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5.1 Ziele und Aufgaben der Risikoberichterstattung in:

Marc Diederichs

Risikomanagement und Risikocontrolling, page 183 - 184

3. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4222-9, ISBN online: 978-3-8006-4223-6, https://doi.org/10.15358/9783800642236_183

Series: Finance Competence

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5.1 Ziele und Aufgaben der Risikoberichterstattung 163 5. Risikoberichterstattung und Risikokommunikation Manager benötigen aktuelle und zuverlässige Informationen. Sie bilden die Grundlage für rationale, objektiv nachvollziehbare Entscheidungen, reduzieren das Risiko einer Fehlentscheidung und sind damit für die Existenz- und Erfolgssicherung unverzichtbar.377 Um den notwendigen Informationsfluss zu unterstützen, ist der Aufbau einer alle Unternehmensteile und -ebenen umfassenden Berichterstattung erforderlich. Hierzu gehört auch die Bereitstellung von Risikoberichten sowie von Informationen, die sich auf die Verbesserung des Risikomanagement-Systems beziehen. Ohne eine adäquate Risikoberichterstattung und die damit einhergehende Transparenz über die bestehenden Risiken können die Ziele und Aufgaben des Risikomanagements nicht erfüllt werden. Die Risikoberichterstattung ist in das bestehende Standardberichtswesen einzubinden, da die Risiken in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den darin enthaltenen Informationen stehen.378 Die Einbettung risikorelevanter Informationen gewährleistet, dass sie uneingeschränkt in die Entscheidungsfindung einfließen. Auch aus Effizienzgründen ist eine Parallelberichterstattung zu vermeiden. In der Unternehmenspraxis sind Regelungen und Kommunikationswege festzulegen, die diese Anforderungen erfüllen. 5.1 Ziele und Aufgaben der Risikoberichterstattung Allgemein gesprochen, umfasst die Risikoberichterstattung alle Einrichtungen, Mittel und Maßnahmen zur Erarbeitung, Erfassung, Weiterleitung, Verarbeitung und Speicherung risikorelevanter Informationen.379 Darin eingeschlossen ist die Erstellung, Ermittlung und Vermittlung von Informationen (in Form von Berichten) über Tatsachen, Ereignisse, Zusammenhänge und Vorgänge aus dem Unternehmen und seiner Umwelt. Das Ziel besteht darin, durch eine offene Kommunikation eine hierarchieübergreifende Transparenz über die Risikosituation im Unternehmen zu schaffen und das Risikobewusstsein zu schärfen. Die Aufgabe liegt damit in der umfassenden und kontinuierlichen Informationsversorgung sämtlicher Entscheidungsebenen hinsichtlich bestehender Risiken sowie risikorelevanter Entwicklungen.380 Hierdurch wird es Entscheidungsträgern ermöglicht, die Risikolage auf operativer Ebene und Gesamtunternehmensebene zu überwachen und frühzeitig zu agieren. Die Risikoberichterstattung bildet so die Grundlage für die Gestaltung der unternehmerischen Gesamtrisikoposition. 377 Vgl. hierzu und ff. Braun (1984), S. 187 ff.; Schuy (1989), S. 175 ff.; Ederer (1995a), S. 701; Freidank (2000), S. 365;Weidemann/Wieben, (2001), S. 1790; Burger/Buchhart (2002), S. 175. 378 Vgl. Wittmann (2001), S. 278, Tz. 348; Vogler/Gundert (1998), S. 2382. 379 Vgl. allgemein Blohm/Heinrich (1965), S. 12; Blohm (1974), S. 15; Küpper (1994), S. 896 ff. 380 Vgl. allgemein Koch (1994), S. 1; Schuy (1989), S. 176; Schierenbeck/Lister (2001), S. 370. 5. Risikoberichterstattung und Risikokommunikation164 Je nach Empfängerkreis lässt sich die interne und externe Risikoberichterstattung unterscheiden.381 Bei der internen Risikoberichterstattung werden Informationen an Empfänger im Unternehmen, bei der externen an Außenstehende382 übermittelt. Da die für die externe Risikoberichterstattung benötigten Informationen auf der Basis der internen Risikoberichterstattung ermittelt werden (vgl. Abb. 5-9, S. 174), steht Letztgenannte fort folgend im Fokus. 5.2 Gestaltung und Organisation der Risikoberichterstattung Um die Ziele und Aufgaben der Risikoberichterstattung erfüllen zu können, sind bei der Gestaltung und Organisation bestimmte Aspekte zu berücksichtigen, die als funktionale, inhaltliche, formale, zeitliche und personale Berichtsmerkmale bezeichnet werden.383 Die Abb. 5-1 zeigt, welche Fragen zu beantworten sind. Was (inhaltlich)? # Berichtsinhalt (-gegenstand) # Aussageart # Verdichtungsgrad & Genauigkeit # Anzahl # Berichtsquelle Wozu (funktional)? # Berichtszweck Wann (zeitlich)? # Termin # Bearbeitungszeit # Erscheinungsweise (Berichtszeitraum) Wie (formal)? # Datenerfassung & -aufbereitung # Art der Erstellung # Darstellung (Übersichtlichkeit) # Übermittlungsmedium # Berichtsart Wer (personal)? # Ersteller (Sender) # Empfänger (Adressat) Abb. 5-1: Parameter bei der Gestaltung der Risikoberichterstattung384 Da es schwierig ist, einen Aspekt isoliert betrachtet umfassend zu erfüllen, und es zudem nicht möglich ist, den teils konkurrierenden Aspekten gleichermaßen gerecht zu werden, ist in der Unternehmenspraxis nach einer Kompromisslösung zu suchen und ein individuelles Optimum anzustreben.385 381 Vgl. Blohm (1980), Sp. 316; Blohm (1982), S. 867 f.; Dinter (1999), S. 262. 382 Als Beispiel sei hier die Lageberichterstattung angeführt. 383 Vgl. Schierenbeck/Lister (2001), S. 370 f.; Wolf/Runzheimer (2003), S. 101 f. 384 In Anlehnung an Blohm (1974), S. 14. 385 Konkurrierende Beziehungen bestehen zum Beispiel zwischen der Menge an Berichtsinformationen, dem Verdichtungsgrad und der Übersichtlichkeit.

