4 Auf geht's – ran an die Bewerbung! in:

Bettina Stackelberg

Karrierestart für Hochschulabsolventen, page 56 - 77

Selbstbewusst. Erfolgreich. Authentisch.

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4247-2, ISBN online: 978-3-8006-4248-9, https://doi.org/10.15358/9783800642489_56

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 59 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 58 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung! Die sprachverliebte Germanistin in mir schaut sich erst mal das Wort „Bewerbung“ genauer an, was steckt da alles drin? Klar, Bewerbung ist Bewerbung. Das Wort hat jedoch noch zwei interessante weitere Aspekte: Werbung, PR, Marketing In Be-werbung steckt Werbung. Ja, das ist es: Es ist keine möglichst vollständige und sauber geschriebene Auflistung Ihres Lebenslaufs. Es ist kein Bittgesuch. Es ist keine chronologische Ansammlung von Zeugnissen. Es ist Werbung. Werbung für ein „Produkt“ – genau wie die Margarineoder Autowerbung: „Kaufen Sie! Damit erzielen Sie den Haupttreffer. Dieses Produkt ist nämlich besonders gut. Besser als die anderen. Kaufen Sie!“. Das erscheint Ihnen zu dick aufgetragen? Zu emotionsgeladen? Zu plakativ? Dann, lieber Leser und liebe Leserin, haben Sie noch ein paar Hausaufgaben vor sich – es gibt noch etwas Entscheidendes dazuzulernen! Denn eine Bewerbung ist wirklich nichts anderes als Werbung für sich selbst. Hier zeigen sich – neben der Kenntnis aller Formalien und der richtigen Rechtschreibung – Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Souveränität. Sie haben natürlich recht: Wir können Werbung auch anders sehen – schließlich gibt es auch schlechte Werbung: Die verspricht das Blaue vom Himmel herunter, trägt viel zu dick auf, lügt und betrügt sogar, färbt die Realität rosarot, verfälscht. Stimmt, die gibt es – sie ist aber nicht gut. Bleibt nicht hängen. Ist nicht erfolgreich und gewinnt keine Preise in Cannes. Wir sprechen von guter Werbung – Ihrer guten Be-werbung. Ihre gute Bewerbung also lügt nicht und ist authentisch. Das heißt nicht, dass Sie alles und jedes Detail wahrheitsgetreu hineinpacken müssen. Vieles interessiert im Zusammenhang mit dem anvisierten Job nicht (z. B. Hobby), einige Lücken im Lebenslauf sollten nicht auf den ersten Blick zu sehen sein. Lügen, aufschneiden, dazuerfinden bringt natürlich absolut nichts! Der gute Personaler kommt Ihnen nach zehn Minuten Gespräch auf die Schliche – und selbst wenn nicht: Spätestens in der Probezeit zeigt es sich, ob Sie die aufgezählten Kenntnisse wirklich haben oder nicht. Sie haben das auch gar nicht nötig. Sie bringen doch genug mit, mit dem Sie punkten können, oder nicht? Außerdem wissen die Unternehmen in der Regel auch, dass sie unter Hochschulabsolventen sicher nicht viele eierlegenden Wollmilchsäue finden. Sicher, Praktika, evtl. Auslandserfahrung und auch Zusatzqualifikationen sind heutzutage üblich Werbung für sich selbst Nicht alle Details wichtig Lügen haben kurze Beine Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 61 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 60 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!60 und sollten sein. Unternehmen wissen aber, dass es den in Karikaturen angepriesenen Absolventen, 23-jährig, mit zehn Praktika und zwölf Jahren Auslandserfahrung nicht gibt. Vielmehr gilt es, beim Bewerber das Potenzial zur Entwicklung zu sehen und seine Motivation dazu, seinen Ehrgeiz, lernen und gut sein zu wollen. Gerade am Anfang Ihrer Karriere werden Sie sicher deutlich mehr mit Ihrer Persönlichkeit und Ihrer Leistungsmotivation punkten als mit beeindruckenden Zeugnissen, zig Stationen Ihres Berufslebens oder mannigfaltigen Spezialisierungen. Und diese beiden Punkte zeigen sich im ersten Schritt ganz klar nur im Anschreiben und Ihrem Lebenslauf. Die Zeugnisse sind so, wie sie sind – da können Sie nicht mehr kreativ und zielorientiert gestalten. Wie funktioniert Werbung? Werbung ist dann gut, wenn •• sie auf das Wesentliche reduziert ist und nicht überladen, •• die Kernbotschaft sofort ersichtlich ist und ein Bild im Kopf erzeugt (oder einen ganzen Film), •• sie die Bedürfnisse und Wünsche des Konsumenten (des Kunden) erkennt und anspricht, •• sie Lösungen für Probleme verspricht, •• sie (positiv) überrascht, •• sie möglichst neu ist, •• sie Emotionen anspricht und transportiert, •• sie die gewünschte Zielgruppe abholt, anspricht, erreicht und motiviert und •• sie das gewisse Extra hat. All dies kann unter Umständen ihre Bewerbung auch bewirken. Ein enorm wichtiger, wenn nicht der entscheidende Punkt ist hierbei: Der Wurm muss dem Fisch, nicht dem Angler schmecken! Ein guter Autoverkäufer zählt eben nicht detailverliebt stundenlang alle technischen Einzelheiten auf, die ihn persönlich an dem Wagen begeistern. Eine erfolgreiche Werbung für ein Szenegetränk verliert sich nicht in Fachtermini der Zubereitungsart und der Bestandteile. Ein guter Bewerber geht auch nicht davon aus, was ihm selbst an seinem Lebenslauf besonders gut gefällt. Nein, er denkt aus Kundensicht, in diesem Falle also aus der Sicht des Personalers. Es geht nicht darum, was Ihnen besonders gut gefällt und Ihnen besonders wichtig ist – es geht darum, was dem „Kunden“ besonders ins Auge sticht und zu seinen Vorstellungen passt. Machen Sie es dem Leser Ihrer Unterlagen leicht, sofort die entscheidenden Botschaften zu sehen und sich ein stimmiges, aussagekräftiges Bild von Ihnen zu machen. Punkten Sie mit Persönlichkeit und Motivation Was ist gute Werbung? Sicht des Personalers einnehmen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 61 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 60 4.1 Das Anschreiben: Labern Sie nicht! 61 4.1 Das Anschreiben: Labern Sie nicht! Individuell, knackig und richtig geschrieben! Noch vor einigen Jahren galt die Devise: Das Anschreiben liegt vorne drauf und wird auch als Erstes (und bestenfalls sehr interessiert) gelesen. Mittlerweile ist sich die Fachwelt jedoch einig, dass dem Anschreiben längst nicht mehr diese zentrale Bedeutung beigemessen wird wie früher. Der Personaler hat einfach viel zu viele Bewerbungen auf dem Tisch und für ihn ist meist inzwischen der Lebenslauf bzw. der berufliche Werdegang der Einstieg für seine Beurteilung „interessant – nicht interessant“. Das soll natürlich nicht heißen, dass das Anschreiben egal ist und irgendwie heruntergetippt werden kann. Zum einen können Sie nie ausschlie- ßen, dass Ihre Bewerbung nicht vielleicht doch in die Hände von jemandem fällt, dem das Anschreiben besonders wichtig ist. Außerdem ist ein gelungenes Anschreiben für Sie selbst eine hervorragende Fingerübung! Hier können Sie nämlich ganz wunderbar das üben, was Sie auch später im Bewerbungsgespräch brauchen: •• Kommen Sie auf den Punkt. •• Labern Sie nicht und fassen Sie sich kurz. •• Treten Sie selbstbewusst auf, aber nicht arrogant. •• Formulieren Sie individuell und nicht in Plattitüden und Worthülsen. •• Bringen Sie Inhalt. •• Zeigen Sie, dass Sie sich eingehend mit dem Unternehmen und dem Anforderungsprofil für die Stelle beschäftigt haben. •• Bringen Sie gekonnt Ihre Fähigkeiten und Qualifikationen mit dem Anforderungsprofil in Zusammenhang. •• Überraschen Sie, wecken Sie Neugier, animieren Sie zum Weiterlesen. Und es ist schon eine erste kleine Arbeitsprobe – es zeigt, ob Sie •• strukturiert arbeiten können, •• kommunikativ sind, •• genau hinsehen, lesen und hinhören können, •• sorgfältig arbeiten, •• Stilgefühl haben, •• eher ein lockerer oder ein konservativer Typ sind. Verwenden Sie auf das Anschreiben also unbedingt genauso viel Sorgfalt wie auf den Lebenslauf und den Rest der Bewerbungsunterlagen. Das Anschreiben sollte eine gelungene Einstimmung auf Ihre gesamte Bewerbungsmappe sein. Im besten Fall ist alles aus einem Guss, eine gelungene Gesamtkomposition. Ich rate Ihnen daher: Verfassen Sie das Anschreiben ganz am Schluss! Dann haben Sie das Gesamtwerk im Auge und können mit dem Anschreiben eine gelungene Einleitung dazu schreiben. 