Erfolgreich wachsen und Kooperationen eingehen in:

Martin Buttenmüller, Claudia Kilian

Durchstarten als Freiberufler, page 169 - 175

Selbstbestimmt und erfolgreich arbeiten

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4245-8, ISBN online: 978-3-8006-4246-5, https://doi.org/10.15358/9783800642465_169

Series: Vahlen Praxis

Bibliographic information
Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 175 9 Erfolgreich wachsen und Kooperationen eingehen Sie haben sich erfolgreich im Markt etabliert, die Auftragslage ist stabil und gut und Sie sind ehrgeizig genug, aus Ihrer Freiberuflichkeit ein „richtiges“ Unternehmen zu machen. Aber das ist leichter gesagt als getan, denn der Aufbau eines Unternehmens erfordert Strukturen, die Sie als Freiberufler nicht verfügbar haben: So fehlen Ihnen plötzlich Kapazitäten, um interessante Aufträge anzunehmen. Oder Sie haben Kunden mit sehr unterschiedlichen Anforderungen, die Sie mit Ihrer Qualifikation nicht alle abdecken können. Häufig ist es auch so, dass gro- ße Kunden die Sicherheit haben möchten, dass Ihr Unternehmen auch bei einem Ausfall durch Krankheit oder Unfall arbeitsfähig bleibt. Um diese Strukturen aufzubauen, haben Sie mehre Möglichkeiten. 9.1 Kooperation in der Bürogemeinschaft Vielleicht platzieren Sie sich schon von Anfang an in einer Bürogemeinschaft, um Ihre Mietausgaben niedrig zu halten. Aber auch für Ihre Wachstumsstrategie kann eine Bürogemeinschaft sehr nützlich sein: Zusammen können Sie sich repräsentative Geschäftsräume leisten, in die man auch mal einen Kunden einladen kann. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Mietpartner vor allem darauf, dass diese ihren Workflow sinnvoll ergänzen: So wächst ein Unternehmen mit freien Strukturen Ein Web-Grafiker ergänzt sich mit einem Print-Grafiker. Die beiden Grafiker wiederum ergänzen sich mit einem Journalisten sehr gut, weil man nun gut Text und Gestaltung zusammen anbieten kann. Da Fotos immer wichtiger werden, holen sich die drei dann einen Fotografen „an Bord“ und können nun auch hochwertige Projekte (Kataloge, Storys in Hochglanzzeitschriften) mit vielen Fotos bearbeiten. Um im Internet komplette Websites anbieten zu können, stößt schließlich noch ein Programmierer dazu. Auf diese Weise können Websites nicht nur mit Inhalt und Design, sondern auch komplett angeboten werden. Und so weiter und so weiter. Theoretisch könnte auf diese Weise ein Weltkonzern aus Freiberuflern entstehen, bei dem jeder auf eigene Rechnung arbeitet und sich immer wieder freie Teams zu sinnvollen Kooperationen zusammenfinden. Die Vorteile liegen auf der Hand: •• Niedrige Fixkosten – wenn es keine Aufträge gibt, sind auch die Kosten niedrig. Wenn Sie mit Angestellten und großen Räumen arbeiten würden, blieben Ihnen auch bei schlechter Auftragslage die Kosten. Zweckgemeinschaft Vorteile Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 177 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 176 9 Erfolgreich wachsen und Kooperationen eingehen176 •• Steuerlich können Sie Ihren Freiberuflerstatus erhalten, der bei der Anstellung von Mitarbeitern vom Finanzamt zumindest infrage gestellt werden dürfte. Mit der Aberkennung droht die Gewerbesteuerpflicht. •• Bei jedem Projekt merken Sie, mit wem Sie gut zusammenarbeiten und mit wem nicht. So können Sie bei jedem Auftrag neu ausprobieren, wer neben der fachlichen Eignung auch menschlich am besten geeignet ist. Warum gibt es dann aber keine Weltkonzerne, die ausschließlich von Freiberuflern betrieben werden? Weil es neben den Vorteilen auch gravierende Nachteile gibt: •• Jeder Freiberufler verfolgt seine eigenen Interessen – das ist völlig natürlich. Diese müssen für jedes Projekt aufs Neue auf einen Nenner gebracht werden. •• Mit der Größe der