Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht? in:

Martin Buttenmüller, Claudia Kilian

Durchstarten als Freiberufler, page 11 - 24

Selbstbestimmt und erfolgreich arbeiten

1. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4245-8, ISBN online: 978-3-8006-4246-5, https://doi.org/10.15358/9783800642465_11

Series: Vahlen Praxis

Bibliographic information
Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 13 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 12 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht? 1.1 Freiberufler: Was ist das eigentlich? Wann ist man überhaupt Freiberufler? Und wie unterscheidet man sich von anderen Gründern? Grundsätzlich kann man sagen, dass fast alle Fragen, die in diesem Buch behandelt werden, für Freiberufler und Kleingründer gleichermaßen relevant sind. Entsprechend kann jeder Gründer (ob Freiberufler oder nicht) dieses Buch sinnvoll nutzen. Einzige Ausnahme ist das Kapitel 6, in dem vor allem der Umgang mit dem Finanzamt besprochen wird. Freiberufler bezahlen nämlich keine Gewerbesteuer und müssen entsprechend auch kein Gewerbe anmelden. Auch wer mit dem „Papierkram“ auf Kriegsfuß steht, kann aufatmen: Als Freiberufler genügt eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR), während Sie als Gewerbetreibender zu einer doppelten Buchführung verdonnert werden können. Achtung Buchführungspflicht besteht seit Anfang 2008 nur für Kaufleute, GmbHs, Landund Forstwirte sowie gewerblich Tätige (Nicht-Kaufleute), die mehr als 500.000,00 Euro Umsatz oder mehr als 50.000,00 Euro Gewinn in einem Wirtschaftsjahr erzielen. Wer darunter liegt, kann seinen Gewinn sehr viel unkomplizierter durch die Einnahmen-Überschuss-Rechnung ermitteln. Mit der EÜR sparen Sie sich viel Zeit und die Anschaffung einer professionellen Software sowie unter Umständen auch den Steuerberater. Auch eine IHK-Zwangsmitgliedschaft ist, wenn Sie den Freiberuflerstatus vorweisen können, ausgeschlossen. Es lohnt sich also, ein bisschen darüber nachzudenken, ob man ein Freiberufler ist oder nicht. Mehr zur EÜR und zur doppelten Buchführung erfahren Sie in Kapitel 6. Bei den klassischen freien Berufen (zum Beispiel Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte) ist die Abgrenzung selten ein Problem. Viel schwieriger wird es jedoch, wenn man die vielen „neuen Berufe“ unter die Lupe nimmt, die vor allem auch im Zusammenhang mit den neuen Medien entstanden sind. Die Definition des Gesetzgebers bietet erste Anhaltspunkte: § 1 Abs. 2 S. 1 PartGG und § 18 EStG Nach § 1 Abs. 2 S. 1 PartGG haben die freien Berufe im Allgemeinen auf der Grundlage besonderer beruflicher Qualifikation oder schöpferischer Begabung die persönliche, eigenverantwortliche und fachlich unabhängige Erbringung von Dienstleistungen höherer Art im Interesse der Auftraggeber und der Allgemeinheit zum Inhalt. In der Praxis wird darüber hinaus häufig auf § 18 EStG abgestellt. Dieser unterscheidet zwischen sogenannten Katalogberufen (die im Gesetz aufgezählt werden), den Berufen, die den Katalogberufen ähnlich sind, sowie den Tätigkeitsberufen. Ein Tätigkeitsberuf liegt vor, wenn eine wissenschaftliche, künstlerische, schriftstellerische oder erzieherische Tätigkeit selbstständig ausgeübt wird. Freiberufler: Abgrenzung Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 15 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 14 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?14 Die Frage, ob die selbstständig ausgeübte Tätigkeit ein freier Beruf oder ein Gewerbe ist, ist letztendlich steuerrechtlicher Natur und wird vom Finanzamt entschieden. Grauzonen gibt es mittlerweile viele. Zum Beispiel verneinen manche Finanzämter bei Webdesignern oder EDV-Beratern den Freiberuflerstatus. Sollten Sie sich unsicher sein, fragen Sie besser vorher beim Finanzamt an. Eine Zuordnung muss dabei nicht für alle Zeiten gelten: Wenn Sie zu Beginn Ihrer Tätigkeit als Freiberufler eingestuft werden und später Ihr Leistungsportfolio ändern oder erweitern, kann sich auch Ihr Status ändern. Sie können auch gleichzeitig freiberuflich und gewerblich tätig sein und beide Tätigkeiten nach den entsprechenden Vorschriften ausüben. Voraussetzung: Beide Jobs müssen voneinander unabhängig sein und die Einnahmen und Ausgaben müssen eindeutig voneinander getrennt werden, zum Beispiel durch verschiedene