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9.1 Transport, Verkehr und Verkehrsträgerlogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 203 - 209

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_203

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

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Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 192 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 193 9 Nationales und internationales Verkehrsträgermanagement 9.1 Transport, Verkehr und Verkehrsträgerlogistik 9.1.1 Transportmanagement und Transportsysteme Transport- und Fördersysteme werden eingesetzt, um Güter im Sinne von Material und Waren an unterschiedliche Orte zu befördern (örtliche Transformation), um damit räumliche Distanzen zu überwinden und logistische Leistungen zu erbringen. Ziel von Transportsystemen stellen folgende Größen dar: (a) Einen hohen auftragsbezogenen Servicegrad, wie z. B. kurze Wartezeiten, niedrige Transportzeiten, schnelle Reaktion auf eilige oder spezielle Transporte, (b) eine optimale Nutzung der Transportsysteme, wie z. B. minimale Transportkosten oder eine hohe funktionale und zeitliche Auslastung, (c) eine hohe Flexibilität, wie z. B. ein breites Transportspektrum für verschiedene Güter oder leichte Anpassung an betriebliche Umstellungen sowie (d) Transparenz und Controlling in Form von Tracking & Tracing Systemen durch Informationen über die aktuelle Situation, wie Verfügbarkeit, Örtlichkeit, durchgeführte Aufträge, Kennzahlenerzeugung, wie durchschnittliche Transportzeiten, sowie Informationen über vor- und nachgelagerte Bereiche durch Datensammlung und Auswertung von Daten. Transportsysteme bestehen aus Elementen wie Transportgut (Transportobjekt), Transportmittel (Verkehrsträger), Transportprozess (Transportkette) mit dem Ergebnis einer Transportleistung. Nach logistischen Kriterien werden Transportarten unterschieden und zwar als Systeme zum kontinuierlichen Transport (z. B. Rohrleitungssysteme, etc.) und als Systeme zum diskontinuierlichen Transport (z. B. Transportsysteme, bei denen das Transportgut mit oder ohne Ladungsträger auf einem angetriebenem Transportnetz befördert wird oder Fahrzeugsysteme, bei denen das Transportgut in Transporteinheiten mit eigenem Antrieb Lernziele Kapitel 9 } } Le rn zi el e }} Überblick über wesentliche Grundbegriffe zu Transportsystemen, Verkehr und Verkehrsträgerlogistik sowie über die Teilbereiche Land-, Wasser- und Luftverkehrsmanagement. }} Verständnis des Systems der Verkehrsträgerlogistik mit den Subsystemen des Land-, Wasser- und Luftverkehrs, einschließlich der beteiligten Managementfunktion. }} Einsicht in strukturelle Analogien zwischen einzelnen Verkehrsträgersubsystemen und deren Elemente, wie Marktentwicklungen, Unternehmen, Organisationen, spezifische Verkehrspolitik sowie Leistungs- und Kostenstrukturen. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 194 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 195 9 Nationales und internationales Verkehrsträgermanagement194 auf einem antriebslosen Transportnetz befördert wird, etc.). Ein Transportauftrag spezifiziert dann die Frachtbeschaffenheit entweder als (a) Massengutfracht, bestehend aus unabgepackten, festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffen oder (b) als Stückgutfracht, bestehend aus diskreten Ladeeinheiten, wie Behälter, Paletten, Pakete oder ISO-Containern mit bestimmten Maßen, Volumen oder Gewicht. Die Lösung eines Transportproblems besteht letztendlich in der Organisation eines Transportprozesses, d. h. im Aufbau einer Transportkette, die als logistisches Subsystem aufgefasst werden kann. Nach DIN-Norm 30781 versteht man unter einer Transportkette eine Folge von technischen und organisatorisch miteinander verknüpften Vorgängen, bei denen Personen oder Güter von einer Quelle zu einer Senke, einem Ziel bewegt werden. Transportketten können dabei eingliedrig oder mehrgliedrig sein. In einer eingliedrigen Transportkette sind Lieferund Empfangspunkt, also Quelle und Senke in