1 Rituale – die Codes der Erfolgreichen in:

Dorothee Echter

Führung braucht Rituale, page 10 - 13

So sichern Sie nachhaltig den Erfolg Ihres Unternehmens

2. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-4194-9, ISBN online: 978-3-8006-4195-6, https://doi.org/10.15358/9783800641956_10

Series: Management Competence

Bibliographic information
Vahlen Competence – Echter, Führung braucht Rituale (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 22.08.2011 Status: Druckdaten Seite 1 1 Rituale – die Codes der Erfolgreichen Je turbulenter die Geschäftswelt, je internationaler das Management, desto wirkungsvoller sind Rituale. Heute, knapp ein Jahrzehnt nach Erscheinen der ersten Ausgabe dieses Buchs, geht es nicht mehr darum, Veränderungen herbei- und durchzuführen, sondern darum, aus ihnen Nutzen zu ziehen. Die Veränderungen vollziehen sich so rasch und unerwartet, dass der einen entscheidenden Vorteil hat, wer stets auf Überraschungen gefasst, sich der vielfältigen Bewegungen bewusst ist, sie frühzeitig deuten und sich dann im Einklang mit ihnen bewegen kann. Die Grenzen zwischen dem „Innen“ und dem „Außen“ einer Unternehmung sind mehr und mehr verwischt, es scheint unklar, aber auch gleichgültig, wer initiiert und wer reagiert. Jemand ist heute meine Chefin, morgen mein Mitarbeiter, übermorgen meine Kundin, Lieferant, Beraterin oder Kollege. Ein Unternehmen kann in kurzer Zeit ebenso viele Rollen annehmen, kann Investor, Wettbewerber, Zulieferer, Auftraggeber, Merger-, Übernahme- oder Insolvenzkandidat sein. Das Tempo ist wichtig, das in einer Organisation gehalten werden kann. Managerinnen und Manager haben die pferdeledernen aus und die Turnschuhe angezogen. Sie haben neue Rituale entwickelt, die diese Dynamik gleichermaßen unterstützen und in ihr Orientierung bieten. Die Grenzen zwischen den Businesskulturen der Regionen in der Welt lösen sich auf, die Erfolgscodes im Management gleichen sich international an. Ein Topmanager in Korea und eine Topmanagerin in Frankreich sind einander ähnlicher als ein Topmanager und eine Projektleiterin aus dem gleichen Land. Die Spitzenpersönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft müssen sich verstehen, müssen durch gemeinsame Rituale Verbundenheit herstellen und aufrecht erhalten können. Die Globalisierung zwingt sie dazu. Sie haben im letzten Jahrzehnt zusätzliche Rituale und Codes entwickelt, die es ihnen ermöglichen, sich in ihrer Community gegenseitig zu erkennen und zu unterstützen. Kein Topmanager kann erfolgreich sein, wenn es ihm nicht gelingt, Freundschaften mit wichtigen Persönlichkeiten in den verschiedensten Regionen und Geschäftskulturen der Welt zu pflegen. Warum sind in diesem Management-Szenario ausgerechnet Rituale so wichtig? Totem und Tabu in der Chefetage? Das Meeting als Beschwörungsritual? Der Unternehmensberater als Medizinmann? Ist der Einzelne, ist das Unternehmen nicht wesentlich schneller, flexibler, offener ohne Rituale? Keineswegs! Das Gegenteil ist der Fall. Wir müssen Rituale im Management jetzt vollkommen neu bewerten. Was sind das für Codes, was sind das für Rituale? Es sind wiederkehrende Verhaltensweisen, welche die erfolgreichsten Führungspersonen auf der ganzen Welt miteinander verbinden. Diese Rituale sind Ausdruck einer speziellen Vahlen Competence – Echter, Führung braucht Rituale (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 22.08.2011 Status: Druckdaten Seite 2 1 Rituale – die Codes der Erfolgreichen2 Haltung, die den internationalen Umgang mit den unterschiedlich geprägten Menschen erleichtert. Haltung Rituelles Verhalten Offenheit und Vertrauen herstellen Im Ritual „Smalltalk“ wird sehr Persönliches erzählt. Mächtige Männer sprechen über ihre Kinder, über Probleme und Krisen, die sie erlebt haben und die sie belasten. Eigene Fehler darzulegen, ist die Königsklasse, dieses Verhalten öffnet die Diskussion sofort, ob ernst, oder auch mit einem Schuss Selbstironie. Offenheit erzeugt Offenheit. Interesse und Respekt für die Unterschiedlichkeit bezeugen Heute werden im internationalen Topmanagement noch häufiger als vor ca. 10 Jahren bei abweichenden Einschätzungen und