Rechnungsläufe und eine getrennte Gewinnermittlung. Sind die Tätigkeiten nicht voneinander trennbar, so gilt die gesamte Tätigkeit als gewerblich. Aus der Praxis Andreas Eck, Grafiker und T-Shirt-Designer: „Seit 2000 arbeite ich als freier Grafiker. Angefangen habe ich mit verschiedenen Tattoo-Motiven. Später begann ich unter anderem für eine größere Agentur zu arbeiten, für die ich alles rund um Konzeption, Text und Grafik erledige. Aus meiner Leidenschaft zu Apple-Produkten wurde schließlich ein weiterer Geschäftszweig. Unter anderem entwerfe ich heute T-Shirts und Taschen für ‚Apfelgernhaber’. Um die Produkte an den Mann zu bringen, habe ich einen Onlineshop gestartet. Das Problem war, dass ich dafür ein Gewerbe anmelden musste. Ein Angestellter der IHK hat mich diesbezüglich sehr gut beraten.“ 1.2 Selbst-Check: Bin ich der richtige Typ? Der Blick auf den heutigen Arbeitsmarkt ist erfreulicher denn je: Die Arbeitslosigkeit sinkt und die Wirtschaft brummt. Gleichzeitig sorgt die demografische Kurve dafür, dass die Zahl der Fachkräfte abnimmt und damit die Chancen für qualifizierte Bewerber stark steigen. Erstaunlicherweise steigt in dieser Phase die Zahl der Kleingründungen, zu denen die Freiberufler gehören, stark an: Im Jahr 2010 wurden rund 305.000 Kleinunternehmen gegründet, was einem Zuwachs von 4,2 % gegenüber dem Vorjahr entspricht.1 Das zeigt, dass Freiberufler keineswegs aus der Not heraus ihren Weg wählen, sondern die meisten dies als eine für sie geeignete Form des Broterwerbs halten. Mit anderen Worten: Der Beruf wird mit der Freiberuflichkeit zur Berufung. Entsprechend eindeutig ist auch das Ergebnis unserer eigenen Umfrage: Nur 15 Prozent gaben an, dass 1 Quelle: Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 30. März 2010, www. destatis.de. Status: Finanzamt entscheidet Gründungsmotive Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 15 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 14 1.2 Selbst-Check: Bin ich der richtige Typ? 15 sie auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten und deshalb aus der Not heraus als „Freie“ arbeiten möchten. Dagegen meinten 85 Prozent, dass sie selbstbestimmt arbeiten möchten. Doch nicht jeder, der will, ist auch geeignet für ein Arbeitsleben als Freiberufler. Unsere Umfrage zeigt die großen Herausforderungen, die Freiberufler zu Beginn ihrer Laufbahn zu bewältigen hatten. Eine Umfrage unter 687 Freiberuflern per Online-Fragebogen ergab: Abbildung 1: Ergebnisse einer Online-Umfrage zu den größten Problemen zu Beginn der Freiberuflichkeit. Aus den genannten Problemen lassen sich sehr gut die Anforderungen an Freiberufler erschließen: •• Platt gesagt müssen Sie die Fähigkeit haben, Kunden aufzustöbern, anzusprechen und zu überzeugen. Dazu benötigen Sie vor allem die Fähigkeit zu kommunizieren: Telefonieren, E-Mails und Briefe schreiben sowie das Verhalten in sozialen Netzwerken sollten Ihnen Nicht jeder ist geeignet Persönliche Anforderungen Kundenakquise Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 17 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 16 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?16 nicht fremd sein. Vor allem aber werden Sie persönlich in Erscheinung treten und sich selbst verkaufen müssen. Wie das geht, erfahren Sie in den Kapiteln 3 und 4. •• Wichtig ist auch die Fähigkeit zur Empathie, des Hineinfühlens in andere Menschen. Wenn Sie erkennen, wie Ihre Gesprächspartner „ticken“, welche Bedürfnisse sie haben und was sie von Ihnen erwarten, wird Ihnen das nicht nur bei der Akquise, sondern im Umgang mit allen Geschäftspartnern sehr helfen. Kapitel 5.6 hilft Ihnen vor allem beim erfolgreichen Verhandeln. •• Stellen Sie sich vor, ein Kunde sagt: „Sie erhalten den Auftrag, wenn Sie mir beim Honorar um 10 Prozent entgegenkommen.