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Hans-Georg Kemper, Burkhard Pedell, Henry Schäfer, Einführung in:

Hans-Georg Kemper, Burkhard Pedell, Henry Schäfer (Ed.)

Management vernetzter Produktionssysteme, page 13 - 18

Innovation, Nachhaltigkeit und Risikomanagement

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4224-3, ISBN online: 978-3-8006-4225-0, https://doi.org/10.15358/9783800642250_13

Bibliographic information
Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 1 Einführung Hans-Georg Kemper, Burkhard Pedell, Henry Schäfer Die Zielsetzung des vorliegenden Buchs zumManagement vernetzter Produktionssysteme besteht darin, die durch die zunehmende Vernetzung deutlich gestiegenen Anforderungen an moderne Produktionssysteme aus verschiedenen Managementperspektiven zu analysieren und Lösungskonzepte für die verschiedenenManagementbereiche zu entwickeln. Eckpfeiler für das Themenfeld bilden die drei Kernpunkte Innovation, Nachhaltigkeit und Risikomanagement. Sie stellen die zentralen Herausforderungen an das Management vernetzter Produktionssysteme dar und kommen in sämtlichen betriebswirtschaftlichen Funktionsbereichen zum Tragen. Innovation bedeutet dabei nicht nur eine grundlegende Neuausrichtung von Produkten und produktbegleitenden Dienstleistungen, sondern insbesondere auch die Wandlungsfähigkeit von gesamten vernetzten Produktionssystemen. Dazu gehören sowohl die Anpassung an tiefgreifende Entwicklungstrends – wie Globalisierung, Urbanisierung, Vernetzung und Individualisierung sowie demographische Entwicklungen – als auch die stärkere Berücksichtigung des Umweltschutzes. Nachhaltigkeit geht über ökologische Aspekte hinaus und umfasst somit auch die selbstkritische Reflektion der Rolle des eigenen Unternehmens in einem Produktionsnetzwerk – etwa bei Fragen der Corporate Social Responsibility – sowie die Sicherung der Widerstands- und Überlebensfähigkeit des Unternehmens auch in turbulenten Umfeldern. Um Unternehmen in diesem Sinne resilient zu machen, ist neben der Führung und dem Management unternehmerischen Wandels insbesondere auch ein adäquat aufgestelltes Risikomanagement erforderlich. Dieses sollte so integriert sein, dass die wesentlichen Risikointerdependenzen im Unternehmen sowie in vernetzten Produktionssystemen transparent werden und gesteuert werden können. Diese Themen spiegeln sich auch in dem in Abb. 1 dargestellten Bezugsrahmen für das Management vernetzter Produktionssysteme wider, den das Betriebswirtschaftliche Institut der Universität Stuttgart entwickelt hat. Dieses Modell findet insbesondere auch als Bezugsrahmen für die betriebswirtschaftlichen Forschungsbeiträge an der interdisziplinären Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering (GSaME) an der Universität Stuttgart Verwendung. Die enge Zusammenarbeit mit den Ingenieurwissenschaften und die Beschäftigung mit entsprechenden Schnittstellenthemen kann am Betriebswirtschaftlichen Institut der Universität Stuttgart bereits auf eine lange Tradition zurückblicken. Insbesondere ist daraus auch das Stuttgarter Unternehmensmodell Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 2 2 Einführung entstanden, in demwandlungsfähige Produktionsstrukturen und entsprechende Führungssysteme abgebildet werden.1 Das vorliegende Buch setzt diese Tradition fort und beleuchtet das Management vernetzter Produktionssysteme aus den folgenden Perspektiven, nach denen auch das Buch strukturiert ist: Strategien in Produktionsnetzwerken, Optimierung des Produktionsverbunds, Innovation und Dienstleistungen sowie Risiko- und Resilienzmanagement. 1 Vgl.Westkämper, Engelbert/Zahn, Erich (2009), Wandlungsfähige Produktionsunternehmen: Das Stuttgarter Unternehmensmodell, Berlin. Produktionslogistik Produktionscontrolling Produktionsstrategie Produktionsorganisation Produktionsintegrationsmanagement Produktionsrisikomanagement Produktionssoftwaresysteme W an dl un gs fä hi gk eit Nachhaltigkeit Vernetzung Abb. 1: Bezugsrahmen für das Management vernetzter Produktionssysteme Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 3 Einführung 3 Strategien in Produktionsnetzwerken Erich Zahn zeigt in seinem Beitrag zunächst potentielle Wettbewerbsvorteile globaler Produktionsnetzwerke auf. Anschließend diskutiert er Voraussetzungen, die für die Realisierung dieser Wettbewerbsvorteile gegeben sein müssen, insbesondere hinsichtlich der Konfiguration globaler Produktionsnetzwerke auf Basis einer schlüssigen Globalisierungsstrategie sowie hinsichtlich der Entwicklung der dafür erforderlichen Managementfähigkeiten. Michael Reiss gibt einen Überblick über die vielfach vernachlässigten Geschäftsbeziehungen zu Komplementoren und Konkurrenten in vernetzten Produktionssystemen und arbeitet Ansatzpunkte für die Gestaltung dieser anspruchsvollen Beziehungen heraus. Abschließend geht er auf hybride Mischungen aus Kooperation und Konkurrenz in Value Nets ein. Unternehmen werden immer öfter hinsichtlich ihres Umgangs mit sozialen, ökologischen und Governance-Fragen von externen Rating-Organisationen beurteilt. Friederike Neugebauer und Bernhard Schwager sehen in solchen Ratings ein Chancenpotenzial für die Unternehmen selbst, um Stärken und Schwächen ihrer eigenen Nachhaltigkeit festzustellen. Am Beispiel der Robert BoschGmbH stellen sie ein entsprechendes Analysekonzept vor. Karl-Friedrich Ackermann zeigt auf, dass