Standpunkten viele respektvolle und aufmerksame Fragen gestellt, statt Kritik zu äußern. Großzügig Anders-Sein und „Fehlverhalten“ tolerieren Kritik-Rituale werden ersetzt durch Großzügigkeits-Rituale. Anders-Sein und Fehlverhalten werden nicht kritisiert, sondern verstanden, geduldet, übersehen, Störungen in der Kommunikation ignoriert. E-Mails im unangemessenen Ton werden gar nicht beantwortet, oder so, als gebe es keine Störung. Wenn zum Beispiel ein junger saudischer Manager einem französischen Kunden eine Mail schreibt, „don‘t bother me just wait“, wird letzterer darüber hinweg gehen und in freundlichstem Ton die Kommunikation fortsetzen. Es gibt keine Richtigstellungen und keine Rechtfertigungen. Ein Klima der Wertschätzung erzeugen Ritual, das vor allem in informellen und formalen Vorträgen, Diskussionsrunden und Präsentationen sichtbar wird: Von den Erfolgreichsten werden mehrfach andere Personen positiv erwähnt, von denen jemand etwas gelernt hat, die jemand bewundert, die etwas Besonderes geleistet oder gerade eben eine kluge Bemerkung gemacht oder produktive Frage gestellt haben etc. Die auf diese Weise Hervorgehobenen können Freunde, Bekannte, anwesende oder abwesende, oder auch öffentliche Persönlichkeiten sein. Dankbarkeit zeigen Dankbarkeitsrituale sind heute universell. Sie sind entscheidend für den persönlichen Erfolg im internationalen Topmanagement. Stets für alles zu danken ist höchst wirkungsvoll, es verbindet, es ist einfach und preiswert. Nicht zu danken für Einladungen, Tipps, Kontakte, Informationen Aufmerksamkeit, Empfehlungen etc. gehört heute zu den absoluten Karriere-Killern. Haltungen prägen Gewohnheiten – besonders bemerkenswert ist aber der Umkehrschluss. Gewohnheiten prägen Haltungen. Wer ständig Dankbarkeitsrituale in seinen Alltag einbaut, eine Mail hier, eine SMS dort, ein Telefonat Vahlen Competence – Echter, Führung braucht Rituale (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 22.08.2011 Status: Druckdaten Seite 3 31 Rituale – die Codes der Erfolgreichen am Nachmittag, eine Postkarte aus dem Urlaub – dem fallen mehr und mehr Gelegenheiten für Dankbarkeit auf. Das ganz alltägliche, immer wiederholte Verhalten fängt an, das Denken zu lenken, die Kommunikation und die Handlungen. So werden internationale Führungskräfte zu erfolgreichen Topmanagerinnen und Topmanagern – indem sie ihre Gewohnheiten überprüfen und ihre Rituale verändern. So, dass sie den Erfolg mit Sicherheit herbeiführen, unterstützen, stabilisieren. Menschen brauchen Gewohnheiten und Rituale! Ohne sie hätten wir keinerlei Konstanz, Sicherheit, Orientierung. Wir alle müssten jede einzelne Situation komplett neu aufnehmen und interpretieren, neue Kriterien finden, neues Verhalten ausprobieren … Rituale entlasten uns von diesem Druck: Begrüßung und Verabschiedung mit Handschlag, Wertschätzung zeigen durch Gesten und Geschenke, Zusammenarbeit organisieren in Meetings oder per Telco, Kleiderregeln und Sitzordnungen im Büro, das Verhalten im Ausland, gute Manieren, Gastfreundschaft, gemeinsame Mahlzeiten und Feste, persönliche Übergänge wie Hochzeiten und Taufen, Abschiede und Trennungen, Begräbnisse. Auch ganz individuelle Gewohnheiten sind Rituale, wenn sie unsere Verhaltensauswahl sinnvoll einschränken und unserem Alltag Bedeutung verleihen. Folgende Beispiele sind, wie gezeigt werden wird, der Karriere außerordentlich förderlich: Pausen einbauen, Geburtstage nicht zu vergessen, sich korrekt gegenüber Untergebenen zu verhalten, niemals die Schuld jemand anderem zu geben, niemals eine ärgerliche Mail ärgerlich zu beantworten, viele Komplimente zu machen, und natürlich: sich stets für alles zu bedanken, was einem gegeben, gewährt, geschenkt wird, egal ob bei Cheffinnen und Chefs, Mitarbeitenden, Kunden und Lieferanten, bei Beraterinnen und Partnern, beim CEO oder dem Präsident. Dankbarkeit ist das ultimative internationale Karriere-Ritual, nicht nur im Topmanagement. Deshalb ist es so entscheidend, sich die eigenen Rituale bewusst zu machen und sie bewusst zu gestalten. So, dass sie zum Erfolg beitragen. Nicht Rituale lösen unsere Probleme, sondern die richtigen, passenden Rituale. Kritik