“ Jetzt also schnell „Ja“ oder „Nein“ sagen, denn bei einem „Ich weiß nicht“ kann es sich der Gesprächspartner wieder anders überlegen. Für eine schnelle Entscheidung ist Kopfrechnen gefragt und eine ungefähre Vorstellung des Aufwands, verbunden mit genauen Kenntnissen Ihrer eigenen Kostenstruktur. Grundsätzlich gehören die Grundrechenarten, das Prozentrechnen sowie eine Vorstellung davon, was Ausgaben und Einnahmen sind, zum Handwerkszeug. Den Umgang mit Zahlen lernen Sie in den Kapiteln 3.3 und 3.4. •• Oje, die Steuererklärung! Viele Freiberufler bekommen schon Magenkrämpfe, wenn sie die wenig attraktiven grauen Briefe des Finanzamts aus dem Briefkasten ziehen. Gefragt ist hier vor allem die Fähigkeit, sich mit den Formularen auseinanderzusetzen und solange daran zu arbeiten, bis Sie das System verstehen. Kapitel 6 erläutert den richtigen Umgang mit dem Finanzamt. •• Ein Mindestmaß an Ordnung und strukturiertem Denken ist nötig, um Abläufe zu entwickeln und am Leben zu halten. Dazu gehören Zeitmanagement, eine ordentlich geführte gepflegte Ablage sowie die Fähigkeit, Tage, Woche und Monate sinnvoll zu planen. Lesen Sie Kapitel 5, damit Sie Ihre Ziele erreichen. •• Und last but not least ist die Fähigkeit zur Selbstmotivation gefragt: Wer es ohne Druck morgens nicht aus dem Bett schafft oder sich bei schönem Wetter lieber im Schwimmbad als im Büro aufhält, sollte die Finger von der Freiberuflichkeit lassen und sich lieber ein festes Arbeitsverhältnis suchen. Oder in Kapitel 5.1 die Segnungen der Selbstdisziplin schätzen lernen. Das sind Ihre „inneren Werte“, also die wesentlichen Eigenschaften und Fähigkeiten, die Sie im Optimalfall mitbringen sollten. Ihnen fehlt das eine oder andere? Macht nichts, Sie schaffen es trotzdem. Aber behalten Sie diese Themen besonders im Auge und entwickeln Sie Lösungen, wie Sie Ihre Defizite in den Griff bekommen können. Ihnen fehlen die meisten Eigenschaften? Dann sprechen Sie mit Freunden und Bekannten, die bereits Freiberufler sind, über Ihr Vorhaben und Ihre vermeintlichen Defizite. Manche Menschen gehen mit sich selbst auch zu streng ins Gericht Empathie Umgang mit Zahlen Umgang mit Finanzamt Ordnung und Disziplin Selbstmotivation Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 17 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 16 1.2 Selbst-Check: Bin ich der richtige Typ? 17 – andere können Ihnen hier manchmal eine objektivere Einschätzung geben. Nutzen Sie auch den gleich folgenden Selbst-Check, um herauszufinden, in welchem Ausmaß Sie für eine Freiberuflichkeit geeignet sind. Zuvor jedoch sprechen wir über Ihre Lebenssituation. Die Typ-Frage ist natürlich das eine – die ganz konkreten persönlichen Umstände sind das andere. Nicht aus jeder Lebenssituation heraus ist der Schritt in die Freiberuflichkeit zu empfehlen. Wer gerade Nachwuchs bekommen hat oder chronisch krank ist, wird eventuell nicht ausreichend Zeit und Energie für den Start zur Verfügung haben. Kunden warten nicht gerne, und auch wenn die konkreten Ansprechpartner Verständnis für Ihre Probleme haben: Die Projekte müssen weitergehen, und schnell sind Sie aus dem Rennen. Ein anderes Thema ist das private Umfeld: Sprechen Sie mit Partnern, Freunden, Eltern und allen, die Ihnen wichtig sind, und loten Sie deren Akzeptanz aus. •• Gerade in der Anfangszeit wird eine Arbeitszeit von 50 bis 60 Wochenstunden eher die Regel als die Ausnahme sein. Finden Feierabende um 20 Uhr oder noch später Akzeptanz? Wird toleriert, wenn der Kurztrip nach Rom ausfällt, weil Sie überraschend arbeiten müssen? •• In der Regel werden Sie in der Anfangszeit finanziell nicht auf Rosen gebettet sein. Fast alle Freiberufler verdienen im ersten Jahr weniger als bei ihrer letzten Festanstellung. Ist der Lebensgefährte bereit, einen geringeren Lebensstandard zu akzeptieren und für eine längere Phase mehr zum Lebensunterhalt beizutragen als bisher? (siehe auch Kapitel 2.6) •• Auch Ihr Kopf wird im ersten Jahr angefüllt sein mit den Anforderungen, Ihren Plänen, Ihren Erfolgen, aber auch den Misserfolgen, die Sie verkraften müssen. Auf den Punkt gebracht: Dass der Sänger der Lieblingsband eine neue Freundin hat, ist für Sie in dieser Phase vielleicht weniger interessant als die Frage, ob der Kunde endlich seine Rechnung bezahlen oder die aktuelle Werbeaktion Erfolge zeigen wird. Und dieses „Desinteresse“ wird Ihnen unter Umständen von Ihrem Umfeld übel genommen. Vorsorge treffen Wenn Sie im Moment in Festanstellung und öfters krank sind, widmen Sie sich ausführlich der Frage nach der richtigen Versicherung und dem richtigen Tarif. So hat die gesetzliche Krankenversicherung den großen Vorteil, dass Sie die Kosten nicht vorstrecken müssen – ein Umstand, der bei privaten Krankenkassen sehr schnell zum Problem für Ihre Liquidität werden kann. Wenn Sie künstlerisch oder halbkünstlerisch (zum Beispiel als Lektor, Journalist oder