einem ungebrochenen Verkehr (Direktverkehr), ohne Wechsel des Transportmittels, miteinander verbunden. In einer mehrgliedrigen Transportkette findet dagegen ein Wechsel des Transportmittels zwischen Quelle und Senke statt. Man unterscheidet diesbezüglich weiterhin zwischen gebrochenem Verkehr mit Wechsel des Transportgefäßes und kombiniertem Verkehr ohne Wechsel des Transportgefäßes, wobei im Falle des letzteren zwischen Huckepackverkehr, bei dem ganze Verkehrsmittel oder Teile davon verladen werden (z. B. Roll-on-Roll-off-Verkehr, Swim-on-Swimoff-Verkehr, bimodaler Sattelanhänger, etc.) oder Behälterverkehr, d. h. wenn Transportgefäße verladen werden (z. B. Großbehälterverkehr, Container und Kleinbehälterverkehr, Collico, etc.). Transportstrategien sind Instrumente, mit denen sich Transportleistungen optimiert durchführen lassen und insbesondere die Prozesse an den Stationen bzw. Transportknoten zur Erreichung der logistischen Ziele, wie Leistungssteigerung, Qualitätssicherung und Kostensenkung erreichen lassen. Durch Landverkehr Luftverkehr Wasserverkehr Güterverkehrssystem Straßengüterverkehr Schienengüterverkehr Rohrleitungsverkehr Luftfrachtverkehr Binnenschifffahrt Seeverkehr Gewerbl. Straßengüterverkehr - nah - fern Werksverkehr - nah - fern Wagenladungsverkehr Rohölpipelines Motorschifffahrt Schleppschifffahrt Schubschifffahrt Linienfahrt Trampfahrt Tankfahrt Küstenschifffahrt ProduktenpipelinesStückgutverkehr Expressgutverkehr Kombinierter Verkehr (Dienstverkehr) Raumfahrt Raumfahrzeuge Luftfahrzeuge Nachrichtenverkehr Fahrzeuge Funk, Infrarot Kabel Abbildung 9.1: Verkehrsträgermanagement im Überblick Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 194 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 195 9.1 Transport, Verkehr und Verkehrsträgerlogistik 195 die gezielte Anwendung von Transportstrategien lassen sich Lösungen einer Transportaufgabe mit optimaler Transportnetzwahl erzielen, Verbesserungen des Transportleistungsvermögens im bestehenden Transportsystem erreichen sowie die Anzahl der benötigten Verkehrsmittel senken und die Funktionsoder Verkehrssicherheit erhöhen. Als Transportstrategien werden z. B. Fahr- Weg-Strategien und Stationsstrategien unterschieden: (a) Fahr-Weg-Strategien legen die Reihenfolge fest, in der die Bestimmungsorte der Ladung angefahren werden und zwar als Strategien minimaler Fahrwege mit kürzester Weglänge, Fahrzeit oder Fahrkosten und Strategien maximaler Kapazitätsauslastung, sodass die Transportmittel in ihrer Kapazität maximal genutzt werden sowie Fahrplanstrategien, bei denen minimale Fahrwege mit maximaler Kapazitätsauslastung kombiniert werden. (b) Stationsstrategien regeln die Abfertigung der Aufträge an den Stationen, z. B. nach fester Abfertigungsreihenfolge (First- Come-First-Served FCFS), nach freier Abfertigungsreihenfolge (Ladungsbündelung), zielreine oder zielgemischte Beladung sowie Fahrten mit und ohne Zuladen. 9.1.2 Außerbetriebliche Transportsysteme und Verkehrsträgerlogistik Das außerbetriebliche Transportsystem setzt sich zusammen aus Elementen, den Verkehrsträgern, also der Gesamtheit der Unternehmen, die Verkehrsleistungen anbieten, der Verkehrsinfrastruktur, die alle ortsfesten Anlagen eines Verkehrssystems, insbesondere die Verkehrswege und Verkehrsknoten bzw. Stationen umfasst, schließlich die Verkehrsmedien Land, Wasser und Luft sowie die Rahmenbedingungen, die durch natürlich Bedingungen bestimmt sind und damit die wesentlichen Eigenschaften eines Verkehrssystems ausmachen. Im System der Verkehrswirtschaft können entsprechend der Einteilung der Verkehrsmedien in Land, Wasser und Luft, Verkehrsträger in Straßenverkehr, Schienenverkehr, Binnenschifffahrts- und Hochseeschifffahrtsverkehr sowie Luft- und Rohrleitungsverkehr mit ihren verkehrsträgerbezogenen Logistikleistungen und spezifischen Transportprodukten unterschieden werden. Einzelne Eigenschaften dieser Verkehrsträger stellen dabei relativ unveränderliche Merkmale dar, wie z. B. Kapazität, Verfügbarkeit oder Flexibilität eines Verkehrsträgers, etc. Andere