1 Einführung in:

Karl-Heinz Moritz

Geldtheorie und Geldpolitik, page 25 - 27

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4234-2, ISBN online: 978-3-8006-4235-9, https://doi.org/10.15358/9783800642359_25

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Moritz – Geldtheorie und Geldpolitik, 3. Auflage Herstellung: Frau Hilgendorff Status: Druckdaten Stand: 19.04.12 Seite: 1 1 Einführung Das primäre Ziel der Europäischen Zentralbank wird in Art. 127 Abs. 1 AEU- Vertrag1 definiert. Demnach trägt die Europäische Zentralbank die Verantwortung für die Preisniveaustabilität in der Europäischen Währungsunion. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das Europäische System der Zentralbanken (ESZB) die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union. Zunächst stellt sich die Frage, ob mit Hilfe geldpolitischer Maßnahmen die im AEU-Vertrag formulierten Ziele erreicht werden können. Preisniveau und Produktion werden auf den Gütermärkten festgelegt. Da die Geldpolitik nicht unmittelbar auf den Gütermarkt einwirken kann, ist sie auch nicht in der Lage, die Produktion und das Preisniveau direkt zu steu ern. Sie kann diese Ziele daher nur indirekt steuern. Den Weg, auf dem ein monetärer Impuls auf den Gütermarkt einwirkt, nennt man Transmissionsme chanismus. Eine Übertragung kann z. B. über eine Zinsänderung oder über eine Veränderung der relativen Vermögenspreise erfolgen. Ihren Einfluss auf diese Größen kann die Europäische Zentralbank nutzen, um auf die Güternachfrage einzuwirken. Am Geldmarkt treffen Geldangebot und Geldnachfrage aufeinander. Für die Beeinflussung des Geldmarktes werden Informationen über jene Größen benötigt, welche die Geldnachfrage und das Geldangebot determinieren. Mit Hilfe ihrer Instru mente kann die Europäische Zentralbank versuchen, Einfluss auf das Geldangebot zu nehmen. Allerdings kann sie das Geldangebot nicht autonom festsetzen, da auch die Geschäftsbanken mit ihren Dispositionen wesentlich am Geldschöpfungsprozess beteiligt sind. Durch die Schaffung von Sichteinlagen ist den Geschäftsbanken die Möglichkeit zur eigenständigen Geldschöpfung gegeben. Das Ausmaß des Geldschöpfungspotenzials der Geschäftsbanken hängt zum einen vom Niveau der von der Zentral bank geschaffenen monetären Basis und zum anderen vom Niveau des Geldschöpfungsmultiplikators ab. Dieser gibt an, wie viele Sichteinlagen mit ei ner Einheit der monetären Basis geschaffen werden können. Mit Hilfe der Min destreserve-, Offenmarkt- und Refinanzierungspolitik kann die Europäische Zentralbank versu chen, auf die monetäre Basis und den Geldschöpfungsmultiplikator einzu wirken. 1 Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union, ex-Artikel 105 EGV: (1) Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden „ESZB“) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen. Das ESZB handelt im Einklang mit dem Grundsatz einer offenen Marktwirtschaft mit freiem Wettbewerb, wodurch ein effizienter Einsatz der Ressourcen gefördert wird, und hält sich dabei an die in Artikel 119 genannten Grundsätze. 1 Einführung 1 Einführung Vahlens Kurzlehrbücher – Moritz – Geldtheorie und Geldpolitik, 3. Auflage Herstellung: Frau Hilgendorff Status: Druckdaten Stand: 19.04.12 Seite: 2 Vahlens Kurzlehrbücher – Moritz – Geldtheorie und Geldpolitik, 3. Auflage Herstellung: Frau Hilgendorff Status: Druckdaten Stand: 19.04.12 Seite: 3 1 Einführung2 Schließlich stellt sich die Frage nach der adäquaten geldpolitischen Strategie einer Zentralbank. Unter einer geldpolitischen Strategie versteht man dabei das längerfristige Verfahren, nach dem über den Instrumenteneinsatz zur Verfolgung geldpolitischer Ziele entschieden wird.2 Mit dieser Beschreibung der Beziehungen zwischen Beschäftigung, Preisniveau und Geldpo litik ist gleichzeitig ein Überblick über die Inhalte in diesem Lehrbuch gegeben. Aus didaktischen Gründen erfolgt die Abhandlung der Themen in umge kehrter Reihenfolge der beschriebenen Kausalitäten. Als Leitfaden der einzelnen Kapitel sollen folgende Fragen dienen: • Welche Erscheinungsformen des Geldes gibt es? Welche