Designer) arbeiten, können Sie versuchen, sich zu sehr günstigen Tarifen bei der Künstlersozialkasse zu versichern. Etwas aufschieben, aber nicht aus den Augen verlieren sollten Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Diese kostet viel Geld, sichert Sie jedoch für den Fall ab, dass Sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können. Äußere Umstände Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 19 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 18 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?18 Auch die Altersvorsorge muss für Sie ein Thema sein. Dabei haben Sie als Freiberufler die Chance, diese durch eigenen Vermögensaufbau zu leisten. Gehen Sie die Themen Berufsunfähigkeit und Altersabsicherung nach einem Jahr der Selbstständigkeit an – dann sollten Sie ausreichend Umsätze generieren, um die finanzielle Belastung durch die Beiträge tragen zu können. Lesen Sie dazu auch Kapitel 2.5: Gut versichert ist wichtig – aber wie? Checkliste: Selbstständigkeit ist mein Ding! ü Sich Ziele setzen und diese selbstständig und motiviert verfolgen – für mich kein Problem. Ich kann damit leben, häufig kein regelmäßiges und stabiles Einkommen zu erzielen. Ich bin bereit, in den ersten Jahren 50 Wochenstunden und mehr zu arbeiten, wenn es sein muss, auch am Abend und an den Wochenenden. Neue Ideen verfolge ich mit Eifer und Überzeugung. Ich behalte jedoch immer das Wesentliche im Auge. Unangenehme Arbeiten schiebe ich nicht auf. Wenn es mal kritisch wird, stecke ich nicht den Kopf in den Sand, sondern bemühe mich um eine Lösung. Auch Rückschläge kann ich wegstecken. Ich bin selbstbewusst und stehe hinter meiner Arbeit. Ich gehe offen und sicher auf andere Menschen zu. Auch bei schwierigen Menschen behalte ich die Beherrschung. Ich bin aber auch bereit, meinen Standpunkt zu vertreten und meine Rechte zu wahren. Weiterbildung in Eigeninitiative ist notwendig. Kein Thema! Ich bin bei stabiler Gesundheit und falle nicht häufiger für längere Zeit aus. Mein persönliches Umfeld unterstützt mich. Ich habe eine konkrete Idee, welche Leistung ich anbieten will. Es macht mir keine Probleme, fremde Menschen zu kontaktieren. Ich bin bereit, auch Aufgaben zu bewältigen, die mir keinen Spaß machen. Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 19 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 18 1.2 Selbst-Check: Bin ich der richtige Typ? 19 Checkliste: Selbstständigkeit ist mein Ding! ü Ich kann sehr gut längere Zeit allein und ohne Austausch mit anderen arbeiten. Ich kann mich gut selbst motivieren. Man muss mir nicht sagen, wann ich was zu tun habe – das kann ich selbst! Je mehr Aussagen Sie mit einem Haken versehen können, desto eher können Sie den Schritt in die Freiberuflichkeit wagen. Bei allen Punkten, die Sie nicht bestätigen können, entwickeln Sie eine konkrete Strategie, wie Sie damit umgehen möchten: Checkliste: So gehe ich mit Defiziten um Defizit Das will ich vor meiner Freiberuflichkeit lösen Das muss ich lösen, soll mich aber beim Start nicht auf halten Das sehe ich entspannt und lasse es auf mich zukommen Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 21 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 20 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?20 1.3 Umfeld-Check: Wer wird mir helfen? Auch wenn Sie das vielleicht nicht glauben, aber es gibt viele Menschen und Institutionen, die Ihnen bei Ihrer Freiberuflichkeit helfen können. Erste Anlaufstelle sind hier Ihre Eltern, Lebenspartner, Geschwister, Freunde und engeren Bekannten. Und wiederum deren Eltern, Lebenspartner, Geschwister, Freunde und engeren Bekannten. Und so weiter und so fort. Seien Sie nicht zu schüchtern, um Hilfe zu bitten. Die meisten Menschen helfen gern, und mehr als Nein sagen können sie nicht. Überlegen Sie, was Sie alles zum Start benötigen: ein Büro, ein Laptop mit Internetanschluss, Telekommunikation sowie einige Möbel und Büromaterial. Wenn Sie sich das alles selbst organisieren, kostet das viel Zeit und Geld. Mit etwas Nachdenken können Sie beides sparen: Wer kann mir wie helfen? Kontakt Mögliche Hilfestellung Eltern Vater ist Handwerker, er wird im neuen Büro Lampen befestigen und Leitungen verlegen. Lebensgefährte Hat eine kaufmännische Ausbildung, wird sich schlaumachen, wie das mit dem Finanzamt läuft. Freund vom Lebensgefährten Dieser