4.1 Das Anschreiben: Labern Sie nicht! Lebenslauf wichtiger Anschreiben – gute Fingerübung Das brauchen Sie auch im Bewerbungsgespräch Erste Arbeitsprobe Einstimmung auf Bewerbungsmappe Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 63 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 62 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!62 Einleitung Adressieren Sie Ihr Anschreiben unbedingt persönlich! Das langweilige „Sehr geehrte Damen und Herren“ hat nur Nachteile. Es ist schrecklich veraltet, klingt ungemein gestelzt und vor allem: Es zeigt, dass Sie sich mit dem Adressaten nicht eingehend genug beschäftigt haben! Unabdingbar ist also die Vorabrecherche, wer Ihre Bewerbung liest. Im besten Fall haben Sie mit dem- oder derjenigen im Vorfeld bereits telefoniert. Dann können Sie die Person sowohl persönlich anschreiben als sich auch auf das Telefonat beziehen – ein sehr wirkungsvoller Einstieg. Und achten Sie unbedingt auf die richtige Schreibweise des Namens: Ist es Herr Maier, Mayer, Mair, Mayr, Meier oder Meir? Stichwort Einstieg: Ja, der erste Satz ist wichtig – er stellt die Weiche zu „klingt interessant, ich lese mal weiter!“ oder zu „Wie langweilig – weg damit!“. Jeder Journalist weiß, dass der Einstieg in einen Artikel entscheidend ist, jeder Romanautor und jeder Filmregisseur auch. Erzeugen Sie Spannung, wecken Sie Interesse und machen Sie einen sympathischen Eindruck. Dies gelingt Ihnen sicherlich nicht mit Worthülsen wie „Hiermit bewerbe ich mich auf die Stelle als …“ oder „Bezugnehmend auf die Annonce in der FAZ …“ Und schon gar nicht „Mit großem Interesse habe ich Ihre Anzeige vom … in der … gelesen und möchte mich hiermit für die Stelle abc bewerben. Ich erfülle die Anforderungen vollumfänglich und würde sehr gerne bei Ihnen arbeiten.“ – Das sind drei Zeilen ohne jeglichen Informationswert für den Leser! Versuchen Sie bitte auch nicht, ganz besonders originell oder witzig zu sein. Das kann in Ausnahmefällen gut ankommen – darauf sollten Sie jedoch nicht bauen. Zum Beispiel galt es lange Zeit als besonders innovativ, das Anschreiben mit einem „passenden Zitat“ zu beginnen. An sich ja keine so schlechte Idee. Nur – bedenken Sie: Der Personaler bekommt u. U. seit vielen Jahren täglich viele Bewerbungen auf den Tisch. Er wird also wahrscheinlich auch alle gängigen und irgendwie passenden Zitate der Weltliteratur auch schon zig mal gelesen haben – zumal die Verfasser diese Zitate aus immer denselben Zitatebüchern oder von den gängigen Zitate-Plattformen im Internet abgeschrieben haben. Machen Sie hier keine zu großen Experimente, seien Sie freundlich und zeigen Sie z. B. dadurch Engagement, dass Sie schon mit der betreffenden Abteilung telefoniert haben. Ein erster Satz könnte z. B. heißen: „Wie heute telefonisch mit Ihrem Assistenten, Mark Müller, vereinbart, schicke ich Ihnen meine Unterlagen. Nach einigen Besuchen Ihres Unternehmens und dem Gespräch mit Herrn Müller ist mein Interesse an dieser Position noch deutlich gewachsen …“ Außerdem ist es einfach nicht authentisch, wenn Sie Shakespeare zitieren und im Bewerbungsgespräch deutlich wird, dass Sie viel lieber Sciencefiction lesen. Ansprechpartner recherchieren Entscheidend: der erste Satz Keine Worthülsen Vorsicht, nicht zu originell Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 63 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 62 4.1 Das Anschreiben: Labern Sie nicht! 63 Hauptteil Im Hauptteil gilt es, Informationen zu liefern, neugierig zu machen und im Leser den Wunsch entstehen zu lassen, Sie in einem Gespräch näher kennenzulernen. Zeigen Sie, welchen Mehrwert Sie für das Unternehmen bieten. Warum Sie sich so für diese Stelle interessieren. Warum Sie so gut passen. Was Ihre Ziele sind. Auch hier gilt selbstverständlich wieder: Bitte keine Worthülsen wie „Ich bin innovativ, teamorientiert und ehrgeizig!“ oder „Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe und bin flexibel!“. Das löst beim Personaler einen ausgiebigen Gähnanfall aus. Das Anschreiben muss zu Ihnen passen und zu der Aufgabe, um die es geht. Sollten Sie durchsetzungsstark wirken, weil es um eine Führungsaufgabe geht, oder bescheiden und teamfähig: Zeigen Sie Ihre Kompetenz als potenzieller Mitarbeiter, lassen Sie aber auch den Menschen durchblicken. Zeigen Sie Leidenschaft, Begeisterung und Engagement – der Funke muss überspringen, der Leser soll sehen, dass Sie für die Sache brennen. Belegen Sie mit konkreten Beispielen und Erfolgen. Worthülsen wie „Ich bin teamfähig und akquisestark“ sind allzu abgedroschen und langweilen. Womit können Sie diese Eigenschaften belegen? Haben Sie ein großes Bloggertreffen an Ihrer Uni organisiert und konnten zusammen mit dem Organisationsteam bekannte Sponsoren dafür gewinnen? Das wär konkret, das interessiert! •• Schneidern Sie das Anschreiben wirklich maßgenau auf die Firma zu. Nichts ist peinlicher und schneller für den erfahrenen Personaler erkennbar als ein Standardanschreiben, in dem nur Name und Anschrift ausgetauscht wurden! •• Formulieren Sie ruhig mal – im angemessenen Stil – frech, ungewöhnlich, persönlich oder überraschend. Der leidgeprüfte Personaler, der sich täglich durch stapelweise langweilige Anschreiben lesen muss, wird es Ihnen danken. •• Vermeiden Sie allzu häufige Satzanfänge mit „Ich“. Ich bin, ich kann, ich habe – ist erstens eintönig und wirkt in der Masse nur noch selbstverliebt. Sie sollten eher auf die Belange des Unternehmens abzielen, also statt „Ich biete Ihnen …“ ein selbstbewusstes „Sie bekommen mit mir …“ •• Wiederholen Sie im Anschreiben nicht Ihren Lebenslauf in ausgeschriebener Form – bitte keine Redundanzen. Fokussieren Sie vielmehr darauf, wie Ihre Fähigkeiten und Ihr Potenzial zu den Anforderungen der ausgeschriebenen Stelle passen. Und dies natürlich möglichst konkret, kompakt und nachweisbar. Lassen Sie Ihr Anschreiben zwar engagiert und hochinteressiert klingen, übertreiben Sie es aber nicht mit Ihrer Begeisterung und Ihrem Überschwang. Es ist zwar rührend, wenn Sie diesen Job als den absoluten Traumjob aller Traumjobs beschreiben – wirkt aber nicht sonderlich seriös. Was ist Ihr Mehrwert? Zeigen Sie Begeisterung Maßanfertigung Ungewöhnlich formulieren Nicht zu oft „ich“ Keine Wiederholung des Lebenslaufs Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 65 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 64 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!64 •• Wenn es im Lebenslauf bzw. in den Zeugnissen deutliche Brüche oder kritisierbare Unstimmigkeiten gibt: Sprechen Sie diese kurz und deutlich bereits im Anschreiben an, entkräften Sie die vermeintliche Schwierigkeit aber gleich mit guten Argumenten. •• Vermeiden Sie Schachtelsätze. Denken Sie daran: Der Personaler hat wenig Zeit und überfliegt das Ganze erst einmal. Dabei sollte er auf Anhieb Ihre Botschaft verstehen und nicht erst dreimal nachlesen müssen. Packen Sie die wichtigen Informationen in den Hauptsatz. •• Formulieren Sie sprachlich gelungen und verwenden Sie angemessenes Fachvokabular – nicht zu wenig, nicht zu viel. •• Formulieren Sie einfach und verständlich. Das bedeutet: Verwenden Sie Aktiv statt Passiv („Ich erweiterte meinen Erfahrungsschatz mit dem Praktikum xy.