert oder eher unmoralisch? •• Hat sie Wert darauf gelegt oder nicht? Statussymbole? •• Darf auch eine Frau (viel) Geld verdienen? Was würde Ihre Mutter antworten darauf? •• Darf eine Frau einen gut bezahlten Beruf haben? All das, was Sie jetzt herausgefunden haben über die Glaubenssätze Ihrer Eltern, ist irgendwie ein Stück Familientradition. Zu Traditionen sagte mal der französiche Philosoph Jean Jaurés: „Tradition heißt nicht, Asche verwahren, sondern eine Flamme am Brennen halten.“ Also: Traditionen können dann kraftvoll, hilfreich und unterstützend sein, wenn wir uns bewusst und aus vollem Herzen dafür entschieden haben. Nehmen wir sie einfach so, unreflektiert, als Gegebenheiten hin, dann können sie einengend, behindernd und eindimensional sein. Glücklich und erfüllt ist unser Leben, wenn wir es selbstbestimmt und bewusst leben können, wenn wir nicht gefangen sind in alten, falschen Traditionen und überholten Wertesystemen. Wenn wir in Dankbarkeit Frieden schließen können mit unseren Wurzeln. Wir können und sollen uns ja nicht trennen von unseren Wurzeln, unserer Herkunft – geht ja auch gar nicht. Zum Frieden-Schließen gehört jedoch, dass wir genau hinschauen: Was tut mir gut, was unterstützt mich und hilft mir – und was behindert mich, strengt mich an, engt mich ein, was erschwert mein Leben? Nehmen wir doch unsere Eltern beim Wort: Sie wollen immer nur unser Bestes. Und unser Bestes ist es auch, wenn wir selbst entscheiden, welche Traditionen wir gerne weiterpflegen und von welchen wir uns verabschieden. Entscheiden Sie selbst, wie Sie über Geld denken wollen! Und denken Sie bitte selbstbewusst über Geld nach. Machen Sie sich nicht klein! Denken Sie also bitte nicht: „Ach, ich bin doch erst am Anfang meiner Karriere, was kann ich da schon groß verlangen an Gehalt?“. Das ist der ganz falsche Weg! Sie sind begehrt da draußen – heiß begehrt! Was glauben Sie, wie sehr sich die Unternehmen um frische, gut ausgebildete, hoch motivierte, unverbrauchte, ideenreiche Absolventen reißen? Die größte Absolventenmesse Deutschlands, der Absolventenkongress (www.absolventenkongress.de), wächst jährlich immens (2011 zum Beispiel stieg die Ausstellerzahl von 250 auf über 300!), weil immer mehr Unternehmen sich dort präsentieren wollen. Sie buhlen geradezu um die Falsche Traditionen ablegen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 87 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 86 5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis?86 besten Stände und um die attraktivsten Vortragsslots an den Messetagen! Also: Stellen Sie Ihr Licht nicht unter den Scheffel! Um herauszufinden, wie Sie über Geld denken, beantworten Sie sich doch bitte auch diese Fragen – in aller Ruhe und Muße: Übung: Fragen zum Thema Geld •• Ergänzen Sie mit so vielen Assoziationen, wie Ihnen spontan (nicht lange nachdenken!) einfallen, den Satz: Geld ist … •• Wenn Sie sich die Antworten zu den Fragen zum Geldverständnis Ihrer Eltern noch einmal ansehen: Was davon fühlt sich gut an, was wollen Sie also gerne und bewusst übernehmen? Und von welchen Glaubenssätzen in puncto Geld möchten Sie sich gern verabschieden? (Das bedeutet dann: In Dankbarkeit loslassen. Ehren im Sinne von „Das waren die Wahrheiten meiner Eltern und dort waren sie gut, ich lasse sie für mein Leben jetzt los“.) •• Welchen Stellenwert darf bzw. soll Geld in Ihrem Leben einnehmen? Schreiben Sie einige Sätze dazu spontan auf. •• Welchen Stellenwert hat Geld in Ihrem Wertesystem – wo und wie passt Geld zu Ihren Werten? •• Jetzt eine etwas ungewöhnliche Frage – die ist vielleicht nicht ad hoc beantwortbar, sondern eher etwas, was Sie sich mal eine Weile durch den Kopf gehen lassen – und wie immer sehr ehrlich bitte: Haben Sie es Ihrem Empfinden nach verdient, viel Geld zu verdienen? Was ist Ihre Arbeit, was sind Sie selbst (sich) wert? Die letzte Frage ist ziemlich tricky, weil sie natürlich nicht einfach mal eben so zu beantworten ist. Dahinter steckt viel mehr. Dazu ein kleiner Exkurs: Mein Kollege Dr. Nico Rose, dessen Gastbeitrag Sie im Kapitel „Clever bewerben: 80/20 schlägt 08/15“ dieses Buches lesen, hat im Sommer 2009 in einer Studie 1.158 Menschen zu ihren langfristigen Zielen und ihrer übergreifenden Zufriedenheit befragt. Er wollte herausfinden, was Menschen an ihrer Selbstverwirklichung hindert. Die ungemein