führt ein Unternehmen, das als Kunde infrage kommt. Der Lebensgefährte wird fragen, ob Sie sich dort mal vorstellen dürfen. Bruder Kennt sich gut mit Hard- und Software aus, empfiehlt den richtigen Laptop, richtet den Internetanschluss und die Telekommunikation ein. Schwester Kennt einen Anbieter im Internet, bei dem es günstige Druckerpatronen und Büromaterial gibt. Bekannter Kennt einen Freiberufler, der in einem ähnlichen Bereich arbeitet, aber kein Wettbewerber ist, und gute Tipps für die Freiberuflichkeit geben kann. Und so weiter und so weiter. Das Formblatt finden Sie auf Ihrer CD-ROM. Drucken Sie es aus und setzen Sie sich dann mit den Personen Ihres nächsten Umfelds zusammen – Sie werden staunen, über welches mächtige Netzwerk Sie verfügen, ohne es bisher zur Kenntnis genommen zu haben. Immer Danke sagen Erhalten Sie sich Ihr Netzwerk und bauen Sie es aus, indem Sie sich stets ausdrücklich bedanken, mit Worten oder mit einer Einladung zu einem Glas Wein oder Bier. Damit erhalten Sie sich die Hilfsbereitschaft Ihres Umfelds. Überlegen Sie auch, ob Sie im Einzelfall nicht ebenfalls einen nützlichen Tipp geben oder Ihre Hilfsbereitschaft anderweitig unter Beweis stellen können. Privates Umfeld Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 21 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 20 1.4 Markt-Check: Ist mein Vorhaben realistisch? 21 1.4 Markt-Check: Ist mein Vorhaben realistisch? Ein wesentlicher Faktor für die Entscheidung, ob Sie Freiberufler werden möchten (beziehungsweise können) oder nicht, ist die Frage, ob Ihr Angebot von Ihren Kunden angenommen werden wird oder nicht. Man kann natürlich nach dem bayerischen Motto „brobiert‘s es, dann spiert‘s es“ vorgehen (für alle Nicht-Bayern: „Probiert es, dann spürt ihr es.“): Man kann im Vorfeld niemals wissen, ob etwas funktioniert. Aber es gibt zahlreiche Möglichkeiten, die Wahrscheinlichkeit im Vorfeld zu prüfen und dann zu spüren, ob etwas klappen wird oder nicht (siehe auch Kapitel 2.1 und 2.2). Gehen wir einmal davon aus, dass Sie in einer IT-Firma gearbeitet haben und sich nun als freier Dienstleister für Programmierarbeiten selbstständig machen möchten. Wenn Sie nun beobachtet haben, dass Ihr bisheriges Unternehmen in vielen Fällen mit solchen Freiberuflern zusammengearbeitet hat und vielleicht sogar von anderen Unternehmen gehört haben, die dasselbe tun – warum sollte das bei Ihnen nicht auch funktionieren? Sie können also durch reine Beobachtung feststellen, ob etwas grundsätzlich funktioniert oder nicht. Versuchen Sie deshalb, im Vorfeld und in der Startphase Ihres Freiberuflertums mit so vielen Menschen wie möglich zu sprechen. Formulieren Sie dabei Ihr Angebot als Problemlösung: „Ich bin Spezialist für Mobilfunk-Programmierungen und kann Unternehmen bei Arbeitsspitzen helfen.“ Damit stellen Sie Leuten, die im IT-Umfeld arbeiten, die Frage: „Wie löst ihr das Problem?“ und „Arbeitet ihr mit Freiberuflern zusammen?“ Hier bekommen Sie vielleicht Ihren ersten Praxisschock, denn die Wirklichkeit bietet viele Spielarten, wie in der Wirtschaft Probleme gelöst werden. Es könnte zum Beispiel sein, dass aus Sicherheitsgründen niemals mit Freiberuflern zusammengearbeitet wird oder nur mit Freiberuflern, die ein ganz genau definiertes Spezialwissen anbieten können. Oder es gibt Zertifizierungen und Bescheinigungen, die man vorweisen muss. Man nennt dies „Marktbarrieren“, die verhindern, dass jeder ohne Weiteres als Anbieter auftreten kann. Wenn Sie jedoch feststellen, dass die potenziellen Kunden grundsätzlich mit Freiberuflern zusammenarbeiten und es keine unüberwindbaren Marktbarrieren gibt, können Sie sich den Schritt in die Freiberuflichkeit zutrauen. Das oben geschilderte Verfahren hat einen wesentlichen Nachteil: Es ist nicht innovativ. Wenn Sie tun, was andere auch tun, und sich dabei nicht allzu ungeschickt anstellen, werden Sie vermutlich Ihr Auskommen als Freiberufler finden. Aber Ihre Kunden werden nicht „Hurra“ rufen, weil Sie das Angebot des x-ten Freiberuflers auf den Tisch bekommen. Die innovative Vorgehensweise ist deshalb ein Konzept, das ein Problem löst, dass Ihre Kunden haben – und für die es noch keine Lösung gibt. Marktchancen prüfen Wichtig: Beobachtung und Gespräche Innovation Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 23 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 