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3.1 Ziele und Aufgaben der Beschaffungslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 80 - 84

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_80

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 68 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 69 3 Beschaffungslogistik 3.1 Ziele und Aufgaben der Beschaffungslogistik 3.1.1 Definition und Aufgaben der Beschaffungslogistik Beschaffungslogistik beinhaltet alle Aufgaben der Versorgung eines Unternehmens mit notwendigen Ausstattungselementen, wie Sachgüter u. a. bzgl. Art, Menge, Zeit und Qualität zur nachgelagerten Leistungserstellung. Unterscheiden lassen sich dabei Beschaffungsarten nach Einzelbeschaffung im Bedarfsfall, nach Vorratsbeschaffung auf Lager und nach fertigungssynchroner Beschaffung für die Verarbeitung. Ziel ist es, die Beschaffungskette als Prozess zu optimieren und Zulieferunternehmen (Lieferanten) im Sinne eines integrierten Beschaffungsmanagements einzubeziehen. Beschaffungslogistik zeichnet sich durch folgende Eigenschaften aus: Eine Vielfalt an Beschaffungsobjekten und Lieferanten, hohe Beschaffungsunsicherheit und lange Beschaffungszeiten. Diese machen die Beschaffungslogistik auch zu einem strategischen Erfolgsfaktor für Unternehmen. Sinkende Fertigungstiefe und globale Einkaufsvolumina gestalten das Beschaffungsmanagement zu einem Netzwerk aus, das sich deshalb sowohl lokal als auch global ausdifferenziert. Durch Liberalisierungstendenzen auf dem Weltmarkt, standardisierte Technologien, niedrige Transportkosten in Verbindung mit hohen Währungsund Finanzierungsrisiken sowie großen Distanzen, ergeben sich gegenwärtig neue Herausforderungen. Beschaffungslogistik umfasst alle unternehmensbzw. marktbezogenen Tätigkeiten, um ein Unternehmen mit nicht durch eigene Produktion hergestellten Gütern oder Material zu versorgen. Mit Beschaffung werden demgegenüber umfassende Versorgungsprozesse bezeichnet, die weit über die Aufgaben der Beschaffungslogistik hinausgehen. Das Beschaffungsmanagement erfüllt Funktionen, wie Disposition und Lagermanagement sowie Planung, Steuerung und Kontrolle des Material- und Informationsflusses. Dem- Lernziele Kapitel 3 } } Le rn zi el e }} Überblick über wesentliche Ziele und Aufgaben der strategischen und operativen Beschaffungslogistik sowie Komponenten des Lieferantenbzw. Einkaufsmanagements und der elektronischen Beschaffungslogistik. }} Verständnis für Strategien der Beschaffungslogistik und deren Anwendung im Lieferanten- und elektronischen Logistikmanagement in Abgrenzung zu operativen Vorgängen des Einkaufsmanagements und operativen Prozessen der elektronischen Beschaffungslogistik. }} Einsicht in konzeptionelle Zusammenhänge und Abgrenzungen zwischen strategischer und operativer Beschaffungslogistik auf der Basis eines systemtheoretischen Ansatzes zur Abbildung komplexer Sachverhalte. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 70 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 71 3 Beschaffungslogistik70 gegenüber konkretisiert sich mit dem Einkauf über die Entscheidung für eine bestimmte Sourcingart und mit der Auswahl von bestimmten Lieferanten der Beschaffungsvorgang. Das Einkaufsmanagement erfüllt Funktionen eines operativen Beschaffungsprozesses, der mit Aufgabenbündeln von der Bedarfsmeldung bis zur Lieferungskontrolle versehen ist. Beschaffungslogistik lässt sich nach dem zeitlichen Bezug und der institutionellen Einordnung unterscheiden in eine strategische und eine operative Ausrichtung. Die strategische Beschaffung fokussiert eine Beschaffungsmarktpolitik, Beschaffungsmarktforschung, Beschaffungsstrategien und ein strategisches Lieferantenmanagement sowie strategische Komponenten der elektronischen Beschaffungslogistik. Die operative Beschaffung bezweckt vorrangig ein operatives Einkaufsmanagement mit diversen Aufgabenbündeln sowie operative Komponenten der elektronischen Beschaffungslogistik. Unter dem Aspekt einer gestiegenen Marktorientierung versucht ein explizites Beschaffungsmarketing die Steigerung der Attraktivität von Geschäftsbeziehungen zwischen Lieferanten und Abnehmern auszubauen, um Optimierungsprozesse hinsichtlich Qualität, Lieferservice, Kostenniveau, etc. zu erreichen. Mit Hilfe des klassischen Marketinginstrumentariums und einer