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6.3 Operative Entsorgungslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 149 - 152

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_149

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 138 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 139 6.3 Operative Entsorgungslogistik 139 6.3 Operative Entsorgungslogistik 6.3.1 Teilbereiche der operativen Entsorgungslogistik Innerbetriebliche Entsorgungslogistik zählt Kernleistungen wie Lager-, Transport- und Umschlagprozesse zu ihren Aufgaben. Lagerprozesse in der Entsorgungslogistik dienen insbesondere der Gestaltung wirtschaftlicher Transporteinheiten beim Sammeln oder bei der Transformation von Rückständen sowie einer Aufbereitung von Rückständen für die Verwendung in Verwertungsanlagen. Hierbei sind generelle Sicherheitsvorkehrungen zu beachten, wie etwa Zusammenlagerungsverbote, Mengenschwellenüberwachung sowie Brandschutzanforderungen. Zu entscheiden ist hier über eine Lagerplatzzuordnung von Rest- bzw. Abfallstoffen mit den Alternativen von getrennten oder gemeinsamen Lagerzonen. Transportprozesse lassen sich als innerbetriebliche Aufgaben der Entsorgungslogistik nach der Art der Rückstände unterscheiden in Wertstoffe, deren Durchlaufzeiten zu minimieren sind, und Abfallstoffe, die unter Kosten- und Sicherheitsaspekten zu behandeln sind. Als Teilprozesse lassen sich hierbei Sammlung, Lagerung und Überführung in den außerbetrieblichen Transport unterscheiden. Umschlagprozesse sollten aus entsorgungslogistischer Sicht möglichst minimiert werden, da sich hieraus erneute Rückstände- und Abfallgefahren ergeben. Für den Umschlagmitteleinsatz lassen sich hier in Analogie zu Fördermitteln stetige und unstetige Umschlagmittel unterscheiden. Außerbetriebliche Entsorgungslogistik zählt Sammeltransporte, Nah- und Ferntransporte zu ihren Aufgaben. Sammeltransporte stellen vorgelagerte Prozesse zur weiteren, erforderlichen Beförderung von Rest- bzw. Abfallstoffen dar. Entsorgung Entsorgungsprozesse i.w.S.Aufbereitungsprozesse Zusatzleistungen Sammlung Sortierung Verpackung Logistische Prozesse Kernleistungen Lagerung Transport Umschlag Informationsleistungen Auftrags-abwicklung Trennung Demontage Filtration Magnetische Trennung Umwandlung Entwässerung Zerkleinerung Verfestigung Verwertung Wiederverwertung Weiterverwendung Beseitigung Deponierung Verbrennung Kompostierung Verwendung Wiederverwendung Weiterverwendung Abbildung 6.4: Elemente der Entsorgungslogistik Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 140 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 141 6 Entsorgungslogistik140 Sammeltransporte liegen an den Schnittstellen zwischen inner- und außerbetrieblichem Transport in der Entsorgungslogistik. Die daran angeschlossenen Nah- und Ferntransporte dienen entweder der Verwertung oder Verwendung von Rückständen und werden von spezifischen Verkehrsmitteln der Verkehrsträgerlogistik ausgeführt. 6.3.2 Elemente der logistischen Entsorgungskette Die Entsorgungslogistik umfasst ein breites Spektrum an logistischen Dienstleistungen, beginnend mit der Erfassung von Wert- und Abfallstoffen am Ort ihres Anfalls bis hin zur Verwertung bzw. Beseitigung am Ort ihrer Endentsorgung. Die logistische Kette der Entsorgung schließt hier insbesondere die Vorgänge der Verwendung, Verwertung, Aufbereitung und Beseitigung von Abfällen mit ein und bezieht sich auf folgende Hauptelemente: ●● Sammlung von Reststoffen bezeichnet den Eintritt von Abfällen in das System der Entsorgungswirtschaft an festgelegten Übergabeorten, innerbetrieblich meist an sogenannten Lagerzonen, außerbetrieblich z. B. an Restmüllsammelstellen, Depotcontainern, Recyclinghöfen, etc. Abfälle lassen sich nach Produktions- und Siedlungsabfällen unterscheiden, diese wiederum in Haushaltsabfälle und gewerbliche Abfälle. Abfallarten und Abfallorte bestimmen den quantitativen Bedarf der entsorgungslogistischen Dienstleistung. Entscheidendes Merkmal