1 Der Anfang ist gemacht! in:

Bettina Stackelberg

Karrierestart für Hochschulabsolventen, page 14 - 32

Selbstbewusst. Erfolgreich. Authentisch.

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4247-2, ISBN online: 978-3-8006-4248-9, https://doi.org/10.15358/9783800642489_14

Series: Vahlen Praxis

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Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 15 1 Der Anfang ist gemacht! Willkommen beim Karrierestart! Jetzt, wo vielleicht die letzten Prüfungen hinter Ihnen liegen, die Diplomarbeit geschrieben und das letzte Praktikum absolviert ist, geht’s an die konkrete Planung Ihrer erfolgreichen, selbstbewussten ersten Schritte ins Berufsleben. Sicher beschäftigen Sie sich damit jetzt nicht zum ersten Mal. Das bedeutet: Die Zeit des Vor-sichhin-Wurschtelns ist vorbei, jetzt kommt planvolles Schritt-für-Schritt- Arbeiten. Klingt anstrengend? Ist es streckenweise sicher auch – es macht aber auch Spaß, bringt schnell Erfolge, Sie behalten den Überblick und wissen, wie weit Sie fortgeschritten sind in Ihrem Vorhaben. 1.1 Wissenswertes zum Thema Ziele – und wann Ziele auch mal stören Erfolgreiche Menschen haben konkrete Ziele und verfolgen sie hartnäckig. So heißt eines der Grundgesetze unserer modernen Gesellschaft. Das sehen Sie doch sicher auch so, oder? Machen Sie sich seit Jahren konkrete Pläne für Ihre Ziele? Haben Sie das Prinzip der SMARTen Ziele schon längst verinnerlicht? Teilen Sie routiniert Ihre großen Ziele in kleine Teilschritte ein? Halten Sie diese schriftlich fest, wie sich das gehört? Oder ziehen Sie gerade beim Lesen ein wenig den Kopf ein – haben Sie insgeheim damit so Ihre Schwierigkeiten? Haben Sie das Gefühl, dass alle Ihre Kommilitonen konkrete Ziele eisern verfolgen und nur Sie nicht? Gestehen Sie sich sogar, wenn Sie ehrlich sind, ein, dass Sie gar nicht so recht wissen, was Sie wollen? Haben Sie es vielleicht während des Studiums öfter mal versucht, das mit den Zielen, und haben es immer wieder entnervt aufgegeben, weil Sie es nie so recht geschafft haben? Denken Sie sich nichts! Das mit den Zielen ist gar nicht so einfach. Und manchmal ist die Sache mit den Zielen auch schlichtweg Blödsinn. Es gibt Zeiten und Phasen im Leben, da stören Ziele sogar. Ziele sind wichtig – zum richtigen Zeitpunkt. Wir fangen mit der konkreten Zielplanung und Zielformulierung meist zu früh an. In gewisser Weise ist ein konkretes Ziel nämlich erst nach der Beantwortung ganz anderer Fragen dran. Fangen wir zu früh mit den Zielen an, greifen die Ergebnisse zu kurz bzw. steht die Zielerreichung auf wackeligen Beinen. Die Fragen, die es vorher zu beantworten gilt, sind oft nicht einfach, scheinbar furchtbar schwammig oder philosophisch. Es geht um Dinge, mit denen Sie sich vielleicht in Ihrer Kindheit das letzte Mal beschäftigt haben und über die Sie eigentlich erst wieder im gemütlichen Schaukelstuhl nach der Rente nachdenken wollten. Weil 1.1 Wissenswertes zum Thema Ziele – und wann Ziele stören Nicht zu früh anfangen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 17 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 16 1 Der Anfang ist gemacht! 16 Sie vielleicht meinen, dass das Träumerei, Spinnerei oder gar Zeitverschwendung ist. Weit gefehlt! Wir arbeiten uns gleich vor vom Großen zum Detail. Von der Vision zum ganz konkreten Ziel, wo Sie in einem Jahr stehen wollen. Doch zuvor noch ein paar allgemeine Worte zum Thema Ziele – ein wenig vor mich hin philosophiert: Es ist schön, Ziele zu haben. Das war schon immer so: Wir wollten den Hochsprungwettbewerb bei den Bundesjugendspielen gewinnen oder den Lesewettbewerb in der Schule. Wir haben unser Taschengeld gespart fürs neue Fahrrad oder die erste Sommerreise ohne die Eltern. Wir haben im Studium gejobbt für das erste eigene Auto, wir wollten in der Klausur unbedingt eine Eins vor dem Komma haben. Wir wollten schneller laufen als Peter, besser Französisch sprechen als Sophie. Wir können unseren Ehrgeiz ausleben, zeigen, was wir können, uns messen, uns mit anderen austauschen und mit unserer Umgebung in gesunden Wettbewerb treten. Wir arbeiten auf ein Ziel hin, aktivieren all unsere Kräfte, unsere Kreativität und unsere Ressourcen, bessern hier und da nach, verändern die Parameter oder die Zielformulierung – schlussendlich erreichen wir unser Ziel, sind stolz darauf und belohnen uns bestenfalls gehörig dafür. Auch ohne Wettbewerb gab es immer schon erstrebenswerte Ziele: Wir wollten einmal Michael Jackson live sehen, unsere Traumfrau aus dem Seminar erobern oder das Auslandspraktikum in London absolvieren. Dafür sind wir zeitweise schier über uns hinausgewachsen, haben Dinge geschafft, die wir nie für möglich gehalten oder die uns andere nie und nimmer zugetraut hätten. Das stärkt unser Selbstbewusstsein. Wunderbar! Wenn wir uns Ziele gesteckt haben, können wir unsere Energien bündeln, sie planvoll ausrichten und Schritt für Schritt vorankommen. Das ist selbstverständlich effektiver und effizienter als das bloße In-den-Taghinein-Leben. Oft ist Effektivität und Effizienz wichtig. Ziele sind erstrebenswert und machen noch glücklicher und erfolgreicher, so hört und liest man allenthalben. Schließlich heißt es zum Beispiel bei Wikipedia, ein Ziel sei ein positiver Endzustand, den jemand durch sein Verhalten anstrebt. Persönliche Ziele können dem Alltag Struktur und Bedeutung geben. Sie sind oft Ausgangspunkt für Disziplin, Ehrgeiz und Erfolg. Ziele können aber auch mächtig viel Frust mit sich bringen – nämlich dann, wenn wir sie nicht erreichen, wenn wir vermeintlich scheitern. Wenn das passiert, sind wir sauer auf uns oder traurig darüber. Wir denken dann oft „Mist – nicht geschafft, ich bin ein Versager und bin gescheitert!“ Ziele mobilisieren Energien Ziele als Strukturgeber Ziele können frustrieren Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 17 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 16 1.1 Wissenswertes zum Thema Ziele – und wann Ziele stören 17 Den inneren Schweinehund zähmen •• Oder: „Der innere Schweinehund war größer, ich hab nicht genug Disziplin und Biss aufgebracht!“ Ja, das kann manchmal wirklich der Grund sein dafür, dass wir Ziele nicht erreichen. Da gibt’s keine Ausreden oder kein Schönreden – da haben wir einfach unseren Hintern nicht hochbekommen, nicht genügend Disziplin an den Tag gelegt oder waren zu faul. Wenn das der Fall sein sollte: Tja – blöd gelaufen. Ist so und lässt sich nicht mehr ändern. Hadern und „Ach hätt ich doch …“ helfen nicht weiter. Geißeln Sie sich deshalb nicht zu lange, gehen Sie nicht zu lange hart mit sich ins Gericht – ziehen Sie einen Schlussstrich, verbuchen Sie es unter „wertvolle Erfahrungen“ und starten Sie neu. Außer dem zu großen inneren Schweinehund gibt’s aber auch noch andere Gründe, die uns davon abhalten, das Ziel zu erreichen, und auf diese möchte ich jetzt näher eingehen. Erstaunlicherweise sind es nämlich doch immer wieder dieselben Gründe bei uns allen und daher sind sie gut auf den Punkt zu bringen und zu verallgemeinern: Konkret formulieren! Oft formulieren wir unser Ziel viel zu unkonkret. Stellen Sie sich einmal Folgendes vor: Sie stehen mit einem Freund in einer großen Halle. Er sagt zu Ihnen mit einer ungenau wedelnden Handbewegung: „Geh mal dort hin!