“ Statt „Der Erfahrungsschatz wurde erweitert durch …“) und Verben, Verben, Verben statt des gestelzt und trocken wirkenden Nominalstils – hier also bitte kein „Mein Plan fand gro- ße Unterstützung durch den damaligen Professor.“ Sondern besser: „Mein damaliger Professor unterstützte den Plan.“ •• Achten Sie bei der Schrift auf Leserfreundlichkeit. Das heißt, schreiben Sie in der Schriftgröße 11 bis 13 Punkt in gängigem Schrifttyp (Arial, Verdana, Times), mit angemessenem Seitenrand (ca. 4 cm links, 3 cm rechts), machen Sie genügend Absätze und wählen Sie wegen guter Lesbarkeit und Lesegewohnheit den Flattersatz (= linksbündig ausgerichtet). •• Verkünsteln Sie sich nicht am Schluss noch einmal, sondern grüßen Sie freundlich und tun Sie kund, dass Sie sich auf ein Gespräch freuen. („Herzliche Grüße“ ist hier moderner als „Hochachtungsvolle Grüße“.) •• Platzieren Sie ganz am Schluss noch einen gekonnten Hingucker durch ein etwas abgesetztes PS; Untersuchungen haben gezeigt, dass das PS in der Regel genau gelesen wird. •• Unterschreiben Sie das Anschreiben mit Vor- und Zunamen, am besten mit Füller und klassisch blauer Tinte. Für die Gliederung Ihres Anschreibens verwenden Sie die Norm DIN 5008, die Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung festlegt und somit für jegliche Form von Geschäftsbriefen – auch Bewerbungsschreiben – gilt. (Die genauen Infos dazu finden Sie im Duden oder im Internet.) Brüche thematisieren Keine Schachtelsätze Gut formulieren Verständlich formulieren Leserfreundliches Layout Schlussformel PS als Hingucker Unterschrift nicht vergessen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 65 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 64 4.1 Das Anschreiben: Labern Sie nicht! 65 Hier ein Beispiel dafür: (1 Leerzeile) Max Mustermann München, 12.05.2011 Bahnhofstraße 12 12345 Musterstadt (4 Leerzeilen) Firmenname (Abteilung). Z. Hd. Frau/Herrn … Hauptstraße 33 56789 Musterstadt (3–4 Leerzeilen) Bezugzeile (= z. B. „Stellenangebot Systemadministrator, FAZ vom 4. März 2011 – bitte hier kein „Betreff“ dazuschreiben, das ist völlig veraltet!) (2–3 Leerzeilen) Anrede (persönlich! Vorher telefonisch herausfinden.) (1 Leerzeile) Einleitung und Haupttext (1 Leerzeile) Gruß (gängig ist „Mit freundlichen Grüßen“) (2–3 Leerzeilen) Handschriftliche (und leserliche!) Unterschrift mit Vor- und Nachnamen (2–4 Leerzeilen) Ein gutes Postskriptum – das PS ist ein Eyecatcher! (2–4 Leerzeilen) Anlagen (wenn noch Platz ist, aufzählen) Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 67 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 66 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!66 4.2 Das Foto – der gelungene erste Eindruck Mit dem Foto in Ihrer Bewerbung wollen Sie sich ins rechte Licht rücken und einen möglichst angenehmen und stimmigen ersten Eindruck vermitteln. Ein Bild sagt schließlich mehr als 1000 Worte. Hier geht es nicht um eine großartige Inszenierung oder gar Kostümierung. Denken Sie daran: Auch hier gilt es, authentisch rüberzukommen! Achten Sie auf ein gängiges Format: In der Regel sind dies 6 × 4 oder 9 × 6 cm. Das Foto zeigt Sie am besten im Halbporträt mit angeschnittener Schulterpartie (keine künstlerisch wertvollen Porträtausschnitte und keine Ganzkörperaufnahme!) Denken Sie an Puder – Sie sollen zwar einen glänzenden Eindruck machen, aber nicht allzu sehr glänzen! Und achten Sie auf gut gekämmtes Haar (Frauen mit zurückgekämmten oder hochgesteckten Haaren signalisieren mehr Kompetenz als mit offener Mähne!), auf möglichst falten-, flecken- und fusselfreie, gut sitzende Kleidung, auf dezentes Make-up, den gut und straff gebundenen Krawattenknoten und nichtspiegelnde Brillengläser. Verzichten Sie auf allzu viele Accessoires auf einmal, das lenkt ab! Entscheiden Sie sich entweder für Ohrringe oder die Kette oder das Tuch. Und selbstverständlich muss das Foto aktuell sein. Richten Sie sich mit der Kleidung nach dem gängigen Dresscode des Unternehmens. Entweder Sie waren schon einmal dort, dann kennen Sie die Kleidungsregeln. Oder Sie stellen sich morgens einfach einmal vor das Unternehmen und beobachten die Mitarbeiter. Auch Fotos von Mitarbeitern dieses Unternehmens z. B. auf XING können Ihnen hier weiterhelfen. Der Hintergrund des Fotos sollte dezent sein und nicht ablenken. Eine einfarbige Fläche ist somit deutlich besser geeignet als der Stadtpark oder Gegenstände im Hintergrund wie Büroeinrichtung etc. Die Farbe der Wand im Hintergrund harmoniert (bei Farbfotos) mit der Kleidung und die Beleuchtung wirft keine hässlichen Schatten. Investieren Sie in einen guten Fotografen – Automatenfotos gehen zwar schnell und sind billig, so sehen sie in der Regel aber auch aus. Zeigen Sie also auch im übertragenen Sinne, dass Sie in Ihre Zukunft zu investieren bereit sind. Nicht extra erwähnen muss ich hoffentlich, dass Party- oder Urlaubsbilder absolut tabu sind, oder? Ebenso wie schulterfrei bei Frauen und kurzes Hemd bei Männern. Es gibt keine Richtlinie, ob farbige oder Schwarzweißfotos besser sind – das ist Geschmackssache; meines Erachtens macht ein Schwarzweißfoto nicht automatisch gleich einen seriöseren Eindruck, es kann auch düster wirken – das Gesamtpaket machts. Entscheiden Sie, welche Form Sie selbst bevorzugen, was authentischer wirkt. Bleiben Sie authentisch Format Die Details Dresscode Dezenter Hintergrund Gehen Sie zum Fotografen Farbig oder s/w? Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 67 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 66 4.3 Der Lebenslauf – Herzstück der Bewerbung 67 Wo gehört das Bewerbungsfoto hin? Es befindet sich auf der ersten Seite des Lebenslaufs und zwar am besten oben rechts und oberhalb der ersten Zeile. Befestigen Sie das Foto keinesfalls mit einer Büroklammer, sondern nehmen Sie den Klebestift zur Hand. Wenn Sie das Foto digital einfügen, achten Sie auf eine möglichst hohe Auflösung und auf fototaugliches hochwertiges Papier. Und natürlich nicht vergessen: Lächeln Sie! Verkünsteln Sie sich nicht mit einem existenzialistischen Grimmblick oder einem verträumten Schmachtblick. Lächeln Sie, das macht Sie sympathisch und wirkt offen. 