Funktionen nimmt das Geld in einer Volkswirtschaft ein? Wodurch unterscheiden sich Währungssysteme? (Kapitel 2) • Warum halten Wirtschaftssubjekte Geld? Wie beeinflussen Zinssätze, Einkommen, Preisniveau und Zahlungsgewohnheiten die Geldnachfrage? (Kapitel 3) • Wodurch sind Finanzmärkte gekennzeichnet? Welche Aufgaben haben Finanzintermediäre? In welche Segmente lässt sich der Geldmarkt einteilen? (Kapitel 4) 2 Vgl. Issing (1996), S. 254. Preisniveau Einkommen Zahlungs-gewohnheiten Geldnachfrage Offenmarktpolitik Refinanzierungspolitik Zentralbankgeld Geldangebot Mindestre-servepolitik Geldmarkt Zinsniveau Güternachfrage Produktivität Faktorpreise Faktorbestände Güterangebot Gütermarkt Produktion Beschäftigung Preisniveau Abbildung 1.1: Zusammenhang zwischen realem und monetärem Sektor Vahlens Kurzlehrbücher – Moritz – Geldtheorie und Geldpolitik, 3. Auflage Herstellung: Frau Hilgendorff Status: Druckdaten Stand: 19.04.12 Seite: 2 Vahlens Kurzlehrbücher – Moritz – Geldtheorie und Geldpolitik, 3. Auflage Herstellung: Frau Hilgendorff Status: Druckdaten Stand: 19.04.12 Seite: 3 1 Einführung 3 • Wie kann man die volkswirtschaftlich relevante Geldmenge abgrenzen? Wie entsteht Geld? Können die Geschäftsbanken unbegrenzt Geld schöpfen? Was versteht man unter der monetären Basis? Durch welche Vorgänge verändert sich die monetäre Basis? Kann die Zentralbank die monetäre Basis steuern? (Kapitel 5) • Welcher Zusammenhang besteht zwischen der monetären Basis und der Geldmenge? (Kapitel 6) • Wodurch werden Zinsniveau und Zinsstruktur bestimmt? Welche Auswirkung hat eine Veränderung der Refinanzierungszinsen auf die Zinsen am Bankenkreditmarkt? (Kapitel 7) • Unter welchen Voraussetzungen funktionieren die Selbstheilungskräfte in einer Volkswirtschaft? Welchen Beitrag kann die Geldpolitik bei einer Störung der Selbstheilungskräfte leisten? (Kapitel 8) • Welcher Zusammenhang besteht zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit? Welche Probleme entstehen bei einer Rückführung der Inflationsrate? (Kapitel 9) • Welche volkswirtschaftlichen Kosten entstehen durch Inflation? Entstehen auch bei einer vollständig antizipierten Inflation volkswirtschaftliche Kosten? Welcher Zusammenhang besteht zwischen Staatseinnahmen und Inflation? (Kapitel 10) • Wie übertragen sich monetäre Impulse auf reale Größen? (Kapitel 11) • Sollte man versuchen, konjunkturelle Ausschläge mit Hilfe der Geldpolitik zu bekämpfen oder sollte sich die Geldpolitik an dem langfristigen Wirtschaftswachstum orientieren? (Kapitel 12) • Sollte sich die Geldpolitik bei der Verfolgung ihres finalen Ziels an Zwischenzielen orientieren und wenn ja, welche Zwischenziele kommen in Frage? Sollte eine Zentralbank die Geldbasis oder die Zinsbasis steuern? (Kapitel 13) • Welche Gründe sprechen für und welche Gründe gegen eine Unab hängigkeit der Zen tralbank? Wie ist die Europäische Zentralbank institutionell konzipiert? Ist die Europäische Zentralbank politisch unabhängig? (Kapitel 14) • Über welche Instrumente zur Steuerung der Geldmenge verfügt die Europäische Zentralbank? (Kapitel 15) • Welche geldpolitische Strategie verfolgt die Europäische Zentralbank? (Kapitel 16) • Was sind die Ursachen der Finanzmarkt- und der Staatsschuldenkrise? Wie haben die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger auf diese Krisen reagiert? (Kapitel 17 bzw. Kapitel 18)

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Zusammenhänge der Geldpolitik.

Moritz, Geldtheorie und Geldpolitik

3. Auflage. 2012.

ISBN 978-3-8006-4234-2

Geldpolitik komplett

Dieses Lehrbuch vermittelt die Grundkenntnisse der Geldtheorie und Geldpolitik anhand von konkreten Beispielen und den aktuellen geldpolitischen Entwicklungen. Die Übungsfragen am Kapitelende sorgen für einen höheren Lernerfolg.

Besonders aktuell: Geldpolitik

Die 3. Auflage berücksichtigt die aktuellen Entwicklungen der Europäischen Währungsunion und stellt die geld-politischen Zusammenhänge praktisch dar.

Besonders interessant

für Studenten der Wirtschaftswissenschaften an Universitäten, Fachhochschulen und Berufsakademien.