Content

6.1 Definition, Aufgaben und System der Entsorgungslogistik in:

Andreas Huber, Klaus Laverentz

Logistik, page 143 - 146

1. Edition 2011, ISBN print: 978-3-8006-3642-6, ISBN online: 978-3-8006-4183-3, https://doi.org/10.15358/9783800641833_143

Series: Vahlens Kurzlehrbücher

Bibliographic information
Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 132 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 133 6 Entsorgungslogistik 6.1 Definition, Aufgaben und System der Entsorgungslogistik 6.1.1 Definition und Aufgaben der Entsorgungslogistik Unter Entsorgungslogistik beziehungsweise Redistributionslogistik versteht man alle geplanten und auszuführenden Tätigkeiten einer umweltgerechten Vermeidung, Verwertung oder Beseitigung von Rückständen. Als Teilbereich der Logistik beschäftigt sich Entsorgungslogistik mit der materialflusstechnischen Optimierung von inner- und außerbetrieblichen Abfallströmen. Im Kontext von Unternehmenszielen und ökologischen Rahmenbedingungen erfolgt dabei Durchführung der logistischen Leistungsprozesse für Rückstände im Verantwortungsbereich des Unternehmens. Entsorgungsobjekte der betrieblichen Entsorgungslogistik sind insbesondere diejenigen Rückstände der Produktions- und Konsumtionsprozesse, die in der Verantwortung des Unternehmens liegen. Vorrangige Ziele und Optimierungskriterien für die Entsorgungslogistik bestehen in der Vermeidung und Verwertung von Abfällen, einer Beseitigung der Abfallmengen sowie im Einsatz umweltverträglicher Versorgungstechnologien unter Nutzung des in der Abfallwirtschaft enthaltenen Wertschöpfungspotenzials. Als Teilprozesse der gesamten Entsorgung fallen Prozesse der Entsorgungslogistik mit den Kernleistungen, wie etwa Sammlung, Transport, Umschlag und Lagerung, den Zusatzleistungen wie Sortierung und Verpackung sowie der dazugehörigen Informationsleistung an. Als Aufbereitungsprozesse gelten im Rahmen einer Entsorgung die Trennung, wie z. B. Demontage, Filtration, magnetische Trennung, etc., und die Umwandlung, wie z. B. Entwässerung, Zerkleinerung, Verfestigung, etc. Lernziele Kapitel 6 } } Le rn zi el e }} Überblick über wesentliche Grundbegriffe der Entsorgungslogistik sowie über strategische und operative Teilbereiche einer ökologisch orientierten Logistik, einschließlich ihrer Optionen und Rahmenbedingungen. }} Verständnis der Entsorgungslogistik als Subsystem der Unternehmenslogistik mit den Elementen Sammlung, Transport, Umschlag, Lagerung und Recycling von Abfall- bzw. Reststoffen aus der logistischen Entsorgungskette. }} Einsicht in Formen ökologieorientierter Logistikkonzepte, in Ausprägungen des Recyclingmanagements sowie in Prozesse einer inner- und außerbetrieblichen Entsorgungslogistik. Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 134 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 135 6 Entsorgungslogistik134 Der Entsorgungsbegriff wird diesbezüglich im engeren und weiteren Sinne gebraucht: Der enge Entsorgungsbegriff bezieht sich auf Abfälle, die als nichtwiedereinsatzfähige Rückstände im Produktions- oder Konsumtionsprozess entstehen. Der weite Entsorgungsbegriff bezieht sich auf die Elemente Verwendung, wenn ein Wertstoff in seiner Gestalt beibehalten wird, und auf Verwertung, wenn dies nicht der Fall ist. Rechtskonform wird der Entsorgungsbegriff insofern verwendet (§ 1 (2) AbfG) als mit Abfallentsorgung das Gewinnen von Stoffen oder Energien aus Abfällen, das Ablagern von Abfällen sowie entsprechende Maßnahmen des Einsammelns, Beförderns, Behandelns und Lagerns bezeichnet wird. Analog zum Entsorgungsbegriff wird auch der Abfallbegriff in einer weiten und engen Form gefasst. Während sich der enge Abfallbegriff auf Rückstände bezieht, die nicht wieder einsetzbar sind, wird der weite Abfallbegriff im Sinne eines Wertstoffs im Zusammenhang mit Wiedereinsatz