22 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?22 Beispiel für ein innovatives Konzept Markus Müller ist Redakteur bei einer Tageszeitung. In seinem Arbeitsalltag stellt er fest, dass immer wieder die gleichen Texte und Bilder nicht nur über die Tageszeitung, sondern auch für den Internetauftritt, für die PDF-Ausgabe, für die App und für das Archiv aufbereitet werden müssen. Das ist für die Redaktionen ein großer Aufwand und verlangt sowohl gute Kenntnisse im Umgang mit unterschiedlichen Softwares für Bild- und Videobearbeitung als auch Kenntnisse in den einzelnen Ausgabeformaten (PDF, App usw.). Gleichzeitig muss der Text immer wieder angepasst werden. Das Problem für die Tageszeitungen: Die fest angestellten Redakteure haben dafür weder die Zeit noch sind sie entsprechend ausgebildet. Als sich Markus Müller selbstständig macht, bietet er den Tageszeitungen an, diese Aufgaben als Freiberufler zu übernehmen. Man ist begeistert – die Redakteure können sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren und die aufwendigen und lästigen Aufgaben an Markus Müller delegieren. Lesen Sie hierzu auch das Kapitel 2.2 zum Thema Businessplan. Dem Beispiel können Sie leicht entnehmen, was die Voraussetzung für ein innovatives Konzept ist: Es löst in der Regel ein Problem, das für die Kunden relativ neu ist und das sich auch immer wieder ändert. So ist es für sie attraktiv, einen Freiberufler zu beschäftigen, der die notwendigen Kompetenzen hat, flexibel einsetzbar und zuverlässig ist. Ist das Problem dagegen schon älter, können Sie davon ausgehen, dass Ihre potenziellen Kunden schon eine Lösung gefunden haben. Was Sie aus dem Beispiel auch lernen können, ist der große Vorteil, wenn Sie mit einem klaren Konzept in die Freiberuflichkeit gehen. Markus Müller hatte nicht im Kopf, „als Journalist“ arbeiten zu wollen. Vielmehr hatte er klare Vorstellungen davon, was er anbieten will und wer seine Kunden sein könnten. Klares Konzept – und dennoch flexibel bleiben Im Beispiel von Markus Müller ist das Konzept wunderbar aufgegangen – alles hat gepasst. In Wirklichkeit kommt es häufig dazu, dass das Konzept der Realität angepasst werden muss. So hätte er vielleicht feststellen können, dass es schon große Agenturen gibt, die die von ihm angebotene Dienstleistung übernehmen. Dann müsste er diese Agenturen – und nicht die Tageszeitungen direkt – als Kunden gewinnen. Oder die Tageszeitungen haben nicht in den Redaktionen, aber in der Produktion Ressourcen aufgebaut, die die Aufgaben übernehmen. Hier ist dann die Frage, ob Markus Müller mit seinem nicht-technischen Profil passt – oder sein Angebot mehr auf die redaktionelle Ebene verschieben muss (indem er zum Beispiel spezielle Inhalte für jede Technologie anbietet). Es gilt also bei aller Klarheit, immer auch flexibel zu bleiben und nicht auf einem einmal ausgearbeiteten Konzept zu beharren, sondern auch links und rechts des Wegesrandes zu schauen, was die Kunden vielleicht auch noch benötigen könnten. Was den Erfolg bringt, ist in der Regel die Mischung aus bekannt und innovativ: Bieten Sie Teilleistungen an, die auch schon von anderen Freiberuflern angeboten werden – damit entgehen Sie der Gefahr, komplett am Markt vorbei anzubieten. Andere Teilleistungen sind dagegen neu, Von Mitbewerbern abheben Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 23 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 22 1.5 Finanz-Check: Wird das Geld reichen? 23 interessant und nützlich. Nicht selten bringt Ihnen diese Mischung Aufträge für herkömmliche Leistungen, die auch viele andere Freiberufler schon anbieten – einfach aus dem Grund, weil Sie sich mit den anderen innovativen Teilleistungen interessant gemacht und von den Wettbewerbern abgehoben haben. 