4.3 Der Lebenslauf – das anpassungsfähige Herzstück der Bewerbung Nun kommen wir zum wichtigsten Teil Ihrer Bewerbung, dem Lebenslauf. Erfahrungsgemäß entscheidet sich besonders häufig hier, ob das Unternehmen sich für Sie zu interessieren beginnt oder nicht. Deshalb verwenden Sie bitte auf die Gestaltung Ihres Lebenslaufs ganz besonders viel Sorgfalt und Hirnschmalz. Sie werden sich jetzt vielleicht fragen: Wieso Gestaltung? Der steht doch fest, so wie er ist. Da kann ich doch nicht kreativ sein. Weit gefehlt! Einer der am meisten verbreiteten Denkfehler: Der Lebenslauf ist und bleibt einfach die chronologische Auflistung meiner Stationen. Nein! Sie können hier weitaus mehr machen als vermutet. Sehen wir uns an, was beim Lebenslauf wichtig ist: •• Er ist vollständig und entspricht der Wahrheit. •• Er ist optimal gegliedert. •• Er berücksichtigt die Sicht des Empfängers. •• Er stellt kreativ die Highlights ins Scheinwerferlicht. •• Er sagt durch seinen Aufbau viel über den Schreiber aus. Vollständigkeit und Wahrheit Dass ein Lebenslauf vollständig und wahrheitsgemäß sein sollte – das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Gerade hier meinen Bewerber leider immer mal wieder, kreativ sein zu dürfen (und gerade hier ist Kreativität absolut unangebracht!): Sie lassen dann z. B. unliebsame bzw. unrühmliche Stationen einfach aus, um ausschließlich mit den positiven Seiten zu punkten. Das fliegt auf, also lassen Sie es! Ein geübter Personalerblick sieht sofort die Lücken im Zeitablauf und fragt nach. Vielmehr: Er fragt unter Umständen gar nicht mehr nach, weil Sie sich bereits disqualifiziert haben. Ab in den Papierkorb! Bleiben Sie also unbedingt bei der Wahrheit! Packen Sie nichts dazu, was nicht stimmt und lassen Sie nichts weg, auch wenn es unangenehm Platzierung des Fotos Lächeln Sie 4.3 Der Lebenslauf – Herzstück der Bewerbung Das ist wichtig Keine Kreativität am falschen Ort Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 69 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 68 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!68 ist. Selbstverständlich können Sie das Ganze jedoch selbstbewusst und marketinggemäß verpacken und präsentieren – Sie verkaufen schließlich ein „Produkt“ und das darf durchaus in besonders schönem Gewand daherkommen und mit einer roten Schleife versehen sein. Folgende Details sind üblich in jedem Lebenslauf, wenn auch teilweise nicht mehr zwingend Pflicht: Seit August 2006 dürfen nach dem AGG (Antidiskriminierungsgesetz) Geburtsdatum, Familienstand, Anzahl der Kinder sowie ein Foto nicht mehr verpflichtend sein. Wenn Sie damit keine allzu großen Schwierigkeiten haben, rate ich Ihnen jedoch, dies auch anzugeben. Es macht das Bild von Ihnen runder und im Gespräch ergeben sich die Punkte wahrscheinlich sowieso. •• Persönliche Daten – Vor- und Zuname – Geburtsdatum und -ort – Anschrift – Kontaktdaten (wenn auch diese z. B. schon auf dem Anschreiben stehen: Es schadet nicht, sie hier auch noch einmal zu erwähnen, damit der Personaler jederzeit sofort reagieren kann). Achten Sie bitte bei Ihrer E-Mailadresse unbedingt und zwingend auf Seriosität! Am besten also Vorname.Zuname@xyz.de. Bitte keine Nicknames von alten Facebook-Accounts wählen! – Familienstand – Religionszugehörigkeit muss nicht sein (lediglich bei kirchlichen Trägern) •• Schulbildung (Schultyp, Abschluss). Hier reichen glatte Jahreszahlen. Sollten Sie den zweiten Bildungsweg beschritten bzw. das Abendgymnasium besucht haben, sieht der Personaler daran Ihren besonderen Leistungswillen. Also bitte unbedingt herausgehoben erwähnen! •• Studium (mit Zeitangaben) – Fach bzw. Fächer – Universität – Schwerpunkte – Abschlüsse – Eventuell Thema der Examensarbeit bzw. der Promotion •• Wenn vor dem Studium absolviert: Berufserfahrung (mit Zeitangaben) – Berufsausbildung – Ausbildungsfirma/-institution – Abschluss – Berufsbezeichung bzw. Position – Arbeitgeber Das ist nicht mehr verpflichtend Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 69 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 68 4.3 Der Lebenslauf – Herzstück der Bewerbung 69 •• Praktika (je länger Sie bereits im Beruf sind, je länger also von der Ausbildung entfernt, desto unwichtiger werden die Praktika. Diese werden chronologisch gelistet. Selbstverständlich auch mit Zeitangaben!) •• Auch relevante Jobs, die Ihr Studium finanziert haben, können Sie erwähnen. Daran sieht der Leser, dass Ihnen die Arbeitswelt nicht fremd ist. •• Wenn Sie schon eine oder mehrere „richtige“ Berufsstationen vorzuweisen haben, gilt: Funktion und Stellung im Unternehmen nennen und Aufgaben dort erwähnen. •• Wenn vorhanden, auch – berufliche Weiterbildung und – außerberufliche Weiterbildung (aber bitte keine rein privat motivierten wie Ikebana oder kreatives Klöppeln). •• Fremdsprachen – und zwar in möglichst konkreter qualifizierender Abstufung, hierbei ist üblich:gute Kenntnisse, sehr gute Kenntnisse (bzw. fließend in Wort und Schrift), verhandlungssicher, muttersprachliches Niveau. Bitte sehr selbstkritisch sein, ob die Sprachkenntnisse wirklich über allgemeines Grundniveau hinausgehen. Zertifikate, die sich im Anhang finden, werden hier erwähnt (allerdings gilt hier die VHS wenig, besser ist z. B. das Cambridge Certificate). Dasselbe gilt für •• EDV-Kenntnisse: Bitte detailliert und eindeutig beschreiben, was Sie können. Und selbstkritisch hinterfragen, ob Ihre Fähigkeiten über die Kenntnisse eines Oberstufenschülers hinausgehen. •• Ehrenamtliches bzw. soziales Engagement, evtl. politische Aktivitäten. All dies jedoch bitte nur, wenn es in logischem Zusammenhang mit der ausgeschriebenen Stelle steht und Ihnen als Zusatzqualifikation angerechnet werden kann. Auch hier gilt: Selbstkritik bitte! •• Für Hobbys gilt das Gleiche: Selbstkritik und Relevanz, bitte! Ihr Hobby kann jedoch durchaus etwas Wichtiges über Sie aussagen, wenn Sie z. B. Schatzmeister im Ruderclub waren oder Tutor bei den Pfadfindern. •• Eventuelle (längere!) Auslandsaufenthalte. Bitte nicht den jährlichen Urlaub in Griechenland angeben! •• Ans Ende kommen Wohnort, Datum und Unterschrift. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 71 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 70 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!70 Checkliste Lebenslauf CD Muss rein: •• Name •• Adresse •• Kontaktdaten (Telefon und E-Mail) •• Schulbildung (Schultyp, Abschluss) •• Studium (mit Zeitangaben) •– Fach bzw. Fächer •– Universität •– Schwerpunkte •– Abschlüsse •– eventuell Thema der Examensarbeit bzw. Promotion •• Berufsausbildung mit Abschluss und Bezeichnung •• Ort, Datum, Unterschrift (möglichst handschriftlich und nicht eingescannt, mit klassischer blauer Tinte) Kann rein, bitte abwägen: •• Familienstand •• Religionszugehörigkeit •• Praktika, Arbeitgeber •• Weiterbildung •• Fremdsprachen- und EDV-Kenntnisse •• Soziales, ehrenamtliches, politisches Engagement •• Hobby •• Auslandsaufenthalt Gliederung Bei der Gliederung bzw. der Strukturierung Ihres Lebenslaufs sollten Sie geschickt vorgehen. Wenn Sie einen ansehnlichen, lückenlosen und vorbildlichen Lebenslauf haben, müssen Sie sich darum keine Gedanken machen. Wollen Sie jedoch Ihren Lebenslauf ein wenig verschönern, gilt es hier einiges zu beachten. Sie wollen schließlich dem Leser schnell einen guten Überblick verschaffen über genau die Punkte, die Ihnen selbst besonders wichtig sind. Sie wollen ein bestimmtes Bild von sich transportieren. Welchen ersten Eindruck soll der Leser von Ihnen bekommen, welches Bild soll er sich machen, worauf soll er besonders achten? Welche Kompetenzen, Spezialkenntnisse oder Stärken sollen ihm besonders schnell ins Auge fallen? Sie können Ihren Lebenslauf entweder chronologisch aufbauen oder nach Schwerpunkten geordnet. Was ist Ihnen besonders wichtig? Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 71 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 70 4.3 Der Lebenslauf – Herzstück der Bewerbung 71 Chronologisch oder gegenchronologisch aufgebauter Lebenslauf Wenn Sie auf noch nicht viele Berufsstationen zurückblicken, bietet sich die Chronologie ausgehend von der Schule bis hin zur Gegenwart an. Haben Sie jedoch mehrere Stationen (z. B. wichtige Praktika und Auslandsaufenthalte) vorzuweisen, dann beginnen Sie besser mit der Gegenwart (z. B. aktueller Job) und gehen dann zurück über das Studium bis zur Schule. Auch wenn es in Deutschland eigentlich noch andersherum – also von Schule bis heute – üblich ist: So liest es sich interessanter und informativer. Diese Form ist dann zu empfehlen, wenn Sie einen relativ geradlinigen, lückenlosen Lebenslauf haben oder Sie bereits renommierte, prestigeträchtige Arbeitgeber (z. B. beim Praktikum) vorzuweisen haben. Außerdem bewährt sich diese Form besonders bei traditionellen Arbeitsfeldern. Wenn Ihr Lebenslauf jedoch eher ein bunt zusammengewürfeltes Panoptikum ist oder Sie lange Zeit das Gleiche getan haben, sollten Sie von der chronologischen Form eher absehen. Nach Schwerpunkten aufgebauter Lebenslauf Wenn Sie besondere Kenntnisse, Erfahrungen, Stärken oder Kompetenzen vorzuweisen haben oder als Berufsanfänger Ihre Erfahrungen in Praktika, Auslandssemestern oder Jobs in kompakter Form darstellen wollen, ordnen Sie Ihren Lebenslauf nach Schwerpunkten an. Ihre Stärken werden somit in den Mittelpunkt gestellt und nicht so sehr die Chronologie, die Sie bitte auf nur einer Seite kurz voranstellen. Da es für diese Form der Darstellung keinerlei Richtlinien gibt, können Sie hier besonders kreativ und aussagekräftig strukturieren und fokussieren. Folgende Inhalte können Ihre Schwerpunkte clustern: •• Fachkenntnisse •• Arbeitspraxis •• Projekterfahrungen •• Organisation und Planung •• Wissenschaftliche Arbeit, Veröffentlichungen •• Betriebswirtschaftliche Kompetenzen •• Personalführung oder -ausbildung •• Marketing, PR •• Vertrieb •• Verantwortung/Leitung von … •• Internationale Erfahrungen, interkulturelle Kompetenzen Bei geradlinigem Lebenslauf zu empfehlen Bei besonderen Kompetenzen Nach Schwerpunkten clustern Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 73 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 72 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!72 Die Perspektive des Lesers Wir sprachen davon, dass Sie mit Ihrer Bewerbung und dem Lebenslauf quasi ein Produkt, nämlich sich selbst verkaufen. Das funktioniert über Fakten, aber auch über die Verpackung. Und unbedingt auch durch Zielgruppenanalyse (wie jede professionelle Marketingabteilung bei einem neu einzuführenden Produkts dies auch macht!). Selbstverständlich können Sie nie hundertprozentig genau wissen, wer Ihr Schreiben in die Hand bekommt und wer schließlich das entscheidende Vetorecht innehat. Was Sie aber auf jeden Fall bedenken können: •• Der Leser möchte einen klaren Überblick bekommen. •• Der Leser möchte nicht verwirrt, verärgert oder gelangweilt werden. •• Der Leser möchte Lücken im Lebenslauf nicht verschwiegen, sondern schlüssig erklärt bekommen. Erklärungen wie Erziehungszeiten oder Weltreise kommen durchaus gut an. •• Der Leser möchte schnell erkennen, ob das Profil kompatibel ist mit den Anforderungen der neuen Stelle (persönliche und fachliche Voraussetzungen). •• Der Leser möchte erkennen, dass Sie die Stellenanzeige gelesen haben und keinen Standard-Lebenslauf schicken. 4.4 Die Unterlagen – Vollständigkeit, Optik und Haptik Auch wenn wir in Zeiten von Web 2.0 leben und vieles, somit auch Bewerbungen, inzwischen eher online als in Papierform verschickt wird: Täuschen Sie sich nicht – immer noch wird die klassische Bewerbungsmappe von vielen Firmen gern gesehen: Das klassische Familienunternehmen z. B. wird vielleicht noch vom Senior geführt und dem ist eine Onlinebewerbung schlichtweg zu modern. Außerdem unterschätzen Sie nicht die Tatsache, dass viele Personaler buchstäblich gerne etwas in der Hand haben. Wenn Sie also die klassische Bewerbungsmappe in Papierform wählen, können Sie viel richtig – aber auch viel falsch machen. Daher meine Tipps: Vollständigkeit Wieder eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Umso ärgerlicher, wenn der Bewerber wichtige Details in seiner Mappe vergisst. Hier also der Überblick über all das, was in Ihrer Bewerbungsmappe enthalten sein sollte: •• Deckblatt (lassen Sie den Leser nicht sofort in Ihren Lebenslauf fallen), das auf verschiedene Arten gestaltet werden kann, z. B. „Bewerbungsunterlagen für … (Firmenname) von … (Name, Berufsbezeichnung, Wer ist Ihre Zielgruppe? Wichtige Aspekte Vergessen Sie nichts Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 73 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 72 4.4 Die Unterlagen – Vollständigkeit, Optik und Haptik 73 Kontaktdaten)“ oder auch nur der Name und die Kontaktdaten, eventuell noch mit Foto und Unterschrift. •• Nicht zwingend nötig, bei einer umfangreichen Mappe aber zweckdienlich für die Übersichtlichkeit: eine Inhaltsangabe der Mappe. •• Lebenslauf •• Wenn Sie damit für die infrage kommende Stelle besonders punkten können: Eine Extraseite mit Ihren Studienschwerpunkten bzw. den Themen Ihrer Abschlussarbeit oder Ihrer Veröffentlichungen. •• Die „3. Seite“ ermöglicht es Ihnen, eine besonders persönliche Note, einen Eyecatcher, einzubauen. Diese 3. Seite muss nicht sein, sticht aber ins Auge, wenn sie geschickt eingesetzt ist! Seien Sie hier kreativ, ungewöhnlich, unerwartet. Sie können damit durchaus Sympathiepunkte gewinnen und stärker auf sich aufmerksam machen, weil Sie hervorstechen. Vielleicht haben Sie besondere oder besonders viele Veröffentlichungen vorzuweisen? Oder Sie waren längere Zeit sozial engagiert, bei der Telefonseelsorge, als Entwicklungshelfer oder Leiter einer Theatergruppe für Kinder? Lassen Sie all dies unter „Was Sie sonst noch über mich wissen sollten“ oder mit „Ich über mich“ oder „meine Motivation“ auf der 3. Seite mit einfließen. Hier gilt natürlich auch: kurze Sätze, prägnant auf den Punkt gebracht. •• Referenzen – bitte nur dann, wenn sie wirklich ungewöhnlich und besonders sind! Dies kann eine bekannte oder prestigeträchtige Persönlichkeit sein, für die Sie zeitweise gearbeitet haben oder auch eine Person des öffentliches Lebens (Politiker, Hochschulprofessor). •• Belege über Auslandsaufenthalte mit Zeugnissen etc. – auch nur dann, wenn Sie damit Außergewöhnliches hervorheben wollen. Nicht jeder kleine Ferienjob