dieWandlungsfähigkeit vernetzter Unternehmen auch im Personalmanagement ihren Stellenwert hat. Kooperationen mit externen Dienstleister-Netzwerken, zwischenbetriebliche Personaltransfers in tarifvertraglich geregelten Netzwerken sowie zwischenbetriebliche Personalinnovations-Netzwerke mit Public-Private-Partnerships werden zu diesem Zweck in seinem Beitrag vorgestellt. Optimierung des Produktionsverbunds Mathias Kammüller zeigt anschaulich die Prinzipien der Organisation und Steuerung des Produktionsverbunds von TRUMPF auf. Die Wirkungsweise des synchronen Produktionssystems von TRUMPFwird sowohl für direkte als auch für indirekte Bereiche erläutert. Erfolgsfaktoren für das erforderliche Veränderungsmanagement werden identifiziert. Die Einbindung von Kontraktlogistikdienstleistern in vernetzte Produktionssysteme mit einer Vielzahl beteiligter Unternehmen, die jeweils unterschiedliche Erwartungen und Ansprüche an den Dienstleister stellen, stehen im Zentrum des Beitrags von Rudolf O. Large, Michael Drodofsky und Katrin Kenner. Drei Thesen zu den Besonderheiten der Kontraktlogistik in vernetzten Produktionssystemen sollen die wissenschaftliche Diskussion in diesem relativ neuen Forschungsfeld anregen und interessierten Praktikern eine erste Orientierung geben. Hartmut Berthel widmet sich in seinem Beitrag dem Produktlebenszyklus auf der Basis der bei der Firma Festo gemachten Erfahrungen. Hierbei spannt er im Rahmen seiner prägnanten Konzeptentwicklung einen Bogen von der frühen Phase der Produktplanung über die Produktionsprozessplanung und Produktion bis hin zur kontinuierlichen Verbesserung der Prozesskette. Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 4 4 Einführung Im Mittelpunkt des Beitrags von Hans-Georg Kemper, Henning Baars und Heiner Lasi stehen Business-Intelligence-Ansätze (BI-Ansätze) zur IT-basierten Entscheidungsunterstützung operativer Produktionsprozesse. Für diese Zwecke entwickelt das Autorenteam der Universität Stuttgart eine BI- Rahmenarchitektur, die maßgebliche Datenquellen der Digitalen Fabrik einbindet. Innovation und Dienstleistungen Thilo-C. Beck von SiemensHealthcare widmet sich in seinen Ausführungen den Anforderungen an die Gestaltung einer leistungsfähigen Aufbauorganisation für Industrielle Servicegeschäfte. In diesem Kontext diskutiert er intensiv relevante Strategie-Struktur-Optionen, die er gezielt an den Praktiken seines Hauses spiegelt und plastisch erläutert. Smarte Produktionssysteme stehen im Fokus des Beitrags von Lothar Ritter aus dem Hause IBM. Der Verfasser beschäftigt sich hierbei intensiv mit Fragestellungen, welche künftige Bedeutung leistungsfähige Service-Management- Konzepte in diesem Kontext einnehmen werden und mit welchem Vorgehen Unternehmen sich den Herausforderungen erfolgreich stellen können. Georg Herzwurm,Martin Mikusz und Norman Pelzl von der Universität Stuttgart beschäftigen sich in ihrem Beitrag mit der strategischen Bedeutung produktionsnaher E-Services. Hierbei diskutieren sie insbesondere die innovative Umsetzung dieser Services auf der Basis des Cloud Computing und akzentuieren hierbei die Perspektiven „Value Proposition“, „Architektur derWertschöpfung“ und „Ertragsmodell“. Wolfgang Burr und Tim Moog arbeiten in ihrer empirischen Fallstudie mit IBM Global Services und T-Systems heraus, dass Dienstleistungsinnovationen primär auf individuellemWissen der Mitarbeiter beruhen. Bei Dienstleistungsinnovationen hat das kollektive Wissen des gesamten Unternehmens nur sekundäre Bedeutung. Nicht-innovative Dienstleistungen mit hohem Standardisierungsgrad stützen sich hingegen primär auf das kollektiveWissen des Unternehmens. Risiko- und Resilienzmanagement Die zentrale Rolle des Risikomanagements und speziell von Frühwarnindikatoren für eine effiziente Kooperation in Produktionsnetzwerken beleuchten Péter Horváth, Ben Meyer-Schwickerath und Mischa Seiter in ihrem Beitrag. Sie diskutieren dabei systematisch und anhand von konkreten Beispielen die Identifikation, Beurteilung sowie Steuerung und Überwachung von Risiken in Produktionsnetzwerken. Henry Schäfer und Sebastian Baumannwidmen sich den immer stärker integrierendenWertschöpfungsnetzwerken in der Automobilindustrie. ImMittelpunkt stehen in ihrem Beitrag die dabei auftretenden Verhaltensrisiken unter den Beteiligten. Zum Management der daraus möglichen Gefährdungspotenziale werden Erkenntnisse aus der Projektfinanzierung adaptiert und weiterentwickelt. Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 5 Einführung 5 Burkhard Pedell und Thorsten Pflüger zeigen zunächst Ansatzpunkte und Instrumente eines intelligenten, unternehmensübergreifenden Kostenmanagements auf und gehen dabei u.a. auf den Austausch von Kosteninformationen ein. Anschließend diskutieren sie, wie Unternehmen durch Resilienzmanagement widerstandsfähig gegenüber unerwarteten Ereignissen und Entwicklungen gemacht werden können und welche Verknüpfungen mit dem Kostenmanagement hergestellt werden können. Wir hoffen, das vorliegende Buch kann einen Beitrag dazu leisten, leistungsfähige betriebswirtschaftliche Konzepte für die vernetzten, wandlungsfähigen und nachhaltigen Produktionssysteme von morgen zu entwickeln. Kemper/Pedell/Schäfer – Management vernetzter Produktionssysteme – Allg. Reihe – Herst. Frau Deuringer – Stand: 10.10.11 – Imprimatur – Seite 7 Teil I Strategien in Produktionsnetzwerken