1.5 Finanz-Check: Wird das Geld reichen? Eine einfache Wahrheit beim Start in die Selbstständigkeit ist: Gründen kostet Geld. Zum Glück sind bei den meisten Freiberuflern die notwendigen Investitionen in die Erstausstattung nicht besonders hoch. Allerdings gilt es einzukalkulieren, dass man im ersten Jahr vielleicht noch nicht von den Einnahmen leben kann. Und schließlich benötigen Sie auch noch einen Puffer für alle Eventualitäten – Sie wissen nie, ob Sie nicht vorübergehend arbeitsunfähig werden, Kunden nicht bezahlen oder andere Schicksalsschläge Einkommensverluste bringen. Überschlagen Sie also einmal Ihren Finanzbedarf: Finanz-Check: Startkosten eines freiberuflichen Programmierers Investition/Kosten Betrag in Euro Kombigerät Drucker/Fax/Scanner 200,00 PC 1.000,00 Laptop 800,00 Sicherheitsfestplatte 100,00 Software 2.000,00 Internetzugang (Einrichtungsgebühren) 100,00 Smartphone (2-Jahres-Vertrag, günstige Anschaffung) 90,00 Büromöbel (Schreibtisch, Büroschränke, Lampen) 800,00 Summe 5.090,00 Die genannten Summen sind natürlich nur Annäherungen, die im Einzelfall abweichen können. So sind die Kosten für Softwareanschaffungen für Programmierer relativ hoch. Dafür reicht aber auch eine Büroausstattung von IKEA, da diese Tätigkeit kaum Kundenverkehr mit sich bringt. Bei Anwälten dagegen ist die benötigte Software überschaubar – dafür muss ein repräsentatives Büro sein. Listen Sie auf, was Sie für Ihren individuellen Start benötigen, und recherchieren Sie Angebote im Internet und in Fachgeschäften. Denken Sie auch an Kautionen, die zwar keine Kosten sind, aber dennoch Ihre Liquidität empfindlich schmälern können. Nicht Startkosten Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 25 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 24 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?24 selten „verschwinden“ auf diese Weise zwei oder drei Kaltmieten bei der Miete eines Büros. Sponsoring gefällig? Die Bereitschaft Ihres Umfeldes, sich an Investitionskosten zu Ihrer Freiberuflichkeit zu beteiligen, ist am Anfang meist am höchsten. Zeigen Sie deshalb Ihre Aufstellung der Investitionskosten – vielleicht findet sich dann die Oma, die die Büromöbel sponsert, oder die Eltern besorgen den Laptop. Damit schonen Sie Ihre „Kriegskasse“ für die Aufgaben, die nach dem Start ja erst noch kommen: Kunden finden, Aufträge abarbeiten und vor allem auch abrechnen. Nach dem Start stellt sich die Frage: Was sind Ihre laufenden Kosten? Zunächst sind hier die Betriebskosten, also die Kosten für die Aufrechterhaltung Ihrer freiberuflichen Tätigkeit gemeint. Hinzu kommen noch die Kosten für Ihren Lebensunterhalt. Diese rechnen Sie in die Kosten mit einem Gehalt, dass Sie sich selbst bezahlen, ein. Finanz-Check: Monatliche Kosten (Teil 1) Monatliche Kosten Betrag in Euro Büromiete mit Heizkosten und Strom 500,00 Fahrtkosten 200,00 Kosten für Smartphone 45,00 Internetzugang 30,00 Abschreibungen 400,00 Eigenes Gehalt (inklusive Sozialversicherungen) 2.000,00 Zinsen und Kontogebühren 80,00 Summe 3.255,00 Die schlechte Nachricht in diesem Beispiel ist also, dass Sie jeden Monat 3.255 Euro verdienen müssen, um über die Runden zu kommen. Die gute Nachricht: Das stimmt gar nicht, denn es gibt Stellschrauben, an denen Sie Ihre monatlichen Kosten herunterdrehen können. So ist der mit Abstand größte „Batzen“ Ihr eigenes Gehalt, das Sie verdienen möchten. Vielleicht aber leben Sie im ersten Jahr von Reserven und verzichten auf das Gehalt? Dann sind es plötzlich nur noch 1.255 Euro, die Sie monatlich benötigen. Auch die Abschreibungen können Sie im ersten Jahr vergessen, denn diese fallen ja erst dann an, wenn die abgeschriebenen Vermögensgegenstände neu angeschafft werden müssen. Durch die Wahl eines günstigen Büros (oder gar durch die Arbeit vom heimischen Arbeitszimmer aus) oder den Verzicht auf ein (an sich sehr sinnvolles!) Smartphone können Sie weiter sparen. Am Ende Ihrer Berechnungen stehen nur zwei Zahlen: Laufende Kosten Sparmöglichkeiten Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 25 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 24 1.6 Unter dem Strich: Chancen und Risiken 25 Finanz-Check: Monatliche Kosten (Teil 2) Betrag in Euro Die wirklichen Kosten Die benötigte monatliche Liquidität im ersten Jahr Was ist der Unterschied zwischen den beiden Zahlen? Die wirklichen Kosten sind die, die im ersten Jahr tatsächlich durchschnittlich jeden Monat anfallen. Aber diese führen nicht schon im ersten Jahr zu Ausgaben. Nehmen Sie das Beispiel der Abschreibungen: Nach drei Jahren benötigen Sie unter Umständen einen neuen PC, d. h. der alte PC, der 1.000 Euro gekostet hat, wird mit jährlich 333,33 Euro entwertet. Führt das aber schon zu Zahlungen? Nein, erst am Ende des dritten Jahres, wenn Sie einen neuen PC kaufen müssen – dann allerdings addiert auf 1.000 Euro. Auch wenn Sie zunächst von zu Hause aus arbeiten und sich die Büromiete sparen, gehen Sie