Aufträge steigt die Zahl der beteiligten Freiberufler und damit der Koordinations- und Zeitaufwand, der dann für die Abarbeitung der eigentlichen Aufträge fehlt. •• Da jeder auf eigenen Namen arbeitet, ergeben sich Haftungsfragen. So wird die Bank verlangen, dass für Darlehen alle unterschreiben und damit jeder mit seinem Privatvermögen haftet. •• Es ergibt sich kein Firmenwert – Sie werden immer nur der Freiberufler sein, der von seiner Arbeitskraft lebt. Mit Angestellten, eigenen Räumen und festen Strukturen entwickeln Sie eine Firma, die Sie eines Tages verkaufen oder vererben können. •• Egal wie groß die Bürogemeinschaft ist, wird sich doch immer wieder die Situation ergeben, dass man doch lieber mit anderen Freiberuflern zusammenarbeitet. Das kann Unmut erzeugen und Krisen auslösen. Vorsicht – Standesrecht Aufgrund standesrechtlicher Normen und Verschwiegenheitspflichten dürfen sich Ärzte und Anwälte nur mit Vertretern des gleichen Standes ein Büro teilen. Organisatorisch bieten sich zwei Möglichkeiten: Entweder ein Freiberufler übernimmt die Miete des Büroraums allein und schließt mit anderen einen Untermietvertrag. Damit setzt sich der Vertragsunterzeichner natürlich immer dem Risiko aus, dass einer seiner Untermieter seine Miete nicht zahlen kann. Mieten mehrere Freelancer zusammen einen Büroraum, gründen sie automatisch eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR). Damit haften sie für alles, was sie gemeinsam unternehmen (alles, was den Büroraum und die gemeinsame Ausstattung betrifft). Ein schriftlicher Gesellschaftsvertrag ist nicht erforderlich, wird aber empfohlen. Nachteile Mietregelung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 177 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 176 9.2 Coworking für Freiberufler mit Wachstumsperspektive 177 9.2 Coworking für Freiberufler mit Wachstumsperspektive Gerade für Freiberufler, die eine klare Wachstumsperspektive haben, aber noch nicht über Netzwerke zu anderen Freiberuflern verfügen, bietet sich das sogenannte Coworking an. Der englische Begriff bedeutet nichts anderes als „zusammenarbeiten“. Verstärkt in Berlin, aber auch in vielen anderen Großstädten, haben sich deutschlandweit sogenannte Coworking Spaces gebildet, als Alternative für Freiberufler, die hin und wieder auswärts arbeiten, aber kein Büro anmieten wollen. Beispiele für Coworking Spaces in Deutschland •• betahaus Berlin (www.betahaus.de) •• EasyLoft Berlin (www.easyloft.de) •• Unperfekthaus Essen (www.unperfekthaus.de) •• Kaiser79, Frankfurt/Main (www.kaiser79.de) •• Kölner Zeiträume (www.koelner-zeitraeume.de) •• Wiesbadener Salon (www.wiesbadenersalon.de) •• spacebox München (www.spacebox-muenchen.de) •• Combinat 56, München (www.combinat56.de) Weitere Adressen gibt es unter http://coworking.de. Beim Coworking geht es vor allem darum, den Nutzern über einen gewissen Zeitraum Arbeitsplätze zur Verfügung zu stellen. Diesen mieten Sie jedoch nicht fest, sondern Sie kaufen im Vorfeld ein Zeitkontingent (zum Beispiel 60 Stunden) und können dieses, wann immer Sie wollen, einlösen, um an den Arbeitsplätzen der Einrichtung zu arbeiten. Stellen Sie sich so ungefähr einen Mix aus Carsharing für Schreibtische, Nutzungs-/ Bezahlmodell, Fitnessstudio und Kaffeehaus vor. Die Nutzungsmodalitäten variieren natürlich von Einrichtung zu Einrichtung, das zugrunde liegende Prinzip ist jedoch dasselbe. Die Vorteile liegen auf der Hand: •• Sie sind zeitlich flexibel. Es fallen nur Kosten an, wenn Sie den Platz nutzen. Ihren Arbeitsplatz zu Hause können Sie weiter behalten. •• Viele Einrichtungen verfügen über eine sehr gute Infrastruktur, zum Beispiel über technische Geräte, die Sie sich selbst vielleicht nicht leisten können. •• Sie können zusätzliche Konferenzräume anmieten, um