verdient es, erwähnt zu werden! •• Anlagen mit Zeugnissen Optik Wie Sie sicher schon gemerkt haben, gibt es 1001 Bewerbungsmappenarten in den verschiedensten Formen und Farben. Besonders gebräuchlich und schick sind die Mappen mit drei Teilen zum Klappen. Auch hier können Sie nicht wissen, auf welche speziellen Vorlieben der Personalabteilung Sie stoßen werden. Sie können bei vielen Personalern jedoch auch deutlich punkten mit den ganz einfachen Klemmmappen mit durchsichtigem Deckel. Sie sind leicht zu handhaben und der Personaler kann schnell mal eine Seite z. B. zum Kopieren herausnehmen. •• Wählen Sie bitte eine hochwertige Mappe – keine aus dem Zehnerpack vom Discounter. Ja, die guten Mappen sind teuer und Sie werden einige der Mappen nicht zurückbekommen. Dennoch rate ich Ihnen dringend zu dieser Investition, damit Sie nicht negativ auffallen. Se- Dreiteilige Mappe Klemmmappe Hochwertige Mappe Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 75 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 74 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!74 hen Sie ab von einzelnen Klarsichthüllen für jedes Dokument – das erspart dem Personaler unnötiges und lästiges Pfriemeln. •• Wählen Sie eher eine Mappe aus wertigem (und umweltfreundlichem!) Karton als aus Plastik. •• Sollte die Mappe bereits verwendet worden sein, achten Sie unbedingt darauf, dass man ihr keine Gebrauchsspuren ansieht – Flecke, Eselsohren oder verbogene Hefter haben hier nichts zu suchen! •• Wählen Sie gutes, normales Papier. Dickeres Papier kann zwar durchaus einen wertigeren Eindruck machen, lässt sich u. U. aber nicht gut kopieren. Für das Anschreiben jedoch können Sie durchaus ein ansprechendes, dickeres Papier – vielleicht sogar Ihr eigenes Briefpapier verwenden. •• Auch beim Papier gilt selbstverständlich: Keine Flecken, keine Eselsohren oder Einrisse, keinen „Duft“ (Raucher? Frisch parfümiert? Fehl am Platz!) •• Legen Sie das Anschreiben lose auf die Bewerbungsmappe und stecken Sie das Ganze in einen ausreichend großen, mit Kartonrücken verstärkten Umschlag. Beschriften Sie ihn sorgfältig mit – leserlicher und sauberer! – Handschrift oder versehen Sie ihn mit Adressetiketten aus dem Drucker. Nennen Sie auch in der Adresse den direkten Ansprechpartner. Ach ja – und frankieren Sie den Umschlag ausreichend: Oder möchten Sie sich allein deshalb schon ins Aus schießen, weil die Firma Porto nachzahlen muss? Lassen Sie das Ganze auf dem normalen Postweg auf die Reise gehen (kein Einschreiben, keine Eilsendung). Wenn Sie in der Nähe des Unternehmens wohnen, können Sie die Unterlagen auch persönlich abgeben. Das hinterlässt gleich einen individuellen Eindruck und man erinnert sich besser an Sie. 4.5 Onlinebewerbung: Vorteile und Tücken Im Mai 2011 ergab eine Umfrage im Auftrag von BITKOM (1.500 Unternehmen aller Branchen wurden befragt), dass 39 % aller Unternehmen eine digitale Bewerbung bevorzugen. Laut Pressemitteilung „… fordern 28 Prozent der Unternehmen Unterlagen per E-Mail und weitere 11 Prozent setzen auf ihren Webseiten Online-Formulare ein, die von den Job- Kandidaten ausgefüllt werden.“ Vor allem große Unternehmen legen gesteigerten Wert auf Onlinebewerbungen. Auch wenn noch 43 % die klassische Bewerbungsmappe in Papierform bevorzugen, so sinkt deren Bedeutung jedoch offensichtlich und rapide. Eine Onlinebewerbung hat natürlich für beide Seiten viele Vorteile: Sie ist enorm schnell und bequem zu versenden, kostet annähernd nichts und ist umweltschonend, weil es keine Papierberge zu verwalten und Keine Gebrauchsspuren Papier Unterlagen persönlich abgeben Vorteile der Onlinebewerbung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 75 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 74 4.5 Onlinebewerbung: Vorteile und Tücken 75 aufzuheben gibt. Außerdem kann der Adressat eine interessant erscheinende Bewerbung schnell weiterleiten z. B. an die anderen Entscheider. Standardisierte Onlineformulare erleichtern zudem ganz eindeutig die Vorauswahl für das Unternehmen. Gehen Sie also mit der Zeit und bewerben Sie sich online – und zwar in der Form, die vom jeweiligen Unternehmen gewünscht ist. Neben den vielen Formalien und Details, die ebenso für die Online- wie für die klassische Papierbewerbung gelten, achten Sie bitte außerdem noch auf Folgendes: E-Mail-Bewerbung – so geht’s! Seien Sie mindestens genauso sorgfältig und konzentriert wie beim Verfassen Ihrer klassischen Bewerbung. Mails sind viel schneller getippt als Briefe geschrieben und ebenso schnell vertippen wir uns. Formulieren Sie offline konzentriert und ruhig vor. Und vermeiden Sie, wenn irgend möglich, Sonderzeichen. Die Gefahr ist recht groß, dass der Leser diese kryptisch verpixelt sieht: Das gilt z. B. oft fürs Euro-Zeichen – also lieber „Euro“ ausschreiben oder mit „EUR“ abkürzen. Lesen Sie selbst gegen oder lassen Sie am besten jemand anderen gegenlesen. Schlamperei und Wurschtigkeit sind auch hier tödlich. Natürlich gelten auch hier alle Regeln der Rechtschreibung, der Höflichkeit und der Netiquette. Bitte keine flapsigen Anreden oder Grüße am Schluss. Besser als „Lieber Herr Meier“ ist heutzutage immer noch „Sehr geehrter Herr Meier“ oder „Guten Tag, Herr Meier“. Beim Gruß müssen Sie nicht unbedingt beim klassischen „Freundliche Grüße“ bleiben, wenn Sie dafür nicht der Typ sind. Sie sollen ja authentisch rüberkommen. Also ruhig auch „herzliche Grüße“ oder „viele Grüße aus dem herbstlichsonnigen München“ schreiben. Die Schriftgröße sollte nicht kleiner als zehn Punkt sein, bitte Standardschriften verwenden. Einheitlich, traditionell, zurückhaltend und edel bleiben – also keine zig verschiedenen Schriften, Formatierungen, Farben. Höchstens mal einen Fettdruck, aber auch nicht zu häufig, sonst wird es schnell unruhig und das Wichtige ist nicht mehr vom Unwichtigen zu unterscheiden. Schwarz auf weiß, gut lesbarer Zeilenabstand. Smileys, Abkürzungen, die unsägliche durchgängige Kleinschreibung und ähnliche Spielchen haben in seriösen Mails wie der Bewerbung nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Bei einer E-Mail-Bewerbung gilt noch viel mehr als bei der Papierform: Fassen Sie sich kurz! Noch kürzer! Kein Leser möchte lange scrollen und schon gar nicht möchte er ewig warten, bis diverse Dateien endlich heruntergeladen sind. Faustregel, was die Datenmenge angeht: Nicht mehr als zwei MB. Maximal vier MB, wenn Sie noch Zeugnisse oder Arbeitsproben hinzufügen wollen! Offline formulieren Orthografie und Netiquette Layout Fassen Sie sich kurz Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 77 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 76 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!76 In der Regel besteht eine Bewerbung per E-Mail lediglich aus Anschreiben und Lebenslauf. Wenn das Unternehmen diesen ersten Eindruck interessant findet, wird man sich bei Ihnen melden und weitere Unterlagen anfordern. Dann erst sind größere Anhänge sinnvoll. Wenn Sie richtig fit sind im Sich-kurz-Fassen, schreiben Sie das Anschreiben direkt in den Mailtext. Nur dann, wenn das Anschreiben ausführlicher ist (zur Erinnerung: zu ausführlich sollte es nie