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Glossar in:

Jürgen Weibler

Personalführung, page 675 - 686

2. Edition 2012, ISBN print: 978-3-8006-4185-7, ISBN online: 978-3-8006-4186-4, https://doi.org/10.15358/9783800641864_675

Series: Vahlens Handbücher der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften

Bibliographic information
Glossar Abhängige Variable: Variable Aktives Zuhören: In der interpersonellen Kommunikation die affektive Reaktion eines Gesprächspartners (Empfängers) auf die Botschaft eines Sprechers (Senders). Hintergrund ist die Einsicht, dass der innere Zustand des Senders (seine Bedürfnisse, Gefühle, Empfindungen und affektiv getönten Gedanken) vom Empfänger nur indirekt erfahren werden kann: Der Sender verschlüsselt seinen inneren Zustand und teilt sich dem Empfänger über sprachliche und nicht-sprachliche Äußerungen (Körpersprache) mit. Will der Empfänger an der Erlebniswelt des Gesprächspartners teilhaben, muss er dessen Botschaft entschlüsseln. Dazu formuliert der Empfänger die Botschaft in eigenen Worten und meldet sie dem Gesprächspartner zurück. Er sendet dabei keine eigenen Botschaften (wie z.B. Urteile, Ratschläge, Ermahnungen). Ambiguitätstoleranz: Fähigkeit, Mehrdeutigkeiten und widersprüchliche Verhaltenserwartungen in sozialer Interaktion auszuhalten und handlungspraktisch zu bewältigen. Assessment-Center (AC): (engl.: to assess = einschätzen); systematisch durchgeführtes eignungsdiagnostisches Verfahren der Personalauswahl und Personalentwicklung, das auf die Beurteilung von Fähigkeiten/Fähigkeitspotenzialen und Verhaltensweisen abzielt. Formal zeichnet sich das AC durch den Einsatz unterschiedlichster Testmethoden und die Teilnahme mehrerer Beurteiler und Beurteilter aus. Inhaltliches Hauptmerkmal des AC ist die Simulation aufgabentypischer Situationen. Attribut: Unterscheidbare Eigenschaften von Objekten. In der Kognitionspsychologie kleinste inhaltliche Einheiten der neuronalen auto-assoziativen Netzwerke von Menschen, die das Wissen über elementare Merkmale von Objekten der Welt repräsentieren. Aufgabe: Im lerntheoretischen Kontext jede Anforderung, die durch die Erfahrungswelt an einen Lernenden herangetragen wird. Bedeutsamer Anderer: Rollenträger ( Rolle), an dem eine handelnde Person ihr Tun und ihre Erwartungen ausrichtet. Black-Box: Bildhafte Umschreibung für die Annahme des Behaviorismus, dass über Prozesse im Inneren des menschlichen Organismus keine Angaben gemacht werden können. Generell das Ausblenden von nicht erkennbaren oder als nicht wichtig erachteten Zusammenhängen. Brainstorming: Methode, die darauf abzielt, Kreativität und schöpferisches Denken in Gruppen zu verbessern. Dabei sollen in einer begrenzten Zeit im Hinblick ein bestimmtes Thema so viele Ideen wie möglich generiert werden. Business Process Reengineering: Tiefgreifende Neustrukturierung von geschäftlichen Abläufen (Geschäftsprozessen) vor dem Hintergrund moderner Informations- und Kommunikationstechnologien und veränderter Kundenanforderungen mit dem Ziel der Effizienzund Flexibilitätssteigerung. CEO-Blog: Ein Blog ist ein auf einer Website und damit zumeist öffentlich geführtes Tagebuch oder Journal. CEO-Blogs sind Blogs, die von einem Mitglied des Top-Managements (z.B. Vorstand) oder vom CEO (Chief Executive Officer) geführt werden. Sie erscheinen entweder unter einen privaten URL oder sind in den Internetauftritt des Unternehmens in- WeiblerPersonalführung.pdf 681 17.01.2012 11:20:22 666 Glossar tegriert. Meist weisen sie einen starken Unternehmensbezug auf und gelten als Instrument der Unternehmenskommunikation. Chunking: Strategie zur Erweiterung von Gedächtnisleistungen, indem Einzelinformationen zu „Informationspaketen“ höherer Ordnung (chunks) zusammengefasst werden. Beispiel: Erkennen einer Folge von vier Ziffern als Geburtsjahr einer Person. Clusteranalyse: Heuristisches Verfahren der empirischen Sozialforschung, die Untersuchungsobjekte nach Maßgabe der Ähnlichkeit ihrer Merkmalsausprägungen in Gruppen (Cluster) aufteilt. Die Cluster sollten in sich möglichst homogen, untereinander möglichst heterogen sein. Cluster-Organisation: Aus verschiedenen selbstständigen und abgeschlossenen Einheiten (sog. Clustern) bestehende Organisation. Ein Cluster ist hier zu verstehen als temporäre, multidisziplinäre zusammengesetzte Gruppe (von 30–50 Personen) ohne interne Hierarchie. Coaching: Intensive entwicklungsförderliche Unterstützung von Mitarbeitern und Führungskräften (Coachee) durch in besonderer Weise psychologisch ausgebildete Berater (Coach) in individuellen und kollektiven Beratungssituationen. Coaching zielt auf Hilfe zur Selbsthilfe. Commitment: Innere Bindung an eine Sache, Aufgabe oder ein organisatorisches Gebilde, die eine Selbstverpflichtung und einen persönlichen Einsatz hierfür bewirkt. Corporate Social Responsibility: Freiwillige Übernahme gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen und anderen Organisationen über deren rechtliche Pflichten hinaus. Dabei bezieht sich die gesellschaftliche Verantwortung auf soziale und ökologische Belange in der eigentlichen Geschäftstätigkeit und auf die Wechselbeziehungen mit den relevanten Stakeholdern. Deklaratives Wissen: Wissen Dichotomie: Bezeichnung für die Zweiteilung oder zweigliedrige Einteilung eines Ganzen, z.B. mittels dichotomer Merkmale. Dies sind Merkmale von Untersuchungseinheiten, die nur in zwei Ausprägungen (z.B. jung/alt, groß/klein) auftreten oder in solche überführt werden. Diskriminanzanalyse: In der empirischen Sozialforschung Methode zur Überprüfung von Unterschieden zwischen mehreren Stichproben, die durch mehrere abhängige Variablen beschrieben sind. Die Diskriminanzanalyse ermittelt