interessanten Ergebnisse hat er in fünf (Problem-)Klassen eingeteilt, deren Anfangsbuchstaben der Studie ihren Namen geben: VIGOR (lat. Lebenskraft). •• Vision = Weiß ein Mensch überhaupt, welche Ziele für ihn ganz persönlich erstrebenswert sind? •• Integration = Neigt der Mensch zu innerer Zerrissenheit, ist er also mit sich selbst uneins? •• Generalkonsens = Hat der Mensch die innere Erlaubnis, seine Ziele wirklich zu erreichen? •• Organisation = Setzt der Mensch die richtigen Pioritäten, um seine Ressourcen zielgerichtet einzusetzen? •• Rigorosität = Zeigt der Mensch genug Beharrlichkeit, um seine Ziele über lange Strecken zu verfolgen? Nico Rose hat nun Interessantes herausgefunden: VIGOR- Studie Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 87 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 86 5.2 Was haben Sie verdient? Was sind Sie (sich) wert? 87 Der Punkt, der mit großem Abstand der wichtigste ist, ist der sog. Generalkonsens. Rose nennt dies die „Lizenz zur Zufriedenheit“. Bevor wir also Erfolg in Angriff nehmen, bevor wir die Voraussetzungen dafür schaffen, Strategien entwickeln und das Ganze anpacken, müssen wir es uns auch erlauben. Wir müssen es uns erlauben, zufrieden oder glücklich oder erfolgreich zu sein. Dieser Punkt hat eigentlich in einem Bewerbungsratgeber nichts zu suchen. Wie gut, dass dies kein klassischer Bewerbungsratgeber ist, sondern ein Buch, das Ihnen beim Karrierestart helfen soll. Und dafür ist m. E. dieser Punkt immens wichtig. Auf den ersten Blick werden Sie natürlich jetzt sagen: „Klar geb ich mir die Erlaubnis, wär ja schön blöd, wenn nicht.“ Unbewusst sieht das aber oft anders aus. Unbewusst erlauben wir uns z. B. deshalb den Erfolg nicht, weil wir nicht erfolgreicher als unsere Eltern sein wollen bzw. dürfen. Oder das Gegenteil ist der Fall: Wir haben als Kind erlebt, welchen Preis zum Beispiel unser Vater für seinen Erfolg zahlen musste (keine Zeit für die Familie, früher Tod), dass wir unbewusst davor zurückschrecken, auch erfolgreich zu sein und gegebenenfalls einen ähnlichen Preis zahlen zu müssen. Oder unsere Eltern haben unsere Berufswahl nicht „abgesegnet“ und sagen uns ein Scheitern voraus – und solidarisch, wie Kinder nun mal sind, erfüllen wir diese Prophezeihung unbewusst oft. All dies können Gründe sein, warum wir uns den Erfolg/das Glück etc. nicht zugestehen, nicht erlauben. Und wenn dies der Fall ist, boykottieren wir uns unbewusst immer wieder selbst. Wir sorgen dafür, dass es partout nicht klappen will mit dem Erfolg. Dann können wir noch so gut sein, es reicht nicht. Mein Rat: Gehen Sie diesem Phänomen auf die Spur, wenn beim Lesen dieser Zeilen etwas zu rumoren beginnt in Ihnen, wenn Sie sich irgendwie angesprochen fühlen. Vertrauen Sie hierbei wirklich auf Ihre Intuition. Denken Sie darüber nach, spüren Sie in sich hinein, reden Sie gegebenenfalls mit Ihren Eltern, holen Sie sich Hilfe von einem Coach oder reden Sie mit guten Freunden darüber. Geben Sie sich letztendlich die Erlaubnis für Ihr Glück! Die Erlaubnis für Ihren Erfolg und damit auch die Erlaubnis, gutes Geld verdienen zu dürfen.8 8 Wen die Studie V.I.G.O.R. von Dr. Nico Rose interessiert, findet entweder einen Artikel dazu in dieser Zeitschrift: Nico Rose: Lizenz zur Zufriedenheit. In: Kommunikation & Seminar, Nr. 5/2010, S. 12–15. Oder aber auf seiner Website: www.excellis-coaching.de unter dem Stichwort V.I.G.O.R. Lizenz zur Zufriedenheit Unbewusster Selbst- Boykott Hören Sie auf Ihre Intuition Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 89 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 88 5 Der faire Deal – was ist der bzw. Ihr Preis?88 5.3 Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen? Jetzt haben wir die ganze Zeit darüber geredet, was Sie tun können, um einen hohen Preis zu bekommen und möglichst viel zu verdienen. Richtig und wichtig, ja. Wie immer gibt es auch hier jedoch zwei Seiten der Medaille. Und auch die zweite Seite dürfen Sie nicht außer Acht lassen. Ein Privileg der Kindheit ist es, trotzig und selbstbewusst aufstampfen und laut rufen zu dürfen: „Ich will alles und zwar sofort!