“ Sie stutzen, wissen nicht genau, was er meint, fragen nach. Darauf hin konkretisiert er seine Aussage und meint: „Geh mal dort hinten zu der grünen Tür hin!“ Na, wo liegt der Unterschied? Genau – die zweite Aussage ist konkreter und damit können Sie losgehen, Sie kennen das genaue Ziel und sehen den Weg dorthin. Und vor allem: Sie sehen, ob Sie das Ziel erreicht haben (oder doch vielleicht aus Versehen zur roten Tür gegangen sind!). So ist es auch mit unseren anderen Zielen: Wenn ich mein Ziel nicht haargenau kenne – woher soll ich dann wissen, ob ich es erreicht habe? Nehmen wir mal das Ziel „Ich möchte mein Englisch verbessern!“. Zuerst einmal natürlich sehr löblich. Und? Woran machen Sie genau fest, dass Sie das Ziel erreicht – also Ihr Englisch verbessert haben? Eben! Gar nicht so leicht, nicht wahr? Wollen Sie die Speisekarte im Pub lesen können oder Shakespeare übersetzen? Wenn Sie stattdessen zum Beispiel sagen: „Ich möchte bis zu meinem England-Urlaub im Mai meinen Wortschatz verdoppelt haben und ich kann bis dahin die Financial Times gut lesen!“ Wo liegt der Unterschied, was meinen Sie? Genau – es ist sehr konkret. Sie können sich dafür gute Zwischenziele setzen und immer wieder überprüfen, wie weit Sie sind. Abhaken und weiter geht‘s Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 19 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 18 1 Der Anfang ist gemacht! 18 Finden Sie einen Termin! Außerdem steckt in solch einer Zielformulierung ein zweiter wichtiger Punkt – der Termin. Wenn wir uns für das Ziel einen Termin gesetzt haben, hat das Ganze sehr viel mehr Verbindlichkeit und Kalkulierbarkeit. Nicht nur für unsere Pläne, sondern auch für unser Unterbewusstsein ist es enorm wichtig, einen festen Zeitpunkt im Auge zu haben. Ansonsten dümpeln wir so dahin, verlieren das Ziel immer mal wieder aus den Augen, finden 1001 Ausreden oder Entschuldigungen etc. Also – setzen Sie sich einen konkreten Termin fürs Ziel. Formulieren Sie positiv und in der Gegenwartsform! Wir wissen auch, dass ein Ziel positiv formuliert sein sollte – unser Unterbewusstes versteht nämlich Verneinungen nicht so recht! Bei dem Ziel „Ich will nicht mehr jeden Tag zwölf Stunden arbeiten!“ liegt der Fokus immer noch viel zu sehr auf der Belastung, auf dem Negativen, das unser Zwölf-Stunden-Tag mit sich bringt. Fragen Sie sich daher immer: Was soll stattdessen sein? Wenn ich dies nicht mehr will – was will ich dann? Ein besser formuliertes Ziel könnte daher heißen: „Ich organisiere meine Arbeit so um, dass ich ab März höchstens neun Stunden arbeite und danach meine Familie, meine Freunde und meine Hobbys genießen kann!“ Formulieren Sie außerdem Ihr Ziel so, als ob es schon erreicht ist – also kein „Ich versuche, ein Praktikum in einer Werbeagentur zu bekommen.“ – dann bleibt es nämlich beim Versuch! Besser ist also :“Im Sommer, also Juni bis September, absolviere ich ein 4-wöchiges Praktikum in der Agentur x oder y.“ Konkret – Termin – klingt so, als ob es schon erreicht ist. Das gefällt Ihrem besten Helfer, dem Unterbewusstsein! Weil es sonst nämlich keinerlei Dringlichkeit sieht, gähnt und sich weiter faul im Sessel räkelt. Machen Sie Ihr Ziel sexy! Ach ja – und dann sollte Ihr Ziel für Sie so attraktiv und sexy wie möglich sein. Ein „Ich sollte mal wieder Sport machen!“ oder ein „Ich brauch unbedingt neue Kunden“ klingt nicht so rasend anziehend, oder? Darin ist einfach viel zu viel „muss“ und „soll“ und Zwang und Mühsal enthalten. Kreieren Sie sich mit allen Sinnen ein fantastisch attraktives Ziel – was beinhaltet dieses Ziel alles für Sie: Erfolg, Fortschritt, Erleichterung oder einfach ein besseres Leben? Meist bringt ein erreichtes Ziel ja noch viel mehr Positives mit sich. Wenn Sie also in der Werbeagentur X Ihr Praktikum absolviert haben, dann haben Sie durch deren internationale Ausrichtung gute Kontakte Helfen Sie Ihrem Unterbewusstsein Mit allen Sinnen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 19 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 18 1.1 Wissenswertes zum Thema Ziele – und wann Ziele stören 19 nach England. Sie können nach dem Studium in Ihrer Traumstadt London arbeiten, dort deutlich mehr Geld verdienen als hierzulande und von Topleuten lernen. Damit ist der Weg zum Beispiel in Ihre erträumte Selbständigkeit in zehn Jahren bereitet. Übung: 20 Punkte, die sich verbessern Machen Sie sich doch mal eine Liste und schreiben Sie 20 Punkte auf, die sich bei Erreichen des Ziels verbessern. Nicht drei, nicht fünf, nicht zehn, sondern 20. Je mehr Punkte Ihnen einfallen, desto attraktiver und damit lockender wird Ihr Ziel für Sie. Wenn Sie nicht genügend zusammenbekommen: Schreiben Sie auch aus dem Ziel resultierende Folgen auf: Wenn Sie ausgeglichener sind, dann …? Wenn Sie im Ausland arbeiten dürfen, dann …? „Attraktiv“ bedeutet auch: das richtige Maß zwischen Erreichbarkeit und Anstrengung. Ein zu leicht erreichbares Ziel motiviert nicht genug und ein zu hoch gestecktes Ziel frustriert oft nur. Und dieses attraktive Ziel malen Sie sich in schillerndsten Farben aus: Wie sieht es aus – wie klingt es – wie fühlt es sich an? Was wäre, wenn …? Auswirkungen überprüfen! Und noch ein Tipp: Überprüfen Sie genau die Auswirkungen Ihres Ziels: Was ändert sich alles, wen betrifft es auch noch, wenn Ihr Ziel erreicht ist? So kommen Sie nämlich schon im Vorfeld der Gefahr des inneren Boykotts auf die Spur: Manchmal sorgt nämlich Ihr Unterbewusstsein dafür, dass Sie ein Ziel nicht erreichen, weil sich ansonsten nämlich ein anderer Lebensbereich zum Negativen ändern würde. Ein Beispiel: Sie haben das Ziel, in Ihrer Firma aufzusteigen. Überprüfen Sie die Auswirkungen davon: Vielleicht bedeutet eine Beförderung einen Umzug in eine andere Stadt? Was würde Ihr Partner dazu sagen? Unterstützt er Sie oder gibt es daheim dann Ärger? Also – noch einmal zusammenfassend: •• Formulieren Sie Ihr Ziel so konkret wie möglich. •• Setzen Sie sich einen eindeutigen Termin. •• Formulieren Sie Ihr Ziel positiv – ohne Verneinungen (denken Sie dabei an das „Stattdessen“. Also kein „nicht mehr rauchen“, sondern stattdessen „mehr Puste für den Marathon“.) •• Verwenden Sie die Gegenwartsform – formulieren Sie so, als ob Sie das Ziel schon erreicht haben. Richtiges Maß finden Innerer Boykott Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 21 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 20 1 Der Anfang ist gemacht! 