Gewichte, die angeben, wie bedeutsam die abhängigen Variablen für die Unterscheidung der Stichproben sind. Aufgrund dieser (linearen) Gewichtung kann eine maximale Trennung der untersuchten Gruppen erreicht werden. Disposition: Allgemein: Verfügung über die Verwendung oder den Einsatz einer Sache. In der Psychologie: angeborene oder erworbene Anlage zu einer immer wieder durchbrechenden Eigenschaft oder zu einem typischen Verhalten. Effektstärke: Bei Experimenten ein Differenzmaß (hier Cohens d), das die relative Größe und damit die praktische Relevanz von Mittelwertunterschieden zwischen zwei Gruppen oder zwischen zwei oder mehreren Messzeitpunkten ein und derselben Gruppe wiedergibt; in Regressionsmodellen ein standardisierter Indikator für den Einfluss der unabhängigen Variable auf die abhängige Variable. Einstellung: Bezeichnet die Neigung einer Person, ein Objekt (z.B. Personen, Sachen) oder dessen symbolische Repräsentation in einer bestimmten Weise zu bewerten. Einstellungen drücken ein inneres Verhältnis zu den (Einstellungs-)Objekten aus und erfüllen eine Be- WeiblerPersonalführung.pdf 682 17.01.2012 11:20:22 Glossar 667 wusstsein strukturierende Funktion, die Einstellungsobjekte mit einer bestimmten Wertigkeit ( Valenz) und Präferenz ausstatten. Diese sind wiederum abhängig von der persönlichen Wichtigkeit eines Objekts, seiner Relevanz für das Handeln der betreffenden Person und vom jeweiligen Kontext. Emergenz: Bezeichnet das Entstehen neuer Strukturen, Eigenschaften, Prozesse oder Zustände aus dem Zusammenspiel/Zusammenwirken der Elemente (z.B. Personen) in einem komplexen System. Das Ganze/das Neue ist mehr als die Summe seiner Teile. Emotion: Komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, Prozesse und Verhaltensweisen einschließt. Diese Veränderungen treten in Reaktion auf eine Situation ein, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen worden ist. Empowerment: (engl. = Ermächtigung); Erhöhung des Handlungsspielraums (Ausweitung der Entscheidungsbefugnisse) von Mitarbeitern. Damit gehen zumeist strukturelle und kulturelle Veränderungen in der Organisation einher. Enkulturation: Hineinwachsen des (jungen) Menschen in die Kultur der ihn umgebenden Gesellschaft. Genauer: Jene Lernprozesse, die sich auf den Erwerb von sozial bestimmten Meinungen und Überzeugungen, von Normen für das soziale Verhalten, den Gebrauch von Zeichensystemen (z.B. Sprache) und „Werkzeugen“ ( Kulturtechniken) beziehen. Entdeckendes Lernen: Grundform des Lernens, das auf explorativem Verhalten gründet. Lernende setzten sich aktiv mit Problemen auseinander, sammeln eigene Erfahrungen und kommen auf diese Weise zu neuen Einsichten in komplexe Sachverhalte. Exploratives Lernen reicht vom Versuch-und-Irrtum-Lernen eines Kindes bis zur induktiven Begründung einer neuen Theorie in der Wissenschaft. Entität: Bezeichnet in den Sozialwissenschaften einen Betrachtungsgegenstand, der für sich genommen eine eigene Einheit bzw. Ganzheit darstellt. Epigenetik: Die Epigenetik ist ein Forschungsfeld der Molekularbiologie. Sie beschäftigt sich mit den Mechanismen, die die Genaktivität in Zellen steuern. Denn obwohl die Zellen eines vielzelligen Organismus genetisch gleich sind, können sie aufgrund unterschiedlicher Genaktivität zu vielen verschiedenen Zell- und Gewebetypen differenzieren. Dabei werden einzelne Gene an- und abgeschaltet, ohne dass sich die DNA-Sequenz verändert. Die so entstehenden Zelleigenschaften können von Zellen zu Tochterzellen weitergegeben sowie von Elterngenerationen auf die Nachkommen vererbt werden. Wie genetische und epigenetische Steuerungsmechanismen zusammenwirken und wie sich die genetische Information unter dem Einfluss von aus der Umwelt kommenden Signale auf die Entwicklung und das individuelle Profil eines Organismus auswirken, ist noch weitgehend unerforscht. Ethnografisches Interview: An die Feldforschungssituation ( Felduntersuchung) angepasste (Daten-)Erhebungsmethode. In der Feldforschung entstehen bei teilnehmenden Beobachtungen häufig spontane Gelegenheiten für ein informelles Gespräch, was – wenn dieses methodisch kontrolliert abläuft – ethnografisches Interview genannt wird. Experiment: Empirische Untersuchung oder auch Methode, bei der gezielt bestimmte Bedingungen (Stufen der unabhängigen Variablen) hergestellt und in ihren Auswirkungen auf ausgewählte abhängige Variablen beobachtet werden. Fähigkeiten: Fähigkeiten (abilities) stellen die kognitive, emotionale, physische und psychische Basis für Handlungen und Leistungserbringung dar. Fähigkeiten sind angeboren und erworben; viele Fähigkeiten können durch Training verbessert werden. Faktorenanalyse: Methode der empirischen Sozialforschung, die viele wechselseitig korrelierte Variablen in wenigen Dimensionen (Faktoren) zusammenfasst. Dabei umfasst ein Faktor inhaltlich das Gemeinsame der zu ihm gehörenden korrelierenden Variablen. Statt WeiblerPersonalführung.pdf 683 17.01.2012 11:20:22 668 Glossar z.B. eine Person durch viele (letztlich redundante) Werte auf den einzelnen korrelierten Variablen zu kennzeichnen, kann man sie nach der Faktorenanalyse durch wenige Faktorwerte charakterisieren. Die Korrelation einer Variablen mit dem Faktor nennt man Faktorladung. Feldtheorie: Auf Kurt Lewin zurückgehende Theorie, wonach das Verhalten V eine Funktion der Person P und der Umwelt U darstellt: V = f (P,U). P und U sind in dieser Formel wechselseitig abhängige Größen. Felduntersuchung: Untersuchung, die im natürlichen Umfeld stattfindet ( Laboruntersuchung). Fertigkeiten: Fertigkeiten (skills) sind durch Übung und Wiederholung automatisierte („eingeschliffene“) Komponenten von Tätigkeiten ohne bzw. mit nur geringer Bewusstseinskontrolle. Fertigkeiten