Eigenschaften beziehen sich stärker auf einen technologischen Stand der Entwicklung, wie z. B. Transportweiten, Sicherheiten, Kosten, etc. Beurteilungskriterien für Transportsysteme und Verkehrsträgerlogistik bestehen aus rechtlichen Kriterien, wie z. B. Gesetzen und Verordnungen im Straßenverkehr, Umweltschutzbedingungen, Gefahrgutvorschriften, etc., aus infrastrukturellen Kriterien, wie z. B. Straßen- und Schienennetzen, Flughäfen und Wasserwegen, etc., aus leistungsbezogenen Kriterien, wie z. B. Zuverlässigkeit, technischer Eignung, Vernetzungsfähigkeit, etc. sowie aus kostenbezogenen Kriterien, wie z. B. Fracht- und Transportnebenkosten, Handlingkosten und sonstigen Logistikkosten. Für die Beurteilung von Verkehrsträgern und Transportmodalitäten wird auf Verkehrswertigkeit zur Festlegung von Qualitätsmerkmalen von Verkehrsträgern zurückgegriffen sowie auf Verkehrsaffinität, welche die Anforde- Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 196 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 197 9 Nationales und internationales Verkehrsträgermanagement196 rungen durch Transportnachfrager erfasst, darunter Massenleistungsfähigkeit, Schnelligkeit, Netzbildungsfähigkeit, Berechenbarkeit, zeitliche und räumliche Flexibilität, Sicherheit, Umweltverträglichkeit, etc. Für außerbetriebliche Transportsysteme werden im Folgenden drei Verkehrsträgerbereiche mit entsprechenden Managementfunktionen unterschieden: Landverkehrsmanagement mit den Verkehrsträgern des Straßen- und Schienenverkehrs, Wasserverkehrsmanagement mit den Verkehrsträgern des Binnenschiffs- und Hochseeschiffsverkehrs sowie Luftverkehrsmanagement. Erstmals wird auch unter rechtlichen Gesichtspunkten seit dem 1. Juli 1998 mit dem Gesetz zur Neuregelung des Fracht-, Speditions- und Lagerrechts mit dem Transportrechtsreformgesetz der innerdeutsche Gütertransport einheitlich für die Verkehrsträger Straße, Schiene, Wasser und Luft geregelt. Mobilität und Verkehr stehen im außerbetrieblichen Transportsystem in einem engen Zusammenhang, wobei Mobilität den Wechsel von Personen und Gütern zwischen den Teilmengen eines Verkehrssystems bezeichnet. Mobilität lässt sich durch verschiedene Kennzahlen ausdrücken, z. B. die Mobilitätsrate, das Mobilitätsstreckenbudget, das Mobilitätszeitbudget, etc. Verkehr stellt dabei eine Teilmenge von Mobilität dar. Unter Verkehr versteht man die Ortsveränderungen von Personen (Personenverkehr), Gütern (Güterverkehr) und Nachrichten (Nachrichtentechnik). Im Personenverkehr werden folgende Anforderungen an die Verkehrsträger gestellt: Sicherheit, Fahrzeit bzw. Fahrgeschwindigkeit, Fahrkosten, Fahrgenuss, Verfügbarkeit, Ungebrochenheit sowie die Erfordernisse von Zertifikaten (z. B. Zulassungsbescheinigungen, etc.). Im Güterverkehr werden demgegenüber folgende Anforderungen an die Verkehrsträger gestellt: VWL Markt Staat BWL Marketing Produktion Logistik Planung Entscheidung Organisation Kontrolle Management Mobilität Verkehr Raum strategisch taktisch operativ Lösungsansätze aus verschiedenen Disziplinen Abbildung 9.2: Interdisziplinarität des Verkehrsträgermanagements Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 196 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 197 9.1 Transport, Verkehr und Verkehrsträgerlogistik 197 Frachtkosten, Fahrzeit, Berechenbarkeit sowie die Anpassungsfähigkeit an Transportaufgaben. Transport bezeichnet die geplant herbeigeführte Ortsver- änderung von Personen, Gütern und Nachrichten von einem Punkt A zu einem Punkt B. Das Problem der Distanzüberwindung im Raum erfolgt anhand technischer und organisatorischer Einrichtungen, wie z. B. Verkehrsmitteln, Verkehrswegen, Verkehrsstationen, Verkehrsanlagen, etc. Auswahlkriterien für außerbetriebliche Transportsysteme lassen sich für jedes Verkehrsmittel anhand einer Gegenüberstellung von Kosten, wie z. B. Frachtkosten, Transportnebenkosten, etc. und Leistung, wie z. B. Transportzeit, Transportfrequenz, Flexibilität, etc., beurteilen. Um Verkehr statistisch erfassen und beschreiben zu können sind