der Sammelsysteme ist ein Grad der Vorsortierung mit der Unterscheidung von Einstoff-, Einzelstoff-, Mehrstoff- und Mischstoffsammlungen. Sammelverfahren lassen sich in Bring- und Holsysteme gliedern und als systemlose und systematische Sammlung unterscheiden. Beide Systeme werden in Abhängigkeit von der Transportweglänge, der Anzahl der Abfallorte, dem Umfang der Abfallmenge sowie dem dafür erforderlichen Personaleinsatz charakterisiert. Bei der systemlosen Sammlung werden Abfälle behälterlos bzw. mit uneinheitlichen Behältern bereitgestellt, bei einer systematischen Sammlung werden einheitliche Umleer-, Wechseloder Einwegbehälter eingesetzt. ●● Transport von Rest- bzw. Abfallstoffen schließt sich unmittelbar an den Vorgang des Sammelns unter Nutzung von Transportvarianten innerhalb der entsorgungslogistischen Kette an, welche die Beseitigung von vorsortierten Abfallstoffen zu Sammelrevieren bzw. Behandlungs- oder Beseitigungsanlagen leisten. Bei entsorgungslogistischen Transportprozessen als System unterscheidet man zwischen den Elementen Transportkette, Transportweg, Ladehilfsmittel und Transportmittelvarianten. Wird eine Folge von technisch und organisatorisch miteinander verknüpften Entsorgungstransportvorgängen abgewickelt, spricht man von entsorgungslogistischer Transportkette. Die Durchführung der Entsorgungstransporte wird mit dem Einsatz von Verkehrstechnik gewährleistet und erfolgt auf dem Transportweg über drei Märkte: Land-, Wasser- und Luftverkehrsmarkt. Ladehilfsmittel ermöglichen dabei die Bildung von Ladeeinheiten für den Transport, den Umschlag und die Lagerung von Abfällen. Es werden drei Arten unterschieden: (a) Ladehilfsmittel mit tragender Funktion, wie z. B. Paletten, etc., (b) Ladehilfsmittel Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 140 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 141 6.3 Operative Entsorgungslogistik 141 mit umschließender Funktion, wie z. B. Gitterboxen, etc. und (c) Ladehilfsmittel mit abschließender Funktion, wie z. B. Container, etc. Transportmittelvarianten beziehen sich zum Einen auf Verkehrsmärkte mit der Unterscheidung von Abfalltransporte auf der Straße, auf der Schiene, auf dem Wasser und in der Luft, zum Anderen auf kombinierte Verkehre, d. h. Sammelbehälter durchlaufen dann etwa mehrere Transportvarianten in der entsorgungslogistischen Transportkette. ●● Umschlag von Abfall umfasst in seiner spezifischen Ausprägung in der Entsorgungswirtschaft zunächst alle Förder- und Lagerprozesse von Abfallmaterial, welches seiner Verwendung, Verwertung oder Beseitigung zugeführt wird. Diese Wechselprozesse erfolgen zwischen Förder-, Lager- und Transportmitteln, wobei eine spezifische Kombination unterschiedlicher Betriebsmittel erfolgt, die sich als Bereichs-, Arbeits- und Ladehilfsmittel sowie Umschlagsmittelvarianten unterscheiden lassen. Ein Umschlag des Abfallmaterials erfolgt dabei sowohl im inner- als auch im außerbetrieblichen System der Entsorgung, mit einer weiteren Unterscheidung mit und ohne Verdichtung der Reststoffe beim Abfallumschlag, um diesen selbst zu vereinfachen oder eine geringere Störanfälligkeit zu erzeugen. ●● Lagerung erfüllt eine logistische und abfalltechnische Funktion in der Entsorgungskette, wenn Abfallarten zur Verwendung, Verwertung oder Beseitigung mengen- und/oder wertmäßig, kurz- oder mittelfristig aufbewahrt werden. Zu unterscheiden ist hier zwischen kurzfristiger Einlagerung, mittelfristiger Zwischenlagerung und langfristiger Endlagerung. Sogenannte Endlagerstätten werden auch als Deponien oder Sonderlagerstätten bezeichnet. ●● Recycling oder Abfallverwertung, die der Beseitigung von Reststoffen und Abfällen vorzuziehen ist, nimmt Kreislaufsysteme in Anspruch, die zu unterschiedlichsten Formen der Verwertung, Behandlung und Beseitigung von Abfällen führen. Im Rahmen von Aufbereitungsverfahren werden spezifische Technologien zur Materialzerlegung, Sortierung, Identifizierung und Trennung kombiniert. Mit biologischen