stellen insbesondere auf die sensumotorischen Aspekte des individuellen Leistungsvermögens (z.B. handwerkliches Geschick), aber auch auf kognitive Tätigkeiten (z.B. Rechentechniken) ab. Das Erlernen von Fertigkeiten wird durch die Fähigkeiten einer Person beeinflusst. Flow: (engl.: flow = Fluss); bezeichnet das reflexionsfreie Aufgehen in einer glatt laufenden Tätigkeit, bei der auch bei voller Beanspruchung das Gefühl vorherrscht, eins mit der Tätigkeit zu sein und den Geschehensablauf unter Kontrolle zu haben. Flow ist mit positiven Gefühlen verbunden. Folie à deux: (frz. „Geistesstörung zu zweit“), auch „induzierte wahnhafte Störung“ oder „symbiotischer Wahn“; bezeichnet die ganz oder teilweise Übernahme einer Wahnsymptomatik durch eine nahestehende, primär nicht wahnkranke Person. Nach einer Trennung verschwindet der Wahn bei der vormals gesunden Person in den meisten Fällen. Fraktale Organisation: Nach dem Prinzip der Selbstähnlichkeit strukturierte Organisation, die aus selbstständig agierenden Einheiten (Fraktalen) besteht. Gefangenendilemma: Eine der bekanntesten Illustrationen aus der Spieltheorie, welche von zwei Untersuchungsgefangenen ausgeht, die – ohne sich austauschen zu können und also ohne zu wissen, wie der jeweils andere entscheidet – vor folgender Situation stehen: Gestehen beide die ihnen zur Last gelegte Straftat, so werden sie zu acht Jahren Haft verurteilt; leugnen beide, so werden sie zu zwei Jahren Haft verurteilt; leugnet einer, während der andere gesteht, so wird der Leugnende freigesprochen, der Gestehende dagegen zu zehn Jahren Haft verurteilt. Die Spieltheorie versucht mittels dieses Beispiels der Frage nach einem rationalen Entscheiden unter Kooperationsbedingungen nachzugehen. Erlernte Hilflosigkeit: Wenn Menschen (oder Tiere) in einer Situation die Erfahrung machen, dass sie ein bestimmtes Ereignis nicht kontrollieren können, entwickeln sie die Erwartung, in ähnlichen Situationen auch keine Kontrolle zu haben. Das Hilflosigkeitserleben wird als Erfahrung abgespeichert und generalisiert, sodass in ähnlichen Situationen diese Hilflosigkeit erneut empfunden wird und effektives Handeln oder Problemlösen blockiert. Typische Äußerungen von Betroffenen dabei sind z.B. „ich kann sowieso nichts tun/ändern“ oder „es ist egal, ob ich mich anstrenge oder nicht, ich scheitere eh“. Gestaltpsychologie: Psychologische Schule, begründet Anfang des 20. Jahrhunderts in Deutschland durch M. Wertheimer, W. Köhler und K. Koffka („Berliner Schule der Gestaltpsychologie“). Die Gestaltpsychologie hebt die Bedeutung ganzheitlicher Wahrnehmungsund Lernprozesse hervor. Hawthorne-Effekt: Effekt der entsteht, wenn sich Teilnehmer an einer Studie der Tatsache bewusst sind, dass ihr Verhalten beobachtet wird; Human Relations Bewegung. WeiblerPersonalführung.pdf 684 17.01.2012 11:20:22 Glossar 669 Holismus: (Auch Ganzheitslehre); Lehre, die besagt, dass die Elemente eines Systems – einer „Ganzheit“ oder „Gestalt“ – durch die Strukturbeziehungen vollständig bestimmt sind. Der Holismus ist die entgegengesetzte Position zum Reduktionismus. Hauptargument des Holismus gegen den Reduktionismus ist die Problematik der Emergenz, d.h. der nicht vollständigen Erklärbarkeit des Ganzen aus den Teilen. Einfacher ausgedrückt ist der Holismus die Theorie, dass das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile, während der Reduktionismus das Gegenteil behauptet. Der holistische Ansatz in Bezug auf die Führung in Organisationen ist ein integrierender Ansatz, der sowohl die mechanistische als auch die systemische Perspektive einschließt und auch metaphysische Aspekte berücksichtigt. Human Relations Bewegung: Die Human Relations Bewegung entstand in den 1920er Jahren aus den von E. Mayo durchgeführten arbeitswissenschaftlichen Experimenten („Hawthorne-Experimente“, benannt nach dem Werk, wo sie durchgeführt wurden). Zentrale These ist, dass der Organisationserfolg durch die Beachtung der sozialen Bedürfnisse der Mitarbeiter gesteigert wird. Idealtypus: In der Wissenschaftstheorie ein zielgerichtet konstruierter Begriff, der Ausschnitte der sozialen Wirklichkeit ordnet und erfasst, indem er deren wesentlichen Aspekte heraushebt und oft mit Absicht überzeichnet. Implizites Wissen: Wissen Inhaltsanalyse: In der empirischen Sozialforschung Oberbegriff für eine heterogene Gruppe von Verfahren zur Datenerhebung und -auswertung, die darauf abzielen, den Bedeutungsgehalt und die Gestaltungsmerkmale von Texten (aber auch von Bildern, Kunstgegenständen, Kleidungsstücken etc.) zu erfassen. Es gibt quantitative und qualitative Inhaltsanalysen. Innere Kündigung: Der von Organisationsmitgliedern bewusst oder unbewusst geübte Verzicht auf Arbeitsengagement. Die Ursachen innerer Kündigung können im privaten Bereich (z.B. familiäre Probleme) und/oder im beruflichen Bereich (z.B. schlechte Beziehungen zum Vorgesetzten bzw. zu Kollegen) liegen. Ausdrucksformen innerer Kündigung sind z.B. „Dienst nach Vorschrift“, hohe Fehlzeiten (Absentismus), fehlende Identifikation mit der Organisation bzw. der eigenen Tätigkeit, Vermeidung von Kontakten zu Kollegen/Vorgesetzten, Hinnahme von als ungerechtfertigt empfundener Kritik. Instanz: Stelle mit Weisungsbefugnis. Interesse: Dauerhafte Vorliebe für die Beschäftigung mit einem bestimmten Thema, die mit positiven Bewertungen und/oder Gefühlen einhergeht; wichtig für die Entstehung von Lernmotivation. Introspektion: Selbstbeobachtung; in der Psychologie Methode der Datenerhebung, bei der instruierte und trainierte Personen so genau wie möglich über eigene Bewusstseinsinhalte berichten. Item: In der empirischen Sozialforschung Frage oder Aussage in einem Fragebogen bzw. Aufgabe in