sein!), gehört es in den Anhang zum Lebenslauf. Wenn Sie Dateien in den Anhang stecken: Bitte im gängigen PDF-Format! Hier können Sie sicher sein, dass die Unternehmen die Anhänge auch öffnen können. Word-Dokumente können zwar geöffnet werden, sind aber zum einen recht virenanfällig, außerdem erscheinen die Schriften beim Leser oft in anderer Formatierung und können damit schlechter lesbar sein. Ein PDF kann außerdem nicht mehr verändert werden, wenn Sie es sperren. Beim PDF können Sie sicher sein, dass die Schrift und die äußere Form genauso erscheint, wie Sie es wünschen. Drucken Sie Ihre Dokumente selbst aus, um zu sehen, wie der Adressat die Unterlagen bekommt. Außerdem benennen Sie Ihre Anhänge bitte sinnvoll und eindeutig. Ein „Bew._Siem_002“ ist vielleicht für Ihre private Ablage sinnvoll, der fremde Leser versteht aber nur Bahnhof. Also lieber „Bewerbung_Mustermann_Siemens“. Und packen Sie alles, also z. B. Foto, Lebenslauf und Zeugnisse, in eine oder maximal zwei PDFs (einmal Anschreiben und Lebenslauf, einmal Zeugnisse), damit nicht zehn oder mehr Anhänge geöffnet werden müssen. Ach ja, und vermeiden Sie bitte unbedingt einen der häufigsten und peinlichsten Fehler: Bitte hängen Sie angekündigte Dateien auch wirklich an! Damit können Sie sich ansonsten ganz fix den ersten Eindruck versauen und das wäre ganz schön ärgerlich, oder? Die Betreffzeile ist immens wichtig bei einer E-Mail-Bewerbung – der Türöffner gewissermaßen. Wenn Sie sich auf eine konkrete Anzeige bewerben, kommt genau der Titel dieser Anzeige in die Betreffzeile, gegebenenfalls mit der entsprechenden Kennziffer. Wenn Sie eine Initiativbewerbung schreiben, werden Sie konkret und verwenden das Wort „Bewerbung“ auch hier – z. B. „meine Bewerbung als Trainee in der PE“. Hier dürfen Sie ruhig auch mal kreativ oder gar ein wenig (angemessen!) frech werden. Formulieren Sie ungewöhnlich, das weckt Interesse und macht neugierig. Warum also nicht mal in die Betreffzeile statt „Maria Müller, Bewerbungsunterlagen“ ein knackiges „Maria Müller, Ihr neuer Trainee“ schreiben? Die Signatur Ihrer E-Mail sollte Ihre vollständigen Kontaktdaten beinhalten sowie evtl. den Link auf Ihre Homepage oder Ihr Profil bei XING oder ähnlichen Netzwerken. Nur Anschreiben und Lebenslauf Anhang als PDF Testausdruck Anhang sinnvoll benennen Anhänge zusammenfassen Anhänge nicht vergessen Wichtig: der Betreff Signatur Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 77 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 76 4.5 Onlinebewerbung: Vorteile und Tücken 77 Finden Sie auch hier unbedingt den richtigen Ansprechpartner heraus. Mails an anonyme Pooladressen wie info@xyz oder kontakt@xyz landen ganz sicher nicht in den Händen, in die Sie Ihre Bewerbung legen wollen. Und ob diese Person die Bewerbung dann extra an den Richtigen weiterleitet, können Sie nicht wissen. Wie immer gilt: Hängen Sie sich ans Telefon! Fragen Sie nicht nur nach dem richtigen Ansprechpartner, sondern auch gleich, in welcher Form die E-mail-Bewerbung erwünscht ist, ob z. B. mit oder ohne Anhänge. Wenn alles fertig ist: Schicken Sie sich an eine zweite E-Mail-Adresse diese Mail mit allen Anhängen erst einmal selbst zur Probe. Kommt alles an, ist alles ausdruckbar und lesbar? Generell hat ein E-Mail-Kontakt auch noch andere Vorteile: •• Sie können vorab Ihre Bewerbungsmappe ankündigen: „In den nächsten Tagen erhalten Sie per Post …“ •• Sie können höflich nach ca. zwei Wochen nachfragen, wenn Sie Ihre Bewerbungsunterlagen verschickt und noch nichts gehört haben. Höflich! Nicht ungeduldig oder drängelnd. •• Und Sie können allgemein im Gespräch bleiben: Bedanken Sie sich für ein nettes Telefonat, bestätigen Sie den Gesprächstermin, bedanken Sie sich für das Vorstellungsgespräch, liefern Sie hilfreiche Informationen noch nach („Hier der Buchtitel, über den wir am Montag bei unserem Treffen sprachen …“). So bleiben Sie in Erinnerung, netzwerken ein wenig – egal, wie die Bewerbung ausgeht: Gute Netzwerk-Partner können immer mal wieder hilfreich sein! Oft sieht man sich zweimal im Leben. Online-Bewerbungsformulare Wenn das Unternehmen zur Bewerbung ein Onlineformular zur Verfügung stellt, bitte benutzen Sie dies auch. Hier reagiert so manches Unternehmen ungehalten, wenn Sie dann stattdessen eine E-Mail-Bewerbung losschicken. Onlineformular ist nicht gleich E-Mail-Bewerbung! Schauen Sie auch bitte genau hin und unterscheiden Sie: Es gibt Onlineformulare, die extrem einfach gestrickt sind und die das Unternehmen pro forma einfach immer auf seiner Website hat. Das hat oft mit realen offenen Stellen nichts zu tun. Wenn das Formular komplexer strukturiert und ausführlicher ist, dient es wahrscheinlich dazu, für aktuelle Stellen eine Vorauswahl zu treffen. Diese erfolgt oft zumindest teilautomatisiert. Dort werden z. B. Kriterien wie Höchstalter oder Uniabschluss abgeklärt. Wenn Sie hier ganz schnell eine Absage bekommen, sind Sie wahrscheinlich schon durch diesen automatischen Filter gefallen. Nutzen Sie bei Onlineformularen unbedingt die Freitextflächen! Hier können Sie punkten und individuelle Stärken zeigen. Es gibt 1001 langweilige Antworten auf die Frage „Warum bewerben Sie sich bei uns?“ Ansprechpartner recherchieren Test-E-Mail Bitte ausfüllen Teilautomatisierte Vorauswahl Freitextflächen nutzen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 79 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 78 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!78 – und die vielleicht eine ungewöhnliche, kreative, andere, die von Ihnen kommt und somit hervorsticht. Finden Sie hier einen guten Weg, sich authentisch, kompetent, interessant und trotzdem nicht zu protzig zu präsentieren. Es kann passieren, dass Sie die Fragen für die Freitextbeantwortung doof finden oder meinen, dass es zu wenige davon gibt – oder dass Ihnen beim ganzen Formular wichtige Details fehlen. Wenn Sie wirklich ganz und gar unbedingt trotzdem zu dieser Firma wollen: Rufen Sie an oder haken Sie schriftlich nach! Ansonsten gilt: Love it or leave it. Wenn es Ihnen nicht gefällt, dann Finger weg. Das Formular ist nun mal so, das Unternehmen wird sich dabei etwas gedacht haben und dagegen zu rebellieren verschwendet nur unnötig Energie. Eigene Bewerbungs-Website Immer wieder höre ich den Tipp „Mach dir doch eine eigene Bewerbungs-Homepage!“ Hm, ich weiß nicht recht. Sie kennen ja vielleicht das Netzwerk XING, oder? Dort gibt es ja viele Foren, in denen man sich höflicherweise bei Neueintritt vorstellt. Und bei den Vorstellungen gibt es etwas, was mich regelmäßig ärgert und wo ich auch nicht müde werde, es immer wieder anzumerken: Wenn eine Vorstellung lediglich aus dem Satz besteht: „Alles Interessante über mich finden Sie auf meinem Profil (hier folgt ein Link) oder auf meiner Homepage (wieder ein Link)“. Nein! Ich will mich nicht erst durch die Weltgeschichte klicken! Ich will die Informationen dort, wo sie gerade angekündigt worden sind. Punkt. Ähnlich ginge es mir, glaube ich, auch als Personalerin: Eine Bewerbung, z. B. per Mail, in der lediglich steht „Schauen Sie mal auf meine Homepage, dort finden Sie alles Interessante über mich!