Kunden zum Gespräch einzuladen. •• Für Ihre Wachstumsperspektive lernen Sie viele andere Freiberufler kennen und verfügen über Räumlichkeiten, in denen Sie sich treffen, austauschen und über Projekte sprechen können. Coworking Spaces Platz auf Zeit Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 179 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 178 9 Erfolgreich wachsen und Kooperationen eingehen178 Checkliste: So wählen Sie den richtigen Coworking Space Welche räumlichen Anforderungen ergeben sich aus Ihrer Art zu arbeiten (zum Beispiel Seminarräume, abgeschlossene Räume, viel Licht)? Brauchen Sie spezielle Kreativräume? Wie ist Ihr Kommunikationsverhalten? Durch die gemeinsame Nutzung werden teure Werkzeuge bezahlbar. Welche wären für Sie nützlich (Beamer, besondere Drucker etc.)? Oder können sie dort angeschafft werden? Ist das Preis-Leistungs-Verhältnis in Ordnung? Gibt es auch ein Café/einen Aufenthaltsraum für den Plausch zwischendurch? Wer sich mit erfolgreichen Menschen umgibt, wird selbst erfolgreich. Arbeiten die richtigen Menschen im Coworking Space? Welche Berufsgruppen sind hier vertreten? Können sich nützliche Synergien ergeben? Wie wird eine ruhige Arbeitsweise sichergestellt? Stimmt die Chemie? Vereinbaren Sie einen Probearbeitstag! Werden zusätzliche Veranstaltungen angeboten, die für Sie interessant sein können, zum Beispiel Network-Treffen, Workshops o. Ä.? 9.3 Mit Partnern zusammenwachsen Eine Bürogemeinschaft ist Ihnen nicht genug? Sie wollen die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen? Sie wollen Kunden gegenüber Manpower signalisieren? Dann haben Sie sicherlich bereits über einen Zusammenschluss mit anderen Freiberuflern nachgedacht, der über den Umfang einer Bürogemeinschaft hinausgeht. Das deutsche Gesellschaftsrecht stellt Ihnen hierzu verschiedene Rechtsformen zur Verfügung: •• Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR): Sie ist wohl die Gründergesellschaft Nummer eins. Man benötigt mindestens zwei Gesellschafter, die sich zu einem bestimmten Zweck zusammentun und einen Gesellschaftsvertrag schließen (nicht unbedingt schriftlich, aber aus Beweisgründen natürlich sinnvoll). Für die Gründung ist kein Mindestkapital erforderlich, da die Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen für alle Verbindlichkeiten der Gesellschaft gemeinsam haften. Freiberufler-GbRs sind von der Buchführungspflicht befreit. Die Firma muss einen Gesellschafternamen und das Kürzel GbR führen. GbR Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 179 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 178 9.3 Mit Partnern zusammenwachsen 179 •• Partnerschaftsgesellschaft: Sie ist eine typische Freiberuflergesellschaft. Da nur Freiberufler Partner werden dürfen, gelten die vereinfachten Buchführungsvorschriften und auch die Gewerbesteuerfreiheit bleibt bestehen. Ein Mindestkapital ist zur Gründung nicht erforderlich. Hauptvorteil: Im Gegensatz zur GbR lässt sich die Haftung gegenüber Kunden, Mandanten oder Patienten bei Fehlern auf das Privatvermögen der Partner beschränken, die mit dem Auftrag befasst waren. Die Partnerschaftsgesellschaft muss ins Partnerschaftsregister eingetragen werden. Der Firmenname muss aus mindestens einem Gesellschafternamen, dem Zusatz „und Partner“ (oder „Partnerschaft“) sowie den in der Gesellschaft vertretenen Berufen bestehen (Weinrich & Partner, Rechtsanwälte). •• GmbH: Im Gegensatz zu den beiden vorhergehenden Gesellschaften ist die GmbH eine Kapitalgesellschaft und damit in ihrem rechtlichen Bestand von den Gesellschaftern unabhängig. Ihre Gründung ist durch eine oder mehrere Personen möglich. Der Gesellschaftsvertrag muss notariell beurkundet werden. Das Stammkapital der Gesellschaft muss mindestens 25.000 Euro