20 •• Malen Sie sich das Ziel so attraktiv wie möglich mithilfe aller Ihrer Sinne aus. •• Überprüfen Sie die Auswirkungen Ihres Ziels. Wenn Sie dies alles berücksichtigen, dann ist die Wahrscheinlichkeit schon ziemlich hoch, dass Sie Ihre Ziele künftig besser erreichen. Und manchmal sind Ziele einfach nicht dran! Tja – und wenn das jetzt aber alles nicht geholfen hat? Wenn Sie alle Regeln befolgt und trotzdem das Ziel nicht erreicht haben? Was dann? Was könnte der Grund gewesen sein? Wer sagt eigentlich, dass wir uns immer neue Ziele stecken müssen? Wer hat in die Welt gesetzt, dass wir immer neue Ufer erreichen und uns aus unserer Komfortzone ständig hinausbewegen müssen? Wer hat eigentlich Veränderung, Bewegung und ständigen Fortschritt zum großen Mantra erkoren? Wissen Sie, manchmal ist einfach etwas anderes dran. Nicht immer ist Stillstand gleich Rückschritt, wie es in der goldglänzenden, „Alles-easyhoppla-jetzt-komm-ich“-Tschakka-Welt so gerne heißt. Nein, manchmal ist Stillstand auch Innehalten. Stehen bleiben. Zufrieden sein. Erfolge und das Erreichte genießen. Sich konsolidieren. Sich eine Pause gönnen. Manchmal ist es richtig und wichtig, innerhalb der eigenen Komfortzone zu bleiben – es sich bequem zu machen. Ein Sofa muss bequem sein, meine Jeans soll bequem sein – also darf auch von Zeit zu Zeit mein Leben bequem sein, unanstrengend, ruhig, altbekannt und bewährt. Muße – Innehalten – sich Zeit nehmen – mir gefallen diese Begriffe genauso wie Fortschritt, Weiterentwicklung, Bewegung. Alles zu seiner Zeit. Und manchmal ist die Zeit nicht reif für neue Ziele. Das ist völlig wertfrei, das ist kein Scheitern. Das ist nur achtsames Hinschauen und Hinspüren, das ist Sich-ernst-Nehmen, auf sich aufpassen und die richtige Balance finden. Gerade nach Diplom- oder Masterarbeit, Examen und langen Prüfungen ist vielleicht jetzt erst mal eine ganz bewusste Pause dran. Wie ich schon auf die Frage der Absolventin im Vorwort geantwortet habe: Wann, wenn nicht jetzt? Wenn Sie mit den Hufen scharren, endlich im praktischen Berufsalltag loslegen wollen und Ihre erste Stelle kaum erwarten können – dann nichts wie los! Wenn Sie jedoch merken, dass Sie mit Ihren Kräften am Ende sind, ausgepowert, unkreativ und kleinmütig: Dann schinden Sie sich nicht, nur weil vermeintlich jetzt alle durchstarten. Wenn Sie keinen Elan dazu haben, haben Sie keinen Elan. Punkt. Und dann gilt es, sich jetzt auszuruhen und neue Kraft zu schöpfen. Dann kommen auch die Stillstand ist Innehalten Neue Kraft schöpfen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 21 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 20 1.1 Wissenswertes zum Thema Ziele – und wann Ziele stören 21 Ideen, der Mut und der Biss wieder, sich strategisch und konsequent an die Karriereplanung zu machen. Eine kleine Geschichte zu Fortschritt und Stehenbleiben Ein junger Schüler war für seinen besonderen Eifer bekannt. Er meditierte Tag und Nacht und wollte seine Übungen noch nicht einmal zum Essen oder Schlafen unterbrechen – er hatte ein großes Ziel: die Erleuchtung! So wurde er aber immer kraftloser und dünner. Da fragte ihn eines Tages der Meister besorgt: „Warum hast du es nur so eilig?“ Der Schüler entgegnete: „Ich strebe nach Erleuchtung – das ist mein großes Ziel und ich habe keine Zeit zu verlieren.“ „Und woher weißt du, dass die Erleuchtung vor dir herläuft, sodass du ihr hinterherlaufen und sie einholen musst?“, sagte der Meister. „Es könnte doch auch ganz anders sein. Vielleicht ist sie hinter dir und du musst nichts weiter tun als anzuhalten und zu warten.“ Noch ein Aspekt ist wichtig zum Thema „ohne Plan und Ziel“: Heutzutage ist es schlichtweg unmöglich, seine Karriere noch richtig von A bis Z durchzuplanen wie früher. Kein Job ist mehr wirklich sicher, ein brillanter Abschluss garantiert mir noch lange keinen guten Job, langjährig verdiente und exzellente Mitarbeiter werden wegrationalisiert, gerade noch florierende Unternehmen melden Insolvenz an. Die gesamte Arbeitswelt ist viel schnelllebiger, wechselhafter und mobiler geworden. Je weniger Sicherheit es gibt, desto größer ist unser Wunsch, diese Sicherheit durch durchdachte Pläne wiederherzustellen – verständlich. Aber unsinnig. Svenja Hofert, Karrierecoach und Buchautorin schreibt in ihrem Bestseller „Das Karrieremacherbuch. Erfolgreich in der Jobwelt der Zukunft“: „Planbare Jobs gibt es nicht, weil keiner wirklich weiß, wohin die Reise geht. Bestenfalls ist ein kurzer Zeitabschnitt überschaubar – der Preis des technologischen Fortschritts, vor allem aber die Folge der Globalisierung. Die Lösung liegt deshalb in der schlauen und umfassenden Analyse und damit verbundenen kurzfristigen und flexiblen Entscheidung. Ver- änderung ist somit einer der Grundpfeiler des beruflichen Erfolgs der Zukunft. Verharren – früher wichtiges Karriereaufputschmittel – heute ein Karriereverhinderer. (…)Wissen, dazu gehört auch Methoden- und Prozesswissen, ist der Schlüssel und er schließt eine langfristige Planung aus. Das Prinzip der Gefragten ist, dass sie wenig Konkurrenz bei guter Nachfrage haben. Wenig Konkurrenz bedeutet aber immer, dass man Dinge anders gemacht haben muss als die Masse. Es bedeutet nicht, den Trends zu folgen, sondern der eigenen Analyse. Dazu gehört auch Mut. Nicht dem Mainstream zu folgen, macht manchmal einsam.“ Svenja Hofert rät deshalb unter anderem dies: •• Denken und planen Sie nie weiter als drei Jahre und überprüfen Sie einmal im Jahr diese Pläne. Nicht alles ist planbar Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 23 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 22 1 Der Anfang ist gemacht! 22 •• Ziehen Sie nicht nur deshalb Dinge durch, weil man das so macht. Erkennen Sie, wenn das Pferd tot ist – reiten Sie dann nicht weiter, sondern steigen Sie ab! •• Nur wer auf Entdeckungsreise geht, kann Leidenschaften und bisher Unbekanntes (an sich) entdecken. Folgen Sie Ihrem Interesse und dem, was sich zufällig ergibt. •• Gehen Sie beim Zielsuchen nach dem Barack-Obama-Prinzip vor: Nicht sagen: „Ich möchte Präsident werden“, sondern: „Ich möchte lernen, wie dies oder jenes funktioniert“. Macht wesentlich offener und ist auch das bessere Erfolgskonzept. So weit die Ideen von Svenja Hofert. 1.2 Wo will ich hin? Woran merke ich, dass ich mein Ziel erreicht habe? Start und Ziel – ganz wichtig. Zum einen ist es für Ihren Zeitplan und die differenzierten Schritte und Abläufe wichtig. Außerdem brauchen Sie und Ihr Unterbewusstsein eine Ausrichtung – bis wann gilt es jetzt, dranzubleiben? Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten – entscheiden Sie, welche am besten zu Ihnen passt: •• Sie mögen es kurz, knackig und besonders übersichtlich? Dann stecken Sie sich einen möglichst engen zeitlichen Rahmen ab. Dies kann bedeuten, dass Sie zum Beispiel zunächst drei Monate für Ihre Aktivitäten veranschlagen und dann sehen, wie weit Sie gekommen sind. Hier ist also nicht das konkrete Ergebnis das Ziel, sondern ein fester und überschaubarer Zeitraum. Dies hat den Vorteil, dass Sie wirklich auf den Tag genau konkret Zieltermin und die erforderlichen Zwischenschritte dahin planen können. Und es kann dann eine gute Variante sein, wenn Sie noch kein wirklich ganz konkretes Ziel nennen können oder wollen, sondern erst mal loslegen möchten. •• Ihnen ist es wichtig, möglichst umfangreich zu recherchieren und Kontakte zu knüpfen, um sich einen Überblick zu verschaffen? Dann legen Sie als Umfang fest, über wie viele Unternehmen Sie z. B. Erkundigungen einziehen wollen und zu wem genau Sie alles Kontakt aufnehmen wollen – also: Infos über x Unternehmen und Kontakte zu y Personen. •• Ihnen ist ein handfestes Ziel wichtig? Dann legen Sie das Ende Ihres Weges für den Tag fest, an dem Sie Ihren ersten Arbeitsvertrag in der Hand haben. Auch hier jedoch rate ich Ihnen, zumindest einen ungefähren Zeitraum