Anwendung auf die Beschaffungslogistik sollen Beschaffungsprogramm, Beschaffungspreise, Beschaffungskommunikation und Beschaffungsbezug einer marktorientierten Ausrichtung zugeführt werden. Beschaffungsobjekte sind Materialien, die je nach Branche unterschiedliche Funktionen erfüllen, wie z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, Halbfabrikate oder Handelswaren, etc. Als einzukaufende Teile lassen sich Beschaffungsobjekte unter dem Aspekt des Beschaffungsrisikos und der Bedeutung für die Erfolgspotenziale des Unternehmens in vier Objektklassen unterscheiden: (1) Strategische Beschaffungsobjekte besitzen einen großen Einfluss auf das Erfolgspotenzial und ein hohes Beschaffungsrisiko und bedürfen infolgedes- Strategische Beschaffung Beschaffungsstrategien Beschaffungsmarktpolitik Beschaffungsmarktforschung Strategisches Lieferantenmanagement Operatives E-Procurement Operative Beschaffungslogistik Strategisches E-Procurement Operative Beschaffung Operatives Einkaufsmanagement Beschaffung Abbildung 3.1: Aufgaben der Beschaffung Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 70 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 71 3.1 Ziele und Aufgaben der Beschaffungslogistik 71 sen einer präzisen Bedarfsprognose und detaillierten Marktforschung sowie langfristige Beziehungen zu Lieferanten. (2) Engpassobjekte zeichnen sich durch einen relativ niedrigen Beitrag zum Erfolgspotenzial aus, gleichzeitig durch ein hohes Beschaffungsrisiko und erfordern daher eine kontinuierliche Lieferanten- und Bestandssicherheitskontrolle sowie mittelfristige Prognosen. (3) Hebelobjekte wirken erheblich auf Erfolgspotenziale, sind jedoch geprägt durch ein niedriges Beschaffungsrisiko, woraus sich eine Einkaufsmacht für das Bezugsunternehmen ergibt, eine relativ einfache Lieferantenauswahl bedingt durch gute Kenntnisse der Marktdaten. (4) Unkritische Beschaffungsobjekte kennzeichnet einen niedrigen Beitrag zum Erfolgspotenzial, ebenso ein geringes Beschaffungsrisiko, woraus sich die Möglichkeit einer Optimierung der Auftragsmengen sowie effiziente Bearbeitung ergibt, bedingt durch die guten Kenntnisse über die Marktlage. Über entsprechende IT-Systeme und Softwareanwendungen werden Beschaffungsprozesse unterstützt, automatisiert und wesentlich vereinfacht. 3.1.2 Organisation der Beschaffungslogistik Die Organisation der Beschaffungslogistik hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise der Größe und des Standortes eines Unternehmens, der Organisation von produzierenden Einheiten in Unternehmen sowie der räumlichen Distanz zu Bedarfsmärkten. Die organisatorische Eingliederung des Beschaffungsmanagements kann zentral, dezentral oder als Mischform erfolgen: Hebelobjekte Hauptaufgaben: Nutzung der Einkaufsmacht, etc. Entscheidungsträger: z.B. Chefeinkäufer Strategische Objekte Hauptaufgaben: Präzise Bedarfsprognosen, etc. Entscheidungsträger: z.B. Geschäftsführer Unkritische Objekte Hauptaufgaben: Produktstandardisierung, etc. Entscheidungsträger: z.B. Einkäufer Engpassobjekte Hauptaufgaben: Mengensicherung, etc. Entscheidungsträger: z.B. Bereichsleiter Erfolgspotenzial Beschaffungsrisiko niedrig hoch hoch Abbildung 3.2: Beschaffungsobjekte Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 72 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 73 3 Beschaffungslogistik72 ●● Im Falle einer zentralen Beschaffung wird der gesamte Bedarf des Unternehmens über eine einzige Organisationseinheit bewerkstelligt. Dies hat bei Kleinbetrieben und mittelständischen Betrieben Vorteile, ebenso bei einer Bestellung in großen Mengen oder hinsichtlich der Bündelung von Informationen über Beschaffungsmärkte. Nachteile ergeben sich insbesondere bei großen Konzernen mit Standorten im In- und Ausland und dem dafür erforderlichen erhöhten Flexibilisierungsbedarf. Ein zentraler Einkauf erfolgt z. B. eher bei A- und B-Teilen. ●● Bei einer dezentralen Beschaffung wird der Bedarf des Unternehmens über mehrere Stellen bzw. organisatorische Einheiten abgewickelt. Dies kann sich aus der Logik der Standorte oder Unterschiede der Materialgruppen ergeben. Vorteile einer dezentralen Beschaffung sind dann kurze Entscheidungswege, bedarfsgerechte Anforderungen für unterschiedliche Transformationsprozesse, ausgeprägte Erfahrungswerte, eine höhere Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Nachteile