einem Test. Job Enlargement: Arbeitserweiterung um Teilaufgaben mit gleichwertigen Anforderungen. Job Enrichment: Arbeitsbereicherung um Teilaufgaben mit höherwertigen Anforderungen (qualitative Anreicherung). Job Rotation: Systematischer Wechsel von Arbeitsplatz und Arbeitsaufgaben innerhalb eines Arbeitssystems. WeiblerPersonalführung.pdf 685 17.01.2012 11:20:22 670 Glossar Kardinaltugenden: (lat.: cardo = Türangel); mit diesem Begriff werden seit griechisch-römischer Zeit vier Tugenden als zentrale Angelpunkte des Sittlichen („Tugenden, um die sich alles dreht“) bezeichnet: Dies sind Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Besonnenheit. Kartenabfrage: Moderationstechnik, die in einer Gruppe allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gleichzeitig eine schriftliche Form der Äußerung ermöglicht. Dabei schreiben die Teilnehmer ihre Äußerungen zu einer vom Moderator gestellten Frage (z.B. „Welche Aufgaben wollen wir im nächsten Jahr ,anpacken‘?“ auf Karten, die anschließend an einer Stellwand/Pinnwand vom Moderator nach gemeinsam entwickelten Kriterien sortiert und (um-) gruppiert werden. Die Anzahl der Karten wird normalerweise nicht begrenzt; es gilt jedoch immer die Regel, dass auf jeder Karte nur ein Stichwort bzw. eine Idee notiert werden darf ( Metaplan-Methode). Kognition: Sammelbegriff für alle Prozesse der Aufnahme, Verarbeitung, Speicherung und Nutzung von Informationen. Kohäsion: Kraft, die Gruppenmitglieder an ihre Gruppe bindet. Konstrukt: Gedankliche Abbildung von Sachverhalten, die nicht unmittelbar beobachtbar sind, sondern nur aus beobachtbaren Daten erschlossen werden können. Konstrukte werden mit theoretischen Eigenschaftsdimensionen operationalisiert. Konstruktvalidität: Bezieht sich auf die Zulässigkeit von Aussagen aufgrund der Operationalisierung über das dahinter liegende Konstrukt. Konstruktvalidität liegt vor, wenn Messungen das erfassen, was sie erfassen sollen. Werden aus einem Konstrukt Hypothesen abgeleitet, dann bedeutet eine hohe Konstruktvalidität die empirische Bestätigung dieser Hypothesen. Korrelation: Statistische Bezeichnung für die Art und das Ausmaß des Zusammenhangs zwischen zwei oder mehr Variablen. Maßzahl für die Korrelation ist der Korrelationskoeffizient. Kulturtechniken: In einem Kulturkreis gebräuchliche Fertigkeiten, die von allen Mitgliedern erworben werden müssen (z.B. Lesen und Schreiben). Laboruntersuchung: Untersuchung, bei der die äußeren Rahmenbedingungen (Räumlichkeiten, Gegenstände, Beleuchtung etc.) genau kontrolliert werden können und die tatsächlich häufig in einem Labor bzw. in einem speziellen Untersuchungsraum stattfindet ( Felduntersuchung). Legenden: Ursprünglich Leidensgeschichten von Märtyrern, Heiligen und religiösen Autoritäten im Mittelalter. Verlesen wurden sie bei kirchlichen Anlässen. Im 15. Jahrhundert tauchen Legenden jedoch bereits auch im außerkirchlichen Bereich auf. Hier bezeichnen sie nicht beglaubigte Berichte oder unwahrscheinliche Geschichten. Eng verbunden sind sie dabei zumeist mit einem volkstümlichen, später auch mit einem kunstvoll-literarischen Erzählen. In dieser verweltlichten Form wandeln sich Legenden zu moralisch-didaktischen Erzählungen über außergewöhnliche Schicksale. Im heutigen Alltag wird zumeist dann von einer Legende gesprochen, wenn der Wahrheitsgehalt einer Erzählung sehr in Zweifel gezogen werden kann. Lerninsel: Bezeichnet eine Form der beruflichen Aus- und Weiterbildung, die – auch in räumlicher Hinsicht – in den Prozess der Arbeit integriert ist. Lerninseln gibt es v.a. im Produktionsbereich. In Gruppenarbeit werden Arbeitsaufgaben von den Lernenden selbstständig bearbeitet, die Teil der echten Arbeits- und Produktionsprozesse sind. Allerdings ist in der Lerninsel für die Bearbeitung der Aufgaben mehr Zeit vorhanden, was wiederum Voraussetzung für nachhaltiges Lernen ist. WeiblerPersonalführung.pdf 686 17.01.2012 11:20:22 Glossar 671 Lernmotivation: Überdauernde Bereitschaft zu lernen; kann auf intrinsischen Faktoren (z.B. Interessen) oder extrinsischen Faktoren (z.B. in Aussicht gestellte Belohnung) beruhen. Menschen messen ihren Lernzuwachs an einem selbst- oder fremdbestimmten Gütemaßstab. Lernstatt: Setzt sich zusammen aus „Lernen“ und „Werkstatt“. Das Lernstattkonzept wurde in den 1970er Jahren ursprünglich zur besseren betrieblichen Integration von ausländischen Mitarbeitern in Großbetrieben wie BMW und Hoechst entwickelt. Ziel war es, die zum produktiven Arbeiten notwendigen Grundkenntnisse (Sprache, Unternehmensstruktur) zu vermitteln und so die Folgen mangelnder Integration (hohe Fluktuation und Fehlzeiten, hohe Ausschussquoten und Zeitverluste, schwieriges Betriebsklima) zu verringern. In der Folge zeigte sich, dass diese Qualifikationsmethode auch un- und angelernte deutsche Mitarbeiter ansprach: Es wurden Lerngruppen von 6–8 Mitarbeitern gebildet, die sich unter der Leitung von zwei erfahrenen und methodisch besonders geschulten Mitarbeitern (z.B. Schichtführer, Vorarbeiter) mit Themen wie Bildung eines Qualitätsbewusstseins, Identifikation mit dem Betrieb, Bereitschaft für Veränderungen, übergreifende Zusammenarbeit sowie persönliche und fachliche Qualifikationserweiterung beschäftigten. Seitdem sind solche und ähnliche Themen Schwerpunkt der Lernstattarbeit. Die besondere Leistung des Lernstattkonzepts liegt darin begründet, dass sich Mitarbeiter unter Gleichberechtigten ihren Qualifikationsbedarf selbst definieren und diese Qualifikationen während der Arbeit bzw. ausgehend von der Arbeit erwerben. Lernstil: Persönlich geprägte Schemata und Gewohnheiten, Lernaufgaben in einer bestimmten Weise zu bearbeiten (z.B. Rigidität vs. Flexibilität). Lerntransfer: Übertragung und