festzulegen. Das braucht Ihr Unterbewusstsein. Ansonsten trödelt es und legt sich zwischendurch immer wieder auf die faule Haut, weil ja noch Zeit ist. Wann möchten Sie spätestens den Vertrag in Händen halten – was ist hier eine gute Schnittmenge aus Wann haben Sie Ihr Ziel erreicht? Übersichtliches Ziel Solides Ziel Handfestes Ziel Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 23 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 22 1.3 Lebensvision – wofür brenne ich? 23 Wunschdenken und realistischer Einschätzung? Denken Sie auch hier daran: Ein gutes Ziel darf Sie weder unter- noch überfordern. Welcher Zeitraum also fordert Sie genügend und ist doch einigermaßen entspannt zu bewältigen? Wenn Sie hier noch keinerlei Erfahrung haben, Sie also nicht wissen, wie viel Zeit realistischerweise zu veranschlagen ist: Probieren Sie es aus: Setzen Sie Erfahrungswerte von Freunden an und schauen Sie nach zwei Dritteln der Zeit, wie weit Sie gekommen sind. Dann können Sie immer noch nachbessern und den Termin verschieben. •• Sie wollen auf Nummer sicher gehen? Dann planen Sie bis zum Zeitpunkt „Ende Probezeit im neuen Job“. Dann können Sie noch sicherer sein, dass der Karrierestart gelungen ist. 1.3 Lebensvision – wofür brenne ich? Rollen wir das Ganze doch mal ganz von hinten auf. Warum fange ich also mit Ihrer Lebensvision an? Erfolg im Leben ist sehr viel mehr als Karriere! Bevor Sie sich nicht genügend Gedanken darüber gemacht haben, wie Ihr Lebenserfolg einmal aussehen soll, können Sie nicht wirklich mit konkreten Zielen beginnen. Und Sie kommen um eine Frage nicht herum, die so einfach klingt und doch so allumfassend ist: Was ist der Sinn Ihres Lebens? Geht’s vielleicht auch ein bisschen kleiner? Nein, geht es nicht. Sicher, Sie können bestimmt viele Jahre gute Arbeit verrichten in einem guten Job, der Sie erfüllt und auch glücklich macht. Arbeiten Sie dabei aber unbewusst gegen Ihre eigentliche Bestimmung, gegen das, was Sie eigentlich erfüllt und begeistert, dann holt Sie das irgendwann ein. Sie verlieren die Motivation und Energie, geben schneller auf, verlieren Ihre Kreativität und lassen sich dann auch nicht mehr durch Anreize wie Geld, Beförderung etc. motivieren. Und dann ist es auch nicht mehr weit bis zu Burn-out, großer Krise, Leere und all den Symptomen wie Schlaflosigkeit, Magenprobleme, Nervosität oder Depression. Ich kenne viele Absolventen, die nach dem Studium zum Beispiel unbedingt Karriere in einer Unternehmensberatung machen wollen. Die Aussicht auf eine sehr prestigeträchtige, abwechslungsreiche Arbeit, viel Geld und Reisetätigkeit reizen enorm, zumal die Stellen rar und somit heiß begehrt sind. Ja, die Arbeit im Consulting Business ist enorm interessant und abwechslungsreich, hoch dotiert, angesehen und ein spannendes Sprungbrett in die Karriere. Außerdem sind Sie die ewige graue Theorie des Studiums leid und scharren ungeduldig mit den Füßen, um endlich durchstarten und sich beweisen zu können. Wenn Sie dann überzeugen und tatsächlich als Junior-Consultant anfangen, sind Sie selig – zu Recht. Und wenn Sicheres Ziel Eigentliche Bestimmung herausfinden Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 25 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 24 1 Der Anfang ist gemacht! 24 dieser Beruf Ihre Berufung ist, dann werden Sie sicher viele Jahre lang erfolgreich, begeistert, erfüllt und kraftvoll arbeiten. Und viel Geld verdienen und die Welt sehen und von vielen beneidet und von noch mehr Menschen hoch angesehen sein. Wenn Sie das wirklich wollen und das das Ihre ist – wunderbar. Wenn aber nicht? Was ist, wenn Sie eigentlich im tiefsten Inneren nie wirklich diesen Berufswunsch hatten, wenn Sie ganz ehrlich sind? Wenn Sie dort hin wollten, weil das irgendwie auch alle Kommilitonen wollten? Weil Sie sowieso BWL studiert hatten und sich die Consulting-Branche dank Ihrer vielen Auslandspraktika und der guten Noten geradezu aufdrängte? Weil Sie sich vielleicht noch nie wirklich gefragt haben, was eigentlich Sie selbst wirklich wollen? Damals nach der Schule nicht, als es um die Frage nach dem Studium ging und auch heute nicht? Weil vielleicht alle in Ihrer Familie studiert haben und Studium deshalb außer Frage stand? Oder weil gerade im Gegenteil Sie es endlich besser als Ihre Eltern haben sollten und die Hoffnung auf Ihrem Studienabschluss liegt? Weil die Jahre irgendwie so ins Land gingen, sich Seminar an Seminar und Praktikum an Praktikum reihte, sich immer irgendwelche Möglichkeiten ergaben und Sie, ehe Sie es sich versahen, plötzlich Mitte 20 sind? Ich möchte Ihnen von einer jungen Frau erzählen, 28 Jahre alt, die mich nach einem meiner Vorträge ansprach. Nennen wir sie Britta. Britta ist bildschön, tipptopp gekleidet in gut sitzendem Kostüm, dezent geschminkt … und mit Tränen in den Augen. Ich sprach in meinem Vortrag viel von inneren Werten und von meinem Kernthema, Selbstbewusstsein. Und von der Frage: Für was brennst du wirklich? Britta stand vor mir, sah mich unendlich traurig an und sagte: „Ja, für was brenne ich eigentlich? Mein Selbstbewusstsein ist ganz und gar im Keller und nach Ihrem Vortrag wird mir so deutlich bewusst, dass ich etwas ändern möchte und muss. Sonst gehe ich kaputt an meinem Leben!“ Britta hatte BWL studiert und arbeitete seit einem guten Jahr als Personalreferentin in einer sehr renomierten und großen Anwaltskanzlei. Ein Job, um den sie viele ihrer ehemaligen Kommilitonen beneiden und der ihre Eltern glücklich und stolz auf ihre Tochter machen. Das Studium hat sich gelohnt, Britta hat es zu etwas gebracht … Und ist todunglücklich! Wir verabredeten uns eine Woche später zu einem langen Telefoncoaching und sie schüttete mir ihr Herz aus: Ihr sei der Ton in der Kanzlei eigentlich viel zu rau und kühl, es würde immer nur ums Big Business gehen und nicht um die Menschen. Das Tempo sei zu hoch und ihre Kreativität, die ihr stets so wichtig war, würde völlig verkümmern. Wie unglücklich sie eigentlich sei, hätte sie nun nach meinem Vortrag in voller Wucht zu spüren bekommen. Andererseits hätte sie genau deshalb auch ein sehr schlechtes Gewissen: Endlich würde sie doch Geld verdienen und ihren Eltern nicht mehr auf der Tasche liegen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 25 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 24 1.3 Lebensvision – wofür brenne ich? 25 – außerdem sprächen all ihre Freunde vom absoluten Glücksfall, vom Traumjob. Sie käme sich sehr undankbar vor und sähe es als Scheitern an, dass sie jetzt, mit Ende 20, immer noch nicht auf dem richtigen Weg sei. Kommt Ihnen das irgendwie bekannt vor? Ja, Britta ging es sehr schlecht, ihr ganzes Leben schwankte, wurde in seinen Grundfesten massiv erschüttert. Das ist anstrengend und beängstigend und fürchterlich. Und doch liegt darin eine enorme Chance! Britta kann noch etwas tun! Sie läuft nicht weg, sondern schaut hin, hält die Angst aus und stellt sich ihr. Und lebt nicht jahrzehntelang ein falsches Leben, wird krank und brennt aus, um dann am Ende sagen zu müssen: Ich hätte es anders machen sollen! Was würden Sie an Brittas Stelle tun – was hätten Sie ihr geraten? Überlegen Sie mal einige Augenblicke lang und hören Sie in sich hinein, ehe Sie weiterlesen. Die innere Stimme Ich riet ihr nichts – Coaches geben selten Ratschläge (zumindest die guten!), sondern ermutigte sie, in sich hineinzuspüren und sich Zeit zu geben. Ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch die Antworten in sich trägt, letztendlich im tiefsten Inneren genau weiß, was für ihn richtig ist und wohin der Weg gehen soll. Unsere innere Stimme ist unendlich weise und weiß wie kein anderer, was gut ist für uns. Wir hören nur zu selten auf sie. Weil wir nie wirklich gelernt haben, auf sie zu hören. Und weil sie meist sehr leise ist und schnell übertönt wird vom Alltagslärm oder den vielen anderen vermeintlich so schlauen Stimmen in unserem Kopf. Oder nicht zu Wort kommt, weil es die Menschen in unserer Umgebung besser zu wissen meinen. Und weil die innere Stimme häufig als Spinnerei, Gefühlsduselei und unerwachsen abgetan wird. „Werd endlich erwachsen und hör auf zu träumen. Sei vernünftig und denk nach!“ Die moderne Wissenschaft hat längst erkannt, dass unsere Intuition – die innere Stimme also – absolut ebenbürtig, genauso wichtig und verlässlich für Entscheidungen ist wie unsere Ratio. Beide Strategien greifen in einander und sind untrennbar miteinander verbunden. Wir müssen also ruhig werden, die anderen Stimmen mal für den Moment in ihre Schranken verweisen und genau hinhören. Dann hören wir sie, unsere innere Stimme. Und dann werden wir klarer und sicherer und unabhängiger von den anderen Stimmen, ob sie nun in uns sind oder aus unserer Umgebung kommen. Britta merkte rasch, dass sie Abstand braucht, um zur Ruhe und zu Klarheit zu kommen. Sie besprach alles noch einmal ausführlich mit ihrem Freund und traf dann eine mutige Entscheidung: Sie kündigte in der An- Sie tragen die Antwort in sich Intuition ist Ratio ebenbürtig Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 27 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 26 1 Der Anfang ist gemacht! 26 waltskanzlei. Und ging erst mal ein paar Monate auf Pilgerreise auf den Jakobsweg, um einen klaren Kopf zu bekommen, freier denken zu können und in der Stille wieder Zugang zu ihrer inneren Stimme zu finden. Übung: „Der innere einsame Berg“ Wenn Brittas Geschichte Ihnen bekannt vorkommt, dann machen Sie es wie sie: Nehmen Sie sich Zeit und gehen Sie in die Stille, um Ihre innere Stimme zu hören. Mein Bild dazu: Gehen Sie auf Ihren inneren einsamen Berg, ganz hoch hinauf in die Stille und Weite und Klarheit. Vielleicht fahren Sie wirklich ein paar Tage weg, ob nun in die Berge, ans Wasser oder irgendwo sonst in die Natur. Sorgen Sie dafür, dass Sie Ruhe haben und ungestört sind. Seien Sie für sich, lassen Sie sich nicht ablenken, schalten Sie Handy und PC aus und nehmen sich etwas zu schreiben mit. Wagen Sie es, still zu sein und sich darauf einzulassen. Vielleicht tut Ihnen zuvor ein Spaziergang gut oder eine kurze Meditation. Und versuchen Sie (ich weiß, das ist meist leichter gesagt als getan), möglichst wenig zu denken, den Kopf für eine Weile in die Pause zu schicken (er ist wichtig und richtig und später wieder dran). Entscheiden Sie sich spontan für eine der folgenden Fragen und fangen Sie hiermit an. Schreiben Sie ungefiltert und wild durcheinander all das auf, was Ihnen in den Sinn kommt – ob Sie es nun sofort verstehen oder gut finden oder nicht. •• Wofür brennen Sie? Wobei sind Sie im Flow? Das merken Sie daran, dass Ihnen eine Tätigkeit z. B. enorm leichtfällt, Sie sich stundenlang damit beschäftigen können und jegliches Gefühl für Raum und Zeit verlieren. Außerdem bewundern Sie viele dafür: „Wie du das immer so kannst, wie leicht dir das fällt, toll!“ Sie tun es einfach, voller Kraft und Begeisterung und es geht Ihnen ganz leicht von der Hand. Bitte achten Sie darauf, dass Sie sich hier nicht einschränken: Denken Sie nicht nur in engen beruflichen Grenzen, sondern gehen Sie vielleicht auch zurück in Ihre Jugend, zu Ihren Hobbys. Aufschreiben! Ohne Filter, ohne Wertung, ohne „Das ist doch albern!“ oder „Das hat ja nichts mit meiner Karriere zu tun!“. •• Welche Berufswünsche hatten Sie als Kind? Ja, die ganz klassischen Kindheitsträume, vom Lokomotivführer bis zum Astronauten, von der Prinzessin bis zur Primaballerina. Ja, Sie dürfen sich dabei komisch oder kindisch vorkommen. Glauben Sie mir, die Frage ist ernst gemeint. Wenn Sie jetzt also Ihre Kindheitsträume aufgeschrieben haben, gehen Sie einen Schritt weiter und überlegen Sie: •• Was war (oder ist) es, was Sie daran so gereizt hat? Warum Lokomotivführer und nicht Arzt? Warum Prinzessin und nicht Professorin? Hier liegt nämlich der Schlüssel für Ihre Motive. Was ist Ihnen wichtig, was macht Ihnen Spaß, worauf legen Sie Wert, was brauchen Sie, was widert Sie an? Der Blick in die Kindheit ist hier deshalb so wichtig, weil wir da noch unverkopft und unvernünftig waren. Kinder scheren sich nicht um Konventionen, um „Das macht man so!“ oder um Prestige und Ansehen. Sie wollen einfach. Sie begeistern sich für etwas zu 100 Prozent, verlieren sich total in einer Sache und gehen völlig auf darin. Und sie sind uns Erwachsenen in einem wichtigen Punkt weit voraus: Sie haben noch uneingeschränkten Zugang zu ihrer inneren Stimme. Sie hören sie und richten sich danach. Sie vergleichen nicht sentimental mit der Vergangenheit oder wägen ängstlich die Auswirkungen für die Zukunft ab – sie sind im Hier und Jetzt. Und nur weil die Kindheit vorbei ist, gilt vieles von dem, was uns Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 27 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 26 1.3 Lebensvision – wofür brenne ich? 27 damals begeisterte, vielleicht heute noch immer. Und ist nur tief verschüttet. Oder wird mit einer wegwerfenden Handbewegung weggewischt mit abfälligen Bemerkungen wie „Jaja, das waren Kinderträume, aber jetzt sind wir erwachsen und vernünftig. Im Ernst des Lebens haben Träumereien oder Kindereien keinen Platz!“ Sind Sie mutig? Dann trauen Sie sich heran an folgende, nicht ganz einfache, jedoch enorm aussagekräftige Übung: Schreiben Sie Ihre eigene Grabrede! •• Was soll über Sie und Ihr Leben gesagt werden, wenn Sie gestorben sind? Womit wollen Sie Ihren Lieben in Erinnerung bleiben? Was soll von Ihnen und Ihrem Leben bleiben? Welche Charaktereigenschaften, Fähigkeiten und Talente, Erfolge und Taten sollen mit Ihnen für alle Zeit in Verbindung gebracht werden? Wenn Ihnen das mit der Grabrede zu gruselig ist, dann schreiben Sie auf, wie Sie an Ihrem 80. Geburtstag auf Ihr Leben zurückblicken wollen. •• Wenn Sie später das Kapitel über Ihre Ressourcen, Ihre Stärken und Ihre Werte durchgearbeitet haben, vergleichen Sie die Ergebnisse mit den Antworten hier. Wo gibt es Überschneidungen, wo gibt es Ergänzungen? Lässt sich ein roter Faden finden? (Ich bin ziemlich sicher, dass dies der Fall ist!) •• Finden Sie Ihr „Life-Purpose-Statement“ – dies beschreibt, was Sie als Ihre Aufgabe in dieser Welt sehen. Griffig und konkret wird dies z. B. dadurch, dass Sie eine Metapher verbinden mit einer Aussage über die sinnvolle Aufgabe oder deren gewünschte Wirkung, wie zum Beispiel: •• Ich bin die Lampe, die andere ins gute Licht setzt. •• Ich bin die Hebamme für gute Ideen und Texte. •• Ich