“ Das wird vielleicht von den Erwachsenen belächelt, sie gewähren uns diesen Traum aber vielleicht zum Teil – wir sind ja schließlich noch ein Kind. Wenn wir dann erwachsen werden, erkennen wir: Alles hat seinen Preis. Das ist jetzt erst einmal völlig wertfrei gesagt, als bloße Tatsache. Wenn wir uns für etwas entscheiden, entscheiden wir uns automatisch gleichzeitig gegen etwas. Wenn wir zum Italiener gehen, können wir nicht gleichzeitig Sushi essen. Wenn wir uns für den Urlaub am Meer entschieden haben, entscheiden wir uns damit gegen den Urlaub in den Bergen. Wenn wir uns für einen Wohnsitz in der Großstadt entscheiden, dann können wir nicht gleichzeitig die Ruhe des Landlebens haben. Was bedeutet dies nun für Ihren Karrierestart? Seien Sie sich einfach dessen bewusst, dass Sie bei einer Entscheidung für eine Sache automatisch eine Entscheidung gegen eine andere treffen und wägen Sie genau ab. Dies kann Entscheidungen leichter, weil eindeutiger machen. Daraus können Sie gleich mal eine effektive Übung machen! Stehen Sie gerade vor einer bestimmten Entscheidung – für oder gegen einen Job, für oder gegen eine Trainee-Stelle, Wohnung etc.? Haben Sie dafür schon die berühmten Pro-/Kontra-Listen angefertigt und sind damit nicht wirklich zu einem zufriedenstellenden Ergebnis gekommen? Die Krux mit diesen Pro-/Kontra-Listen ist meist folgende: Sie tun uns nicht den Gefallen, eindeutig zu sein. Meist haben wir ähnlich viele Punkte auf der Pro- wie auf der Kontra-Seite. Ist ja eigentlich auch klar: Wenn es eindeutig wäre, dann würden wir ja nicht grübeln. Wenn klar die Vor- oder die Nachteile überwiegen würden, hätten wir ja kein Problem und uns längst entschlossen. Außerdem fehlt meines Erachtens bei diesen Listen eine wichtige Komponente, nämlich die emotionale. Diese Listen sind doch meist recht rational aufgestellt und die Emotion, die Intuition, unser Bauchgefühl kommen zu kurz. Ich möchte Ihnen eine Variante vorstellen, die Ihre Intuition mit einschließt. Das Problem mit Pro-/Kontra- Listen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 89 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 88 5.3 Welchen Preis sind Sie bereit zu zahlen? 89 Übung: Ja/Nein zu Entscheidungen Nehmen wir zum Beispiel an, Sie haben gerade verschiedene Optionen dafür, wie es beruflich für Sie weitergeht – und zwar folgende: •• Eine Traineestelle in einem großen Versicherungskonzern – würde Umzug in eine andere Stadt bedeuten. •• Ein Praktikum in dem Unternehmen, zu dem Sie immer schon wollten. •• Ein Stipendium für ein Aufbaustudium im Ausland. •• Ein halbes Jahr erst mal nur jobben, Erholung nach dem Studium. Wichtig hierbei ist mir, dass Sie noch eine Alternative dazunehmen, an die Sie vielleicht noch nicht gedacht haben, die Ihnen zu abstrus und abwegig erscheint – vielleicht ein alter Kindertraum wie zum Beispiel „Was ich werden möchte, wenn ich groß bin“. Dies bewirkt, dass Sie Ihre mentalen Grenzen ein wenig aufweichen, kreativ werden, offen werden für intuitiv gute Entscheidungen. Nehmen wir an, Sie haben jetzt also fünf verschiedene Alternativen. Schreiben Sie diese bitte jeweils einzeln auf eine Moderationskarte bzw. ein Blatt Papier. Diese legen Sie vor sich im Kreis auf den Boden. Und jetzt machen Sie bitte Folgendes: Gehen Sie nacheinander zu jeder Option, stellen sich ruhig direkt auf das Blatt Papier und spüren sich einen Augenblick in diese Alternative hinein. Und jetzt beantworten Sie sich diese Fragen: •• Wenn ich diese Alternative wähle: Wozu sage ich dann Ja? Was bekomme ich damit? •• Wenn ich diese Alternative wähle: Wozu sage ich dann Nein? Was gebe ich damit also auf, welchen Preis zahle ich dafür? Notieren Sie sich ruhig gleich auf dem jeweiligen Papier die wichtigsten Erkenntnisse zu den verschiedenen Optionen. Der Vorteil dieser Methode ist: Dadurch, dass Sie sich regelrecht hineinspüren, arbeitet nicht nur der Kopf. Ihr Körper und Ihre Emotionen reagieren mit, wenn Sie die verschiedenen Ja- und Nein-Argumente finden. Und genau hier kann die Lösung liegen und der große Vorteil gegenüber den klassischen Pro-/Kontra-Listen: Sie spüren sicherlich bei einem bestimmten Ja oder Nein eine ganz besonders große Regung, entweder besondere Freude oder besondere Abneigung. Das kann sich unterschiedlich äußern: Herzklopfen, freudige Erregung, sich besonders unwohl fühlen auf dem Platz, Lethargie, Energie, Bauchgrummeln etc. Dem sollten Sie nachgehen und sich so darüber klar werden, welchen Preis Sie bereit sind zu zahlen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Selbstbewusst starten.