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Zusammenfassung

Risikomanagement und Risikocontrolling

Dieses Standardwerk beschäftigt sich mit Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten bei der Einrichtung und Weiterentwicklung von Risikomanagement- und Risikocontrolling-Systemen. Es bietet sowohl für den lösungssuchenden Praktiker als auch für den Wissenschaftler einen großen Fundus an wertvollem Wissen und liefert zahlreiche Anregungen und Hilfestellungen sowie in der Unternehmenspraxis erprobte Lösungen und Instrumente.

Aus dem Inhalt:

- Grundlagen des Risikomanagements und Risikocontrollings

- Anforderungskatalog an das Risikomanagement und die risikoorientierte Lageberichterstattung seitens des Gesetzgebers und des Wirtschaftsprüfers

- Internes Kontrollsystem (IKS), COSO und Internes Kontroll- und Risikomanagementsystem bezogen auf den Rechnungslegungsprozess

- Prozessschritte des Risikomanagements und Vorstellung praxiserprobter Instrumente zu deren Unterstützung

- Gestaltung einer Risikomanagement-Organisation, Abgrenzung von Risikomanagement und Interner Revision sowie Anforderungen an den Risikomanager

- Empfehlungen zum Aufbau einer chancen- und risikoorientierten Berichterstattung (Balanced Chance und Risk Card)

- Risikomanagement im DAX30

Der Autor:

Dr. Marc Diederichs leitet das Konzernrisikomanagement der Aurubis AG, Hamburg. Davor war er verantwortlich für das Corporate Risk & Insurance Management der Beiersdorf AG, Hamburg. Neben seiner beruflichen Laufbahn veröffentlicht der Autor Beiträge in Fachzeitschriften und Fachbüchern, leitet Seminare und hält Vorträge zu den Themen Risikomanagement und Risikocontrolling.

"Dr. Diederichs gelingt es auf konstruktive und anschauliche Weise, die Herausforderungen und Lösungsmöglichkeiten des Risikomanagements sowie des Risikocontrollings herauszustellen. Er bietet damit Praktikern und Wissenschaftlern ein Standardwerk, welches durch seine anschauliche Struktur sowie seine unkomplizierte Ausdrucksweise besticht. Mit zahlreichen Abbildungen und präzisen Begriffserklärungen ist es eine verständliche Lektüre, die einen breiten Überblick über das Themenfeld liefert."

Antonia Köhler, ZfCM - Zeitschrift Controlling & Management, 6/2012, S.450

"Diederichs Ansatz des Risikomanagements und des Risikocontrollings, vor allem die hier vorgeschlagenen Aufgaben und Instrumente, können in verschiedenen Branchen angewandt werden. Selbstverständlich müssen Aufgaben und Instrumente hier entsprechend konkretisiert und angepasst werden, aber auch hierzu gibt das Buch Hinweise... Das Buch kann daher jedem empfohlen werden, der sich in Theorie und Praxis mit Risikomanagement und Risikocontrolling beschäftigt."

Peter Bömelburg, Zeitschrift Die Wirtschaftsprüfung, 15-2011, zur Vorauflage