bin der Wegweiser, der den Menschen den richtigen Weg weist. •• Ich bin der Knotenentwirrer, der den Menschen hilft, seine Themen zu erkennen. Als gute Vorbereitung für dieses Statement eignen sich viele Methoden: Eine Meditation, eine Fantasiereise, Collagenarbeit oder auch das spontane Aussuchen einer passenden Bildkarte (z. B. die EmotionCards von www.metalog.de oder auch private Fotos oder Postkarten). Wenn Sie schließlich von Ihrem inneren einsamen Berg wieder heruntergestiegen sind, haben Sie Antworten. Sie wissen besser als zuvor, wofür Sie brennen, was Ihre Lebensvision ist, Ihre Berufung. Hüten Sie diese Antworten wie einen Schatz! Sie sind so wichtig und gehen meist recht schnell wieder verschütt im Alltag, oder sie werden verwässert und verfälscht durch unseren Kopf, unser „Vernünftig-Sein“. Sie sind es wert, gut verwahrt und gehütet zu werden, um sie immer mal wieder hervorzuholen. Um sich an sie zu erinnern, sie abzugleichen mit Ihrem aktuellen Leben, eventuell um sie zu verändern oder zu ergänzen. Seine Berufung zu leben, bedeutet auch dies: Machen Sie alles, was Sie tun, aus vollem Herzen, mit Feuereifer und hundertprozentiger Überzeugung. Ihre Antworten – Ihr Schatz Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 29 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 28 1 Der Anfang ist gemacht! 28 Martin Luther King sagte einmal sehr schön: „Wenn es dir im Leben zufällt, Straßen zu kehren, dann kehre die Straßen so, wie Michelangelo Bilder malte. Kehre die Straßen so, wie Beethoven Musik komponierte. Kehre die Straßen so, wie Shakespeare dichtete. Kehre die Straßen so gut, daß alle Heerscharen im Himmel und auf Erden innehalten müssen und sagen: Hier lebte ein großer Straßenkehrer, der seine Aufgabe gut gemacht hat.“3 Noch etwas ist mir im Zusammenhang mit Ihrer Lebensvision wichtig: Verankern Sie diese in Ihrem Gefühl – spüren Sie eher, wie es sich anfühlt, diese Vision erreicht zu haben, als dass Sie darüber nachdenken. Das sogenannte Verankern ist eine bewährte Methode aus dem NLP (neurolinguistisches Programmieren). Hierbei nutzen wir ein Phänomen, das wir alle im Alltag kennen: Bestimmte Sinneseindrücke lösen bei uns sofort, also automatisch, bestimmte Gefühle oder Gedanken aus: Der Duft von Brot lässt uns das Wasser im Munde zusammenlaufen. Beim Städtenamen New York hören wir vielleicht automatisch im Kopf sofort das Lied von Frank Sinatra. Wohlige Gefühle kommen auf, wenn uns jemand in den Arm nimmt. Diese an sich unbewusst ablaufenden Prozesse macht das NLP sich zunutze: Wir wollen bewusst bestimmte Gefühle oder Gefühlszustände mit bestimmten Auslösern koppeln. Wir verankern also das Gefühl an einen Auslöser. Und wenn wir den Auslöser „betätigen“, wird das Gefühl sofort aufgerufen. Im Folgenden lade ich Sie zu einer etwas vom klassischen NLP abgewandelten Form des Verankerns ein. Übung: Verankern Nehmen Sie sich Zeit, kommen Sie zur Ruhe, sorgen Sie dafür, dass Sie ungestört sind. Atmen Sie ruhig und tief ein und aus. Vergegenwärtigen Sie sich nochmals Ihre Lebensvision. Lassen Sie sich voll und ganz ein auf dieses Gefühl und schmücken Sie es so lebendig wie möglich aus – und zwar mit allen Sinnen: •• Hat dieses Gefühl vielleicht eine Farbe und/oder eine Struktur? Was sehen Sie? Eher hell oder dunkel? •• Was hören Sie? Ist da ein Ton, ein Geräusch oder ist es eher still? Kommt Ihnen vielleicht eine Melodie in den Sinn? Sind es vielleicht eher Naturgeräusche wie Meeresrauschen, Wasserplätschern, Vögelgezwitscher, Blätterrascheln? •• Was fühlen Sie mit den Händen oder auf der Haut? Ist es eher warm oder kalt? Ist es windstill oder weht ein leichter oder starker Wind? Fühlen Sie mit den Händen etwas, eine bestimmte Oberfläche – rau oder glatt? Hart oder weich? 3 Martin Luther King, amerikanischer Bürgerrechtler und Pastor (1929–1968), aus seiner Rede „Facing the Challenge of A New Age“ vom 1.1.1957, er zitiert so seinen Mentor Dr. Benjamin Mays vom Morehouse College, unter http://www. normanrentrop.de/zitate/arbeit.html. Gefühl verankern NLP nutzen Gefühle mit Auslösern koppeln Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 29 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 28 1.3 Lebensvision – wofür brenne ich? 29 •• Schmecken Sie vielleicht etwas? Salzig, süß, sauer, bitter? Oder schmeckt es nach etwas ganz Bestimmten? •• Riechen Sie etwas? Etwas Bestimmtes? Intensiv oder nur ganz leicht? •• Wenn Sie ganz und gar in diesem Gefühl sind: Merken Sie eine Veränderung Ihres Körpers? Verändert sich vielleicht die Haltung oder die Atmung? Sind Sie aufrechter, in Spannung oder entspannt? Wie ist Ihre Kopfhaltung, wo sind Ihre Schultern? Stehen, sitzen, liegen oder gehen Sie? Oder sitzt dieses Gefühl der Lebensvision vielleicht irgendwo im Körper, an einem bestimmten Ort? •• Wenn Sie mögen, suchen Sie sich ein Symbol, einen Gegenstand, der stellvertretend für Ihre Lebensvision steht. Entweder ein geliebter vertrauter Talisman oder Sie gehen in die Natur und lassen sich finden von einem Gegenstand, der Ihnen spontan ins Auge fällt: einen Stein, eine Wurzel, ein Stück Holz oder Baumrinde. Immer wenn Sie Zeit und Lust dazu haben, vertiefen Sie sich wieder in dieses Bild Ihrer Lebensvision mit all den damit verbundenen Gefühlen und halten Sie sie so lebendig und präsent. Wenn Sie dazu nicht so viel Zeit und Muße haben, klappt das auch hervorragend mit einem konkreten und schnellen Anker: Welche Komponente ist am stärksten, kann am schnellsten dazu dienen, Sie ad hoc wieder in dieses Gefühl zu bringen: Eine Farbe? Ein Ton? Eine bestimmte Körperhaltung? Eine Assoziation? Die Hand auf einer bestimmten Körperregion? Oder das Symbol, der Gegenstand? Nun ist es an der Zeit, wieder konkreter zu werden und dem Kopf wieder Mitspracherecht zu gewähren. Ich sprach zu Beginn dieses Kapitels schon einmal am Rande über SMARTe Ziele; sie sind jetzt an der Reihe. Dies ist eine gute Methode, Ziele effektiv und zielführend zu formulieren. Die Abkürzung SMART steht für: •• S = spezifisch •• M = messbar •• A = attraktiv oder erreichbar („attainable“ im Englischen) •• R = realistisch •• T = terminiert Ein Beispiel, damit Ihnen der Unterschied zwischen „mal so eben dahin formulierten“ und SMART formulierten Zielen klar wird: Sie kennen sicher diesen Gedanken: „Ich sollte endlich mehr Sport machen!“ Im landläufigen Sinne ist dies schon ein Ziel. Näher betrachtet, ist es aber viel zu allgemein und unkonkret formuliert und da wächst die Gefahr, dass wir schnell kneifen, wenn es anstrengend wird. „Fang ich heute nicht an, dann fang ich eben morgen an. Außerdem war es gestern zu kalt und heute regnet es und morgen hab ich eine Lerngruppe abends. Und immerhin bin ich heute zu Fuß zur Uni gegangen, das ist auch schon Sport.“ SMARTe Ziele Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 31 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 30 1 Der Anfang ist gemacht! 