Sie haben die Uni hinter sich, die letzten Prüfungen sind geschrieben und jetzt scharren Sie mit den Füßen: Sie wollen endlich loslegen und selbstbewusst ins Berufsleben starten!

Dabei hilft Ihnen dieses Buch und zwar mit ungewöhnlichen Ideen. Sie finden hier viele Tipps und Infos für die gelungene Bewerbung und das gute Bewerbungsgespräch.

Klare Vorteile:

* Standort- und Potenzialanalyse: So klappt der Start ins Berufsleben

* Authentisch bleiben: Auf Dauer können Sie sich nicht verstellen!

* Ratgeber, der Mut macht und bei der Jobauswahl wirklich hilft.

"Erfrischend. [...] Stackelberg berichtet auch von ihren langjährigen Erfahrungen als Trainerin, von besonderen Erlebnissen mit Bewerbern und vergisst auch die Sicht des Personalmanagers nicht. Klar, dass dabei viele brauchbare Tipps herauskommen, selbstverständlich auch für die Bewerbungsunterlagen, die richtigen Formulierungen bei Anschreiben und Lebenslauf sowie fürs Vorstellungsgespräch. Selbst die ersten hundert Tage im Job werden nicht vergessen. Die lockere und unprätentiöse Sprache macht das Buch im Übrigen sehr unterhaltsam." in: WISU-KARRIERE 5/2012

Autorin:

Bettina Stackelberg, die Frau fürs Selbstbewusstsein®, unterstützt als Coach mit Leidenschaft, Empathie und Know-how Menschen dabei, selbstbewusster zu werden. Sie ist Autorin der erfolgreichen Ratgeber "Selbstbewußtsein" (2009) und "Angstfrei arbeiten" (2010).