können in einer ineffizienten Aufgabenerfüllung bestehen, einer Vernachlässigung strategischer Aufgabenbewältigung, schlechteren Einkaufskonditionen sowie einer starken Spezialisierung der Beschaffung auf Teilbereiche. Ein dezentraler Einkauf erfolgt z. B. eher für C-Teile. ●● Mit Mischformen des Beschaffungsmanagements werden häufig optimale Organisationsformen geschaffen, die den zentralen mit dem dezentralen Einkauf verbinden. Hierzu gehören ebenfalls outgesourcte Beschaffungseinheiten, Lead-Buyer-Konzepte sowie Beschaffungsverbundeinheiten. Das Lead-Buyer-Konzept stellt eine moderne Mischform der Beschaffungsorganisation dar, die versucht Vor- und Nachteile von zentralen und dezentralen Organisationsstrukturen zu verbinden. Lead Buying bedeutet, dass sich Zentraler Einkauf Dezentraler Einkauf eher C-Teile Verhandlungsmacht Bestandsoptimierung Flexibilität Problemorientierung Schnelligkeit Einkaufs-Know-how Technisches Know-how Auslastung – – + + + – + – + + – – – + – + eher A-und B-Teile Abbildung 3.3: Beschaffungsorganisation Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 72 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 73 3.2 Strategische Beschaffungslogistik 73 Geschäftsbereiche z. B. bezüglich spezifischer Materialgruppen auf einen Lead Buyer einigen, der sowohl Verträge mit den Divisionen/Bedarfsträgern abschließt als auch die strategischen Beschaffungsaktivitäten übernimmt. Die operative Abwicklung der Einzelaufträge erfolgt dann jeweils z. B. nach Materialgruppen und Unternehmensbereichen. Darüber hinaus kann die Organisation der Beschaffungslogistik nach Verrichtung, wie z. B. Disposition, Bestellung, Anfragen, etc., nach Objekten, wie z. B. Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen, oder nach Regionen und Beschaffungsmärkten, wie z. B. Europa, Asien, etc., strukturiert werden. 3.2 Strategische Beschaffungslogistik 3.2.1 Ziele, Aufgaben und Strategien der Beschaffungslogistik In der strategischen Beschaffungslogistik als Subsystem der Beschaffungslogistik werden sowohl auf der Führungsebene als auch an zentralen Leitungsoder Stabsstelle in Unternehmen grundlegende Entscheidungen für eine Ausrichtung der Beschaffung getroffen. Diese Entscheidungen beeinflussen die Wettbewerbsfähigkeit und die Beschaffungsaktivitäten über einen längeren Zeitraum und sichern damit die Erfolgspotenziale des Unternehmens. Mit strategischer Beschaffung, die das Bedeutungsspektrum der Beschaffungslogistik übersteigt, werden Beschaffungsmarktpolitik und Beschaffungsmarktforschung sowie Beschaffungsstrategien und Lieferantenmanagement anvisiert. Der strategische Beschaffungsprozess beinhaltet folgende Elemente: (a) Die Beschaffungsmarktforschung mit der Auswahl der Beschaffungsobjekte, einer Selektion der Beschaffungsinformation sowie die Analyse und Bereitstellung von Handlungsalternativen, (b) Lieferantenbewertung und Lieferantenauswahl mit den Komponenten der Lieferantenidentifikation, einer entsprechenden Selektion und anschließenden Auswahl, (c) Verhandlungsmanagement umfasst die Feststellung der Verhandlungsposition und die Auswahl verschiedener Verhandlungsstrategien sowie (d) ein strategisches Vertragsmanagement mit der Gestaltung der Vertragsinhalte und einer Auswahl der Vertragsart. Ziele und Aufgaben der strategischen Beschaffungslogistik sind die Gestaltung des betrieblichen Informationsflusses zu Lieferanten, wie z. B. Technologiestatus, Lieferantenportfolio, etc., die Gestaltung des Materialflusses in das Unternehmen, wie z. B. Global-, Single-, Modular-Sourcing von A-Artikeln, etc., die Vorratsbeschaffung, wie z. B. Bestandsoptimierung, Reduzierung der Bestände bzw. Beschaffungskosten, etc., oder den Einsatz in der Produktion, wie z. B. Rahmenverträge, Make-or-Buy-Entscheidungen, etc., die Gestaltung von Art und Anzahl der Beschaffungsobjekte sowie die Häufigkeit und Umfang von Lieferungen, wie z. B. Risk-Management, etc. Elemente der Planung in der strategischen Beschaffungslogistik sind (a) eine Situationsanalyse, wie z. B. Umweltanalyse, Unternehmensanalyse, etc., (b) eine Strategieentwicklung, wie z. B. Auswahl von

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Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

* Beschaffungslogistik

* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12