Anwendung von Lerninhalten auf neue Situationen. Limbisches System: Gehirnregion, die das emotionale Verhalten, grundlegende motivationale Bedürfnisse, Gedächtnis sowie wichtige physiologische Funktionen kontrolliert. Logotherapie: Die Logotherapie, gegründet vom Wiener Psychiater Viktor E. Frankl (1905–1997), ist eine sinnzentrierte Psychotherapie. Bekannt geworden als „Dritte Wiener Schule der Psychotherapie“ ist sie eine sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsform. Metaplan-Methode: Intervenierende Moderationsmethode, die die Denkgebäude von Gruppenmitgliedern im Diskurs beeinflussen und so Verständigung zwischen ihnen herstellen will. Kennzeichnend ist die Arbeit mit Stellwänden/Pinnwänden/Flipcharts, auf denen der Moderator von der Gruppe generierte Ideen zusammenträgt. Mit der Metaplan- Methode können z.B. Kartenabfragen, Mind-Maps oder Zuruflisten (Ideen werden dem Moderator zugerufen und gleich an Pinnwand oder Flipchart notiert) umgesetzt werden. Metaplan ist ein international eingetragenes Warenzeichen des gleichnamigen Unternehmens mit Sitz in Hamburg. Es setzt sich zusammen aus der griechischen Vorsilbe „meta“ und dem in mehreren Sprachen gleich lautenden Wort „Plan“. In Assoziation zum griechischen Wort „Metamorphose“ (Umwandlung) soll „Metaplan“ für einen ergebnisoffenen, partizipativen Planungsprozess stehen. Mobbing: (engl. „to mob“, dt. anpöbeln, über jemand herfallen); bezeichnet die fortgesetzte Schikanierung einer Person durch andere Personen. Mobbing kann dabei sowohl verbal (z.B. in Form von Beschimpfungen) als auch nonverbal (z.B. Vorenthalten von Informationen) oder physisch (z.B. körperliche Berührungen) erfolgen. Täter sind entweder einzelne Personen oder Gruppen. Zumeist geht Mobbing jedoch von Gruppen aus. Die Angriffe führen unter Umständen so weit, dass einzelne Personen nicht mehr „funktionstüchtig“ sind bzw. körperliche und seelische Beschwerden davontragen. Moderatorvariable: Eine Moderatorvariable ist eine Variable, die die Beziehung zwischen zwei anderen Variablen (unabhängige und abhängige Variable) in Form eines Interaktions- WeiblerPersonalführung.pdf 687 17.01.2012 11:20:22 672 Glossar effekts beeinflusst. Dies bedeutet, dass die Beziehung zwischen abhängiger und unabhängiger Variable durch die Ausprägung der Moderatorvariable mitbestimmt wird. Moral Hazard: Gefahr, dass ein Vertragspartner größere Risiken eingeht oder generell eigennützig handelt, weil sein Beitrag hierzu bzw. Verantwortlichkeit hierfür von der anderen Seite aus verschiedenen Gründen nicht kontrolliert werden kann. Dieses moralische Risiko (auch: moralische Versuchung), was beim besser informierten Vertragspartner unterstellt wird, ist dann beispielsweise ein Thema, wenn der Vertrag regelt, dass eventuelle negative Folgen der eigenen Handlung vom anderen Vertragspartner übernommen werden. Beispiel: Ein Versicherungsnehmer ist durch eine Vollkaskoversicherung vor finanziellem Schaden am eigenen Auto umfassend geschützt und zeigt ein riskanteres Fahrverhalten als ohne diesen Versicherungsschutz. Generell wird damit die bewusste Suche des eigenen Vorteils zulasten anderer (des Kollektivs) in bestimmten Situation angesprochen. Norm: Verbindliche Erwartungen zu typischen oder erwünschten Verhaltensweisen, jedoch ohne die Kraft von Gesetzen. Soziale Normen sollen sicherstellen, dass gesellschaftliche Wertvorstellungen ( Wert) auf vorgeschriebenen Wegen erreicht werden. Je nach Verbindlichkeit der Norm wird abweichendes Verhalten negativ sanktioniert. Objektivität: Gütekriterium bei der Erhebung empirischer Daten. Objektivität ist dann gegeben, wenn die Erhebungsergebnisse unabhängig von der Person des Durchführenden (Durchführungsobjektivität), des Auswertenden (Auswertungsobjektivität) und des Interpretierenden (Interpretationsobjektivität im Sinne eines möglichst geringen subjektiven Interpretationsspielraumes) sind. Operationalisierung: Maßnahme zur empirischen Erfassung von Merkmalsausprägungen. Genauer: Aufgliederung der zu untersuchenden Phänomene in messbare Dimensionen. Operations Research: Anwendung mathematischer Methoden und rechentechnischer Verfahren auf komplexe Entscheidungsprobleme zwecks Findung einer optimalen Lösung. Parameter: Veränderliche Größe(n), durch die ein Prozess verändert werden kann. Parkinson’sche Gesetze: Die vom britischen Historiker C.N. Parkinson aufgestellte Behauptung, dass bürokratischen Organisationen eine (gesetzmäßige) Tendenz zum immer weiteren Wachstum innewohne – und zwar unabhängig davon, ob die Arbeit zunimmt, abnimmt oder ganz verschwindet. Hintergrund seiner (ironisierenden) Arbeiten war dabei das Phänomen, dass in der britischen Admiralität die Anzahl der Beamten drastisch zunahm, obwohl die Anzahl der Kriegsschiffe währenddessen deutlich abnahm. Polyzentrisches Organisationsmodell: Ein Organisationsmodell, das durch eine Vielzahl kleinerer Organisationseinheiten und die Verteilung von Entscheidungsbefugnissen gekennzeichnet ist. Es stellt damit den Gegenpol zum zentralistischen Organisationsmodell dar, das wenige Organisationseinheiten und eine Konzentration der Entscheidungsbefugnisse an der Organisationsspitze (Einheit der Leitung) aufweist Position: Stelle in der Gesellschaft, mit der bestimmte Rechte und Pflichten verbunden sind (z.B. Vorgesetzte, Vater, Lehrerin). Prototyp: Besonders repräsentativer Vertreter einer Kategorie, der charakteristische Merkmale besitzt. Kategorien können als Regeln aufgefasst werden, die es ermöglichen, die Zugehörigkeit eines Objekts zu einer Klasse gleichartiger Objekte zu bestimmen ( Attribut). Proxy-Variable: (engl.: proxy=Stellvertreter); Variable, die ersatzweise zur Anwendung kommen kann (z.B. Abiturnote