eine Reihe grundlegender Messgrößen in der Verkehrswirtschaft entwickelt worden: (a) Zu den verkehrsinfrastrukturbezogenen Messgrößen gehören die Verkehrsmenge, d. h. die Summe der Verkehrsobjekte (Personen, Güter, Nachrichten), die in einem Zeitintervall in einem Gebiet oder einer Verkehrsinfrastruktur örtlich verändert wird, wie z. B. die Anzahl der beförderten Personen, etc., sowie die Verkehrsdichte, welche die Anzahl der Verkehrsmittel pro Zeitpunkt und Streckenabschnitt angibt. (b) Zu den verkehrsmittelbezogenen Messgrößen, gehört die Verkehrsfrequenz, welche die Anzahl der Verkehrsvorgänge in einem Zeitraum angibt und die Verbindungsqualität zwischen zwei Orten beschreibt sowie die Fahrleistung, welche die zurückgelegte Entfernung eines Verkehrsmittels angibt. (c) Zu den transportobjektbezogenen Messgrößen gehört das Verkehrsaufkommen, d. h. die Summe der Transportobjekte als Nachfragemenge, die in einem festgelegten Zeitraum örtlich verändert wird. Die Verkehrsweite bezeichnet die Transportentfernung, über die ein Verkehrsobjekt örtlich verändert wird. Die Verkehrsleistung wird durch Multiplikation des Verkehrsaufkommens mit der Verkehrsweite errechnet. Daraus ergeben sich z. B. Personen- oder Tonnenkilometer. Die Zuordnung des Verkehrsaufkommens bzw. der Verkehrsleistung zu einzelnen Verkehrsträgern wird als Verkehrsteilung oder Modal Split bezeichnet. Weitere Klassifizierungsmerkmale von Verkehrsleistungen, die auch zur Einteilung von Verkehrsmärkten herangezogen werden, sind gegeben durch Eigenverkehre, bei denen die Verkehrsleistung von einem Wirtschaftssubjekt mit eigenen Produktionsmitteln erstellt wird, wie z. B. Werksverkehre, etc. Fremdverkehre stellen demgegenüber Verkehrsleistungen dar, die für Dritte meist gegen Entgelt erbracht werden, wie z. B. Berufsverkehre, Urlaubsverkehre, etc. Je nach Regelmäßigkeit bzw. Planbarkeit eines Verkehrs wird zwischen Linienverkehr, d. h. einer Beförderung von Personen und Gütern nach Fahrplan, und Gelegenheitsverkehr, d. h. einer Verkehrsleistung, bei der jeder Transport einzeln festgelegt wird, unterschieden. Öffentlicher Verkehr liegt immer dann vor, wenn unter bestimmten Voraussetzungen der Transport für jedermann zugänglich ist oder das Transportunternehmen durch öffentliche Betreiber oder staatliche Beteiligung organisiert wird. Privater Verkehr ist hingegen nicht für jedermann zugänglich, sondern wird nur für bestimmte Personen oder Unternehmen er- Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 198 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 199 9 Nationales und internationales Verkehrsträgermanagement198 bracht (Ausschlussprinzip; dedicated transport). Nah- und Fernverkehre werden in Abhängigkeit der Transportentfernung unterschieden. Mit der Erstellung einer Verkehrsleistung besteht häufig ein enger Zusammenhang zwischen dem Produkt der Verkehrsleistung und der Produktionsform: Direktverkehre entstehen immer dann, wenn zwischen dem Ausgangspunkt und dem Endpunkt eines Transports kein Umweg oder Wechsel des Verkehrsmittels erfolgt, wie z. B. bei Individualverkehr, Komplettladungen, etc. Tourenverkehre beinhalten eine Reihenfolge von Be- und Entladepunkten, die auf einer Gesamtstrecke bedient werden, wie z. B. Linienverkehre, Sammelverkehre, etc. Systemverkehre bezeichnen eine Bündelung von Transportleistungen im Rahmen von Verkehrsnetzen und regelmäßigen Diensten, wie z. B. Nutzung von Hubs, Kurrier- und Expressdienste, etc. Binnenverkehre bezeichnen Transporte, bei denen Quelle und Senke in einem Staat liegen, internationale Verkehre bezeichnen Transporte, deren Quelle und Senke in zwei Staaten liegen. Befindet sich weder Quelle, noch Senke in einem Staat, in dem der Transport erfolgt, spricht man von Transitverkehr. Als Kabotage bezeichnet man eine Verkehrsleistung, bei der Quelle und Senke in einem Staat liegen, die Verkehrsleistung jedoch von dem Unternehmen eines Drittstaates erbracht wird. Verkehrsarten bezeichnen den Beförderungsvorgang genauer. Transportketten sind definiert als Folge von technisch