betragen. Vor Eintragung in das Handelsregister müssen die Mindesteinlagen in Höhe von mindestens 12.500 Euro erbracht werden. Die Haftung einer GmbH ist auf das Vermögen der GmbH beschränkt, d. h. die Gesellschafter haften nicht mit ihrem Privatvermögen. Achtung! Bei der Gründung einer GmbH verlieren Sie Ihr Freiberuflerprivileg: Eine Kapitalgesellschaft gilt als Gewerbebetrieb und muss damit Gewerbesteuern zahlen. Auch doppelte Buchführung und Bilanzierung sind nun verpflichtend. •• Mini-GmbH (Unternehmergesellschaft/UG haftungsbeschränkt): Seit November 2008 steht Existenzgründern eine neue Rechtsformvariante der GmbH zur Verfügung: die Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt). Der Vorteil Nummer eins: Trotz der Haftungsbeschränkung auf das Gesellschaftsvermögen liegt das gesetzlich vorgeschriebene Mindeststammkapital bei nur einem Euro. Sacheinlagen sind nicht nötig. Die Gesellschaft muss jedoch eine eigenkapitalbegründende Rücklage in Höhe von 25 Prozent des jährlichen Gewinns bilden, bis ein Stammkapital von 25.000 Euro erreicht wurde. In diesem Fall kann die UG als normale GmbH weitergeführt werden. Zwar ist der Gang zum Notar immer noch Pflicht, doch sieht der Anhang des GmbH- Gesetzes eine Mustersatzung („Musterprotokoll“) vor, bei deren Verwendung eine kostengünstigere Gründung möglich ist, da hier nur noch die Unterschrift notariell beglaubigt werden muss. Partnergesellschaft GmbH Mini-GmbH Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 181 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 180 9 Erfolgreich wachsen und Kooperationen eingehen180 Vorsicht – Musterprotokoll Leider ist das Musterprotokoll zu einfach gefasst und daher für viele Standardfälle oft nicht ausreichend. Sobald Sie beispielsweise mehr als drei Gründungsgesellschafter sind oder ein Gesellschafter mehrere Anteile erwerben will, ist die Verwendung der Mustersatzung ausgeschlossen. 9.4 Mitarbeiter einstellen? Bei erfolgreichen Freiberuflern kommt es irgendwann zu einer Grundsatzentscheidung: das Ganze groß aufziehen, Mitarbeiter einstellen – oder doch lieber Freiberufler bleiben und bei einer Auftragsflut auf freie Mitarbeiter setzen? Praxisfall: Was bringen Angestellte? Jutta Cram, Lektorin: „Ich habe mich 1998 selbstständig gemacht. Als immer mehr Aufträge kamen, stand ich vor der Entscheidung: Aufträge ablehnen oder Unterstützung ins Boot holen? Ich habe mich für Letzteres entschieden, da ich meine Kunden nicht enttäuschen wollte. Aus demselben Grund kam für mich nur jemand Festes infrage, keine freien Mitarbeiter. Die Aufträge sollten zügig und in der gewohnten Qualität erledigt werden. Das konnte ich bei fest Angestellten, die bei mir im Büro arbeiten, am besten sicherstellen. Außerdem ist so immer jemand für die Kunden erreichbar, auch bei Krankheit oder Urlaub. Diese Vorteile wiegen das höhere Risiko und den größeren bürokratischen Aufwand bei Weitem auf. Mittlerweile habe ich zwei Mitarbeiterinnen, auf die ich mich hundertprozentig verlassen kann, genau wie unsere Kunden.“ Die Entscheidung, feste Mitarbeiter einzustellen, bedeutet für Sie natürlich ein größeres Risiko. Sie müssen in Zukunft nicht nur für sich selbst, sondern auch für den Mitarbeiter Aufträge ranschaffen. Gleichzeitig können Sie jedoch auch mehr annehmen und stellen sicher, dass immer jemand im Büro ist. Die Kehrseite der Medaille: Sie zahlen für Ihren Mitarbeiter auch, wenn er krank oder im Urlaub ist. Nicht so schlimm, wie viele Freiberufler fürchten, sind die Regeln des Kündigungsschutzgesetzes: Wenn Sie weniger als fünf Mitarbeiter haben, gilt es nicht, das heißt, Sie können den Mitarbeiter – ohne Grund – innerhalb der vereinbarten Kündigungsfrist kündigen. Wenn Sie mehr als vier, aber weniger als zehn Mitarbeiter haben, gilt