ist zum Beispiel ein Ritual, eine sehr deutsche Gewohnheit, die persönlichen Erfolg verhindert. Das Ritual läuft täglich viele Male so ab: Jemand sagt etwas Kluges, jemand anderer hält dagegen und kritisiert das Gesagte. Vermeintlich beweist das einen regen Geist und wirkt selbstbewusst. Ritualen wird stets eine tiefere Bedeutung zugeschrieben, die es rechtfertigt, und so wird vom Kritikritual gesagt: es macht, dass wir Fehler entdecken und uns schneller verbessern können. Auf diesem Glaubenssatz bauen in konservativen Unternehmen ganze Führungssysteme auf: Beurteilungs-, Feedback-, Kritikgespräche, Assessment Centers, 360-Grad-Feedback und dergleichen mehr. Die gewohnheitsmäßige oder ritualisierte Kritikbereitschaft ist sicher sinnvoll in autoritären, totalitären Führungssystemen, von denen es sich zu emanzipieren gilt, oder in speziellen, etwa wissenschaftlichen Fachdiskussionen. Aber nicht in einem heutigen Unternehmen oder in einer informellen Unterhaltung. Kritik sendet stets eine soziale Botschaft. Die wird unbewusst als alarmierend und trennend wahr- Vahlen Competence – Echter, Führung braucht Rituale (2. Auflage) – Hersteller: Frau Deuringer Stand: 22.08.2011 Status: Druckdaten Seite 4 1 Rituale – die Codes der Erfolgreichen4 genommen. Der Kritisierende erweist sich als irritierend, negativ, abwertend. Menschen wenden sich unbewusst von ihm ab, sie übernehmen gerade nicht seine Ideen. Das Kritikritual hat schon lange seinen Sinn verloren. Menschen docken vielmehr an, sie sind bereit zu folgen, wenn jemand über seine starken Wünsche spricht, über das, was er Positives in die Welt bringen möchte, ohne andere Positionen abzuwerten. Die internationalen Erfolgscodes, die anstelle des Kritikrituals heute Menschen begeistern und bewegen, haben zu tun mit Wertschätzung und Aufmerksamkeit. In diesem Buch stehen die Rituale im Management und Topmanagement im Mittelpunkt. Der persönliche Erfolg der Menschen an der Spitze einer Organisation ist eng mit dem Erfolg der Organisation selbst verbunden. Reputation des Vorstands und des Unternehmens sind voneinander abhängig, eine gute Entscheidung kann den Börsenkurs hoch-, ein persönlicher Fehltritt kann ihn herunterkatapultieren. Der Börsenwert beeinflusst im Gegenzug die Vorstandskarriere. Deshalb gehören Unternehmensrituale und persönliche Rituale zusammen. Beide müssen stimmen, müssen Erfolge bewirken und sich gegenseitig verstärken. Das ist ganz besonders wichtig, wenn Sie entweder bereits eine Organisation leiten, oder dies in der Zukunft tun möchten. Sie als Leserin, als Leser, können von exzellenten Leadern lernen, wie Sie durch Ihre eigenen geschäftlichen Rituale, die Sie gestalten, übernehmen, abschaffen, verändern positiv Einfluss auf die Menschen in ihren Unternehmen ausüben. Sie können erkennen, welche persönlichen Erfolgsrituale sie ihren eigenen Zielen näher bringen. Rituale im Topmanagement sind heute gemeinsame Codes für die Erfolgreichen. Für die erste Ausgabe dieses Buchs mit dem Titel RITUALE IM MANAGE- MENT habe ich hunderte von Coachingprozessen mit Unternehmerinnen und Unternehmern, Vorstandsmitgliedern, CEOs, Spitzenmanagerinnen und -managern aus unterschiedlichsten internationalen und nationalen Konzernen, mittelständischen Unternehmen, Startups, sozialen und politischen Institutionen und Netzwerk-Organisationen ausgewertet. Bis heute haben sich viele Rituale zwar nicht im Kern verändert. Aber sie sind zum einen internationaler geworden, und zum andern müssen wir sie im Zusammenhang mit der Entwicklung der Kommunikationstechnologie neu bewerten. Rituale der Kommunikation mittels der neuen Medien gilt es sorgfältig und überlegt zu gestalten und zu nutzen. Rituale des persönlichen Umgangs miteinander, also nicht per Mail, SMS, Facebook, Skype oder Twitter, sind heute für den Erfolg noch wertvoller, noch wirkungsvoller geworden. Diese Veränderungen habe ich in der neuen Ausgabe berücksichtigt. So liegt Ihnen hier das gesamte aktuelle Wissen vor, wie im Management und Topmanagement durch Rituale Erfolg, Einfluss und Reputation entstehen und wachsen. Das sind die Best practices der internationalen Business-Elite.