als Maß für Intelligenz), um Eigenschaften (z.B. Intelligenz) zu messen, die auf direktem Weg (z.B. Intelligenztest) nicht oder nur unter hohem Aufwand gemessen werden könnten. WeiblerPersonalführung.pdf 688 17.01.2012 11:20:23 Glossar 673 Prozedurales Wissen: Wissen Psychometrie: Messung psychischer Zustände und Vorgänge nach definierten Gütestandards mithilfe von quantitativen Methoden und die mathematische Auswertung entsprechender Testergebnisse. Qualitätszirkel: Form der Kleingruppenarbeit in Organisationen, bei der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einer Hierarchiestufe in einer kleinen, auf Dauer angelegten Gruppe regelmäßig zusammenkommen, um die in ihrem Arbeitsbereich auftretenden Probleme zu lösen. Ursprünglich auf Qualitätssicherung der Produkte gerichtet, können heute z.B. auch Fragen der sozialen Kompetenz oder die Verbesserung gruppendynamischer Prozesse Ziele eines Qualitätszirkels sein. Reframing: (engl.: to reframe = neu ausrichten, frame = Rahmen); Methode in Beratungs- Prozessen, die auf eine Änderung des Blickwinkels (Rahmens) zielt. Reframing eignet sich, um festgefahrene Sichtweisen, Einstellungen oder Positionen in Frage zu stellen und sie zu verändern. Im Motivationskontext bezeichnet Reframing die (willkürliche) kognitive Umbewertung ungünstiger Motivationslagen durch das Individuum selbst. Reliabilität: Gütekriterium bei der Erhebung empirischer Daten. Der Reliabilitätskoeffizient gibt an, wie stark die Messwerte durch Störeinflüsse und Fehler belastet sind. Reziprozitätsprinzip: Grundsatz der Gegenseitigkeit in einer sozialen Interaktion. Rolle: Summe der Verhaltensweisen, die Mitglieder von Bezugsgruppen von dem Inhaber einer sozialen Position erwarten. Rollenambiguität: (lat. ambiguitas= Zweideutigkeit, Doppelsinn); Rollenambiguität liegt vor, wenn die Erwartungen an eine Rolle nicht eindeutig definiert sind. Rollenkonflikt: Widersprüche zwischen den Erwartungen in Bezug auf soziale Rollen. Beim Interrollenkonflikt geht es um Widersprüche zwischen den Erwartungen, die verschiedene Rollen festlegen. Beim Intrarollenkonflikt geht es um Widersprüche zwischen den Erwartungen, die die Segmente einer Rolle festlegen. Schema, kognitives: Komplexe kognitive Struktur oder mentale Repräsentation, die durch vielfältige Erfahrungen in einem bestimmten Gegenstandsbereich entsteht. Schemata organisieren und strukturieren vorverarbeitete Informationen und umfangreiches Wissen über typische Objekte und Menschen bestimmter Kategorien sowie über typische Situationen, Sachverhalte und Zusammenhänge auf einer höheren Abstraktionsebene. Skripte sind spezifische kognitive Schemata, die prototypische Klassen von Ereignissen oder Abläufen repräsentieren. Daher wird Skript manchmal auch mit „Drehbuch“ übersetzt. Scientific Management: (dt.: wissenschaftliche Betriebsführung), ein maßgeblich auf F.W. Taylor zurückgehendes betriebswirtschaftliches Rationalisierungsmuster, das u.a. die strikte Trennung von Hand- und Kopfarbeit postuliert. Selbstwirksamkeit: Generalisierte Erwartungen einer Person, schwierige Herausforderungen bewältigen und Einfluss auf die Umwelt und wichtige Ereignisse nehmen zu können. Situierte Kognition: Begriff der sozio-konstruktivistisch orientierten Kognitionswissenschaft, der darauf hinweist, dass jede Informationsverarbeitung in einer spezifischen Situation mit spezifischen Anforderungen abläuft. Skala: Maßeinteilung zur Abbildung von quantitativen Daten. Skript, kognitives: Im Gedächtnis gespeichertes Schema, das die reguläre Struktur von bestimmten Ereignissen bzw. Handlungsabläufen (z.B. Ablauf eines Kundengesprächs) repräsentiert. Die dem Skript zugeordneten Wissensstrukturen erleichtern sowohl das Verstehen als auch die (automatisierte) Realisierung dieser Handlung. WeiblerPersonalführung.pdf 689 17.01.2012 11:20:23 674 Glossar Sozialisation: Sozialisation ist ein lebenslanger Prozess sozialen Lernens, der das Hineinwachsen des Menschen in soziale Beziehungsnetze ermöglicht. Um in halbwegs angepasster und kompetenter Weise in gesellschaftlichen Beziehungszusammenhängen handeln zu können, lernt der Mensch vor allem soziale Wertvorstellungen – also Ideen über wünschenswerte Zustände – sowie soziale Normen – also die Kenntnis bestimmter Erwartungen, die andere Personen im Hinblick auf das eigene Verhalten hegen – und schließlich auch ganze soziale Rollen – also Vorstellungen darüber, wie bestimmte Positionen (z.B. die Geschlechterrolle, die altersspezifische Rolle, die Elternrolle) auszufüllen sind. Soziometrie: Verfahren der Sozialpsychologie zur Erfassung der Struktur einer Gruppe insbesondere hinsichtlich Sympathie- und Antipathiebeziehungen. Stakeholder: Als Stakeholder bezeichnet man in der Unternehmensführung alle internen und externen Anspruchsgruppen (z.B. Mitarbeiter, Kunden, Lieferanten, Staat). Im Gegensatz dazu bezeichnet der Begriff des Shareholders nur eine einzige Anspruchsgruppe, nämlich die der Kapitalgeber (Anteilseigner). Symbolischer Interaktionismus: Forschungsrichtung, die das Zusammenspiel von Menschen als soziales Handlungssystem begreift, dieses durch wechselseitiges, deutendes Verstehen konstituiert auffasst und mittels Zeichen- und Sprachuntersuchungen analysieren möchte. Äußerungen in diesem Handlungssystem sind hiernach Symbole, da sich ihre (Überschuss-)Bedeutung erst interpretativ im Kontext erschließt. Thematischer Apperzeptions-Test: Projektiver, d.h. auf Interpretationen qualitativer Äu- ßerungen (Geschichten) basierender psychologischer Test, der mittels bebilderter, z.T. dramatisch anmutender (Alltags-)Situationen unbewusste Motive und Konflikte des Antwortenden im Rahmen der Persönlichkeitsdiagnostik erschließen möchte (z.B. Leistungs- und Machtmotive). Tit-for-tat-Strategie: Eine Strategie im Rahmen spieltheoretischer Modelle, die auf jede Handlung des Gegenspielers eine gleichartige Reaktion folgen lässt („Wie du mir, so ich dir“), wobei zu Beginn mit einer „freundlichen“ (kooperativen) Handlungsweise gestartet wird. Träges Wissen: Wissen Transaktionskosten: Alle Kosten, die im Zusammenhang mit einem Vertragsabschluss anfallen. Transaktionskosten entstehen bei der Übertragung von Gütern und Dienstleistungen von einem Wirtschaftssubjekt zum anderen. Konkret sind dies ex ante (bevor die Transaktion ausgeführt wird) Informationsbeschaffungskosten (z.B. Informationssuche über potenzielle Transaktionspartner), Anbahnungskosten (z.B. Kontaktaufnahme), Vereinbarungskosten (z.B. Vertragsformulierung) und ex post (nachdem die Transaktion ausgeführt wurde) Abwicklungskosten (z.B. Transportkosten), Kontrollkosten (z.B. Einhaltung von Qualitätsabsprachen) sowie Änderungskosten (z.B. bei Terminänderungen). Transkription: In der qualitativen Sozialforschung das Verschriftlichen von verbaler, teilweise auch nonverbaler Kommunikation, die auf Video- oder Tonträgern aufgezeichnet wurde. Unabhängige Variable: Variable Überzeugungen: Elementare, nicht zerlegbare kognitive Einheiten von Einstellungen und Werthaltungen. Unobtrusive Measures: („unaufdringliche Messungen“); bezeichnet in der empirischen Sozialforschung Daten, die durch sog. nicht-reaktive Verfahren erhoben werden. Reaktivität meint in diesem Zusammenhang, dass die Qualität von Daten durch das Erhebungsverfahren „verfälscht“ werden können. Beispielsweise kann nie exakt bestimmt werden, inwieweit die Antwort in einem Interview nur deshalb zu Stande gekommen ist, weil so und nicht WeiblerPersonalführung.pdf 690 17.01.2012 11:20:23 Glossar 675 anders gefragt wurde. Die Gefahr der durch eine Messmethode verzerrten Datengewinnung besteht nicht, wenn Daten erhoben werden, die bereits in der natürlichen Umgebung vorliegen (z.B. Straßennamen, Verkehrsströme oder Abnutzungsspuren). Unternehmensleitbild: Explizite, nach innen und/oder außen gerichtete Formulierung der Unternehmensgrundsätze. Valenz: Subjektive Bewertung von Verhaltenskonsequenzen bzw. von sich in Zielen konkretisierenden Bedürfnissen/Motiven. Validität: Gütekriterium bei der Erhebung empirischer Daten. Der Validitätskoeffizient gibt an, in welchem Maß ein Erhebungsverfahren tatsächlich die Variable misst, die es zu messen beansprucht. Variable: Variablen sind in der empirischen Forschung Ausschnitte der Beobachtungsrealität, über deren Ausprägung und Relationen Hypothesen (=Annahmen über einen Sachverhalt in Form eines konditionalen „Wenn-Dann“-Satzes) formuliert und geprüft werden. Dabei ist die unhabhängige Variable diejenige Variable, die zum „Wenn“-Teil einer Hypothese gehört. Die abhängige Variable ist diejenige Variable, die zum „Dann“-Teil einer Hypothese gehört und in der sich die Wirkungen der unabhängigen Variablen (Ursachen, Bedingungen) widerspiegeln. Varianz: In der empirischen Sozialforschung Maß für die Unterschiedlichkeit (Variabilität) einer Menge von Messwerten. Virtuelle Organisation: Eine „nicht wirkliche“ bzw. „nur scheinbare“ Organisation; als Begriff heute zumeist verwandt mit Blick auf Organisationen, die unter konsequenter Ausnutzung moderner Informations- und Kommunikationstechniken weniger räumlich verbunden, dafür (global) stark vernetzt interagieren. Wahrnehmung: Im weiteren Sinne der Prozess der Aufnahme und Interpretation von Informationen durch das kognitive System ( Kognition). Wert: Bezeichnet die bewussten oder unbewussten Orientierungsstandards und Leitvorstellungen, von denen sich Individuen und Gruppen bei ihrer Handlungswahl leiten lassen. Speziell sind Werte generelle, dauerhafte Überzeugungen von dem, was beispielsweise als richtig/falsch, schön/hässlich oder gut/böse zu gelten hat. Wiki: (hawaiisch für „schnell“); Hypertext-System für Webseiten, deren Inhalte von den Benutzern nicht nur gelesen, sondern auch online direkt im Browser geändert werden können. Bekannteste Anwendung ist die Online-Enzyklopädie Wikipedia. Wissen: Inhalte des Gedächtnisses; gliedert sich in deklaratives Wissen und prozedurales Wissen. Deklaratives Wissen ist Faktenwissen („Wissen, was“), das eine Person im semantischen Gedächtnis gespeichert hat und daraus wieder abrufen kann. Deklaratives Wissens ist explizites (bewusstes) Wissen. Prozedurales Wissen („Wissen, wie“) bezieht sich auf die im Operationsgedächtnis verfügbaren Operationen, die eine Person in die Lage versetzt, komplexe kognitive und sensumotorische Prozesse durchzuführen, ohne dabei einzelne Komponenten bewusst zu kontrollieren. Prozedurales Wissen ist implizites Wissen, das sich nur im Verhalten äußert („Können“). Träges Wissen bezeichnet theoretisch vorhandenes (deklaratives) Wissen, das jedoch nicht auf praktische Situationen übertragen und daher nicht konstruktiv (z.B. zur Lösung eines Problems) eingesetzt werden kann. Es besteht eine Kluft zwischen „Wissen“ und „Können“. Träges Wissen sind z.B. Vokabeln, die im Fremdsprachenkurs erlernt wurden, in der konkreten Kommunikationssituation im Berufsalltag jedoch nicht abgerufen werden können. Work-Life-Balance: Bezeichnet einen Zustand, in dem Arbeit und Privatleben in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. WeiblerPersonalführung.pdf 691 17.01.2012 11:20:23 Literaturverzeichnis Aasland, M.S.; Skogstad, A.; Notelaers, G.; Nielsen, M.B.; Einarsen, S. (2010): The prevalence of destructive leadership behavior. In: British Journal of Management 21(2), S. 438–452 Abrell, C.; Rowold, J.; Weibler, J.; Moenninghoff, M. 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Zusammenfassung