oder geordneten Beseitigungsformen verwendet und häufig mit dem Begriff Reststoff gleichgesetzt. Umfangreiche Rechtsgrundlagen der Entsorgungslogistik ergeben sich zum Einen aus den Vorgaben durch die europäische Umweltpolitik, zum Anderen aus geltenden, länderspezifischen Normen als nationales Abfallrecht. In diesem Zusammenhang hat die Europäische Union durch umweltpolitische Zielsetzungen die Erhaltung und den Schutz der Umwelt (z. B. Emissionsschutz, etc.), die Verbesserung der Umweltqualität, den Schutz menschlicher Gesundheit sowie die rationale Verwendung von natürlichen Ressourcen und die Förderung internationaler Schutzmaßnahmen festgelegt. Mit Prinzipien, wie dem Vorsorge- und Vorbeugeprinzip, dem Verursacherprinzip sowie dem Nachhaltigkeits- und Subsidiaritätsprinzip soll versucht werden, den Schutz der Umwelt möglichst effizient und effektiv zu gewährleisten. Im Rahmen von nationalen Abfallrechtsnormen werden die Beseitigung und Klassifikation von Abfällen Abbildung 6.1: Formen der Entsorgung Entsorgung im weiteren Sinne Output eines Produktions-/ Konsumptionsprozesses Rückstand Produkt Wertstoff Verwertung Verwendung Abfall Beseitigung Entsorgung im engeren Sinne Nutzensteigender Output? ja nein Beabsichtigter Wiedereinsatz? ja nein Beizubehaltender Wertstoffgestalt? ja nein Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 134 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 135 6.1 Definition, Aufgaben und System der Entsorgungslogistik 135 für Abfallerzeuger und Entsorger festgelegt. Als oberstes ökologisches Ziel gilt hier der Grundsatz ,Vermeidung vor Verwertung vor Beseitigung‘ aus dem Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetz (vgl. § 2 Abs. 1 KrWG/AbfG). 6.1.2 Systematisierung der Entsorgungslogistik Die Entsorgungslogistik stellt unter dem Aspekt der funktionsbezogenen Betrachtung eines Logistiksystems ein logistisches Subsystem dar, das sich mit der Transformation von Rest- bzw. Abfallstoffen in inner- und außerbetrieblichen Bereichen beschäftigt. Durch die Einführung von Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzen als neues System, werden alle bisherigen linearen Systeme der Gütererzeugung von produzierenden Einheiten zu verbrauchenden Einheiten durch ein zyklisches System ersetzt. Eine nachhaltige Produktverantwortung der Erzeuger soll das Problem der Ver meidung, Verringerung und Verwertung von Abfällen lösen. Diese Schaffung von Stoffkreisläufen wird auch als Recycling bezeichnet, das durch Rückführung von Rückständen aus Produktionsprozessen oder durch Rücknahme von Altprodukten, die nach deren Gebrauch in eine erneute Produktion einfließen, realisiert wird. Als Kriterien zur Kennzeichnung von Recycling können Umweltentlastungseffekte durch eine inputseitige Ressourcenschonung herangezogen werden oder eine outputseitige Reduzierung von Umweltbelastungen durch die verminderte Abgabe von Stoffen und Energien an die Umwelt genannt werden. Für die verschiedenen Formen des Wiedereinsatzes von Rest- oder Abfallstoffen wird ebenfalls häufig der Begriff Recycling verwendet. Einer Recyclingtypologie nach sind zu unterscheiden: (a) Recyclingproduktgebrauch, wie z. B. Austauscherzeugnisfertigung von Motoren oder Anlagen, etc., (b) Produktionsrücklaufrecycling, wie z. B. Abfallprodukte aus der Produktion, die getrennt und wieder eingesetzt werden, etc. und (c) Altstoffrecycling, wie z. B. Altstoffe, die sich durch Aufbereitung in erneute Produktionsprozesse Recyclingformen VerwertungVerwendung Wiederverwendung Weiterverwendung stoffliche Verwertung energetische Verwertung rohstofflich werkstofflich z.B. Mehrwegsverpackung, Austauschmotor z.B. Benutzung eines Senfglases als Trinkglas z.B. Metalle z.B. Ölgemische z.B. Einsatz von Abfällen im Zementwerk Abbildung 6.2: Recyclingformen Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 