30 Die beste und ganz einfache Überprüfung, ob Ihr Ziel konkret und griffig genug ist, zeigt sich in der Antwort auf die Frage: Woran merken Sie, dass Sie Ihr Ziel erreicht haben? Gibt es darauf klare Antworten, sind Sie auf gutem Wege. Besser und sinnvoller als „Ich sollte endlich mehr Sport machen“ ist also – SMART formuliert: „Zweimal in der Woche laufe ich morgens oder abends eine halbe Stunde und zwar bei jedem Wetter. Dadurch unterstütze ich meine Ernährungsumstellung, nehme bis zum Sommerurlaub im August 3 kg ab und schneide beim nächsten ärztlichen Lungenfunktionstest besser ab.“ S = Laufen – bei jedem Wetter – Ernährungsumstellung. M = 2-mal die Woche eine halbe Stunde A = Ich sehe knackiger im Sommerbikini aus und außerdem komme ich nicht so leicht aus der Puste, was mein Arzt dann auch bestätigen kann. R = Auch bei widrigem Wetter und bei hohem Arbeitsaufkommen werde ich dieses Pensum schaffen. T = Sommerurlaub im August Übung: SMARTe Ziele Überprüfen Sie nun mit ein paar beliebigen Zielen übungshalber, ob Sie die SMARTe Formulierung verinnerlicht haben: „Ich sollte mit dem Sport anfangen.“ SMART formuliert: „Ich sollte mal wieder aufräumen.“ SMART formuliert: „Ich muss für die Prüfung lernen.“ SMART formuliert: „Ich muss unbedingt abnehmen.“ SMART formuliert: „Ich sollte weniger trinken.“ SMART formuliert: Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 31 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 30 1.4 Ziel in zehn Jahren 31 1.4 Ziel in zehn Jahren Ihrer Lebensvision sind Sie ja nun schon auf die Spur gekommen; diese muss übrigens nicht unbedingt SMART formuliert werden. Hier sind die Maßstäbe ja andere bzw. unerheblich: Ihre Lebensvision haben Sie am Ende Ihres Lebens rückblickend erfüllt. Dabei geht es mehr um das Gefühl, das Sie ja jetzt gut verankert haben und das jederzeit abrufbar ist. Wir tasten uns jetzt immer näher ans Konkrete heran. Der Zeitraum, der für uns in der Regel noch gut absehbar ist, ist die Spanne von zehn Jahren. Wenn Sie also am Ende Ihres Lebens Ihre Lebensvision erfüllt haben wollen – was wäre in zehn Jahren ein guter Zwischenstand? Wie alt sind Sie in zehn Jahren? Irgendwo zwischen Anfang und Ende 30 wahrscheinlich. Hier wieder ein paar Leitfragen, mit denen Sie sich klarer werden können über Ihr/e Ziel/e in zehn Jahren. Und – ganz wichtig: So sehen Sie das jetzt im Augenblick, so sehen in diesem Moment Ihre Wünsche und Ziele aus. Haben Sie bitte nicht die Befürchtung, dass Sie sich damit jetzt ein für alle Mal festlegen. Das ist ja das Gute bei Zielen: Wir können sie immer wieder ansehen, überprüfen, gegebenenfalls verändern, revidieren oder ganz aufgeben. Sie haben jederzeit die Freiheit dazu! Übung: Ziel in zehn Jahren Welche Komponenten Ihrer Lebensvision haben Sie in zehn Jahren erfüllt – was ist dann bereits Realität geworden, was leben Sie? •• Wo sehen Sie sich? An einem bestimmten Ort, in einer bestimmten Stadt? Noch da, wo Sie jetzt sind oder woanders? Stadt oder Land? Haus oder Wohnung? Miete oder Eigentum? Groß oder klein? Mit Grün oder ohne? Etc. •• Leben Sie alleine? Mit Partner und/oder Kindern? •• Was tun Sie beruflich? Sind Sie angestellt oder selbstständig? Mit oder ohne Team? •• Was ist Ihnen zu diesem Zeitpunkt besonders wichtig? Kreative Arbeit? Prestige und Luxus? Reisen? Ansehen? Wissenschaftliches Arbeiten? Soziales Engagement? Natur und Tiere? •• Welche Erfolge haben Sie in zehn Jahren zu verbuchen und woran merken Sie diese? Geld? Titel? Veröffentlichungen? Beförderung? Preise? Dankbarkeit von anderen? Verwirklichte Projekte? Politischer Einfluss? Oder sind dies eher „stille“Erfolge, die Sie nur in Ihrem Inneren merken? •• Wenn ich in zehn Jahren Ihre besten Freunde/Ihren Partner/Ihre Familie frage: Was erzählen sie mir über Sie? Wie beschreiben sie Ihr Leben? •• Wie „fühlt“ sich dieses Stadium an? Wieder mit allen Sinnen: Wie fühlt es sich körperlich an, was sehen, hören, riechen, schmecken Sie? Zwischenstand in zehn Jahren Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 33 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 32 1 Der Anfang ist gemacht! 32 1.5 Ziel in fünf Jahren Um also in zehn Jahren dort zu stehen, womit Sie sich gerade beschäftigt haben: Welche Ziele resultieren daraus in fünf Jahren – also die halbe Strecke zum Zehnjahres-Ziel? Stellen Sie sich die gleichen Fragen wie oben. 1.6 Ziel in einem Jahr Jetzt also wird es sehr konkret – Ihr Ziel in einem Jahr ist an der Reihe! Wir haben uns vom ganz Allgemeinen, Umfassenden jetzt immer mehr an die Gegenwart heran vorgearbeitet. Das Ziel in einem Jahr eignet sich z. B. sehr gut dafür, Ihr Ziel „Karrierestart nach der Uni“ zu formulieren. Entscheiden Sie sich erst einmal, wann denn dieses Projekt wirklich zu Ende, am Ziel sein soll: Sehen Sie sich schon am Ziel, wenn Sie die ersten Bewerbungen verschickt haben? Oder nach dem ersten Bewerbungsgespräch? Bei Vertragsunterzeichung? Oder vielleicht erst nach der Probezeit, wenn Sie den Job sicher haben? Oder ganz anders: Vielleicht ist Ihr Ziel ein konkretes Datum, ab heute in einem Jahr? Es gibt hier kein besser oder schlechter – entscheidend ist nur, dass Sie sich entscheiden. Sie wissen ja: Sie müssen wissen, woran Sie merken, dass Sie das Ziel erreicht haben und dazu gehört ein klarer Zeitpunkt. Bei diesem Ziel können Sie auch deutlich mehr Details festlegen: •• Wann ist es zu Ende? •• Wessen Hilfe brauchen Sie und wie sieht sie aus? •• Welche Informationen brauchen Sie und woher bekommen Sie sie? •• Gibt es Termine oder Fristen, die eingehalten werden müssen? •• Welche Aktionen müssen Sie (bis) wann starten, was gibt es zu tun? •• Woran merken Sie, dass Sie das Ziel erfolgreich erreicht haben? Und wenn Sie jetzt ganz genau sein wollen, dann gehen Sie noch einen Schritt weiter. Den einen Schritt, der gewährleistet, dass Sie wirklich anfangen. Also: Welchen ersten kleinen ganz konkreten Schritt hin zu diesem „Ziel in einem Jahr“ tun Sie innerhalb der nächsten 72 Stunden, also innerhalb der nächsten drei Tage? Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass eine Aktion in diesem Zeitraum besonders realistisch auch gestartet wird. Andernfalls sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass Sie diesen Schritt noch tun, auf unter 1 %. Dafür ist die neuronale Struktur unseres Gehirns verantwortlich. Mit der Idee zum ersten Schritt haben Sie quasi einen neuen Denkpfad gelegt im Gehirn. Da wir uns aber täglich immer zu ca. 98 % auf den immer gleichen Denkwegen bewegen und denken, verkümmert Wann haben Sie Ihr Ziel erreicht? Details festlegen Ersten Schritt formulieren Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 33 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Stackelberg, Karrierestart für Hochschulabsolventen Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 32 1.6 Ziel in einem Jahr 33 solch ein kleiner neuer Pfad einfach zu schnell wieder. Sie müssen quasi diesen Weg jetzt beschreiten und ordentlich breit trampeln, damit er zu einem dem Gehirn vertrauten Denkpfad wird, der dann auch regelmäßig beschritten wird. Denken Sie daran und überfordern Sie sich nicht: Der erste Schritt kann ein ganz, ganz kleiner sein, nicht gleich ein Sieben-Meilen-Stiefel-Schritt. Ein Telefonat, eine kurze Recherche im Internet, die Bestellung eines Buches etc. Wir haben jetzt beim Thema Ziele so viel davon geredet, was ein „erfolgreich“ erreichtes Ziel ist. Befassen wir uns dazu doch jetzt konkreter mit dem Begriff „Erfolg“.