Verfahren, wie z. B. Kompostierung, Vergärung, etc., werden etwa organische Stoffe abgebaut und versucht, reduzierte Abfallmengen zu erzeugen bzw. Teilbereiche von Abfallmengen weiteren Kreislaufsystemen zuzuführen. Mit chemisch-physikalischen Verfahren, wie z. B. Neutralisation, Entgiftung, Entwässerung, etc., wird der Schadstoffgehalt von Abfällen reduziert. Mit thermischen Verfahren, wie z. B. Abfallverbrennung, Hydrierung, etc., werden teilweise energetische Nutzungsprozesse, wie etwa Strom- oder Fernwärmeproduktion, freigesetzt. ●● Deponierung schließlich wird ein Abfallentsorgungsverfahren bezeichnet, das der zeitlich unbegrenzten, geordneten und kontrollierten Lagerung von Abfällen dient. Nach geltender Rechtslage, nach der Deponieverordnung, werden Deponieklassen nach der Art, der Vorbehandlung bzw. dem Lageort differenziert. In engem Zusammenhang mit entsorgungslogistischen Prozessen oder der Entsorgungslogistik insgesamt sind sogenannte Abfallvermeidungs- oder Mehrwegsysteme entstanden, die als eigenständige Systemkonfigurationen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 142 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 143 6 Entsorgungslogistik142 einer Entsorgungslogistik gelten dürfen. Ein Duales System (Deutschland Gesellschaft zur Abfallvermeidung und Sekundärrohstoffgewinnung mbH/ DSD) diente ursprünglich der Verwertung von Verkaufsverpackungen unter der Prämisse einer weitgehenden Wiederverwertung dieser Materialien. Die Teilnahme von Verpackung produzierenden Unternehmen am DSD ermöglicht so die Rückführung in einen Recyclingkreislauf der Müllentsorgung. Dem Grundsatz ,Verwendung vor Verwertung vor Beseitigung‘ entsprechen sogenannte Mehrwegsysteme, die z. B. über den Einsatz von Mehrwegbehältern Einsparpotenziale an Verpackungen realisieren, indem über ein System der Rückführungslogistik Mehrfachverwendungen von Verpackungen zur Anwendung kommen. Zwei Formen von Mehrwegsystemen lassen sich hierbei unterscheiden: (1) Pendelsysteme, die an einen spezialisierten Abnehmer gekoppelt sind, (2) Pool-Systeme, bei denen eine Kooperation zwischen mehreren Abnehmern eines Mehrwegsystems besteht. Poolbetreiber können einen Mehrwegbehälterumlauf auf der Basis von Miete oder Pfand zur Verfügung stellen. Sinnvoll ist der Einsatz von Mehrwegsystemen insbesondere dann, wenn eine ökologieorientierte Kundenstruktur, ein flächendeckendes Entsorgungsnetz und eine große Anzahl von Umläufen gegeben ist. 6.4 Trends, Aufgaben und Literatur 6.4.1 Trends Folgende allgemeine Trends lassen sich für das Subsystem der Entsorgungslogistik angeben: } Î Tr en d s }Î Sowohl im Rahmen einer ökonomischen Ressourcenverwendung als auch durch rechtliche Umweltauflagen erlangt das Konzept der Nach haltigkeit in der Entsorgungslogistik zunehmende Bedeutung. Es wird in der Zukunft verstärkt darum gehen, Altgüter-, Komponenten-, Teile-, Werkstoff- und Reststoffkreisläufe einer ganzheitlich orientierten Entsorgungslogistik zuzuführen und sie differenziert, effizient und effektiv in Kreisläufe der Produktion und Konsumption zu integrieren. }Î Innovative Technologien, deren Einsatz den Ressourcen- und Energieverbrauch minimieren, werden weiterhin einen Entwicklungsschub erlangen, deren Potenzial dann in innovativen, entsorgungslogistischen Prozessen umgesetzt werden kann. }Î Optimierte Logistikprozesse der Entsorgung und des Transports werden direkt oder indirekt durch Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung und Energieeffizienz erzeugt. Ökologieorientierte Distribution und Transporte, unter expliziter Beachtung von z. B. CO2-Emissionen, werden insbesondere durch zunehmende Umweltauflagen an Bedeutung gewinnen. Im Hinblick auf die vorbezeichneten Trends zeichnen sich integrierte und ganzheitliche Sichtweisen ab, die eine vernetzte Optimierung von nationalen

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Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

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