“ würde wohl einen ähnlichen Reflex auslösen in mir. Der Bewerber will etwas vom Unternehmen, da sollte m. E. klar sein, wer die Hol- und wer die Bringschuld hat. Außerdem: Welche Informationen könnten auf einer Homepage stehen, die Sie nicht auch postalisch oder per Mail verschicken können? Sicherlich, wenn Sie sich für eine Stelle als Webdesigner bewerben, dann ist eine eigene Homepage natürlich schon eine brillante Arbeitsprobe. Ansonsten gilt: Man kann so viel falsch machen bei einer Website! Wenn, dann muss sie so vieles sein: informativ, benutzer- und leserfreundlich, schnell zu laden, ohne technischen Fallstricke, sicher, prägnant, optisch brillant etc. Wollen Sie sich das tatsächlich antun? Oder finden Sie es einfach nur schick, als Hochschulabsolvent schon eine eigene Homepage zu haben? Seien Sie ehrlich! Wenn Sie jetzt immer noch unbedingt wollen, dann beachten Sie bitte einiges: Nicht nur auf Homepage verweisen Homepage als Arbeitsprobe Stolperfallen Was Sie beachten sollten Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 79 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 78 4.5 Onlinebewerbung: Vorteile und Tücken 79 •• Weniger ist mehr. Überladen Sie die Seite nicht, stellen Sie schon gar nicht irgendwelche hübschen oder witzigen Urlaubsfotos oder humorigen Youtube-Videos ein! Das stempelt Sie sofort als kindisch und/oder unseriös ab. Kurzvorstellung, wichtige Daten, Lebenslauf, Zeugnisse und Arbeitsproben – evtl. passwortgeschützt – genügen. •• Keine Hokuspokus-Domainnamen, bitte! Am besten Ihr Vor- und Zuname mit der „.de“ Endung (www.max-mustermann.de). Ob dieser Domainname noch frei ist, können Sie unter www.denic.de erfragen. •• Versuchen Sie, neben den harten, trockenen Fakten auch etwas von Ihrer Persönlichkeit zu vermitteln. Aber immer hübsch seriös bleiben. Stellen Sie Ihre Kontaktdaten deutlich heraus – der Leser sollte jederzeit auf einen Blick sehen, wie er Sie erreichen kann. •• Aktualisieren Sie Ihre Seite bitte regelmäßig. Und wenn Sie dann einen Job haben: Nehmen Sie sie aus dem Netz. •• Wenn Sie z. B. zu einem bestimmten für die Bewerbung relevanten Thema schon seit einiger Zeit (aktiv und regelmäßig) bloggen: Nehmen Sie diese Website und basteln Sie keine neue Bewerbungsseite! Im Blog kann der Leser bei Interesse stöbern und sich auf diesem Weg ein gutes umfängliches Bild über Sie und Ihre Art zu denken machen. Wunderbar! Das reicht völlig. Bewerbungsvideo Zuletzt noch ein paar Worte zu Videos: In Zeiten des boomenden youtube scheint es sehr einfach und innovativ, ein Bewerbungsvideo zu produzieren und zu versenden bzw. ins Netz zu stellen. Auch hier gilt wieder: Ja, aber … Ja, es ist eine gute Idee, weil natürlich bewegte Bilder mit Ton viel mehr über Ihre Persönlichkeit aussagen als Foto und Text. Körpersprache, Mimik, Gestik, funkelnde, begeisterte Augen, eine dynamische Stimme … all das kann Eindruck machen. Live und in Farbe. Es kommt hier sehr auf die Branche an: Konservative Branchen haben zu diesem Medium noch keinen wirklichen Zugang, die Werbe- oder Medienbranche hingegen ist natürlich sehr offen für so ein Mittel. Seien Sie bitte sehr selbstkritisch – ist es für Sie wirklich sinnvoll, sind Sie wirklich der Typ für solche Bewegtbilder? Machen Sie wirklich einen lockeren und souveränen Eindruck auf einem Video? Und bedenken Sie bitte noch dies: •• Ein gutes Video selbst zu produzieren kostet entweder eine Stange Geld, wenn Sie professionelle Hilfe dafür in Anspruch nehmen. Oder viel Know-how, Fingerspitzengefühl und technisches Verständnis. Es muss ja wirklich gut sein – verwackeltes, grobkörniges, rauschendes Material kickt Sie ganz schnell ins Aus. Es kommt auf die Branche an Seien Sie selbstkritisch Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 81 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 80 4 Auf geht’s – ran an die Bewerbung!80 •• Sie sollen authentisch und echt wirken. Also bitte keine gekünstelte, gezwungen humorvolle oder gestellte Schauspielerei an den Tag legen. Und bitte einen neutralen Hintergrund wählen! Die wild gemusterte Wohnzimmertapete oder der röhrende Hirsch sind fehl am Platz. Zurückhaltend, einfach, kein von Ihnen ablenkendes Chichi. Und eine sympathische, ungekünstelte und offene Körperhaltung bitte. •• Auch hier gilt: In der Kürze liegt die Würze. Der Personaler möchte nicht erst minutenlang ein Video gucken müssen, bevor die ersten relevanten Informationen kommen. Kommen Sie auf den Punkt. Schnell! Elevator pitch ist auch hier eine gute Wahl. Was das ist? Stellen Sie sich vor, Sie steigen mit dem Personaler im 20. Stock eines Hochhauses in den Lift und er fragt Sie: „Was machen Sie so beruflich?“ Sie haben nun genau die Länge der Fahrstuhlfahrt bis zum Erdgeschoss Zeit, ihm dies zu erklären. Daher: Elevator pitch. Auf Ihr Video übertragen heißt das: Es sollte maximal zwei Minuten lang sein. •• Feilen Sie bitte intensiv am Text. Denken Sie daran: Schreiben ist nicht gleich sprechen. Auswendig gelernt oder abgelesen hört sich nicht gut an. Außerdem sollten Sie natürlich von Bandwurmsätzen, Ähs und Öhs und unsicherem Gekichere absehen! Reden Sie nicht um den heißen Brei herum, kommen Sie auf den Punkt und bringen Sie dies sympathisch und selbstbewusst rüber. •• Das Video soll lediglich auf Sie neugierig machen. Haben Sie also nicht den Anspruch, mit dem Video den Job schon zu bekommen! Neugierig machen und bestenfalls zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden – darum geht es. •• Das Video sollte Neues bringen – erzählen Sie noch etwas zu Ihrem Hintergrund oder Ihrer Motivation und wiederholen Sie nicht nur die Details, die der Personaler auch schon in Schriftform vorliegen hat.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Selbstbewusst starten.

Sie haben die Uni hinter sich, die letzten Prüfungen sind geschrieben und jetzt scharren Sie mit den Füßen: Sie wollen endlich loslegen und selbstbewusst ins Berufsleben starten!

Dabei hilft Ihnen dieses Buch und zwar mit ungewöhnlichen Ideen. Sie finden hier viele Tipps und Infos für die gelungene Bewerbung und das gute Bewerbungsgespräch.

Klare Vorteile:

* Standort- und Potenzialanalyse: So klappt der Start ins Berufsleben

* Authentisch bleiben: Auf Dauer können Sie sich nicht verstellen!

* Ratgeber, der Mut macht und bei der Jobauswahl wirklich hilft.

"Erfrischend. [...] Stackelberg berichtet auch von ihren langjährigen Erfahrungen als Trainerin, von besonderen Erlebnissen mit Bewerbern und vergisst auch die Sicht des Personalmanagers nicht. Klar, dass dabei viele brauchbare Tipps herauskommen, selbstverständlich auch für die Bewerbungsunterlagen, die richtigen Formulierungen bei Anschreiben und Lebenslauf sowie fürs Vorstellungsgespräch. Selbst die ersten hundert Tage im Job werden nicht vergessen. Die lockere und unprätentiöse Sprache macht das Buch im Übrigen sehr unterhaltsam." in: WISU-KARRIERE 5/2012

Autorin:

Bettina Stackelberg, die Frau fürs Selbstbewusstsein®, unterstützt als Coach mit Leidenschaft, Empathie und Know-how Menschen dabei, selbstbewusster zu werden. Sie ist Autorin der erfolgreichen Ratgeber "Selbstbewußtsein" (2009) und "Angstfrei arbeiten" (2010).