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References

Zusammenfassung

Selbstbewusst starten.

Sie haben die Uni hinter sich, die letzten Prüfungen sind geschrieben und jetzt scharren Sie mit den Füßen: Sie wollen endlich loslegen und selbstbewusst ins Berufsleben starten!

Dabei hilft Ihnen dieses Buch und zwar mit ungewöhnlichen Ideen. Sie finden hier viele Tipps und Infos für die gelungene Bewerbung und das gute Bewerbungsgespräch.

Klare Vorteile:

* Standort- und Potenzialanalyse: So klappt der Start ins Berufsleben

* Authentisch bleiben: Auf Dauer können Sie sich nicht verstellen!

* Ratgeber, der Mut macht und bei der Jobauswahl wirklich hilft.

"Erfrischend. [...] Stackelberg berichtet auch von ihren langjährigen Erfahrungen als Trainerin, von besonderen Erlebnissen mit Bewerbern und vergisst auch die Sicht des Personalmanagers nicht. Klar, dass dabei viele brauchbare Tipps herauskommen, selbstverständlich auch für die Bewerbungsunterlagen, die richtigen Formulierungen bei Anschreiben und Lebenslauf sowie fürs Vorstellungsgespräch. Selbst die ersten hundert Tage im Job werden nicht vergessen. Die lockere und unprätentiöse Sprache macht das Buch im Übrigen sehr unterhaltsam." in: WISU-KARRIERE 5/2012

Autorin:

Bettina Stackelberg, die Frau fürs Selbstbewusstsein®, unterstützt als Coach mit Leidenschaft, Empathie und Know-how Menschen dabei, selbstbewusster zu werden. Sie ist Autorin der erfolgreichen Ratgeber "Selbstbewußtsein" (2009) und "Angstfrei arbeiten" (2010).