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Die Erfolgsfaktoren vernetzter Produktionssysteme.

Die globale Vernetzung

von Produktionssystemen eröffnet einerseits große Chancen, andererseits aber auch erhebliche Risiken dadurch, dass hochinterdependente und verschlankte Lieferketten anfälliger gegen Störungen werden. So z.B. die Lieferengpässe, die in der Folge des Erdbebens in Japan am 11. März 2011 weltweit in unterschiedlichen Branchen auftraten.

Produktionssysteme: Erfolgsfaktoren erkennen

Dieses Werk beleuchtet detailliert und praxisnah das Management von vernetzten Produktionssystemen aus verschiedenen betriebswirtschaftlichen Blickwinkeln und zeigt die Erfolgsfaktoren auf. Im Mittelpunkt stehen

* Strategien in Produktionsnetzwerken,

* Optimierung des Produktionsverbundes,

* Innovation und Dienstleistungen,

* Risiko- und Resilienzmanagement.

Erfahrene Experten zu vernetzten Produktionssysteme

Herausgegeben von Prof. Dr. Hans-Georg Kemper, Inhaber des Lehrstuhls für Informationsmanagement, Prof. Dr. Burkhard Pedell, Inhaber des Lehrstuhls für Controlling, und Prof. Dr. Henry Schäfer, Inhaber des Lehrstuhls für Finanzwirtschaft an der Universität in Stuttgart.