nicht unbedingt davon aus, dass dies ein Dauerzustand ist. Irgendwann werden Sie sich ein Büro nehmen – und die Kosten kommen dann hinzu. Und auch Ihr eigenes Einkommen werden Sie langfristig nicht so niedrig halten wollen, sondern früher oder später steigern. Lesen Sie hierzu auch Kapitel 7.1 zur Liquiditätsplanung. Mit anderen Worten: Die wirklichen Kosten zeigen Ihnen, wie viel Ihr Geschäft mittel- und langfristig mindestens abwerfen muss, damit Sie vernünftig wirtschaften können. Kurzfristig – im ersten, meist schwierigen Jahr – können Sie sich jedoch über Wasser halten, indem Sie die benötigte monatliche Liquidität erwirtschaften. Was ist eigentlich eine Abschreibung? Eine Abschreibung misst den Wertverlust eines Vermögensgegenstandes. Läuft (wie im Beispiel oben vorgerechnet) der PC voraussichtlich drei Jahre, ist der Wertverlust jährlich mit einem Drittel anzusetzen. Diesen können Sie auch steuerlich geltend machen. Dazu gibt es unterschiedliche (lineare oder degressive) Verfahren, die Ihren Gewinn mindern und damit helfen, Steuern zu sparen. 1.6 Unter dem Strich: Chancen und Risiken Sie werden es schon gemerkt haben: Es gibt wenige „harte“, wirklich berechenbare Kriterien, mit denen Sie die Frage „Freiberufler – ja oder nein?“ wirklich abschließend beantworten können. Aber Sie können sich noch einmal vor Augen führen, welche Chancen und welche Risiken bestehen – und dann entscheiden. Denn es gilt das eingangs geschriebene Zitat von Erich Kästner: „Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es.“ Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 27 Verlag Franz Vahlen PRAXIS Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler, Hersteller: Frau Hilgendorff Stand: 05.03.2012 Status: Druckdaten Seite 26 1 Vor dem Start: Will ich oder will ich nicht?26 Bei der Risikoabwägung werden Sie bemerken, dass Risiko und Chance oft zwei Seiten derselben Medaille sind. Wenn Sie also noch unschlüssig sind, nutzen Sie das folgende Formular und kreuzen Sie zu jedem Thema „Chance“ oder „Risiko“ an. Zum Schluss sehen Sie an der Verteilung der Kreuze, zu welcher Seite Sie tendieren. Chancen und Risiken einer freiberuflichen Tätigkeit Thema Chance Risiko Verdienst: Vielleicht verdienen Sie mehr als vorher in einer Festanstellung. Oder werden Sie dauerhaft weniger verdienen? Gesundheit: Vielleicht werden Sie gesünder, weil Sie Ihre Zeit und Ihre Belastung besser steuern können. Vielleicht aber ist der Stress so groß, dass Sie erst recht krank werden? Sicherheit: Wenn Sie gut verdienen, können Sie Rücklagen bilden, was allemal sicherer als eine gesetzliche Rente ist. Wenn nicht, kann es bei Krankheit oder im Rentenfall schwierig werden. Freiheit: Sie können Ihre Zeit freier einteilen und Ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Aber vielleicht verlieren Sie auch alle Freiheiten, weil Sie für Ihre Kunden rund um die Uhr da sein müssen und keine freie Minute mehr haben. Privatleben: Vielleicht können Sie durch die freiere Zeiteinteilung mehr für Ihre Beziehung, Ihre Familie und Ihre Freunde da sein. Aber vielleicht werden Sie durch die viele Arbeit auch zeitlich noch mehr als früher eingeengt und haben weniger Zeit für die Menschen (und auch Interessen und Hobbys) als vorher. Nun, wohin tendieren Ihre Kreuze? Sehen Sie mehr Risiken als Chancen? Dann sind Sie vielleicht nicht bereit für eine Freiberuflichkeit. Wenn die Chancen überwiegen, tun Sie mit dem Schritt in die Selbstständigkeit vermutlich das Richtige.

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Wie Freiberufler erfolgreich Durchstarten.

Buttenmüller/Kilian, Durchstarten als Freiberufler

2012.

ISBN 978-3-8006-4245-8

Freiberuflich – darauf kommt es an

Dieser Ratgeber bietet eine Fülle an nützlichen Informationen, Tipps und Tricks zu allen wichtigen Themen eines Freiberuflers, so z.B. zu Werbung, Kundengewinnung, Auftragskalkulation, Steuern und Verträgen. Darüber hinaus werden praktische Anwendungen wie e-Büro, Dashboard sowie die Grundregeln des Suchmaschinenmarketing und Blogging erklärt. Damit können Freiberufler mit wenig Aufwand große Erfolge erzielen.

Experten Know-how für Freiberufler

Neben den eigenen Erfahrungen der Autoren bringen auch »gestandene« Freiberufler und Experten ihr Wissen mit ein. Zahlreiche persönliche Erfahrungsberichte machen das Buch zu einer spannenden Lektüre.