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1.1 Die ewige Renaissance des Risikomanagements in:

Marc Diederichs

Risikomanagement und Risikocontrolling, page 22 - 23

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4222-9, ISBN online: 978-3-8006-4223-6, https://doi.org/10.15358/9783800642236_22

Series: Finance Competence

Bibliographic information
1. Einleitung 1.1 Die ewige Renaissance des Risikomanagements Auch in den vergangenen Jahren haben Risikomanagement und Risikocontrolling nicht an Aktualität verloren. Noch immer leisten spektakuläre Pleiten, Unternehmensschieflagen sowie Skandale und nicht zuletzt die einschneidende Finanz- und Wirtschaftskrise der Auseinandersetzung mit dem Thema (wieder einmal) Vorschub. Sicherlich sind in einigen Fällen kriminelle Energie, Machtmissbrauch und Raffgier als Gründe anzuführen, die das beste Risikomanagement nicht unterbinden kann. Ein nicht unerheblicher Teil begründet sich aber auch in einem mangelnden Risikobewusstsein, fehlender Transparenz aufgrund unzureichender Kontroll- und Informationssysteme, einer unbefriedigenden Fehlerkultur sowie dem nicht sonderlich stark ausgeprägten Willen, sich intensiv mit unternehmerischen Risiken auseinanderzusetzen. Dies verwundert sehr, wird doch die Risikosituation vieler Unternehmen durch Entwicklungen wie die Globalisierung, die Internationalisierung der Kapitalmärkte, das Technologie- und Informationszeitalter und das Bestreben nach Nachhaltigkeit komplexer. Es gehört keine größere hellseherische Begabung dazu, um festzustellen, dass sich dieser Trend auch zukünftig mit steigender Intensität fortsetzen wird. Und − als ob die Gründe nicht ausreichten − wiegt ein Aspekt besonders schwer: Seit jeher ist es die Aufgabe der Geschäftsleitung und damit eine Selbstverständlichkeit, die Existenzfähigkeit eines Unternehmens unabhängig von der Rechtsform sicherzustellen. Risikomanagement und Risikocontrolling zählen seit jeher zur Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsführers! Es bleibt zu hoffen, dass die handelnden Personen aus den Fehlern der Vergangenheit nachhaltig lernen. Denn das zu Grunde liegende Phänomen ist ja keineswegs neu: In wirtschaftlich robusten Zeiten werden – attraktive Renditen im Blick – häufig (wenn nicht immer) die Augen vor potentiellen Risiken verschlossen, die wenigen warnenden „Rufe in der Wüste“ bleiben ungehört. Verschärft sich in wirtschaftlich unruhigem Fahrwasser die Risikolage, sind viele Unternehmen nur unzureichend vorbereitet. Die Kunst besteht aber eben gerade darin, Chancen zu nutzen und gleichzeitig damit einhergehende Risiken frühzeitig zu erkennen, richtig einzuschätzen und – im Sinne eines Notfallplans – auf derartige Situationen vorbereitet zu sein. Wie heißt es so schön: Rettungsboote werden bei Schönwetter gebaut, nicht bei Sturmflut! Zudem erwarten Kapitalanleger von Unternehmenslenkern eine Strategie, die ihrem Interesse an einer Wertsteigerung ihres eingebrachten Kapitals entspricht sowie eine darauf ausgerichtete, transparente Berichterstattung. Neben der Erzielung eines unternehmerischen Erfolgs und einer damit verbundenen, angemessenen Rendite erwarten Shareholder eine Wertentwicklung ohne das Risiko signifikanter Kurseinbußen oder gar des vollständigen Verlusts. Diese Rahmenfaktoren nehmen viele Unternehmen immer mehr in die Pflicht, Kapitalanlegern eine erhöhte Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen und sich an den Anforderungen und Erwartungen der internationalen Kapitalmärkte zu orientieren. Herausra- 1. Einleitung2 gende Bedeutung haben hier Informationen über die Existenz von und den Umgang mit existenzgefährdenden – oder zumindest wesentlichen – Risiken. Ein gefühlt mangelhaftes Risikomanagement und eine unzureichende Berichterstattung schwächt das Interesse von Investoren, die infolgedessen gegebenenfalls ihr finanzielles Engagement anderweitig aus- üben. An dieser Stelle soll nicht der Eindruck erweckt werden, dass sich die gesamte Unternehmenspraxis in der jüngeren Vergangenheit der Thematik verschlossen hätte – ganz im Gegenteil: Unabhängig von Branche, Größe und Struktur haben viele Unternehmen den echten Mehrwert eines ganzheitlichen, in die bestehenden Organisationsstrukturen integrierten Risikomanagements für sich erkannt. Vorausschauende Unternehmenslenker nutzen es mehr und mehr als entscheidenden Wettbewerbsfaktor: Nur wer sich frühzeitig mit seinen unternehmerischen Risiken intensiv auseinandersetzt, ist auf jede konjunkturelle Phase vorbereitet. Sie suchen nach adäquaten Lösungen, die weit über das gesetzlich geforderte Maß und die Anforderungen der Wirtschaftsprüfer hinausgehen. Vielleicht erklärt das auch, warum Grundlagen zum Risikomanagement und Risikocontrolling nicht aus der Mode kommen und die Nachfrage nach belastbaren Standards und einer ganzheitlichen Betrachtung des Themas ungebrochen groß ist. 1.2 Zum Inhalt Im Buch wird ein geschlossenes, ganzheitliches und zukunftsfähiges Risikomanagementund Risikocontrolling-System vorgestellt. Es präsentiert Gestaltungsempfehlungen sowie in der Praxis erprobte Lösungsvorschläge und Umsetzungsmöglichkeiten, die in nahezu jeder Branche Anwendung finden können. Der Autor greift hierbei auf die langjährige Berufspraxis zu den Themen Risikomanagement und Risikocontrolling zurück, die er sowohl in international agierenden Industriekonzernen als auch im universitären Umfeld und in einem Beratungshaus hat sammeln dürfen. Das Buch umfasst im Wesentlichen folgende Punkte: • Grundlagen des Risikomanagements und Risikocontrollings sowie Abgrenzung der Begrifflichkeiten • Anforderungskatalog an das Risikomanagement und die risikoorientierte Lageberichterstattung seitens des Gesetzgebers und desWirtschaftsprüfers • Darstellung der Prozessschritte des Risikomanagements und praxiserprobter Instrumente • Anregungen zur Gestaltung einer Risikomanagement-Organisation und zum Einsatz eines Risikomanagers, eines Risikoausschusses und einer Risikomanagement-Richtlinie • Abgrenzung von Risikomanagement und interner Revision sowie Darstellung der Bestandteile der Prüfung des Risikomanagements durch die interne Revision • Empfehlungen zum Aufbau einer chancen- und risikoorientierten Berichterstattung einschließlich der Darstellung von Berichtsformaten • Risikomanagement im DAX30 • Tipps für den eiligen Praktiker