und organisatorisch verknüpften Beförderungsvorgängen, bei denen entweder Personen oder Güter bewegt werden. Man unterscheidet weiterhin eingliedrige Verkehre, bei denen nur ein Verkehrsmittel benutzt und der Transport nicht durch einen Umschlag unterbrochen wird und mehrgliedrige Verkehre, bei denen eine Unterbrechung des Verkehrs oder Transports durch Umschlagsprozesse erfolgt. Wird eine Verkehrsart nur durch einen Nationale Verkehrspolitik übergeordnete politische und wirtschaftliche Ziele Aktionsrahmen des Verkehrssystems Verkehrspolitik der Europäischen Union gesamtwirtschaftliche Situation Internationale Abkommen (Verkehrspolitik der Partnerländer) Dimensionen der Verkehrspolitik Abbildung 9.3: Dimensionen der Verkehrspolitik Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 198 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 199 9.2 Landverkehrsmanagement 199 Verkehrsträger durchgeführt, so bezeichnet man diese als unimodalen Verkehr, wird hingegen ein Verkehr durch zwei oder mehrere verschiedene Verkehrsträger durchgeführt, spricht man von multimodalem Verkehr. Von einem intermodalen Verkehr spricht man, wenn ein Transport von Personen oder Gütern in ein und derselben Transporteinheit (Intermodal Transport Unit/ITU) mit verschiedenen Verkehrsträgern erfolgt. Ist bei einem Transport nur ein Verkehrsträger beteiligt, z. B. mehrere Straßentransportunternehmen, spricht man von intramodal kombiniertem Verkehr, bei Beteiligung mehrerer Verkehrsträger hingegen von intermodal kombiniertem Verkehr. Verkehrspolitik umfasst alle Maßnahmen des Staates zur Gestaltung und Beeinflussung des Verkehrssystems. Grundsätzlich bewegen sich verkehrspolitische Eingriffe zwischen den Extremen einer marktkonformen bzw. staatlich orientierten Einflussnahme, die wiederum von den Extremen Marktversagen bzw. Staatsversagen begleitet werden. Unter Regulierung versteht man in diesem Sinne insgesamt jeden staatlichen Eingriff in wirtschaftliche Handlungen oder Prozesse, der sich auf den Marktzutritt, die Produktionskapazitäten, Preise, Qualität oder Kontrahierungsfreiheit auswirkt bzw. der Festlegung von Kontingenten dient. Umgekehrt besteht in vielen Bereichen des Verkehrssektors Deregulierung als Antwort auf mangelnden Wettbewerb und als Folge partiellen Staatsversagens. Verkehrspolitische Gestaltung erfolgt über drei verschiedene Teilbereiche der Verkehrspolitik: (1) Mit der Verkehrsordnungspolitik (Regulierung/Zulassungen versus Deregulierung/freier Marktzugang) geht es um die Schaffung eines Ordnungsrahmens für die Marktstruktur bzw. den Marktzugang für einzelne Verkehrsteilnehmer und unternehmerische Aktivitäten im Verkehr. (2) Mit der Verkehrsinfrastrukturpolitik (staatliche Verkehrswegeplanung, private Infrastrukturinvestitionen) werden Rahmenbedingungen für Planung Bau, Finanzierung und Unterhalt der Infrastruktur des Verkehrs geschaffen, um damit entsprechende Verkehrs-, Mobilitäts- und Raumeffekte zu schaffen. (3) Mit der Verkehrsprozesspolitik (Verkehrsvorschriften, Koordination der Verkehrsträger) geht es um eine verkehrspolitische Einflussnahme auf Verkehrs-, Transport- und Logistikaktivitäten mit dem Ziel, über Verkehrssteuerung eine Verkehrseffizienz für einzelne Verkehrsprozesse zu schaffen. 9.2 Landverkehrsmanagement 9.2.1 Bereiche des Landverkehrs Landverkehr als Verkehrsträgersystem unterteilt sich in zwei Subsysteme, nämlich Straßenverkehr und Schienenverkehr. Landverkehrsmanagement behandelt alle Probleme, Aufgaben und Lösungsansätze, die sich im Zusammenhang mit Märkten und Unternehmen in den Subsystemen des Landverkehrs ergeben. Daraus abgeleitet sind weitere Teilbereiche des Landverkehrsmanagements wie Managementfunktionen des Straßenverkehrs (z. B. Flotten- oder Fuhrparkmanagement, etc.) und des Schienenverkehrs (z. B. Stationsmanagement, etc.).

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References

Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

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* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12