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References

Zusammenfassung

Führung durch Rituale – Rituale motivieren Menschen.

Besser Führen durch Rituale

Als internationale Top-Management-Trainerin kennt die Autorin die Erfolgsgeheimnisse wirksamen Leaderships. Sie beweist in ihrem Buch, dass die kognitive Dimension für die heutigen anspruchsvollen Führungsaufgaben nicht mehr ausreichend ist. Entscheidend sind vielmehr positive Stimmungen und Empfindungen, die Führungskräfte in authentische Rituale vorleben. Sie reduzieren Komplexität, geben Halt und Struktur, erleichtern Wandel und Übergänge, entschärfen schwierige Situationen und wandeln negative Stimmungen in positive um. In diesen dynamischen Zeiten sind sie wichtiger als je zuvor, denn Rituale schaffen Vertrauen, Sicherheit, Orientierung und Zuversicht.

Führung braucht Rituale: Neu in der 2. Auflage

* Rituale in internationalen Unternehmen

* Neue Rituale im Kontext der Globalisierung

* Neubewertung von Ritualen in Netzwerken

Hohes Renommee

genießt die Autorin Dorothee Echter. Die studierte Soziologin war zunächst über 20 Jahre selbst im gehobenen Management von vier internationalen Unternehmen tätig, bis sie ihr eigenes Consultingunternehmen gründete.