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Zusammenfassung

Risikomanagement und Risikocontrolling

Dieses Standardwerk beschäftigt sich mit Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Einrichtung und Weiterentwicklung von Risikomanagement- und Risikocontrolling-Systemen. Es bietet sowohl für den lösungssuchenden Praktiker als auch für den Wissenschaftler einen großen Fundus an wertvollem Wissen und liefert zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen sowie in der Unternehmenspraxis erprobte Lösungen und Instrumente.

Aus dem Inhalt:

- Grundlagen des Risikomanagements und Risikocontrollings

- Anforderungskatalog an das Risikomanagement und die risikoorientierte Lageberichterstattung seitens des Gesetzgebers und des Wirtschaftsprüfers

- Internes Kontrollsystem (IKS), COSO und Internes Kontroll- und Risikomanagementsystem bezogen auf den Rechnungslegungsprozess

- Prozessschritte des Risikomanagements und Vorstellung praxiserprobter Instrumente zu deren Unterstützung

- Gestaltung einer Risikomanagement-Organisation, Abgrenzung von Risikomanagement und Interner Revision sowie Anforderungen an den Risikomanager

- Empfehlungen zum Aufbau einer chancen- und risikoorientierten Berichterstattung (Balanced Chance und Risk Card)

- Risikomanagement im DAX30

Der Autor:

Dr. Marc Diederichs leitet das Konzernrisikomanagement der Aurubis AG, Hamburg. Davor war er verantwortlich für das Corporate Risk & Insurance Management der Beiersdorf AG, Hamburg. Neben seiner beruflichen Laufbahn veröffentlicht der Autor Beiträge in Fachzeitschriften und Fachbüchern, leitet Seminare und hält Vorträge zu den Themen Risikomanagement und Risikocontrolling.

"Dr. Diederichs gelingt es auf konstruktive und anschauliche Weise, die Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten des Risikomanagements sowie des Risikocontrollings herauszustellen. Er bietet damit Praktikern und Wissenschaftlern ein Standardwerk, welches durch seine anschauliche Struktur sowie seine unkomplizierte Ausdrucksweise besticht. Mit zahlreichen Abbildungen und präzisen Begriffserklärungen ist es eine verständliche Lektüre, die einen breiten Überblick über das Themenfeld liefert."

Antonia Köhler, ZfCM - Zeitschrift Controlling & Management, 6/2012, S.450

"Diederichs Ansatz des Risikomanagements und des Risikocontrollings, vor allem die hier vorgeschlagenen Aufgaben und Instrumente, können in verschiedenen Branchen angewandt werden. Selbstverständlich müssen Aufgaben und Instrumente hier entsprechend konkretisiert und angepasst werden, aber auch hierzu gibt das Buch Hinweise... Das Buch kann daher jedem empfohlen werden, der sich in Theorie und Praxis mit Risikomanagement und Risikocontrolling beschäftigt."

Peter Bömelburg, Zeitschrift Die Wirtschaftsprüfung, 15-2011, zur Vorauflage