das Kündigungsschutzgesetz eingeschränkt. Alternative Minijobber Wenn Sie keine Vollzeitkraft benötigen, könnte die Einstellung eines Minijobbers eine günstige Alternative sein. 400-Euro-Minijobs sind nach dem Gesetz geringfügig entlohnte Beschäftigungen. Diese sind sozialversicherungsfrei, d. h. verdient der Arbeitnehmer regelmäßig bis zu 400 Euro im Monat, muss er keine Sozialversicherungsbeiträge zahlen, sondern erhält sein Arbeitsentgelt in der Regel brutto für Erhöhtes Risiko Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 181 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 180 9.4 Mitarbeiter einstellen? 181 netto. Die pauschalen Abgaben und Beiträge zur Sozialversicherung übernehmen Sie als Arbeitgeber in Höhe von rund 30 Prozent (15 Prozent für Rentenversicherung, 13 Prozent für Krankenversicherung, zwei Prozent Pauschalsteuer [Abgaben für Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer] sowie 0,1 Prozent Umlage). Alle wichtigen Informationen hierzu finden Sie unter: www.minijob-zentrale.de. Vor- und Nachteile von fest Angestellten Freie Mitarbeiter können Sie nach Bedarf einsetzen, müssen aber in Kauf nehmen, dass sie nicht immer verfügbar sind. Sie sehen, beide Varianten haben Vor- und Nachteile. Um Ihnen die Entscheidung etwas zu erleichtern, stellt die folgende Tabelle die wichtigsten Faktoren einander gegenüber. Fest angestellte Mitarbeiter Freie Mitarbeiter Zu Lohn und Lohnnebenkosten kommen Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall und bei Urlaub, ev. noch Urlaubsgeld und andere Gratifikationen hinzu. Sie zahlen nur für die tatsächlich geleistete Arbeit. Der Mitarbeiter kann flexibel und nach Bedarf eingesetzt werden. Der Lohn ist durch Vertrag festgelegt. Das Honorar ist je nach Projekt immer wieder neu verhandelbar. Sie müssen für jeden Mitarbeiter Lohnsteuern und den Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung abführen. Mit der Steuer und den Sozialversicherungsbeiträgen haben Sie nichts zu tun. Sie brauchen unter Umständen ein größeres Büro. Freie Mitarbeiter arbeiten in der Regel im Homeoffice. Ab fünf Mitarbeitern und einer Unternehmenszugehörigkeit von sechs Monaten gilt das Kündigungsschutzgesetz. Freie Mitarbeiter haben keinen Kündigungsschutz. Festangestellte sind an die von Ihnen vorgegebenen Arbeitszeiten gebunden. In dieser Zeit sind sie immer verfügbar. Der freie Mitarbeiter kann seinen Tag selbst einteilen. Sie können ihm allerdings das Projektende vorgeben. Mit Festangestellten bündeln Sie das Wissen (Kontakte, Workflows) im Haus. Sie kaufen externes Wissen ein, müssen aber dafür in Kauf nehmen, dass der Freie nicht an Sie gebunden ist. Anhand des Arbeitsvertrags und Ihres Weisungsrechts bestimmen Sie, welche Aufgaben der Angestellte erledigen muss. Freie Mitarbeiter können Aufträge auch ablehnen, wenn sie keine Kapazitäten frei haben oder nicht mehr für Sie arbeiten wollen.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Wie Freiberufler erfolgreich Durchstarten.

Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler

2012.

ISBN 978-3-8006-4245-8

Freiberuflich – darauf kommt es an

Dieser Ratgeber bietet eine Fülle an nützlichen Informationen, Tipps und Tricks zu allen wichtigen Themen eines Freiberuflers, so z.B. zu Werbung, Kundengewinnung, Auftragskalkulation, Steuern und Verträgen. Darüber hinaus werden praktische Anwendungen wie e-Büro, Dashboard sowie die Grundregeln des Suchmaschinenmarketing und Blogging erklärt. Damit können Freiberufler mit wenig Aufwand große Erfolge erzielen.

Experten Know-how für Freiberufler

Neben den eigenen Erfahrungen der Autoren bringen auch »gestandene« Freiberufler und Experten ihr Wissen mit ein. Zahlreiche persönliche Erfahrungsberichte machen das Buch zu einer spannenden Lektüre.