Jürgen Weibler ist Professor für Betriebswirtschaftslehre an der FernUniversität in Hagen. Er beschäftigt sich vor allem mit Fragen des Personalmanagements sowie der Organisation und gilt als einer "der renommiertesten deutschen Experten in Sachen Mitarbeiterführung (Leadership)" (Wirtschaftswoche 2011).

Führung bewegt Menschen. Sie berührt jeden - Führende wie Geführte.

Dieses Lehr- und Nachschlagewerk bietet eine anschauliche und ausgewogene Einführung in das Gebiet der Führung in Organisationen. Es werden alle grundlegenden Themen zur Personalführung aufgegriffen und um eine Vielzahl neuester Ansätze erweitert. Das Buch wendet sich an Studierende und Dozenten der Wirtschaftswissenschaften, der Psychologie, der Soziologie, der Politik- und Erziehungswissenschaft sowie an Fach- und Führungskräfte in Wirtschaft, Verwaltung, Schule und anderen Bereichen - auch in der Weiterbildung.

Aus dem Inhalt:

* Führung und Führungsbeziehungen - Führung als Erfolgsfaktor und Führungsbeziehungen als Orte lebendiger Führung

* Entstehung und Entwicklung von Führungsbeziehungen - Theoretischer Zugriff zur Erklärung von Führen und Geführtwerden

* Ausrichtung von Führungsbeziehungen - Motivation und Lernen in Führungsbeziehungen

* Gestaltung von Führungsbeziehungen - Führungsstile, Führungsinstrumente und Führungscontrolling

* Führungswandel - Female Leadership, E-Leadership, Shared Leadership, Führung und Emotionen, Führung und Gesundheit, Netzwerkführung, multikulturelle Führung, Complexity Leadership, integrale Führung etc.

* Reflexion von Führung - Bad Leadership, Legitimation und Ethik der Führung

"Obwohl viel Theorie vermittelt wird, ist das Lehrbuch vergleichsweise kurzweilig. Mit grafischen Abbildungen und sinnvollen Textformatierungen wird der Text aufgelockert. Durch den Vergleich mit Alltagssituationen wird die Theorie greifbarer und die Verweise auf weiterführende Literatur vermeiden zu viel Tiefgang ... Alles in allem eine tolle, fundierte Darstellung des Themas, die das Buch zu Recht bereits als führendes Standardwerk etabliert hat."

Informationsdienst des Deutschen Führungskräfteverbandes, Ausgabe 6/2012

"...der Inhalt erfüllt die Erwartungen in jeder Hinsicht...Zudem überzeugt der Einbezug neuer Fragestellungen wie Shared Leadership, Netzwerkführung, lernförderliche Führungsbeziehungen, E-Leadership, Führungscontrolling oder emotionssensible Führung. Auch eine ethische Reflexion über dunkle Seiten der Führung, toxische Führungsprozesse und schädliche Ziele fehlt nicht.

Methodisch ist sehr ansprechend, dass durchgehend in den Kästen "Empirie" und "Experiment" Studien mit ihrer Durchführung und Ergebnissen detailliert dargestellt werden, in den Kästen "Beispiele" sind kurze Praxisfälle erläutert. Zudem erfolgt pro Kapitel eine explizite "kritische Würdigung".

Prof. Dr. Erika Regnet in Personalnewsletter Nr. 9, Hochschule Augsburg

"Dieses Buch ist ein vortreffliches Lehrbuch, ein Grundlagenwerk, für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Führung und sollte auch so gesehen werden. Und es erfordert zurecht deutlich mehr Aufmerksamkeit, als andere Werke, die den Anspruch erheben, Führung erklären zu wollen."

in: Human Resources Manager 04-05/12

"Wer sich umfassend über die Themen Führung und Personalmanagement informieren will, liegt mit dem Lehrbuch 'Personalführung' richtig. (...)

Jürgen Weibler hat den Anspruch, eine Vielzahl von Zielgruppen zu bedienen. Für Bachelor-Studierende werden die Verständnisfragen am Ende jedes Teils sicher mitunter fast zu anspruchsvoll sein. Wissenschaftler finden Bezugspunkte und Anregungen für eigene Studien; Praktikern bietet der umfassende Überblick über die aktuellen Themenstränge zu Fragen der Personalführung ein solides theoretisches Fundament für ihre Arbeit."

in: Personalführung 03/12

"Dank seines Detailreichtums, seiner umfassenden Literaturrecherchen, seines stets brillianten Urteilsvermögens und nicht zuletzt aufgrund der enormen Vielschichtigkeit seiner Themenfelder hat Jürgen Weibler ein beeindruckendes Werk vorgelegt, das wohl als Referenzklasse der deutschsprachigen Führungsforschung gelten darf."

Prof. Dr. Hugo Kehr, Lehrstuhl für Psychologie, TU München

"Jürgen Weibler gelingt es mit diesem Lehrbuch, alle mit Personalführung im Zusammenhang stehenden Themen darzustellen, zu strukturieren und miteinander zu verknüpfen. Das Lehrbuch eignet sich daher sowohl als Einstieg ins Thema als auch als Nachschlagewerk für "Fortgeschrittene". Wer sich für Führung interessiert - ob Praktiker, Student oder Forscher - wird in diesem Buch eine Fülle von Informationen und Anregungen finden."

Prof. Dr. Eric Kearney, Lehrstuhl für Organizational Behavior & Human Resource Management, GISMA Business School / Leibniz Universität Hannover

Dass "in 2. Auflage erschienene Buch 'Personalführung' hat mich sehr beeindruckt. Es ist zugleich umfassendes Grundlagenwerk für die Wissenschaft und nützliches Nachschlagewerk für gestandene Praktiker - mit vielen Hintergrundinformationen und konkreten Handlungsalternativen".

Dr. Jörn Kreke, Aufsichtsratsvorsitzender der Douglas Holding AG