136 Vahlens Kurzlehrbücher – Huber/Laverentz – Logistik, 1. Aufl. Herstellung: Frau Deuringer Status: Imprimatur Stand: 23.11.11 Seite: 137 6 Entsorgungslogistik136 einsetzen lassen, wie z. B. Metall, Altpapier, Altöle, etc. Als Elemente des logistischen Subsystems Entsorgungslogistik lassen sich folgende Recyclingformen benennen: ●● Vermeidung: Präventiver Verzicht auf Entstehung von Abfällen, wie z. B. unnötige Transportverpackungen, etc. ●● Reduzierung: Quantitative und qualitative Reduzierung, wie z. B. der Einsatz schadstoffarmer Motoren, etc. ●● Verwendung: Wiederverwendung in Form von Mehrwegverpackungen und Ersatzteile, wie z. B. Pfandflaschen, Akku-Batterien, etc., sowie Weiterverwendung, wie z. B. Nutzung eines Produktes in verschiedenen Funktionen (Senfglas als Trinkglas), etc. ●● Verwertung: Stoffliche Verwertung als rohstoffliche Verwertungsform, wie z. B. Öle, Synthesegase/Methanol, etc., und als werkstoffliche Verwertungsform, wie z. B. Altpapier, Altglas, etc., sowie energetische Verwertung, wie z. B. Einsatz von Abfällen im Zementwerk, etc. ●● Beseitigung: Endgültige Abfallentsorgung, wie z. B. Deponierung, Kompostierung, etc. Entsorgungslogistik unterscheidet sich von anderen logistischen Subsystemen in der Art der Objekte, nämlich durch Reststoffe im Vergleich zu Einsatzgütern, durch eine entgegen gesetzte Flussrichtung dieser Objekte im Vergleich zur Beschaffungslogistik sowie durch eine nicht primär ökonomische Zielorientierung, sondern eine vorrangig ökologische Ausrichtung in der Vorgehensweise. 6.2 Strategische Entsorgungslogistik 6.2.1 Entsorgungslogistik, Nachhaltigkeit und ökologische Prinzipien Ausgangspunkt für eine explizite Entwicklung der Entsorgungslogistik waren seit Beginn der 1980er Jahre zahlreiche ökologische Probleme, die einerseits in einer planbaren Ressourcenverknappung, andererseits durch eine Verschlechterung der Ressourcenqualität zum Ausdruck kamen und zunehmend auch durch ein gestiegenes, gesellschaftliches Bewusstsein und zahlreiche, neu geschaffene Rechtslagen für Unternehmen und Märkte gebildet wurden. Umweltschutzmaßnahmen, die von Unternehmen aufgrund von Auflagen, Rechtsvorschriften oder Zertifikaten erbracht werden müssen, werden dadurch dem Verursacherprinzip gerecht, wonach Produzenten dazu verpflichtet werden, umweltschädigende Reststoffe bzw. Abfälle aus der gesamten Wertschöpfungskette sachgerecht zu entsorgen, d. h. dass im Schadensfall derjenige haftet, der die entstanden Kosten verursacht hat. Beispiele für umfassende ökologische Konzepte mit strategischem Charakter hierfür sind das Nachhaltigkeitsprinzip mit einem intergenerativen Gerechtigkeitsverständnis durch Sicherung gleicher Rechte auf Zugang und Nutzung der natürlichen Ressourcen, die Öko-Effizienz-Analyse, wie

Chapter Preview

References

Zusammenfassung

Der perfekte Einstieg in die Logistik

Das Lehrbuch behandelt den klassischen Lehrstoff der Logistik und berücksichtigt gleichzeitig auch aktuelle Entwicklungen. Ziel des Buches ist es, den theoriebezogenen und praxisrelevanten Stoff der Logistik zu verzahnen.

Das Lehrbuch erläutert die wichtigsten Logistik-Themen:

* Unternehmenslogistik

* Beschaffungslogistik

* Produktionslogistik

* Distributionslogistik

* Entsorgungslogistik.

Neben Supply Chain Management werden auch logistische Supportsysteme, wie IT-Management, Marketingmanagement und Controlling dargestellt.

"In der Gesamtbeurteiiung liegt für den Logistikinteressierten ein gelungenes Werk mit einer soliden Darstellung des Stoffes unter Berücksichtigung der innovativen Logistikthemen vor. Darüber hinaus bietet das Buch Unternehmen und Organisationen die Möglichkeit, sich an den beschriebenen Ansätzen zu orientieren und damit eine ?passende" Logistik zu implementieren bzw. fortzuentwickeln." in: Der Betriebswirt 02/12